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Social Media Monitoring für den Hausgebrauch – Suchen automatisieren

Im ersten Teil des Artikels ging es um die Frage, wozu man Monitoring privat einsetzen kann. Ein einfaches Werkzeug dafür ist Google Alerts, mit dem man einen großen Teil des Netzes automatisch durchsuchen kann.

Social Media Monitoring

Das Social Media Monitoring läßt sich gut für Jobsuchen oder auch das Online-Reputationsmanagement einsetzen. Ein Dienst wie Social Mentions bietet eine Echtzeichtsuche für Blogs, Mikro-Blogs, Videos, Bookmarks, Bilder und mehr. Alerts funktionieren hier im Prinzip wie bei Google. Ob man hier mit Operatoren arbeiten kann, wird allerdings nicht klar. und Wikio sind weitere Dienste, die man für das Internet-Watching verwenden kann. Bei diesen Diensten kann man real simple mit RSS-Feeds arbeiten, die abonniert man einfach, nachdem man einen Suchbegriff eingegeben hat.

Feintuning und Filtern

Wer nicht filtert, geht wahrscheinlich in der Flut der Meldungen unter. Filtern sollte man vor allem bei Suchbegriffen, die entweder sehr häufig vorkommen, Synonyme haben oder in sehr vielen für den eigenen Zweck nicht relevanten Kontexten vorkommen. Wir arbeiten mit anderen Worten semantisch.
Suchen wir nach dem Raubtier Jaguar, verwenden wir Begriffe, die häufig mit dem Tier zusammen verwendet werden und schließen alles aus, was sehr wahrscheinlich nur im Kontext des Sportwagens vorkommt.
Filtern ist immer eine delikate Aufgabe. Schnell filtert man zu wenig und erhält Hunderte irrelevanter Ergebnisse, wobei wichtige Resultate untergehen. Oder man filtert zu stark und verliert wichtige Ergebnisse. Ich empfehle daher, zum Einen mit Filtern zu experimentieren, bis man zufrieden ist und zum Anderen die Filter eher zu lasch als zu stark einzustellen.
Nehmen wir Twitter, wo viele lange Begriffe abgekürzt werden (A11Y für accessibility). Andererseits gehört Twitter heute zu den wichtigsten Quellen für Empfehlungen, also auch für Jobs. Mag auch sein, dass viele Unternehmen mittlerweile neue Stellen über Twitter bekannt geben.

Was man nicht beobachten kann

Die Grenzen dieser Dienste sind allerdings nicht zu vernachlässigen. In Deutschland sind viele soziale Netzwerke Blackboxes, die sich von außen nicht durchsuchen lassen. Wenn man das für sinnvoll hält, kann man teilweise Suchagenten anlegen, etwa bei Xing. Dafür braucht man ein Konto bei Xing, das heißt, die Jungs wissen nicht nur, wer man ist, sondern auch, was man sucht. Wer das nicht will, kann auch mit einem Fake-Profil arbeiten, was aber nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen verboten ist.
Geschlossene Gesellschaften sind auch die großen Jobbörsen. Es handelt sich hierbei zumeist um geschlossene Datenbanken, die sich nur mit deren Webinferface durchsuchen lassen. Klar, die wollen ja Geld damit verdienen. Google und die anderen Dienste können hier nicht direkt zugreifen. Die Chancen sind nicht schlecht, dass hier neue Stellen via Twitter weiterempfohlen werden, immerhin lassen sich die Datensätze zumeist über Permalinks abrufen. Verlassen kann man sich darauf nicht. Das heißt, bei der Jobbörse seiner Wahl sollte man nicht auf die Suchagenten verzichten, welche die meisten Dienste anbieten. Man kann sich hier per Mail informieren lassen, wenn es neue Ergebnisse zu den eigenen Stichworten gibt. Kimeta wäre so ein Dienst, aber bei den großen Jobbörsen würde ich jeweils einen eigenen Agenten anlegen.
Für das persönliche Reputationsmanagement gibt es Dienste wie myonid, Yasni oder 123people. Diese Dienste tun allerdings nichts anderes als auf öffentlich zugängliche Quellen zuzugreifen und sie zusammenzufassen. Mit Google Alerts oder Social Mentions erreicht man meiner Beobachtung nach bessere Ergebnisse.

Alerts statt RSS?

Wer ständig auf der Jagd nach Informationen zu bestimmten Themen ist, liest normalerweise sehr viele RSS-Feeds. Auch hier können Monitorings einen besseren Überblick bieten. Wichtig ist dabei natürlich wie schon gezeigt, dass man die Stichworte passend wählt.
Nehmen wir an, wir suchen Informationen zum Thema Behinderung. Dann geben wir bei Google Alerts als Suchbegriff behindert | behinderung | handicap als Suchbegriffe ein und erhalten alle Beiträge, wo mindestens einer der Begriffe vorkommt. Dann geben wir noch -Verkehr ein, denn “Unfall behindert Verkehr auf A1” wollen wir nicht haben.

