Archiv der Kategorie: The Thinking Turn

Chinesisch schreiben lernen heißt Verstehen lernen

Vor längerer Zeit gab es eine Sendung im WDR 5 – habe sie leider im Web nicht gefunden, über das Chinesische. China ist riesengroß und 1,3 Millarden Einwohner. Die Sprache ist so beschaffen, dass nur sehr wenige Menschen das Hochchinesische beherrschen.

Als universelles und zeitenübergreifendes Verständigungsmittel dienen deshalb die chinesischen Schfitzeichen. Bekanntermaßen basiert das chinesische Schriftsystem nicht auf Laut- und Silbenachbildung wie das unsere.

Im Endeffekt läuft das darauf hinaus, dass die Zeichen im ganzen Land gleich geschrieben werden und die gleiche Bedeutung haben, sie aber in jedem Landesteil anders ausgesprochen werden.

Kurioserweise kann ein Chinese somit die Werke von Lao Tse oder Konfuzius lesen, hat aber vermutlich Probleme, seinen Verwandten aus der nächsten Provinz verbal zu verstehen.

Das ist im übrigen nicht weiter überraschend. Der Hamburger kann seinen Nachbarn aus Dänemark vielleicht besser verstehen als den Bayern. Kaum ein Europäer spricht mehr als seine Muttersprache fließend, die erste Fremdsprache klingt eher mau und die zweite Femdsprache ist oft gar nicht vorhanden. Und das, obwohl der Schulbesuch gerade diese Fremdsprachen verfestigen sollte.

Die Basis einer Universalsprache müsste also damit beginnen, universelle Zeichen zu erstellen. Doch die Kernbarriere liegt weniger in der Fähigkeit, eine solche Sprache zu entwickeln als in der Bereitschaft, eine andere als die Muttersprache gut zu erlernen.

Die Konstruktion der Dekonstruktion – über Feminismus und Psychoanalyse

Der Dekonstruktivismus ist eine Art, Medien zu analysieren und sie systematisch auseiander zu nehmen, um dann Schlüsse auf die eigentliche Intention des Autoren zu schließen. Viele Linke haben sich diese Methode zu eigen gemacht. Der Denkfehler besteht darin, daß sie die Motivlage des Autors schon zu kennen glauben und schließlich versuchen, diese Motive aus dem Text abzuleiten. Sie verstoßen damit gegen die Prinzipien der Wissenschaftlichkeit. Allerdings machen das mittlerweile viele Menschen auch aus anderen politischen Gruppen.

Der Dekonstruktivismus von Texten geht wohl auf Jacques Derrida zurück. Eigentlicher Urheber dürfte aber Sigmund Freud gewesen sein. Freuds Traumdeutung und Psychoanalyse basieren auf der Annahme, daß Gegenstände, die etwa in Träumen auftauchen, Symbole für andere Dinge oder Eigenschaften sind.

Was die Traumdeutung angeht, hat sich Freud ordentlich verrannt: Seiner Interpretation nach können Dinge einerseits eine positive Eigenschaft repräsentieren, andererseits aber auch ihr Gegenteil. Ein Stuhl kann also sowohl Ruhe, Gelassenheit oder Entspannung repräsentieren als auch Unruhe, Aufgeregtheit und Streß; im Sinne von, ich sehne mich nach meinem Stuhl, um mich auszuruhen.

Nun kann man generell davon ausgehen, daß Freud die besten Absichten hatte, was bei den Dekontruktivisten allerdings nicht der Fall sein muss. Nach der Dekonstruktion bleibt oft Hackepeter vom ursprünglichen text übrig. Man stürzt sich auf einzelne Häppchen und biegt sie zurecht, bis sie einem ins Konzept passen.

Eine vor allem bei Linken beliebte Diskursstrategie besteht darin, einzelne Aussagen aus dem Zusammenhang zu reißen und daraus eine diffammierende Gesamtanklage zu basteln. Ein Trick, der besonders bei Juristen beliebt ist.

