Archiv der Kategorie: Leben

Wie das Leben so spielt

Scheinprobleme – das Leib-Seele- oder Körper-Geist-Problem

Das Scheinproblem ist eines der Reizthemen der Philosophie. Alles dreht sich um die Frage, ob ein formuliertes Problem tatsächlich ein Problem ist oder ob es nur zu einem Problem gemacht wird. Man verlässt schnell den Boden der Fakten und steigt auf in die Metaebene, in der nicht mehr über Probleme, sondern über das Sprechen über Probleme gesprochen wird. Wer noch viel freie Zeit übrig hat, steigt noch ein paar Ebenen höher und spricht über das Problem, welches entsteht, wenn man über das Problem diskutiert, Probleme sprachlich zu formulieren. Es ist jene Art von Debatte, die in der Frage gipfelt: „Wie definieren Sie…?“, „Was verstehen Sie unter…“. Am Ende diskutiert man über die Definition von Begriffen, anstatt über den eigentlichen Gegenstand. Philosophen sind das gewöhnt, alle anderen langweilen sich.
gehirn
Was uns im Grunde fehlt, ist eine einfache und elegante Lösung oder Formel, mit der wir solchen Luftballon-Debatten die Luft ablassen können. Peter Janich, bei dem ich eine Weile studiert habe, hat eine recht komplexe Lösung entwickelt, Er nennt das den methodischen Kulturalismus.

Zumindest das Rätsel des Leib-Seele- oder Körper-Geist-Problems lässt sich knacken. Der Hirnforscher Ernst Pöppel führt eine ganze Reihe philosophischer Probleme auf die Schriftsprache zurück:

Indem ich mich vom gehörten Wort löse, das die unmittelbare Kommunikation kennzeichnet, wenn ich also den Text aufschreibe, gewinnt dieser ein Eigenleben. Er wandert in ein Archiv und löst sich von der unmittelbaren Kommunikation. In solchen dokumentierten Texten, insbesondere bei den Alphabetschriften, gehen aber wesentliche Merkmale der unmittelbaren Kommunikation verloren. … Eine wesentliche Konsequenz der Erfindung des Lesens ist somit nach meiner Einschätzung, dass wir in unserem Kulturkreis die Vorstellung entwickelt haben, als gebe es nur das explizite Wissen, das sich in Worten festhalten lässt, das in Büchern und Enzyklopädien und jetzt auch im Internet dokumentiert ist. Ernst Pöppel in Aus Politik und Zeitgeschichte

Das Leib-Seele bzw. Körper-Geist-Problem ist ein solches Scheinproblem. Nach Pöppel würde kein normaler Mensch annehmen, sein Körper und sein Geist seien voneinander unabhängige Entitäten. In der abendländischen Philosophie – soweit mir bekannt nur dort – hatte Descartes das Problem als erstes beschrieben. Es scheint also vorher niemand so richtig für ein Problem gehalten zu haben.

Auch der Neuro-Philosoph Thomas Metzinger scheint einem Scheinproblem auf der Spur. In der Rezension zu einem seiner Bücher heißt es:

Es gibt keine Seele und kein Ich, es gibt nicht einmal ein Selbst. Es gibt aber großflächige Neuronenaktivitäten im Hirn, die uns den soliden Eindruck verschaffen: Hier bin ich, dort ist die Welt; Ereignis XY passiert mir; exakt ich bin es, der träumt, denkt, fühlt. Wir stecken also, ohne es zu merken, im "Ego-Tunnel", in dem eine Light-Version der Wirklichkeit repräsentiert wird.

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die glauben, die Seele habe eine materielle Entsprechung, sei ein Organ im Körper. Die Erkenntnis, dass vieles im Gehirn nicht in bestimmten Hirnteilen, sondern über neuronale Muster geschieht, mag sich noch nicht herum gesprochen haben, macht aber faktisch keinen Unterschied. Ob ich mir einbilde, ein Ich zu haben oder ob ich tatsächlich ein Ich habe, faktisch ändert das nichts. Ob die Seele nun ein Organ ist oder "nur" ein neuronales Muster, spielt in der Realität gar keine Rolle. Es verletzt zwar die Eitelkeit von Neuro-Forschern, wenn sie das hören, aber das Ergebnis ist schließlich das Gleiche.

