Archiv der Kategorie: The Thinking Turn

Angst vor Veränderungen – Was Menschen und Organisationen gemeinsam haben

Ein einzelner Mensch ist keine Gemeinschaft, doch die Gemeinschaft ist mehr als die Summe der Menschen, aus der sie besteht. Die Gemeinschaft bildet wie der Mensch einen Charakter aus.
Einzelne Personen aus der Gemeinschaft repräsentieren einzelne Charakterzüge des Menschen: da gibt es den Widerspenstigen, den Antreiber, den Faulenzer, den Optimisten, den Pessimisten, den Dauerbeleidigten und viele mehr.
Es gab einen recht interessanten Radio-Beitrag vom Coach Roland Kopp-Wichmann. Gefragt, warum viele Veränderungswünsche nicht in die Tat umgesetzt werden antwortete er sinngemäß, dass die Menschen sich in einer Komfortzone eingerichtet haben und jede Veränderung instinktiv ablehnen. Es spiegelt sozusagen die Dualität des menschlichen Charakter wider: Wir können rational begreifen, dass etwas zu tun richtig wäre. Aber unser Über-Ich – wenn wir so wollen – sagt uns, dass Veränderung Anstrengung, Gefahr und Risiko birgt.
Diesen Gedanken können wir auch auf Organisationen übertragen. Ich habe mich schon mehrfach darüber gewundert, wie unflexibel Organisationen auf Veränderungen reagieren. Wir wissen etwa, dass wir stärker mit Social Media arbeiten sollten, aber machen Pressearbeit wie vor 20 Jahren. Wir wissen, dass die Produktpalette veraltet ist, aber haben nicht den Mut, neue Produkte auszuprobieren.
Mein Eindruck ist, dass die meisten Organisationen versuchen, diesen Stillstand mit interner Unternehmensentwicklung zu kaschieren. Da werden Coaches herangezogen, Werte geschaffen, Fortbildungen betrieben. Das alles ist Beschäftigungsstrategie. Und es hat nur geringen Einfluß auf die externeUnternehmensentwicklung. Die Pleite wird uns nicht verschonen, weil wir so schöne Werte haben.
Ein Grundproblem scheint mir außerdem in der deutschen Arbeitsmarkt-Struktur zu liegen. Manche Leute arbeiten 30 Jahre für das gleiche Unternehmen, sitzen auf dem gleichen Platz und tun in etwa das Gleiche. Mancherorts begrenzt sich die Mitarbeiterfluktuation auf Null. Das mag gut für das Unternehmensklima sein, schlecht ist es für Veränderungen. Ähnlich wie einzelne Menschen fürchten sich Unternehmen vor Veränderungen, denn auch sie wollen die Komfortzone nicht verlassen – und werden deshalb entweder scheitern oder sehr schmerzhafte Umbauprozesse mitmachen müssen. Wer sehen will, wie das läuft, sollte sich die großen Energiekonzerne ansehen.

Der Charme kleiner Organisationen – arm, kreativ, innovativ

Arm, aber sexy wurde einmal als Leitmotiv für Berlin vorgeschlagen. Der Spruch mag zynisch sein, hat aber seine Berechtigung. Je größer eine Organisation oder ein Unternehmen ist, desto stärker ist sie mit sich selber beschäftigt und desto weniger ist sie in der Lage, ihren Zweck effizient zu erfüllen.

Ich kann nicht sagen, wie es früher war, aber heute sind viele Organisationen stetig damit beschäftigt, ihre Mission zu erklären, Strategien festzulegen und interne Prozesse zu verbessern. Hochbezahlte Manager kämpfen sich durch unendliche Meetings, Workshops und Selbstfindungsseminare, während das operative Geschäft stetig in den Hintergrund rückt. Das alles mag in gewissem Maße seine Berechtigung haben, aber der Effekt ist verheerend.
Die operative Arbeit wird von den Mitarbeitern der unteren Ränge erledigt. Aber auch sie werden stetig in eine Kultur der Selbstoptimierung hineingepresst. Sie sollen Feedbacks abgeben, sich in Prozesse einbringen, die sie nicht interessieren oder an der Selbstfindungsaktivität teilnehmen. Und natürlich ihre Arbeit machen, die ja nicht weniger wird.

Ein ganzer Wirtschaftszweig hat sich um den Bereich der Selbstoptimierung, Marken- und Strategie-Definition gebildet. Berater, Coaches und Mediatoren verdienen aber nicht nur an diesem Trend, sie rühren auch kräftig die Werbetrommel und erzeugen dadurch erst den Bedarf, den vorher niemand gesehen hat. Sie sind es schließlich, die die Beiträge in Business-Magazinen schreiben. Nebenbei gesagt sind die größten Puscher von negativen Schlagzeilen über Social Media Social-Media-Berater, die sich mit Shitstorm- oder Reputationsmanagement ein schön hohes Gehalt sichern.