Dekonstruktivisten glauben, die Gesellschaft verändern zu können, in dem sie die Sprache ändern. Die Feministen haben dabei eine besondere Rolle gespielt. In offiziellen Schreiben, Reden, Stellenausschreibungen – überall – muss die weibliche Form besonders berücksichtigt werden.

Die Political Correctness ist die Leitlinie dieser Strömung. Der Begriff „Neger“ bzw. „Negro“, der etwa von Martin Luther King noch selbstverständlich – also nicht abwertend – verwendet wurde, ist heute in den USA wie anderswo tabu. Das Wort „Ausländer“ ist in Deutschland ungern gesehen. Davon mag man halten, was man will, es führt aber zu merkwürdigen Konstruktionen, die ihren Sinn und ihre Bedeutung aber eher verschleiern als ihn freizugeben.

Das Wort „Afroamerikaner“ suggeriert, viele Schwarze hätten tatsächlich noch eine Verbindung zu Afrika. Der „Migrationshintergrund“ hängt jedem ausländisch aussehenden Menschen hinterher, egal, wie alt sein „Hintergrund“ ist.

Steal this text! Wo ist die Liste der am meisten geklauten Bücher?

Eine deutsche Ausgabe von Irving Welchs „Trainspotting“ warb damit, dass es das am häufigsten gestohlene Buch Schottlands sei. Es wäre interessant zu wissen, welche Bücher es wohl sind, die am häufigsten geklaut werden.

Der Duden in 15 Bänden wird es wohl nicht sein. Auch die Enzyklopadia britanica dürfte ein wenig zu schwer sein. Die Liste wäre erst interessant, wenn man die Bücher herausnimmt, die wieder verkauft werden und nicht gelesen. Edit: Mittlerweile habe ich erfahren, dass das Guiness-Buch der Rekorde das beliebteste Diebesgut in Buchläden ist. In Bibliotheken werden hingegen Bibeln am liebsten gestohlen. Erstaunlich, da die Bibel doch recht umfangreich ist, das Guiness-Buch hat sogar den Umfang eines Großstadt-Telefonbuchs.

Auch der Student ist mit dem Phänomen des geklauten Buchs konfrontiert. Auch wenn Unibibliotheken nicht gerade mit RFID, Wachschutz und Nacktscannern ausgestattet sind fragt man sich doch, wie es die Studenten schaffen, so viele Bücher herauszuschaffen. Laut einem Beitrag im DeutschlandRadio – den ich leider nicht wieder gefunden habe – sollen jährlich rund ein Prozent der Bücher gestohlen werden. Unsere kleine Soziologie-Präsenz-Bibliothek umfasst rund 40.000 Bücher. Ein Prozent davon wären rund 400 Bücher, dies wären etwa zwei gestohlene Bücher pro Öffnungstag. Wahrscheinlich handelt es sich eher um Taschenbücher, Hardcover sind eher schwer zu verstauen.

Man könnte noch ein gewisse Sympathie für diese Elstern empfinden, wenn sie sich keine Bücher leisten könnten und es ihre Wissensgier wäre, die sie zu ihrem kriminellen Verhalten bringt.

Doch meistens ist es die schiere Geldgier oder Geiz. Die Bücher werden verkauft. Vielleicht nur einen Tick schlimmer sind jene Leute, die die Bücher nur klauen, um ihren Studienkollegen zu schaden.

Letztere spielen aber lieber Osterhase und verstecken die Bücher. Auch sie entwickeln große Kreativität bei der Versteckfindung. Ob sie nur ihren Studienkollegen schaden wollen oder einfach nur zu faul sind, die Bücher am nächsten Tag wieder herauszusuchen – vielleicht wissen sie es selber nicht.

