Kategorie-Archiv: Leben

Wie das Leben so spielt

Access-News vom 24. Juni 2010 – Fraunhofer testet und Google bringt was Neues

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Das Fraunhofer-Institut für Informationstechnik hat herausgefunden, dass die meisten Dax-Websites nicht validieren und nicht barrierefrei sind. Wer hätte das gedacht, nachdem Opera mit seiner MAMA-Studie das schon lange festgestellt hat? Wer es ausprobieren mag, es gibt ein Testtool auf der Website von Fraunhofer. Ich befürchte fast, das diese automatischen Tests mehr Schaden als Nutzen anrichten. Der Website-Bastler braucht sich mit dem Thema Barrierefreiheit gar nicht mehr zu beschäftigen, sondern arbeitet säuberlich eine Reihe von Fehlern ab und wird durch eine Fehlerfrei-Meldung des Systems geadelt. Zudem werden Leute belohnt, die statische Websites oder Alternativ-Versionen für Behinderte anbieten, denn hier wird das Prüfprogramm nicht durch so überflüssige Dinge wie JavaScript oder Flash in seiner Arbeit gestört.

Google mit OCR und Spracherkennung

GoogleDocs hat jetzt Texterkennung. Mit OCR lassen sich Texte aus Graphiken und PDFs extrahieren. Laut Golem soll die Qualität der Erkennung bisher noch nicht berauschend sein. Das ist etwa nützlich für PDF-Dateien, die aus gescannten Dokumenten generiert wurden. Nebenbei ist die HTML-Anzeige von PDF-Dateien eine der nützlichsten Werkzeuge Googles.
Mit seinem Know How im Rahmen der Bücherscan-Aktion dürfte Google bei der Scan-Qualität deutliche Verbesserungen ermöglichen.

GoogleVoice ist eine Technik, mit der sich Sprachmitteilungen in Text umwandeln lassen, zum Beispiel zum Versenden von SMS. Voice ist jetzt öffentlich verfügbar, allerdings bisher nur auf Englisch.

Vermischtes

Marco berichtet, dass das neue IOS 4 Teile von WAI ARIA unterstützt.
Die Entwickler von Chrome arbeiten jetzt an der Unterstützung von Chrome durch Screenreader. Sie haben recht flott auf die Petition reagiert, die von Steve Faulkner letzte Woche beworben wurde.
WebAIM setzt seine HTML5-Reihe mit einem Beitrag über Canvas fort.

Augmented Reality und Barrierefreiheit

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Die erweiterte Realität oder augmented reality ist an sich unspektakulär: Wenn man zum Beispiel ein Foto von einem Gebäude wie dem Kölner Dom macht, dann sollen in Echtzeit Informationen zu diesem Gebäude auf dem Handy eingeblendet werden.

Andererseits sind die Erweiterungsmöglichkeiten dieser Technik praktisch unbegrenzt. In Verbindung mit einem GPS-Empfänger könnte ein Blinder oder ein Sehbehinderter herausfinden, vor welchem Gebäude er steht und ob er dort richtig ist. GPS oder andere Ortungsdaten sind nötig, weil ein Blinder wohl nicht in der Lage sein wird, ein Gebäude richtig zu fotografieren. Um hinreichende visuelle Informationen aufzunehmen, müssen schließlich Blickwinkel, Entfernung, Beleuchtung und Bildschärfe stimmen. Denkbar wäre auch ein Datenabgleich mit Google Streetview oder ähnlichen diensten, wobei das heute wohl aufgrund der nötigen Rechenleistung zu aufwendig ist.

Eine clevere Kombination verschiedner Faktoren und Informationsquellen wie GPS, panorama-Fotografie, Handy-Ortungsdaten und Google Streetview dürften genügend Informationen liefern, um ein Gebäude oder einen Ort an einer Straße eindeutig zu identifizieren.

Bei einem Restaurant ließen sich zum Beispiel die Öffnungszeiten und die Speisekarte online betrachten. Schließlich fragt niemand gerne nach Speiseangebot und Preisen. Blinde haben hier schlechte Karten, weil sie die Karte schlicht nicht lesen können.