Es wäre doch nett, wenn Führungskräfte mehr managen und führen würden statt Management- und Führungskurse zu besuchen.
Kleine Organisationen mit wenigen Mitarbeitern können sich diesen Prozess gar nicht leisten. Da wird die Strategie eben im laufenden Prozess entworfen und wenn nötig angepasst. Es funktioniert doch.

Es ist ein populärer Irrtum, wenn man glaubt, mehr Geld steigere die Qualität zum Beispiel des Marketing oder der Öffentlichkeitsarbeit. Das Gegenteil wäre auch falsch: Fakt ist aber, dass je mehr Geld man zur Verfügung hat, desto eher neigt man dazu, das Geld unnötig auszugeben. Wir kennen alle diesen urbanen Mythos von den Baustellen, die nur aufgemacht werden, damit der entsprechende Haushaltsposten im nächsten Jahr nicht gekürzt wird. Da ist was dran. Aus buchhalterischer Sicht muss man nicht nur begründen, warum man mehr Geld ausgegeben hat als im Budget vorgesehen war. Man muss auch begründen, warum man weniger ausgegeben hat und warum man dann dennoch im nächsten Jahr das gleiche oder sogar mehr Budget haben möchte. Auch das würde in kleinen Organisationen sofort auffallen. Hier würde niemand bei knappen Budgets auf die Idee kommen, Geld aus buchhalterischen Gründen auszugeben, wenn es keine Notwendigkeit dazu gibt.

Der NGO-Bereich hat sich BWLisiert, wenn man so sagen möchte. Marketing, Controlling und andere Bereiche laufen heute nicht anders als in der Privatwirtschaft, was im übrigen zu begrüßen ist. NPOs, was immer man sonst über sie sagen mag sind verpflichtet, mit ihren Geldern effizient umzugehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld gespendet wurde oder über Merchandising reinkam. Es ist das Geld anderer Leute und damit muss effizient umgegangen werden.

Das Problem ist, dass das viele Geld und vermutlich auch der Bekanntheitsgrad die Fantasie nicht beflügelt. Wenn man 10.000 Euro pro Jahr für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung hat, macht man sich Gedanken darüber, wie man am effizientesten arbeiten kann. Wenig Geld beflügelt die Phantasie. Wenn man hingegen 1.000.000 Euro zur Verfügung hat und sie sowieso ausgeben muss, verpulvert man einen Großteil des Geldes für sinnfreie Hochglanzbroschüren, teure Anzeigen und vermutlich auch hochbezahlte PR-Agenturen. Die Kreativität kommt aus diesen Agenturen, die locker 1000 Euro und mehr pro Tag kosten können. Ich sah einmal einen Menschen, der aus einem kleinen in eine große Organisation wechselte. In den erste Monaten wollte er noch das Budget seines Bereiches auf den Prüfstand stellen. Ich fiel fast vom Stuhl, als er eines Tages einen Workshop mit den Führungskräften und dem Chef einer PR-Agentur auf die Beine stellen wollte, um die Haltung der Organisation in bestimmten Fragen abzuklären. Kostenpunkt, für einen halbtägigen Workshop mehrere tausend Euro.

Mittlerweile hat sich vor allem bei spendenorientierten Organisationen der Trend durchgesetzt, die Kosten für Marketing und PR zu kaschieren, weil sie von den Spendern nicht mehr ohne weiteres akzeptiert werden. Deswegen sind die ausgewiesenen Kosten im Geschäftsbericht nicht so ernst zu nehmen, Transparrenz sieht anders aus.

Außenhirn

Die Auslagerung der Intelligenz wird für die Mitarbeiter zur Regel. Wenn sie etwas nicht können, fragen sie die Profis. Niemand käme auf die Idee, sich das nötige Wissen selber anzueignen, es sei denn, das Unternehmen bezahlt die Fortbildung. In kleinen Organisationen müssen einzelne Personen oft verschiedene Bereiche beherrschen. Sie lernen, mangelnde finanzielle Mittel in mehr unternehmerische Ideen umzusetzen. Kreativität aus Geldmangel könnte man das nennen.

Zudem fällt es in kleinen Organisationen sofort auf, wenn ein Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift macht. Solche Leute kann man gar nicht gebrauchen. das Engagement scheint antiproportional zur Größe der Mitarbeiterschaft zu sein: je größer die Organisation, desto geringer das Engagement des Einzelnen.

