Kategorie-Archiv: Social Web

Behinderung spielend vermitteln

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Wer hier häufiger mitliest weiß bereits, dass ich auf jeden Hype aufspringe und herauszufinden versuche, wie man ihn auf das Thema Behinderung und Barrierefreiheit anwenden kann.
Spielkarten
Ein solches Thema sind Computerspiele bzw. Mechanismen aus Spielen. Sie haben mittlerweile fast überall Einzug gehalten, z.B. bekommt man bei einigen eLearning-Programmen Punkte für jede Lektion, so bei der CodeAcademy oder bei TechChange. Bei FourSquare kann man Bürgermeister von irgendwas werden, wenn man sich oft genug dort einloggt. Dass ich heute ganz passabel Englisch lesen kann verdanke ich weniger der Schule und meinen Irland-Urlauben als dem Lexikon aus Sid Meiers Civilisation I, dass ich damals auf Englisch gespielt habe.

Das Problem mit den heutigen Methoden der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, dass sie weitgehend ausgeschöpft sind. Plakatkampagnen, Internet-Kampagnen und Aufforderungen, dieses und jenes zu liken oder zu retweeten sind heute so penetrant wie klassische Werbung. Es gibt nicht nur eine Ad Avoidance, sondern auch eine Kampagnen-Avoidance. Man muss neue Methoden finden, um andere Menschen zu überzeugen. Und Spiele könnten ein solcher neuer Ansatz sein. Weiterlesen: Behinderung spielerisch vermitteln

Es gibt ein Spiel, in dem ein acht-jähriges Mädchen mit Autismus die Protagonistin ist. Ich habe das nicht in den Artikel aufgenommen, weil das wohl zu makaber wäre, hier gibt es einen englischen Artikel dazu. Auf Kickstarter gibt es ein Spiel mit einem blinden Helden.

Mit Crowdsourcing zu mehr Barrierefreiheit

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Anlässlich des Global Accessibility Awareness Day am heutigen 9. Mai will ich ein paar Ansätze beschreiben, wie die berüchtigte Crowd zur Barrierefreiheit beitragen kann.
Die Crowd erscheint vor allem dort hilfreich, wo es um einfache, aber zeitaufwendige Aufgaben geht. Das sieht man zum Beispiel an Wheelmap.
gruppenbild
Auf Wheelmap können Menschen schnell und einfach bewerten, wie rollstuhlgerecht eine bestimmte Örtlichkeit ist. Man hätte die Menschen auch mit einer seitenlangen Checkliste, einem anständigen Training in der DIN 18040 und einem Maßband losschicken können. Nur wäre dann aus der Crowd ein Häuflein geworden. Für eine Stadt wie Bonn würde es wahrscheinlich zehn Jahre dauern, bis eine kritische Zahl von Gebäuden bewertet worden wäre. Nichts gegen valide Daten, es wäre phantastisch, wenn wir von allen öffentlich zugänglichen Einrichtungen exakt wüssten, wie barrierefrei sie sind. Das Problem ist nur, dass in der Zeit, die man dafür bräuchte ein Großteil der Gebäude umgebaut würde, Cafés würden schließen, Geschäfte zu machen und neue aufmachen. Auch für öffentliche Gebäude wäre interessant zu wissen, wie barrierefrei sie sind. Nur: wie oft geht man ins Bürgerbüro oder ins Rathaus?
Deshalb sind schlechte Daten besser als gar keine. Wer die Anwendung benutzt hat, um einen angeblich barrierefreien Ort zu finden und vor Ort feststellt, dass die Bewertung falsch ist kann die Angaben korrigieren, auch das ist Crowdsourcing.
Ein anderer Service erlaubt es Blinden, Bilder von einem Objekt zu machen und sich mitteilen zu lassen, was für ein Objekt sie da fotografiert haben. UPdate: Der Service, den ich meinte ist leider zwischendurch eingestellt worden.
Die Crowd kann aber auch eingesetzt werden, um die Barrierefreiheit von Webseiten zu verbessern. Die Firefox-Erweiterung WebVisum erlaubt es zum Beispiel, Webseiten mit Informationen wie Bild- oder Formularbeschreibungen auszustatten, damit sie von Blinden besser genutzt werden können.
Es ist praktisch unmöglich, eine große Gruppe von Menschen mit Behinderung für den Test einer Webseite auf Barrierefreiheit zu gewinnen. Das Problem besteht darin, dass es eine große Bandbreite an Behinderungen gibt und innerhalb dieser Gruppen die Auswirkungen der Behinderung und die technischen Fähigkeiten stark variieren. Allein bei den Sehstörungen gibt es unzählige Varianten.
Mit normalen Ressourcen ist es praktisch nicht möglich, diese Bandbreite in Usability- oder Barrierefreiheitstests abzubilden.
Warum also nicht die Crowd für den Test auf Barrierefreiheit gewinnen? Das hat gleich zwei Vorteile: Tendentiell werden eher Menschen erreicht, die
das Angebot sowieso nutzen und deshalb daran interessiert sind, dass es barrierefrei ist. Außerdem sitzen die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung, setzen die Technologien ein, die sie sowieso nutzen und gehen damit sehr viel entspannter an die Aufgabe als sie das in einem Usability-Labor tun würden. Bei einer kleinen Testgruppe ist es häufig schwierig zu sagen, ob an einer bestimmten Stelle tatsächlich ein Problem vorliegt oder ob nur die jeweilige Person nicht damit zurecht kommt. Wenn hingegen eine größere Zahl von Menschen unabhängig voneinander an einer bestimmten Stelle ein Problem findet, ist es auch ein Problem. Es geht natürlich nicht darum, ein völlig barriereunfreies Angebot barrierefrei zu machen, da kann die Crowd auch nicht weiterhelfen. Vielmehr soll die Crowd eine Webseite prüfen, die nach den Regeln der WCAG 2.0 gestaltet wurde. Die Crowd soll mögliche Probleme aufspüren, nicht die Unfähigkeit der Webentwickler kompensieren.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Crowd sich um die Untertitelung für Gehörlose oder Audiobeschreibung von Videos für Blinde kümmert.
Viele werden hier einwenden, dass solche Beschreibungen nicht die Qualität professioneller Dienste haben können. Dagegen lässt sich anführen, dass eine mittelmäßige Beschreibung immer noch besser ist als gar keine. Immerhin gibt es hier die Möglichkeit, dass Menschen mit und ohne Behinderung sich darüber austauschen, um gemeinsam die Qualität der Beschreibungen zu verbessern. Die Nicht-Behinderten werden dadurch ganz nebenbei für mögliche Barrieren und die Auswirkungen von Behinderungen sensibilisiert.
Das war jetzt nur ein kurzer Überblick über Services, die mir bekannt sind. Das Potential ist riesengroß, es fehlt nur noch jemand, der dieses Potenntial erschließt.
Bei einigen Screenreadern kommt es z.B. vor, dass sie Wörter falsch aussprechen. Hier wäre es von Vorteil, wenn die Nutzer die Aussprache korrigieren und diese Korrekturen über einen Server direkt teilen könnten. Um blödsinnige Korrekturen zu verhindern – manche Menschen langweilen sich halt – können statistische Methoden eingesetzt werden, so dass eine Änderung erst gültig wird, wenn sie von genügend Leuten umgesetzt wurde.
Das Schöne an der Crowd ist die intrinsische Motivation. Es geht darum, dass Menschen gerne bereit sind, anderen Menschen zu helfen, ohne dafür eine direkte Gegenleistung zu erwarten. Die Angebote sind relativ niedrigschwellig, niemand muss sich in WCAG oder andere komplexe Regularien einlesen, sondern er oder sie kann sofort einsteigen und loslegen.
Das Spannende am Crowdsourcing ist meiner Ansicht nach der proaktive Ansatz. Die Behindertenszene in Deutschland ist für meinen Geschmack zu passiv. Crowdsourcing verschafft ihnen die Instrumente, um selbst etwas zu verbessern – eben wie bei Wheelmap.