Interessanter wird es bei so schlichten Dingen wie Bus- und Straßenbahn-Fahrplänen. Die können auch Sehende oft nicht lesen, weil sie verdreckt oder schlicht zu klein gedruckt sind. Den Spaß, auf den Seiten der Anbieter nach den passenden Fahrplänen zu suchen will man sich weder auf dem Computer noch mobil antun. Blinde sind hier aufgeschmissen, leider können auch viele normal Sehende den Fahrplan nicht lesen – oder verstehen. Hier würden aber auch schon fühlbare QR-Codes weiterhelfen, die einfach nur mit dem Smartphone abfotografiert werden müssten.

Ein wirklich ärgerliches Problem sind Busse, Bahnen oder Züge, die zu spät kommen. An kleinen Bahnhöfen gibt es keine Durchsagen, so dass niemand weiß, was eigentlich los ist. Auf der anderen Seite haben Gehörlose das Problem, dass sie Durchsagen nicht hören und ihnen damit wichtige Informationen entgehen.

Die Verknüpfung von geographischen Orten und zugehörigen Websites könnte eine der interessantesten Anwendungen der nahen Zukunft werden. Und für viele Blinde und andere Gruppen Behinderter ebenfalls ein Stück Autonomie bringen.

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Persönliches Wissensmanagement mit Weblogs und Co.

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Jeden Tag stößt man auf neue Ideen oder Gedanken. Dabei benötigt man sehr viel Disziplin, um diese Gedanken sinnvoll zu notieren, so dass man sie
1. wiederfindet
2. und auch noch Jahre später versteht
Unser Gedächtnis ist ein recht komischer Apparat, man kann sich daran erinnern, dass da mal eine bestimmte Idee war, aber auf die Idee selber kommt man nicht mehr.

Wenn man unter Wissensmanagement genau das versteht, Ideen und Gedanken sinnvoll zu formulieren, zu kategorisieren und zu sammeln, dann sind Weblogs und andere Web-2.0-Anwendungen genau das Richtige.
Die Voraussetzung ist, dass das Weblog tatsächlich öffentlich ist, weil man ansonsten nicht die nötige Disziplin hat, einen Gedanken allgemein verständlich und nachollziehbar zu formulieren. Das ist aber die wichtigste Voraussetzung für ein vernünftiges Wissensmanagement. Wenn Andere deinen Gedanken verstehen, dann wirst du es in zehn Jahren vermutlich auch noch können.
Im Prinzip wären auch Anwendungen wie Googles Such-Historie eine sinnvolle Sache. Wer bei Google eingeloggt ist, dessen Suchaktivitäten über die Google-Suchmaschine werden automatisch aufgezeichnet. Wer viel im Internet surft, kennt das Problem, dass man eine schöne Seite gefunden hat, sich aber nicht mehr an den Namen der Seite oder die entsprechenden Suchbegriffe erinnern kann.
Wer also seine Beiträge sauber mit Kategorien und Schlüsselwörtern versieht, schöne Überschriften und Links gesetzt hat, der hat sehr gute Chancen, seine ideen auch wiederzufinden. Alle Weblog-Systeme haben eine recht gute Suchmaschine integriert, so dass die Suche nach alten Gedanken kein Problem darstellen sollte.
Wer es lieber kurz mag, kann natürlich auch Twitter benutzen, mit Link-Shortener und Hash-Tags kann man auch mit 140 Zeichen effizient arbeiten.
Es kommt auch nicht selten vor, dass man über Kommentare weitere gute Ideen erhält. Wenn ich eine gute Idee habe und du hast eine gute Idee, dann sollten wir uns austauschen, hinterher haben wir beide eine gute Idee mehr.

Blinde in der Literatur – über Klischees, Mythen und populäre Irrtümereb

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Im Deutschland-Radio gibt es aktuell ein Feature über Blinde in der Literatur, hier als Text.

Blinde sind als Haupt- und Nebenfiguren sehr beliebt, verkörpern aber zumeist die üblichen Klischees.
Ich wollte selber mal eine Liste zusammenstellen, kenne mich aber in der Literatur nicht gut genug aus.

An dem Klischee-Blinden vorbei zu lavieren ist für einen Schriftsteller recht schwierig. Der gütige Weise, der durch das Fehlen des Augenlichts höhere Einsichten gefunden hat ist eben so realistisch oder unrealistisch wie der böse oder dumme Blinde, der mit dem Augenlicht auch die Fähigkeit zum moralischen Handeln oder seinen Verstand einbüßt.

