Archiv der Kategorie: Barrierefreiheit & Zugänglichkeit

Fundsachen Behinderung und Technik – zu wenige Untertitel und erleichterte Kommunikation

AccessTech News scheint von WordPress zu Blogger.com umgezogen zu sein, sofern das der gleiche Autor ist. Der Blog hat immer mal ein paar interessante technische Entwicklungen für Behinderte zu bieten, ist allerdings Englisch.

Gehörlose zeigen sich unzufrieden mit der Untertitelungsquote im deutschen Fernsehen. Eine Statistik dazu gibt es in Sign-Dialog.

Eine iPhone-App soll mit Bildern die Kommunikation und den Spracherwerb von Autisten erleichtern. In einem Interview mit Autismus-Kultur erklärt die Erfinderin Lisa Domican, wie das funktioniert.

MyHandicap berichtet über einen Nervenschrittmacher, der zum Beispiel bei einem Schlaganfall ausgefallene Körperteile wieder steuerbar machen soll.

Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit und die Lebenshilfe haben einen Kriterienkatalog „Barrierefreiheit für Menschen mit kognitiven Einschränkungen“ herausgebracht. Die Broschüre dreht sich um die Zugänglichkeit von technischen Geräten und Wege-Leitsystemen, ist aber auch sonst lesenswert. Man kann sie beim BKB bestellen oder hier als PDF runterladen. Wer sich nebenbei dafür interessiert, wie man barrierefreie Veranstaltungen für Behinderte organisiert, sollte einen Blick auf das Handbuch Inklusion (PDF) der Caritas werfen.

Offtopic

Abseits von meinem Thema, aber lesenswert, die FAZ hat ein paar Artikel zum Thema Studium und Behinderung veröffentlicht:

Der Yahoo! Style Guide – Handbuch für Online-Redakteure

Es gibt viele Bücher für Online-Redakteure, aber keines von ihnen stellt die Informationen in geraffter Form zusammen. Diese Lücke wird vom Yahoo! Style Guide gefüllt.

Der Aufbau

Der Guide ist stolze 500 Seiten dick. Das Inhaltsverzeichnis verrät im Grunde schon die gesamte Basis des Schreibens für das Web:

  • Schreibe für das Web
  • Finde heraus, wer deine Leser sind
  • Lege deinen Tonfall fest
  • Schreibe inklusiv
  • Drück dich klar und verständlich aus


Der Inhalt

Selbst für einen Blogger mit kleiner Leserschaft ist es sinnvoll, eine eigene Sprache zu entwickeln. Das heißt zum Beispiel, dass man bestimmte Wörter verwendet und andere nicht. Der regelmäßige Leser mag nach der Verbreitung von Twitter und Facebook seltener geworden sein, es gibt ihn aber noch. Und der wird sich schön wundern, wenn der Blogger an einem Tag einen locker-flockigen Ton anschlägt und im nächsten Beitrag plötzlich Juristen-Jargon verwendet.
Der Blogger ist in diesem Sinne eine Marke und kann ähnliche Strategien anwenden wie Unternehmen dies tun würden: ein einheitliches Design, eine einheitliche Sprache und Konsistenz. Das gilt dann umso mehr, wenn man mehr als einen Kanal bedient. Das ist übrigens das ganze Geheimnis um diese Kaugummi-Begriffe Corporate Design, corporate Wording, Corporate Language. Nebenbei gesagt: wer solche Begriffe verwendet möchte sagt etwas über sich selbst aus, er positioniert sich selbst und vermittelt diese Position oder Einstellung dem Leser. An diesem Beispiel sieht man recht gut, wie man mit Worten arbeiten kann und warum es wichtig ist, die eigene Stimme konsistent einzusetzen.
Wichtig ist auch eine klare Ausdrucksweise. Wir Redakteure verwenden viel Zeit mit der Suche nach schönen Formulierungen, anstatt mehr Wert auf Klarheit zu legen. In meinem Job arbeite ich gerne mit Beispielen, wenn ich die Aussage eines Wortes nicht klar genug finde. Diese Beispiele sind immer recht nah an der Lebenswelt meiner vorgestellten Leser.

