Forennsprech - die Semantik des Internet
Dienstag, Januar 6th, 2009Das Web hat eine Reihe von Eigenheiten in des Sprechens bzw. Schreibens herovrgebracht. Der Netzjargon ist für den Webstarter ähnlich unverständlich wie der Jugendslang für den älteren Menschen.
Es gibt zwei wesentliche Merkmale des Netzjargon: Emoticons und Abkürzungen. Einige Emoticons wie das Smiley
oder MFG bzw. LG für “Mit freundlichen Grüßen” oder “Liebe Grüe” haben sich allgemein durchgesetzt. Was hingegen “LOL”, “AFAIC” oder “ROFL” bedeutet, entzeiht sich oft dem Leser.
Ein Problem liegt natürlich darin, dass die meisten dieser Abkürzungen zumindest in Deutschland nicht übersetzt sind. Sie stammen aus dem Englischen und kürzen englische Begriffe ab. Die deutsche Wikipedia führt zwar einige deutsche Abkürzungen auf, die aber meiner Beobachtung nach sich nicht sehr stark durchgesetzt haben.
Viele dieser Abkürzungen sind Akronyme, Lol, afaic (etwa a fake) oder rofl lassen sich zumindest auf Englisch gut als Wort aussprechen. Sie klingen oft wie Wörter, die sich Kinder ausgedacht haben, wohl kein Zufall, da sie sehr oft Emotionen oder Stimmungen ausdrücken.
Öft mögen sie auch einen lautmalerischen Ursprung haben. Das Wort Plonk etwa hat seinen Urpsrung möglicherweise in einem Geräusch, das durch das Fallen einer Schranke entsteht. Allerdings ist hier wie so oft der Ursprung umstritten, einige meinen, Plonk stehe für “Please leave our Newsgroup kid”. In jedem Falle ist man sich darüber einig, dass es so viel bedeutet wie “Verschwinde” oder “Du benimmst dich daneben”.
Für den Kenner erleichtern sie tatsächlich das Lesen. Zumal in SMS ist oft wenig Platz, um schnell etwas auszudrücken. Ein Smiley ist schneller getippt als “Das ist als Witz gemeint”.
Durch die weite Verbreitung hat sich einerseits der Charakter als Web Slang für Insider verloren. Andererseits entwickeln kleinere Peer Groups wie etwa Bodybuilder wiederum einen eigenen Slang, der sich nur für Leute erschließt, die sich damit beschäftigt haben.
Die Entwicklung des Net Slang war aber auch deshalb notwendig, weil die Face-To-Face-Kommunikation sich bis heute kaum durchgesetzt hat. Man sieht seinen Gegenüber im Web oft nicht in Echtzeit, meistens gar nicht. Man sieht seinen Gesichtsaudruck und seine Gesten nicht, man kann seine Stimmung nicht einschätzen. Emoticons erfüllen die Aufgabe, die unterschwellige nonverbale Kommunikation zu ersetzen.
Oder hast du nie eine Mail bekommen, die dir wie eine Beleidigung vorkam oder irgendwo zu kalt? Und das, obwohl dein Gegenüber dir gar nichts tun wollte?
Deswegen hält man sich im geschäftlichen E-Mail-Vekehr normalerweise an die Standards, wie sie aus dem Briefverkehr bekannt sind.
Der freundliche Umgang miteinander hat sich in der Netiquette etabliert. Leider halten sich viele nicht daran: vor allem in anonymen Foren ist der Umgang miteinander oft rüde bis beleidigt, obwohl sich die meisten dieser Leute in der Face-to-Face-Kommunikation nichts dergleichen herausnehmen würden.