Die Experimente, auf die sich die Hirnforscher berufen, beziehen sich meistens auf recht einfache Sachverhalte. Greife ich nach dem Stift oder nehme ich die Banane? Nehme ich den roten oder den blauen Füller? Wenn wir alle tagtäglichen Entscheidungen bewustt treffen bzw. bewusst entscheiden müssten, würden wir gar nicht mehr dazu kommen, zu handeln. Schon die Entscheidung gestreife vs. gepunktete Socke könnte uns stundenlang beschäftigen, so dass es gar nicht sinnvoll wäre, wenn uns die Motive dafür bekannt wären, warum wir das eine instinktiv vorziehen, ohne darüber nachzudenken. Oder wenn wir vor einer Weggabelung stehen, könnten wir uns niemals entscheiden, welchen Weg wir nehmen sollten, weil beidermaßen gut oder schlecht sind. Es ist fast immer besser, eine schnelle – vielleicht falsche – Entscheidung zu treffen als gar keine. Das klassische Beispiel dafür ist die Kampf- oder Flucht-Reaktion. In Bruchteilen von Sekunden müssen wir entscheiden, ob wir fliehen oder kämpfen wollen, denn wenn wir keine Entscheidung treffen, sind wir tot. Diese Entscheidung wird von einer älteren Hrininstanz getroffen, dem Reptilienhirn. Unser Körper schüttet Adrenalin aus und stellt uns die Energie bereit, die wir benötigen, egal, welche Entscheidung wir treffen. Müssten wir diesen Prozess bewusst steuern, hätten wir vermutlich den Evolutionsprozess nicht überlebt.

Die Essenz des Ganzen würde ich so zusammenfassen: Die Sprache ist einerseits ungeeignet, um Probleme hinlänglich genau formulieren zu können, so dass eine anständige Debatte über sie möglich ist. Andererseits verleitet sie auch dazu, Probleme zu konstruieren, die in Wirklichkeit nicht relevant sind.

Bleibt die Frage, warum recht intelligente Leute wie Wolf Singer und Gerhard Roth so vehement an ihrer Darstellung festhalten. Roth ist nebenbei gesagt auch studierter Philosoph und sollte sich mit den Problemen der Epistimologie auskennen. Vermutlich stecken gar keine rationalen Gründe dahinter, fürihre Forschung spielt das Körper-Geist-Problem keine Rolle.

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Der Autor möchte gelesen werden

In der Regel verdienen Autoren kaum Geld mit ihren Texten. Die großen Ausnahmen wie Joanne K. Rowling oder Stephen King bestätigen die Regel. Viele Autoren sind hauptberuflich Übersetzer, Lektoren oder gehen einer Betätigung nach, die ihrem Schreiben vielleicht ferner liegt, aber ihnen ein Einkommen sichert.
Die meisten Autoren legen vor allem Wert darauf, gelesen zu werden. Das löst wahrscheinlich auch das Rätsel, warum es so viele kostenlose und oft hochqualitative Musikstücke, Videos und Texte im Netz gibt. Wenn man damit etwas verdienen kann, ist das nicht schlecht, wichtiger ist aber, überhaupt von einem interessierten Publikum zur Kenntnis genommen zu werden. Etwas anders ist das im übrigen bei Berufsprominenten, wo gesehen zu werden der eigentliche Beruf ist und das Einkommen sichert.
Dazu gibt es einen interessanten Text bei irights.info von der iranisch-stämmigen Schriftstellerin Sudabeh Mohafez, die von einer unerwarteten E-Mail berichtet. Eine Frau aus dem Iran teilte ihr mit, dass sie ein Buch von Mohafez ins Persische übersetzt habe – freilich, ohne sich vorher um die Erlaubnis bei der Rechtsinhaberin zu bemühen. Offenbar ist der Iran den internationalen Abkommen zum Schutz der Urheberrechte nicht beigetreten. Das Erstaunliche für Mohafez war etwas Anderes:

„Das Verrückte an der Situation war aber, dass ich mich freute – freute, obwohl ich keinen Cent an diesen speziellen Büchern aus meiner Feder verdienen würde, die nun also bald in den Teheraner Buchhandlungen ausliegen sollten, immer vorausgesetzt, die iranische Zensurbehörde gäbe grünes Licht für die Veröffentlichung; freute auch, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie fachkundig die Übersetzung durchgeführt worden war, geschweige denn, ob die Dame, die mir geschrieben hatte, überhaupt irgendeine Art von Lizenz oder wenigstens Kompetenz fürs Übersetzen besaß.“