Inklusivität

Ein Thema, um das sich Blogger und viele Firmen drücken ist die Gender-Frage. Schreibt man nun Schülerinnen und Schüler, SchülerInnnen, nur Schüler, weil weibliche da immer dabei sind oder was? Anatol Stefanowitsch hat sich damit beschäftigt und ich finde seine Aussagen überzeugend. Das Gleiche gilt dann auch für Behinderte oder Ausländer. Wer sich über Political Correctness beschwert oder sich keine Gedanken darüber machen möchte, wie man über Minderheiten oder benachteiligte Gruppen spricht, ohne sie zu beleidigen oder zu stigmatisieren, der sollte mit Verlaub einfach die Klappe halten.

Notwendige Einschränkungen

Das Buch stammt aus den USA. Wenn man aber nicht gerade amerikanisches Englisch schreibt, muss man Teile des Buchs mit Vorsicht genießen. Im letzten Teil stellt es sehr schön veraltete Regeln von Grammatik und Rechtschreibung dar, die man nicht mehr verwenden sollte. Ich würde mir so etwas für das Deutsche wünschen, denn ich bin auch dauernd am Überlegen, ob man bestimmte Wörter mit Bindestrich, getrennt oder groß schreibt. Der Duden ist mir da leider zu unübersichtlich.

Kaufempfehlung

Wenn man nur ein Buch zum Thema Online-Redaktion lesen möchte, empfehele ich den Yahoo! Style Guide. Er fasst alles Wissenswerte in kompakter Form zusammen. Und er kostet weniger als 20 Euro, die sehr gut angelegt sind. Er ist auch recht gut als Nachschlagewerk geeignet. Vor allem für Redakteure ist er auch nützlich, weil wir manchmal auch Dinge vergessen, die selbstverständlich sein sollten.

Weiterführendes

Chris Barr. The Yahoo! Style Guide: The Ultimate Sourcebook for Writing, Editing, and Creating Content for the Digital World. Griffin 2010
korolewski: Schreiben fürs Web
Texte fürs Web – Tutorial – stefanbucher.net
Barrierefreies Print – hier geht es auch um die Strukturierung von Text
Gibt es einen allgemeinen Wortschatz?

Dezente Hinweise

Wer hat das nocht nicht erlebt: da schreibt jemand eine nette und freundliche Mail, um auf ein Problem hinzuweisen und erhält eine aus Textbausteinen zusammengesetzte Nicht-Antwort. Das statistische Bundesamt zum Beispiel hat nicht auf meinen Hinweis reagiert, dass das statistische Jahrbuch in PDF für Blinde NULL zugänglich ist. Die ARD ihrerseits hat Probleme, eine App barrierefrei zu bekommen.
Nun bin ich jemand, der eher positiv an eine solche Sache rangeht. Zum Einen wird die Barrierefreiheit – BITV hin, BITV her – in deutschen Behörden stiefmütterlich behandelt. Für mich sieht es von außen so aus, als ob da ein paar Agenturen ein paar automatische Testtools über die Portale laufen lassen und ein paar Checklisten abhaken und schon ist die Website per definitionem barrierefrei. Zum Anderen werden Aspekte der Barrierefreiheit vergessen, weil auch kein Betroffener in der Nähe ist, der die Nicht-Behinderten daran erinnert, dass in Deutschland neun Millionen Menschen mit Behinderung leben.
Deswegen macht es mir auch nichts aus, die Leute auf solche Probleme hinzuweisen. Ich bin dabei immer ausnehmend freundlich und höflich, für meinen Geschmack sogar ein wenig zu freundlich. Umso mehr ärgere ich mich darüber, mit einer Textbaustein-Nachricht mit Nonsens abgespeist zu werden.

Zaudern macht keine Barrierefreiheit

Deswegen plädiere ich dafür, solche Vorgänge im zweiten Schritt öffentlich zu machen. Wir haben als Behinderte einen Anspruch darauf, dass Angebote von öffentlichen Stellen barrierefrei zugänglich sind und es gibt keinen Grund, warum wir uns deswegen genieren müssen. Wenn die Behörden oder Unternehmen unseren freundlichen Bitten nicht nachkommen, gibt es ebenso wenig Grund, diesen Vorgang nicht öffentlich zu machen.