Aktualität

Googles Indizierungsgeschwindigkeit ist sehr unterschiedlich. Dank RSS und Pings werden Weblogs normalerweise sehr schnell in die Suchergebnisse aufgenommen, bei kleinen oder mittelgroßen Organisationen kann es schon einmal eine Woche oder länger dauern, bis Aktualisierungen oder Änderungen übernommen werden. Dies sollte man im Hinterkopf behalten.
Zum ersten Teil des Artikels

Suchen automatisieren – nützliche Tools zur Jobsuche oder für das Reputationsmanagement

Zum zweiten Teil Beobachtung von Social Media
Mittlerweile gibt es relativ viele Stellenbörsen und sogar Metasuchmaschinen für Jobs. Dabei ist es recht anstrengend, die einzelnen Börsen regelmäßig zu durchforsten. Die Suchagenten, die viele Anbieter bereit stellen, sind oft nicht zufriedenstellend.
Problematisch ist auch, dass viele Unternehmen ihre Jobs nur auf die eigene Website stellen. Da kommt ja jeder Job-Suchende zwangsläufig vorbei. Bestimmt.
Eine einfache Möglichkeit, gezielt nach Jobs zu suchen besteht im Monitoring des Web. Die PR-Abteilungen machen das meistens mit professionellen Tools oder beauftragen große Agenturen, die sich auf die Beobachtung von Medien spezialisiert haben. Für unseren Zweck reichen kostenlose Tools wie Google Alerts, Social Mentions oder Twitter.

Mit solchen Tools kann man nicht nur nach Jobs, sondern nach beliebigen anderen Begriffen automatisch suchen lassen. Leute, die auf ihren Ruf im Web großen Wert legen, können schauen, ob ihr Name oder ihre Marke im Netz erwähnt werden. Man kann nach interessanten Artikeln suchen, ohne viele RSS-Feeds durchblättern zu müssen. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt.

Google Alerts

Google Alerts ist eigentlich ein auf Google News zugeschnittener Dienst. Hier kann man sich täglich per Mail informieren lassen, wenn es zu einem bestimmten Stichwort eine neue Nachricht gibt. Ziemlich unbekannt scheint aber die Möglichkeit zu sein, einen Großteil des offenen Web via Google Alerts überwachen zu lassen. Dazu ruft man zunächst Google News auf, gibt ein Stichwort ein – vielleicht Behinderte – und startet die Suche. Anschließend scrollt man auf der Ergebnisseite nach unten und klickt auf “E-Mail-Benachrichtigung für … einrichten”. Auf der nächsten Seite kann man das Stichwort noch einmal ändern oder weitere Stichworte hinzufügen. In der Auswahlliste “Typ” wählt man je nach Geschmack aus, aus welchem Bereich man News haben möchte, wir wählen “Alles”, geben eine E-Mail-Adresse ein, bestätigen den Alert per zugesendetem Link und das wars.
Man kann mit Google auch gezielt bestimmte Seiten durchsuchen. Dazu gibt man site:www.example.com Stichwort ein. Zur Feinsuche kann man Operatoren in Google verwenden, übrigens auch bei der normalen Suche. Um eine exakte Zeichenfolge zu suchen, gibt man die – korrekt geschriebene – Zeichenfolge in Anführungsstrichen ein, zum Beispiel “Behinderte in Deutschland”. Möchte man ein Dokument haben, wo mindestens eines von zwei Worten vorkommen soll, gibt man den senkrechten Strich ein: Behinderte | Handicapped zeigt mir alle Seiten an, wo mindestens einer der beiden Begriffe Behinderte oder Handicapped vorkommt.
Wem das mit den Operatoren zu komplex ist, der kann auch die Erweiterte News-Suche verwenden, die sich rechts neben dem Suchfeld bei Google News findet. Hier hat man die gleiche Funktionalität wie bei den Operatoren per Formular bereit gestellt.

Stichwortliste anlegen

Basis allen Suchens ist die Stichwortliste. Nehmen wir den Beruf des Online-Redakteurs, der vielerorts auch Web-Redakteur, Internet-Redakteur oder Multimedia-Redakteur heißt. Er kann aber auch Online-Journalist, schlicht Redakteur, Sachbearbeiter für Internet oder was ganz anderes sein. Gibt man nur Redakteur ein, werden sehr viele auch irrelevante Ergebnisse angezeigt. Gibt man nur Online-Redakteur oder gar “ONline-Redakteur” ein läuft man Gefahr, dass einem der Onlineredakteur oder Webredakteur verloren geht. Mit den Feinheiten des filterns und weiteren Services werde ich mich beim nächsten Mal beschäftigen.
Zum zweiten Teil Beobachtung von Social Media

Werkstattbericht – wie entsteht ein Blogbeitrag?

Da ich arbeitsmäßig recht eingespannt bin, möchte ich heute einmal beschreiben, wie ein Blogeintrag entsteht. Der Leser soll einen Eindruck davon bekommen, wie viel Zeit und Arbeit in einem 300 – 400 Worte langen Beitrag steckt, den er in vielleicht einer Minute überfliegt.