Die Autorin erfuhr später, dass die Übersetzung gelungen war und das sie indirekt von der Aufmerksamkeit profitierte, die ihr Buch im Iran erfuhr, sie konnte weitere Honorare für Lesereisen in Deutschland bekommen.
Natürlich geht die Geschichte nicht immer so positiv aus. Das ist auch nicht als Plädoyer für das Übergehen der Urheber zu verstehen. Es erinnert uns aber daran, dass wir vielleicht ein wenig zu viel Zeit damit verbringen, unser Geld zu zählen und dabei unsere eigentlichen Intentionen aus dem Auge verlieren.

Tiere helfen Menschen – Hunde in der Therapie

Tiere spielen im Bereich von Behinderung und Therapie in Deutschland eine erstaunlich geringe Rolle. Nur rund ein Prozent aller Sehbehinderten in Deutschland hat einen Blindenführhund. Begleithunde für Menschen mit psychischen oder gesundheitlichen Problemen spielen praktisch keine Rolle. In der Therapie von Menschen mit psychischen Problemen werden kaum Tiere eingesetzt.

Zwei Blindenführhunde
Zwei Blindenführhunde

Eines der Kernprobleme besteht in dem hohen Anschaffungspreis. Die Hunde müssen speziell trainiert werden und kosten entsprechend einen fünfstelligen Betrag.

Blindenführhunde und Begleithunde stellen zudem besondere Anforderungen. Der Blinde muss grundsätzlich selbstständig mobil sein, denn der Blindenführhund ist weder ein Navigationssystem noch kann er etwa eigenständig entscheiden, ob eine Straßenüberquerung sicher ist. Der Hundebesitzer muss zudem grundsätzlich in der Lage sein, die physischen und psychischen Bedürfnisse des Hundes zu befriedigen: Der Hund muss gefüttert, gepflegt, ausgeführt und regelmäßig zum Tierarzt gebracht werden.

Der Mangel an qualifizierten Fachpersonal in den psychotherapeutischen Praxen und der damit einhergehende Mangel an geschulten Trainern und für die Therapie geeigneten Mensch-Hund-Teams tut ein übriges.

Dabei können Hunde entscheidend zur Verbesserung einer Therapie beitragen: Bei authistischen Kindern oder Personen mit Kommunikationsstörungen können Hunde schneller eine Öffnung herbeiführen als viele Menschen. Zwischen Mensch und Hund gibt es weit weniger Berührungsangst als zwischen einzelnen Menschen.

Der Hund kann zudem dabei helfen, Kontaktsperren zu überwinden. Blinde werden häufig von Hundebesitzern oder völlig fremden angesprochen, wobei der Hund als Eisbrecher dient.

Hunde können die Lethargie brechen, in die viele ältere Menschen wegen Einsamkeit oder mangelnder Beschäftigung geraten. Sie haben jemanden, um den sie sich kümmern können, sie bekommen regelmäßig Bewegung, sie genießen die Freude, mit einem lebendigen Wesen zu interagieren und können körperlichen Kontakt haben, ohne sich schämen zu müssen.

Es gibt aber auch ganz handfeste Gründe: Einige Hunde spüren, wenn ihr Besitzer – bei Diabetes – einen vielleicht lebensgefährlichen Unterzucker haben. Hunde sollen sogar spüren, wenn ein epileptischer Anfall sich bei ihrem Besitzer ankündigt.

Der Forschungsbedarf ist in Deutschland noch recht hoch, so dass die deutsche Literatur dazu noch überschaubar ist. Die Diplomarbeit von Bianca Müller „Die Bedeutung von Tieren für die therapeutische Arbeit mit älteren Menschen “ gibt einen schönen und gut lesbaren Einblick. Im Kynos-Verlag sind zudem einige Bücher zu dem Thema erschienen.

Warum Indien und China beim Umweltschutz voran gehen sollten

China soll angeblich bereits der größte Verursacher von Co2-Emissionen sein. Das mag stimmen, die Kritik an China greift aber zu kurz:

  1. Chinas Bevölkerung ist vier Mal so groß wie die der USA.
  2. China produziert einen großen Teil der globalen Waren wie Kleidung, Elektronik aber auch Agrargüter, die es exportiert und nicht selber verbraucht.