Warum im zweiten schritt?

Ich denke, es ist ein Zeichen von Fairneß, die Betreffenden im ersten Schritt im persönlichen Kontakt auf die mangelnde Barrierefreiheit ihrer Angebote aufmerksam zu machen. Wie ich schon sagte, ist mangelnde Barrierefreiheit meiner Erfahrung nach in den meisten Fällen der Unachtsamkeit und Unbedarftheit der Macher geschuldet. Daher ist eine betont freundliche Mitteilung angebracht, in der man dalegt, aufgrund welcher körperlichen Einschränkung man welche Funktionen oder Anwendungen der Website nicht benutzen kann.
Dann hört man natürlich so einen Blödsinn wie „Blinde benutzen unsere Website nicht“. Ich antworte dann: „Das stimmt nicht, ich bin blind und würde Ihre Website nutzen, wenn Sie barrierefrei wäre“.
Bevor man sich hier in einen endlosen fruchtlosen Dialog wirft, sollte man dem Ansprechpartner mitteilen, dass man vorhat, die Barriereunfreiheit der Website öffentlich zu machen. An dieser Stelle ist es oft hilfreich, die PR-Abteilung des Unternehmens oder der Behörde miteinzubeziehen, die mögen meistens keine negative PR, aus gutem Grund.
Im Endeffekt würde ich auch nicht davor zurückschrecken, tatsächlich die Öffentlichkeit zu suchen. Wichtig ist auch hier, dass man nüchtern und wahrheitsgemäß die Kritik an der Website darlegt und keine Beleidigungen oder falsche Aussagen unterbringt. Es dient zum einen nicht dem eigenen Anliegen, weil solche Aussagen zu sehr den Beißreflex der Gegenseite bedienen. Zum anderen wissen wir ja, wie klagefreudig unsere Lieblingsfirmen sind, wenn es um ihren Ruf geht.
Da die meisten Einrichtungen inzwischen Monitoring betreiben, kriegen sie das so oder so auch mit, man kann sie aber auch dezent darauf hinweisen, dass man da was geschrieben hat, was sie interessieren könnte…
Menschen mit Behinderungen in Deutschland sind für meinen Geschmack zu zahm, wenn es um konkrete Verbesserungen geht. Sie verlassen sich sehr stark auf mitgliederstarke Interessensverbände und politische Vertreter. Das mag funktionieren, wenn es um politisches Lobbying und um die Makroebene geht, auf der mittleren und unteren Ebene funktioniert es nicht ansatzweise. In Marburg gibt es überall akkustische Ampeln, weil die Blindenstudienanstalt und der Blindenverband dort sitzen, im Rest des Landes gibt es wahrscheinlich weniger akkustische Ampeln als in dem 80.000-Seelen-Dorf Marburg.

Du wirst inkludiert – die Inklusion und die Schwäche der Behindertenverbände

Gandhi soll einmal auf die Frage geantwortet haben, was er von der westlichen Demokratie hielte, er fände, es wäre eine gute Idee. Von der Inklusion kann man im Grunde das selbe sagen.

Behindertenverbände behindern Inklusion

Die Behindertenverbände haben im Grunde kein Interesse an der Inklusion. Es gibt im wesentlichen zwei Gründe, warum Menschen bei diesen Verbänden Mitglied werden:

  1. Die Betroffenen brauchen spezielle Beratung oder Unterstützung durch Behindertenverbände
  2. Die betroffenen kompensieren die mangelnde gesellschaftliche Integration, indem sie die Gesellschaft anderer Behinderter suchen

Würden die Verbände ernnsthaft Inklusion umsetzen, würden sie früher oder später ihre Existenzberechtigung verlieren. Ihr Geschäftsmodell ist hart gesagt die Seperation. Das Gleiche gilt noch stärker für Behinderten-Bildungseinrichtungen wie die BFWs, die BBWs und so weiter. Ihr Geschäftsmodell ist die Seperation von Behinderten.

