Kategorie-Archiv: Dies und das

Gemeinsamer Raum – Shared Space und die Barrierefreiheit

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Behinderte sind schnell dabei zu sagen, was alles nicht geht. Ich bin da immer misstrauisch, denn meistens geht es doch. Die Frage ist, was muss getan werden, damit es geht.

Der Shared Space ist so ein Beispiel, dabei handelt es sich um ein nicht mehr ganz neues Verkehrskonzept aus den Niederlanden. Ziel ist es, den Verkehrsraum miteinander zu teilen. An die Stelle fester Verkehrsregeln treten informelle Regeln und die Ad-hoc-Absprache der Verkehrsteilnehmer per Augenkontakt, Bürgersteigkanten und andere Beschränkungen werden abgeschafft.

Keine Freunde des Shared Space

Die Kritik von Blinden beruht vor allem darauf, dass sie zum einen keinen Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern herstellen können und zum anderen keine Orientierungspunkte haben. Rollstuhlfahrer befürchten, dass sie in einem toten Winkel sind, wo sie von KFZ-Fahrern nicht gesehen werden. In fast allen Situationen sitzt ein Rollstuhlfahrer tiefer als ein Autofahrer.

Die Sorge mag berechtigt sein, suggeriert aber, dass es aktuell wesentlich besser steht. Das ist meines Erachtens nicht der Fall. Hier in Bonn gibt es zahlreiche Stellen, die Blinde und Rollstuhlfahrer nicht gefahrlos überqueren können. Zum Beispiel ist irgendein Genie auf die Idee gekommen, eine Zugstrecke mitten durch die Stadt zu legen – oder die Stadt um die Zugstrecke herum aufzubauen. An vielen Stellen gibt es keine blindengerechte Möglichkeit, diese Strecke zu überqueren. Ein anderer Witzbold ist auf die glorreiche Idee gekommen, eine U-Bahn teilweise oberirdisch zu verlegen, die an einigen Stellen den Fußgängerüberweg kreuzt. An einer Stelle gibt es nicht einmal eine Schranke, die runtergeht, wenn die Bahn durchfährt, so dass Blinde da in eine lebensgefährliche Falle geraten können. An einigen Stellen der B9 ist die Verkehrsführung dermaßen verworren, dass ich selbst mit einer ordentlichen Einweisung da nicht drüber gehen würde. Viele akustische Ampeln sind so gestaltet, dass man nie genau verorten kann, ob jetzt die eigene Ampel grün ist oder die Ampel der Parallelstraße. Und Bonn ist bekanntermaßen ein Dorf, in größeren Städten dürfte es noch schlimmer zugehen.

Marburg wirkt da auf den ersten Blick wie das verlorene Paradies für Blinde. Akustische Ampeln an allen ecken, lauter blindenfreundliche Menschen und kaum gefährliche Ecken, zumindest bis die Ampeln an der vollkommen ungefährlichen Schnellstaße am Hauptbahnhof um 22 Uhr abgeschaltet werden. Diese Straße ist auch vollkommen unwichtig, sie muss nur überquert werden, um vom Bahnhof in die Innenstadt zu kommen und wer will das schon.

In gewisser Weise schadet dieses System den Blinden mehr, als es ihnen nutzt. Wenn sie Marburg verlassen wöllten hätten sie im schlimmsten Fall nie mit einem Verkehrssystem zu tun gehabt, in dem es diese Ampeln nur sporadisch gibt. Sie hätten große Probleme, in anderen Städten zu Recht zu kommen. Das dürfte der Grund sein, warum viele Blinde im mittleren oder reiferen Alter in Marburg bleiben, auch wenn sie dort keinen Job finden. Um Missverständnissen vorzubeugen, ich würde mich freuen, wenn es diese Ampeln flächendeckend gäbe, sie würden auch älteren Menschen mit Sehproblemen zugute kommen. Aber ich sehe diesbezüglich keine Entwicklung in eine bestimmte Richtung. Am einen Ort werden sie aufgebaut, an anderem Ort abgebaut.

