Kategorie-Archiv: Geistes- & Gesellschaftswissenschaften

Mit uns statt über uns – was soziale Projekte von der Inklusion lernen können

Vorlesen mit webReader

Anlässlich der Blogparade zum Wissenstransfer in der Zivilgesellschaft steuere ich einen Beitrag dazu bei, was soziale Projekte aus dem Inklusionsprozess lernen können.

Wenn man etwas aus der Inklusion lernen kann, dann dass ein Projekt nicht ohne die Menschen gestaltet werden sollte, denen es zugute kommen soll.

Die Bundesregierungen zum Beispiel versäumen es regelmäßig, Menschen mit Behinderung ausreichend zu beteiligen. Die Übersetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung war fehlerhaft, Inclusion wurde mit Integration übersetzt, ob Fehler oder Absicht lasse ich mal dahin gestellt sein. Das Motto für die Inklusion wurde ohne großartige Beteiligung von Behinderten entwickelt – die Regierung scheint das mit der Inklusion nicht so richtig verstanden zu haben.

Lessons learned

Es gibt mindestens zwei Lektionen, die man aus dem Inklusionsprozess lernen kann. Das eine ist, dass schon die Anwesenheit von Behinderten das Verhalten verändert. Man kann viel über Sehbehinderung reden, ohne die praktischen Auswirkungen zu verstehen, bis man einem Sehbehinderten gegenüber sitzt. Man hört einiges an Mythen oder Unsinn, der nicht so verbreitet wäre, wenn der Kontakt zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten selbstverständlich wäre.

Die zweite Lektion ist, dass die Teilnahme von Behinderten erforderlich ist, um die Projektqualität zu verbessern. Seien wir mal realistisch, wenn lauter nicht-behinderte Abteilungsleiter und Techniker sich darüber austauschen, wie sie etwas barrierefrei machen können kommt im besten Falle eine dieser 70er Jahre Bauten heraus. Klar, es gibt hinter dem Gebäude einen rollstuhlgerechten Zugang mit elektrischer Tür, aber die Knöpfe für die Aufzüge sind so hoch, dass sie von Rollstuhlnutzern nicht erreicht werden können. Das war selbst in den 70ern nicht barrierefrei und ist es heute noch weniger. Aber das ist etwas, was sich Leute ausdenken, die keinen Rollstuhl nutzen.

Warum also?

Es geht nicht darum, Behinderte aus Mitleid oder Pro Forma an einem Prozess zu beteiligen. Dafür ist die Zeit zu schade und dafür wird sich auch kaum jemand hergeben. Es geht darum, ein praktikables Projekt auf die Beine zu stellen, und das geht nicht ohne die Beteiligung der Zielgruppe.

Es gab und gibt zahlreiche Projekte, bei denen diejenigen, die davon profitieren sollen an der Projektentwicklung nicht beteiligt waren. Die Entwicklungshilfe basierte in weiten Teilen darauf. Es war früher ein aktiv gelebter Paternalismus, der teilweise bis heute überlebt hat. Es gibt da einige abenteuerliche Beispiele aus jüngster Zeit.

Das heißt natürlich auch, dass man nicht irgendwen von der Straße holen sollte. Ich darf ketzerisch behaupten, nur weil man behindert ist versteht man nicht unbedingt etwas von Barrierefreiheit. Man kann die eigenen Probleme bei dieser oder jener Aufgabe beschreiben, aber es gehört natürlich mehr dazu. Man muss die Probleme der gesamten Peer Group oder besser noch darüber hinaus im jeweiligen Thema antizipieren können und das können die meisten nicht. Müssen sie auch nicht. Das heißt aber auch, dass man sich entsprechende Experten suchen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, sollte aber machbar sein.

Und hat man diese Experten gefunden und eingebunden kann man sich sehr sicher sein, hinterher ein besseres und brauchbares Projekt auf die Beine gestellt zu haben.
Halten wir also fest: Statt über “sie” zu reden holen wir sie möglichst früh in unser Projekt hinein, lassen sie ihre Meinung sagen und setzen ihre Ideen auch um. Mir scheint, egal um welche Projektform oder Zielgruppe es sich handelt: Behinderte, Migranten, Analphabeten, “Bildungsferne”, alle Beteiligten scheinen jedes Mal aufs Neue lernen zu müssen, dass es ohne diejenigen, denen es zugute kommen soll nicht geht. Versteht mich nicht falsch: die Beteiligung dieser Menschen ist kein Erfolgsgarant, aber ihre Nichtbeteiligung erhöht die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns drastisch.

Die typischen Gegenargumente sind, dass das zu mühsam ist, man muss etwa einen Gebärdendometscher organisieren, eine barrierefreie Location finden oder Unterlagen in Braille übersetzen. Nun, wenn euch das zu mühsam ist solltet ihr vielleicht kein Projekt für Gehörlose, Rollstuhlfahrer oder Blinde machen.

Das zweite Gegenargument ist, dass man keine passenden Gesprächspartner findet. Das mag sogar sein, anders als viele glauben mögen hängen Behinderte nicht den ganzen Tag herum, bis es die Gelegenheit gibt über Behinderung zu sprechen. Meiner Erfahrung nach sind die Projektbetreiber aber auch phantasielos, wenn es um das Suchen geht. Ich habe allzuoft erlebt, dass Leute mit ihren nur halb angedachten Ideen um die Ecke kommen. Erfahrungsgemäß landen 99,99 Prozent dieser Ideen im kognitiven Papierkorb, wo sie oft auch gut aufgehoben sind. Aber auch wir haben keine Lust, unsere Energien auf unausgegorene Ideen zu verschwenden.

Auch die Behinderten müssen dazu lernen

Leider wird Inklusion auch von Behinderten oft falsch verstanden. Demnach heißt Inklusion, dass die Gesellschaft so umgestaltet wird, dass sie den Behinderten in den Kram passt. Das wird zum einen nie passieren und wäre zum anderen nicht wünschenswert. Inklusion bedeutet einen beiderseitigen Prozess, wobbei wir aktuell noch das (Un)-Glück haben, dass die Voraussetzungen für uns zur Teilhabe noch nicht optimal sind. Aber ohne das Engagement von Behinderten und ihren Organisationen im kleinen wie im Großen werden ebenso unbrauchbare Lösungen wie in der Prä-Inklusionszeit herauskommen. Wenn wir allerdings die Einladung zur konstruktiven Unterstützung dieser Projekte ausschlagen, müssen wir auch unseren Teil der Verantwortung dafür tragen.

Leider scheint es aktuell recht schwierig zu sein, Projektträger und Projektinteressierte zusammen zu bringen. Bei vielen Themen ist Expertise rar gesät, so dass man mit lokalen Ansprechpartnern oder dem Gießkannenprinzip nicht weit kommt. Rein technisch ist so eine Plattform keine große Herausforderung, allerdings müsste sie erst einmal unter den passenden Leuten bekannt gemacht werden und das dürfte wirklich schwierig sein. Aber irgendwer sollte damit anfangen.