Wir werden inkludiert

Viele der Slogans zur Inklusion sind intelektuell nicht durchdacht. Nach meinem Verständnis verstoßen sie gegen den Inklusionsgedanken, weil sie den Behinderten jede Verantwortlichkeit absprechen. Mit „Ich bin nicht behindert, die Gesellschaft behindert mich“ sagt man nichts anderes als dass meine Behinderung nicht mehr da ist, wenn alle Barrieren beseitigt sind.

Das stimmt bestenfalls metaphorisch. Denn wenn die Gesellschaft offen ist, müssen die Behinderten immer noch bereit sein, die Angebote anzunehmen. Ja, es gibt inklusive Sportangebote und es gibt spezielle Sportvereine für Behinderte. Die reine Existenz inklusiver Vereine schafft aber keine inklusive Gesellschaft, wenn keiner der Behinderten dort mitmachen möchte.
Nehmen wir die Kurse an der Volkshochschule. Sie werden in der Regel für Blinde nicht zugänglich sein. Dennoch können Blinde daran teilnehmen. Sie können mit dem Kursleiter darüber sprechen, ob er die Kurse für sie ein wenig anpassen kann. Es mag Kursleiter geben, die sich nicht darauf einlassen wollen. Meiner Erfahrung nach sind aber die meisten offen für solche Anliegen, sofern man sie freundlich darum bittet und ihnen erklärt, wie sie vorgehen müssen.
Aber dazu sind viele Blinde nicht bereit. Sie erwarten, dass alles für sie vorbereitet wird, ohne Energie investieren zu müssen. Und sie ziehen spezielle Kurse für Blinde vor.

Machen statt reden

Nirgendwo lässt sich echte Inklusion leichter umsetzen als im Internet. Natürlich gibt es viele Angebote, die teilweise oder gar nicht für Behinderte zu bedienen sind. Aber selbst dort können Behinderte anfragen, ob sie dabei helfen können, diese Plattformen für Behinderte zu öffnen.
Die Inklusion wird nicht automatisch dafür sorgen, dass Behinderte nicht-behinderte Freunde bekommen und umgekehrt. Vielmehr muss man sich aktiv bemühn, Freundschaften dieser Art zu schließen.

Inklusion muss von den Behinderten umgesetzt werden

Mir scheint es teilweise auch ein Generationenkonflikt zu sein. Ich habe den Eindruck, dass jüngere Behinderte durchaus besser verstanden haben, dass sie auch etwas tun müssen, um Inklusion zu ermöglichen. Die ältere Generation ist hingegen daran gewöhnt, ein Rund-um-sorglos-Paket zu erhalten.
Ich denke, dass wir heute keine andere Wahl haben als die Inklusion aktiv selber umzusetzen. Wer einen Job haben möchte, muss bereit sein, Angebote anzunehmen, die nicht speziell für Behinderte gedacht sind.
Behinderte sind gefragt, wenn es darum geht, sich in die Gesellschaft zu begeben. Geht man durch die Stadt, sind Behinderte praktisch kaum sichtbar. Kein Blinder ist zu sehen, der mit der Bahn fährt, kein Rollifahrer im Restaurant, kein Gehörloser an der Uni. Dennoch erwarten wir, dass Nicht-Behinderte wissen, vor welchen Problemen wir stehen und wie sie mit uns umgehen müssen. Die Verbände reden uns ein, dass sei okay so, die Gesellschaft muss sich an uns anpassen. Das ist eine nette Idee und ich habe nichts dagegen, wenn sie funktioniert. Das Problem ist, es wird nicht funktionieren.
Dieses Problem wird deutlich erkennbar, wenn man einen Streifzug durch die Betroffenen-Blogs macht. Hier existiert eine Erwartungshaltung, die besagt, ich möchte alles haben und nichts dafür tun. Die Blogs selbst vermitteln keine positive Haltung zu Behinderten, weil sich die Schreiber selbst als Opfer darstellen. Mit einem Opfer kann man Mitleid haben, das ist aber nichts anderes als eine Herabwürdigung. Irgendwann glaubt man selber, dass man nichts tun kann und tut dem entsprechend nichts.
Mit anderen Worten: man erwartet, dass sich die Gesellschaft an die Behinderten anpasst. Das war aber eben nicht mit Inklusion gemeint. Gemeint ist, dass man die Gesellschaft gemeinsam gestaltet, dass man die schwächen schwächt und die Stärken stärkt.

