Archiv der Kategorie: Social Web

Social-Media-Kurse – zu viel von zu wenig

Es gibt ein neues Ding im Internet – Social Media. Okay, das war nicht witzig. Zwangsläufig mit einigen Jahren Verspätung kommen die großen Kurse zum Social-Media-Einsatz im Unternehmen.
Viele dieser Kurse mögen für die blutigen Anfänger spannend sein, doch ein allgemeiner Fehler ist bei allen Kursen zu beobachten: sie beschäftigen sich zu sehr mit den einzelnen Plattformen und zu wenig mit Strategie. Warum ist das wichtig?
Zum einen, weil die Plattformen wechseln wie die Jahreszeiten. Niemand spricht heute noch von MySpace, VZ oder Second Life – das waren die Stars 2008. Eben so schnell kann es mit Facebook vorbei sein. Abgesehen davon hat man mehr davon, diese Plattformen spielend kennenzulernen.
Strategien hingegen kann man nicht nebenbei lernen. Man muss es irgendwie hinbekommen, konsistente Botschaften über längere Zeiträume hinweg zu vermitteln.
Natürlich benötigt man dafür konkrete Beispiele. Aber: die Plattform lernt man einmal kennen und das wars. Die Strategie lernt man einmal kennen und kann sie dann auf allen Plattformen ausrollen.
Mir scheint, dass die meisten Leute, die an solchen Kursen teilnehmen keinen Spieltrieb haben. Wenn man aber mit der gleichen Verbissenheit Online-PR betreibt wie die klassische PR betrieben wird, wird man nie entspannt mit den Medien arbeiten können. Am Ende feuern alle Organisationen den gleichen Senf aus ihren Tuben ab. Die Social-Media-Profile werden austauschbar wie Fruchtsäfte, die anders aussehen und doch alle gleich schmecken. Niemand hat den Mut, etwas Neues auszuprobieren, weil er nur das tut, was er im Kurs gelernt hat.

Online-Volunteering – Engagement über das Netz

Online-Volunteering ist ein nicht ganz neues , aber in Deutschland eher unbekanntes Engagement-Gebiet. Mit dem Leitfaden „Management von Online-Volunteers – ein Handbuch“ von Hannes Jähnert und Lisa Dittrich gibt es nun eine praxisorientierte Einführung in das Thema.Online-Volunteering könnte man auch als digitales Engagement bezeichnen, es geht darum, dass sich Freiwillige quasi von zuhause aus für eine gute Sache einsetzen, anstatt vor Ort zu erscheinen.
Handbuch Online-Volunteering
Der erste Teil des Leitfadens dreht sich vor allem um die Frage, was Online-Volunteering ist, welche Beispiele es gibt und warum es überhaupt sinnvoll ist, Freiwillige online zu gewinnen. Das bekannteste Beispiel für Online-Volunteering ist übrigens die Wikipedia, wo zumindest die Arbeit an den Artikeln komplett übers Netz läuft. Ein vielleicht noch interessanteres Beispiel ist OpenStreetMap, wo tausende Menschen mit GPS-Trackern durch die Gegend laufen und damit freie Karten erstellt haben. Ein sehr interessantes Projekt ist das World Community Grid von IBM, wo man Rechenleistung spenden kann, um zum Beispiel Krankheiten zu bekämpfen.
Im zweiten Teil geht es darum, wie man Freiwillige gewinnen kann. Das geht auch über das Internet. Die Kernfrage ist, wie man sie gewinnt und wie man das Engagement managt. Typischerweise gibtt ews zwei Engagement-Arten: es gibt Menschen, die sich projektweise engagieren und Menschen, die längerfristig für eine Organisation arbeiten. Für beide Gruppen müssen passende Aufgaben definiert werden.
Das klassische Recruiment von Engagierten läuft bei kleinen Organisationen immer noch über persönliche Netzwerke. Man hat also zuerst den Menschen und findet dann für ihn eine Aufgabe. Im OV muss man tatsächlich im Vorfeld überlegen, welche Aufgaben von daheim aus erledigt werden können und muss sich dann um Freiwillige kümmern. Neben den kurzfristigen Aufgaben wie dem Übersetzen eines Textes gibt es auch langfristige Aufgaben wie das Pflegen der Website, eines Forums oder Blogs.
Zudem muss eine Strategie entwickelt werden, wie Mitarbeiter motiviert werden, wenn die soziale Einbindung nur auf digitalem Wege geschieht.
Bei dem IBM-Projekt arbeitet man sehr geschickt mit unterschiedlichen Formen der Motivation: Es wird bei den verschiedenen Projekten ein der Fortschritt und der eigene Anteil daran angezeigt, es gibt Bestenlisten und man kann sich auch Gruppen anschließen, um gemeinsam mehr zu leisten. Das ist das einzige, was mir in der Broschüre fehlt: die Frage, wie man Online-Volunteers motiviert und bei der Stange hält. Beim konventionellen Engagement funktioniert das über gruppendynamische Prozesse, um es mal blumig auszudrücken.
Besonders freut mich, dass sich die beiden Autoren auch dem Thema Barrierefreiheit gewidmet haben. Viele Behinderte sind in ihrer Mobilität eingeschränkt, aber gerne bereit, sich zu engagieren. Mit dem OV weicht man gewissen Kommunikationsproblemen aus: so fällt es gehörlosen und schwerhörigen Menschen häufig schwer, mit Normal Hörenden zu kommunizieren. Last not least gehört zur Inklusion, dass Behinderte sich auch außerhalb des Bereichs der Behindertenselbsthilfe einbringen. Bis heute werden sie primär als Objekt der Fürsorge und weniger als handelnde Subjekte wahrgenommen.

Wer mit dem Recruitment von Online-Volunteers loslegen möchte, für den ist das Handbuch von Hannes und Lisa ein sehr gut gemachter, praxisorientierter Einstieg. Erhältlich ist das Handbuch meines Wissens nach bei der Akademie für Ehrenamtlichkeit.

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Werkstattbericht: Besucherstatistik aufbereiten

So ein Tracking-System wirft schon nach kurzer Zeit unglaubliche Mengen an Daten aus – von denen viele uninteressant sind. Ich habe jetzt mal für einen Auftraggeber diese Daten in einer Präsentation aufbereiten dürfen und erzähle hier ein wenig über die Schwierigkeiten, die damit verbunden waren.