Ein Königreich für eine Idee

Am Anfang ist der Gedanke. Irgendwie habe ich keine Lust zu schreiben, was alle Anderen schon endlos durchgekaut haben. Die 33 besten Suchmaschinentricks, die fünf besten Conversions-Ratschläge oder eine Runde Selbstbeweihräucherung, das muß nicht sein.
Hat man erst einmal eine Idee, muß man überlegen, ob sich daraus genug für einen Blogbeitrag gewinnen lässt: Gibt es einen neuen Zusammenhang, einen unbeachteten Aspekt, etwas, auf das im Idealfall noch keiner gekommen ist? Und ist das dann auch spannend für eine größere Leserschaft? Und wenn ja, passt das zu meinem Blog? Und habe ich genug Ahnung von dem Thema, um darüber schreiben zu können?
Dann schreibe ich die ersten Notizen zu dem Beitrag oder schon den ersten Entwurf. Die besten Ideen kommen, wenn man gerade etwas Ganz anderes macht. Im Idealfall sollte man immer etwas zu schreiben bei sich haben, es reicht aber auch das eigene Handy. Hier kann man sich kurze Notizen machen, die man für diesen Beitrag oder auch einen ganz anderen verwenden kann.
Schließlich kommt der Zeitpunkt, an dem ein Text finalisiert wird. Ich habe meistens drei oder vier Texte gleichzeitig in der Pipeline und warte auf den entscheidenden Kick, um sie zu finalisieren. Ich schreibe so gut wie nie spontane Beiträge. Und manche Beitragsentwürfe gehen den Weg alles Irdischen und landen im Altpapier. Gibt es eigentlich eine Wiedergeburt bei Papier, Recycling und so?

Auf der Suche nach der verlorenen Formulierung

500 Wörter runterschreiben, das geht unheimlich schnell. Würde ich das Geschriebene unmittelbar veröffentlichen, dann würde keiner meiner Leser das verstehen. Zum Einen fehlt häufig die Struktur, zum Anderen haben viele Formulierungen Ecken und Kanten.
Ohne den Feinschliff, die Strukturierung und das gnadenlose Kürzen wäre der Blog-Beitrag bestenfalls ein dadaistisches Gedicht, schlimmer als eine automatische Übersetzung durch den Google-Translator.
Stimmen alle Formulierungen halbwegs, kommt die finale orthographische Korrektur. Da gehen trotzdem einige Rechtschreibfehler durch. Dennoch sollte man die schlimmsten Schnitzer rausbekommen.

Ihr Besucherlein kommet!

Von der Idee über den Beitragsentwurf zur finalen Publikation vergehen einige Stunden. An manchen Beiträgen habe ich viele Stunden gearbeitet. Wer nicht selber schreibt, ahnt kaum, wie viel Zeit auch in kurzen Beiträgen stecken kann. Wenn ich für einen Auftraggeber arbeite, kann ich am Ende des Tages eine Rechnung schreiben. Für meinen Blog bekomme ich keinen müden Euro, obwohl er mir manchmal mehr Arbeit macht als mein Job.
Deswegen ist für den Blogschreiber, der einigermaßen regelmäßig schreibt auch wichtig, Leser für sich zu gewinnen. Ja, ich schaue regelmäßig auf die Besucherstatistik und ich freue mich, wenn die Zahl der Besucher in die Höhe steigt. Denn bis auf die spärlichen Kommentare und Links, die hier einfließen ist das die einzige Form von Anerkennung für die Arbeit, die Blogger leisten.
Im Gegensatz zu anderen Webmastern schalte ich hier keine Werbung, nicht einmal, um die Serverkosten zu refinanzieren. Ich verwende keine Schleichwerbung oder gesponserte Posts. Ich bitte auch nicht um Spenden, weil es ungefähr 5 Milliarden Menschen gibt, denen ein Euro mehr helfen würde als mir.
Die zweite Motivation hier zu schreiben besteht schlicht darin, den eigenen Namen unter einen öffentlich zugänglichen Beitrag setzen zu können. Ich freue mich über eine gelungene Formulierung, einen gut geschriebenen Beitrag und eine runde Argumentation. Wer keinen Spaß an einer guten Aufbereitung hat, sollte weder Blogs schreiben noch sie lesen.
Eine weitere Motivation zum Publizieren hat Christian Heilmann so ausgedrückt:

I
love to share my research and information, because when you set them free they can inspire and help others to get their own voices heard.

Creating And Distributing Presentations On The Web

Warum man Formulare von Nutzern testen lassen sollte

Dieses Beispiel-Formular hier zeigt, dass Usability- und Zugänglichkeitsprobleme oft miteinander einher gehen. Ich hatte fünf Versuche gebraucht, um dann hinzuschmeißen und das Browserfenster entnervt zu schließen. Was ist passiert?