Rente auf Lebenszeit

Last not least scheinen größere Organisationen eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation zu haben. Das wird immer positiv hervorgehoben: natürlich haben Mitarbeiter oftmals einen hohen Expertengrad, wenn sie eine Position jahrelang besetzt haben. Auf der anderen Seite gerät man schnell in einen Trott, bei dem das gemacht wird, was man schon immer gemacht hat. Frisches Blut kommt selten herein, so dass der Alltagstrott nicht gestört wird. Neue Ideen gibt es nicht von altgedienten Mitarbeitern, weil ihnen nach fünf Jahren schlicht der Gedanke absurd erscheint, man könnte etwas anders machen. Ich plädiere nicht für eine Entlassung älterer Mitarbeiter, sondern für eine gesunde Mischung aus Jungen und Alten. Faktisch besetzen die Babyboomer noch für die nächsten 10 bis 25 Jahre alle Führungspositionen. In einigen Organisationen werden praktisch 100 Prozent der festen Stellen von Menschen besetzt, die zwischen 40 und 60 Jahren alt sind.

Wir wissen aber, dass ältere Menschen zwangsläufig konservativer sind und handeln als jüngere. Das mag in vielen Fällen sinnvoll sein, wird aber faktisch zur Bremse, wenn es um Innovationen geht. Das ist im übrigen der Grund, warum sich Neuentwicklungen so langsam durchsetzen, es braucht eine neue Generation, die bereit ist, etwas neues umzusetzen.

Die Kleinen sind innovativ

Langer Text – kurzer Sinn. Die Innovationen im NGO-Bereich kommen vor allem von kleinen und relativ neuen NGOs. Da wäre 2aid.org, die mit relativ wenig Geld einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Oder arbeiterkind.de. Natürlich tun auch die großen viel, aber genau darum geht es ja, sie erreichen viel mit reiner Ressourcenpower, ohne echte Ideen, Innovationen oder Kreativität. Oder die neuen Ideen werden nicht umgesetzt, weil keiner den Mut dazu aufbringt, das Dillemma des Innovators.

Kleiner Nachtrag: Peter Metzinger hat mit seinem Business Campaigning-Ansatz das beschrieben, was ich hier konstatiere. Peter Metzinger. Business Campaigning. Springer-Verlag 2004, ein sehr lesenswertes Buch für Campaigner.

Ein kleiner Leitfaden zur Konzeption von Kampagnen – auch mi wenig Geld

Serendipity darf nicht sterben – Filterbubble auch ohne Datensammlung

Manchmal ist es doch überraschend, wie schlecht die Suchmaschinen nach wie vor funktionieren. Wie oft ist es dir passiert, dass du drei oder vier Suchbegriffe eingegeben hast und selbst der Branchenprimus Google nur Schrott ausgeworfen hat? In letzter Zeit sicher öfter – weil Google jetzt meint, besser zu wissen, was du suchst als du selbst. Die Folge ist, dass Google beliebig viele Begriffe bei Suchphrasen weglässt und entsprechend wertlose Suchergebnisse anzeigt. Zwei Beispiele: Ich suche nach dem More-More-Effekt und Google zeigt mir Noiré-Effekt, ich suche nach ODF und Google bietet mir Ergebnisse zu PDF.
Im Grunde haben sich die Suchmaschinen seit mehr als zehn Jahren nicht weiterentwickelt. Der letzte große Sprung wurde von Google mit dem Messen des Verlinkungsgrades gemacht, damit ist die Firma groß geworden. Alles, was danach kam war die Optimierung oder Spambekämmpfung durch den Algorythmus. Faktisch ist seit zehn Jahren nichts mehr von Belang im Suchmaschinenbereich passiert. Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass ich die zahlreichen kleinen Suchmaschinen und ihre Technik nicht kenne. Das liegt teilweise auch daran, dass Cuil oder Blekko im deutschsprachigen Bereich bisher nicht mitspielen können.
Die große Schwäche von Google und Co ist nach wie vor die Gleiche. Google schaut, ob bestimmte Worte in einem Text vorkommen, wwie diese Worte zueinander positioniert sind und ob überhaupt genügend signifikanter Text vorhanden ist. Angeblich können in bestimmtem Maße auch unterschiedliche Wortfolgen oder Synonyme verarbeitet werden, was aber meiner Erfahrung nach nicht wirklich funktioniert. Die Auswertung der Geoposition und dazu passende Suche ist ein nettes Gimmick, was aber niemanden vom Hocker haut.
Dazu kommt noch, dass mittlerweile jede Organisation, die etwas Geld in der Tasche hat versucht, ihre Texte zu seo-isiseren. Für wen das jetzt Neuland ist: Redakteure werden dazu angehalten, suchmaschinengerecht zu schreiben, das heißt, die richtigen Wörter in der richtigen Dichte einzusetzen. Das mag man für legitim halten, letzten Endes werden damit aber solche Texte auf die vorderen Plätze geschoben, ohne dass sich ihr Inhalt oder die Relevanz verbessert haben. Hat jemand schon mal ernsthaft nach einer Preissuchmaschine gesucht? Sicher nicht so häufig, dass sie auf der ersten Suchseite sein sollten.