Happy Blue Beanie Day!

Am 30. November sollte man nicht nur wegen kalten Temperaturen und heftigem Schneefall eine Mütze tragen. Die blaue Haube erinnert uns daran, dass heute der Tag der Webstandards und des barrierefreien Web ist.
Da ich das mal wieder vergessen habe, keine blaue Mütze besitze und auch keine Zeit habe, was sinnvolles dazu zu sagen, verlinke ich auf Robert Lender, der wiederum eine ganze Menge dazu sagen kann.

Hören statt sehen – Audios und Podcasts zum barrierefreien Web

Viele Vortragende stellen mittlerweile Audio-Mitschnitte ihrer Vorträge bereit. Vor allem Blinde, aber nicht nur sie profitieren von Audio. Die Präsentationsfolien sind zwar interessant, aber auch oft unverständlich, wenn man den Vortrag nicht gehört hat. Eine Liste nützlicher Guidelines und Hilfen zur Barrierefreiheit habe ich schon veröffentlicht.
Der Webdesign-Podcast Technikwürze beschäftigt sich öfter mit Barrierefreiheit. Im aktuellen Beitrag um Contao formerly known as Typolight widmen sich die Teilnehmer ausführlich dem Thema Zugänglichkeit des Redaktionssystems.

Einfach für Alle bietet eine Reihe von Podcasts an, die zwar schon ein wenig älter , aber immer noch hörenswert sind.

Wirklich schwer macht es der Webkongress Erlangen 2010. Hier kommt man auf verschlungengen Wegen zu vielen Folien und Mitschnitten der Vorträge. Eine große Zahl der Vorträge befasst sich auch mit Barrierefreiheit. Um an die Audios zu kommen, klickt man zunächst auf den Vortrag, scrollt zum Fuß der Beschreibung, klickt auf Vortrag in „Multimedia-Formaten im Videoportal der FAU“ und anschließend auf Download. Einfach, oder?

Web AXE ist ein englischsprachiger Weblog und Podcast zum Thema Barrierefreiheit. Von dem Podcast sind bisher 86 Episoden erschienen.

Auf Deutsch und Englisch ist der Webevangelist Christian Heilmann unterwegs. Seine zahlreichen Vorträge sind immer hörenswert und drehen sich oft um Barrierefreiheit.

Kongresse

SlideShare – das YouTube für Präsentationen

Ich bin durch Christian Heilmanns Weblog auf SlideShare gestoßen. Das ist ein nicht ganz neuer Dienst, wo man Power-Point-Präsentationen hochladen und als Flash bzw. zum Download bereit stellen kann. Christian stellt neben Audioaufnahmen auch die Präsentationen seiner Beiträge online. Der Dienst funktioniert ähnlich wie YouTube, man kann also die Präsentationen samt Player in die eigene Website einbetten.
Nun muss man leider sagen, dass die meisten Präsentationen eher eine Art Gliederung für einen Vortrag darstellen. Die Slides sind und ollen auch keine Zusammenfassung der mündlichen Rede sein, sondern bieten eine knappe Orientierung darüber, worüber der Vortragende gerade spricht oder was seine Kernthesen sind. Viele Präsentationen machen ohne Vortrag gar keinen Sinn. Dennoch finde ich es schön, dass man viele der Präsentationen herunterladen kann und SlideShare auch standardmäßig eine barrierefreie Textversion anbietet – in der rechten Spalte unterhalb der Statistiken bzw. unterhalb der Kommentare.
Wer eine Präsentation für sich betrachtet merkt höchstens, wie langweilig nichtssagend Folien sein können. Bei dem Power-Point-Standard-Schriftgrad von 24 und einem eingebundenen Bild kann man eben keine ausgefeilten Statements unterbringen.
Ich denke aber, slideShare bietet eine gute Möglichkeit, Tutorials bereit zu stellen. Anders als Screencasts sind Präsentationen relativ schnell zusammengeklickt. Sie erfordern kein Videoschnitt-Programm, kein mehr oder weniger sinnvolles Gequatsche mit mieser Tonqualität und vor allem muss man sie nicht starten und stoppen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen lassen sich Folie für Folie abarbeiten, ein zurecht geschnittener Screenshot läßt sich links einfügen, die passenden Anweisungen rechts. Genausogut kann man hier ein neues Programm – oder das neueste Gadget – vorstellen.
Im Grunde könnte sich hier auch ein neues Web-2.0-Medium etablieren: gehaltvoller als Twitter und multimedialer als Weblogs. Ich werde in Zukunft ein wenig damit experimentieren.