Bei dem Formular handelt es sich um ein Standardformular mit vielen Checkboxen, ein paar Radio-Buttons, zwei Eingabefeldern, einem Auswahlfeld und einem Absendebutton. Das Formular wird nicht clientseitig validiert, es dürfte also auch ohne JavaScript funktionieren, braucht es aber nicht, weil ich JS für diese Seite frei gegeben habe.
Es gibt einen kurzen Einleitungstext, man kann alle Checkboxen auswählen, wobei jede Checkbox eine Option darstellt. Außerdem gibt es eine Checkbox für „alles“, heißt, man will das ganze Paket. Ein simples Formular, sollte man meinen.
Falsch: Man darf aus irgendeinem Grund nur drei Checkboxen pro Bereich auswählen, kann aber beliebig viele aktivieren. Hat man die Checkbox „alles“ ausgewählt, darf keine der anderen zum Block gehörenden Checkboxen ausgewählt werden.
Mit anderen Worten, ich darf mit meinem Screenreader nach dem Ausfüllen und Versenden alle Checkboxen der „falsch“ ausgewählten Blöcke noch einmal durchgehen und an- bzw. abklicken, bis ich auf maximal drei aktive Checkboxen oder „alles“ komme. „Unendlicher Spaß“ würde David Foster Wallace das wohl nennen. Denn ich muss ja den betreffenden Block einmal komplett durchgehen, um zu wissen, welche Boxen ich im ersten “Wahlgang” aktiviert habe und welche nicht.
Nun gehöre ich nicht zu den braven Leuten, die Anleitungen und gut gemeinte Ratschläge durchlesen, die bei einem solchen Formular als Ausfüllhilfe am Anfang stehen sollten. Ich bin also zur ursprünglichen Formularseite zurückgegangen und siehe da, es gab keine Ausfüllhilfen, weder am Anfang noch am Ende oder in den betreffenden Blöcken des Formulars. Erst in den Fehlermeldungen taucht die Mitteilung auf, ich dürfe nur drei … aber das sagte ich ja schon.
Ich bin ja der letzte, der behauptet, es sei einfach, gute Formulare zu erstellen. Was mich wirklich ärgert ist die vollkommene Sinnfreiheit solcher Maßnahmen. Wenn man “alles” ausgewählt hat und “alles” auch noch am Ende steht, sollte man meinen, dass es egal ist, welche Felder man noch aus diesem Block ausgewählt hat. Und wenn man nur drei Kreuze machen darf, sollte man auch nur drei auswählen können. Bei Checkboxen erwarte ich eigentlich, dass ich beliebig viele anklicke kann. In diesem Fall hätte man statt Checkboxen Auswahlfelder verwenden können, drei Auswahlfelder für drei auszuwählende Optionen.
Und natürlich gehört die vernünftige Gestaltung von Formularen zu dem Grundlegenden, was ein ernstzunehmender Portalbetreiber beherrschen sollte, wenn er Formulare anbieten möchte. Sowas lernen Studierende, die sich mit empirischer Forschung beschäftigen müssen in ersten Jahr des Studiums. Da erstellt man nichts anderes als Fragebögen in Form von Formularen und würde für so einen Fragebogen mit Sicherheit keine gute Note bekommen.
Das wirklich Ärgerliche daran ist, es hätte ein simpler Test mit drei bis vier Kollegen oder Freunden gereicht, um die größten Mankos dieser Umfrage auszubügeln.

Die Kunst des richtigen Verlinkens – Teil II

Vor langer, langer Zeit hatte ich einen Artikel zum richtigen Verlinken geschrieben. Generell gibt es vier Arten von Verlinkung:

  • Viele Webseiten verlinken gar nicht, z. B. das Deutschlandradio.
  • Viele Websites setzen die Links an das Ende des Textes.
  • Viele Nachrichtenportale setzen Links in Blöcken zwischen die Texte, etwa Die Zeit und die Welt.
  • Der Rest verlinkt im Fließtext, das macht zum Beispiel Heise durchgängig in seinen Publikationen, aber auch die meisten Weblogs.

Mir fällt gerade während ich diese Zeilen schreibe auf, dass es hauptsächlich IT-Seiten und Web-2.0-Angebote sind, die in Fließtexten verlinken. Es scheint also doch etwas dran zu sein an der Aussage von Mario Fischer. Fischer sagt in seinem Buch “Website Boosting”, Links im Text würden von der Mehrheit als störend empfunden.

Wahrscheinlich können IT-ler und Hardcore-Internet-Nutzer die Links im Text eher ausblenden als Gelegenheitsleser.

Zugänglichkeit

Den Screenreader-Nutzer stören einzelne Links im Text weniger. Manche Leute bringen aber die kunst fertig, vier Wörter hintereinander mit dem selben Link zu versehen. Das Klingt dann wie “Link hier – Link klicken, – link für – Link das – Link Bild”.. Eine solche Link-Häufung macht weder aus redaktionellen noch aus kognitiven Gründen viel Sinn. Die Leser verstehen nicht, ob hier vier verschiedene Sachen verlinkt werden oder nur eine. Hier dürfte auch das primäre Problem für Menschen mit Lernschwierigkeiten ligen.
Generell stellt sich für die letztere Gruppe die Frage, ob sie durch Links im Fließtext vom Inhalt des Textes abgelenkt werden. Dazu fehlen mir valide Daten, aber ich bin mir nicht sicher, ob unterstrichener blauer Text schlimmer sein kann als eine flackernde Flashanimation.

