Archiv der Kategorie: Geistes- & Gesellschaftswissenschaften

Clickbaiting oder warum Behinderte bei der Tageschau nicht wählen dürfen“

Behinderte dürfen nicht wählen“ lese ich bei der Tageschau online und reibe mir die Ohren: Was habe ich eigentlich die letzten 20 Jahre gemacht? Habe ich mir eingebildet, an zahllosen Wahlen teilgenommen zu haben?
Ah, ich lese ausnahmsweise den zugehörigen Text und stelle fest, es geht um Personen, die in allen Belangen einer Betreuung unterstehen. Es geht also um 80.000 Betreute, nicht um 7,6 Millionen Schwerbehinderte. Die Überschrift ist also falsch oder zumindest suggestiv. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Finden wir das nicht bei zahlreichen linken und rechten Alternativ-Fakten-Postillen. Deren Nachrichten enthalten ja auch fast immer an irgendeiner Stelle einen wahren Fakt. Dieser Fakt wird mit suggestiven Fragen, unbelegten Behauptungen und reißerischen Überschriften aufgeblasen.
Es ist übrigens auch inhaltlich falsch: Man braucht keine Behinderung, um einer Betreuung in allen Belangen zu unterstehen. Die Gefahr, dass eine Bezugsperson die Stimme ihres Schützlings ohne dessen Einveerständnis abgibt, wird natürlich komplett unterschlagen, passt ja nicht so gut zum Bild des wehrlosen Opfers eines herzlosen Staates.
Jetzt bleibt die Frage, warum ein halbwegs seriöses Medium wie die Tagesschau mit solch suggestiven Überschriften arbeitet. Die Antwort ist Click-Baiting. Heißt, so viele Klicks wie möglich generieren.
Nun bin ich Online-Redakteur und kenne das Problem. Bei einer Überschrift wie „Menschen, die in allen Belangen betreut werden, dürfen nicht wählen“ wird der Leser in Zeiten, in denen Aufmerksamkeit in Milisekunden gemessen wird niemanden vom Hocker reißen.
Doch gerade die vom Bürger finanzierten öffentlich-rechtlichen Publikationen haben solch ein Verhalten nicht nötig. Und was ist jetzt das Ergebnis? Tausende von Leuten, die den Artikel nicht gelesen oder verstanden haben und nur die Überschrift kennen denken, Behinderte dürften nicht wählen. Auf Facebook liest man die üblichen Beschimpfungen auf Politiker. Die Tagesschau hat also ihren redlichen Beitrag zum Hate-Speeching geleistet.
Als Online-Redakteure sollten wir zumindest eines daraus lernen: Egal, was in unserem Text steht, wir sind auch für unsere Überschriften verantwortlich. Es ist unredlich, falsche Fakten über Überschriften zu verbreiten, denn wir können nie wissen, ob die Leser unsere Artikel tatsächlich lesen.

Behinderung spielend vermitteln

Spielkarten
Ein spannendes Thema zur Vermittlung von Behinderung und Barrieren sind Computerspiele bzw. Mechanismen aus Spielen. Sie haben mittlerweile fast überall Einzug gehalten, z.B. bekommt man bei einigen eLearning-Programmen Punkte für jede Lektion, so bei der CodeAcademy oder bei TechChange. Bei FourSquare kann man Bürgermeister von irgendwas werden, wenn man sich oft genug dort einloggt. Dass ich heute ganz passabel Englisch lesen kann verdanke ich weniger der Schule und meinen Irland-Urlauben als dem Lexikon aus Sid Meiers Civilisation I, dass ich damals auf Englisch gespielt habe.

Das Problem mit den heutigen Methoden der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, dass sie weitgehend ausgeschöpft sind. Plakatkampagnen, Internet-Kampagnen und Aufforderungen, dieses und jenes zu liken oder zu retweeten sind heute so penetrant wie klassische Werbung. Es gibt nicht nur eine Ad Avoidance, sondern auch eine Kampagnen-Avoidance. Man muss neue Methoden finden, um andere Menschen zu überzeugen. Und Spiele könnten ein solcher neuer Ansatz sein. Weiterlesen: Behinderung spielerisch vermitteln

Es gibt ein Spiel, in dem ein acht-jähriges Mädchen mit Autismus die Protagonistin ist. Ich habe das nicht in den Artikel aufgenommen, weil das wohl zu makaber wäre, hier gibt es einen englischen Artikel dazu. Auf Kickstarter gibt es ein Spiel mit einem blinden Helden.

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, um Behinderung und Barrierefreiheit spielerisch zu vermitteln, ohne Computer versteht sich. Solche Initiativen werden oft kritisch gesehen, aber es geht eher um Sensibilisierung als um eine Transformation. Zehn Minuten Augenbinde können nicht vermitteln, was Blindheit bedeutet, aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, dass sich die Menschen überhaupt damit beschäftigen, wodurch schon ein kleiner Bewusstseinswandel entstehen kann. Ich habe einige spielerische Ansätze gesammelt.

