Wem glauben? – wie Vertrauen und Glaubwürdigkeit im Web entstehen
Freitag, den 1. Januar 2010Wer sich eine Zeitlang im Web bewegt hat wird schnell feststellen, dass einige Projekte des Web 2.0 eine hohe Glaubwürdigkeit genießen. Das gilt sowohl für Weblogs mit hohen Zugriffszahlen, bei denen man die Namen der Urheber kennt als auch für die Wikipedia, bei der es nur ausnahmsweise vorkommen kann, dass man einen der Autoren kennt.
Doch auch in komplett anonymen Foren wie heise online, wo praktisch alle Poster mit Nicknamen antreten gibt es Schreiber, die mehr Integrität genießen als andere. Woran liegt es?
Zwei Grundsätze scheinen generell zu gelten:
1. Man geht zunächst davon aus, dass jemand die Wahrheit sagt
2. Man muss sich Vertrauen verdienen
Das klingt zunächst widersprüchlich. Wahrheit kann allerdings nur in Hinsicht auf Fakten gelten, nicht auf Meinungen. Selbst der größte Skeptiker geht zunächst davon aus, dass sein Gegenüber aufrichtig ist, nach bestem Wissen und Gewissen, wie man so schön sagt. Ansonsten würde unsere Welt gar nicht und das Internet nur schwer funktionieren. Wenn ich aber davon ausgehe, dass mein Gegenüber wahrhaftig ist, heißt dies natürlich nicht, dass er in meinen Augen auch recht hat. In diesem Falle muss ich wissen, ob er parteiisch ist, ob er weiß, wovon er redet und ob er gut argumentieren kann.
Wie in der realen Welt muss man im Internet Renommee aufbauen. Das dauert manchmal länger, manchmal funktioniert es überhaupt nicht. Vodafones Versuch zum Beispiel, sich an die Web-2.0-Gemeinde anzubiedern ist gescheitert, weil sie keine Glaubwürdigkeit gewonnen hat. Man hat Vodafone nicht abgekauft, dass es mit dem User in einen echten Dialog eintreten wollte. Die User haben das Projekt einfach nur als weiteren Weg gesehen, wie Vodafone seine Produkte verkaufen kann.
Daher funktionieren die alten Marken im Internet immer noch sehr gut, während sich neue Marken kaum etablieren können. Die Printpublikationen setzen auf Titel, die man auch am Kiosk finden kann, obwohl es etwa für den Süddeutschen Verlag billiger wäre, nur ein Produkt statt drei (Süddeutsches Magazin, Süddeutsche Zeitung, jetzt.de) anzubieten.
Als Fazit lässt sich feststellen, dass Vertrauen im Netz ebenso erworben wird wie offline: ein stetiger Fluss von Beiträgen ist besser als ein Beiträge-Bombardement, nüchterne Argumentation kommt besser an als leidenschaftliches Streiten, Coolness besser als Fanatismus, gesundes Selbstbewusstsein oder Understatement besser als Selbstbeweihräucherung usw. Authentizität ist enorm wichtig, denn kaum jemand kann über längere Zeit online oder offline eine Rolle spielen, die seinem Wesen widerspricht.
Alle Shops, in denen Handel zwischen verschiedenen Personen möglich ist, erlauben das Bewerten des Geschäftspartners. Viele Foren oder Austausch-Plattformen a la Yahoo Clever erlauben das Vergeben von Credits: d. h. die Nutzer bewerten die Qualität von Beiträgen. In vielen Foren werden diese Werte nach einer Formel aufsummiert, so dass man sehen kann, wie viele “gute Antworten” eine Person abgegeben hat.

