Interessant ist die Figur Jorge von Bogos aus Umberto Ecos “Der Name der Rose”, der erblindete ehemalige Bibliothekar, der die ganze Abtei vernichtet und sein eigenes Leben dazu, um die Entdeckung eines Buches zu verhindern. Seine Blindheit ist mir nicht das Kernmotiv seiner Handlungen oder seine Haupteigenschaft. Bogos reales Vorbild ist Jorge Louis Borges, ein bekannter lateinamerikanischer Schriftsteller, der ebenfalls im Alter erblindet war.

Und so sollte es auch sein: Blinde als Schriftsteller oder Blinde als literarische Figuren sollten nicht auf ihre Eigenschaft als Blinde reduziert werden. Die Sendung pflegt aber selber einen Mythos, den vom geduldigen Blinden.

In Tad Williams SciFi-Epos “Otherland” spielt die blinde Journalistin Martin eine hervorgehobene Rolle. Sie ist als Kind spät erblindet, Genauer gesagt ist ihr Gehirn nicht in der Lage, die vom Auge kommenden Signale richtig zu verarbeiten.

In Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” ist die weibliche Hauptrolle eine Blinde, die mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet ist. Sie tritt immerhin sehr selbstbewusst auf.

In der Anwaltsserie Matlock gab es in einer Folge einen Blinden Mann, der einen Mord begangen hatte. Das war deshalb interessant, weil sich das Täter-Opfer-Schema hier quasi umgedreht hat, Blinde werden ja in Fiktionen und in der Realität lieber als Opfer denn als Täter dargestellt.

Eine blinde schwarze Frau spielte in der Serie “Allein gegen die Zukunft” eine Nebenrolle. Wenn ich mich recht entsinne, war die Rolle nicht besonders bemerkenswert, aber immerhin.

Interessanterweise gibt es auch bei Star Trek – das nächste Jahrundert eine blinde Hauptfigur: Geordi LaForge ist der Chef-Ingenieur der Enterprise. Er hat eine Sehhilfe, die wenn ich mich recht entsinne über die Unterscheidung von Wärme und Kälte sowie Materialien funktionierte. Bemerkenswert deshalb, weil in der Föderation eigentlich alle Krankheiten ausgerottet sein sollten und Behinderungen ansonsten nicht vorkommen.

Zu erwähnen wäre noch die Detektiv-Hörspiel-Serie Peter Lundt, wo die Hauptrolle des Detektivs von einem Blinden übernommen wurde. Sehr bemerkenswert.

Mehr Umweltschutz bedeutet mehr Lebensqualität

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So kann man das Fazit der Autoren von “Faktor Fünf” zusammenfassen. Zufällig habe ich vor einigen Tagen die ältere Ausgabe “Faktor Vier” durchgeblättert. Das Buch ist weniger zum Schmökern als zum Nachschlagen geeignet. Es ist eine Sammlung von Ideen, wie sich die Effizienz von Ressourcen erhöhen und zugleich mehr Wohlstand schaffen lässt. Die Dämmung von Gedäuden zum Beispiel verringert nicht nur die Heizkosten, sondern kann auch das Raunklima deutlich verbessern. Ein vernünftiges Verkehrssystem schon die Nerven von Pendlern und verringert die Energieverschwendung. Eine vernünftige Beleuchtung verringert die Lichtverschmutzung, indem Licht dort eingesetzt wird, wo es benötigt wird und ist zudem angenehmer als die heutigen Energiesparleuchten.

Die Modelle dafür sind altbekannt:
- Energy Contracting verteilt die Investitionskosten für die energetische Gebäudesanierung über einen langen Zeitraum und refinanziert sich direkt über die Einsparungen.
- Geräte zu leasen statt zu kaufen erhöht die Recycling-Fähigkeit und Langlebigkeit der Geräte und verringert die Soll-Bruch-Stellen heutiger industrieller Produkte.
Es gibt sehr viele kleine und große Ansatzpunkte zur Ressourceneinsparung. Leider fehlen die richtigen Anreize und Rahmenbedingungen. Im Verhältnis sind die Energiepreise noch zu niedrig, für Mieter und Vermieter sind Gebäudesanierungen oft uninteressant, der Individualverkehr ist trotz seiner hohen Kosten für viele Menschen wesentlich attraktiver als der öffentliche Nahverkehr.
Die Verschwendung von Ressourcen ist aber weder sozial noch wirtschaftlich sinnvoll. Ein großer Teil der Weltbevölkerung strebt den gleichen Lebensstil an, den die westlichen Länder schon lange pflegen. Daher müssen die Techniken für einen effizienten Umgang mit den knappen Ressourcen wie Energie, Wasser und Rohstoffen heute umgesetzt werden.
Umweltschutz kann sicher nicht bedeuten, dass wir alle zu Puristen werden. Umweltschutz und Ressourceneinsparung sind sowhol aus gesellschaftlicher als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Muss.