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Wie man einen Computer bedienen kann, ohne Lesen und Schreiben zu können

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In Deutschland gibt es ungefähr 7,5 Millionen Menschen, die nur eingeschränkt lesen oder schreiben können. Nicht nur Bücher oder Zeitschriften sind für sie kaum zugänglich, auch ein Großteil des textbasiertenInternets bleibt für sie verschlossen. Deshalb ist die Frage interessant, ob man auch das Web nutzen kann, ohne lesen und schreiben zu können.
Computer mit Braillezeile und HeadsetRelativ einfache Aufgaben wie das Aufrufen und Lesen einer Webseite sind tatsächlich machbar. Viele Eltern erzählen ganz stolz von ihren kleinen Kindern, die ohne fremde Hilfe Videos auf dem iPad aufrufen können.
Smartphones und Tablet-PCs sind tatsächlich kleine Computer, deren Oberfläche auf das Wesentliche reduziert wurde. Weil Eingabegeräte wie die Maus und die Tastatur wegfallen, sind diese Geräte intuitiver zu bedienen. Die Oberfläche wird von wenigen Symbolen statt von ellenlangen Menüs geprägt. Die Symbole lassen sich teilweise intuitiv verstehen oder man lernt nach und nach, was sich hinter ihnen verbirgt.
Der Nutzer erspart sich außerdem den teils aufwendigen Umweg über den PC mit der Einrichtung des Betriebssystems, der Internetverbindung und des Browsers.

Mit dem Computer sprechen

Programme aufzurufen ist natürlich nur der erste Schritt. Spannend wird das Ganze erst, wenn man Webseiten aufrufen, E-Mails diktieren oder im Internet suchen kann. Das wird ermöglicht durch die Spracheingabe.
Bei den meisten aktuellen Betriebssystemen lassen sich zumindest einige einfache Funktionen über die Sprache aufrufen. Daneben gibt es einige kommerzielle Programme, die vor allem als Diktierprogramme dienen, mit denen man aber auch teilweise den Computer steuern kann. Diese Programme sind meistens nicht intuitiv zu bedienen. Der Anwender muss einen Befehlssatz lernen und trainieren.
Mittlerweile gibt es aber auch Spracheingaben, die intuitiv bedienbar sind. Am bekanntesten ist Apples Siri , aber auch für Android gibt es vergleichbare Apps wie Iris.
Mit diesen Spracheingaben lassen sich bereits einfache Aufgaben erledigen. Dazu gehört die Suche im Internet, das Schreiben von Mails oder das Verwalten des Kalenders.

Wenn der Computer antwortet

So weit, so unspektakulär. Natürlich ist es nett, wenn man Videos aufrufen kann, aber die wichtigsten Informationen sind zumeist als Text vorhanden. Hier helfen die eingebauten Bedienhilfen. Apple hat zum Beispiel in allen aktuellen Geräten den Screenreader VoiceOver integriert. Das ist ein Programm, das Inhalte für Blinde in Sprache oder Blindenschrift ausgeben kann. Es kann Texte vorlesen und Bedienungselemente ansagen, so dass Blinde ihr Gerät und viele Apps vollständig bedienen können.
Diese Programme können auch Menschen helfen, die nicht oder nur eingeschränkt lesen können. Die Bedienelemente und ihre Funktionen werden angesagt, den Text auf den Webseiten können sie sich vorlesen lassen. Außerdem können sie sich so auch elektronische Bücher zugänglich machen.
Smartphones und Tablets erleichtern wegen ihrer einfachen Oberfläche den Zugang zu Informationen im Internet. Allerdings sind sie noch kein vollständiger Ersatz für den Computer. Spätestens, wenn man einen Text ausdrucken möchte, gibt es Probleme.
Und ganz ohne fremde Hilfe wird man – zumindest am Anfang – nicht zurecht kommen. Wer noch nie im Internet war, kann noch nicht wissen, wo man nach Informationen sucht oder wie man ein Mailkonto einrichtet. Auch der Screenreader erfordert ein wenig Übung. Jeder muss erst einmal lernen, wie man einen Link aufruft oder wie man sich ein Konto bei einem eShop einrichtet.
Tablets und Smartphones haben das Potential, die Computernutzung und vor allem den Zugang zu Informationen deutlich zu erleichtern. Es gibt fast täglich Artikel aus dem angelsächischen Raum, wo berichtet wird, wie autistischen Kindern mit dem iPad das Lernen erleichtert wird. Das ist erst der Anfang, die große Revolution steht noch bevor.