Behinderung spielend vermitteln

Vorlesen mit webReader

Wer hier häufiger mitliest weiß bereits, dass ich auf jeden Hype aufspringe und herauszufinden versuche, wie man ihn auf das Thema Behinderung und Barrierefreiheit anwenden kann.
Spielkarten
Ein solches Thema sind Computerspiele bzw. Mechanismen aus Spielen. Sie haben mittlerweile fast überall Einzug gehalten, z.B. bekommt man bei einigen eLearning-Programmen Punkte für jede Lektion, so bei der CodeAcademy oder bei TechChange. Bei FourSquare kann man Bürgermeister von irgendwas werden, wenn man sich oft genug dort einloggt. Dass ich heute ganz passabel Englisch lesen kann verdanke ich weniger der Schule und meinen Irland-Urlauben als dem Lexikon aus Sid Meiers Civilisation I, dass ich damals auf Englisch gespielt habe.

Das Problem mit den heutigen Methoden der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, dass sie weitgehend ausgeschöpft sind. Plakatkampagnen, Internet-Kampagnen und Aufforderungen, dieses und jenes zu liken oder zu retweeten sind heute so penetrant wie klassische Werbung. Es gibt nicht nur eine Ad Avoidance, sondern auch eine Kampagnen-Avoidance. Man muss neue Methoden finden, um andere Menschen zu überzeugen. Und Spiele könnten ein solcher neuer Ansatz sein. Weiterlesen: Behinderung spielerisch vermitteln

Es gibt ein Spiel, in dem ein acht-jähriges Mädchen mit Autismus die Protagonistin ist. Ich habe das nicht in den Artikel aufgenommen, weil das wohl zu makaber wäre, hier gibt es einen englischen Artikel dazu. Auf Kickstarter gibt es ein Spiel mit einem blinden Helden.

Wir brauchen mehr Behinderte in der Werbung

Vorlesen mit webReader

Es ist kein Geheimnis, dass es keine Behinderten in Deutschland gibt. Zumindest könnte man das glauben, wenn man so durch die Straßen läuft, sich deutsches Fernsehen anguckt oder deutsche Magazine ansieht. Das ändert sich nur langsam.

Werbespots mit Blinden scheinen mittlerweile fast in zu sein. Zumindest haben wir schon mal zwei davon.


Vor längerer Zeit hatte auch der mittlerweile verstorbene Sänger Ray Charles Werbung für ein Cola-Unternehmen gemacht, aber Ray war berühmt und zählt deshalb nicht.

Kritik – wo sie angemessen ist

Natürlich kann man immer Kritik üben. Bei dem Unterwäsche-Werbespot fand ich die Kritik, dass sie kein blindes Model genommen haben nachvollziebar. Die Firma sagt zwar, sie habe gesucht und nicht gefunden, aber das sie wirklich kein geeignetes blindes Unterwäsche-Model gefunden haben, halte ich zumindest für unwahrscheinlich.

Der Haarfärbe-Werbespot ist offensichtlich nicht für Blinde und Sehbehinderte gemacht. Ich ahne zwar, dass es sich um Werbung für Haarfärbemittel handelt, aber welche Marke es ist, bleibt das Geheimnis der Macher. Ich hoffe für die Macher, dass die Dame tatsächlich blind ist, weiß ich allerdings nicht.

Es gibt noch das Beispiel Stephen Hawking. Hawking ist öfter bei den Simpsons, Futurama, Raumschiff Enterprise und anderen Serien aufgetreten. Hawking ist selbst zu einer Kultfigur geworden, sicher ein Ergebnis seiner Muskelerkrankung und seiner wissenschaftlichen Leistungen gleichermaßen. Hawking wird sich auch nicht großartig um die Kritik geschert haben, die ihm aus den Communities vielleicht entgegen geschlagen ist.

Was mich zu meiner eigentlichen Frage bringt: Darf man Behinderte in der Werbung zeigen? Klar, warum nicht, werden viele sagen. Die Frage impliziert aber zwangsläufig eine weitere Frage: Darf man Behinderte als Eyecandy benutzen, also als Blickfänger, als Mittel, um Aufmerksamkeit zu bekommen?

Der Hintergrund ist recht simpel. Der Sehende wird tagtäglich mit tausenden von Werbebotschaften bombadiert. In diesem stetigen Strom an Informationen muss man schon etwas besonderes tun, um die Aufmerksamkeit einer Person zu erlangen.

Und gerade dies wird an der Werbung kritisiert, allgemein setzt die Werbung zu sehr auf Erotik oder andere subtile Reize wie den Geiz der Menschen.

In diese Kerbe schlug auch die Pressemitteilung eines österreichischen Blindenverbandes, die leider nicht mehr online zu finden ist. Der Palmmers-Spot wurde kritisiert, weil er Blindheit als Werbemittel einsetzt und weil Blinde so arm seien, dass sie sich keine Unterwäsche leisten könnten. Man kann allerdings sagen, dass der Schuß nach hinten losging, der Verein selbst sah sich aufgrund seiner Aussagen Kritik vor allem durch blinde Menschen ausgesetzt und zog vermutlich deshalb seine im übrigen handwerklich schlecht gemachte Pressemitteilung zurück.

Man mag das als Auftraggeber leugnen, aber tatsächlich wird durch die Darstellung von Behinderten Aufmerksamkeit erregt. Es geht gar nicht anders, weil Werbung nur so funktionieren kann. Niemand will sehen, wie eine Familie sich morgens Marmelade aufs Brot schmiert, es interessiert keinen, welche Unterwäsche jemand trägt und womit er sich die Haare färbt. Werbung funktioniert nur über Aufmerksamkeit – das gilt natürlich auch für jede andere Form der Kampagne, ob kommerziell oder caritativ.

Es ist leider auch so, dass die meisten Medien über Klischees funktionieren. Klischees haben den Vorteil, dass sie sofort ein – vielleicht verzerrtes – Bild im Kopf des Konsumenten entstehen lassen. Wer es schafft, in 25 Sekunden eine Message zu vermitteln, ohne mit Klischees zu spielen, der bekommt von mir den Oskar für Werbung. Und an vielen Klischees ist auch etwas wahres. Ob Blinde nun besser hören oder fühlen oder ob sie ihr Gehör und ihre Sensitivität besser trainieren, ist ein Unterschied, der in im Ergebnis aber keine Rolle spielt. Darauf herumzureiten verkennt die Realität, dass die meisten Menschen keine Ahnung von Blindheit haben und sich damit auch nicht beschäftigen werden, wenn man sie mit solchen Haarspaltereien angeht. Welcher Journalist wird noch einen Artikel über Behinderte schreiben, wenn er 3000 Kommentare bekommt, die sich darum drehen, dass er taubstumm statt gehörlos geschrieben hat? Ich bin selber behindert und würde in einem solchen Fall einfach keinen Artikel mehr über Behinderte schreiben, denn kurioserweise beschwert sich dann niemand bei mir. Dazu kommt, dass sich die meisten Leute nicht auf höfliche Hinweise beschränken, sondern gleich beleidigend werden.