Eine solche Kritik an China wird endgültig lächerlich, wenn man den unterschiedlichen Lebensstil von Chinesen und Amerikanern vergleicht. In Indien hingegen leben mehr arme Menschen als in ganz Afrika.
Dennoch gibt es zwei Gründe, warum China und Indien die Chance nutzen sollten, sich an die Spitze der Umweltbewegung zu setzen:

  1. Beide erheben den Anspruch, globale Führungsmächte zu sein, ohne die damit verbundene Verantwortung bisher übernommen zu haben. Ob andere das bisher im ausreichenden Maße getan haben, ist eine andere Frage.
  2. Beide sind dynamisch wachsende Volkswirtschaften. Sie haben damit die Chance, die Wachstumsfehler des Westens nicht zu wiederholen, sondern von Anfang an auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Die Inder beherrschen dabei die nachhaltige Wirtschaft. Weil sie kein Geld haben, wird alles so lange verwendet, wie man es verwenden kann: Plastikflaschen, Tüten, Kleidung, Autos… Natürlich produzieren sie dennoch Abfall und gehen nicht all zu rücksichtsvoll mit diesem Abfall um, da es oft keine echten Mülldeponien gibt. Würden sie aber so viel Abfall produzieren wie die Deutschen oder Amerikaner, würde das ganze Land in wenigen Tagen in Abfall ersticken.
Die westlichen Länder aber müssen Know-Now, Technik und Patente an diese Länder übergeben, da sie selbst nicht darüber verfügen und somit auch nicht in der Lage sind, nachhaltig zu agieren. Aber selbst hier harpiert es, der Westen teilt ungern seine auf Umweltverschmutzung gewonnenen Erkenntnisse, sondern fordert lediglich nur Handlungen ein, ohne selbst konsequent gehandelt zu haben.

Die Obama-Doktrin?

Fast alle historisch bedeutenden Präsidenten halten eine Schlüsselrede, die ihre künftige Politik in großen Zügen festlegt. Seit der Monroe-Doktrin ist es üblich, diese Reden als Doktrin zu bezeichnen.

 

Für Obama wäre es vielleicht ein wenig früh, eine solche Rede zu halten. Die Rede wird auch üblicherweise zum amerikanischen Volk auf amerikanischem Boden gehalten. Andererseits kann es durchaus sein, daß Historiker Obamas Rede am 3. Juni 2009 zur Obama-Doktrin erklären werden. Eine Schlüsselrede war es auf jeden Fall. Auf den Seiten der Uni Kassel findet man eine leicht gekürzte deutsche Übersetzung .

Das ist eine schwierige Verantwortung, die wir übernehmen müssen. Die menschliche Geschichte war oft geprägt von Nationen und Stämmen – und auch Religionen- die einander aufgrund ihrer eigenen Interessen unterjochten. In dieser neuen Ära ist dieses Verhalten aber völlig sinnlos. Angesichts unserer gegenseitigen Abhängigkeit wird jede Weltordnung, die eine Nation oder Gruppe über andere erhebt, unweigerlich scheitern. Ganz gleich, was wir also über die Vergangenheit denken, wir sollten nicht zu ihren Gefangenen werden. Unsere Probleme müssen durch Partnerschaft gelöst und Fortschritt muss geteilt werden.

Dieses "Wir" ist hierbei entscheidend. George W. meinte mit "wir" wir Amerikaner, Obama meint mit "wir" uns alle. Obama distanziert sich im Weiteren vom Militarismus seiner Vorgänger.

Wir wissen auch, dass militärische Macht alleine nicht ausreicht, um die Probleme in Afghanistan und Pakistan zu lösen. Das ist der Grund, warum wir vorhaben, jedes Jahr in den kommenden fünf Jahren 1,5 Milliarden US-Dollar zu investieren, um in Partnerschaft mit der Bevölkerung Pakistans Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Unternehmen aufzubauen und hunderte Millionen Dollar, um denen zu helfen, die vertrieben wurden. Aus diesem Grund stellen wir mehr als 2,8 Milliarden Dollar bereit, um den Menschen in Afghanistan zu helfen, ihre eigene Volkswirtschaft aufzubauen und die Dienste bereitzustellen, auf die die Menschen angewiesen sind.