Manche sprechen bereits von der Filterbubble. Algoritmen in den sozialen Netzwerken oder den Suchmaschinen präsentieren dem Nutzer bevorzugt das, was sie meinen, es interessiere ihn besonders. Dabei analysieren sie die Daten, die sie über Einen gesammelt haben: Was steht in seinem Profil, mit wem interagiert er am meisten, welche Links oder Inhalte fand er besonders toll und so weiter. Auch Amazon macht das.
Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass Suchmaschinen buchstäblich nur die Wörter suchen, die wir eingegeben haben, dass uns das gar nicht mehr blöd vorkommt. Auffällig ist, wie stark Google den Long Tail verdrängt hat. Zum einen zieht es große Webseiten vor und zwar auch dort, wo Fachportale bessere und interessantere Inhalte bieten. Zum anderen lässt es aktuell mit dem letzten großen Update des Algorithmus gerne mal einen Suchbegriff weg oder interpretiert relativ frei, was der Sucher gesucht haben könnte. Das wäre ein guter Grund, Meta-Suchmaschinen einzusetzen. Leider scheint es auch hier keine Algoritmen zu geben, die nützliche Ergebnisse liefern.
Kann es eigentlich sein, dass wir schon so lange Google als Suchmaschine nutzen, dass wir alle anderen Suchmaschinen als schlechter empfinden? Klingt absurd, ist aber durchaus möglich. Sagen wir, ich nutze Google seit ungefähr zehn Jahren. Auch wenn wir Google für intuitiv halten, jede Maschine hat ihre Ecken und Kanten. Nur gewöhnen wir uns irgendwann daran und empfinden die Macken und Schwächen nicht mehr als solche. Es ist so wie mit den Autoabgasen, wir könnten wissen, dass sie da sind, auch wenn wir sie nicht mehr riechen. Oder wer andauernd MP3s hört, weiß nicht mehr, wie Musik in guter Qualität klingen muss.
Wenn wir jetzt anfangen, eine andere Suchmaschine zu nutzen, müssten wir uns umgewöhnen, und das tut eben keiner gern.

Google als Selbstverstärker

Einen interessanten Effekt, der auf Google basiert hat bisher keiner beschrieben: Google verstärkt oder verfestigt durch seine Suchergebnisse die Suchergebnisse. Klingt schwachsinnig, ist aber einfach zu erklären.
Nehmen wir an, ich schreibe einen Artikel über die Schwäche von Suchmaschinen. Zwischendurch oder nach dem Schreiben suche ich mit bestimmten Begriffen, die auch in meinem Artikel vorkommen nach interessanten Seiten, die ich verlinken kann. Ich schaue dabei mit Vorliebe auf die ersten Seiten von Google. Setze ich nun den Link, verbessere ich die Position des verlinkten Artikels zumindest minimal. Ich verfestige also die Position des verlinkten Artikels, allerdings ohne zu wissen, ob es nicht bessere Artikel gab, die eher zu meinem Artikel gepasst hätten. Ich bestätige also Google in seiner Meinung, dass es sich um den Beitrag, der durch seinen Algorithmus ausgewählt wurde um einen guten Beitrag handelt.
Die Filterbubble ist also schon da, auch ohne dass wir uns irgendwo einloggen und Profile über uns angelegt werden. Je stärker bestimmte Inhalte verlinkt werden, desto stärker werden andere Inhalte in den Long Tail verdrängt. Das ist der More-More-Effekt.
Weitere Tools verstärken die Filterbubble. Statt uns selber auf die Suche nach Inhalten zu begeben, verwenden wir Dienste wie paper.li, die uns die interessantesten Nachrichten zusammenstellen. Sie aggregieren und gewichten diese Nachrichten nach Likes und Re-Tweets und voila – wir haben den Google-Filter-Selbstverstärkungseffekt.
Der goldene Käfig von Facebook ist natürlich noch extremer. Bei Facebook kann man wenig machen, wenn man nicht eingeloggt ist. Für den energischen Facebooker existiert also nichts, was außerhalb der Gated Community von Facebook liegt bzw. nicht über Links reingekommen ist.
Der Serendipity-Effekt bleibt dabei zunehmend auf der Strecke. Das ist bedauerlich, weil In den hinteren Suchergebnissen so viel Potential steckt, das ungenutzt weil unbemerkt bleibt. Gerade dieser Effekt macht das Netz zu einem Quell kreativer Ideen. Liest man das, was alle anderen schon gelesen haben, hat man wahrscheinlich auch die gleichen Ideen, zumindest sinkt die Chance auf kreative neue Assoziationen.
Deswegen ist es auch so spannend, gut verlinkende Blogs zu lesen. Meiner Ansicht nach besteht eine der großen Stärken des Web darin, dass es weniger hierarchisch wie ein Buch sondern assoziativ wie ein Netz aufgebaut ist. Ich springe von Gedanken X zu Sache Y und schließe bei Z, wobei eine Verbindung geschaffen wird, die mir vorher nicht klar war. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass es in einigen Blogs wesentlich interessantere Links gibt als man sie bei Google gefunden hätte.
Deswegen und um dem Filterbubble-Effekt zu entgehen empfehle ich jedem, der es nicht hören will, so viele interessante Blogs wie möglich in den RSS-Feed zu holen und nicht darauf zu vertrauen, dass Google, Twitter, Facebook oder ein anderer Dienst die passende Auswahl trifft.
Es ist kurios: die gleichen Leute, die sich darüber beschwert haben, welch starke Selektion die Massenmedien ausüben lassen nun andere Leute und Algoritmen darüber entscheiden, welche Informationen für sie wichtig sind.