OpenOffice für Menschen mit Behinderungenzugänglich machen

OpenOffice ist eine interessante Alternative zu Microsoft Office. Viele Kritikpunkte an OOo haben weder Hand noch Fuß. Es mag sein, dass es einige Funktionen aus MSO in OOo nicht gibt, aber die wenigen Hardcore-Nutzer, die mehr als 5 Prozent der Funktionalität eines durchschnittlichen Office-Pakets verwenden, sollen auch den dreistelligen Betrag für Microsoft Office ausgeben.

Das hier beschriebene gilt analog auch für LibreOffice. Eine gute auf OOo basierende Alternative ist IBM Lotus Symphony. Sie läuft wesentlich flotter als OOo und wird von den Entwicklern von NVDA empfohlen.

Dass Word-Dokumente sich nicht ohne Weiteres öffnen und speichern lassen ist eher Microsoft anzulasten. Dass Microsofts Office-Paket oft genug Probleme hat, ältere Dokumente der eigenen Produktreihe zu öffnen, hat inzwischen auch jeder mitbekommen.

OpenOffice ist in der Standardkonfiguration für Screenreader nicht zugänglich. Die Zugänglichkeitsoptionen müssen aktiviert werden und das erfordert an einigen Stellen Hilfe von Sehenden.

Zunächst einmal muss die Java Access Bridge installiert werden. Außerdem muss eine Java-Laufzeitumgebung installiert sein.

Dann startet man OOo und wählt unter Extras -> Optionen den Bereich Zugänglichkeit. Hier klickt man das erste Feld „Unterstützung behindertengerechter Zugangsprogramme“ an.

Gegebenenfalls muss noch unter Optionen unter Java „Eine Java-Laufzeitumgebung verwenden“ aktiviert werden, was aber in der Standardkonfiguration schon aktiviert sein dürfte.

Ich habe die Zugänglichkeit von OOo für Blinde und Sehbehinderte nur oberflächlich und natürlich mit vollkommen veralteter Software getesttet. Deshalb will ich generell keine Aussagen zur Zugänglichkeit der einzelnen Anwendungen machen. Ich werde es mal intensiver ausprobieren und einen Bericht zur Bedienbarkeit abgeben.
Nach meinen Tests denke ich, dass OpenOffice insbesondere durch die Java-Laufzeitumgebung so stark ausgebremst wird, dass es praktisch unbenutzbar ist. Das gilt für die aktuellen Versionen 3.x. Es hängt weniger mit dem hohen Bedarf an Arbeitsspeicher zusammen. Ohne Java braucht OpenOffice recht lang für den Start, läuft dann aber recht gut. Mit Laufzeitumgebung können einige Aktionen mehrere Minuten dauern, so viel Geduld bringt wohl kein Nutzer wirklich auf. Daher rate ich zur Nutzung des Ablegers IBM Lotus Symphony, dass die Accessibility-Schnittstellen anders implementiert hat und daher nicht von der Java Access Bridge abhängig ist. Auch Symphony ist speicherhungrig, sollte aber auf halbwegs aktuellen Computern gut laufen.

Weiterführendes

Zugängliches PDF mit OpenOffice

Warum man Formulare von Nutzern testen lassen sollte

Dieses Beispiel-Formular hier zeigt, dass Usability- und Zugänglichkeitsprobleme oft miteinander einher gehen. Ich hatte fünf Versuche gebraucht, um dann hinzuschmeißen und das Browserfenster entnervt zu schließen. Was ist passiert?