Dabei sein oder nicht dabei sein – man kann nicht alles haben

Es gibt reichlich Kritik, wenn Behinderte irgendwo gezeigt werden. Und dann gibt es Kritik, wenn Behinderte aus dem öffentlichen Leben verbannt werden. Man kann aber nicht beides haben, man kann es nicht allen recht machen. Ich fasse mal gewohnt provokant die Kritik zusammen:

  • Wir wollen keine behinderten Protagonisten, weil die als Eyecatcher benutzt werden.
  • Wir wollen keine Behinderten als Komparsen, weil Behinderung dadurch banalisiert und als Stafage für kommerzielle Produkte mißbraucht wird.
  • Wir wollen keine behinderten Helden, weil andere Behinderte diesem Ideal nicht gerecht werden.
  • Wir wollen keine behinderten Opfer, weil Behinderte dadurch marginalisiert werden.

Man kann das alles akzeptieren, das heißt aber im Ergebnis, dass gar keine Behinderten mehr in Werbung oder im Fernsehen allgemein zu sehen sind, denn es gibt keine Story ohne Protagonisten, ohne Helden, ohne Opfer und ohne Nebendarsteller. Aber auch das jegliche Fehlen von Behinderten ist den Damen und Herren nicht recht, tut mir leid, selbst ich muss vor dieser Argumentation kapitulieren.

Das Motto scheint zu lauten: “Ich back mir die Welt, wie sie mir gefällt”. Aber man wird den Teufel tun, die kruden Anforderungen der Behindertenverbände zu erfüllen. Zum einen kommt da Wischiwaschi-ich-will-niemandem-was-böses bei raus, was bestenfalls als Einschlafhilfe gesendet werden kann. Zum anderen wird es immer von irgendeiner Seite Kritik geben, das ist so unvermeidlich wie der Sonnenuntergang. Um wie vieles ist es da doch einfacher, gleich ganz auf Behinderte zu verzichten, statt die Maximalforderungen der Verbände zu erfüllen.

Die Firma Beneton erregte vor vielen Jahren große Aufmerksamkeit, als sie Fotos von AIDS-kranken Menschen in ihrer Kampagne einsetzte. Was darauf folgte war sozusagen ein Shitstorm im Prä-Web-Zeitalter, ich war damals noch recht jung, kann mich aber noch an die heftige Kritik erinnern. Die Provokation war natürlich Teil der Kampagne, aber selbst Benneton dürfte von der Vehemenz der Reaktionen üerrascht gewesen sein. Wäre es uns aber tatsächlich lieber gewesen, wenn Benneton Werbung mit Supermodels macht, um seine Textilien zu verkaufen und damit keine Aufmerksamkeit auf das damals brennende Thema HIV gelenkt hätte? Die Antwort der Community scheint ja zu sein. Wobei ich glaube, die Kritik kam und kommt hauptsächlich von Leuten, die zwar keine Behinderung oder Krankheit haben, sich aber zu unseren Klassensprechern aufschwingen möchten. Tut mir leid, aber ich kann es absolut nicht leiden, wenn jemand halbgares Zeug verbreitet und dies als Einstellung seiner Peer Group verkauft. Ein Verband kann bestenfalls die Einstellung seiner Mitglieder verbreiten, eine Einzelperson vertritt immer nur sich selbst.

Was ich natürlich auch nicht akzeptabel finde ist Werbung, die sich über Behinderte lustig macht. Solche Dinge passieren immer wieder, aber das gehört eben zur Medienfreiheit dazu, es lohnt sich kaum, sich darüber aufzuregen.

Am Ende ist es die Entscheidung des jeweiligen Darstellers, wie er sich präsentieren möchte. Es gibt zum Beispiel keinen grund, warum ein blinder Schauspieler kein sehendes Unterwäschemodel spielen sollte. Und wenn ein Mensch mit einer Contergan-bedingten Schädigung in einer Gerichts- oder Quizshow mitspielen möchte, ist das allein seine Sache. Manche Leute mögen es einfach, sich zu präsentieren und einige können das auch besser als andere. Oft genug scheint mir auch eher Mißgunst oder Neid Grundlage der Kritik zu sein. Manche Leute etragen es einfach nicht, dass andere berühmt und erfolgreich sind und sie selber nicht. Als Joana Zimmer in der RTL-Tanzshow auftrat, meine ich auch, vielerorts diese Abneigung herausgelesen zu haben. Es ist aber allein ihre Sache, wie sie mit ihrer Blindheit umgeht und wie sie in der Öffentlichkeit auftritt.

Es sind aber gerade diese Auftritte von Joana und anderen, die überhaupt erst das Interesse einer größeren Zahl von Menschen auf die Blindheit lenken. Vorher hat sich kaum jemand damit beschäftigt. Joana erreicht also in einer halben Stunde mehr Menschen als der Blindenverband in einem Jahr harter Pressearbeit.

Im übrigen glaube ich, dass diese Kritik ein wenig hochgepuscht wird von Leuten, die sich in der Aufmerksamkeit sonnen. Es sind immer die gleichen Leute von den gleichen Verbänden und Organisationen, die Alarm schlagen. Diejenigen, denen die Werbung egal ist oder die damit einverstanden sind, sehen keinen Anlaß, sich zu Wort zu melden.

Außerdem ist es auch eine gute Idee, seine eigene Behinderung als Mittel zu nutzen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Wie ich oben schon sagte, nur das Besondere erregt Aufmerksamkeit, das Alltägliche interessiert niemanden. Und da die Behinderung etwas besonderes ist, kann man aus diesem Manko durchaus einen Vorteil ziehen.

Deswegen fordere ich die gesamte Palette: blinde Täter und Opfer, blinde Helden, Blinde als Komparsen im Fernsehen, in der Werbung und überall sonst. Wenn es das nicht gibt, ist die Inklusion als gescheitert zu betrachten.