Werkstattbericht – wie entsteht ein Blogbeitrag?

Da ich arbeitsmäßig recht eingespannt bin, möchte ich heute einmal beschreiben, wie ein Blogeintrag entsteht. Der Leser soll einen Eindruck davon bekommen, wie viel Zeit und Arbeit in einem 300 – 400 Worte langen Beitrag steckt, den er in vielleicht einer Minute überfliegt.

Ein Königreich für eine Idee

Am Anfang ist der Gedanke. Irgendwie habe ich keine Lust zu schreiben, was alle Anderen schon endlos durchgekaut haben. Die 33 besten Suchmaschinentricks, die fünf besten Conversions-Ratschläge oder eine Runde Selbstbeweihräucherung, das muß nicht sein.
Hat man erst einmal eine Idee, muß man überlegen, ob sich daraus genug für einen Blogbeitrag gewinnen lässt: Gibt es einen neuen Zusammenhang, einen unbeachteten Aspekt, etwas, auf das im Idealfall noch keiner gekommen ist? Und ist das dann auch spannend für eine größere Leserschaft? Und wenn ja, passt das zu meinem Blog? Und habe ich genug Ahnung von dem Thema, um darüber schreiben zu können?
Dann schreibe ich die ersten Notizen zu dem Beitrag oder schon den ersten Entwurf. Die besten Ideen kommen, wenn man gerade etwas Ganz anderes macht. Im Idealfall sollte man immer etwas zu schreiben bei sich haben, es reicht aber auch das eigene Handy. Hier kann man sich kurze Notizen machen, die man für diesen Beitrag oder auch einen ganz anderen verwenden kann.
Schließlich kommt der Zeitpunkt, an dem ein Text finalisiert wird. Ich habe meistens drei oder vier Texte gleichzeitig in der Pipeline und warte auf den entscheidenden Kick, um sie zu finalisieren. Ich schreibe so gut wie nie spontane Beiträge. Und manche Beitragsentwürfe gehen den Weg alles Irdischen und landen im Altpapier. Gibt es eigentlich eine Wiedergeburt bei Papier, Recycling und so?

Auf der Suche nach der verlorenen Formulierung

500 Wörter runterschreiben, das geht unheimlich schnell. Würde ich das Geschriebene unmittelbar veröffentlichen, dann würde keiner meiner Leser das verstehen. Zum Einen fehlt häufig die Struktur, zum Anderen haben viele Formulierungen Ecken und Kanten.
Ohne den Feinschliff, die Strukturierung und das gnadenlose Kürzen wäre der Blog-Beitrag bestenfalls ein dadaistisches Gedicht, schlimmer als eine automatische Übersetzung durch den Google-Translator.
Stimmen alle Formulierungen halbwegs, kommt die finale orthographische Korrektur. Da gehen trotzdem einige Rechtschreibfehler durch. Dennoch sollte man die schlimmsten Schnitzer rausbekommen.

Ihr Besucherlein kommet!

