Archiv der Kategorie: Dies und das

Neue Begriffe braucht das Land

Wer in der Internet-Szene in sein will, sollte mit kryptischen Wortkombinationen und deren Abkürzungen um sich werfen. Es schadet nicht, ab und zu neue Wortungetüme zu basteln. Die müssen natürlich englisch sein, schließlich leben wir in Deutschland.
Hier habe ich eine kleine Hilfe gebastelt, das Wortkarussell. Nimm dir ein Wort der ersten Spalte, kombiniere es mit einem Wort der zweiten und dritten Spalte und schon haben wir einen neuen Begriff geschaffen.

Beängstigend genug, dass man aus vielen dieser Kunstbegriffe mit ein wenig Phantasie auch noch einen Sinn ziehen kann.

Social Media Analyse
Key Performance Indicators
Search Engine Marketing
Cloud Computing Optimization
User Centered Strategy
Latent Semantic Monitoring

Konzepte statt Programme – wie man mit vielen Programmen umgehen lernt

Es kommt mittlerweile sehr häufig vor, dass sich Programme als Quasi-Standard etablieren. Es ist aber sinnvoller, Konzepte von Programmen zu lernen, anstatt sich auf ein bestimmtes Programm festzulegen. Das Ziel muss sein, die Grundlagen zu lernen, so dass man mit wenig Einarbeitungszeit jedes Programm verwenden kann, welches die gleiche Aufgabe erledigt.

Warum das? Weil es immer passieren kann, dass ein neues Programm das alte ablöst. So passiert mit Quake Express, einer Desktop-Publishing-Software, die offenbar von Adobes InDesign auf dem PC verdrängt wird. Ähnlich passiert das schon seit längerem mit Photoshop, das etwa gegen Paintshop antritt.

Man muss sich dabei bewußt machen, dass es sich dabei um Programme handelt, die im professionellen Bereich verwendet werden. Dass diese Programme dennoch von Laien verwendet bedeutet aber nicht, dass sie professionell damit arbeiten können.

Außerdem sind sie unheimlich teuer. Es lohnt also eher nicht für den Privatanwender, diese Software zu kaufen, um sie zu erlernen. Stattdessen gibt es eine Handvoll Aufgaben, die er damit erledigen möchte und deren Konzepte er verstehen muss.

In Photoshop etwa ist dies der Umgang mit Pixel- und Vektorgraphiken, mit verschiedenen Dateiformaten, verlustfreier und verlustbehafteter Komprimierung, Farbmanagement und verschiedenes mehr. Hinzu kommen Dinge wie Gradationskurven, Filter und vieles mehr.

Hat man all diese Dinge einmal an einem beliebigen Programm gelernt, kann man mit ein wenig Einarbeitung in die jeweilige Oberfläche und ein wenig Recherche mit jedem vergleichbaren Programm umgehen. Der Umstieg auf ein besseres Programm ist dann kein großes Problem mehr.

Das gleiche gilt natürlich auch für Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation. Oder für das ganze Betriebssystem. Das Kernproblem vieler Unternehmen beim Umstieg von einer Software auf eine andere besteht darin, dass die Mitarbeiter sich allzusehr mit der etablierten Software angefreundet haben.

Andersherum kann man tatsächlich mit Photoshop arbeiten, wenn man keine Ahnung von Graphikbearbeitung hat. Dabei kann auch brauchbares herauskommen. Nach Art eines Rezeptes etwa wird haargenau beschrieben, wie Farbe, Helligkeit und Tonwert korrigiert werden. Man spielt ein wenig mit den Reglern herum, speichert in JPEG – das kennt schließlich jeder – und fertig ist das Foto.

Doch die Zeit, die man für die Einarbeitung in Grafikbearbeitung gespart hat, investiert man doppelt und mehrfach in die Einarbeitung in andere Programme, in die Recherche nach Arbeitsschritten, die hier aus dem Rahmen fallen. Zudem ist man unfähig, ein Problem oder eine Aufgabe, die man durchführen möchte, klar zu formulieren und treibt somit jeden, der Einem helfen könnte in den Wahnsinn.

OpenSource – der Code als Vollendung

Vielleicht ein wenig zu prosaisch? In vielen Bereichen gehört OpenSource bereits zum Standard. Etwa im Internet. Content-Management-Systeme wie Drupal oder Typo3 oder die Blogsoftware WordPress sind wesentlich beliebter und erfolgreicher als kommerzielle Systeme.

Die Systeme werden schnell weiterentwickelt und oftmals entwickeln sie vollständig neue Konzepte des Arbeitens und Darstellens von Web-Content.

Viele Unternehmen betreiben nach wie vor kommerzielle CMS-Systeme mit allen damit behafteten Nachteilen: Sie sind teuer und werden nur langsam weiterentwickelt. Manchmal machen die Entwickler pleite, so daß ein Dritter das System weiterentwickeln muss – oder die Firma muss selbst Leute anstellen, die das tun. Die Anforderungen etwa an Datenbanken steigen stetig, Sicherheitslücken oder gar Abstürze können finanzielle Probleme verursachen.