Aufbereitung für das Publikum

Am Anfang steht zunächst einmal die Entscheidung, für wen die Präsentation gedacht ist. Der Abteilungsleiter soll andere Indikatoren gezeigt bekommen als das Team, der Vorstand bekommt eine andere Präsentation als die Agentur.
Unter diesem Gesichtspunkt werden die zu präsentierenden Daten ausgewählt. Praktisch immer dabei sind folgende Indikatoren

  • Zahl der Besucher und Zahl der wiederkehrenden Besucher
  • Entwicklung in einem bestimmten Zeitraum
  • Besuchsdauer pro Besuch und ansichtszeit pro Seite
  • Besuchstiefe bzw. Zahl der aufgerufenen Seiten pro Besucher
  • die am meisten besuchten Seiten
  • Herkunft der Besucher im Verhältnis, also Suchmaschinen, Referrer und direkte Zugriffe
  • Suchbegriffe, mit denen die Menschen auf die Site gekommen sind
  • Links, mit denen die Menschen auf die Site gekommen sind

Web-Analytics-Spezialisten würden an dieser Stelle mit Segmentierung und Key Performance Indicators loslegen, die lasse ich mal weg,
Nach dem Motto one fits all stellt man fürs erste alle nötigen Daten zusammen und passt die fertige Universal-Präsentation den Bedürfnissen des jeweiligen Publikums an.
Wichtig ist auch, dass die Präsentation sozusagen als Stand-Alone auch ohne verbundenen Vortrag verständlich ist. Das gilt zumindest für jene Leute, die mit den Grundbegriffen der Webstatistik nicht vertraut sind.

Summary by Month
Month Daily Avg Monthly Totals
Hits Files Pages Visits Sites kB F kB In kB Out Visits Pages Files Hits
Jan 2011 3001 2521 1852 501 4403 1101607 16 264 15058 55572 75645 90038
Dec 2010 3033 2542 2006 453 4222 1097806 10 194 14060 62202 78809 94030
Nov 2010 3504 2951 2208 505 4894 1477157 8 110 15162 66269 88532 105126
Oct 2010 2771 2305 1894 411 3550 1129190 5 73 12758 58719 71483 85927
Sep 2010 3108 2638 1932 357 3822 1661796 2 31 10732 57965 79140 93241
Aug 2010 2569 2114 1488 306 3195 1609455 9 157 9489 46144 65546 79641
Jul 2010 2729 2215 1639 356 3032 1647896 2 39 11039 50823 68687 84622
Jun 2010 3239 2592 1809 387 3591 1577980 4 47 11629 54284 77774 97175
May 2010 2856 2286 1570 464 3709 1253466 0 0 14412 48677 70874 88566
Apr 2010 3083 2408 1790 490 3400 1255565 3 40 14707 53716 72262 92519
Mar 2010 4010 3317 2093 479 4560 1700109 3 13 14866 64886 102833 124320
Feb 2010 3584 3065 2046 407 3472 1352102 5 20 11396 57290 85824 100379
Totals 16864128 66 987 155308 676547 937409 1135584

Die Tabellenkalkulation ist der Königsweg

Anfänger werden eventuell versucht sein, eine Tabelle aus dem Browser direkt in das Präsentationstool zu kopieren, das dürfte in der Regel schief gehen. Wer schon mal versucht hat, eine Tabelle aus einem PDF zu kopieren, kennt das Ärgernis, es klappt ums Verrecken nicht. doch selbst eine HTML-Tabelle kann man nicht ohne Weiteres in Excel 2000 importieren, zumindest hat es bei mir nie unfallfrei funktioniert.
Man exportiert also den ganzen Wust an Daten aus der Webanwendung – in meinem Fall eTracker – heraus und verwendet dafür unbedingt das Format Excel! Alles andere bringt später Probleme.

Die grapphische Aufbereitung

eTracker bietet eine gewisse Zahl an Visualisierungen in Form von Kreis-, Balken- oder Kurvendiagrammen. Man kann sich ein passendes Diagramm auswählen und als Pixelgraphik speichern. Mein Tip: Laßt es bleiben, macht die Diagramme in Excel. Die Diagramme aus eTracker sind zur Nachbearbeitung ungeeignet, Excel bietet dafür bessere Möglichkeiten. Excel ist vom Handling her außerdem wesentlich bequemer als sämtliche webbasierten Interfaces.

Bereinigung der Tabellen

Wenn man die Daten für ein Jahr exportiert, entsteht eine recht große Datei. Bei sehr großen Websites könnten zumindest ältere Excelversionen ins Stolpern kommen, weil sie nicht mehr als 66.000 Zeilen pro Tabellenblatt vorsehen. Wie dem auch sei, der erste Schritt besteht darin, die Arbeitsmappe von überflüssigem Quatsch zu reinigen, zum Beispiel „Datum des letzten Zugriffs“. Möchte man die Originalmappe behalten – dagegen spricht ja nichts – legt man sich für die Arbeit eine Kopie an und löscht zunächst alle Tabellenblätter, die man nicht benötigt. Als nächstes löscht man alle Spalten, die man nicht braucht oder blendet sie aus.
Auch die Zelleninhalte müssen eventuell angepasst werden. Der Titel einer Spalte oder Zeile muss so benannt werden, dass er auch von Leuten verstanden wird, die nichts mit Webanalyse zu tun haben. Die Feinformatierung der Tabellen kommt hingegen später dran.