Von der Idee über den Beitragsentwurf zur finalen Publikation vergehen einige Stunden. An manchen Beiträgen habe ich viele Stunden gearbeitet. Wer nicht selber schreibt, ahnt kaum, wie viel Zeit auch in kurzen Beiträgen stecken kann. Wenn ich für einen Auftraggeber arbeite, kann ich am Ende des Tages eine Rechnung schreiben. Für meinen Blog bekomme ich keinen müden Euro, obwohl er mir manchmal mehr Arbeit macht als mein Job.
Deswegen ist für den Blogschreiber, der einigermaßen regelmäßig schreibt auch wichtig, Leser für sich zu gewinnen. Ja, ich schaue regelmäßig auf die Besucherstatistik und ich freue mich, wenn die Zahl der Besucher in die Höhe steigt. Denn bis auf die spärlichen Kommentare und Links, die hier einfließen ist das die einzige Form von Anerkennung für die Arbeit, die Blogger leisten.
Im Gegensatz zu anderen Webmastern schalte ich hier keine Werbung, nicht einmal, um die Serverkosten zu refinanzieren. Ich verwende keine Schleichwerbung oder gesponserte Posts. Ich bitte auch nicht um Spenden, weil es ungefähr 5 Milliarden Menschen gibt, denen ein Euro mehr helfen würde als mir.
Die zweite Motivation hier zu schreiben besteht schlicht darin, den eigenen Namen unter einen öffentlich zugänglichen Beitrag setzen zu können. Ich freue mich über eine gelungene Formulierung, einen gut geschriebenen Beitrag und eine runde Argumentation. Wer keinen Spaß an einer guten Aufbereitung hat, sollte weder Blogs schreiben noch sie lesen.
Eine weitere Motivation zum Publizieren hat Christian Heilmann so ausgedrückt:

I
love to share my research and information, because when you set them free they can inspire and help others to get their own voices heard.

Creating And Distributing Presentations On The Web

Gibt es einen allgemeinen Wortschatz?

Neuerdings muss ich wieder verstärkt an texten arbeiten. Dabei geht es um die optimale Ausdrucksweise für bestimmte Zielgruppen. Dabei ist vor allem wichtig herauszufinden, welche Wörter oder Floskeln von der Zielgruppe verstanden werden. Grob gesprochen soll die Hausfrau die Texte verstehen und der Professor soll nicht gelangweilt werden.
Bei einigen juristischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Konstruktionen scheint die Sache recht klar. Der „Sachverhalt“ wird zwar verstanden, ist aber kein Wort, das man im allgemeinen
Sprachgebrauch verwenden würde. Neulich habe ich in einem Buch über Sozialphobie gelesen und das Wort „Diskriminierung“ gehört. Damit ist nicht die Benachteiligung, sondern nur die Unterscheidung ohne
negativen Unterton gemeint. Wie sieht es aber mit dem Begriff „Prägung“ aus, die in der frühkindlichen Erziehung eine wichtige Rolle spielt? Und weiß jeder Erwachsene tatsächlich, was „pränatal“ bedeutet?
Ich gehe da immer von meinem eigenen Sprachgefühl aus. Einerseits lese ich viel im Internet, höre viele Hörbücher und blättere hin und wieder auch durch Zeitschriften durch. Andererseits bin ich selbst durch ein
sozialwissenschaftliches Studium gegangen und merke schon, dass sich so manche Fachtermini bei mir einschleichen. Wie steht es eigentlich mit dem Begriff Fachterminus oder Fach-Jargon? Wäre hier Fach-Chinesisch verständlicher oder vielleicht doch zu banal?
Ich versuche hier pragmatisch zu sein. Wenn ich englische Sendungen oder Vorträge höre, verstehe ich meistens auch viele Wörter nicht, aber der Kontext ist mir meistens klar. Zudem sollte man nicht der Neigung vieler Akademiker nachgeben, die alle anderen Menschen für infantil halten. Vielleicht sind folgende Regeln hilfreich:

  • Verwende keine Wörter, deren Bedeutung du nicht kennst.
  • Sprich nicht über Dinge, von denen du keine Ahnung hast.
  • Respektiere deine Leserschaft, unter- und überschätze es nicht.
  • Fordere dein Publikum zum Nachdenken heraus, indem du einige komplexe Gedanken und Ideen – verständlich – in deinen Texten unterbringst.
  • Schreibe interessant und lebendig und die Leser werden dir folgen.

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Persönliches Wissensmanagement mit Weblogs und Co.

Jeden Tag stößt man auf neue Ideen oder Gedanken. Dabei benötigt man sehr viel Disziplin, um diese Gedanken sinnvoll zu notieren, so dass man sie
1. wiederfindet
2. und auch noch Jahre später versteht
Unser Gedächtnis ist ein recht komischer Apparat, man kann sich daran erinnern, dass da mal eine bestimmte Idee war, aber auf die Idee selber kommt man nicht mehr.