Hypermedia-Learning – ein neuer Ansatz im eLearning

eLearning ist nach wie vor die Domäne von klassischen Bildungsstätten. Es werden viele Ressourcen aufgewendet, um Lernmaterialien zusammenzustellen. Die Kurse sind meistens geschlossen, das Lernen und Kollaborieren findet in geschlossenen Systemen statt. Im folgenden möchte ich einen Ansatz vorschlagen, der das Erstellen von Lernumgebungen demokratisieren und das Lernen erleichtern soll. Screenshot von Drupal
Ich bin selber kein eLearning-Experte, daher weiß ich nicht, ob es schon einen Begriff dafür gibt. Ich nenne es Hypermedia Learning. Es vermischt vor allem zwei Ansätze: das rapid eLearning und die Massive Open Online Courses (MOOC). Das Hypermedia-Learning basiert auf vier Prinzipien:

  • Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen
  • Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt
  • Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert
  • Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Wie ich mir das ungefähr vorstelle, sieht man an diesem Beispiel, das allerdings noch nicht ganz fertig ist.

Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen

Für mich ist immer wieder erschreckend, wie viele Ressourcen darauf verwendet werden, das Rad neu zu erfinden. Jedes System hat zumindest in gewissem Maße seine Existenzberechtigung. Ein Informatiker hat villeicht Spaß daran, den Hunderten von Programmiersprachen noch eine neue hinzuzufügen. Aber warum man 30 verschiedene Lernplattformen basteln muss, von denen jede einzelne ihre Schwächen hat, erschließt sich mir nicht. Weil es beim Hypermedia-eLearning keine großen technischen Anforderungen gibt, lässt sich dafür jede Plattform verwenden, welche die technischen Anforderungen erfüllt. Das kann auch ein kostenloses WordPress-Blog sein oder Drupal.
Das Gleiche gilt für Informationen im Internet. Viele von den Informationen sind schon vorhanden und sie werden hoffentlich auch bleiben. Deshalb gibt es selten einen Grund, einen Text komplett neu zu schreiben, wenn die Informationen einfach nur verlinkt werden müssen. Vielfalt ist nicht per se schlecht, aber Vielfalt ist auch kein Wert an sich.
Im Hypermedia-eLearning stellt der Autor die Basis-Informationen in einem Text zusammen und bindet weitere Informationen über Links ein. Am besten ist es natürlich, die Informationen direkt in die Webseite einzubinden, wie man es mit YouTube-Videos oder Slideshare-Präsentationen machen kann. Mit Text geht das wegen der Urheberrechte nicht, eine Ausnahme wäre Scribd.
Statt alles selber zu schreiben stellt der Autor also die wesentlichen Informationen strukturiert und im Zusammenhang zusammen. Der Nutzer muss im Rahmen des Kurses die verschiedenen Materialien durcharbeiten.
Ich propagiere im übrigen kein Häppchen-Lernen. Es reicht normalerweise nicht, Texte, die man geschrieben hat einfach in eine logische Reihenfolge zu stellen. Vielmehr muss das gesamte Lernangebot einen roten Faden haben. Kein Autor wird also darum herum kommen, seine Inhalte ein wenig zu überarbeiten. Wer dafür weder Zeit noch Muße hat, fährt mit einem MOOC besser, wo lediglich zu bearbeitende Inhalte verlinkt und dazu passende Fragen zusammengestellt werden.

Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt

Im klassischen eLearning werden vom Kursleiter Aufgaben vorgegeben, die der Schüler in einer bestimmten Zeit bearbeiten und wieder einreichen soll. Der Lehrer prüft die Lösung und gibt Feedback.
Im Hypermedia-eLearning übernehmen wir das Prinzip des autonomen Lernens. Der Nutzer erhält die Aufgabe, etwas zu tun, etwas auszuprobieren und selbständig zu prüfen, ob er das Ziel erreicht hat. Eine richtige Erfolgskontrolle wie beim klassischen eLearning ist für das selbstständige eLearning nicht nötig. Entsprechend müssen die Übungen gestaltet sein.

Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert

Das Entscheidende ist dabei das Ziel Cummunity-Building. Die Community unterstützt im Idealfall die Bereitschaft, den Kurs zu Ende zu führen. Sie erleichtert den Austausch, wodurch das Wissen vertieft und die Reflexion verstärkt wird. Lernen ohne Lehrer könnte das Motto sein.
Viele Kurse haben keine nachhaltige Wirkung, weil der Stoff zwar durchgearbeitet wird, aber nur in Hinblick auf den Abschluß des Kurses. Das Ziel sollte aber sein, dass die Kursteilnehmer den Stoff selbständig vertiefen und das klappt im Austausch mit anderen am besten. Die Teilnehmer stellen Fragen, die durch das Kursmaterial nicht ausreichend beantwortet wurden oder gar nicht behandelt wurden. Diese Diskussionen helfen späteren Teilnehmern, den Stoff weiter zu reflektieren, das ist Crowd-Bildung.
Wenn der Kurs von der Plattform unabhängig ist, suchen sich die Teilnehmer ihre eigene Form der Verarbeitung auf Facebook, Twitter, Pinterest, Audioboo, YouTube oder wo auch immer.
Im Idealfall ergänzt dieses Material den Kurs und macht via Crowdsourcing einen besseren Kurs daraus. Das klappt aber nicht, wenn der Kurs und die Kursplattform geschlossen sind.

Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Im Internet liegen genügend multimediale Inhalte, um einen akademischen Abschluß nur mit diesen Materialien zu erlangen. Gleichzeitig sind die Kurse heute eher textbasiert. Multimedialität lässt sich dabei sowohl bei der Zusammenstellung des Kursmaterials als auch bei der Bearbeitung der Übungen realisieren.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Lernstil. Manche mögen es eher visuell, manche eher akkustisch. Diese Vorlieben werden in den klassischen Kursen nicht berücksichtigt, weil jeder Teilnehmer die gleiche Aufgabe in der gleichen Weise bearbeiten muss.
Am besten wäre es, wenn die Lernenden den Stoff direkt auf ein konkretes Projekt anwenden könnten, das sie aktuell bearbeiten. Auch das geht in den klassischen Kursen nicht, weil das dem Lehrenden zu viel Mühe bereiten würde. Das konkrete Anwenden des Erlernten ist entscheidend für den Lernerfolg.
Statt ellenlange Texte durchzuarbeiten sollte der Nutzer die Möglichkeit bekommen, möglichst viel auszuprobieren. Es geht darum, den Spieltrieb zu wecken, dem Nutzer etwas zum Anfassen zu geben, seine Neugier zu wecken und ihn möglichst viel alleine herausfinden zu lassen, statt ihm alle Informationen vorverdaut zu präsentieren.

Demokratisierung der Bildung

Für professionelle Kurse werden zahlreiche Ressourcen benötigt. Es werden Didaktiker, Fachleute zur Erstellung des Kurses und Designer benötigt, die den Kurs inhaltlich ausarbeiten und optisch aufbereiten. Die Kurse kosten im besten Falle mehere Hundert Euro. Gleichzeitig haben wir einen expliziten Mangel an Kursen vor allem zu aktuellen Themen. Die ersten deutschsprachigen Kurse zu Web 2.0 erschienen vor drei bis vier Jahren. Ist das Kursmaterial einmal ausgearbeitet, wird es nur selten auf den aktuellen Stand gebracht.
Das hier vorgeschlagene Prinzip ist sozusagen die Wikipediasierung des Lernens. Die Entstehung von Bildungsmaterial und Enzyklopädien hat viel gemeinsam. Die Enzyklopedia Britannica ist sicher ein tolles Werk, das auch seine Existenzberechtigung hat. Aber sie ist teuer und praktisch in dem Moment veraltet, wo sie auf den Markt kommt.
Gleichzeitig wirft das beschriebene Verfahren die gleichen Probleme auf, wie sie die Wikipedia bereits heute hat. Das sind vor allem die Qualitätsunterschiede in den Artikeln.
Die Qualitätskontrolle wandert sozusagen von den Inhalteerstellern zu den Kursnutzern. Sie sind angehalten, das Gerlernte kritisch zu reflektieren, in Frage zu stellen und mit ihren Beiträgen zu verbessern. Das ist sozusagen Teil des Kurses und entspricht dem Prinzip des selbständigen Lernens.
Zur Demokratisierung gehört auch, dass jeder diese Kurse erstellen kann. Es gibt keinen Grund, die Schaffung von Wissen den Experten zu überlassen. Es gibt einen Hunger auf Wissen und es gibt keinen Grund, dieses Wissen in sorgfältig gebundene vom Verlag geprüfte Bücher zu packen.
Oftmals liegt das Basismaterial schon vor. Viele Blogs werden seit Jahren mit Einträgen gefüllt. Im Idealfall müssten die Beiträge nur in eine Struktur gebracht werden, die den Lernenden die Aufnahme erleichtert. Sie werden dann ergänzt mit Beiträgen, die die Lücken füllen und mit Fragen, die den Nutzern das Selbst-Lernen erleichtern. Das Material kann nach Belieben mit Texten von anderen Webseiten, Videos, Audios oder Präsentationen ergänzt werden. Dem Autoren fällt hier als Quasi-Experten die manchmal schwere Aufgabe zu, die aus seiner Sicht besten Inhalte auszuwählen. Theoretisch lassen sich beliebig viele Inhalte einbinden, praktisch soll aber gerade der Lernende nicht mit einem Übermaß an Inhalten überschüttet werden. Und natürlich sind die Urheberrechte zu berücksichtigen, es geht nicht um Copy-Paste, sondern um Hypermedia.
Ein Kurs kann auch modular gestaltet werden, so dass er einerseits Laien wie Experten ansprechen kann. Auf der anderen Seite können so auch unterschiedliche Zielgruppen erreicht werden. Die Redakteure zum Beispiel bearbeiten den ersten Teil, die Designer den zweiten Teil, aber beide haben auch die Möglichkeit, die jeweils anderen Teile durchzuarbeiten. Das heißt, dass die einzelnen Module des Kurses grundsätzlich eigenständig funktionieren müssten.
Unsere Regale sind voll von Lehrbüchern, die mit der besten Absicht gekauft wurden, aber keinen nachhaltigen Einfluß hatten. Unsere Schulen, Universitäten und das Internet sind voll altbackener Didaktik, die heutige Möglichkeiten bei weitem nicht ausnutzt.

