Blinde und Emojis

In letzter Zeit wurde ich öfter gefragt, wie Blinde mit Emojis umgehen. Kriegen sie das überhaupt mit, wenn jemand diese bunten Symbole verwendet? Und verwenden sie sie selbst? Die Antwort ist ein klares Jein.

Das Smartphone

Emojis hätten sich wohl ohne Smartphone nicht wirklich durchgesetzt. Niemand würde sich eine zweite Tastatur mit lustigen Bildchen auf den Schreibtisch stellen. Auf dem Handy kann man im Prinzip beliebig viele unterschiedliche Tastaturen bereit stellen.
Zudem bringen die Emojis einen Gefühlszustand sehr schnell auf den Punkt. Für Sehende sind sie intuitiver als Emoticons oder Kürzel wie LOL und ROFL. Da das Tippen von Text auf dem Handy kein Spaß ist, haben sich Emojis hier schnell durchgesetzt.
Sie dominieren vor allem in sozialen Netzwerken und in Chat-Apps wie WhatsApp. Dort werden sie auch von Blinden eingesetzt. Das ginge natürlich nicht, wenn sie nicht auch vorgelesen würden.
Die Emojis werden teils exzessiv beschrieben:
„Klatschende Hand mit heller Hautfarbe“
„Gesicht mit Brille und Hasenzähnen“
„Lächelndes Gesicht mit zusammengekniffenen Augen“
Bei den in iOS und Android integrierten Emoji-Tastaturen werden zu den einzelnen Emojis vorgelesen. Bei Emojis, die mit anderen Tastaturen stammen, kann es sein, dass sie nicht vorgelesen werden.

Desktop

Auf dem Desktop sieht die Sache ein wenig anders aus. Der Screenreader NVDA ignoriert Emojis standardmäßig. Es gibt aber ein kostenloses Addon, welches die Beschreibungen vorlesen kann.
Jaws 18 – also die aktuelle Version – liest ebenfalls die Beschreibungen vor.
Bei VoiceOver auf dem Mac ist mir die Situation nicht bekannt. Ich gehe aber davon aus, dass Mac-VoiceOver die Beschreibungen ebenso vorliest wie iOS-VoiceOver, alles Andere würde mich doch sehr wundern.

Wo kommen die Beschreibungen her?

Wichtig zu wissen ist, dass die Beschreibungen vom Unicode-Konsortium stammen und damit quasi allgemeinen Charakter haben. Weder Apple noch Google denken sich die Beschreibungen selbst aus. Das ist für uns Blinde insofern wichtig, dass wir system-übergreifend die gleichen Beschreibungen bekommen.
Das heißt aber auch, dass Emojis, die nicht Teil des Unicode-Standards sind auch nicht beschrieben werden. Man kann zwar in den Tastaturen Beschreibungen hinterlegen. Diese werden aber nicht vorgelesen, wenn die Emojis ins Textfeld eingefügt werden. Der Empfänger kriegt sie schon gar nicht vorgelesen, selbst wenn er die gleiche Tastatur wie der Absender installiert hat. So etwas wie einen Alternativtext für Emojis gibt es nicht.
Wenn ihr mit Blinden kommuniziert, solltet ihr vor allem die Häufung von Emojis vermeiden. Ihr habt die Beschreibungen oben gesehen. Stellt euch vor, ihr kriegt so etwas zehn oder 20 Mal innerhalb einer Nachricht vorgelesen. Die Nachricht wird künstlich aufgebläht und für uns ist es schwierig, solche Texte zu überspringen. Generell spricht aber nichts gegen deren Einsatz in der privaten Kommunikation.

2 Gedanken zu „Blinde und Emojis&8220;

  1. Da ich meine Texte mit Sprachausgabe lese, mag ich es gar nicht, wenn zu viele Gesichter in einem Satz vorkommen. Das nervt mich so sehr, daß ich irgendwann für mich entscheide die Nachricht oder den Kommentar nicht weiterzulesen.

    1. Meine Chatpartner sind da Gott sei Dank zurückhaltend, aber ich würde mir tatsächlich wünschen, dass man die Ansage dieser Dinger abschalten kann. First World Problem würde man dazu wohl sagen:-)

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