Wenn man unter Wissensmanagement genau das versteht, Ideen und Gedanken sinnvoll zu formulieren, zu kategorisieren und zu sammeln, dann sind Weblogs und andere Web-2.0-Anwendungen genau das Richtige.
Die Voraussetzung ist, dass das Weblog tatsächlich öffentlich ist, weil man ansonsten nicht die nötige Disziplin hat, einen Gedanken allgemein verständlich und nachollziehbar zu formulieren. Das ist aber die wichtigste Voraussetzung für ein vernünftiges Wissensmanagement. Wenn Andere deinen Gedanken verstehen, dann wirst du es in zehn Jahren vermutlich auch noch können.
Im Prinzip wären auch Anwendungen wie Googles Such-Historie eine sinnvolle Sache. Wer bei Google eingeloggt ist, dessen Suchaktivitäten über die Google-Suchmaschine werden automatisch aufgezeichnet. Wer viel im Internet surft, kennt das Problem, dass man eine schöne Seite gefunden hat, sich aber nicht mehr an den Namen der Seite oder die entsprechenden Suchbegriffe erinnern kann.
Wer also seine Beiträge sauber mit Kategorien und Schlüsselwörtern versieht, schöne Überschriften und Links gesetzt hat, der hat sehr gute Chancen, seine ideen auch wiederzufinden. Alle Weblog-Systeme haben eine recht gute Suchmaschine integriert, so dass die Suche nach alten Gedanken kein Problem darstellen sollte.
Wer es lieber kurz mag, kann natürlich auch Twitter benutzen, mit Link-Shortener und Hash-Tags kann man auch mit 140 Zeichen effizient arbeiten.
Es kommt auch nicht selten vor, dass man über Kommentare weitere gute Ideen erhält. Wenn ich eine gute Idee habe und du hast eine gute Idee, dann sollten wir uns austauschen, hinterher haben wir beide eine gute Idee mehr.

Serendipity – finden, was man nicht gesucht hat

Serendipity ist der Name eines bekannten freien Blogsystems. Pity – das wissen wir noch aus der Mittelstufe – heißt Pech. Der etwas sperrige Begriff ist noch schlimmer, wenn man versucht, ihn ins Deutsche zu übersetzen. Das „Serendipitätsprinzip“ bezeichnet den Umstand, dass man etwas Interessantes findet, ohne gezielt danach gesucht zu haben.
Menschen, die wie ich selten kreativ arbeiten müssen, suchen manchmal stundenlang nach der besten Formulierung, einer genialen Idee oder der besten Lösung. Dabei konzentriert man sich so auf seine Aufgabe, dass Einem nun wirklich nichts Brauchbares einfällt.
Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit freiem Schweifen der Gedanken oft mehr erreicht. Die besten Ideen kommen oft, wenn man sich von der ursprünglichen Sache ein wenig wegbewegt und sich aktiv mit anderen Dingen beschäftigt.
Gelegentlich bin ich morgens aufgewacht und habe gedacht: „Das ist es!“. Auf der Fahrt in der Bahn kommt ein Gedanke wie ein Blitz und man sucht verzweifelt nach etwas zum Schreiben. Ich habe immer einen Block in meinem Rucksack, wo ich schnell mal etwas notieren kann. Kleiner Tipp nebenbei, das Gedächtnis scheint kurz nach dem Aufwachen nicht so recht zu funktionieren. Man weiß zum Beispiel ganz sicher, dass man etwas geträumt hat und sogar, dass man wusste, was man geträumt hat. Doch schon Minuten später hat man den eigentlichen Traum und auch Vieles, was kurz nach dem Aufwachen passiert ist vergessen. Deshalb sollte man etwas zum Schreiben neben dem Bett liegen haben, wo man sich kurze Notizen machen kann. Natürlich nur, wenn man das unbedingt wissen möchte.
Die Psychologie spricht von „frei schwebender Aufmerksamkeit“, beschrieben in einem Interview mit Peter Kruse ist oft wesentlich zielführender als das angestrengte Suchen. Vielleicht löst die Konzentration auf Dauer Stress aus, der die Aufmerksamkeit verschlechtert. Es ist recht schwierig, sich lange Zeit auf einen bestimmten Punkt zu konzentrieren.