Hypermedia-Learning – ein neuer Ansatz im eLearning

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eLearning ist nach wie vor die Domäne von klassischen Bildungsstätten. Es werden viele Ressourcen aufgewendet, um Lernmaterialien zusammenzustellen. Die Kurse sind meistens geschlossen, das Lernen und Kollaborieren findet in geschlossenen Systemen statt. Im folgenden möchte ich einen Ansatz vorschlagen, der das Erstellen von Lernumgebungen demokratisieren und das Lernen erleichtern soll. Screenshot von Drupal
Ich bin selber kein eLearning-Experte, daher weiß ich nicht, ob es schon einen Begriff dafür gibt. Ich nenne es Hypermedia Learning. Es vermischt vor allem zwei Ansätze: das rapid eLearning und die Massive Open Online Courses (MOOC). Das Hypermedia-Learning basiert auf vier Prinzipien:

  • Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen
  • Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt
  • Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert
  • Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Wie ich mir das ungefähr vorstelle, sieht man an diesem Beispiel, das allerdings noch nicht ganz fertig ist.

Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen

Für mich ist immer wieder erschreckend, wie viele Ressourcen darauf verwendet werden, das Rad neu zu erfinden. Jedes System hat zumindest in gewissem Maße seine Existenzberechtigung. Ein Informatiker hat villeicht Spaß daran, den Hunderten von Programmiersprachen noch eine neue hinzuzufügen. Aber warum man 30 verschiedene Lernplattformen basteln muss, von denen jede einzelne ihre Schwächen hat, erschließt sich mir nicht. Weil es beim Hypermedia-eLearning keine großen technischen Anforderungen gibt, lässt sich dafür jede Plattform verwenden, welche die technischen Anforderungen erfüllt. Das kann auch ein kostenloses WordPress-Blog sein oder Drupal.
Das Gleiche gilt für Informationen im Internet. Viele von den Informationen sind schon vorhanden und sie werden hoffentlich auch bleiben. Deshalb gibt es selten einen Grund, einen Text komplett neu zu schreiben, wenn die Informationen einfach nur verlinkt werden müssen. Vielfalt ist nicht per se schlecht, aber Vielfalt ist auch kein Wert an sich.
Im Hypermedia-eLearning stellt der Autor die Basis-Informationen in einem Text zusammen und bindet weitere Informationen über Links ein. Am besten ist es natürlich, die Informationen direkt in die Webseite einzubinden, wie man es mit YouTube-Videos oder Slideshare-Präsentationen machen kann. Mit Text geht das wegen der Urheberrechte nicht, eine Ausnahme wäre Scribd.
Statt alles selber zu schreiben stellt der Autor also die wesentlichen Informationen strukturiert und im Zusammenhang zusammen. Der Nutzer muss im Rahmen des Kurses die verschiedenen Materialien durcharbeiten.
Ich propagiere im übrigen kein Häppchen-Lernen. Es reicht normalerweise nicht, Texte, die man geschrieben hat einfach in eine logische Reihenfolge zu stellen. Vielmehr muss das gesamte Lernangebot einen roten Faden haben. Kein Autor wird also darum herum kommen, seine Inhalte ein wenig zu überarbeiten. Wer dafür weder Zeit noch Muße hat, fährt mit einem MOOC besser, wo lediglich zu bearbeitende Inhalte verlinkt und dazu passende Fragen zusammengestellt werden.

Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt

Im klassischen eLearning werden vom Kursleiter Aufgaben vorgegeben, die der Schüler in einer bestimmten Zeit bearbeiten und wieder einreichen soll. Der Lehrer prüft die Lösung und gibt Feedback.
Im Hypermedia-eLearning übernehmen wir das Prinzip des autonomen Lernens. Der Nutzer erhält die Aufgabe, etwas zu tun, etwas auszuprobieren und selbständig zu prüfen, ob er das Ziel erreicht hat. Eine richtige Erfolgskontrolle wie beim klassischen eLearning ist für das selbstständige eLearning nicht nötig. Entsprechend müssen die Übungen gestaltet sein.

Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert

Das Entscheidende ist dabei das Ziel Cummunity-Building. Die Community unterstützt im Idealfall die Bereitschaft, den Kurs zu Ende zu führen. Sie erleichtert den Austausch, wodurch das Wissen vertieft und die Reflexion verstärkt wird. Lernen ohne Lehrer könnte das Motto sein.
Viele Kurse haben keine nachhaltige Wirkung, weil der Stoff zwar durchgearbeitet wird, aber nur in Hinblick auf den Abschluß des Kurses. Das Ziel sollte aber sein, dass die Kursteilnehmer den Stoff selbständig vertiefen und das klappt im Austausch mit anderen am besten. Die Teilnehmer stellen Fragen, die durch das Kursmaterial nicht ausreichend beantwortet wurden oder gar nicht behandelt wurden. Diese Diskussionen helfen späteren Teilnehmern, den Stoff weiter zu reflektieren, das ist Crowd-Bildung.
Wenn der Kurs von der Plattform unabhängig ist, suchen sich die Teilnehmer ihre eigene Form der Verarbeitung auf Facebook, Twitter, Pinterest, Audioboo, YouTube oder wo auch immer.
Im Idealfall ergänzt dieses Material den Kurs und macht via Crowdsourcing einen besseren Kurs daraus. Das klappt aber nicht, wenn der Kurs und die Kursplattform geschlossen sind.

Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Im Internet liegen genügend multimediale Inhalte, um einen akademischen Abschluß nur mit diesen Materialien zu erlangen. Gleichzeitig sind die Kurse heute eher textbasiert. Multimedialität lässt sich dabei sowohl bei der Zusammenstellung des Kursmaterials als auch bei der Bearbeitung der Übungen realisieren.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Lernstil. Manche mögen es eher visuell, manche eher akkustisch. Diese Vorlieben werden in den klassischen Kursen nicht berücksichtigt, weil jeder Teilnehmer die gleiche Aufgabe in der gleichen Weise bearbeiten muss.
Am besten wäre es, wenn die Lernenden den Stoff direkt auf ein konkretes Projekt anwenden könnten, das sie aktuell bearbeiten. Auch das geht in den klassischen Kursen nicht, weil das dem Lehrenden zu viel Mühe bereiten würde. Das konkrete Anwenden des Erlernten ist entscheidend für den Lernerfolg.
Statt ellenlange Texte durchzuarbeiten sollte der Nutzer die Möglichkeit bekommen, möglichst viel auszuprobieren. Es geht darum, den Spieltrieb zu wecken, dem Nutzer etwas zum Anfassen zu geben, seine Neugier zu wecken und ihn möglichst viel alleine herausfinden zu lassen, statt ihm alle Informationen vorverdaut zu präsentieren.

Demokratisierung der Bildung

Für professionelle Kurse werden zahlreiche Ressourcen benötigt. Es werden Didaktiker, Fachleute zur Erstellung des Kurses und Designer benötigt, die den Kurs inhaltlich ausarbeiten und optisch aufbereiten. Die Kurse kosten im besten Falle mehere Hundert Euro. Gleichzeitig haben wir einen expliziten Mangel an Kursen vor allem zu aktuellen Themen. Die ersten deutschsprachigen Kurse zu Web 2.0 erschienen vor drei bis vier Jahren. Ist das Kursmaterial einmal ausgearbeitet, wird es nur selten auf den aktuellen Stand gebracht.
Das hier vorgeschlagene Prinzip ist sozusagen die Wikipediasierung des Lernens. Die Entstehung von Bildungsmaterial und Enzyklopädien hat viel gemeinsam. Die Enzyklopedia Britannica ist sicher ein tolles Werk, das auch seine Existenzberechtigung hat. Aber sie ist teuer und praktisch in dem Moment veraltet, wo sie auf den Markt kommt.
Gleichzeitig wirft das beschriebene Verfahren die gleichen Probleme auf, wie sie die Wikipedia bereits heute hat. Das sind vor allem die Qualitätsunterschiede in den Artikeln.
Die Qualitätskontrolle wandert sozusagen von den Inhalteerstellern zu den Kursnutzern. Sie sind angehalten, das Gerlernte kritisch zu reflektieren, in Frage zu stellen und mit ihren Beiträgen zu verbessern. Das ist sozusagen Teil des Kurses und entspricht dem Prinzip des selbständigen Lernens.
Zur Demokratisierung gehört auch, dass jeder diese Kurse erstellen kann. Es gibt keinen Grund, die Schaffung von Wissen den Experten zu überlassen. Es gibt einen Hunger auf Wissen und es gibt keinen Grund, dieses Wissen in sorgfältig gebundene vom Verlag geprüfte Bücher zu packen.
Oftmals liegt das Basismaterial schon vor. Viele Blogs werden seit Jahren mit Einträgen gefüllt. Im Idealfall müssten die Beiträge nur in eine Struktur gebracht werden, die den Lernenden die Aufnahme erleichtert. Sie werden dann ergänzt mit Beiträgen, die die Lücken füllen und mit Fragen, die den Nutzern das Selbst-Lernen erleichtern. Das Material kann nach Belieben mit Texten von anderen Webseiten, Videos, Audios oder Präsentationen ergänzt werden. Dem Autoren fällt hier als Quasi-Experten die manchmal schwere Aufgabe zu, die aus seiner Sicht besten Inhalte auszuwählen. Theoretisch lassen sich beliebig viele Inhalte einbinden, praktisch soll aber gerade der Lernende nicht mit einem Übermaß an Inhalten überschüttet werden. Und natürlich sind die Urheberrechte zu berücksichtigen, es geht nicht um Copy-Paste, sondern um Hypermedia.
Ein Kurs kann auch modular gestaltet werden, so dass er einerseits Laien wie Experten ansprechen kann. Auf der anderen Seite können so auch unterschiedliche Zielgruppen erreicht werden. Die Redakteure zum Beispiel bearbeiten den ersten Teil, die Designer den zweiten Teil, aber beide haben auch die Möglichkeit, die jeweils anderen Teile durchzuarbeiten. Das heißt, dass die einzelnen Module des Kurses grundsätzlich eigenständig funktionieren müssten.
Unsere Regale sind voll von Lehrbüchern, die mit der besten Absicht gekauft wurden, aber keinen nachhaltigen Einfluß hatten. Unsere Schulen, Universitäten und das Internet sind voll altbackener Didaktik, die heutige Möglichkeiten bei weitem nicht ausnutzt.