Weiterlesen

Wie das Urheberrecht das Studium für Behinderte erschwert

Vorlesen mit webReader

Vor allem für Geisteswissenschaftler bedeutet das Studium drei Dinge: Lesen, Lesen, Lesen. Vor allem für Blinde und Sehbehinderte ist das ein Riesenproblem.
Aufgeschlagene Bücher
Als ich Politikwissenschaft studiert habe, das war von 2000 bis 2005, gab es so gut wie nichts. Es gab keine günstigen Computer mit günstigen Screenreadern, es gab so gut wie keine eBooks. Die Literaturversorgung für Sehgeschädigte war schlicht katastrophal. Die Uni hatte zwar einige Bücher auf Kassette – ja auf Audio-Kassette – auflesen lassen. Aber selbst einige hundert aufgelesene Bücher sind praktisch nichts im Vergleich zu den mehrere Millionen Bände umfassenden Bestand der Universitätsbibliothek. Dazu muss man wissen, dass es in einigen Fachbereichen praktisch jedes Jahr Neuauflagen von Büchern gibt und es verpönt ist, aus einer älteren Auflage zu zitieren. In der Politikwissenschaft spielt das weniger eine Rolle als etwa bei den Juristen oder Psychologen. Dafür muss ein Politikwissenschaftler aber auch auf einen wesentlich größeren Bereich von Büchern zugreifen können: für einen Politikwissenschaftler kann abhängig von seinem Thema praktisch jedes Buch wichtig sein.
An der generell schlechten Versorgungslage hat sich bis heute nichts gravierendes verändert. Das restriktive Verwertungsrecht hindert Bibliotheken daran, digitale Bücher in vernünftiger Weise bereit zu stellen. Oft genug darf nur eine begrenzte Zahl von digitalen Büchern ausgeliehen werden. Oder die eBooks müssen an den Terminals der UB gelesen werden, die natürlich nicht mit Screenreadern oder Vergrößerungssoftware ausgestattet sind.
Pocketbook im Querformat
Ich fühle mich immer an den Bibliothekar aus Umberto Ecos “Der Name der Rose” erinnert, der eifersüchtig darüber wacht, dass die Mönche nur das zu sehen bekommen, was er für sie als relevant einschätzt. Es gibt keine Knappheit an digitalen Büchern, es gibt nur Organisationen, die einen vernünftigen Zugang verhindern.
Ich bewundere ja jeden Blinden, der es tatsächlich zu einem Doktortitel gebracht hat. Für meine Diplomarbeit habe ich mehrere Dutzend Bücher gewälzt. Es hätten wesentlich mehr sein müssen, aber das war für mich in der Zeit nicht zu schaffen. Ich habe damals um die 50 Stunden die Woche in der Bibliothek gesessen. Nicht, weil ich so ein fleißiger Student war, sondern weil ich drei Mal so lange wie ein Sehender brauche, um einen Text zu lesen.
Die technische Ausstattung ist eine nette Sache. Es gibt geschlossene Vorlesesysteme mit Scanner, Texterkennung und Vorlesefunktion. Für das Studium der Geisteswissenschaften sind die Vorlesesysteme nur schlecht geeignet. Im Wissenschaftsbereich wird zeichengenaues Zitieren verlangt, es reicht also schon, wenn ein Zeichen falsch erkannt und übernommen wurde, um falsch zu zitieren. Im Studium ist das weniger schlimm, erst wenn man eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte, wird das hochproblematisch. Wer schlecht zitiert, ist zwar kein Plagiator, wird aber schnell für schlampig gehalten.
Als Sehbehinderter hat man einen Riesenspaß damit, Zitate aus Büchern abzuschreiben. Ärgerlich ist nicht nur, dass man das tun muss. Das Schlimme ist, dass man genau weiß, dass es wesentlich einfacher sein könnte, wenn das Buch in digitaler Form bereit gestellt würde.
Man glaubt es kaum, dass man im Jahr 2012 immer noch Leute damit beschäftigen kann, Bücher für Blinde einzuscannen oder gar aufzulesen. Man könnte wirklich schönere und sinnvollere Dinge mit seiner Zeit machen.
Im Grunde blockiert das Urheber- und Verwertungsrecht das effiziente Studium. Das trifft nicht nur Sehbehinderte und Blinde, sondern auch Menschen mit Lernstörungen wie Dyslexie, mit Lese-/Rechtschreibschwäche und auch Menschen, die wegen einer Bewegungseinschränkung keine Bücher umblättern können.
Die Situation könnte heute deutlich besser sein. Immerhin gibt es eBook-Reader, es gibt das Apple-System mit Screenreader und eingebautem Screen Magnifyer. Nur der Lesestoff fehlt nach wie vor, insbesondere im deutschsprachigen Raum.
Das ist besonders schlimm für Leute, die wissenschaftlich arbeiten wollen. Aber auch für Menschen, die in einem anspruchsvollen Beruf arbeiten. Wenn jemand nur auf die Bücher zugreifen könnte, die als eBook oder Hörbuch bereit stehen, hätte er als Autodidakt ein großes Problem. Es gibt kaum Sachbücher als eBooks, sieht man mal von den “Werde-reich-undglücklich-in-30-Tagen”-Ratgebern ab, auf die man auch gut verzichten kann. Die deutschen Verlage und ihre Interessensvertretungen sprechen gerne und viel über die Möglichkeiten der Digitalisierung, in der Praxis erscheinen sie aber als große Blockierer. Vor allem das Adobe-eigene System zum Digital Rights Management verhindert einen effizienten und komfortablen Zugriff auf digitale Bücher.
Was mich wirklich erstaunt hat ist die geringe Reaktion der Behindertenverbände. Man sollte meinen, DBSV, DVBS und wie sie alle heißen würden einmal die Notwendigkeit digitaler Bücher und das Recht auf Zugang zu ihnen deutlich machen. Allerdings höre ich bisher nichts. Das mag auch daran liegen, dass Blinde und Sehbehinderte auf Zugangserleichterungen hoffen können, freilich auf Kosten anderer benachteiligter Gruppen.
Von daher erstaunt es mich auch nicht so sehr, dass sich auch keiner der Künstler dafür einsetzt. Es gibt keinen Regener, der eine kleine Wutrede zur besten Sendezeit hält. Es gibt keinen Dingenskirchen, der das in einem banalen Manifest zusammenfasst, und es gibt niemanden bei Zeit Online oder sonst wo, der das veröffentlichen würde.
Was mich angeht bin ich durchaus bereit, für diese Produkte zu bezahlen. Ich bezahle den gleichen Preis, wie ihn ein Sehender bezahlen würde. Mir soll einmal jemand erklären, warum ich mehr bezahlen sollte, z.B. einmal für das gedruckte Buch und noch einmal für eine digitale Fassung.