Von der Tabelle zur Graphik

Diagramme lockern die Präsentation auf, sie machen trockene Daten anschaulich und bringen nicht zuletzt Farbe und Dynamik in den Vortrag. Am einfachsten ist die Diagramm-Erstellung mit dem Diagramm-Assistenten von Excel.
Zunächst wählt man die zu zeigenden Daten aus. Nehmen wir an, es seien jeweils die Top-Ten. Mehr als 11 Spalten lassen sich auf einem Chart auch kaum noch lesbar unterbringen. Elf Spalten weil Top-Ten plus Überschrift. Auch die Spaltenzahl sollte begrenzt bleiben, fünf spalten sollten noch überschaubar sein.
Wir sortieren also die Werte in der Tabelle absteigend und löschen alle Zeilen, die wir nicht benötigen oder blenden sie aus. Es bleiben die Top-Ten übrig, die unnötigen Spalten sollten wir bereits gelöscht oder ausgeblendet haben.
Wenn man nicht gerade Conversions macht, reichen im Idealfall drei Diagrammtypen: das Säulendiagramm für sehr viele Werte, das Balkendiagramm für bis zu zehn Werte und das Kreisdiagramm, um das Verhältnis einzelner Indikatoren in großen Ganzen anzuzeigen. Im Wesentlichen können wir hier die Diagrammtypen übernehmen, wie sie von unserer Web-Ana-Software vorgeschlagen werden, basteln sie aber trotzdem selber in Excel.
Zunächst einmal markieren wir die zu verwenden Werte für das Diagramm, zum Beispiel die Spalten Besucher und Monat. Der Monat wird im Säulendiagramm auf der X-Achse angezeigt, während die Zahl der Besucher von der Y-Achse abgebildet wird. An dieser Stelle freuen wir uns darüber, dass wir die Daten als Excel und nicht als CSV exportiert haben, hier lauert eine böse Falle. Excel erkennt die Werte im CSV-Format nicht richtig, weil die Spalten nicht korrekt formatiert werden . Mit reinen Zahlen hat Excel kein Problem, weiß aber nicht, dass der 1. April ein Datum ist, wenn die Zellen nicht als Datum formatiert wurden und das kann CSV nicht.
Die zweite Falle lauert im Balkendiagramm. Wenn man hier die Werte absteigend sortiert hat, werden sie im Balkendiagramm aufsteigend angezeigt: der längste Balken befindet sich unten, da gehört er aber nicht hin. Die Werte müssen in der Tabelle aufsteigend sortiert werden, damit sie im Diagramm absteigend angezeigt werden. Alles logisch, oder?
Ich empfehle hier auf unnötigen Protz zu verzichten. Der Mehrwert von Balken- und Säulen-Diagrammen in 3D leuchtet mir nicht ein, auch wenn Avattar ein Riesenerfolg ist. Ihr müsst daran denken, dass die Charts eventuell auch ausgedruckt noch verständlich sein müssen und da die 3D-Effekte durch Farbvariationen erzeugt werden, ist das bei einem Schwarz-Weiß-Drucker nicht unbedingt gegeben. Entsprechendes gilt für den Einsatz von Farben zur Informationsvermittlung. Abgesehen von der großen Verbreitung der Rot-Gründ-Schwäche oder anderer Farbfehlsichtigkeiten muss man überlegen, ob die verwendeten Farben im Graustufen-Druck eine Unterscheidung der Indikatoren noch erlauben.
Aus einem unbekannten Grund verwendet Excel für die Beschriftung der Achsen und Legenden eine viel zu kleine Schrift. Das ändert man mit einem Rechtsklick auf das Element und passt die Schriftgröße und alles Weitere an.

Aussagen und Interpretationen

Um eine ordentliche Präsentation zustande zu bekommen, brauchen wir Tabellen, Visualisierungen und Aussagen. Das heißt, die wichtigsten Aussagen, die wir in unseren Daten gefunden haben, werden zusammengefasst und mit Zahlen unterfüttert. Wir merken uns hier: wir machen keine Aussagen, die nicht mit den Daten belegt werden können, die IN DEM CHART VORKOMMEN. Auf Nachfrage müssen wir in der Lage sein, sämtliche gemachte Aussagen und Interpretationen mit den Zahlen aus den Charts belegen zu können.
Zu jeder Tabellen-Diagramm-Kombination gehören Anmerkungen. Diese Anmerkungen fassen entweder das Gezeigte zusammen, weisen auf Besonderheiten hin oder zeigen ablesbare Trends auf.
Dafür gibt es bekannte Standards bei Präsentationen: knapp, prägnant, keine ganzen Sätze, kein Fachjargon – es sei denn, das Publikum versteht ihn.

Schönheitskur

Der lästigste Job ist die Aufhübschung der Präsentation. Das Kernproblem ist hier die Arbeit mit zwei verschiedenen Programmen. Excel und PowerPoint arbeiten nicht so reibungslos zusammen, wie man das gerne hätte. Deswegen werden Schönheitsreparaturen erst an der fertigen Präsentation vorgenommen.
Auch eine Tabelle kann schön sein. Nun ja, zumindest kann man sie lesbarer machen. Hear, what I did: Die Spaltenköpfe werden gefettet und zentriert, um sie von den Daten darunter hervorzuheben. Alle werte in den Tabellen werden vertikal zentriert. Achtet hierbei auf die Konsistenz, wenn ihr das bei einer Tabelle macht, dann macht es bei allen anderen Spalten auch. Man verwendet den höchstmöglichen Schriftgrad. Außerdem sollen die Spalten nicht all zu viel Luft zwischen den Inhalten lassen. Eine zweispaltige Tabelle muss nicht den gesammten Folienraum einnehmen.
Zahlenwerte werden immer so gruppiert, dass Komma bzw. Dezimalpunkt untereinander sind, das heißt, die Zahlen werden zumeist rechtsbündig ausgerichtet, wenn die enthalteten Werte sehr unterschiedlich sind.
Der Dezimalpunkt wird eingesetzt, um die Lesbarkeit langer Zahlen zu erhöhen. Das heißt also: 100, 1.000, 1.000.000 und so weiter.
Es kann auch sinnvoll sein, Farbschemata für die Diagramme einzusetzen. Ich meine damit, dass auch die Diagramme einer einheitlichen Gestaltung folgen sollten. Allerdings sind meine Überlegungen hierzu nicht so weit gediehen. Man kann aber zum Beispiel das Corporate Design der Firma für die Diagramme einsetzen. Hier gilt, was ich weiter oben zum Druck und zur Farbenblindheit gesagt habe, also Farben sparsam einsetzen, vor allem, wenn man sich der Wirkungen von Farben nicht so bewusst ist.

Die eigenen Fehler sieht man nicht

Bevor ihr das Ding einem Vorgesetzten gebt oder es gar präsentiert, lasst jemanden drüberschauen. Die Fehler der Anderen sieht man am leichtesten, aber immerhin erspart man sich damit eine Blamage. Es sind schon die seltsamsten Fehler aufgetreten, die von einem selbst unentdeckt bleiben. An einer Stelle schreibt man den Firmennamen falsch, an einer anderen vergißt man die Überschrift einer Folie. Das muss nicht sein.
Ich habe unzählige Stunden dabei verbracht, die Fehler, die ich hier beschrieben habe zu machen und daraus zu lernen. Die „lesson learned“ dabei ist, dass man es nur so wirklich lernen kann. Dennoch hoffe ich, dass ich dem einen oder anderen mit diesem Werkstattbericht eine Hilfe geben konnte. Fehler machen ist okay. Alle Fehler immer wieder machen ist hingegen dumm.

Informationskompetenz für Alle – das Ende der Gatekeeper

edit vom 8. Februar: Eine Anregung von Querdenkender aufgreifend habe ich den Begriff Medienkompetenz durch Informationskompetenz ersetzt.

Ursprünglich wollte ich Bloggergate als Aufhänger dieses Beitrags nehmen. Ich verzichte darauf, weil das Ganze zum einen die Aufregung nicht wert ist und zum anderen ins Persönliche abgedriftet ist. Zu Bloggergate ist schon alles gesagt worden, aber noch nicht von allen.
Ich möchte stattdessen einen Blick darauf werfen, wie die Öffentlichkeit beeinflußt wird und warum wir alle Informationskompetenz brauchen.