Barrierefreiheit schaffen

Der Shared Space könnte eine Lösung für einige Mobilitätsprobleme sein. In vielen Fällen wäre er sogar eine Verbesserung, Rollstuhlfahrer zum Beispiel können nie wissen, ob nicht irgendeine Baustelle ihren Stammweg blockiert und sie können nicht ohne Weiteres auf die Straße ausweichen. In den meisten Punkten sind die Bürgersteigkanten zu hoch, sie kämen vielleicht noch unfallfrei runter, aber nur schwer wieder hoch.

Wer schon mal in einem Entwicklungsland gewesen ist weiß, wie chaotisch es da zugehen kann. In Indien zum Beispiel gibt es Verkehrsregeln – an die sich niemand hält. Wir fahren links wie die Engländer, alles andere ist Flow. Dennoch haben sich informelle Regeln herausgebildet, es gilt das Recht des Stärkeren. Mopeds dissen die Fußgänger, Autos die Mopeds, Lkws und Busse die Autos. Wer überholen will hupt zwei Mal. Das Ganze ist weder vorbildhaft noch konfliktfrei, aber es funktioniert erstaunlich gut. Die Schwachen wissen, dass die Starken keine Rücksicht nehmen und passen daher auf sich selber auf. So viel anders als in Deutschland ist es auch nicht, wo es keine Ampeln oder Zebrastreifen gibt sind die Schwachen immer diejenigen, die den Autos weichen müssen.

Natürlich kann der Shared Space nicht ganz ohne Prinzipien auskommen. Eines unserer Prinzipien muss also heißen: Der Starke muss auf den Schwachen Rücksicht nehmen.
Das zweite Prinzip heißt: Der Schwache muss auf sich selbst aufpassen. Eine Ausnahme gilt nur für kleine Kinder, die das bekanntermaßen nicht können. Alle anderen sollten das beherrschen, wenn sie am Verkehrsraum teilnehmen möchten, ansonsten macht es auch keinen Unterschied, ob Shared Space oder etwas anderes.

Das Problem mit den Orientierungspunkten für Blinde lässt sich lösen. Da Häuser voraussichtlich nicht planiert werden sind Häuserwände der beste Orientierungspunkt. In ausreichenden Abständen können taktile Streifen geschaffen werden, die eine Überquerung des Fahrweges erlauben.

Das Überqueren eines Fahrwegs dürfte die schwierigste Herausforderung für Blinde sein. Hier müsste das Prinzip greifen, dass ich oben genannt habe, der Stärkere ist für den Schwächeren verantwortlich. Wenn ein Blinder die Straße queren will hat ein Auto, ein Fahrrad und auch der LKW stehen zu bleiben, Blickkontakt hin oder her. Der Blinde seinerseits muss die Verantwortung für sich selbst übernehmen, das heißt, er darf die Straße nicht überqueren, bis er sich sicher sein kann, dass das Auto stehen geblieben ist bzw. keine Gefahr droht. Ich will nur einmal kurz daran erinnern, dass die Städte nicht den Autofahrern gehören, auch wenn der Blick auf eine Karte etwas anderes suggeriert. Nirgendwo steht geschrieben, dass Autos ein Vorrecht vor Fußgängern haben müssen.

Fazit

Ich möchte nicht behaupten, alle möglichen Probleme des Shared Space gelöst zu haben, ich liefere nur einige Anregungen. Ich finde das Konzept spannend und es wäre schade, wenn es von den Blindenverbänden kassiert werden würde, weil diese nicht flexibel genug sind.

Zum Weiterlesen

Hörensagen – was weißt du über den?

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Am Mittwoch starb Steve Jobs. Nun habe ich persönlich mit dem Mann natürlich nichts zu tun gehabt. Aber ich werde immer zwei Dinge mit ihm verbinden:
Mit dem iPhone, dem iPad und dem Mac hat er einen großen Schritt Richtung Universal Access gemacht. Wenn Steve Jobs nicht an die Spitze von Apple zurückgekehrt wäre, ist es zweifelhaft, ob es das jemals gegeben hätte. Apple war bis dato ein teures Produkt, gekauft hauptsächlich von Designern und Leuten, die es sich leisten konnten. Mit den modernen Eingabehilfen sind alle Produkte von Apple mit aktuellen Betriebssystemen eine Plattform, die für viele Behinderte zugänglich ist.
Das zweite ist seine bekannte Rede an der Uni Yale. Man mag denken, dass das auch nur Imagepolitik war, aber darauf kommt es gar nicht an. Wichtig ist, dass er die Leute damit berührt hat und wie viele Redner können das schon?Welcher Wall-Street-Banker würde ernsthaft sagen, dass man seinen Traum leben solle?