Weiterlesen

Mit Crowdsourcing zu mehr Barrierefreiheit

Vorlesen mit webReader

Anlässlich des Global Accessibility Awareness Day am heutigen 9. Mai will ich ein paar Ansätze beschreiben, wie die berüchtigte Crowd zur Barrierefreiheit beitragen kann.
Die Crowd erscheint vor allem dort hilfreich, wo es um einfache, aber zeitaufwendige Aufgaben geht. Das sieht man zum Beispiel an Wheelmap.
gruppenbild
Auf Wheelmap können Menschen schnell und einfach bewerten, wie rollstuhlgerecht eine bestimmte Örtlichkeit ist. Man hätte die Menschen auch mit einer seitenlangen Checkliste, einem anständigen Training in der DIN 18040 und einem Maßband losschicken können. Nur wäre dann aus der Crowd ein Häuflein geworden. Für eine Stadt wie Bonn würde es wahrscheinlich zehn Jahre dauern, bis eine kritische Zahl von Gebäuden bewertet worden wäre. Nichts gegen valide Daten, es wäre phantastisch, wenn wir von allen öffentlich zugänglichen Einrichtungen exakt wüssten, wie barrierefrei sie sind. Das Problem ist nur, dass in der Zeit, die man dafür bräuchte ein Großteil der Gebäude umgebaut würde, Cafés würden schließen, Geschäfte zu machen und neue aufmachen. Auch für öffentliche Gebäude wäre interessant zu wissen, wie barrierefrei sie sind. Nur: wie oft geht man ins Bürgerbüro oder ins Rathaus?
Deshalb sind schlechte Daten besser als gar keine. Wer die Anwendung benutzt hat, um einen angeblich barrierefreien Ort zu finden und vor Ort feststellt, dass die Bewertung falsch ist kann die Angaben korrigieren, auch das ist Crowdsourcing.
Ein anderer Service erlaubt es Blinden, Bilder von einem Objekt zu machen und sich mitteilen zu lassen, was für ein Objekt sie da fotografiert haben. UPdate: Der Service, den ich meinte ist leider zwischendurch eingestellt worden.
Die Crowd kann aber auch eingesetzt werden, um die Barrierefreiheit von Webseiten zu verbessern. Die Firefox-Erweiterung WebVisum erlaubt es zum Beispiel, Webseiten mit Informationen wie Bild- oder Formularbeschreibungen auszustatten, damit sie von Blinden besser genutzt werden können.
Es ist praktisch unmöglich, eine große Gruppe von Menschen mit Behinderung für den Test einer Webseite auf Barrierefreiheit zu gewinnen. Das Problem besteht darin, dass es eine große Bandbreite an Behinderungen gibt und innerhalb dieser Gruppen die Auswirkungen der Behinderung und die technischen Fähigkeiten stark variieren. Allein bei den Sehstörungen gibt es unzählige Varianten.
Mit normalen Ressourcen ist es praktisch nicht möglich, diese Bandbreite in Usability- oder Barrierefreiheitstests abzubilden.
Warum also nicht die Crowd für den Test auf Barrierefreiheit gewinnen? Das hat gleich zwei Vorteile: Tendentiell werden eher Menschen erreicht, die
das Angebot sowieso nutzen und deshalb daran interessiert sind, dass es barrierefrei ist. Außerdem sitzen die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung, setzen die Technologien ein, die sie sowieso nutzen und gehen damit sehr viel entspannter an die Aufgabe als sie das in einem Usability-Labor tun würden. Bei einer kleinen Testgruppe ist es häufig schwierig zu sagen, ob an einer bestimmten Stelle tatsächlich ein Problem vorliegt oder ob nur die jeweilige Person nicht damit zurecht kommt. Wenn hingegen eine größere Zahl von Menschen unabhängig voneinander an einer bestimmten Stelle ein Problem findet, ist es auch ein Problem. Es geht natürlich nicht darum, ein völlig barriereunfreies Angebot barrierefrei zu machen, da kann die Crowd auch nicht weiterhelfen. Vielmehr soll die Crowd eine Webseite prüfen, die nach den Regeln der WCAG 2.0 gestaltet wurde. Die Crowd soll mögliche Probleme aufspüren, nicht die Unfähigkeit der Webentwickler kompensieren.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Crowd sich um die Untertitelung für Gehörlose oder Audiobeschreibung von Videos für Blinde kümmert.
Viele werden hier einwenden, dass solche Beschreibungen nicht die Qualität professioneller Dienste haben können. Dagegen lässt sich anführen, dass eine mittelmäßige Beschreibung immer noch besser ist als gar keine. Immerhin gibt es hier die Möglichkeit, dass Menschen mit und ohne Behinderung sich darüber austauschen, um gemeinsam die Qualität der Beschreibungen zu verbessern. Die Nicht-Behinderten werden dadurch ganz nebenbei für mögliche Barrieren und die Auswirkungen von Behinderungen sensibilisiert.
Das war jetzt nur ein kurzer Überblick über Services, die mir bekannt sind. Das Potential ist riesengroß, es fehlt nur noch jemand, der dieses Potenntial erschließt.
Bei einigen Screenreadern kommt es z.B. vor, dass sie Wörter falsch aussprechen. Hier wäre es von Vorteil, wenn die Nutzer die Aussprache korrigieren und diese Korrekturen über einen Server direkt teilen könnten. Um blödsinnige Korrekturen zu verhindern – manche Menschen langweilen sich halt – können statistische Methoden eingesetzt werden, so dass eine Änderung erst gültig wird, wenn sie von genügend Leuten umgesetzt wurde.
Das Schöne an der Crowd ist die intrinsische Motivation. Es geht darum, dass Menschen gerne bereit sind, anderen Menschen zu helfen, ohne dafür eine direkte Gegenleistung zu erwarten. Die Angebote sind relativ niedrigschwellig, niemand muss sich in WCAG oder andere komplexe Regularien einlesen, sondern er oder sie kann sofort einsteigen und loslegen.
Das Spannende am Crowdsourcing ist meiner Ansicht nach der proaktive Ansatz. Die Behindertenszene in Deutschland ist für meinen Geschmack zu passiv. Crowdsourcing verschafft ihnen die Instrumente, um selbst etwas zu verbessern – eben wie bei Wheelmap.

Weiterlesen

Wie man einen Computer bedienen kann, ohne Lesen und Schreiben zu können

Vorlesen mit webReader

In Deutschland gibt es ungefähr 7,5 Millionen Menschen, die nur eingeschränkt lesen oder schreiben können. Nicht nur Bücher oder Zeitschriften sind für sie kaum zugänglich, auch ein Großteil des textbasiertenInternets bleibt für sie verschlossen. Deshalb ist die Frage interessant, ob man auch das Web nutzen kann, ohne lesen und schreiben zu können.
Computer mit Braillezeile und HeadsetRelativ einfache Aufgaben wie das Aufrufen und Lesen einer Webseite sind tatsächlich machbar. Viele Eltern erzählen ganz stolz von ihren kleinen Kindern, die ohne fremde Hilfe Videos auf dem iPad aufrufen können.
Smartphones und Tablet-PCs sind tatsächlich kleine Computer, deren Oberfläche auf das Wesentliche reduziert wurde. Weil Eingabegeräte wie die Maus und die Tastatur wegfallen, sind diese Geräte intuitiver zu bedienen. Die Oberfläche wird von wenigen Symbolen statt von ellenlangen Menüs geprägt. Die Symbole lassen sich teilweise intuitiv verstehen oder man lernt nach und nach, was sich hinter ihnen verbirgt.
Der Nutzer erspart sich außerdem den teils aufwendigen Umweg über den PC mit der Einrichtung des Betriebssystems, der Internetverbindung und des Browsers.

Mit dem Computer sprechen

Programme aufzurufen ist natürlich nur der erste Schritt. Spannend wird das Ganze erst, wenn man Webseiten aufrufen, E-Mails diktieren oder im Internet suchen kann. Das wird ermöglicht durch die Spracheingabe.
Bei den meisten aktuellen Betriebssystemen lassen sich zumindest einige einfache Funktionen über die Sprache aufrufen. Daneben gibt es einige kommerzielle Programme, die vor allem als Diktierprogramme dienen, mit denen man aber auch teilweise den Computer steuern kann. Diese Programme sind meistens nicht intuitiv zu bedienen. Der Anwender muss einen Befehlssatz lernen und trainieren.
Mittlerweile gibt es aber auch Spracheingaben, die intuitiv bedienbar sind. Am bekanntesten ist Apples Siri , aber auch für Android gibt es vergleichbare Apps wie Iris.
Mit diesen Spracheingaben lassen sich bereits einfache Aufgaben erledigen. Dazu gehört die Suche im Internet, das Schreiben von Mails oder das Verwalten des Kalenders.