Drupal als einfaches Learning Management System

Es gibt eine Reihe kostenloser Open-Source-Lösungen für Lernumgebungen zum eLearning im Internet. Die größte und wahrscheinlich auch umfangreichste Lösung ist Moodle. Moodle ist allerdings sehr anspruchsvoll, was den Ressourcenbedarf angeht. Außerdem ist es für kleine Lernumgebungen überdimensioniert. Ein einfaches Redaktionssystem erfüllt oft viele Ansprüche und lässt sich mit geringeren Ressourcen betreiben.
Vieles spricht für WordPress: es ist schnell erlernt, es gibt zahllose Erweiterungen für jeden Zweck und es lässt sich fast überall betreiben.
Screenshot von Drupal
Für interaktive Umgebungen scheint mir aber das freie System Drupal besser geeignet. Es erfordert ein wenig mehr Einarbeitung als WordPress, bringt jedoch einige interessante Funktionen von Haus aus mit. Der Schwerpunkt von Drupal liegt auf dem Community-Building. Man kann zu jedem Inhalt ein Forum hinzufügen, so dass Diskussionen und Kommentare zu jedem Lerninhalt geführt werden können.
Drupal ist ein klassisches Redaktionssystem zum Erstellen von Webseiten, während der Schwerpunkt von WordPress auf Weblogs liegt. In Blogs gibt es normalerweise keine Hierarchie, alle Beiträge liegen auf der gleichen Navigationsebene. Die Beiträge werden nicht im Zusammenhang in einer bestimmten Reihenfolge gezeigt, sondern umgekehrt chronologisch. Das kann man natürlich nach Belieben ändern, Drupal erlaubt das aber von Haus aus. Das Buchmodul von Drupal erleichtert es, Inhalte in eine lineare Reihenfolge zu bringen, so dass der Lernende den Stoff nac einem bstimmten System durcharbeiten kann.
Vieles andere ist integriert oder lässt sich nachrüsten: Benutzerverwaltung mit Rollen, zeitgesteurtes Veröffentlichen, Blogs, die Einbindung von RSS-Feeds, Umfragen/Fragebögen usw.
Auch das Einreichen von Aufgaben und die Rückmeldung durch den Lehrenden sollte sich realisieren lassen.
Der große Vorteil von Drupal gegenüber zum Beispiel Typo3 ist die vergleichsweise einfache Erlernbarkeit und Anpassbarkeit. Außerdem verbraucht es weniger Ressourcen als Moodle und ist stärker auf den Austausch und Benutzer mit unterschiedlichen Rollen ausgelegt als WordPress.Drupal ist ein Framwork für Community-Building, so dass angemeldete Nutzer ihre Diskussionen, Blogs oder eigene Beiträge innerhalb des Systems abgeben können, ohne dass das System erweitert werden muss.

Drupals Stärken werden leider schnell unterschätzt. Ein Problem des Systems ist, dass es im Gegensatz zu WordPress out of the box nicht besonders benutzerfreundlich ist. Ich glaube, sehr viel mehr Leute würden das System einsetzen, wenn es fertig vorfonfigurierte Systeme z.B. für Redakteure gäbe. So ist die Einarbeitungszeit doch ein wenig höher, weil die Funktionen teilweise gut versteckt sind. Zum Beispiel gibt es out of the box keinen graphischen Texteditor. Die Funktion zum Hochladen von Bildern muss in einigen Inhaltstypen wie Büchern erst eingeschaltet werden.
Drupal gilt als Linux der Content Management Systeme, aber das trift auch auf MODx oer Typo3 mit seinem TypoScript zu. Im Vergleich ist Drupal einfacher.

Digitale Mitbestimmung für Menschen mit Behinderung

Digitale Werkzeuge können auch für Menschen mit Behinderung die Mitbestimmung erleichtern und verbessern:

Politisches Engagement findet zunehmend über das Netz statt. Viele der neuen Möglichkeiten sind auch für Menschen mit Behinderung interessant. Ihre Wege
zur politischen Mitbestimmung sind oft eingeschränkt, weil sie nicht mobil sind oder ihre Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt ist. Weiterlesen

Die Zukunft der Nonprofits – transparent, offen und vernetzt

„Dann gab es noch die selbsternannten Reformer, die größten Langweiler von allen; sie dachten, daß ich immerfort mein Liedchen sang:
»Das ist das Haus, das ich gebaut; Das ist der Mann, der in dem Haus lebt, das ich gebaut;«
Sie wußten nur nicht, daß die dritte Zeile lautete: »Das sind die Leute, die den Mann plagen,
Der in dem Haus lebt, das ich gebaut.«“ Henry David Thoreau

Nonprofit-Organisationen sind in ihrem Handeln und auftreten oft eher konservativ. Ich meine, dass sich drei Megatrends absehen lassen, an denen kein Nonprofit in Zukunft vorbei kommen wird.

Offenheit

Vor allem für Mitgliederorganisationen (VdK, ver.di) wird es wichtiger, sich allgemein für die Mitglieder zu öffnen. Dazu gehört nicht nur der Einsatz von Social-Media-Kanälen zur direkten Kommunikation. Dazu gehört auch, dass Ideen, Anregungen, Kritik in die Organisation einfließen und dort verarbeitet werden. Sofern diese Kritik berechtigt ist, sollte sie angenommen und damit auch Veränderungen angeregt werden. Den Mitgliedern muss das Gefühl gegeben werden, dass ihre Organisation

  1. für sie da ist
  2. die Mitglieder für die Organisation wichtig sind
  3. die Rückkopplungen der Mitglieder von der Organisation verarbeitet werden
  4. Das kann hingehen bis zu dem, was man in den Städten als Bürgerhaushalte bezeichnet. Der Haushalt wird offen gelegt und die Mitglieder können teilweise mitbestimmen, wo weniger Geld ausgegeben wird und wo mehr Investitionen sinnvoll sind.
    Auch die Parteien sind gezwungen, sich auf diese Weise zu öffnen. Parteimitglieder finanzieren nicht nur die Partei, sie tragen die wesentliche Last der Wahlkämpfe. Für einen warmen Händedruck des dritten Lokalvorsitzenden werden sie das nicht mehr lange machen.
    Vorbildhaft ist zum Beispiel 2aid.org.