Drupal als einfaches Learning Management System

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Es gibt eine Reihe kostenloser Open-Source-Lösungen für Lernumgebungen zum eLearning im Internet. Die größte und wahrscheinlich auch umfangreichste Lösung ist Moodle. Moodle ist allerdings sehr anspruchsvoll, was den Ressourcenbedarf angeht. Außerdem ist es für kleine Lernumgebungen überdimensioniert. Ein einfaches Redaktionssystem erfüllt oft viele Ansprüche und lässt sich mit geringeren Ressourcen betreiben.
Vieles spricht für WordPress: es ist schnell erlernt, es gibt zahllose Erweiterungen für jeden Zweck und es lässt sich fast überall betreiben.
Screenshot von Drupal
Für interaktive Umgebungen scheint mir aber das freie System Drupal besser geeignet. Es erfordert ein wenig mehr Einarbeitung als WordPress, bringt jedoch einige interessante Funktionen von Haus aus mit. Der Schwerpunkt von Drupal liegt auf dem Community-Building. Man kann zu jedem Inhalt ein Forum hinzufügen, so dass Diskussionen und Kommentare zu jedem Lerninhalt geführt werden können.
Drupal ist ein klassisches Redaktionssystem zum Erstellen von Webseiten, während der Schwerpunkt von WordPress auf Weblogs liegt. In Blogs gibt es normalerweise keine Hierarchie, alle Beiträge liegen auf der gleichen Navigationsebene. Die Beiträge werden nicht im Zusammenhang in einer bestimmten Reihenfolge gezeigt, sondern umgekehrt chronologisch. Das kann man natürlich nach Belieben ändern, Drupal erlaubt das aber von Haus aus. Das Buchmodul von Drupal erleichtert es, Inhalte in eine lineare Reihenfolge zu bringen, so dass der Lernende den Stoff nac einem bstimmten System durcharbeiten kann.
Vieles andere ist integriert oder lässt sich nachrüsten: Benutzerverwaltung mit Rollen, zeitgesteurtes Veröffentlichen, Blogs, die Einbindung von RSS-Feeds, Umfragen/Fragebögen usw.
Auch das Einreichen von Aufgaben und die Rückmeldung durch den Lehrenden sollte sich realisieren lassen.
Der große Vorteil von Drupal gegenüber zum Beispiel Typo3 ist die vergleichsweise einfache Erlernbarkeit und Anpassbarkeit. Außerdem verbraucht es weniger Ressourcen als Moodle und ist stärker auf den Austausch und Benutzer mit unterschiedlichen Rollen ausgelegt als WordPress.Drupal ist ein Framwork für Community-Building, so dass angemeldete Nutzer ihre Diskussionen, Blogs oder eigene Beiträge innerhalb des Systems abgeben können, ohne dass das System erweitert werden muss.

Drupals Stärken werden leider schnell unterschätzt. Ein Problem des Systems ist, dass es im Gegensatz zu WordPress out of the box nicht besonders benutzerfreundlich ist. Ich glaube, sehr viel mehr Leute würden das System einsetzen, wenn es fertig vorfonfigurierte Systeme z.B. für Redakteure gäbe. So ist die Einarbeitungszeit doch ein wenig höher, weil die Funktionen teilweise gut versteckt sind. Zum Beispiel gibt es out of the box keinen graphischen Texteditor. Die Funktion zum Hochladen von Bildern muss in einigen Inhaltstypen wie Büchern erst eingeschaltet werden.
Drupal gilt als Linux der Content Management Systeme, aber das trift auch auf MODx oer Typo3 mit seinem TypoScript zu. Im Vergleich ist Drupal einfacher.

Digitale Mitbestimmung für Menschen mit Behinderung

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Digitale Werkzeuge können auch für Menschen mit Behinderung die Mitbestimmung erleichtern und verbessern:

Politisches Engagement findet zunehmend über das Netz statt. Viele der neuen Möglichkeiten sind auch für Menschen mit Behinderung interessant. Ihre Wege
zur politischen Mitbestimmung sind oft eingeschränkt, weil sie nicht mobil sind oder ihre Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt ist. Weiterlesen

Die Zukunft des Fachbuches heißt eLearning

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eLearning hat in Deutschland noch keinen besonders guten Status. Die klassischen Anbieter von Fernstudiengängen, Fernlehrgängen und Fernkursen bieten online Möglichkeiten, Material hoch- oder runterzuladen, mit Studienkollegen zu diskutieren oder aktuelle Infos in Erfahrung zu bringen. Mit eLearning hat das nur am Rande zu tun. eLearning heißt, dass der Lehrstoff am Computer oder einem mobilen Endgerät bearbeitet werden kann. Dabei können Animationen, interaktive Schaubilder, Audio- und Videoelemente integriert sein.
Aufgeschlagene Bücher
Dazu gehören aber auch Möglichkeiten, Aufgaben online zu lösen. Das geht offen, indem man eine eigene Antwort auf eine Aufgabe formuliert oder geschlossen, indem man Multiple-Choice-Aufgaben ausfüllt und diese direkt mit der Lösung abgleichen kann.
Viele Fachbücher sind bereits an Lernende adressiert. So werden häufig am Ende eines Kapitels Fragen gestellt, die der Leser beantworten soll, um zu kontrollieren, wie viel er verstanden hat. Bei Softwarebüchern muss er kleine Projekte oder Programme erstellen – natürlich am Computer.
Es ist also naheliegend, diese beiden Bereiche zu kombinieren. Mit den enriched oder enhanced eBooks werden solche Formate durchaus realisierbar. Mit ePub 3.0 lässt sich z.B. schon JavaScript in eBooks einsetzen, was eine Voraussetzung für Interaktivität ist. Formulare für Multiple-Choice-Abfragen lassen sich bereits mit HTML umsetzen, das bei eBooks verwendet wird. Pocketbook im Querformat
Ein Problem könnten die großen Datenmengen sein, die für Multimedia eingesetzt werden müssen. Eventuell muss man hier einige Abstriche machen, da die Displays klassischer eBook-Reader nicht leistungsfähig sind – und außerdem schwarz-weiß.
Ich glaube im übrigen noch nicht an die multimedialen Bücher. Wenn jemand ein Buch liest, möchte er lesen und nicht sich ein Video angucken. Einfache Animationen oder einfache Tabellenfunktionen oder sogar Pivot-Charts haben einen gewissen Nutzen in Fachbüchern, aber Videos, Audios und andere Multimedia-Inhalte in die Bücher selbst zu packen erscheint mir nicht sinnvoll. Es wird auch leicht unterschätzt, wie teuer solche Produktionen sind. Jede Filmminute kostet mehrere hundert Euro, solche Kosten lassen sich mit eBooks nicht finanzieren. Das sind dann Multimedia-Shows oder Apps, für die man ein wenig mehr verlangen kann, aber keine Bücher.
Es geht aber noch weiter: die Verlage könnten ein Programm für Zertifikate anbieten. Ein Präsentationskurs könnte optional die Möglichkeit enthalten, für sagen wir 50 Euro eine Prüfung zu absolvieren, wofür ein Zertifikat ausgestellt wird. Natürlich hat ein solches Zertifikat nur einen begrenzten Wert, aber zumindest kann der Betreffende damit belegen, dass er sich mit der Materie beschäftigt hat. Viel mehr bringen die Urkunden zugelassener Fernschulen auch nicht. Und die Verlage könnten die Preise der Fernschulen unterbieten.
Die Fernschulen haben gleich mehrere Probleme: Ihre Strukturen sind nicht auf Selbständige ausgelegt, was man daran sieht, dass die meisten Schulen keine Rechnungen mit ausgewiesener Mehrwertsteuer ausstellen. Damit zusammen hängt ihre Preisstruktur, die sich eher an dem Festangestellten mit ordentlichem Einkommen orientiert. Das große Problem ist aber die mangelnde Modularisierung: ein Kurs kann über ein bis zwei Jahre gehen und entsprechend zwischen 1000 und 3000 Euro kosten. Und das, obwohl sich die Kurse leicht in Module zerlegen ließen, die aufgeteilt sogar ein wenig mehr kosten könnten als der komplette Kurs – aber im Endeffekt für Selbständige attraktiver werden. Denn sie wissen durchaus nicht, was in einem halben Jahr sein wird. Für sie können deshalb einzelne Module eines Kurses interessanter sein als das Gesamtpaket.
Auch mit der Barrierefreiheit der Kurse ist es nicht weit her. Gedrucktes Material ist für Blinde ohnehin ungeeignet, aber auch Großdruck für Sehbehinderte wird normalerweise nicht angeboten. Auch bei eLearning-Kursen ist natürlich nicht garantiert, dass sie barrierefrei sind: es gibt Kurse auf CD, die für Tastaturnutzer einfach nicht nutzbar sind. Aber Barrierefreiheit ist im digitalen Bereich eher umsetzbar als im Printbereich.