Die Usability-Sicht

Aus Usability-Sicht würde ich eindeutig die Verlinkung im Text vorziehen. Zum Einen lässt sich hier eher kontextsensitiv verlinken. Zum Anderen ist eine Häufung von Links in Blöcken mitten im Text oder am Fuß des Textes ebenfalls eine kognitive Herausforderung. Nehmen wir an, wir hätten fünf Links die mit dem Text tatsächlich in Zusammenhang stehen: ich suche aber eine bestimmte Information, die mir im Text aufgefallen ist und die ich gerne weiter verfolgen möchte. Im schlimmsten Fall muss ich alle Links einmal durchklicken, um die gewünschte Information zu finden.
Die Wikipedia ist ein Beispiel dafür. Wenn ich mit einem Höllentempo mit dem Screenreader einen Artikel durchgehe, merke ich mir nicht die Nummer der Fußnote, wo Wikipedia seine Quellen ablegt. Entweder stoppe ich also die Lektüre, springe zur Fußnote, öffne den Link und kehre dann zu der Stelle zurück, wo ich die Lektüre des WP-Artikels abgebrochen habe. Ode ich lese den Artikel zu Ende, merke mir die Nummer der Fußnote und rufe dann den dahinter liegenden Link auf. Und wenn ich zwei oder drei Fußnoten verfolgen möchte?Wikipedia wird sicher seine Gründe haben, Quellen nicht im Fließtext zu verlinken, aus Usabilitysicht ist das eher ein großes Manko.
Ich persönlich kann mir wesentlich besser die Position eines Hyperlinks im Fließtext oder den Linktext merken als eine Nummer.
Bei redaktionellen Produkten ist die Debatte ohnehin obsolet, denn die verlinken nur auf Produkte des eigenen Hauses und selbst da nicht kontextsensitiv.

Fazit

Wo man von technik- oder web-affinen Lesern ausgehen kann, sind Links im Fließtext ein Muß. Man sollte es dabei auch nicht übertreiben und auf keinen Fall zwei Wörter hintereinander mit unterschiedlichen Zielen verlinken.
Im Nachrichtenbereich, wo ohnehin nur ein bis zwei Links auf Pressemitteilungen oder ähnliches gesetzt werden, kann der Link am Ende des Textes stehen. Eine Linkhäufung am Fuße des Textes ist nicht nur abschreckend, sie zeigt auch, dass der Autor sich keine Gedanken dazu gemacht hat, wie Informationen struktuiert präsentiert werden, Informationen und Verknüpfungen machen immer nur im größeren Zusammenhang einen Sinn.

eLearning oder Webinar – neue Lernformen

Mittlerweile habe ich auch eine von diesen obskuren Lerneinheiten mitgemacht – Webinare sind Seminare, die online abgehalten werden. Um alles zu sehen und zu hören, benötigt man einen Web-Browser mit Adobes Flash und eine Software namens Adobe Connect, die ebenfalls installiert werden muss. Um mitmachen zu können, ist zudem ein Headset optimal. Wer außerdem noch gesehen werden möchte, sollte eine Webcam haben. Natürlich braucht man einen aktuellen Computer mit Breitband-Internet.
Obwohl das Ganze recht technisch unproblematisch ist, würde ich es nicht noch einmal machen. Live-Sessions sind zwar ganz nett, aber zum Einen stören die schlechten Headsets und vor allem die Mikrofone der Teilnehmer. Es ist teilweise recht schwer, etwas zu verstehen. Zum Anderen will das richtige Seminar-Gefühl doch nicht aufkommen. Den Leuten gegenüber zu sitzen ist dann doch etwas anderes. Das ist aber vermutlich Geschmackssache. Viele Anbieter stellen nach den Sessions auch die Aufzeichnungen bereit, was aber wiederum nicht der Sinn von Seminaren ist.
Was mir besser gefällt sind eLearning-Kurse. Beim W3C läuft derzeit ein Training zu SVG an. Bis zum 1. Oktober kostet die Anmeldung 99 Dollar bzw. 99 Euro (mit der Währungsumrechnung scheinen sie es nicht so zu haben).
Einerseits ist das Training im Gegensatz zum Webinar asychron, d. h. die Leute sind nicht alle gleichzeitig online, eine Echtzeitkommunikation ist selten möglich. Andererseits bietet die Plattform mit Foren und Weblogs gute Austauschmöglichkeiten.
Ich hatte vor zwei Jahren schon das Training für Mobile Best Practices beim W3C mitgemacht und fand das ganz spannend. Dabei sind bestimmte Aufgaben, Übungen und Quizes zu absolvieren, damit man ein W3C-Zertifikat erhalten kann.
Es gibt auch andere Formen des Online-Lernens wobei man die Lektionen einzeln mit einem Tutor absolviert. Das ist zwar auch ganz nett, da man aber normalerweise keinen festen Zeitrahmen hat, neigt man ein wenig dazu, die Lerneinheiten andauernd auf später zu verschieben.
Das asynchrone Lernen in der Gruppe scheint mir daher der beste Weg zu sein und ich würde jedem, der an der Materie interessiert ist empfehlen, einmal ein Training beim W3C mitzumachen.