Gut essen und die Welt retten

Viele Vegetarier und Veganer wollen aus ökologischen oder politischen Gründen aus Fleisch verzichten. Es gibt – anders als oft behauptet wird – keine artgerechte Haltung für Tiere, die zum Verzehr gedacht sind. Es wird wertvolles Getreide erzeugt, um das Vieh zu füttern. Vor allem Kühe erkranken an einem Übermaß an Sojagenuß. Der Energieaufwand, der reingesteckt wird steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis, um es streng rational zu fassen. Das wäre ein geringeres Problem, wenn das Fleisch dann auch entsprechend viel kosten würde und nicht wie in Deutschland hochsubeventioniert.
Für die Aufzucht von Tieren werden Unmengen an Getreide verwendet. Die Erzeugung dieses Getreides verhindert oder verteuert die Nahrungserzeugung für Menschen. Dazu kommt, dass die hochmaschinisierte Landwirtschaft dazu beiträgt, die Böden durch Monokulturen, Überdüngung und schwere Maschinen allmählich zu zerstören, so dass der Anteil an nutzbarer landwirtschaftlicher Fläche nach und nach zerstört wird.
Veganer und Vegetarier können durch ihre Ernähung dazu beitragen, dass diese Zerstörung nicht weiter fortgetrieben wird, indem sie ökologisch sinnvolle Lebensmittel zu sich nehmen.
Das sollte man übrigens nur tun, wenn man die Lebensmittel essen mag. Es bringt nichts, sich mit Essen vollzustopfen, wenn man es nicht schmackhaft findet. Das hält keiner lange durch.
Lupinen sind so ein Lebensmittel. Lupine avancieren langsam zur Alternative zu Soja. Lupine sind eigentlich Blumen, die weit verbreitet sind. Die meisten Sorten enthalten Alkaloide, die sie ungenießbar machen. Erst in letzter Zeit wurden Sorten gezüchtet, die sich zum Verzehr eigenen: die Süßlupinen.
Aktuell werden sie vor allem als Mehl oder als ein Ersatz für Nüße zum Knabbern angeboten angeboten. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie auch hierzulande und vor allem auch auf schlechten Böden angebaut werden können. Sie reichern den Boden mit Stickstoff an, wodurch sie zur Verbesserung der Böden beitragen.
Sie sind ähnlich wie Linsen sehr eiweißreich, auch deshalb sind sie für Veganer interessant. Lupine könnten mittelfristig das europäische Gegenstück zu Soja werden, weil sie ähnlich verwendbar sind.

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Ernst Ulrich von Weizsäcker, Karlson Hargroves und Michael
Smith. Faktor Fünf. Droemer

Und sie tun es doch – warum Blinde Videos angucken

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YouTube ist für jeden blinden Nutzer ein Alptraum. Der Flash-Player startet beim Öffnen einer Videoseite, der Screenreader ist nicht mehr zu hören, die Tastaturbedienung des Browsers funktioniert größtenteils nicht mehr, der Player läßt sich weder steuern noch stoppen.

Warum sollten Blinde Videos gucken?

Wir müssen wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten. Zunächst einmal haben sehr viele Blinde einen Fernseher zuhause stehen. Es gibt viele blinde Fussballfans, die tatsächlich nicht der Radio-Übertragung, sondern dem Fernsehprogramm lauschen.Viele Blinde sammeln auch fleißig Videos auf DVD, der DVD-Player lässt sich praktischerweise über Cinch ohne Umweg an die Stereoanlage anschließen.

Wenn es nicht gerade Action-Filme oder Stummfilme sind, sind die meisten Sendungen auch rein auditiv zugänglich. Da gehen zweifellos einige Ebenen verloren, es stört aber weniger, als man glauben mag.
Es gibt die “Audiodeskription”, im Deutschen ist der Begriff Hörfilm geläufiger, das ist die Beschreibung von Filmszenen durch eine Stimme aus dem OFF in dialogfreien Teilen des Films. So eine Hörfilmfassung ist äußerst selten und nur für wenige Filme vorhanden. Das sind zumeist kulturell wertvolle Stücke, also Filme, die keiner sehen oder hören möchte.