Die Anfälligkeit für Manipulationen

Das Web ist entgegen anderer Gerüchte anfällig für Manipulationen. Schon mittelständische Unternehmen haben große PR-Budgets. Von diesem Geld lassen sich problemlos ein bis zwei Webworker bezahlen, die 40 Stunden die Woche das Netz durchforsten, um negative Kommmentare mit wohlwollenden oder positiven Kommentaren zu neutralisieren, in kritischen Blogbeiträgen dem Autor Voreingenommenheit vorzuwerfen oder so lange herumtrollen, bis auch der geduldigste Diskutant kapituliert.
Man muss dabei nicht so ungeschickt sein wie ein gewisser Tablet-PC
-Vertreiber.
Suchmaschinenoptimierung ist ebenfalls der Versuch, die Suchergebnisse zu manipulieren. Die SEOs mögen einwenden, Google sei selbst nicht neutral, das hat nun auch keiner behauptet. Eine Manipulation dadurch zu rechtfertigen, dass eine Maschine sowieso schon falsch tickt, hat doch einen faden Beigeschmack. Wenn Webmaster endlich anfangen, Title, Alternativ-Text und Zwischenüberschriften vernünftig einzusetzen, ist das kein SEO, sondern Redaktionshandwerk. Wenn ich aber anfange, Link-Netzwerke, Linktausch und Linkkauf zu machen, ist das eine gezielte Manipulation von Google. Der Inhalt einer Seite wird dadurch nicht um ein Stück besser, der Otto-Normal-Googler hat aber keine Ahnung davon und hält die ersten Suchergebnisse für die wichtigsten oder besten.
Liebe SEOs, ich hätte gerne gute Ergebnisse auf den ersten Plätzen und nicht seo-gestählten Nonsens. Warum legt ihr den Schwerpunkt nicht darauf, die Inhalte der Websites zu verbessern, anstatt auf PageRank und SERPs zu schauen?

Kampagnen

Wir werden tagtäglich schlecht informiert. Meine Leseempfehlung dazu ist schon betagt und stammt von Wolf Schneider „Unsere tägliche Desinformation“. Dazu muss man wissen, dass Schneider ein Konservativer alter Schule ist und sein Buch nicht die übliche Mischung aus lauwarmer Kulturkritik und abgestandener Niedergangsrhetorik ist. Es geht darum, wie Medien teils absichtlich falsch, parteiisch oder ungenau berichten und damit die Öffentlichkeit manipulieren. Das Buch wurde in den 80ern geschrieben und man kann sich gut vorstellen, dass die damals vorherrschenden Zwänge heute eher zu- als abgenommen haben und auch für Online-Medien und Blogs gelten.
Techblogs zum Beispiel werben naturgemäß für technische Gadgets. Auch wenn das Ganze über Vermittlernetzwerke zustande kommt und man keinen direkten Kontakt zur Herstellerfirma hat: die Firma freut sich bestimmt nicht darüber, wenn ihr Produkt in einem Artikel zerpflückt wird, während links daneben die Werbung für das gleiche Produkt steht.
Ein weiteres lesenswertes Buch ist Media Control von Noam Chomsky. Chomsky erklärt die Mechanismen, die dazu führen, dass Medien sich freiwillig einem bestimmten Konsens unterordnen. Es geht dabei um informelle Zwänge und den Aufstieg in der Hierarchie, den nur die Konformisten schaffen.

Kampagnen-Journalismus

Große Medienhäuser fahren regelmäßig Kampagnen, wo sich sich auf das eine oder andere Thema einschießen, ohne das der Grund von außen ersichtlich ist. Es reicht schon, wenn der Chefredakteur etwas gegen Windräder hat und schon erscheinen Artikel, die die Windenergie schlecht machen. Der Guttenberg-Hype war auch eine Kampagne, vielleicht, um ein Sommer- oder Winterloch zu stopfen. Vielleicht glauben die Journalisten aber tatsächlich, normale Menschen würden gerne Storys über Guttenberg oder das Dschungelcamp in ihrer Zeitung lesen.

Presse und PR

Einer sinkenden Zahl von Journalisten stehen immer mehr Menschen aus Marketing, Werbung und PR gegenüber, ich mache übrigens auch PR, um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ich habe mich für meinen Blog dem Pressekodex verpflichtet, eine symbolische, aber dennoch wichtige Sache.
Während ein Journalist zumindest nominell der Wahrheit und Fakten verpflichtet ist, wird das Marketing und die PR dafür bezahlt, etwas in möglichst gutem Licht dastehen zu lassen. Ein Journalist soll sich nie mit einer Sache gemein machen, ob sie nun gut oder schlecht ist. Ein Mensch aus der PR hingegen muss sich mit jeder Sache gemein machen, deren Auftragnehmer er ist.
In der Blogosphäre kann damit aus einem Vorteil ein Nachteil werden. Da hier oft Leute aus der Praxis kommen, verdienen sie ihr Geld damit, jemandem eine Dienstleistung zu verkaufen. Die Attraktivität von Blogs erwächst aus ihrer Praxisnähe, aber kann jemand ernsthaft erwarten, dass hier echte Kritik an der eigenen Branche oder an fehlgeleiteten Kollegen stattfindet? Eher nicht, denn hierzulande gelten Kritiker als Nestbeschmutzer. Niemand sägt den Ast ab, auf dem er sitzt, sei es das eigene Berufsfeld oder das Kollegennetzwerk.

Informationskompetenz für Alle

Wenn der Journalismus nicht mehr für uns die Aufgabe übernehmen kann, das Wahre von dem Falschen, das Wichtige von dem Unwichtigen und das Relevante von dem Irrelevanten zu trennen, dann ist jeder Einzelne von uns gefragt, diese Aufgabe zu übernehmen. Wir können uns dafür entscheiden, unsere Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenzustellen. Dort, wo wir uns nicht auskennen, vertrauen wir auf Experten, die wir für kompetent halten.
Man muss ein Gespür dafür entwickeln, wer wann welche Interessen verfolgt und ob diese Interessen einen Einfluß auf seine Aussagen haben. Das Stichwort dazu ist kritische Quellenanalyse, eine Methode von Historikern, wir können von Quellenanalyse light sprechen, man muss es nicht übertreiben.
Warum wir alle Informationskompetenz brauchen? Weil wir alle gezwungen sind, innerhalb von Sekunden über die Relevanz von Suchergebnissen, Schlagzeilen und Informationen zu entscheiden. Deswegen umfasst Informationskompetenz heute auch mehr als die Kenntnis darüber, wie Informationen von Medien gemacht werden. Dazu gehört auch zu wissen, wie Umfragen und statistische Erhebungen zustande kommen, wie die Suchalgoritmen von Suchmaschinen arbeiten und wie Artikel in der Wikipedia zustande kommen.