Was mich aber eigentlich zu diesem Beitrag bewegt ist die Frage, wie wir zu unserem Urteil über Menschen kommen. Jobs hat zu seinen Lebzeiten polarisiert, und er wird das in zehn Jahren noch tun. Kurioserweise kennen die meisten Kritiker ihn nicht persönlich.
Es ranken sich zahllose Anekdoten um berühmte Persönlichkeiten, die angeblich deren Charakter beschreiben. Oftmals wissen wir gar nicht mehr, wer diese Geschichten in die Welt gesetzt hat. Dann heißt es nur noch “Man erzählt sich”. Häufig genug dürfte es sich um Gegner oder frustrierte ehemalige Mitarbeiter handeln.
Im Grunde wissen wir also nicht, wie Jobs wirklich war und wir werden es nie wissen.
Mohandas Gandhi zum Beispiel war eine durchaus ambivalente Figur, wie er selbst in seiner Autobiographie deutlich macht.
Wir haben uns angewöhnt, durch Anekdoten über Menschen zu urteilen, wie orientieren uns nicht daran, was diese Menschen tatsächlich getan haben.
Es gibt etwas, was ich als die Ästhetik des Dagegenseins definieren würde. Wenn alle Welt behauptet, die Erde sei rund, dann würde es immer noch ein kleines Grüppchen geben, welche das Gegenteil behauptet. Die Freunde der Scheibenwelt würden sich je nach Gusto als kritische Geister, als eingeschworene Gemeinschaft oder als etwas Vergleichbares sehen. Wenn jemand sagt: “Alle sind der Meinung dass…”, juckt es euch da nicht auch in den Fingern zu sagen, ihr seid nicht dieser Meinung. Nicht, weil ihr wirklich dagegen seid, sondern weil das, was die Mehrheit annimmt, eigentlich falsch sein muss, weil wir ja klüger sind als die Masse und so weiter.

Do it yourself – 3D-Drucker ein neuer Ansatz für Blinde?

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Fast alles kommt zurück, aber in anderer Form, als man denkt. Vor ein paar Jahren galt man noch als spießig, wenn man sich selber Kleidung stickte oder das Wochenende in der Werkstatt verbrachte. Das Auto war eher was für den Elektroniker und Schnitzen am Kamin taten nur die Opis in den Märchen.
Heute sieht es fast so aus, als ob das Selbermachen ein Revival erlebt. Natürlich muss es für unsere Generation blinken und Funken sprühen.
Interessant sind zum Beispiel die 3D-Drucker für Blinde. Es gibt zwar dreidimensionale Modelle etwa von Karten oder anderen Objekten. Sie sind aber unheimlich teuerer im Entwurf und in der Herstellung. Mit 3D-Druckern könnte das anders werden. Die Entwürfe werden am Computer angefertigt, das Material kostet nicht so viel und die Geräte selbst werden immer günstiger.
Eventuell lassen sich sogar Braille-Drucker ersetzen. Im Prinzip ist ein Braille-Drucker eine Maschine, die Punkte in ein dickes Papier stanzt. Natürlich ist dafür ein höherer Grad an Feinheit notwendig. Die Braille-Punkte sind nur wenige Milimeter dick, das Material nur ein paar Milimeter dick. Das heißt, es ist noch mehr Feinheit erforderlich, als die 3D-Drucker – soweit mir bekannt – erreichen können. Das dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Schließlich lässt sich heute bereits Papier in einem gewissen Maße prägen.

Barrierefreiheit beim Impressum

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Müssen impressen eigentlich barrierefrei sein? Aus ethischer Sicht würde man sofort ja sagen, denn warum sollten diese Daten nicht allen zugänglich sein? Vor allem kleinere Seitenbetreiber verstecken Kontaktdaten wie Mailadressen in Rastergrafiken, so dass sie von Bots nicht ausgelesen werden können. Die Strukturen von Adressen sind sehr leicht automatisiert zu erkennen, so dass Adressensammler im Internet sehr schnell ihre Speicher füllen können. Ein weiteres Problem ist natürlich Stalking, was sehr viel einfacher wird, wenn man Telefonnummer und Adresse einer Person hat.