Bei YouTube oder Podcampus gibt es zum Beispiel Vorträge, wo die visuelle Dimension keine große Bedeutung hat. Selbst wenn der Vortragende auf Präsentationen zugreift und diese etwa über Screencasts aufgezeichnet und eingebunden wurden, stört das meistens nicht weiter. Blinde sind daran gewöhnt, von diesen Dingen nichts mitzubekommen. Ein Vortragender, der in seine Powerpoint-Folien verliebt ist, verdient im übrigen weder Zuhörer noch Zuschauer.

Auch Musiktitel werden auf YouTube zur Verfügung gestellt, ob legal oder halblegal, lasse ich mal dahin gestellt sein. Der Videoanteil beschränkt sich dabei oft auf Bilder des Plattencovers oder des Interpreten.

Um dem YouTube-Videoplayer zu umgehen, gibt es einige Wege. Chris Heilmann hat eine barrierefreie Version online gestellt, die es vielen erlaubt, sich die Videos direkt anzusehen und den Player über Tastatur zu bedienen. Diverse Plugins erlauben den direkten Download der Videos auf die heimische Festplatte. Das Desktop-Programm Free YouTube MP3 Converter wandelt die Dateien direkt in MP3 um. Wer diese Programme verwendet, sollte natürlich die Urheber- und Verbreitungsrechte beachten.

Das ist alles schön und gut, aber wenig komfortabel. Es gibt andere Plattformen wie Podcampus oder MyVideo, die mit mit auf YouTube zugeschnittenen Tools naturgemäß nicht funktionieren. Zudem sind diese Tools plattformabhängig, Wenn das mobile Web kommt, kann man wiederum nicht direkt auf die Plattformen zugreifen und muss darauf warten, dass jemand eine App schreibt. Diese Plattformen sollten von Haus aus barrierefrei zugänglich sein. Dazu ist es nötig, dass alle Menschen, die Probleme bei der Bedienung dieser Websites haben, die Betreiber konsequent darauf hinweisen. Die Betreiber können ansonsten zu Recht sagen, dass 1. sich noch keiner beschwert hat und 2. Blinde eh keine Videos gucken können.

Wem glauben? – wie Vertrauen und Glaubwürdigkeit im Web entstehen

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Wer sich eine Zeitlang im Web bewegt hat wird schnell feststellen, dass einige Projekte des Web 2.0 eine hohe Glaubwürdigkeit genießen. Das gilt sowohl für Weblogs mit hohen Zugriffszahlen, bei denen man die Namen der Urheber kennt als auch für die Wikipedia, bei der es nur ausnahmsweise vorkommen kann, dass man einen der Autoren kennt.
Doch auch in komplett anonymen Foren wie heise online, wo praktisch alle Poster mit Nicknamen antreten gibt es Schreiber, die mehr Integrität genießen als andere. Woran liegt es?
Zwei Grundsätze scheinen generell zu gelten:
1. Man geht zunächst davon aus, dass jemand die Wahrheit sagt
2. Man muss sich Vertrauen verdienen
Das klingt zunächst widersprüchlich. Wahrheit kann allerdings nur in Hinsicht auf Fakten gelten, nicht auf Meinungen. Selbst der größte Skeptiker geht zunächst davon aus, dass sein Gegenüber aufrichtig ist, nach bestem Wissen und Gewissen, wie man so schön sagt. Ansonsten würde unsere Welt gar nicht und das Internet nur schwer funktionieren. Wenn ich aber davon ausgehe, dass mein Gegenüber wahrhaftig ist, heißt dies natürlich nicht, dass er in meinen Augen auch recht hat. In diesem Falle muss ich wissen, ob er parteiisch ist, ob er weiß, wovon er redet und ob er gut argumentieren kann.
Wie in der realen Welt muss man im Internet Renommee aufbauen. Das dauert manchmal länger, manchmal funktioniert es überhaupt nicht. Vodafones Versuch zum Beispiel, sich an die Web-2.0-Gemeinde anzubiedern ist gescheitert, weil sie keine Glaubwürdigkeit gewonnen hat. Man hat Vodafone nicht abgekauft, dass es mit dem User in einen echten Dialog eintreten wollte. Die User haben das Projekt einfach nur als weiteren Weg gesehen, wie Vodafone seine Produkte verkaufen kann.
Daher funktionieren die alten Marken im Internet immer noch sehr gut, während sich neue Marken kaum etablieren können. Die Printpublikationen setzen auf Titel, die man auch am Kiosk finden kann, obwohl es etwa für den Süddeutschen Verlag billiger wäre, nur ein Produkt statt drei (Süddeutsches Magazin, Süddeutsche Zeitung, jetzt.de) anzubieten.