Warum der Staat auf Open Source setzen sollte

Die Argumente für Open-Source-Software werden selten schlüssig zusammengefasst. Die meisten Menschen argumentieren mit dem geringen Preis dieser Software. Natürlich ist Open Source nicht mit kostenlos zu verwechseln, Open Source bedeutet lediglich, dass der Quellcode der Software für jedermann einsehbar ist. Für den Privatanwender ist die Umstellung von Closed auf Open Source ein kleiner Kraftakt, schließlich muss man sich in ein neues System eingewöhnen und es kann eine gewisse Zeit dauern, bis man flüssig damit arbeiten kann. Für eine staatliche Behörde ist es ein Kraftakt, der viele Monate Vorlauf braucht und viel Geld kosten kann.
Warum es sich dennoch lohnen kann, zeigt dieser Artikel. Es geht vor allem um die Sicherheit der Software und die Zukunftsfähigkeit von Formaten. Der Kostenfaktor spielt eine geringere Rolle.
Bei quelloffener Software hat jeder mit entsprechenden Kenntnissen die Möglichkeit, die Software auf Sicherheitsprobleme zu überprüfen und auf seine eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Noch wichtiger erscheint die Nutzung offener Formate. Wer mit älteren Office-Versionen mit Microsoft gearbeitet hat wird schockiert feststellen, dass die neuen Versionen mit älteren Dokument-Formaten nicht vernünftig arbeiten können. Umgekehrt können ältere Office-Versionen nichts mit DOCX anfangen.
Behörden müssen höhere Anforderungen an die Austauschbarkeit und Kompatibilität sowie die Archivierung von Dokumenten stellen. Deshalb kann es nicht sinnvoll sein, ein Format zu verwenden, das nur von einem Unternehmen vollständig unterstützt wird und dessen Schnittstellen nicht offen gelegt sind. Entweder macht man sich auf Dauer von einem Unternehmen abhängig oder das Unternehmen geht pleite, in diesem Falle muss die Behörde möglicherweise ihre Dokumente aufwendig konvertieren oder verliert sie im schlimmsten Falle vollständig.
Ähnliche Probleme gibt es bereits im Bereich der Content Management Systeme. Viele Unternehmen haben frühzeitig auf Agentur-Lösungen gesetzt. Wenn die Agenturen dann pleite gehen, was durchaus passiert ist, dann muss jemand dieses System aufwendig weiterentiwckeln. Im schlimmsten Fall ist das System nachlässig dokumentiert, so dass es nur mit großem Aufwand weiter entwickelt werden kann.
Die Open-Source-Lösungen a la TYPO 3 oder Drupal sind hingegen wesentlich flexibler und werden auf absehbare Zeit weiterentwickelt. Eine Migration von einem zum anderen System ist sehr gut möglich.
Der finanzielle Aufwand – um auf das Ausgangsargument zurückzukommen – dürfte auf lange Sicht bei Open Source geringer sein als bei Closed Source. Die Kosten für die Überführung veralteter und nicht unterstützter Formate und die Migration von Systemen scheint eventuelle Einsparungen durch Closed Source vollständig aufzuheben.

Captain Crunch und der Telefonhacker

Durch Netzpolitik wurde ich auf ein WDR-Hörspiel um Captain Crunch aufmerksam. Zu Anfang spielt ein Blinder eine tragende Rolle. Es geht grob gesagt um eine Technik zum Hacken des amerikanischen Telefonsystems. Das gelang über die Erzeugung von Tönen, durch die das Telefonsystem damals gesteuert wurde. Der blinde Jugendliche hatte über sein Keyboard diese Töne erzeugt und Captain Crunch baute ein Gerät namens Bluebox, das diese Töne selbstständig erzeugen konnte.
Die Biographie des Hackers, der eigentlich John T. Draper heißt, bricht in der Wikipedia in den 70ern ab. Draper lebt heute verarmt in einer kleinen Wohnung in Los Angeles.
Das Hörspiel erinnert mehr an eine Doku mit nachgestellten Szenen. Es birgt ungeahnten Sprengstoff. Draper traf mit den jungen Apple-Gründer Steve Jobs und Steven Wozniak zusammen. Die beiden Steves sollen ihr Startkapital für Apple aus der Herstellung und dem Verkauf von Blueboxes für die Mafia erhalten haben.

Neue Begriffe braucht das Land

Wer in der Internet-Szene in sein will, sollte mit kryptischen Wortkombinationen und deren Abkürzungen um sich werfen. Es schadet nicht, ab und zu neue Wortungetüme zu basteln. Die müssen natürlich englisch sein, schließlich leben wir in Deutschland.
Hier habe ich eine kleine Hilfe gebastelt, das Wortkarussell. Nimm dir ein Wort der ersten Spalte, kombiniere es mit einem Wort der zweiten und dritten Spalte und schon haben wir einen neuen Begriff geschaffen.

Beängstigend genug, dass man aus vielen dieser Kunstbegriffe mit ein wenig Phantasie auch noch einen Sinn ziehen kann.

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