Auch imKontext des Irakkrieges betont Obama die Priorität der Diplomatie gegenüber des Militärs.

Im Fortlauf der Rede kritisiert der amerikanische Präsident die Holocaustleugnung – ein Wink nach Iran – zugleich aber auch Israel wegen der Blockade der Zwei-Staaten-Lösung und den Terrorismus palästinensischer Attentäter. Ein geschickter Schachzug.

Obama übt – ein Umstand, der von den deutschen Kommentatoren nicht betont wurde- scharfe Kritik an demokratiefeindlichen, frauendiskriminierenden und antitoleranten Regimen, und das in einer der undemokratischsten Regionen der Welt.

Es ist einfacher, Kriege zu beginnen, als sie zu beenden. Es ist einfacher, die Schuld auf andere zu schieben, als sich selbst zu betrachten. Es ist einfacher zu sehen, was uns von jemand anderem unterscheidet, als die Dinge zu finden, die wir gemeinsam haben. Aber wir sollten uns für den richtigen Weg entscheiden, nicht nur für den einfachen. Es gibt auch eine Regel, die jeder Religion zugrunde liegt – dass man andere behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte. Diese Wahrheit überwindet Nationen und Völker – ein Glaube, der nicht neu ist, der nicht schwarz oder weiß oder braun ist, der nicht Christen, Muslimen oder Juden gehört. Es ist ein Glaube, der in der Wiege der Zivilisation pulsierte, und der noch immer in den Herzen von Milliarden Menschen auf der Welt schlägt. Es ist der Glaube an andere Menschen, und er hat mich heute hierher gebracht.

Fazit: Obama vereint, wo Bush spaltete. Geschickt stellt er schon am Anfang eine Verbindung zwischen seiner Person und den Muslimen her, um schließlich die Gemeinsamkeiten zwischen Amerikanern und Muslimen herauszustellen.

 

Grün Suchen – die Umwelt retten ohne Google

Eine nette Idee, bei jeder Suche kann man die Umelt retten.

Die Suchergebnisse werden über Yahoo vermittelt. Die Umweltschutzmaßnahmen werden über Textanzeigen neben den Suchergebnissen finanziert.
Die Suchmaschine Ecosia gibt es auf Englisch und Deutsch. Sie basiert auf den Suchmaschinen von Yahoo und Bing und liefert gute Ergebnisse. Sie schützt ebenfalls den Regenwald, eine Firefox-Erweiterung zeigt in der Fußleiste an, wie viel Regenwald man selbst und alle Suchenden insgesamt geschützt haben, muss man nicht unbedingt haben. Der Server von Ecosia soll über grünen Strom betrieben werden.
Wie Afroo scheinen die meisten Projekte dieser Art nicht mit Google zusammen zu arbeiten. Offenbar möchte Google seine Gewinne nicht teilen.

Krise als Chance?

Im Chinesischen bedeutet das Zeichen für “Krise” zugleich auch “Chance” – und wahrscheinlich noch vieles mehr. Wir müssen leider feststellen, dass die Menschen bisher Krisen nie nutzen konnten, um tatsächlich einen Wandel einzuleiten. Gegenbeispiel sind etwa die Japaner, die gleich zweimal einen radikalen Gesellschaftswandel eingeleitet haben. Einmal in der Meji-Restauration, als westliche Mächte drohten, das Land zu besetzen. Das andere Mal nach dem Zweiten Weltkrieg, Japan ist die zwar stille, aber präsente zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.

Dennis Meadows berichtet in einem lesenswerten Vortrag darüber, wie Gesellschaften aussehen können, die tatsächlich nachhaltig sind. Er klingt sehr pessimistisch, was den Wandel angeht.

38 Prozent der türkischen Akademiker in Deutschland würde gerne auswandern

So eine Studie des Krefelder Institut Futureorg. Grund das mangelnde Heimatgefühl in Deutschland, hinzu kommt der Glaube, geringe Aufstiegschancen in Deutschland zu haben. Dabei muss man berücksichtigen, dass nicht jeder Abwanderungswunsch auch tatsächlich realisiert wird.

In diesem PDF finden sich einige Details zu den Studien von Futureorg zur türkischstämmigen Bildungselite in Deutschland.