Weiterführendes

Social Media Monitoring für den Hausgebrauch – Suchen automatisieren

Im ersten Teil des Artikels ging es um die Frage, wozu man Monitoring privat einsetzen kann. Ein einfaches Werkzeug dafür ist Google Alerts, mit dem man einen großen Teil des Netzes automatisch durchsuchen kann.

Social Media Monitoring

Das Social Media Monitoring läßt sich gut für Jobsuchen oder auch das Online-Reputationsmanagement einsetzen. Ein Dienst wie Social Mentions bietet eine Echtzeichtsuche für Blogs, Mikro-Blogs, Videos, Bookmarks, Bilder und mehr. Alerts funktionieren hier im Prinzip wie bei Google. Ob man hier mit Operatoren arbeiten kann, wird allerdings nicht klar. und Wikio sind weitere Dienste, die man für das Internet-Watching verwenden kann. Bei diesen Diensten kann man real simple mit RSS-Feeds arbeiten, die abonniert man einfach, nachdem man einen Suchbegriff eingegeben hat.

Feintuning und Filtern

Wer nicht filtert, geht wahrscheinlich in der Flut der Meldungen unter. Filtern sollte man vor allem bei Suchbegriffen, die entweder sehr häufig vorkommen, Synonyme haben oder in sehr vielen für den eigenen Zweck nicht relevanten Kontexten vorkommen. Wir arbeiten mit anderen Worten semantisch.
Suchen wir nach dem Raubtier Jaguar, verwenden wir Begriffe, die häufig mit dem Tier zusammen verwendet werden und schließen alles aus, was sehr wahrscheinlich nur im Kontext des Sportwagens vorkommt.
Filtern ist immer eine delikate Aufgabe. Schnell filtert man zu wenig und erhält Hunderte irrelevanter Ergebnisse, wobei wichtige Resultate untergehen. Oder man filtert zu stark und verliert wichtige Ergebnisse. Ich empfehle daher, zum Einen mit Filtern zu experimentieren, bis man zufrieden ist und zum Anderen die Filter eher zu lasch als zu stark einzustellen.
Nehmen wir Twitter, wo viele lange Begriffe abgekürzt werden (A11Y für accessibility). Andererseits gehört Twitter heute zu den wichtigsten Quellen für Empfehlungen, also auch für Jobs. Mag auch sein, dass viele Unternehmen mittlerweile neue Stellen über Twitter bekannt geben.

Was man nicht beobachten kann

Die Grenzen dieser Dienste sind allerdings nicht zu vernachlässigen. In Deutschland sind viele soziale Netzwerke Blackboxes, die sich von außen nicht durchsuchen lassen. Wenn man das für sinnvoll hält, kann man teilweise Suchagenten anlegen, etwa bei Xing. Dafür braucht man ein Konto bei Xing, das heißt, die Jungs wissen nicht nur, wer man ist, sondern auch, was man sucht. Wer das nicht will, kann auch mit einem Fake-Profil arbeiten, was aber nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen verboten ist.
Geschlossene Gesellschaften sind auch die großen Jobbörsen. Es handelt sich hierbei zumeist um geschlossene Datenbanken, die sich nur mit deren Webinferface durchsuchen lassen. Klar, die wollen ja Geld damit verdienen. Google und die anderen Dienste können hier nicht direkt zugreifen. Die Chancen sind nicht schlecht, dass hier neue Stellen via Twitter weiterempfohlen werden, immerhin lassen sich die Datensätze zumeist über Permalinks abrufen. Verlassen kann man sich darauf nicht. Das heißt, bei der Jobbörse seiner Wahl sollte man nicht auf die Suchagenten verzichten, welche die meisten Dienste anbieten. Man kann sich hier per Mail informieren lassen, wenn es neue Ergebnisse zu den eigenen Stichworten gibt. Kimeta wäre so ein Dienst, aber bei den großen Jobbörsen würde ich jeweils einen eigenen Agenten anlegen.
Für das persönliche Reputationsmanagement gibt es Dienste wie myonid, Yasni oder 123people. Diese Dienste tun allerdings nichts anderes als auf öffentlich zugängliche Quellen zuzugreifen und sie zusammenzufassen. Mit Google Alerts oder Social Mentions erreicht man meiner Beobachtung nach bessere Ergebnisse.

Alerts statt RSS?

Wer ständig auf der Jagd nach Informationen zu bestimmten Themen ist, liest normalerweise sehr viele RSS-Feeds. Auch hier können Monitorings einen besseren Überblick bieten. Wichtig ist dabei natürlich wie schon gezeigt, dass man die Stichworte passend wählt.
Nehmen wir an, wir suchen Informationen zum Thema Behinderung. Dann geben wir bei Google Alerts als Suchbegriff behindert | behinderung | handicap als Suchbegriffe ein und erhalten alle Beiträge, wo mindestens einer der Begriffe vorkommt. Dann geben wir noch -Verkehr ein, denn „Unfall behindert Verkehr auf A1“ wollen wir nicht haben.

Aktualität

Googles Indizierungsgeschwindigkeit ist sehr unterschiedlich. Dank RSS und Pings werden Weblogs normalerweise sehr schnell in die Suchergebnisse aufgenommen, bei kleinen oder mittelgroßen Organisationen kann es schon einmal eine Woche oder länger dauern, bis Aktualisierungen oder Änderungen übernommen werden. Dies sollte man im Hinterkopf behalten.
Zum ersten Teil des Artikels

Suchen automatisieren – nützliche Tools zur Jobsuche oder für das Reputationsmanagement

Zum zweiten Teil Beobachtung von Social Media
Mittlerweile gibt es relativ viele Stellenbörsen und sogar Metasuchmaschinen für Jobs. Dabei ist es recht anstrengend, die einzelnen Börsen regelmäßig zu durchforsten. Die Suchagenten, die viele Anbieter bereit stellen, sind oft nicht zufriedenstellend.
Problematisch ist auch, dass viele Unternehmen ihre Jobs nur auf die eigene Website stellen. Da kommt ja jeder Job-Suchende zwangsläufig vorbei. Bestimmt.
Eine einfache Möglichkeit, gezielt nach Jobs zu suchen besteht im Monitoring des Web. Die PR-Abteilungen machen das meistens mit professionellen Tools oder beauftragen große Agenturen, die sich auf die Beobachtung von Medien spezialisiert haben. Für unseren Zweck reichen kostenlose Tools wie Google Alerts, Social Mentions oder Twitter.