Wenn der Computer antwortet

So weit, so unspektakulär. Natürlich ist es nett, wenn man Videos aufrufen kann, aber die wichtigsten Informationen sind zumeist als Text vorhanden. Hier helfen die eingebauten Bedienhilfen. Apple hat zum Beispiel in allen aktuellen Geräten den Screenreader VoiceOver integriert. Das ist ein Programm, das Inhalte für Blinde in Sprache oder Blindenschrift ausgeben kann. Es kann Texte vorlesen und Bedienungselemente ansagen, so dass Blinde ihr Gerät und viele Apps vollständig bedienen können.
Diese Programme können auch Menschen helfen, die nicht oder nur eingeschränkt lesen können. Die Bedienelemente und ihre Funktionen werden angesagt, den Text auf den Webseiten können sie sich vorlesen lassen. Außerdem können sie sich so auch elektronische Bücher zugänglich machen.
Smartphones und Tablets erleichtern wegen ihrer einfachen Oberfläche den Zugang zu Informationen im Internet. Allerdings sind sie noch kein vollständiger Ersatz für den Computer. Spätestens, wenn man einen Text ausdrucken möchte, gibt es Probleme.
Und ganz ohne fremde Hilfe wird man – zumindest am Anfang – nicht zurecht kommen. Wer noch nie im Internet war, kann noch nicht wissen, wo man nach Informationen sucht oder wie man ein Mailkonto einrichtet. Auch der Screenreader erfordert ein wenig Übung. Jeder muss erst einmal lernen, wie man einen Link aufruft oder wie man sich ein Konto bei einem eShop einrichtet.
Tablets und Smartphones haben das Potential, die Computernutzung und vor allem den Zugang zu Informationen deutlich zu erleichtern. Es gibt fast täglich Artikel aus dem angelsächischen Raum, wo berichtet wird, wie autistischen Kindern mit dem iPad das Lernen erleichtert wird. Das ist erst der Anfang, die große Revolution steht noch bevor.

Hypermedia-Learning – ein neuer Ansatz im eLearning

Vorlesen mit webReader

eLearning ist nach wie vor die Domäne von klassischen Bildungsstätten. Es werden viele Ressourcen aufgewendet, um Lernmaterialien zusammenzustellen. Die Kurse sind meistens geschlossen, das Lernen und Kollaborieren findet in geschlossenen Systemen statt. Im folgenden möchte ich einen Ansatz vorschlagen, der das Erstellen von Lernumgebungen demokratisieren und das Lernen erleichtern soll. Screenshot von Drupal
Ich bin selber kein eLearning-Experte, daher weiß ich nicht, ob es schon einen Begriff dafür gibt. Ich nenne es Hypermedia Learning. Es vermischt vor allem zwei Ansätze: das rapid eLearning und die Massive Open Online Courses (MOOC). Das Hypermedia-Learning basiert auf vier Prinzipien:

  • Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen
  • Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt
  • Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert
  • Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Wie ich mir das ungefähr vorstelle, sieht man an diesem Beispiel, das allerdings noch nicht ganz fertig ist.

Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen

Für mich ist immer wieder erschreckend, wie viele Ressourcen darauf verwendet werden, das Rad neu zu erfinden. Jedes System hat zumindest in gewissem Maße seine Existenzberechtigung. Ein Informatiker hat villeicht Spaß daran, den Hunderten von Programmiersprachen noch eine neue hinzuzufügen. Aber warum man 30 verschiedene Lernplattformen basteln muss, von denen jede einzelne ihre Schwächen hat, erschließt sich mir nicht. Weil es beim Hypermedia-eLearning keine großen technischen Anforderungen gibt, lässt sich dafür jede Plattform verwenden, welche die technischen Anforderungen erfüllt. Das kann auch ein kostenloses WordPress-Blog sein oder Drupal.
Das Gleiche gilt für Informationen im Internet. Viele von den Informationen sind schon vorhanden und sie werden hoffentlich auch bleiben. Deshalb gibt es selten einen Grund, einen Text komplett neu zu schreiben, wenn die Informationen einfach nur verlinkt werden müssen. Vielfalt ist nicht per se schlecht, aber Vielfalt ist auch kein Wert an sich.
Im Hypermedia-eLearning stellt der Autor die Basis-Informationen in einem Text zusammen und bindet weitere Informationen über Links ein. Am besten ist es natürlich, die Informationen direkt in die Webseite einzubinden, wie man es mit YouTube-Videos oder Slideshare-Präsentationen machen kann. Mit Text geht das wegen der Urheberrechte nicht, eine Ausnahme wäre Scribd.
Statt alles selber zu schreiben stellt der Autor also die wesentlichen Informationen strukturiert und im Zusammenhang zusammen. Der Nutzer muss im Rahmen des Kurses die verschiedenen Materialien durcharbeiten.
Ich propagiere im übrigen kein Häppchen-Lernen. Es reicht normalerweise nicht, Texte, die man geschrieben hat einfach in eine logische Reihenfolge zu stellen. Vielmehr muss das gesamte Lernangebot einen roten Faden haben. Kein Autor wird also darum herum kommen, seine Inhalte ein wenig zu überarbeiten. Wer dafür weder Zeit noch Muße hat, fährt mit einem MOOC besser, wo lediglich zu bearbeitende Inhalte verlinkt und dazu passende Fragen zusammengestellt werden.

Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt

Im klassischen eLearning werden vom Kursleiter Aufgaben vorgegeben, die der Schüler in einer bestimmten Zeit bearbeiten und wieder einreichen soll. Der Lehrer prüft die Lösung und gibt Feedback.
Im Hypermedia-eLearning übernehmen wir das Prinzip des autonomen Lernens. Der Nutzer erhält die Aufgabe, etwas zu tun, etwas auszuprobieren und selbständig zu prüfen, ob er das Ziel erreicht hat. Eine richtige Erfolgskontrolle wie beim klassischen eLearning ist für das selbstständige eLearning nicht nötig. Entsprechend müssen die Übungen gestaltet sein.

Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert

Das Entscheidende ist dabei das Ziel Cummunity-Building. Die Community unterstützt im Idealfall die Bereitschaft, den Kurs zu Ende zu führen. Sie erleichtert den Austausch, wodurch das Wissen vertieft und die Reflexion verstärkt wird. Lernen ohne Lehrer könnte das Motto sein.
Viele Kurse haben keine nachhaltige Wirkung, weil der Stoff zwar durchgearbeitet wird, aber nur in Hinblick auf den Abschluß des Kurses. Das Ziel sollte aber sein, dass die Kursteilnehmer den Stoff selbständig vertiefen und das klappt im Austausch mit anderen am besten. Die Teilnehmer stellen Fragen, die durch das Kursmaterial nicht ausreichend beantwortet wurden oder gar nicht behandelt wurden. Diese Diskussionen helfen späteren Teilnehmern, den Stoff weiter zu reflektieren, das ist Crowd-Bildung.
Wenn der Kurs von der Plattform unabhängig ist, suchen sich die Teilnehmer ihre eigene Form der Verarbeitung auf Facebook, Twitter, Pinterest, Audioboo, YouTube oder wo auch immer.
Im Idealfall ergänzt dieses Material den Kurs und macht via Crowdsourcing einen besseren Kurs daraus. Das klappt aber nicht, wenn der Kurs und die Kursplattform geschlossen sind.

Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Im Internet liegen genügend multimediale Inhalte, um einen akademischen Abschluß nur mit diesen Materialien zu erlangen. Gleichzeitig sind die Kurse heute eher textbasiert. Multimedialität lässt sich dabei sowohl bei der Zusammenstellung des Kursmaterials als auch bei der Bearbeitung der Übungen realisieren.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Lernstil. Manche mögen es eher visuell, manche eher akkustisch. Diese Vorlieben werden in den klassischen Kursen nicht berücksichtigt, weil jeder Teilnehmer die gleiche Aufgabe in der gleichen Weise bearbeiten muss.
Am besten wäre es, wenn die Lernenden den Stoff direkt auf ein konkretes Projekt anwenden könnten, das sie aktuell bearbeiten. Auch das geht in den klassischen Kursen nicht, weil das dem Lehrenden zu viel Mühe bereiten würde. Das konkrete Anwenden des Erlernten ist entscheidend für den Lernerfolg.
Statt ellenlange Texte durchzuarbeiten sollte der Nutzer die Möglichkeit bekommen, möglichst viel auszuprobieren. Es geht darum, den Spieltrieb zu wecken, dem Nutzer etwas zum Anfassen zu geben, seine Neugier zu wecken und ihn möglichst viel alleine herausfinden zu lassen, statt ihm alle Informationen vorverdaut zu präsentieren.

Demokratisierung der Bildung

Für professionelle Kurse werden zahlreiche Ressourcen benötigt. Es werden Didaktiker, Fachleute zur Erstellung des Kurses und Designer benötigt, die den Kurs inhaltlich ausarbeiten und optisch aufbereiten. Die Kurse kosten im besten Falle mehere Hundert Euro. Gleichzeitig haben wir einen expliziten Mangel an Kursen vor allem zu aktuellen Themen. Die ersten deutschsprachigen Kurse zu Web 2.0 erschienen vor drei bis vier Jahren. Ist das Kursmaterial einmal ausgearbeitet, wird es nur selten auf den aktuellen Stand gebracht.
Das hier vorgeschlagene Prinzip ist sozusagen die Wikipediasierung des Lernens. Die Entstehung von Bildungsmaterial und Enzyklopädien hat viel gemeinsam. Die Enzyklopedia Britannica ist sicher ein tolles Werk, das auch seine Existenzberechtigung hat. Aber sie ist teuer und praktisch in dem Moment veraltet, wo sie auf den Markt kommt.
Gleichzeitig wirft das beschriebene Verfahren die gleichen Probleme auf, wie sie die Wikipedia bereits heute hat. Das sind vor allem die Qualitätsunterschiede in den Artikeln.
Die Qualitätskontrolle wandert sozusagen von den Inhalteerstellern zu den Kursnutzern. Sie sind angehalten, das Gerlernte kritisch zu reflektieren, in Frage zu stellen und mit ihren Beiträgen zu verbessern. Das ist sozusagen Teil des Kurses und entspricht dem Prinzip des selbständigen Lernens.
Zur Demokratisierung gehört auch, dass jeder diese Kurse erstellen kann. Es gibt keinen Grund, die Schaffung von Wissen den Experten zu überlassen. Es gibt einen Hunger auf Wissen und es gibt keinen Grund, dieses Wissen in sorgfältig gebundene vom Verlag geprüfte Bücher zu packen.
Oftmals liegt das Basismaterial schon vor. Viele Blogs werden seit Jahren mit Einträgen gefüllt. Im Idealfall müssten die Beiträge nur in eine Struktur gebracht werden, die den Lernenden die Aufnahme erleichtert. Sie werden dann ergänzt mit Beiträgen, die die Lücken füllen und mit Fragen, die den Nutzern das Selbst-Lernen erleichtern. Das Material kann nach Belieben mit Texten von anderen Webseiten, Videos, Audios oder Präsentationen ergänzt werden. Dem Autoren fällt hier als Quasi-Experten die manchmal schwere Aufgabe zu, die aus seiner Sicht besten Inhalte auszuwählen. Theoretisch lassen sich beliebig viele Inhalte einbinden, praktisch soll aber gerade der Lernende nicht mit einem Übermaß an Inhalten überschüttet werden. Und natürlich sind die Urheberrechte zu berücksichtigen, es geht nicht um Copy-Paste, sondern um Hypermedia.
Ein Kurs kann auch modular gestaltet werden, so dass er einerseits Laien wie Experten ansprechen kann. Auf der anderen Seite können so auch unterschiedliche Zielgruppen erreicht werden. Die Redakteure zum Beispiel bearbeiten den ersten Teil, die Designer den zweiten Teil, aber beide haben auch die Möglichkeit, die jeweils anderen Teile durchzuarbeiten. Das heißt, dass die einzelnen Module des Kurses grundsätzlich eigenständig funktionieren müssten.
Unsere Regale sind voll von Lehrbüchern, die mit der besten Absicht gekauft wurden, aber keinen nachhaltigen Einfluß hatten. Unsere Schulen, Universitäten und das Internet sind voll altbackener Didaktik, die heutige Möglichkeiten bei weitem nicht ausnutzt.

Drupal als einfaches Learning Management System

Vorlesen mit webReader

Es gibt eine Reihe kostenloser Open-Source-Lösungen für Lernumgebungen zum eLearning im Internet. Die größte und wahrscheinlich auch umfangreichste Lösung ist Moodle. Moodle ist allerdings sehr anspruchsvoll, was den Ressourcenbedarf angeht. Außerdem ist es für kleine Lernumgebungen überdimensioniert. Ein einfaches Redaktionssystem erfüllt oft viele Ansprüche und lässt sich mit geringeren Ressourcen betreiben.
Vieles spricht für WordPress: es ist schnell erlernt, es gibt zahllose Erweiterungen für jeden Zweck und es lässt sich fast überall betreiben.
Screenshot von Drupal
Für interaktive Umgebungen scheint mir aber das freie System Drupal besser geeignet. Es erfordert ein wenig mehr Einarbeitung als WordPress, bringt jedoch einige interessante Funktionen von Haus aus mit. Der Schwerpunkt von Drupal liegt auf dem Community-Building. Man kann zu jedem Inhalt ein Forum hinzufügen, so dass Diskussionen und Kommentare zu jedem Lerninhalt geführt werden können.
Drupal ist ein klassisches Redaktionssystem zum Erstellen von Webseiten, während der Schwerpunkt von WordPress auf Weblogs liegt. In Blogs gibt es normalerweise keine Hierarchie, alle Beiträge liegen auf der gleichen Navigationsebene. Die Beiträge werden nicht im Zusammenhang in einer bestimmten Reihenfolge gezeigt, sondern umgekehrt chronologisch. Das kann man natürlich nach Belieben ändern, Drupal erlaubt das aber von Haus aus. Das Buchmodul von Drupal erleichtert es, Inhalte in eine lineare Reihenfolge zu bringen, so dass der Lernende den Stoff nac einem bstimmten System durcharbeiten kann.
Vieles andere ist integriert oder lässt sich nachrüsten: Benutzerverwaltung mit Rollen, zeitgesteurtes Veröffentlichen, Blogs, die Einbindung von RSS-Feeds, Umfragen/Fragebögen usw.
Auch das Einreichen von Aufgaben und die Rückmeldung durch den Lehrenden sollte sich realisieren lassen.
Der große Vorteil von Drupal gegenüber zum Beispiel Typo3 ist die vergleichsweise einfache Erlernbarkeit und Anpassbarkeit. Außerdem verbraucht es weniger Ressourcen als Moodle und ist stärker auf den Austausch und Benutzer mit unterschiedlichen Rollen ausgelegt als WordPress.Drupal ist ein Framwork für Community-Building, so dass angemeldete Nutzer ihre Diskussionen, Blogs oder eigene Beiträge innerhalb des Systems abgeben können, ohne dass das System erweitert werden muss.