    Transparenz

    Wir haben in den letzten Jahren vielfach gesehen, wozu mangelnde Transparenz führt. Korruption, Geldverschwendung, Patronage, Mißbrauch von Spendengeldern… Es wird Zeit für eine Transparenzoffensive. Jede Nonprofit-Organisation sollte in einem allgemein zugänglichen Geschäftsbericht ihre Einnahmen und Ausgaben offen legen. Wo kommt das Geld her, wofür wurde es ausgegeben, warum wurden die Prioritäten so ausgewählt?
    Es gibt inzwischen verschiedene Standards zur Transparenz, die international akzeptiert sind. Zugleich geraten Organisationen, die Spenden, Mitgliederbeiträge oder Steuervergünstigungen erhalten zurecht unter Rechtfertigungsdruck.

    Vernetzung

    Mit Vernetzung ist hier ausnahmsweise nicht das Internet gemeint. Vernetzung muss vielmehr zwischen den Nonprofits und zwischen Nonprofits und Unternehmen oder wem auch immer stattfinden. Es ist heute nicht mehr sinnvoll, wenn drei Organisationen am gleichen Ort zur gleichen Zeit das Gleiche tun – nebeneinander, nicht miteinander. Wer für Pakistan oder Haiti an eine seriöse Organisation spendet erwartet, dass diese Organisation ordentlich mit dem Geld anderer Leute umgeht und mit anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeitet.
    Das Gleiche gilt für die Umweltorganisationen.

    Die neue Generation

    Die ältere Generation ist mit den aktuellen Zuständen aufgewachsen. Die Gewerkschaft oder der Verband wussten schon, was gut war. Vielleicht waren die Menschen aber auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich aktiver einzubringen.
    Früher hat es relativ gut funktioniert: die lokalen Gewerkschaftsmitglieder arbeiteten ehrenamtlich und viele tun das bis heute. Heute sehen wir den Strukturwandel: immer weniger junge Menschen sind Mitglieder in solchen Organisationen und viele sind nicht mehr für das Ehrenamt zu begeistern.
    Das liegt zum einen an gesellschaftlichen Veränderungen. Früher war es vermutlich selbstverständlicher, sich irgendwo zu engagieren. Hinzu kommt das umgekehrte More-More-Prinzip. Die Leute haben sich im wesentlichen nicht engagiert, weil die Gewerkschaft so spannende Grillabende hat, sondern weil sie im direkten Kontakt von Freunden und Bekannten dazu animiert wurden. Aber je weniger Leute sich engagieren, desto unattraktiver wird dieses Engagement. Jedes Mitglied, das sie verlieren ist ein Rekruter, der verloren geht.
    Zum anderen liegt es aber auch an der hermetischen Geschlossenheit dieser Organisationen. Wer mitmischen will, muss zu den abendlichen Treffen kommen, sich Wochenenden bei Sitzungen um die Ohren schlagen und sich in seltsame Netzwerke einfügen. Viele Leute haben keine Lust darauf, sie wollen aber dennoch wissen, was da mit ihrem Geld passiert. Eine Alternative könnte das Online-Volunteering sein.

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Die Zukunft des Fachbuches heißt eLearning