Mit solchen Tools kann man nicht nur nach Jobs, sondern nach beliebigen anderen Begriffen automatisch suchen lassen. Leute, die auf ihren Ruf im Web großen Wert legen, können schauen, ob ihr Name oder ihre Marke im Netz erwähnt werden. Man kann nach interessanten Artikeln suchen, ohne viele RSS-Feeds durchblättern zu müssen. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt.

Google Alerts

Google Alerts ist eigentlich ein auf Google News zugeschnittener Dienst. Hier kann man sich täglich per Mail informieren lassen, wenn es zu einem bestimmten Stichwort eine neue Nachricht gibt. Ziemlich unbekannt scheint aber die Möglichkeit zu sein, einen Großteil des offenen Web via Google Alerts überwachen zu lassen. Dazu ruft man zunächst Google News auf, gibt ein Stichwort ein – vielleicht Behinderte – und startet die Suche. Anschließend scrollt man auf der Ergebnisseite nach unten und klickt auf „E-Mail-Benachrichtigung für … einrichten“. Auf der nächsten Seite kann man das Stichwort noch einmal ändern oder weitere Stichworte hinzufügen. In der Auswahlliste „Typ“ wählt man je nach Geschmack aus, aus welchem Bereich man News haben möchte, wir wählen „Alles“, geben eine E-Mail-Adresse ein, bestätigen den Alert per zugesendetem Link und das wars.
Man kann mit Google auch gezielt bestimmte Seiten durchsuchen. Dazu gibt man site:www.example.com Stichwort ein. Zur Feinsuche kann man Operatoren in Google verwenden, übrigens auch bei der normalen Suche. Um eine exakte Zeichenfolge zu suchen, gibt man die – korrekt geschriebene – Zeichenfolge in Anführungsstrichen ein, zum Beispiel „Behinderte in Deutschland“. Möchte man ein Dokument haben, wo mindestens eines von zwei Worten vorkommen soll, gibt man den senkrechten Strich ein: Behinderte | Handicapped zeigt mir alle Seiten an, wo mindestens einer der beiden Begriffe Behinderte oder Handicapped vorkommt.
Wem das mit den Operatoren zu komplex ist, der kann auch die Erweiterte News-Suche verwenden, die sich rechts neben dem Suchfeld bei Google News findet. Hier hat man die gleiche Funktionalität wie bei den Operatoren per Formular bereit gestellt.

Stichwortliste anlegen

Basis allen Suchens ist die Stichwortliste. Nehmen wir den Beruf des Online-Redakteurs, der vielerorts auch Web-Redakteur, Internet-Redakteur oder Multimedia-Redakteur heißt. Er kann aber auch Online-Journalist, schlicht Redakteur, Sachbearbeiter für Internet oder was ganz anderes sein. Gibt man nur Redakteur ein, werden sehr viele auch irrelevante Ergebnisse angezeigt. Gibt man nur Online-Redakteur oder gar „ONline-Redakteur“ ein läuft man Gefahr, dass einem der Onlineredakteur oder Webredakteur verloren geht. Mit den Feinheiten des filterns und weiteren Services werde ich mich beim nächsten Mal beschäftigen.
Zum zweiten Teil Beobachtung von Social Media

Werkstattbericht – wie entsteht ein Blogbeitrag?

Da ich arbeitsmäßig recht eingespannt bin, möchte ich heute einmal beschreiben, wie ein Blogeintrag entsteht. Der Leser soll einen Eindruck davon bekommen, wie viel Zeit und Arbeit in einem 300 – 400 Worte langen Beitrag steckt, den er in vielleicht einer Minute überfliegt.

Ein Königreich für eine Idee

Am Anfang ist der Gedanke. Irgendwie habe ich keine Lust zu schreiben, was alle Anderen schon endlos durchgekaut haben. Die 33 besten Suchmaschinentricks, die fünf besten Conversions-Ratschläge oder eine Runde Selbstbeweihräucherung, das muß nicht sein.
Hat man erst einmal eine Idee, muß man überlegen, ob sich daraus genug für einen Blogbeitrag gewinnen lässt: Gibt es einen neuen Zusammenhang, einen unbeachteten Aspekt, etwas, auf das im Idealfall noch keiner gekommen ist? Und ist das dann auch spannend für eine größere Leserschaft? Und wenn ja, passt das zu meinem Blog? Und habe ich genug Ahnung von dem Thema, um darüber schreiben zu können?
Dann schreibe ich die ersten Notizen zu dem Beitrag oder schon den ersten Entwurf. Die besten Ideen kommen, wenn man gerade etwas Ganz anderes macht. Im Idealfall sollte man immer etwas zu schreiben bei sich haben, es reicht aber auch das eigene Handy. Hier kann man sich kurze Notizen machen, die man für diesen Beitrag oder auch einen ganz anderen verwenden kann.
Schließlich kommt der Zeitpunkt, an dem ein Text finalisiert wird. Ich habe meistens drei oder vier Texte gleichzeitig in der Pipeline und warte auf den entscheidenden Kick, um sie zu finalisieren. Ich schreibe so gut wie nie spontane Beiträge. Und manche Beitragsentwürfe gehen den Weg alles Irdischen und landen im Altpapier. Gibt es eigentlich eine Wiedergeburt bei Papier, Recycling und so?

Auf der Suche nach der verlorenen Formulierung

500 Wörter runterschreiben, das geht unheimlich schnell. Würde ich das Geschriebene unmittelbar veröffentlichen, dann würde keiner meiner Leser das verstehen. Zum Einen fehlt häufig die Struktur, zum Anderen haben viele Formulierungen Ecken und Kanten.
Ohne den Feinschliff, die Strukturierung und das gnadenlose Kürzen wäre der Blog-Beitrag bestenfalls ein dadaistisches Gedicht, schlimmer als eine automatische Übersetzung durch den Google-Translator.
Stimmen alle Formulierungen halbwegs, kommt die finale orthographische Korrektur. Da gehen trotzdem einige Rechtschreibfehler durch. Dennoch sollte man die schlimmsten Schnitzer rausbekommen.

Ihr Besucherlein kommet!