Ein ordentliches Impressum schafft Vertrauen

Privatpersonen sind nicht impressumspflichtig, wenn sie auch keine Werbung auf ihrer Seite schalten. Jede Textanzeige und jeder Affiliate Link und verkaufte Link gilt als Werbung und macht die Seite damit impressumspflichtig.
Während es bei einer privaten Seite oder einem Blog relativ egal ist, wer da was schreibt, wird es schon bei Soloselbstständigen anders. Wer hier eine Dienstleistung beauftragen möchte, wird zuerst auf das Impressum schauen, zumal hier zumeist auch die Kontaktdaten stehen. Enthält das Impressum nicht die obligatorischen Angaben wie die Umsatz-Steuer-ID oder sind die Kontaktdaten nicht lesbar, scheidet dieser Anbieter aus. Das gilt natürlich erst recht für Agenturen, Shops oder Unternehmen.

Die rechtliche Seite

Die Rechtsprechung scheint noch nicht so eindeutig zu sein. Über diesen Post bin ich darauf gestoßen, dass es relativ neue Urteile dazu gibt. In einem anderen Beitrag wird das näher ausgeführt:

Grundlage für das Bereithalten einer Anbieterkennzeichnung ist § 5 TMG. Darin festgehalten ist, dass die Anbieterkennzeichnung “leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar” zu halten ist.Abmahngefahr: Impressum als Grafik » shopbetreiber-blog.de

Ich denke, das ist sehr eindeutig. Leicht erkennbar heißt für alle erkennbar. Theoretisch also auch für die Nutzer von Textbrowsern, Smartphones mit Winz-Displays oder Screenreader-Nutzer. Übrigens würde ich nie im Leben in einem Shop kaufen, dessen E-Mail nicht lesbar ist.
Ob man – wie der oben zitierte Artikel – auf das Gleichstellungsgebot aus dem Grundgesetz Bezug nehmen möchte, lasse ich mal dahin gestellt sein. Die Grundrechte beziehen sich auf die Rechte des Bürgers gegen den Staat, man müsste hier also eher das Bürgerliche Besetzbuch heranziehen. Leider habe ich auch keine Urteile gefunden, die ein barrierefreies Impressum als verpflichtend ansehen, falls einer meiner Leser eines kennt, freue ich mich über einen Hinweis.
Auch wenn es noch keine eindeutigen Urteile geben sollte, kann ich nicht dem Eiertanz in diesem Forumnicht anschließen. Das Telemediengesetz scheint mir sehr eindeutig zu sein und zumindest genug Masse für die allseits geliebten wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen zu lifern. Die Anbieter sollten von sich aus auf barrierefreie impressen setzen und nicht auf Abmahnungen, Gerichte oder den Gesetzgeber warten.

Das übertriebene Spamproblem

Noch ein Wort zu Spam. Ja, es gibt massig davon, aber tatsächlich ist er recht gut in den Griff zu bekommen. Die großen amerikanischen Anbieter von Mailadressen wie Google, Yahoo oder Microsoft haben Spam sehr gut im Griff. Ich habe mir einfach eine Googlemail-Adresse nur für die Website hier zugelegt. Die Zahl der Spammails ist überschaubar im Gegensatz zu meinem GMX-Account, wo der Spamfilter auch nach zehn Jahren Training unbrauchbar ist und diese GMX-Adresse hat noch nie im Internet gestanden.

Ko-blog-operation

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Die Blogs Make it Work werden punktuell Beiträge cross-posten. Diese Zusammenarbeit ermöglicht beiden Blogs eine größere thematische Vielfalt in den Bereichen Medien- bzw. Politikbeobachtung Behinderung und barrierefreie Nutzung des Internets.
Der Blog Make it Work beobachtet Medien und die Politik im Hinblick auf die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Zusätzlich liegt ein Fokus auf internationaler Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Behinderung und auch der inklusiven Entwicklungsarbeit in Deutschland. Der Autor Stefan Lorenzkowski initiierte den Blog mit seinen Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit und dem notwendigen inklusiven Bedarf in der Eingliederungshilfe in Deutschland.
Blind-Text beschäftigt sich vor allem mit der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen im Internet. Barrierefreiheit im weiteren Sinne – also auch in der Umwelt, in der Kultur und in der Informationstechnik – ist eine der Grundsäulen der Inklusion und eine Voraussetzung dafür, dass die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt werden kann. Der Autor beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit den Themen Internet und Behinderung und möchte diese Themen auch stärker in die Öffentlichkeit tragen.
Weitere Autoren und Autorinnen sind eingeladen, an beiden Blogs mitzuarbeiten.
So long…