eLearning hat in Deutschland noch keinen besonders guten Status. Die klassischen Anbieter von Fernstudiengängen, Fernlehrgängen und Fernkursen bieten online Möglichkeiten, Material hoch- oder runterzuladen, mit Studienkollegen zu diskutieren oder aktuelle Infos in Erfahrung zu bringen. Mit eLearning hat das nur am Rande zu tun. eLearning heißt, dass der Lehrstoff am Computer oder einem mobilen Endgerät bearbeitet werden kann. Dabei können Animationen, interaktive Schaubilder, Audio- und Videoelemente integriert sein.
Aufgeschlagene Bücher
Dazu gehören aber auch Möglichkeiten, Aufgaben online zu lösen. Das geht offen, indem man eine eigene Antwort auf eine Aufgabe formuliert oder geschlossen, indem man Multiple-Choice-Aufgaben ausfüllt und diese direkt mit der Lösung abgleichen kann.
Viele Fachbücher sind bereits an Lernende adressiert. So werden häufig am Ende eines Kapitels Fragen gestellt, die der Leser beantworten soll, um zu kontrollieren, wie viel er verstanden hat. Bei Softwarebüchern muss er kleine Projekte oder Programme erstellen – natürlich am Computer.
Es ist also naheliegend, diese beiden Bereiche zu kombinieren. Mit den enriched oder enhanced eBooks werden solche Formate durchaus realisierbar. Mit ePub 3.0 lässt sich z.B. schon JavaScript in eBooks einsetzen, was eine Voraussetzung für Interaktivität ist. Formulare für Multiple-Choice-Abfragen lassen sich bereits mit HTML umsetzen, das bei eBooks verwendet wird. Pocketbook im Querformat
Ein Problem könnten die großen Datenmengen sein, die für Multimedia eingesetzt werden müssen. Eventuell muss man hier einige Abstriche machen, da die Displays klassischer eBook-Reader nicht leistungsfähig sind – und außerdem schwarz-weiß.
Ich glaube im übrigen noch nicht an die multimedialen Bücher. Wenn jemand ein Buch liest, möchte er lesen und nicht sich ein Video angucken. Einfache Animationen oder einfache Tabellenfunktionen oder sogar Pivot-Charts haben einen gewissen Nutzen in Fachbüchern, aber Videos, Audios und andere Multimedia-Inhalte in die Bücher selbst zu packen erscheint mir nicht sinnvoll. Es wird auch leicht unterschätzt, wie teuer solche Produktionen sind. Jede Filmminute kostet mehrere hundert Euro, solche Kosten lassen sich mit eBooks nicht finanzieren. Das sind dann Multimedia-Shows oder Apps, für die man ein wenig mehr verlangen kann, aber keine Bücher.
Es geht aber noch weiter: die Verlage könnten ein Programm für Zertifikate anbieten. Ein Präsentationskurs könnte optional die Möglichkeit enthalten, für sagen wir 50 Euro eine Prüfung zu absolvieren, wofür ein Zertifikat ausgestellt wird. Natürlich hat ein solches Zertifikat nur einen begrenzten Wert, aber zumindest kann der Betreffende damit belegen, dass er sich mit der Materie beschäftigt hat. Viel mehr bringen die Urkunden zugelassener Fernschulen auch nicht. Und die Verlage könnten die Preise der Fernschulen unterbieten.
Die Fernschulen haben gleich mehrere Probleme: Ihre Strukturen sind nicht auf Selbständige ausgelegt, was man daran sieht, dass die meisten Schulen keine Rechnungen mit ausgewiesener Mehrwertsteuer ausstellen. Damit zusammen hängt ihre Preisstruktur, die sich eher an dem Festangestellten mit ordentlichem Einkommen orientiert. Das große Problem ist aber die mangelnde Modularisierung: ein Kurs kann über ein bis zwei Jahre gehen und entsprechend zwischen 1000 und 3000 Euro kosten. Und das, obwohl sich die Kurse leicht in Module zerlegen ließen, die aufgeteilt sogar ein wenig mehr kosten könnten als der komplette Kurs – aber im Endeffekt für Selbständige attraktiver werden. Denn sie wissen durchaus nicht, was in einem halben Jahr sein wird. Für sie können deshalb einzelne Module eines Kurses interessanter sein als das Gesamtpaket.
Auch mit der Barrierefreiheit der Kurse ist es nicht weit her. Gedrucktes Material ist für Blinde ohnehin ungeeignet, aber auch Großdruck für Sehbehinderte wird normalerweise nicht angeboten. Auch bei eLearning-Kursen ist natürlich nicht garantiert, dass sie barrierefrei sind: es gibt Kurse auf CD, die für Tastaturnutzer einfach nicht nutzbar sind. Aber Barrierefreiheit ist im digitalen Bereich eher umsetzbar als im Printbereich.

Fazit

Ein Autor ist allerdings kein eLearning-Autor. Die oben beschriebenen Werke verlangen neben den Fachexperten auch eLearning-Autoren, die sich mit der Didaktik auskennen und eventuell auch Infografiker oder Multimedia-Designer. Solche Bücher werden zunehmend nicht mehr von Einzelautoren, sondern von Gruppen abgefasst werden.
Das Buch der Zukunft wird außerdem nicht mehr statisch sein. Um Bücher herum werden kleine Communities entstehen, sich über einzelne Stellen austauschen und die Autoren direkt auf schlechte Formulierungen oder Fehler hinweisen können. Man könnte das als Crowd-Lektorat bezeichnen, auch wenn das Wort nicht gerade hübsch ist. Es wird dann ähnlich wie bei Software verschiedene Versionen von Büchern geben, die Bücher werden stetig aktualisiert. Vielleicht werden wir Bücher nicht mehr kaufen, sondern abonnieren.
Entscheidend ist das vernetzte Lernen. Der Kobo-Reader hat das soziale Lesen in seine Software integriert, so dass Leser sich über einzelne Stellen im Buch austauschen können.
Damit eng zusammen hängt das mobile Lernen. Dabei werden mobile Endgeräte zum Lernen eingesetzt. Das ist sicher nicht für jeden Bereich geeignet, aber dort, wo Informationen häppchenweise aufgenommen werden wie beim Vokabeln lernen erscheint es sinnvoll.

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Informationsgrafiken in der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs

Der Datenjournalismus hat einen kleinen Hype ausgelöst- jeder redet darüber, nur wenige setzen ihn um. Ich möchte im folgenden einige Gründe diskutieren, warum Infografiken auch in der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs eine größere Rolle spielen sollten

Spieltrieb befriedigen

Irgendwie fällt es einem schwer, auch bei dem hundersten Betroffenenbericht noch Mitleid zu empfinden. Um Menschen für Themen zu interessieren, funktioniert die Mitleidsschiene immer weniger. Für manche NGOs und Fundraiser ist das ganze Jahr Weihnachten, zumindest überschütten sie uns das ganze Jahr mit Mitleidsfotos, Linda Polman spricht sogar von der Mitleidsindustrie.
Wer die Menschen neugierig machen und Bewusstsein erzeugen möchte, präsentiert keine reinen Meinungsbeiträge mehr, er gibt ihnen die Möglichkeit, selbst Dinge auszuprobieren, Dinge anzufassen – virtuell – und Dinge selbst herauszufinden. Das klappt nicht mit Texten und auch nicht mit Videos, sondern eher mit Spielen und interaktiven Infografiken. Für Spiele ist Gamification das neue Schlagwort.