Von der Idee über den Beitragsentwurf zur finalen Publikation vergehen einige Stunden. An manchen Beiträgen habe ich viele Stunden gearbeitet. Wer nicht selber schreibt, ahnt kaum, wie viel Zeit auch in kurzen Beiträgen stecken kann. Wenn ich für einen Auftraggeber arbeite, kann ich am Ende des Tages eine Rechnung schreiben. Für meinen Blog bekomme ich keinen müden Euro, obwohl er mir manchmal mehr Arbeit macht als mein Job.
Deswegen ist für den Blogschreiber, der einigermaßen regelmäßig schreibt auch wichtig, Leser für sich zu gewinnen. Ja, ich schaue regelmäßig auf die Besucherstatistik und ich freue mich, wenn die Zahl der Besucher in die Höhe steigt. Denn bis auf die spärlichen Kommentare und Links, die hier einfließen ist das die einzige Form von Anerkennung für die Arbeit, die Blogger leisten.
Im Gegensatz zu anderen Webmastern schalte ich hier keine Werbung, nicht einmal, um die Serverkosten zu refinanzieren. Ich verwende keine Schleichwerbung oder gesponserte Posts. Ich bitte auch nicht um Spenden, weil es ungefähr 5 Milliarden Menschen gibt, denen ein Euro mehr helfen würde als mir.
Die zweite Motivation hier zu schreiben besteht schlicht darin, den eigenen Namen unter einen öffentlich zugänglichen Beitrag setzen zu können. Ich freue mich über eine gelungene Formulierung, einen gut geschriebenen Beitrag und eine runde Argumentation. Wer keinen Spaß an einer guten Aufbereitung hat, sollte weder Blogs schreiben noch sie lesen.
Eine weitere Motivation zum Publizieren hat Christian Heilmann so ausgedrückt:

I
love to share my research and information, because when you set them free they can inspire and help others to get their own voices heard.

Creating And Distributing Presentations On The Web

Warum man Formulare von Nutzern testen lassen sollte

Dieses Beispiel-Formular hier zeigt, dass Usability- und Zugänglichkeitsprobleme oft miteinander einher gehen. Ich hatte fünf Versuche gebraucht, um dann hinzuschmeißen und das Browserfenster entnervt zu schließen. Was ist passiert?

Bei dem Formular handelt es sich um ein Standardformular mit vielen Checkboxen, ein paar Radio-Buttons, zwei Eingabefeldern, einem Auswahlfeld und einem Absendebutton. Das Formular wird nicht clientseitig validiert, es dürfte also auch ohne JavaScript funktionieren, braucht es aber nicht, weil ich JS für diese Seite frei gegeben habe.
Es gibt einen kurzen Einleitungstext, man kann alle Checkboxen auswählen, wobei jede Checkbox eine Option darstellt. Außerdem gibt es eine Checkbox für „alles“, heißt, man will das ganze Paket. Ein simples Formular, sollte man meinen.
Falsch: Man darf aus irgendeinem Grund nur drei Checkboxen pro Bereich auswählen, kann aber beliebig viele aktivieren. Hat man die Checkbox „alles“ ausgewählt, darf keine der anderen zum Block gehörenden Checkboxen ausgewählt werden.
Mit anderen Worten, ich darf mit meinem Screenreader nach dem Ausfüllen und Versenden alle Checkboxen der „falsch“ ausgewählten Blöcke noch einmal durchgehen und an- bzw. abklicken, bis ich auf maximal drei aktive Checkboxen oder „alles“ komme. „Unendlicher Spaß“ würde David Foster Wallace das wohl nennen. Denn ich muss ja den betreffenden Block einmal komplett durchgehen, um zu wissen, welche Boxen ich im ersten „Wahlgang“ aktiviert habe und welche nicht.
Nun gehöre ich nicht zu den braven Leuten, die Anleitungen und gut gemeinte Ratschläge durchlesen, die bei einem solchen Formular als Ausfüllhilfe am Anfang stehen sollten. Ich bin also zur ursprünglichen Formularseite zurückgegangen und siehe da, es gab keine Ausfüllhilfen, weder am Anfang noch am Ende oder in den betreffenden Blöcken des Formulars. Erst in den Fehlermeldungen taucht die Mitteilung auf, ich dürfe nur drei … aber das sagte ich ja schon.
Ich bin ja der letzte, der behauptet, es sei einfach, gute Formulare zu erstellen. Was mich wirklich ärgert ist die vollkommene Sinnfreiheit solcher Maßnahmen. Wenn man „alles“ ausgewählt hat und „alles“ auch noch am Ende steht, sollte man meinen, dass es egal ist, welche Felder man noch aus diesem Block ausgewählt hat. Und wenn man nur drei Kreuze machen darf, sollte man auch nur drei auswählen können. Bei Checkboxen erwarte ich eigentlich, dass ich beliebig viele anklicke kann. In diesem Fall hätte man statt Checkboxen Auswahlfelder verwenden können, drei Auswahlfelder für drei auszuwählende Optionen.
Und natürlich gehört die vernünftige Gestaltung von Formularen zu dem Grundlegenden, was ein ernstzunehmender Portalbetreiber beherrschen sollte, wenn er Formulare anbieten möchte. Sowas lernen Studierende, die sich mit empirischer Forschung beschäftigen müssen in ersten Jahr des Studiums. Da erstellt man nichts anderes als Fragebögen in Form von Formularen und würde für so einen Fragebogen mit Sicherheit keine gute Note bekommen.
Das wirklich Ärgerliche daran ist, es hätte ein simpler Test mit drei bis vier Kollegen oder Freunden gereicht, um die größten Mankos dieser Umfrage auszubügeln.

Die Kunst des richtigen Verlinkens – Teil II

Vor langer, langer Zeit hatte ich einen Artikel zum richtigen Verlinken geschrieben. Generell gibt es vier Arten von Verlinkung:

  • Viele Webseiten verlinken gar nicht, z. B. das Deutschlandradio.
  • Viele Websites setzen die Links an das Ende des Textes.
  • Viele Nachrichtenportale setzen Links in Blöcken zwischen die Texte, etwa Die Zeit und die Welt.
  • Der Rest verlinkt im Fließtext, das macht zum Beispiel Heise durchgängig in seinen Publikationen, aber auch die meisten Weblogs.

Mir fällt gerade während ich diese Zeilen schreibe auf, dass es hauptsächlich IT-Seiten und Web-2.0-Angebote sind, die in Fließtexten verlinken. Es scheint also doch etwas dran zu sein an der Aussage von Mario Fischer. Fischer sagt in seinem Buch „Website Boosting“, Links im Text würden von der Mehrheit als störend empfunden.

Wahrscheinlich können IT-ler und Hardcore-Internet-Nutzer die Links im Text eher ausblenden als Gelegenheitsleser.