Warum schlechter Traffic kein guter Traffic ist

Im Google Weblog wird mit einem Augenzwinkern gefragt “Brauchen wir einen Meta-Tag für ‘negative Keywords’?. Matt Cutts sagt nein: Der erste Teil der Erklärung ist verständlich, es ist aus Ressourcensicht nicht sinnvoll, unnötig Energie auf Begriffe aufzuwenden, mit denen die Leute nicht gefunden werden wollen. Der zweite Teil der Meldung ist hingegen ziemlicher Quatsch:

Wir danke für die Meldung, aber wir wurden einfach noch nicht oft genug gebeten: “Bitte sendet mir keine Besucher. Ich möchte bei dieser Wortgruppe nicht
angezeigt werden.” Quelle

Schließlich geht es nicht um den Webmaster und es geht sicher nicht darum, auf Teufel komm raus Traffic zu generieren. Dies wissen wir schon seit der ersten Schwemme mit Meta Keywords, welche die Meta Tags bis heute diskreditiert haben. Daraus haben wir gelernt, wer Traffic haben will, muss seine Seite mit Erotik und Potenzmittel-Werbung vollpacken.

Inzwischen sollten wir aber verstanden haben, dass diese Art des Traffic uns keinerlei Mehrwert bringt, es sei denn, wir verkaufen Erotik oder Potenzmittel oder etwas Verwandtes. Oder wir kleistern unsere Seite mit Anzeigen voll, mit denen wir Geld verdienen.

Ansonsten sollten unsere Ansprüche wohl höher sein: jemand, der sich auf unsere Seite verirrt hat, wird mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit unseren großartigen Content angucken. Schließlich hat er vermutlich etwas bestimmtes gesucht, was wir ihm nicht bieten können.

99 Prozent der Website-Betreiber sind zugleich auch Nutzer einer Suchmaschine und ärgern sich darüber, wenn sie das Gesuchte nicht finden.

Wer die Keywords oder Phrasen analysiert, mit denen die Besucher auf seine Seite kamen, weiß in der Regel, dass er für diese Suchen keine Inhalte liefern kann. Er will aber Besucher haben, die wegen seinem Content kommen, sich ein paar Seiten ansehen und möglichst lange bleiben. Dazu ist es aber auch nötig, die Enttäuschung über fehlende Inhalte möglichst gering zu halten. Bei großen Seiten ist es doch wahrscheinlich, dass die Leute sich den Namen der Site merken, die sie in die Irre führte und selbige auf ihre mentale schwarze Liste kommt.

Bei mir kommt da sehr schnell auch der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen an der SEO herum manipuliert haben. Ich persönlich habe mich immer geärgert, wenn ich auf einer Seite gelandet bin, die vielversprechend klang und wenig Inhalte bot. Bei meiner eigenen Seite habe ich auch herumgebastelt, weil ich gemerkt habe, dass die Leute mit falschen Erwartungen zu mir kamen. Für meinen Geschmack ist so etwas ein Fall für den SEO-Doktor.

Als Fazit kann man festhalten, dass die Zufriedenheit des Nutzers ganz oben steht. SEO heißt deshalb nicht nur, möglichst viel Traffic auf meine Seite zu locken, sondern vor allem, die eigenen Inhalte am besten an den Besucher zu bringen.

Der PageRank und der Sprachraum

Der PageRank fasziniert die Leute, die sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen. Er mißt den Grad der Verlinkung einer Website. Je besser eine Seite verlinkt ist, desto höher der PageRank. Und je höher der PageRank einer Seite ist, desto höher ist der Wert eines Links diese Site für eine andere Site.

Der PageRank wächst nicht gleichmäßig, sondern vermutlich um einen Faktor Fünf. Das heißt, man braucht für einen PageRank von 2 ungefähr fünf Mal so viele Links wie für einen PR von 1. Für einen PR 3 braucht man entsprechend 25 Mal mehr als für PR 1 und so weiter.

Das mag ein nettes Maß für die Qualität einer Website sein, hat jedoch einen entscheidenden Haken, den Google meines Wissens nach bisher nicht berücksichtigt hat: die Menschen verlinken bevorzugt auf Websites ihres eigenen Sprachraums.

Die Sprachenwelt des Internet ist natürlich wesentlich anders als die reale Sprachwelt: Die lingua franca des Web ist Englisch. Daneben gibt es nur eine Handvoll Sprachen im Web mit nennenswerten Zahlen an Websites: Spanisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Mandarin und vermutlich Hindi, Portugiesisch und Arabisch. Die Afrikaner und viele Inder, die Websites betreiben dürften Englisch oder Französisch als Sprache bevorzugen, um eine größere Gruppe von Menschen zu erreichen. Internet ist in Indien immer noch selten und teuer und es dürfte daher wenige Leute geben, die eigene Websites betreiben. Zumal auch hier Netzwerke wie Facebook an die Stelle privater Websites getreten sind.

Das gilt aber auch für kleine europäische Sprachräume: Die Skandinavier dürften ganz gut mit Internet versorgt sein. Oder Osteuropa mit einer recht brauchbaren Versorgung mit Internet.

Alle diese Sprachräume haben eines gemein: Ihre Websites können noch so gut sein, sie könnten nie quantitativ so viele Links aufbauen wie englisch-sprachige Websites. Angloamerikanische Weblogs wie TechCrunch profitieren überwigend davon, dass sowohl englische als auch anderssprachige Websites auf seine Artikel verlinken. Dass TechCrunch seinerseits auf einen deutschen Blog verlinkt ist vielleicht noch denkbar, aber würde TechCrunch wohl auf einen norwegischen, estnischen oder Suaheli-Blog verlinken? Wahrscheinlich äußerst selten.