Im Umkehrschluß könnte das aber heißen, 62 Prozent der ütrkisch-stämmigen Akademiker sind zuversichtlich, was ihre Chancen in Deutschland angeht. Das ist gar nicht so schlecht, schließlich war Deutschland bis vor ein paar Jahren offiziell noch kein "Einwanderungsland".

Das Sein bestimmt das Bewußtsein

Und das Bewußtsein das Sein. Den Einfluß des Designs auf das Bewußtsein haben wir uns ja schon angesehen. Betrachtet man Gebäude wie den Main Tower in Frankfurt am Main oder den Weser Tower in Bremen im Vergleich zur 70er Jahre Stahlbeton-Glasfassaden-Ästhetik, scheint das auch in der Wirtschaft angekommen zu sein. In der hessischen Stadt Marburg gibt es ein Gebäude, das man Affenfelsen nennt und so sieht es auch aus. Niemand weiß, wie viele Leute hier vom Dach gesprungen sind und der Grund liegt sicher nicht nur darin, dass das Gebäude so hoch ist.

Das SZ-Magazin widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem Thema Architektur. Grund ist wohl das Jubiläum des Bauhaus-Stils. Der Anspruch an Architektur und Ästhetik ist generell gestiegen. Auch wenn Städte wie Berlin und Köln zur Hälfte aus gigantischen Baustellen bestehen, hofft man darauf, dass da doch irgend wann was Schöneres herauskommen wird.

Die Bauverantwortlichen haben hoffentlich begriffen, dass sozialer Wohnungsbau nicht darin bestehen kann, graue Ungetüme in den Himmel wachsen zu lassen. Es gibt ja auch die Null-Toleranz-Strategie, die etwa in New York von Rudi Guliani angewendet wurde.

Es geht dabei darum, jede Art von ästhetischer Vigilanz wie eingeschlagene Fenster, Grafitti, Abfall auf den Straßen und dergleichen unmittelbar zu beseitigen und Täter hart zu bestrafen. Die Theorie lautet, dass diese Art der Verwüstung dazu verleitet, sich ähnlich negativ zu verhalten. Generell mag das ein wenig einfach gedacht sein, es mag aber etwas dran sein.

Wie auch immer, häßliche und vergammelte Städte leiden stärker unter Abwanderung als Städte mit Altstadt-Charakter. Hier in NRW wachsen im Augenblick die Städte im Rheinland wie Köln, bonn und Düsseldorf. Städte wie Wuppertal und die Region Ruhrgebiet hingegen leiden unter Abwanderung. Die Städte des Ostens leiden generell unter Abwanderung, während etwa Bremen und Hamburg sich herausputzen.

Hartmut Mehdorn und der Datenschutz

Hartmut Mehdorn hat gestern seinen Rücktritt erklärt, er ist sich keiner Schuld bewußt. Aber wer ist das schon? Auch der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schrammer wird in diesem Jahr nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antreten. Er folgt damit der Kritik an seinem Verhalten wegen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs. Man kann ruhig davon ausgehen, dass beide Bauernopfer im Rahmen des Vorwahlkampfes sind.

Aus den Kommentaren eine Art Schlußstrich-Haltung zu hören. Zu befürchten ist, dass die beiden Affären aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Der Druck, die Pannen und Affären aufzuklären, sinkt dadurch ab. Verantwortlichkeiten werden kaschiert, die Aufklärung wird herausgezögert, echte personelle Konsequenzen werden nicht gezogen.

Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, sagt in einem Interview zu Mehdorns Rücktritt:

Wir haben ein überragendes Interesse daran, dass es diesem großen Unternehmen wirtschaftlich gut geht, dass es eine erfolgreiche Geschäftspolitik betreibt, dass vor allen Dingen Millionen Kunden Vertrauen in das Unternehmen haben und dass wir es wieder aus den Schlagzeilen herausholen. Und die DB AG selber muss doch ein Interesse daran haben, dass wenn man an die Deutsche Bahn denkt man an Mobilität denkt, an den Verkehr mit Personen und Gütern und nicht an gelöschte E-Mails oder überwachten Telefonverkehr.

Sollte Mehdorn recht haben und die Aktionen gegen die Mitarbeiter gegen kein Gesetz verstoßen, stellt sich die Frage, warum die Regierung kein zeitgemäßes Gesetz zum Datenschutz der Mitarbeiter erlassen hat. Und dann müssten noch ganz andere Leute zur Verantwortung gezogen werden.