Drupals Stärken werden leider schnell unterschätzt. Ein Problem des Systems ist, dass es im Gegensatz zu WordPress out of the box nicht besonders benutzerfreundlich ist. Ich glaube, sehr viel mehr Leute würden das System einsetzen, wenn es fertig vorfonfigurierte Systeme z.B. für Redakteure gäbe. So ist die Einarbeitungszeit doch ein wenig höher, weil die Funktionen teilweise gut versteckt sind. Zum Beispiel gibt es out of the box keinen graphischen Texteditor. Die Funktion zum Hochladen von Bildern muss in einigen Inhaltstypen wie Büchern erst eingeschaltet werden.
Drupal gilt als Linux der Content Management Systeme, aber das trift auch auf MODx oer Typo3 mit seinem TypoScript zu. Im Vergleich ist Drupal einfacher.

Digitale Mitbestimmung für Menschen mit Behinderung

Vorlesen mit webReader

Digitale Werkzeuge können auch für Menschen mit Behinderung die Mitbestimmung erleichtern und verbessern:

Politisches Engagement findet zunehmend über das Netz statt. Viele der neuen Möglichkeiten sind auch für Menschen mit Behinderung interessant. Ihre Wege
zur politischen Mitbestimmung sind oft eingeschränkt, weil sie nicht mobil sind oder ihre Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt ist. Weiterlesen

Die Zukunft der Nonprofits – transparent, offen und vernetzt

Vorlesen mit webReader

“Dann gab es noch die selbsternannten Reformer, die größten Langweiler von allen; sie dachten, daß ich immerfort mein Liedchen sang:
»Das ist das Haus, das ich gebaut; Das ist der Mann, der in dem Haus lebt, das ich gebaut;«
Sie wußten nur nicht, daß die dritte Zeile lautete: »Das sind die Leute, die den Mann plagen,
Der in dem Haus lebt, das ich gebaut.«” Henry David Thoreau

Nonprofit-Organisationen sind in ihrem Handeln und auftreten oft eher konservativ. Ich meine, dass sich drei Megatrends absehen lassen, an denen kein Nonprofit in Zukunft vorbei kommen wird.

Offenheit

Vor allem für Mitgliederorganisationen (VdK, ver.di) wird es wichtiger, sich allgemein für die Mitglieder zu öffnen. Dazu gehört nicht nur der Einsatz von Social-Media-Kanälen zur direkten Kommunikation. Dazu gehört auch, dass Ideen, Anregungen, Kritik in die Organisation einfließen und dort verarbeitet werden. Sofern diese Kritik berechtigt ist, sollte sie angenommen und damit auch Veränderungen angeregt werden. Den Mitgliedern muss das Gefühl gegeben werden, dass ihre Organisation

  1. für sie da ist
  2. die Mitglieder für die Organisation wichtig sind
  3. die Rückkopplungen der Mitglieder von der Organisation verarbeitet werden
  4. Das kann hingehen bis zu dem, was man in den Städten als Bürgerhaushalte bezeichnet. Der Haushalt wird offen gelegt und die Mitglieder können teilweise mitbestimmen, wo weniger Geld ausgegeben wird und wo mehr Investitionen sinnvoll sind.
    Auch die Parteien sind gezwungen, sich auf diese Weise zu öffnen. Parteimitglieder finanzieren nicht nur die Partei, sie tragen die wesentliche Last der Wahlkämpfe. Für einen warmen Händedruck des dritten Lokalvorsitzenden werden sie das nicht mehr lange machen.
    Vorbildhaft ist zum Beispiel 2aid.org.

    Transparenz

    Wir haben in den letzten Jahren vielfach gesehen, wozu mangelnde Transparenz führt. Korruption, Geldverschwendung, Patronage, Mißbrauch von Spendengeldern… Es wird Zeit für eine Transparenzoffensive. Jede Nonprofit-Organisation sollte in einem allgemein zugänglichen Geschäftsbericht ihre Einnahmen und Ausgaben offen legen. Wo kommt das Geld her, wofür wurde es ausgegeben, warum wurden die Prioritäten so ausgewählt?
    Es gibt inzwischen verschiedene Standards zur Transparenz, die international akzeptiert sind. Zugleich geraten Organisationen, die Spenden, Mitgliederbeiträge oder Steuervergünstigungen erhalten zurecht unter Rechtfertigungsdruck.

    Vernetzung

    Mit Vernetzung ist hier ausnahmsweise nicht das Internet gemeint. Vernetzung muss vielmehr zwischen den Nonprofits und zwischen Nonprofits und Unternehmen oder wem auch immer stattfinden. Es ist heute nicht mehr sinnvoll, wenn drei Organisationen am gleichen Ort zur gleichen Zeit das Gleiche tun – nebeneinander, nicht miteinander. Wer für Pakistan oder Haiti an eine seriöse Organisation spendet erwartet, dass diese Organisation ordentlich mit dem Geld anderer Leute umgeht und mit anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeitet.
    Das Gleiche gilt für die Umweltorganisationen.

    Die neue Generation

    Die ältere Generation ist mit den aktuellen Zuständen aufgewachsen. Die Gewerkschaft oder der Verband wussten schon, was gut war. Vielleicht waren die Menschen aber auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich aktiver einzubringen.
    Früher hat es relativ gut funktioniert: die lokalen Gewerkschaftsmitglieder arbeiteten ehrenamtlich und viele tun das bis heute. Heute sehen wir den Strukturwandel: immer weniger junge Menschen sind Mitglieder in solchen Organisationen und viele sind nicht mehr für das Ehrenamt zu begeistern.
    Das liegt zum einen an gesellschaftlichen Veränderungen. Früher war es vermutlich selbstverständlicher, sich irgendwo zu engagieren. Hinzu kommt das umgekehrte More-More-Prinzip. Die Leute haben sich im wesentlichen nicht engagiert, weil die Gewerkschaft so spannende Grillabende hat, sondern weil sie im direkten Kontakt von Freunden und Bekannten dazu animiert wurden. Aber je weniger Leute sich engagieren, desto unattraktiver wird dieses Engagement. Jedes Mitglied, das sie verlieren ist ein Rekruter, der verloren geht.
    Zum anderen liegt es aber auch an der hermetischen Geschlossenheit dieser Organisationen. Wer mitmischen will, muss zu den abendlichen Treffen kommen, sich Wochenenden bei Sitzungen um die Ohren schlagen und sich in seltsame Netzwerke einfügen. Viele Leute haben keine Lust darauf, sie wollen aber dennoch wissen, was da mit ihrem Geld passiert. Eine Alternative könnte das Online-Volunteering sein.

    Weiterlesen