Fazit

Ein Autor ist allerdings kein eLearning-Autor. Die oben beschriebenen Werke verlangen neben den Fachexperten auch eLearning-Autoren, die sich mit der Didaktik auskennen und eventuell auch Infografiker oder Multimedia-Designer. Solche Bücher werden zunehmend nicht mehr von Einzelautoren, sondern von Gruppen abgefasst werden.
Das Buch der Zukunft wird außerdem nicht mehr statisch sein. Um Bücher herum werden kleine Communities entstehen, sich über einzelne Stellen austauschen und die Autoren direkt auf schlechte Formulierungen oder Fehler hinweisen können. Man könnte das als Crowd-Lektorat bezeichnen, auch wenn das Wort nicht gerade hübsch ist. Es wird dann ähnlich wie bei Software verschiedene Versionen von Büchern geben, die Bücher werden stetig aktualisiert. Vielleicht werden wir Bücher nicht mehr kaufen, sondern abonnieren.
Entscheidend ist das vernetzte Lernen. Der Kobo-Reader hat das soziale Lesen in seine Software integriert, so dass Leser sich über einzelne Stellen im Buch austauschen können.
Damit eng zusammen hängt das mobile Lernen. Dabei werden mobile Endgeräte zum Lernen eingesetzt. Das ist sicher nicht für jeden Bereich geeignet, aber dort, wo Informationen häppchenweise aufgenommen werden wie beim Vokabeln lernen erscheint es sinnvoll.

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Informationsgrafiken in der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs

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Der Datenjournalismus hat einen kleinen Hype ausgelöst- jeder redet darüber, nur wenige setzen ihn um. Ich möchte im folgenden einige Gründe diskutieren, warum Infografiken auch in der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs eine größere Rolle spielen sollten

Spieltrieb befriedigen

Irgendwie fällt es einem schwer, auch bei dem hundersten Betroffenenbericht noch Mitleid zu empfinden. Um Menschen für Themen zu interessieren, funktioniert die Mitleidsschiene immer weniger. Für manche NGOs und Fundraiser ist das ganze Jahr Weihnachten, zumindest überschütten sie uns das ganze Jahr mit Mitleidsfotos, Linda Polman spricht sogar von der Mitleidsindustrie.
Wer die Menschen neugierig machen und Bewusstsein erzeugen möchte, präsentiert keine reinen Meinungsbeiträge mehr, er gibt ihnen die Möglichkeit, selbst Dinge auszuprobieren, Dinge anzufassen – virtuell – und Dinge selbst herauszufinden. Das klappt nicht mit Texten und auch nicht mit Videos, sondern eher mit Spielen und interaktiven Infografiken. Für Spiele ist Gamification das neue Schlagwort.

Zusammenhänge

Das Gleiche gilt für komplexe Zusammenhänge. Sie lassen sich nicht ohne weiteres in Bildern, Videos oder Pressemitteilungen transportieren.
Stefan Münz gab seinem selfHTML das Motto “Die Magie des Verstehens”. Ich glaube, dieser Aha-Effekt – der Moment des Verstehens – und dessen nachhaltige Wirkung wird von vielen PR-Menschen unterschätzt. Wer eine neue Erkenntnis erlangt hat, hat das Bedürfnis, das allen mitzuteilen und über das Weeb 2.0 hat er die Möglichkeit dazu.

Sharing

Gerade das Teilen über das Netz gehört zu den wichtigsten Möglichkeiten der Kommunikation. Abgesehen von albernen Videos werden nur wenige Inhalte verbreitet, die von NGOs erstellt wurden. Die klassische Pressemitteilung interessiert nicht einmal Journalisten so wirklich. Es gibt viele gut gemachte Inhalte, Bilderstrecken oder Videos, aber sie werden kaum verbreitet. Das liegt zum einen daran, dass die Botschaft immer die Gleiche ist, nur die Verpackung ist ein wenig anders. Es fehlt der Neuigkeitswert. Zum anderen sind aber die Formate selbst ausgelutscht.
Ich denke, dass Inhalte, mit denen man spielen kann deshalb eine wesentlich bessere Chance haben, geteilt zu werden. Damit werden dann auch Menschen erreicht, die man mit anderen Inhalten wahrscheinlich nicht erreichen würde.

Beispiele

Es gibt im Grunde keine Grenzen für den Einsatz von Informationsgrafiken. Zum Beispiel ließe sich der Zusammenhang von Temperaturschwankungen und deren Auswirkungen auf das Klima visualisieren. Oder die Auswirkungen von Spekulationen auf die Lebensmittelpreise.