Zusammenhänge

Das Gleiche gilt für komplexe Zusammenhänge. Sie lassen sich nicht ohne weiteres in Bildern, Videos oder Pressemitteilungen transportieren.
Stefan Münz gab seinem selfHTML das Motto „Die Magie des Verstehens“. Ich glaube, dieser Aha-Effekt – der Moment des Verstehens – und dessen nachhaltige Wirkung wird von vielen PR-Menschen unterschätzt. Wer eine neue Erkenntnis erlangt hat, hat das Bedürfnis, das allen mitzuteilen und über das Weeb 2.0 hat er die Möglichkeit dazu.

Sharing

Gerade das Teilen über das Netz gehört zu den wichtigsten Möglichkeiten der Kommunikation. Abgesehen von albernen Videos werden nur wenige Inhalte verbreitet, die von NGOs erstellt wurden. Die klassische Pressemitteilung interessiert nicht einmal Journalisten so wirklich. Es gibt viele gut gemachte Inhalte, Bilderstrecken oder Videos, aber sie werden kaum verbreitet. Das liegt zum einen daran, dass die Botschaft immer die Gleiche ist, nur die Verpackung ist ein wenig anders. Es fehlt der Neuigkeitswert. Zum anderen sind aber die Formate selbst ausgelutscht.
Ich denke, dass Inhalte, mit denen man spielen kann deshalb eine wesentlich bessere Chance haben, geteilt zu werden. Damit werden dann auch Menschen erreicht, die man mit anderen Inhalten wahrscheinlich nicht erreichen würde.

Beispiele

Es gibt im Grunde keine Grenzen für den Einsatz von Informationsgrafiken. Zum Beispiel ließe sich der Zusammenhang von Temperaturschwankungen und deren Auswirkungen auf das Klima visualisieren. Oder die Auswirkungen von Spekulationen auf die Lebensmittelpreise.

Mehr Experimentierfreude

Insgesamt vermisse ich in der deutschen NGO-Szene die Freude am Experiment. Ich sehe recht oft, wie über den Twitterstream einfach nur die eigenen – teils total belanglosen – Inhalte rausgepustet werden. Bei einer Organisation scheint sich jemand nachmittags hinzusetzen und einfach mal die am Tage aufgelaufenen Nachrichten kurz hintereinander zu verschicken. Wie bei der klassischen PR werden Inhalte rausgepustet, an einer Interaktion mit den Followern ist man gar nicht interessiert. Die PR ist eine Blackbox.

Links

Angst vor Veränderungen – Was Menschen und Organisationen gemeinsam haben

Ein einzelner Mensch ist keine Gemeinschaft, doch die Gemeinschaft ist mehr als die Summe der Menschen, aus der sie besteht. Die Gemeinschaft bildet wie der Mensch einen Charakter aus.
Einzelne Personen aus der Gemeinschaft repräsentieren einzelne Charakterzüge des Menschen: da gibt es den Widerspenstigen, den Antreiber, den Faulenzer, den Optimisten, den Pessimisten, den Dauerbeleidigten und viele mehr.
Es gab einen recht interessanten Radio-Beitrag vom Coach Roland Kopp-Wichmann. Gefragt, warum viele Veränderungswünsche nicht in die Tat umgesetzt werden antwortete er sinngemäß, dass die Menschen sich in einer Komfortzone eingerichtet haben und jede Veränderung instinktiv ablehnen. Es spiegelt sozusagen die Dualität des menschlichen Charakter wider: Wir können rational begreifen, dass etwas zu tun richtig wäre. Aber unser Über-Ich – wenn wir so wollen – sagt uns, dass Veränderung Anstrengung, Gefahr und Risiko birgt.
Diesen Gedanken können wir auch auf Organisationen übertragen. Ich habe mich schon mehrfach darüber gewundert, wie unflexibel Organisationen auf Veränderungen reagieren. Wir wissen etwa, dass wir stärker mit Social Media arbeiten sollten, aber machen Pressearbeit wie vor 20 Jahren. Wir wissen, dass die Produktpalette veraltet ist, aber haben nicht den Mut, neue Produkte auszuprobieren.
Mein Eindruck ist, dass die meisten Organisationen versuchen, diesen Stillstand mit interner Unternehmensentwicklung zu kaschieren. Da werden Coaches herangezogen, Werte geschaffen, Fortbildungen betrieben. Das alles ist Beschäftigungsstrategie. Und es hat nur geringen Einfluß auf die externeUnternehmensentwicklung. Die Pleite wird uns nicht verschonen, weil wir so schöne Werte haben.
Ein Grundproblem scheint mir außerdem in der deutschen Arbeitsmarkt-Struktur zu liegen. Manche Leute arbeiten 30 Jahre für das gleiche Unternehmen, sitzen auf dem gleichen Platz und tun in etwa das Gleiche. Mancherorts begrenzt sich die Mitarbeiterfluktuation auf Null. Das mag gut für das Unternehmensklima sein, schlecht ist es für Veränderungen. Ähnlich wie einzelne Menschen fürchten sich Unternehmen vor Veränderungen, denn auch sie wollen die Komfortzone nicht verlassen – und werden deshalb entweder scheitern oder sehr schmerzhafte Umbauprozesse mitmachen müssen. Wer sehen will, wie das läuft, sollte sich die großen Energiekonzerne ansehen.

