Braille in der Kultur

Cover des Buches über BlindheitBraille hat eine turbulente Entwicklung durchgemacht. In der Zeit vor dem Personalcomputer war sie die einzige Möglichkeit Blinder zur Teilhabe. Viele Faktoren, haben dazu geführt, dass Braille in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat.

Braille kehrt in den Alltag ein

Für mich als eher Außenstehenden sah es lange Zeit so aus, als ob Braille in Deutschland keine Rolle mehr spielen würde. Ich habe als Jugendlicher Braille gelernt, aber weder eine Schreibmaschine noch Bücher besessen. Eine Braillezeile erschien mir überflüssig, da ich mit der Sprachausgabe gearbeitet habe.
Dazu muss man wissen, dass Braille recht komplex ist. Die Schriftzeichen sind schnell erlernt, doch bis man flüssig lesen kann, können Jahre vergehen. Natürlich gibt es eifrige Leser, die es wesentlich schneller schaffen, aber die meisten Durchschnittsleser tun sich recht schwer.
Es ist nicht anders als beim Lesen der Schwarzschrift. Wer das als Kind lernt und regelmäßig liest, kann auch flüssig lesen. Wer es als Erwachsener lernt und nicht regelmäßig liest, hat große Schwierigkeiten.
Dank der medizinischen Versorgung sind Kinder, die blind zur Welt kommen in der westlichen Welt heute eine Seltenheit. So kommt es, dass viele Blinde erst im Jugend- oder Erwachsenenalter die Brailleschrift lernen – oder auch gar nicht lernen. Ich kenne einige Blinde, die gar kein Braille lesen können. Wie schon gesagt, je älter man wird, desto schwieriger wird es, flüssig zu lesen. Wenn man aber nicht flüssig lesen kann wird man selten mehr machen als sehr kurze Texte wie Beschriftungen zu lesen.
Meine eigene Haltung dazu hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Hörbücher sind zwar eine feine Sache, aber ein Buch selbst zu lesen, ist doch was anderes. Sich Codezeilen oder mathematische Formeln vorlesen zu lassen ist ein reiner Albtraum, weil man oft den Anfang vergisst, wenn man am Ende angekommen ist. Die Orthographie mit der Sprachausgabe zu kontrollieren ist schwierig und meiner persönlichen Meinung nach nicht vernünftig machbar.
Allerdings habe ich mich geirrt, Braille kehrt immer mehr in unseren Alltag ein und zurück. So gibt es mittlerweile zahlreiche Medikamente mit Braillebeschriftung. Kleidung kann mit Braille beschriftet werden und sogar ein Hochzeitskleid mit Braille – hoffentlich kein Grund, die Braut zu betatschen.
Und auch in der Kunst spielt Braille eine Rolle. So gibt es Street Art mit Braille, die Künstlerin Silia Korn beschäftigt sich ebenfalls ausführlich mit Braille.
Dass Braille die Inklusion fördert zeigt die Hybrid-Braille-Schrift, die es blinden und sehenden Kindern ermöglicht, die gleichen Bücher zu lesen. Und es gibt sogar einen Comic für Sehende und Blinde.
Mein Landsmann Sumit Dagar arbeitet an einem Handy, dass nicht nur Braille und andere Objekte haptisch darstellen können soll, sondern sogar erschwinglich sein wird. Wenn das Projekt von Erfolg gekrönt sein wird, dann dürfte es für Blinde eine größere Innovation als das iPhone sein.
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