Bei den OpenSource-Systemen hingegen werden Fehler schnell in der Community bekannt und behoben. Die Systeme sind modular und gut erweiterbar. Die Entwickler in den Firmen müssen also so gut wie nie direkt in die Systeme eingreifen, sondern können selbstständig eigene Erweiterungen entwickeln.

Ähnliches gilt auch für die Dateiformate. Wer in DOS-Zeiten mit Word gearbeitet hat, wird erschüttert feststellen, daß die neuen Word-Versionen diese Dokumente nicht oder nicht fehlerfrei öffnen können. Viele Behörden haben unterschiedliche Systeme der Datenspeicherung implementiert, so daß ein Datenaustausch, die Archivierung oder die Implementation besserer Systeme zum Mamutprojekt werden.

Daher und aus Kostengründen wird es Zeit, daß öffentliche Einrichtungen konsequent auf OpenSource setzen. Linux, OpenOffice oder XML, für alle Anwendungsbereiche stehen Programme bereit. Der Umstieg läuft zwar nicht ohne Reibungsverluste, ist aber sicher nicht schmerzhafter als der Umstieg von Win XP auf Windows Vista.

Der Großmeister – Grandmaster Flash im Taz-Interview

Grandmaster Flash alias Joseph Saddler ist einer der Urväter des Hip Hop. Mit zwei Kollegen hat er das DJ-ing und die meisten Techniken dafür entwickelt und damit eine der einflußreichsten Musikstile hervorgebracht: den Hip Hop, den Rap, davon beeinflußt die moderne Tanzmusik a la Scooter, DJ Bobo et al.

Wie er im Taz-Interview berichtet, hat er die für Stars fast obligatorische Karriere der Drogensucht durchgemacht. Er scheint sich allerdings gut gehalten zu haben, wer hätte gedacht, dass er wieder auf die Bühne zurückkehren würde?

Yes we can!

Heute wird Obama auch offiziell Präsident der USA, der erste Schwarze auf diesem hohen Posten. Zumindest in Deutschland scheint aber keiner zu wissen, woher die Formel “Yes we CAn” eigentlich stammt. “Yes I Can” ist der englische Titel der Autobiographie von Sammy Davis Junior. Sammy war ein afroamerikanischer Entertainer und Schauspieler, verstorben 1990. 1925 geboren hat er seine eigenen Probleme mit Rassismus gehabt. Wo er auftrat, wäre er als Gast nicht eingelassen worden. In vielen Hotels hätte er nicht übernachten dürfen. Und einige der Schauspieler hätten sich geweigert, mit ihm in Filmen aufzutreten. Doch er hat es geschafft.
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“I love Stalin” – die größten Russen

Stalin alias Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili gehört sicher zu den bekanntesten Personen der UdSSR. Dabei war er Georgier.Dennoch ist er bei einer Art Russland sucht den historischen Superstar auf Platz 3 gelandet.

Stalin war sicher einer der größten Massenmörder der Weltgeschichte. Zugleich hat die UdSSR sicher zu dem gemacht, was sie war, ihre Laufbahn bis zu ihrem Ende festgelegt. Insofern war er die wichtigste Person Russlands im 20. Jahrhundert. Ebenso bedeutend war Lenin alias Wladimir Iljitsch Uljanow.

Uljanow hat die russische Revolution in die Bahn bolschewistische Bahn gelenkt und damti Stalin den Weg bereitet. Und Lenin war wirklich Russe.

Größe wird oft mit positiven Werten assoziiert. Doch Größe hat mehr mit Einfluß als mit moralischen Kategorien zun tun. Alle Personen der Geschichte sind ambivalent.

Mao war sowohl Befreier Chinas als auch Massenmörder. Stalin hat die UdSSR mit brachialer Gewalt ins Industriezeitalter geführt, war entscheidend am Kampf gegen das Dritte Reich beteiligt und war der Organisator der Gulags.

Man kann sich relativ sicher sein, dass viele Gestalten der Weltgeschichte, die ebenfalls “groß” genannt werden, heute als Kriegsverbrecher oder Massenmörder gesehen werden würden. Von Cäsar über Alexander den Großen hin zu Napoleon, Harry S. Truman und viele Andere.

Singen wie Bono, schreiben wie Coelho

Die Formel für erfolgreiche Popmusik ist bereits gefunden. Ob es auch eine Formel für erfolgreiche Literatur gibt? Das könnte man meinen, wenn man Paolo Coelho liest und Harald Martenstein hat sehr schön zeigt, wie es geht:

Wir blicken hinaus auf die nächtliche Straße, bis die letzte Schneeflocke des Tages die Wolken verlässt. Unsere Seelen tanzen wie Schmetterlinge aus Eis in der klaren Winterluft. Ich sage: “Mit dem, was ich tue, will ich den Menschen dazu verhelfen, Weisheit zu erlangen. Die Menschen nennen mich einen Meister. Aber die Menschen begreifen nicht, dass jeder Meister mit seiner Lampe in der Dunklen Nacht nur beleuchtet, was er selber sehen will. Die Menschen sind Meister ihres eigenen Schicksals.” Der ganze Text erschien in der Zeit

Manche mögen sich an George Orwells “1984” erinnern, wo Musikstücke maschinell nach Massengeschmack produziert werden.