Erving Goffman – der Behindertenbeobachter

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Ich glaube jeder von uns kennt Bücher, die seinem Leben eine neue Richtung gegeben haben. Manche finden zum Glauben, manche fallen davon ab. Viele werden zu Zynikern, andere finden ihr Herz für eine gute Sache.
Wenn ich auf mein kurzes Leben zurückblicke fallen mir drei Bücher ein, die mich fundamental beeinflusst haben.
Malcolm X Autobiographie zeigte mir, dass das Leben nichts wert ist, wenn man nicht bereit ist, für eine Sache einzutreten, wenn man von ihr überzeugt ist.
Henry David Thoreau zeigte mir in seinem Buch über den zivilen Ungehorsam, dass wir selbst unsere größten Sklaventreiber sind und dass die wahre Befreiung nur aus uns selbst kommen kann.
Erving Goffman zeigte in Stigma, dass Menschen so verletztlich sind, dass viele von ihnen Strategien entwickeln, um Angriffen zu entgehen. Wir verbergen die Verletzlichkeit hinter einem Panzer aus Gleichgültigkeit, Kaltherzigkeit, Ignoranz und Zynismus.
Goffman gehörte nicht zu den großen Soziologen, doch hatte er etwas, was vielen Sozialwissenschaftlern abging. Er hatte Beobachtungsgabe, Spürsinn und die nötige Sensibilität, um diese Fähigkeiten auch einzusetzen. Er beobachtete Menschen, die einen körperlichen Makel hatten und analysierte sehr scharf, welche Strategien sie einsetzen, um diesen Makel entweder zu verbergen oder zumindest Verletzungen durch andere Menschen vorzubeugen. Wir sagen immer, Kinder können grausam sein, aber wirklich grausam sind nur Erwachsene.
Ein Mann mit einer Gesichtsentstellung setzte sich immer so hin, dass ein Besucher seine Behinderung bereits vor dem Eintreten Sehen konnte. Er schützte sich damit vor dem abschätzigen oder angewiderten Blick, den viele Menschen für körperlich unversehrte übrig haben, bevor sie die Kontrolle über das Mienenspiel zurückgewinnen. Alle Menschen haben Angst davor, zurückgewiesen zu werden, aber niemand fürchtet sich so davor wie ein Behinderter.
Wenn du nur ein Buch über Behinderung lesen dürftest, dan empfehle ich goffmans Stigma.

Nur-Text unterstützen wir nicht

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Heute möchte ich ausnahmsweise mal einen Newsletter zitieren. Ich habe ja privat seit gefühlten zehn Jahren keinen Newsletter abonniert. Entweder bietet jemand einen RSS-Feed an oder er hat Pech gehabt. Wobei ich mit dieser Einstellung total Old-School bin, wie ich mir habe sagen lassen: Der moderne Mensch läßt sich Artikel über Twitter empfehlen.
Nun aber zum genialen Newsletter-Text, den ich euch nicht vorenthalten wollte:

Ihr E-Mail-Client kann leider keinen HTML-Code darstellen, weshalb
dieser Newsletter auf Ihrem Monitor nicht angezeigt wird. Wir bitten um Nachsicht, dass wir nicht jeden E-Mail-Client hinsichtlich der Darstellung unserer HTML-Newsletter testen können. Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte über unsere Impressumsseite [Linkspam entfernt]