Warum das Schreiben auf dem iPad für Kreative schwierig ist

Jahrzehntelang haben Stift, Block und Tastatur den Schreibprozess bestimmt. Mit IPad, Smartphone und Handy haben sich neue Probleme für Vielschreiber ergeben, die ich im Folgenden betrachten möchte.

Kreativ versus logisch-rational

Auf der guten alten Schreibmaschine hatte man nicht allzuviele Formatierungsmöglichkeiten. Das hat sich mit dem Personalcomputer geändert. Heute würde man gewaltigen Ärger bekommen, wenn man unformatierten Text abgeben würde.
Dabei fällt auf, dass das Schreiben von Text und das Formatieren kognitiv zwei völlig unterschiedliche Aufgaben sind. Logisch wäre es, einen Satz zu schreiben, ihn wenn nötig zu formatieren, den nächsten Abschnitt zu schreiben, ihn zu formatieren und so fort. Der Vorteil liegt darin, dass man kaum eine Formatierung vergisst, die man für nötig hält. Hinterher müsste man den gesamten Text noch einmal durchgehen und gucken, wo eine Formatierung nötig ist.
In der Praxis verfährt meiner Erfahrung nach keiner so. Wir kennen alle die Geschichte über die zwei Hirnhemisphären, die eine kreativ, die andere rational. Aus der Sicht des Schreibprozesses könnte da was dran sein. Niemand unterbricht gerne seinen Schreibprozess, wenn er gerade in Fahrt ist. Da stünde die Formatierung einfach im Wege. Für mich ist das wie das Umschalten zwischen zwei Arbeitsmodi, der eine kreativ, der andere rational. Die Umschaltung würde so lange dauern, dass man am Ende keinen kreativen Gedanken zustande bekommt. Mir ist das sowohl beim Formatieren von Text mit der Textverarbeitung als auch mit HTML-Tags aufgefallen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Rechtschreibkorrektur oder für die logische Gliederung mit Überschriften.
Deswegen darf sich jeder glücklich schätzen, der sehr schnell schreiben kann. Denn das Aneinanderreihen von Worten ist beim Schreiben der eigentlich kreative Prozess, während das Aufschreiben als körperlicher Vorgang vollkommen rational ist. Wer schon mal einen Schnellschreiber in seiner kreativen Phase erlebt hat, weiß, was ich meine. Schneller Schreiben als Denken könnte die Devise lauten. Oder besser: Schneller schreiben als Sprechen.
Das Sprechen wäre der einzige wirklich kreative Prozessbestandteil beim Schreiben. Heute ist absehbar, dass wir in einigen Jahren nicht mehr mit der Tastatur schreiben werden – sofern wir irgendwo alleine sind – sondern Text unserem Lieblingsgadget diktieren werden. Das Gesprochene wird dann unmittelbar in Text umgewandelt und wir können zumindest diesen Teil des Prozesses vom Tippen ungebremst ablaufen lassen.
Denn die Tastatur ist nur ein Notbehelf. Wenn man nicht gerade Steno beherrscht, wird man nie schneller denken als Schreiben können. Der physische Prozess des Schreibens bremst immer das Denken aus.
Mir ist das aufgefallen, als ich auf meinem iPad zu tippen begonnen habe. Man mag über Tablets sagen, was man will, aber zum Schreiben von texten sind sie ungeeignet. Das Gerät reagiert auf Eingaben von Buchstaben sehr träge. Das Zehn-Finger-System funktioniert hier nicht.
Aber das schlimmste ist, dass man nachdenken muss, bevor man einen Buchstaben tippt. Jeder Tastaturschreiber wird bestätigen, dass man besser fährt, wenn man nicht mehr auf die Tastatur guckt. Nach einiger Zeit geht einem das Tippen auf einer Tastatur so flüssig von der Hand, dass man gar nicht mehr darüber nachdenken muss. Das bilt übrigens auch für das Schreiben von SMS auf den alten Handys mit einfachen haptischen Nummernblock. Selbst hier kann man halbwegs flott schreiben und muss nicht auf die Tastatur gucken. Beim iPad muss man hingegen immer darauf achten, ob man den richtigen Buchstaben gedrückt hat. Hier kollidiert die Rationalität mit der Kreativität und würgt sie rücksichtslos ab.
Ich sehe hier auch die Ursache dafür, dass überwigend noch auf Notizblöcke geschrieben wird, Papier hat eben doch einige Vorteile. Das man flüssig auf dem iPad schreiben kann, halte ich bisher für Zukunftsmusik. Das Schreiben als physischer Prozess muss immer intuitiv erfolgen. Sobald man Aufmerksamkeit auf den physischen Prozess lenken muss, fehlt die Aufmerksamkeit an anderer Stelle.
Letzten Endes ist es aber eine Frage der Gewönung. Die meisten Maschinenschreiber tun sich zunächst schwer, wenn sie von einer Schreibmaschine auf eine Tastatur oder von einer Desktop-tastatur auf eine Notebook-Tastatur umsteigen müssen. Es ist im Wesentlichen eine Frage der Gewöhnung. Deswegen kann es durchaus sein, dass man mit anderen Eingabegeräten bald ebensogut schreiben kann wie auf der klassischen Tastatur.