Mehr Experimentierfreude

Insgesamt vermisse ich in der deutschen NGO-Szene die Freude am Experiment. Ich sehe recht oft, wie über den Twitterstream einfach nur die eigenen – teils total belanglosen – Inhalte rausgepustet werden. Bei einer Organisation scheint sich jemand nachmittags hinzusetzen und einfach mal die am Tage aufgelaufenen Nachrichten kurz hintereinander zu verschicken. Wie bei der klassischen PR werden Inhalte rausgepustet, an einer Interaktion mit den Followern ist man gar nicht interessiert. Die PR ist eine Blackbox.

Links

Qualitätsmanagement barrierefreier Webseiten

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Ist die Website einmal fertig gestellt, werden selten noch große Änderungen durchgeführt. Es gibt den großen Relaunch alle fünf Jahre, einige Sicherheitsupdates, hier und da wird eine neue Funktion eingefügt.

Im eCommerce läuft es genau anders herum: viele Shops arbeiten ständig an der Optimierung. Sie sprechen von Conversionsoptimierung oder Landingpageoptimierung,was einen ähnlichen Hype wie damals die Suchmaschinenoptimierung ausgelöst hat.

Damit kann man es zwar schnell übertreiben, einige Methoden sind aber sicher auch für den normalen Webmaster interessant. Ich sehe immer wieder, wie groß angelegte Relaunches angegangen werden. Die Oberfläche sieht oft schicker und moderner aus, aber weder die Benutzerfreundlichkeit noch die Barrierefreiheit werden verbessert. Alte Probleme werden gelöst, neue werden geschaffen. Kurioserweise merkt man als Webseitenbetreiber am wenigsten die Probleme mit seinem Webauftritt: zum einen hält man sich die meiste Zeit im Backend auf, zum anderen weiß man ja, wie es funktioniert, weil man es selber geplant hat.

Für mich besteht die Lösung darin, das Budget statt in einen Relaunch in eine beständige Optimierung der Webseite zu stecken. Finanziell dürfte am Ende in etwa das Gleiche rauskommen. Ein Relaunch erfordert aber, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt viel Zeit investiert, während man bei einer beständigen Optimierung sehr genau planen kann, wie viele Stunden man pro Woche oder Monat mit Optimierungsmaßnahmen verbringen möchte.

Es ist banal, aber viele Webseitenbetreiber achten bis heute nicht darauf, dass tote Links auf andere Webseiten repariert oder 404-Fehlerseiten gefixt werden. Ein großes Problem sind zum Beispiel auch veraltete Informationen. Viele Seiten sind nicht datiert, so dass der Nutzer nicht weiß, wie aktuell die Informationen sind oder wann sie das letzte mal aktualisiert wurden. Für Empfänger von Sozialleistungen kann das enorm wichtig sein. Veraltete Informationen sind falsche Informationen. Die Funktionsfähigkeit einer Webseite zu gewährleisten ist eine Maßnahme der Qualitätssicherung.

Barrierefreiheit sichern

Viele Anbieter achten beim Relaunch oder der Entwicklung ihrer Webseite darauf, dass sie barrierefrei ist, aber schlampen bei neuen Funktionen, die ja meist auch auf neuerer Technik basieren.

Dabei sollten die Menschen auch eingeladen werden, bestehende Schwierigkeiten zu melden. Der normale Webmaster hat ein ungesundes Mißtrauen gegenüber Volkes Meinung. Verbesserungsvorschläge bleiben unbeachtet, weil “unser Webauftritt perfekt ist”. So verkauft man weder Produkte noch Dienstleistungen.

Die größten Erkenntnisse werden allerdings von Experten gemacht. Man kann z.B. gezielt Menschen mit Behinderung einladen, die Seite nach und nach zu evaluieren, um sie allmählich zu verbessern. ein jährlicher Checkup kann auch neue Hilfssoftware oder Endgeräte berücksichtigen.

Web Analytics

Web Analytics lässt sich nur eingeschränkt zur Messung der Barrierefreiheit einsetzen. Eine Möglichkeit ist der Einsatz von Heatmaps, welche die Mausbewegungen und das Klickverhalten abbilden. Damit lässt sich vermutlich auch die Dropout-Rate bei Ausklappmenüs messen.

Mit Heatmaps oder genauer Clickmaps lässt sich beobachten, wo die Benutzer hingeklickt haben. Wenn es da nichts zu klicken gab, sollte die Seite darauf hin überprüft werden, ob die Gestaltung hier problematisch ist.

Über das Tracking von Formularen kannst du beobachten, wo die häufigsten Fehler gemacht wurden. Neben einem schlecht strukturierten formular dürfte ein schlechtes Fehlermanagement der häufigste Grund sein, warum der Ausfüllvorgang abgebrochen wurde, mehr dazu in der Formularserie von Einfach für Alle. Das Schöne ist, dass man bei Anpassungen anschließend sehr genau beobachten kann, wie sich die Fehlerrate entwickelt.

Tatsächlich lassen sich mit aktuellen kommerziellen Lösungen spezielle Verhaltensweisen beobachten. Bei eTracker heißt das Event-Tracking. Man kann so etwa spezifisch beobachten, wie oft ein Dropdown-Menü aufgerufen wurde, für Formulare sollte es ebenfalls geeignet sein. So kann man auch harte valide Zahlen darüber sammeln, wie viele Besucher vor dem CAPTCHA kapitulieren.

Nutzertests am lebenden Objekt

Im Grunde sind Nutzertests mit Menschen mit Behinderung nicht so schwierig umzusetzen. Denkbar ist etwa ein geschlossener Beta-Bereich, in dem die Menschen bestimmte Aufgaben erledigen sollen. Der Vorteil solcher Tests besteht darin, dass Behinderte von zuhause aus arbeiten können und damit in vertrauter Umgebung ihre eigene Technik einsetzen können. In Kombination mit A/b-Tests oder multivariaten Tests kann erprobt werden, welche Version am besten funktioniert. Telefonisch oder per Skype kann auch die Methode des lauten Denkens eingesetzt werden.

Redakteure schulen

Redakteure sollten beständig geschult werden, damit sie ein Grundverständnis für Barrierefreiheit entwickeln können und vor allem wissen, worauf es eigentlich ankommt.