Hier stoßen die quantitativen und qualitativen Methoden von Googles PageRank schnell an ihre Grenzen. Es ist aber albern, einer englischen Site einen PR von 10 zu geben, aber einer polnischen Site einen solchen PR zu verweigern, wenn sie eben so gut.

Allerdings sollte man dem PageRank nicht so viel Gewicht beimessen. BWLer lieben Rankings und Zahlen. Aber eine Website mit schlechter On-Site-Optimierung profitiert weniger von einem guten Rank, während eine gut optimierte Site in ihrem Erfolg von einem schlechten Rank nicht allzusehr betroffen ist. Ärgerlich wird es etwa dann, wenn eine Website Geld verdienen will und der Wert von Bannerwerbung nicht an der Menge von qualifiziertem Traffic, sondern am PR gemessen wird.

Was Weihnachten mit der Besucherstatistik macht

Es kann tatsächich auch Spaß machen, sich mit Statistiken zu beschäftigen. Ich schlage mich gerade mit dem Thema Web Analytics herum, nachdem ich jüngst Piwik von meinem Webspace geschmissen habe. Piwik ist ein sehr ausgereiftes Web-Analytics-Tool, welches mittlerweile in der Version 1.0 vorliegt. Leider war mein Billig-Webspace für soviel Auslastung nicht ausgelegt.

Ich bin ja als Blinder eher ein Fan von nackten Daten. Andere Leute schwärmen für ästhetisch ansprechende Diagramme mit allem Schnick-Schnack, mit lustigen 3-D-Effekten und skurillen Ausformungen. Ich freue mich über Excel-Tabellen, die kann man recht gut sortieren, man kann sie summieren, arithmetische Mittel bilden und andere Späße damit machen. Bislang bin ich eher unzufrieden mit den bordeigenen Tools zur Verknüpfung der Daten untereinander und den Sortierungsmöglichkeiten die sie bieten.

Bei den Statistiken kann man bestimmte Effekte beobachten, zum Beispiel, dass Besucherstatistiken zwischen Weihnachten und Neujahr regelmäßig einbrechen. Ich nenne das den Weihnachtsknick. Das kann man sehr schön bei Google Trends beobachten, hier kann man die Beliebtheit von Suchbegriffen ermitteln und zwei oder mehr Begriffe vergleichen. Außerdem kann man auch Websites – vermutlich sehr grob – im Langfrist-Trend beobachten.

Vergleicht man z. B. Amazon und EBay, sieht man deutlich den Knick um die Jahreswende und den im Vergleich etwas steileren Anstieg bei EBay im Januar. Nur ein Schelm denkt jetzt, da versuchen Unzufriedene ihre Geschenke zu versteigern. Vielleicht müssen sie aber auch dank der vielen Geschenke nur ihre Schränke ausmisten.

Vergleicht man die beiden IT-Newsticker Heise und Golem, sieht man den gleichen Trend. Hier stellt sich aber auch schon die Frage: Liegt das daran, dass es um die Jahreswende herum weniger Nachrichten gibt oder weil viele Leute um diese Zeit herum das Web weniger intensiv nutzen? Who knows?

Für kleinere Websites wären solche Statistiken zu grobkörnig, sofern Trends überhaupt Daten für sie ausgibt. Für Feinanalysen wären tatsächlich Tagestatistiken interessant. Hier kann man z.B. beobachten, ob Seiten tendentiell eher beruflich oder privat genutzt werden: Wenn etwa mehr Traffic an Werktagen zu bestimmten Zeiten stattfindet.

Auch solche Analysen müssten sich eigentlich stärker automatisieren lassen. Wenn Leute eher an einem Werktag zwischen 8 und 12 Uhr auf meine Website kommen, dürften sie je nachdem, was ich auf meiner Website anbiete, eher beruflich interessiert sein. Später kommen vielleicht die Studenten, die Informationen für ihre Arbeiten recherchieren und irgendwann abends oder am Wochenende kommen dann die Leute, die privat interessiert sind oder Unterhaltung suchen. Komischerweise unternimmt noch keines der Tools, die ich kenne – Google Analytics, Piwik oder eTracker – den Versuch, die Besucher-Daten anhand vorliegender Merkmale tatsächlich automatisch zu interpretieren.

Wahrscheinlich fehlt es noch an einer soliden Basis, die gewaltigen Datenmengen miteinander zu verknüpfen. Bis es so etwas gibt, genieße ich es, selber etwas in die Daten zu interpretieren. Ich finde einfach, es gibt kaum etwas Spanneneres als zu beobachten, was die Leute, die man nie kennen lernen wird auf der eigenen Seite so gemacht haben.

Poor Content – die Schwäche des Online-Journalismus

Viele Leute wissen nicht, dass die großen Online-Angebote von Zeitungen und Magazinen von eigenständigen Redaktionen betreut werden. Wozu sollte diese Info auch gut sein? Es ist allerdings so, generell pflegt jedes große Medium seine eigene Online-Redaktion, die zumindest organisatorisch von der Print-Redaktion unabhängig ist. Das heißt natürlich nicht, dass Artikel nicht mehrfach verwertet werden oder das ein Offliner nicht für Online schreibt oder umgekehrt.