Als Fazit lässt sich feststellen, dass Vertrauen im Netz ebenso erworben wird wie offline: ein stetiger Fluss von Beiträgen ist besser als ein Beiträge-Bombardement, nüchterne Argumentation kommt besser an als leidenschaftliches Streiten, Coolness besser als Fanatismus, gesundes Selbstbewusstsein oder Understatement besser als Selbstbeweihräucherung usw. Authentizität ist enorm wichtig, denn kaum jemand kann über längere Zeit online oder offline eine Rolle spielen, die seinem Wesen widerspricht.
Alle Shops, in denen Handel zwischen verschiedenen Personen möglich ist, erlauben das Bewerten des Geschäftspartners. Viele Foren oder Austausch-Plattformen a la Yahoo Clever erlauben das Vergeben von Credits: d. h. die Nutzer bewerten die Qualität von Beiträgen. In vielen Foren werden diese Werte nach einer Formel aufsummiert, so dass man sehen kann, wie viele “gute Antworten” eine Person abgegeben hat.

Die Erde als System

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James Lovelock, Miterfinder der Gaia-Hypothese, hat der Technology Review ein längeres Interview gegeben. Die Gaia-Hypothese geht davon aus, dass die Erde als Ganzes, besonders ihre Oberfläche ein lebendiges System darstellt. Leben ist hier im Sinne der Selbstorganisation und des Selbsterhalts zu verstehen. Diese Theorie lässt sich besser verstehen, wenn man statt von einem lebendigen Organismus von einem lebendigen System ausgeht. Das System sorgt für die nötige Stabilität und Organisation, damit es weiter bestehen kann. Die Bestandteile des Systems stehen in einer komplexen Wechselwirkung, jede Veränderung eines einzelnen Faktors hat zur Folge, dass sich weitere Faktoren verändern. Eine Absenkung der Temperatur hat zur Folge, dass sich andere Tiere und Pflanzen heimisch fühlen. Das Aussterben bestimmter Pflanzen oder Tiere hat zur Folge, dass andere Tier- und Pflanzenarten ihren Platz einnehmen.

Damit ist auch der Nutzen einer solchen Hypothese  erklärt: Es geht darum, komplexe Wechselwirkungen zu verstehen und nachzuvollziehen. Der Mangel an solchem Denken führt dazu, das unbedachte Maßnahmen großen Schaden anrichten, weil Maßnahmen nicht zu Ende gedacht wurden.

Lovelock ist ein eher eigenwilliger Typ. In besagtem Interview schlägt er die Umwandlung von landwirtschaftlichen Abfällen in Holzkohle vor, die dann vergraben werden soll. Das scheint mir eine zu starke Konzentration auf CO² zu sein. Zudem scheint er in atomaren Abfällen kein Problem zu sehen. Der Knackpunkt ist aber, dass er meint, es sei wichtiger, sich auf den globalen Klimawandel vorzubereiten, statt halbherzige Maßnahmen einzuleiten.

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Paid Content – das Ende des Links