Okay, ich benutze den Thunderbird, wahrscheinlich bin ich der Einzige. Außerdem habe ich den HTML-Quatsch abgeschaltet, HTML ist was für Leute, die gut sehen können und auch Wert auf hübsche E-Mails legen. Ich bin ein Plain-Text-Verfechter und brauche in einer Mail weder Header noch eigenwillige Layout-Tabellen. Jeder Newsletter-Versender sollte damit rechnen, dass die Empfänger HTML wes Grundes auch immer abgestellt haben und eine Text-Fallback-Lösung anbieten.
Aber lustig, dass dieser Telefon-Tarife-Anbieter nicht alle Clients durchtesten möchte und offenbar lieber gar keinen Inhalt anbietet als einen Text-Newsletter.
Alberner war nur eine Regierungsbehörde, die ihren Newsletter als PDF-Anhang bereit gestellt hat. Bei den Anbietern scheint der Glaube vorzuherrschen, sie könnten den Leuten vorschreiben, wie sie ihre Newsletter zu lesen hätten und die Leute würden sich das auch noch gefallen lassen, anstatt das Zeug ungelesen in den Papierkorb zu schieben.

Magnum p. i. – warum die Serie bis heute funktioniert

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Viele Serien der 80er wirken heute antiquiert und wären wohl nicht mehr erfolgreich. Kinight Rider oder Street Hawk zum Beispiel
Magnum ist eine Krimiserie, die in gewisser Weise das Band zwischen den 70ern und 90ern bildet. Viele Menschen zwischen 30 und 50 sind mit den Serien der 80er aufgewachsen: A-Team, Hart aber herzlich, Knight Rider, Ein Colt für alle Fälle, Simon und Simon oder Ein Trio mit vier Fäusten. Obwohl sie alle sehr unterschiedlich sind, strahlen sie alle einen heute etwas muffig wirkenden Charme aus. Allen gemein sind die etwas flachen Geschichten. Außerdem sind die Serien als klassische Serienplots angelegt, die Folgen stehen zusammenhanlos nebeneinander.
Magnum dürfte eine der ersten populären Serien sein, wo dieses Schema durchbrochen wurde. Ähnlich wie später bei Deep Space Nine gibt es Personen, die in größeren Abständen wieder auftauchen.
Die Serie gewinnt ihren Charme weniger aus den oft nicht so spannenden Geschichten, sondern aus dem Zusammenspiel der Charaktäre und den Running Gags, von denen die Serie durchzogen ist. Magnum ist ständig pleite, eher schlampig und geht körperlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg. Er verhandelt vor allem in den ersten Staffeln mit Higgins ständig über die Nutzung der Ressurcen des Anwesens und nimmt Leistungen von T.C. und Rick ständig in Anspruch, ohne eine echte Gegenleistung anzubieten. Die Charaktäre prallen ähnlich wie beim A-Team aufeinander und die Komik erwächst aus diesem Zusammentreffen, wobei das A-Team die Selbstironie stärker herausstellt
Wie bei einer Zwiebel schälen sich nach und nach die Eigenschaften und die Vergangenheit der Hauptfiguren heraus. Erst allmählich erfährt man mehr über die Vergangenheit der vier Hauptfiguren. Der etwas blasse Rick gewinnt im Rahmen der Serie erst nach und nach an Charakter, Higgins wird einem erst später allmählich sympathisch und auch TC wirkt am Anfang noch ein wenig flach. In den ersten Staffeln wirken die drei oft nur als Stichwortgeber und Nebenfiguren der Serie, während sie später nach und nach wichtigere Rollen einnehmen.
Ähnlich wie bei den Simpsons funktioniert jede Episode als eigenständige Folge, aber anders als bei den Simpsons ist eine Weiterentwicklung auf der Metaebene zu erkennen.
