Die Zukunft von Braille

Cover des Buches über BlindheitDie Brailleschrift oder Punktschrift war lange Zeit die einzige Möglichkeit für Blinde, eigenständig Texte zu lesen, bis der Personalcomputer sich auf breiter Fläche durchgesetzt hat und mit ihm die Sprachausgabe.

  • Die Sprachausgabe ist vergleichsweise günstig zu haben. Eine handelsübliche Punktschriftmaschine kostet mehr als 500 Euro, für diesen Preis erhält man auch die Sprachausgabe-Software. Eine Braille-Zeile, die Computerinhalte in Punktschrift ausgibt, kostet hingegen 10.000 Euro und mehr.
  • Der Druck von Punktschrift-Texten ist relativ teuer. Es wird dickes, pappe-ähnliches Papier benötigt, in welches die Texte eingestanzt werden. Das Druckverfahren ist also im Wesentlichen mechanisch und nicht elektronisch wie in handelsüblichen Druckern.
  • Obwohl man mit der Kurzschrift enorm viel Platz sparen kann, nehmen Punktschrifttexte viel Platz ein. Schon eine kleine Bibliothek von 20 Büchern, die wohl jeder Haushalt im Regal stehen hat, würde im Punktschriftformat einen ganzen Schrank einnehmen.
  • Die Verfügbarkeit von Punktschrifttexten ist entsprechend gering. Während jedes Jahr Zehntausende neuer Bücher auf den Markt kommen, stehen bestenfalls einige tausend Bücher in Punktschrift zur Ausleihe bei speziellen Bibliotheken zur Verfügung.
  • Viele spät Erblindete lernen nie, flüssig Punktschrift zu lesen. Das heißt, die Lektüre von Punktschrifttexten fällt ihnen schwer und sie dauert entsprechend lang.
  • Mit der Sprachausgabe lässt sich die Vorlesegeschwindigkeit erhöhen. Viele Blinde lauschen ihrer Sprachausgabe bei 50 % und mehr Beschleunigung. Die Sprachausgabe liest also wesentlich schneller vor, als ein menschlicher Sprecher es könnte.
  • Einige E-Book-Reader wie der Kindle von Amazon verfügen über eine integrierte Sprachausgabe.
    Last not least gibt es mittlerweile eine ganze Palette günstiger kommerzieller Hörbücher.

Das Fehlen von Punktschriftkenntnissen bleibt nicht ohne Folgen. Während schon viele sehende Schüler mit der korrekten Orthographie kämpfen, haben Blinde, die nicht mit den Fingern lesen noch schlechtere Chancen auf gute Rechtschreibung. Ob die Texte von einem Computer oder von einem Menschen vorgelesen werden, macht keinen Unterschied. Die tägliche Einübung in die Lesetechnik geht bei Blinden zwangsläufig verloren, wenn sie nicht selber lesen müssen. Zudem erleichtert das Selber Lesen das Verständnis für komplexe Inhalte. Die Aufmerksamkeit ist höher, wenn man den Text selber liest, während das Vorlesen-Lassen die Neigung erhöht, die Aufmerksamkeit auf andere Gegenstände zu fokussieren.
Die Zukunft der Brailleschrift hängt entschieden davon ab, ob sie etwa im Computerbereich eine interessante Alternative darstellen wird. Im Bereich Informatik oder Mathematik, wo es darauf ankommt, jedes einzelne Zeichen genau zu erkennen, ist die Braillezeile die bessere Wahl.