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Sollte sich das Modell des Paid Content tatsächlich durchsetzen, dürften die Leserzahlen der entsprechenden Anbieter stark sinken. Dafür dürften die Leserzahlen von Kommentarmedien wie Perlentaucher und vielen Blogs steigen.
Ein großer Teil der Leser – niemand weiß, wie viele – werden über Social Bookmarking, über persönliche Leseempfehlungen über Twitter oder Mail oder über Links in Weblogs und ähnlichen Medien vermittelt.
Das System bricht aber in sich zusammen, denn Links werden unattraktiv, wenn der Schreiber nicht erwarten kann, dass sein Leser bereit ist, für den verlinkten Inhalt zu bezahlen bzw. in irgend einer Form Zugang dazu hat.
Das zweite Problem ist banaler, lohnt aber der Erwähnung: Da Paid Content die Leserzahl naturgemäß drastisch senkt, gibt es auch entsprechend weniger Leute, die Inhalte überhaupt empfehlen können. Sie müssen die Inhalte ja erst zur Kenntnis nehmen können, um über sie berichten zu können.
Davon können paradoxerweise jene profitieren, die ihre Inhalte – oder wesentliche Teile davon – kostenlos anbieten. Sie werden zahlungsunwillige Kunden oder Leute, denen die Zahlungsmodalitäten zu kompliziert sind, in Scharen anlocken und entsprechend stärker von Empfehlungen Dritter profitieren. Frei nach dem Matthäus-Prinzip: Wer Leser hat, dem werden noch mehr Leser gegeben.
Um ehrlich zu sein muss man aber zugeben, dass niemand genau sagen kann, ob die Gewinne durch höhere Werbeeinahmen die Verluste durch kostenlosen Content kompensieren. Aufmerksamkeit mag eine wertvolle Währung im Web sein, aber mit Aufmerksamkeit kann man keine Redakteure, Fotoagenturen oder Serverparks finanzieren.

Alles wird grün – Visionen für eine umweltgerechte Zukunft

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Oder auch nicht. Wer sich kritisch mit dem Umweltschutz auseinandersetzt merkt schnell, dass es hier an umfassenden Grundkonzepten mangelt. Man versucht eher, die Fehler eines Systems zu reparieren, welches zu einer Zeit entstand, als Umweltschutz noch kein Thema war.

Auch eine echte Vision wie 100 Prozent Erneuerbare Energien bis 2050 ist schön und nett, wenn sie auch verrät, wie sie umgesetzt werden kann. Es wäre immerhin schon ein Gewinn, wenn es 50 Prozent Erneuerbare bis 2050 wären.

Mir schwebt da eine Art Öko-Mainstreaming vor, wobei der Staat in der Pflicht stünde, ökologisches Verhalten zu steuern und unökologisches Verhalten nicht zu belohnen. Dabei müsste der Staat mit gutem Beispiel voran gehen und sämtliche seiner Verhaltensweisen auf Umweltverträglichkeit hin prüfen. Das geht von der Energiedämmung seiner Gebäude über grüne Rechenzentren für seine Computer hin zu Nachhaltigkeit bei Verbrauchsmaterialien.

Damit würde der Staat auch die Nachfrage schaffen, die für einen Innovationsschub in der Wirtschaft nötig ist, um die umweltgerechte Herstellung von Produkten, Verpackungen, Recycling und Kreislaufwirtschaft zu fördern. Solche Umstellungen – das sollte jedem klar sein – werden nicht in Legislaturperioden, sondern in Jahrzehnten greifen, aber jede Regierung hat die Möglichkeit, hier den Grundstein für diese Entwicklung zu legen.

Einen interessanten Ansatz verfolgt etwa der Verfahrenstechniker Michael Braungart von der Erasmus-Universität in Rotterdam. Er sagt in einem Interview mit dem DeutschlandRadio:

„Also das heißt, wenn man nicht ständig sagt, du bist aber Schädling, so wie wir es tun mit unserer Ökobewegung, wo wir immer sagen, es wäre besser, es gäbe dich gar nicht, weil wir versuchen, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Das ist dann gegenteilig. Wir haben einen großen Fußabdruck, der wird aber ein Feuchtgebiet. Das heißt, wir werden großzügig und verschwenderisch, weil wir selber akzeptiert sind. Im Moment haben wir das Gefühl, es wäre besser, es gäbe uns nicht – Passivhäuser, null Emission, also überall immer Schuldmanagement, und dann werden wir raffgierig. Aber wenn Menschen akzeptiert sind, sind sie immer großzügig und freundlich.“

Braungart plädiert dafür, Dinge nicht mehr zu kaufen, sondern zu mieten. Der Teppichboden, der Fernseher oder die Waschmaschine werden nicht mehr gekauft, sondern sozusagen geleast. Bei Nicht-Mehr-Gefallen nehmen die Hersteller die Waren zurück und verwerten sie neu. Das dürfte dazu führen, dass die Waren aus Materialien hergestellt werden, die sich wieder leicht trennen lassen und neu verwendet werden können.

Die Streuung von Schuldkomplexen bei den Bürgern ist eher kontraproduktiv Sie erweckt den Eindruck, man würde durch einen ökologischen Lebensstil an Lebensqualität verlieren. Und das kommt nun einmal nicht gut an.