Die Erfolgsformel in der Literatur könnte heute also etwa so lauten: Packe ein wenig Esoterik zusammen mit dem hispanischen “magischen Realismus”, mische dazu ein wenig Selbsthilfeliteratur, ein gutes Stück Dramatik und eine deftige Liebesgeschichte. Was würde wohl passieren, wenn der Dalai Lama, Stephen King,  Steven Spielberg, Phil Collins, Dale Carnegie, Bill Gates und Henry Ford sich treffen würden?

Schuhe auf Bush – eine lange Tradition

Das Werfen als Protestform hat schon seit Ewigkeiten Tradition; Angefaulte Lebensmittel bezugen das Mißfallen des Publikums. Ob es Eier auf Helmut Kohl waren, Farbbeutel auf Joschka Fischer oder eine Torte auf Bill Gates, das Werfen von Dingen, die Spuren hinterlassen ist die Beleidigung schlechthin.

Für Bush dürfte peinlicher als der Schuhwurf gewesen sein, dass seinem Erzfeind Saddam das gleiche widerfuhr:

Der Schuhwurf von Bagdad könnte ebenso legendär werden wie Nikita Chrustchow, der bei einer Sitzung der UNO mit seinem Schuh auf den schlug, weil der Redner ihn langweilte.

Die USA – zwischen Dynamik und Schneckentempo

Die USA sind wohl das umstrittenste Land der Welt. “Love or leave it” gilt für die USA wie für kein anderes Land der Welt.

Zurecht kann man den USA einen fatalen Idealismus vorwerfen, dessen Früchte oft ungenießbar sind.

Man kann ihnen sicher vorwerfen, dass sie in vielen Dingen der Entwicklung hinterher hinken.

Den Anderen muss man hingegen vorwerfen, dass sie die USA zu einseitig beachten: Die USA sind eine Menge von Teilmengen, seien es Bundesstaaten, Städte oder Individuen.

Und während einige Bundesstaaten eher an Kasachstan denken lassen, entwickeln andere Staaten eine Innovationskraft, vor der die Europäer noch lernen könnten.

Das Land als Ganzes, hat es einmal eine bestimmte Entwicklung eingeschlagen, kann eine Dynamik entwickeln, welche die Europäische Union vor Neid erstarren ließe – wären die Europäer nicht die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt.

Die USA benötigen kompetente Menschen in der Regierung. Während die EU stetig dahin tröpfelt und erst im Nachhinein gesagt werden kann, ob sie Erfolg hat oder nicht, schreiten die USA in großen Sprüngen voran und entwickeln dennoch mehr Tempo als die EU.

Die Anthropologie des Bahnfahrers

An der Deutschen Bahn und ihren Mitfahrern lässt sich sehr schön der Zustand der Gesellschaft ablesen. Dass Züge nicht pünktlich fahren, muss man bei winterlichen Bedingungen wohl einrechnen. Und das man horrende Preise zahlen muss, um längere Reisen in guter Zeit und akzeptbablen Zügen hinter sich zu bringen, muss man wohl auch akzeptieren.
Erstaunlich ist immer die Unfähigkeit der Menschen, sich über einen Zug zu verteilen. Ja, die überregionalen Züge sind lang, die Augänge zum Bahngleis liegen sehr nahe beianander. Wer aber am Bahnsteig entlanggeht, dürfte auch mit schwerem Gepäck maximal fünf Minuten benötigen, um einen Zug von Anfang bis Ende zu durchschreiten.
Ich habe das gemacht am Münchner Bahnhof, den gestrigen Eurocity bin ich bis ins hintere Drittel durchgegangen. Ein kapitaler Fehler, denn hier hatte sich die ganzen zweifelhaften Gestalten – die Bahnfahrer – versammelt.
Der Wagen, in dem ich zum Sitzen kam, war reserviert, was mir weder die MItfahrer, die es wussten mitteilten, noch der Schaffner.
Die anderen Mitfahrer, die nicht reserviert hatten schafften es aber mühelos, die gesamten Gänge derart zu verstopfen, dass andere Menschen mit oder ohne Gepäck nicht durchkamen.
Ich schaffte es aber binnen einer Stunde und mit viel Geduld, mich in den hinteren Teil des Zuges durchzukämpfen, wo – ganze Abteile frei waren!
Wie es ein moderner Betrieb wie Deutsche Bahn es schafft, so viel Service-Armut auf sich zu vereinen, dass nicht einmal in der Lage ist, Sitzplätze vernünftig zu verteilen, ist eines der vielen ungeösten Rätsel. Der deutsche Bahnfahrer ist ohnehin ein unsympathischer Zeitgenösse, doch insgesamt macht er die Deutsche Bahn trotz hohen Komforts und annehmbarer Preise zu einem der unangenehmsten Verkehrsmittel überhaupt.