Bei dem Formular handelt es sich um ein Standardformular mit vielen Checkboxen, ein paar Radio-Buttons, zwei Eingabefeldern, einem Auswahlfeld und einem Absendebutton. Das Formular wird nicht clientseitig validiert, es dürfte also auch ohne JavaScript funktionieren, braucht es aber nicht, weil ich JS für diese Seite frei gegeben habe.
Es gibt einen kurzen Einleitungstext, man kann alle Checkboxen auswählen, wobei jede Checkbox eine Option darstellt. Außerdem gibt es eine Checkbox für „alles“, heißt, man will das ganze Paket. Ein simples Formular, sollte man meinen.
Falsch: Man darf aus irgendeinem Grund nur drei Checkboxen pro Bereich auswählen, kann aber beliebig viele aktivieren. Hat man die Checkbox „alles“ ausgewählt, darf keine der anderen zum Block gehörenden Checkboxen ausgewählt werden.
Mit anderen Worten, ich darf mit meinem Screenreader nach dem Ausfüllen und Versenden alle Checkboxen der „falsch“ ausgewählten Blöcke noch einmal durchgehen und an- bzw. abklicken, bis ich auf maximal drei aktive Checkboxen oder „alles“ komme. „Unendlicher Spaß“ würde David Foster Wallace das wohl nennen. Denn ich muss ja den betreffenden Block einmal komplett durchgehen, um zu wissen, welche Boxen ich im ersten „Wahlgang“ aktiviert habe und welche nicht.
Nun gehöre ich nicht zu den braven Leuten, die Anleitungen und gut gemeinte Ratschläge durchlesen, die bei einem solchen Formular als Ausfüllhilfe am Anfang stehen sollten. Ich bin also zur ursprünglichen Formularseite zurückgegangen und siehe da, es gab keine Ausfüllhilfen, weder am Anfang noch am Ende oder in den betreffenden Blöcken des Formulars. Erst in den Fehlermeldungen taucht die Mitteilung auf, ich dürfe nur drei … aber das sagte ich ja schon.
Ich bin ja der letzte, der behauptet, es sei einfach, gute Formulare zu erstellen. Was mich wirklich ärgert ist die vollkommene Sinnfreiheit solcher Maßnahmen. Wenn man „alles“ ausgewählt hat und „alles“ auch noch am Ende steht, sollte man meinen, dass es egal ist, welche Felder man noch aus diesem Block ausgewählt hat. Und wenn man nur drei Kreuze machen darf, sollte man auch nur drei auswählen können. Bei Checkboxen erwarte ich eigentlich, dass ich beliebig viele anklicke kann. In diesem Fall hätte man statt Checkboxen Auswahlfelder verwenden können, drei Auswahlfelder für drei auszuwählende Optionen.
Und natürlich gehört die vernünftige Gestaltung von Formularen zu dem Grundlegenden, was ein ernstzunehmender Portalbetreiber beherrschen sollte, wenn er Formulare anbieten möchte. Sowas lernen Studierende, die sich mit empirischer Forschung beschäftigen müssen in ersten Jahr des Studiums. Da erstellt man nichts anderes als Fragebögen in Form von Formularen und würde für so einen Fragebogen mit Sicherheit keine gute Note bekommen.
Das wirklich Ärgerliche daran ist, es hätte ein simpler Test mit drei bis vier Kollegen oder Freunden gereicht, um die größten Mankos dieser Umfrage auszubügeln.

Die Kunst des richtigen Verlinkens – Teil II

Vor langer, langer Zeit hatte ich einen Artikel zum richtigen Verlinken geschrieben. Generell gibt es vier Arten von Verlinkung:

  • Viele Webseiten verlinken gar nicht, z. B. das Deutschlandradio.
  • Viele Websites setzen die Links an das Ende des Textes.
  • Viele Nachrichtenportale setzen Links in Blöcken zwischen die Texte, etwa Die Zeit und die Welt.
  • Der Rest verlinkt im Fließtext, das macht zum Beispiel Heise durchgängig in seinen Publikationen, aber auch die meisten Weblogs.