Das Vietnam-Thema zieht sich durch die komplette Serie, Magnum, Rick und T.C. sind Kriegskameraden, der Krieg nur wenige Jahre her. Vor allem in der ersten Staffel, die Ende der 70er Jahre spielt, erlebt Magnum Flashbacks, die sich um seine Erfahrungen in Vietnam drehen. Wie im realen Leben lassen diese Flashbacks allmählich nach, ohne das die Vietnamproblematik vollständig verschwindet. Obwohl T.C. und Magnum das Vietnam-Trauma verfolgt, sind sie kaum in der Lage, sich das gegenüber einzugestehen.
Die Spannungen zwischen Magnum und Higgins sind zu Beginn wesentlich schärfer und weichen nach und nach einer freundschaftlichen Rivalität, einem respektvollen Wetzen der Klingen. Higgins freundet sich nach und nach auch mit T.C. und Rick an, was aufgrund der unterschiedlichen Charaktäre und Lebensstile sehr überaschend ist. In der Rückschau lässt sich die gesamte Serie als die Suche nach einem Sinn für sein Leben durch Magnum verstehen. “On the road of experience, trying to find my way, sometimes I wish, I could fly away” ein Countrysong von John Denver ist das Hauptthema der letzten Magnum-Folge.
Magnum ist zugleich das perfekte Gegenstück zu den hard boiled-Detektiven a la Philip Marlowe. Er geht körperlichen Auseinandersetzungen und Problemen oft aus dem Weg, ohne dass er ihnen entkommen kann. Er ist zwar chronisch pleite, lebt aber auf die Kosten von Robin Masters und seiner Freunde ein teils aufwendiges Leben. Die beiden Welten der hard boiled Stories und der 80er Deteektiv-Serien prallen zusammen in den Folgen, in denen Luther Gilles auftritt.
Anders als die harten Macho-Typen wird Magnum oft unterschätzt wegen seines legeren Auftretens. Er ist fast immer in Hawaii-Hemd und kurzen Hosen unterwegs und deswegen nicht ganz ernst genommen.
Dennoch scheint er sich während der Serie weiter zu entwickeln. Er legt sich nach und nach ein seriöseres Image zu und versucht zuletzt sogar, einen langweilen Job als Hoteldetektiv zu bekommen.
Viele Folgen und die Serie als Ganze sind an die klassische Heldenreise angelegt. Oft wider Willen wird Magnum in Schwierigkeiten hineingezogen. Er kämpft einerseits gegen die Schurken der Gegenwart, aber auch gegen die Dämonen der Vergangenheit, die ihn und seine Freunde heimsuchen.
Last not least ist Magnum eine Geschichte über Männerfreundschaft. Obwohl die vier Hauptfiguren grundverschieden sind, werden sie durch die gemeinsamen Erlebnisse zusammengeschweißt und sie halten trotz Konflikten immer zusammen.
Interessant ist auch, das wichtige nebencharaktäre der Serie sterben. Das kennt man so aus keiner Serie dieser Zeit.
Einige der Folgen weichen vom typischen Schema der Serie ab. So finden sich die vier Hauptcharaktäre auf einmal in Kamboscha mitten in einem Kriegsgebiet wieder. Ein andermal wird die Serie eine Omage an Sherlock Holmes. Und dann findet sich Magnum plötzlich in den 30er Jahren.
Gelegentlich gleitet die Serie auch ins Soapige ab, wenn Magnums Ex-Frau Michelle die Bühne betritt. Nicht alle Folgen sind gleichermaßen gelungen, aber das ist bei 160 Folgen auch zu erwarten. Die Serie folgt ein wenig zu oft dem Klischee der hübschen Mandantin, die durch den bärigen Detektiv gerettet wird.
Interessant ist das Serienschema von Magnum dennoch. Während andere Serien dieser Zeit wie Raumschiff Enterprise – das nächste Jahrhundert, aber auch viele andere Serien folgen einem sehr starren Serienschema, das praktisch in keiner Folge durchbrochen wird. Bei Magnum werden einzelne Figuren in einzelnen Episoden näher betrachtet. Auch Nebenfiguren wie Mack, Tanaka oder Luther Gilles werden teilweise in den Vordergrund gerückt. Beim A-Team waren die meisten Nebenfiguren praktisch nur Animateure für die Hauptfiguren.