Schulung klingt irgendwie langweilig und reißt sicher keinen vom Hocker. Statt einer langatmigen Lerneinheit kann zum Beispiel ein Blinder eingeladen werden, der den Redakteuren zeigt, wie sie blind surfen können.

Redaktionshanduch

Jede Redaktion hat ein Redaktionshandbuch. Sollte deine Redaktion noch keines haben, dann wird es mal Zeit. Im Handbuch werden Grundsätze wie die Textformatierung festgehalten. Es wird aber auch festgehalten, welche Formulierungen nicht verwendet werden sollten – sozusagen ein Giftschrank für Fachjargon und hohle Phrasen. Hier ist der ideale Platz für Informationen, wie Texte und Bilder barrierefrei angeboten werden. Die Redakteure sollten angehalten werden, ihre Texte auch regelmäßig zu prüfen.

Dokumentieren statt verstecken

Wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, eine Webseite barrierefrei zu machen, sollte er das auch dokumentieren, statt verschämt darauf zu hoffen, dass es niemandem auffällt.

Weiterlesen

Ranking bei Amazon – welches Produkt wird verkauft?

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Es gibt jede Menge Statistiken darüber, welche Suchmaschinen am stärksten eingesetzt werden. Ob Google, Bing oder Yahoo, wir kennen die Marktanteile dieser Suchmaschinenanbieter. Hinzu kommen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, die seltsamerweise nicht in diesen Rankings berücksichtigt werden, obwohl – wenn man sie als Suchmaschinen betrachtet – sie wahrscheinlich eine größere Rolle spielen als Bing oder Yahoo.
Seltsamerweise unbeachtet bleibt eine zweite Form nicht klassischer Suchmaschinen: die eCommerce-Riesen Amazon und eBay. Wenn man sich eine Vorstellung davon machen möchte, wie der aktuelle Durchschnittspreis eines Produktes ist, schaut man dort nach. Wenn man eine Bewertung von Büchern oder Musik haben möchte, wird man bei Amazon schneller fündig als bei Google. Leider verraten die beiden Shopping-Seiten nicht, wie viele Suchen über ihre Seiten abgewickelt werden, aber wenn man sie zu den Suchmaschinen rechnen würde, hätten sie einen guten Marktanteil. Ein wenig beachteter Aspekt ist das Ranking von Produkten bei Amazon. Nehmen wir an, ich suche nicht ein bestimmtes Buch, sondern gebe nur ein Stichwort wie “Web 2.0″ ein. Dann wirft Amazon eine ganze Reihe von Büchern aus. Gehen wir weiterhin davon aus, dass es bei Amazon ähnlich ist wie bei Google, die erste Suchergebnisseite erhält die gesamte Aufmerksamkeit, kaum jemand blättert auf Seite 2. Und je höher das Produkt steht, desto eher wird es gekauft oder zumindest zur Kenntnis genommen.
Es stellt sich also die Frage, wie Amazon seine Produkte rankt. Zunächst dürfte der wichtigste Faktor das Vorkommen des Suchbegriffs im Buchtitel sein. Das klingt zwar logisch, aber Amazon zeigt häufig genug auch Bücher an, in deren Titel das Suchwort nicht vorkommt.
Weitere Faktoren könnten sein:

  • das Erscheinungsdatum
  • der Preis
  • die Lieferbarkeit
  • die Höhe der Bewertung
  • die Zahl der Bewertungen
  • die Verkaufszahlen
  • die Durchklickrate

Die wenigsten Leute machen sich bewusst, dass Amazon sehr genau beobachten kann, was sie auf der Webseite treiben, welche Produkte wie lange angeguckt werden und so weiter. Es gibt keinen Beleg dafür, dass diese Faktoren in das Ranking einfliessen, aber möglich ist es.
Da Amazon maßgeblich für den Absatz der Produkte sorgen kann, wäre eine Optimierung des Produktnamens auf seine Suche nicht abwägig. Insbesondere bei Büchern, wo sich der Großteil der Preise zwischen 20 – 40 Euro bewegt, der Preis also nicht ausschlaggeben für den Kauf ist, ist es nicht nur wichtig, auf Seite 1 der Suche zu stehen, sondern möglichst weit oben.
Der Trend geht ja hin zu immer schreienderen Buchtiteln und Covern. Dass die Bücher häufig nicht halten können, was ihre Titel versprechen, ist leider jedem Käufer allzu bekannt. Ich neige heute eher dazu, mir eine Buchanschaffung sehr genau zu überlegen, weil ich bei einigen intuitiv gekauften Büchern doch sehr unzufrieden war.
Ich möchte hier keine Bewertung für das eCommerce-Optimieren abgeben, im Gegenteil, ich sehe das ziemlich kritisch. Wenn ich etwas suche, möchte ich das passende finden und nicht irgendwelchen SEO-optimierten Quatsch. Das Problem ist, dass möglicherweise interessantere und bessere Produkte hinten runterfallen, weil sie ein paar Euro teurer sind, die knalligen Keywords nicht im Titel vorkommen oder sie nicht oft genug rezensiert wurden. Wir haben zudem das Problem der selbsterfüllenden Prophezeiung, wenn wenig gekaufte Produkte nach hinten fallen. Ein Produkt, das häufiger gekauft wird, rutscht nach vorn und wird deshalb häufiger gekauft. Ein Produkt, das seltener gekauft wird, rutscht nach hinten und wird deshalb seltener gekauft. Dabei ist die Zahl der Verkäufe kein brauchbares Qualitätskriteerium. Amazon hilft mir dabei, Produkte zu kaufen, indem es mir Produkte empfiehlt, die andere Leute gekauft haben, die diesen Artikel gekauft haben, den ich mir gerade angucke. Amazon hilft mir nicht dabei, das Produkt zu finden, welches ich benötige, darum muss ich mich selber kümmern.
Ich will daher jedem Käufer raten, sich auch mal die hinteren Suchseiten anzugucken und vor allem kritisch auf die Produkte der Seite 1 zu gucken. Es schadet auch nicht, die Suchbegriffe zu variieren.