Mir fällt gerade während ich diese Zeilen schreibe auf, dass es hauptsächlich IT-Seiten und Web-2.0-Angebote sind, die in Fließtexten verlinken. Es scheint also doch etwas dran zu sein an der Aussage von Mario Fischer. Fischer sagt in seinem Buch „Website Boosting“, Links im Text würden von der Mehrheit als störend empfunden.

Wahrscheinlich können IT-ler und Hardcore-Internet-Nutzer die Links im Text eher ausblenden als Gelegenheitsleser.

Zugänglichkeit

Den Screenreader-Nutzer stören einzelne Links im Text weniger. Manche Leute bringen aber die kunst fertig, vier Wörter hintereinander mit dem selben Link zu versehen. Das Klingt dann wie „Link hier – Link klicken, – link für – Link das – Link Bild“.. Eine solche Link-Häufung macht weder aus redaktionellen noch aus kognitiven Gründen viel Sinn. Die Leser verstehen nicht, ob hier vier verschiedene Sachen verlinkt werden oder nur eine. Hier dürfte auch das primäre Problem für Menschen mit Lernschwierigkeiten ligen.
Generell stellt sich für die letztere Gruppe die Frage, ob sie durch Links im Fließtext vom Inhalt des Textes abgelenkt werden. Dazu fehlen mir valide Daten, aber ich bin mir nicht sicher, ob unterstrichener blauer Text schlimmer sein kann als eine flackernde Flashanimation.

Die Usability-Sicht

Aus Usability-Sicht würde ich eindeutig die Verlinkung im Text vorziehen. Zum Einen lässt sich hier eher kontextsensitiv verlinken. Zum Anderen ist eine Häufung von Links in Blöcken mitten im Text oder am Fuß des Textes ebenfalls eine kognitive Herausforderung. Nehmen wir an, wir hätten fünf Links die mit dem Text tatsächlich in Zusammenhang stehen: ich suche aber eine bestimmte Information, die mir im Text aufgefallen ist und die ich gerne weiter verfolgen möchte. Im schlimmsten Fall muss ich alle Links einmal durchklicken, um die gewünschte Information zu finden.
Die Wikipedia ist ein Beispiel dafür. Wenn ich mit einem Höllentempo mit dem Screenreader einen Artikel durchgehe, merke ich mir nicht die Nummer der Fußnote, wo Wikipedia seine Quellen ablegt. Entweder stoppe ich also die Lektüre, springe zur Fußnote, öffne den Link und kehre dann zu der Stelle zurück, wo ich die Lektüre des WP-Artikels abgebrochen habe. Ode ich lese den Artikel zu Ende, merke mir die Nummer der Fußnote und rufe dann den dahinter liegenden Link auf. Und wenn ich zwei oder drei Fußnoten verfolgen möchte?Wikipedia wird sicher seine Gründe haben, Quellen nicht im Fließtext zu verlinken, aus Usabilitysicht ist das eher ein großes Manko.
Ich persönlich kann mir wesentlich besser die Position eines Hyperlinks im Fließtext oder den Linktext merken als eine Nummer.
Bei redaktionellen Produkten ist die Debatte ohnehin obsolet, denn die verlinken nur auf Produkte des eigenen Hauses und selbst da nicht kontextsensitiv.

Fazit

Wo man von technik- oder web-affinen Lesern ausgehen kann, sind Links im Fließtext ein Muß. Man sollte es dabei auch nicht übertreiben und auf keinen Fall zwei Wörter hintereinander mit unterschiedlichen Zielen verlinken.
Im Nachrichtenbereich, wo ohnehin nur ein bis zwei Links auf Pressemitteilungen oder ähnliches gesetzt werden, kann der Link am Ende des Textes stehen. Eine Linkhäufung am Fuße des Textes ist nicht nur abschreckend, sie zeigt auch, dass der Autor sich keine Gedanken dazu gemacht hat, wie Informationen struktuiert präsentiert werden, Informationen und Verknüpfungen machen immer nur im größeren Zusammenhang einen Sinn.