Access News vom 26. August 2010 – Navi ohne GPS

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Für Open Source droht neues Ungemach: Oracle verklagt Google wegen der Verwendung von Java in Android. Es war wohl absehbar, dass Oracle das von ihm gekaufte Sun früher oder später wie eine Zitrone auspressen würde: jetzt fragt sich jeder, was nach der Einstellung von Open Solaris als nächstes kommt. Google wird die Klage wenig schaden. Allerdings spielt Java im Open-Source-Bereich eine große Rolle und ziemlich sicher werden auch Zugänglichkeits-Anwendungen betroffen sein. Die Klage verunsichert vor allem die Programmierer, die zuvor auf Java als plattformübergreifende Programmiersprache gesetzt haben. Auch wenn bisherige Programme nicht betroffen sein mögen – als Laie ist das schwer zu sagen – weiß niemand, in welche Richtung Oracle künftig die Lizenzpolitik für Java steuern wird.

Brotkrummen statt GPS

Microsoft hat ein von Sensoren strotzendes Handy vorgestellt, mit dem sich ein Weg exakt zurückverfolgen läßt – ohne GPS. Das Gerät ermittelt die Daten über Luftdruck, Geschwindigkeit und weitere Parameter. Zweifelhaft ist die Tendenz, die Daten über das Internet auf zentralen Servern zu speichern. Es ist eigentlich wahrscheinlich, dass man sich an einem Ort befindet, wo kein GPS, aber Internet vorhanden ist?
Wie dem auch sei: kann man so viel Power in einem Gerät vereinen, dürfte das Gerät auch für die Orientierung Blinder und stark Sehbehinderter interessant werden. Dafür wären vor allem Sensoren interessant, welche die Entfernung bewegter und unbewegter Objekte – Menschen, Autos, Gebäude – ermitteln könnten.

iPad für Autisten

Autisten sind in der Lage, sich über Tablets auszudrücken. Der direkte taktile Kontakt mit der Oberfläche mit dem Gerät und die leichte und intuitive Bedienung erlaubt es auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, sich schnell mit dem Computer zurecht zu finden. Das könnte ein sehr interessantes Forschungsfeld für neue Therapieformen werden.

Online-Shopping – versteckte Kosten, verspieltes Vertrauen

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Ich gebe es gerne zu: auch ich suche nach Möglichkeiten, Geld zu sparen, wenn ich im Internet bestelle. Für Blinde ist es im normalen Laden kaum möglich, Preise zu vergleichen. Deswegen ist das Internet ein echter Segen für uns.

Der Versandhandel bringt aber auch Nachteile mit sich. So muss man auch für kleine Produktmengen Versandkosten bezahlen, die sich so im Rahmen von vier Euro bewegen. Dabei können diese vier Euro schon den Wert des bestellten Gegenstandes übersteigen oder seine Bestellung unrentabel machen. Das ist zum Beispiel bei Medikamenten der Fall.

Medikamente, das muss man leider immer wieder feststellen, sind unheimlich teuer. Teuer im Verhältnis zu ihrem Grund- und Herstellungspreis. Das sieht man, wenn man die Preise von Online- und Offline-Apotheken vergleicht. Eine Augensalbe, die ich mir regelmäßig kaufe, kostet im Ladengeschäft etwa vier Euro pro 5 Gramm. In der Versandapotheke kostet sie ca. vier Euro pro zehn Gramm. Bei Schmerzmedikamenten und ähnlichen frei erhältlichen Produkten können die Preise um 100 Prozent schwanken, heißt konkret, in der Apotheke nebenan bezahlt man häufig das Doppelte. Jetzt muss man wissen, dass vor allem ältere Menschen, die nicht internet-affin sind, in solche Apotheken rennen. Dass kranke Menschen oft auch kaum Geld haben, offenbart das ganze Übel.

Zurück zum Thema, da ich nur kleine Mengen benötige, bestellte ich bei einer Apotheke “ohne Versandkosten”, bezahlte dafür ein wenig mehr für meine Medikamente. Summa sumarum kam ich damit besser weg, als wenn ich die Versandkosten bezahlt hätte.

Ich habe also nach einem Shop gesucht, der keine Versandkosten nimmt. In diesem Shop habe ich dann meine Medikamente gekauft. Erstaunt musste ich dann zuhause feststellen, dass sie zwar keine Versandkosten, aber 3,95 Euro “Service-Pauschale” in Rechnung gestellt haben.

Nun muss ich zugeben, dass ich auf den finalen Rechnungsbetrag nicht geachtet habe, insofern mea culpa.

Lessons learned

Meine Neigung, neue Shops auszuprobieren ist immer recht gering. Man rechnet immer mit versteckten Fallen oder Schwierigkeiten bei der Reklamation. Meine Erfahrung mit dieser Online-Apotheke zeigt, dass ich da richtig liege. Im Endeffekt werde ich nicht nur diese spezielle Online-Apotheke vermeiden, sondern noch genauer darauf achten, keine versteckten Kosten zu haben. Ich habe nichts gegen Versandkosten, aber sie müssen IMMMER, IMMER, IMMER transparent sein.