Zugänglichkeit

Den Screenreader-Nutzer stören einzelne Links im Text weniger. Manche Leute bringen aber die kunst fertig, vier Wörter hintereinander mit dem selben Link zu versehen. Das Klingt dann wie „Link hier – Link klicken, – link für – Link das – Link Bild“.. Eine solche Link-Häufung macht weder aus redaktionellen noch aus kognitiven Gründen viel Sinn. Die Leser verstehen nicht, ob hier vier verschiedene Sachen verlinkt werden oder nur eine. Hier dürfte auch das primäre Problem für Menschen mit Lernschwierigkeiten ligen.
Generell stellt sich für die letztere Gruppe die Frage, ob sie durch Links im Fließtext vom Inhalt des Textes abgelenkt werden. Dazu fehlen mir valide Daten, aber ich bin mir nicht sicher, ob unterstrichener blauer Text schlimmer sein kann als eine flackernde Flashanimation.

Die Usability-Sicht

Aus Usability-Sicht würde ich eindeutig die Verlinkung im Text vorziehen. Zum Einen lässt sich hier eher kontextsensitiv verlinken. Zum Anderen ist eine Häufung von Links in Blöcken mitten im Text oder am Fuß des Textes ebenfalls eine kognitive Herausforderung. Nehmen wir an, wir hätten fünf Links die mit dem Text tatsächlich in Zusammenhang stehen: ich suche aber eine bestimmte Information, die mir im Text aufgefallen ist und die ich gerne weiter verfolgen möchte. Im schlimmsten Fall muss ich alle Links einmal durchklicken, um die gewünschte Information zu finden.
Die Wikipedia ist ein Beispiel dafür. Wenn ich mit einem Höllentempo mit dem Screenreader einen Artikel durchgehe, merke ich mir nicht die Nummer der Fußnote, wo Wikipedia seine Quellen ablegt. Entweder stoppe ich also die Lektüre, springe zur Fußnote, öffne den Link und kehre dann zu der Stelle zurück, wo ich die Lektüre des WP-Artikels abgebrochen habe. Ode ich lese den Artikel zu Ende, merke mir die Nummer der Fußnote und rufe dann den dahinter liegenden Link auf. Und wenn ich zwei oder drei Fußnoten verfolgen möchte?Wikipedia wird sicher seine Gründe haben, Quellen nicht im Fließtext zu verlinken, aus Usabilitysicht ist das eher ein großes Manko.
Ich persönlich kann mir wesentlich besser die Position eines Hyperlinks im Fließtext oder den Linktext merken als eine Nummer.
Bei redaktionellen Produkten ist die Debatte ohnehin obsolet, denn die verlinken nur auf Produkte des eigenen Hauses und selbst da nicht kontextsensitiv.

Fazit

Wo man von technik- oder web-affinen Lesern ausgehen kann, sind Links im Fließtext ein Muß. Man sollte es dabei auch nicht übertreiben und auf keinen Fall zwei Wörter hintereinander mit unterschiedlichen Zielen verlinken.
Im Nachrichtenbereich, wo ohnehin nur ein bis zwei Links auf Pressemitteilungen oder ähnliches gesetzt werden, kann der Link am Ende des Textes stehen. Eine Linkhäufung am Fuße des Textes ist nicht nur abschreckend, sie zeigt auch, dass der Autor sich keine Gedanken dazu gemacht hat, wie Informationen struktuiert präsentiert werden, Informationen und Verknüpfungen machen immer nur im größeren Zusammenhang einen Sinn.

Warum schlechter Traffic kein guter Traffic ist

Im Google Weblog wird mit einem Augenzwinkern gefragt „Brauchen wir einen Meta-Tag für ’negative Keywords‘?. Matt Cutts sagt nein: Der erste Teil der Erklärung ist verständlich, es ist aus Ressourcensicht nicht sinnvoll, unnötig Energie auf Begriffe aufzuwenden, mit denen die Leute nicht gefunden werden wollen. Der zweite Teil der Meldung ist hingegen ziemlicher Quatsch:

Wir danke für die Meldung, aber wir wurden einfach noch nicht oft genug gebeten: „Bitte sendet mir keine Besucher. Ich möchte bei dieser Wortgruppe nicht
angezeigt werden.“ Quelle

Schließlich geht es nicht um den Webmaster und es geht sicher nicht darum, auf Teufel komm raus Traffic zu generieren. Dies wissen wir schon seit der ersten Schwemme mit Meta Keywords, welche die Meta Tags bis heute diskreditiert haben. Daraus haben wir gelernt, wer Traffic haben will, muss seine Seite mit Erotik und Potenzmittel-Werbung vollpacken.

Inzwischen sollten wir aber verstanden haben, dass diese Art des Traffic uns keinerlei Mehrwert bringt, es sei denn, wir verkaufen Erotik oder Potenzmittel oder etwas Verwandtes. Oder wir kleistern unsere Seite mit Anzeigen voll, mit denen wir Geld verdienen.

Ansonsten sollten unsere Ansprüche wohl höher sein: jemand, der sich auf unsere Seite verirrt hat, wird mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit unseren großartigen Content angucken. Schließlich hat er vermutlich etwas bestimmtes gesucht, was wir ihm nicht bieten können.

99 Prozent der Website-Betreiber sind zugleich auch Nutzer einer Suchmaschine und ärgern sich darüber, wenn sie das Gesuchte nicht finden.

Wer die Keywords oder Phrasen analysiert, mit denen die Besucher auf seine Seite kamen, weiß in der Regel, dass er für diese Suchen keine Inhalte liefern kann. Er will aber Besucher haben, die wegen seinem Content kommen, sich ein paar Seiten ansehen und möglichst lange bleiben. Dazu ist es aber auch nötig, die Enttäuschung über fehlende Inhalte möglichst gering zu halten. Bei großen Seiten ist es doch wahrscheinlich, dass die Leute sich den Namen der Site merken, die sie in die Irre führte und selbige auf ihre mentale schwarze Liste kommt.

Bei mir kommt da sehr schnell auch der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen an der SEO herum manipuliert haben. Ich persönlich habe mich immer geärgert, wenn ich auf einer Seite gelandet bin, die vielversprechend klang und wenig Inhalte bot. Bei meiner eigenen Seite habe ich auch herumgebastelt, weil ich gemerkt habe, dass die Leute mit falschen Erwartungen zu mir kamen. Für meinen Geschmack ist so etwas ein Fall für den SEO-Doktor.

Als Fazit kann man festhalten, dass die Zufriedenheit des Nutzers ganz oben steht. SEO heißt deshalb nicht nur, möglichst viel Traffic auf meine Seite zu locken, sondern vor allem, die eigenen Inhalte am besten an den Besucher zu bringen.