Zehn Jahre und keinen Schritt weiter

Man kennt das: da ist ein interessanter Artikel und man hätte gerne die Zahlen und Fakten auf einen Blick, weil sie im Artikel zu kurz gekommen sind. Gut, dass unsere service-orientierten Medienseiten genau das anbieten.
Besonders gut gefällt mir, dass in Online-Artikeln die Quelle nicht nur passiv genannt, sondern aktiv verlinkt wird. Die kryptischen und eher nichts sagenden Abkürzungen dpa und ddp müssen echten Quellennachweisen und Verweisen auf Pressemitteilungen, anderen Webpublikationen und sogar user-generierten Inhalten wie Weblogs, Podcasts und YouTube-Videos weichen. So weiß der Leser nicht nur, woher der clevere Journalist seine Infos hat, sondern kann sich selber ein Bild machen.

Aber mal im Ernst, das alles ist nicht nur Zukunftsmusik, es wird in renommierten Publikationen bis auf weiteres nicht auftauchen. Die Mutlosigkeit der Printer, wie ich sie nennen möchte, ist mit Händen greifbar. Im Grunde haben sie das Print-Modell ohne großartige Modifikationen auf Online übertragen. Das Höchste der Gefühle sind “verwandte Artikel” und Schlagworte, die vermutlich automatisch erstellt wurden. Denkt man sich diese beiden Erfindungen weg – die im übrigen auch schon fünf Jahre alt sind – könnte man ohne Weiteres glauben, im Jahr 2000 zu sein. Die Einbindung verwackelter YouTube-Videos oder das Betreiben von Journalisten-Weblogs kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Medien-Branche eine Innovationsschlafmütze ist.

Jeder echte Onliner bekommt Zahnschmerzen, wenn er einmal mehr nach der Quelle einer Information suchen muss, anstatt sie – wie es im übrigen jeder vernünftige Blogger tut – ordentlich im Artikel verlinkt zu finden. Jede Online-Publikation scheint davon zu träumen, sie könne den Leser auf ewig in ihrer Site gefangen halten, weil er nicht weiß, wie man mit der Adressleiste umgeht.

Was tun?

Nun bin ich kein Mensch, der nur meckern möchte. Hier also ein paar Vorschläge, wie die Online-Publikationen zu echten Service-Dienstleistern für den Leser werden können, sich aus der Papier-Steinzeit befreien und vielleicht endlich auch vernünftig Geld einnehmen können:

  • Quellen: Der heutige Leser möchte wissen, woher eine Information kommt. Er erwartet einen Link auf die Quelle, sei es nun ein Weblog, eine Pressemitteilung, ein Tweet oder etwas anderes.
  • Factbox: Jeder Journalist weiß, wie schwierig es ist, Zahlen in großen Mengen in Artikeln unterzubringen. Diese Zahlen können in einer Factbox untergebracht werden, wo sie übersichtlicher sind: Wie viele Studierende gibt es, wie viele werden in den nächsten Jahren erwartet, wer will was studieren? Ein weicher Bericht über Einzelschicksale ist schön und gut, aber wir wollen den Gesamtkontext erfahren und der drückt sich in harten Zahlen aus. Die zahlen lassen sich auch mit Diagrammen oder Schaubildern veranschaulichen.
  • Hintergründe: Die Redakteure verweisen mit Vorliebe auf eigene Artikel, aktuelle Artikel oder Artikel, wo ein Stichwort des gelesenen Artikels prominent vorkommt. Dass im aktuellen Artikel und den drei Artikeln unfein gesagt vier Mal das selbe steht, stört ihn weniger. Ich stelle mir stattdessen eine Art Storyline vor: Dabei werden die Beiträge, die zum aktuellen Artikel im Bezug stehen, auf einer Art Zeitachse angeordnet, Hintergrund-Berichte und vertiefende Informationen werden hervorgehoben und die Artikel werden in einen Gesamtbezug zueinander gestellt. So findet der Leser, was er sucht: Hintergründe, Details, verwandte Themenfelder… Im übrigen könnten diese Verweise – oh Schock – auch auf externe Quellen verweisen! Sei es nun ein gelungener Wikipedia-Artikel, eine Publikation des eigenen Hauses, aber auf einer anderen Website oder eben tatsächlich eine private Website, die aber qualitativ gute Informationen liefert.

Das sind nur einige Vorschläge, die weiter gedacht, ausprobiert oder verworfen werden müssen. Es ist sicher nicht meine Aufgabe, die Verlagshäuser vor ihrer Denkfaulheit zu retten. Im Augenblick sind die einzelnen Publikationen austauschbar und bis zur Unkenntlichkeit identisch. Was aber für die Generation Print gereicht hat, wird für die gerade anwachsende Generation Online noch lange nicht genug sein. Deshalb muss Online weiterentwickelt werden. Und dazu müssen sowohl die technischen als auch die inhaltichen Möglichkeiten wesentlich besser genutzt werden, als das heute in Deutschland passiert.