Links

Lehramtsstudent der Uni Eichstätt wegen Hehlerei mit wertvollen büchern schuldig gesprochen

Klauender Professor verurteilt

Und morgen: Still stole the Blues

Eva Herrmann klaut zwar keine Bücher, aber möglicherweise Buchideen

Zeit-Galerie meistgeklauter Jurabücher

Bücherklau kann ins Gefängnis führen

Collaboration – warum Ideen Vielfalt brauchen

Eingespielte Teams haben sicher ihren eigenen Charme. Um Ideen zu entwickeln, sind sie ungeeignet. Da steht fast immer die Hierarchie im Weg. In Teamsitzungen lautet der Wahlspruch „Seien Sie spontan kreativ“, obwohl gerade diese Sitzungen alles andere als kreativitätsfördernd sind.Weil die Leute sich bereits sehr gut kennen, sprechen sie seltener aus, was ihnen spontan einfällt, weil sie bereits wissen, wer welche Einwände vorbringen wird.

In einem Beitrag in der taz beschreibt der Autor, warum Leute, die sich untereinander kaum kennen, kreative Energie entfalten und an komplexen Projekten mitarbeiten. Es gibt dort keine flasche Scheu vor Hierarchien oder vor unterschiedlichen Kenntnisständen. Es gibt dort kaum eingefahrene Gedankenspuren, weil die Fluktuation sehr groß ist.

Twit this! sonst mache ich es!

Im Internet spielen Empfehlungen heute eine immer größere Rolle. Twitter ist vielleicht das beste Beispiel dafür. Artikel oder Produkte lassen sich hier schnell in 140 Zeichen durchgeben. Blogeinträge wären hier zu sperrig.

Dabei ist auch schlechte Werbung Werbung: Ich selber habe ein paar Besucher über Twitter erhalten, einem Twitterer hat einer meiner Beiträge nicht gefallen;-)

Twitter ist bisher so erfolgreich, weil es von Spam – mit einigen Ausnahmen – relativ frei geblieben ist. Andere Plattformen basieren auf persönlichen Bewertungen oder Testberichten. Amazon z. B. hat zu vielen Büchern Dutzende von Rezensionen und auch zu den Geräten, die es zum Kauf anbietet. Die Rezensionen selbst lassen sich wiederum bewerten.

Die Social Bookmark Services erfüllen wiederum ähnliche Funktionen: Öffentliche Booksmarks mit Tags zeigen an, welche Angebote am liebsten markiert werden und damit wahrscheinlich am hilfreichsten zum jeweiligen Thema sind. Daran mag es liegen, dass Seiten wie Mister Wong oft vor dem eigentlichen Webangebot angezeigt werden, auf das sie verweisen. Zumindest war das noch vor einigen Monaten so, wenn man nach Domainnamen gesucht hat, die dort aufgenommen worden waren.

Psycho – die Ästhetisierung des perversen Mordes

Der Psycho-Mord erfreut sich zumindest in der Literatur zunehmender Beliebtheit. Las man früher Patricia Highsmith oder Stephen King, dominieren heute James Patterson, Jean-Christophe Grange und Patricia Cormwell. Vor allem Cormwell und Grange beschreiben mit Vorliebe perverse Mörder, die selten aus Gier und oft aus Freude am Quellen töten. Minutiös werden Einzelheiten beschrieben, die den Mageninhalt in Bewegung versetzen können.
Der König des Horros Stephen King hat so etwas nie gemacht. Bei Patricia Highsmith spielte vor allem das Spiel aus Mörder, Opfer und Ermittler die Hauptrolle, die Morde wurden meistens sauber und leidenschaftslos ausgeführt. Bei Agatha Christie spielten die Morde so gut wie keine Rolle, es standen immer der Täter und der Ermittler im Vordergrund.
Dabei entsteht der durchaus falsche Eindruck, solche bestialischen Morde seien an der Tagesordnung. Dabei sind sie insgesamt wohl relativ selten. Jack the Ripper, der Kannibale von Rothenburg und viele andere existieren zwar als reale Figuren, aber die meisten Morde werden aus Gier begangen oder um Spuren zu verwischen.
Dann gibt es natürlich die Massaker, die von Soldaten oder Söldnern etwa in Ruanda verübt wurden. Bestialisch sicherlich, aber nicht geplant, sondern im Blutrausch ausgeführt.
Da wären auch die eben so seltenen Amokläufe zu nennen. Sie sind ebenfalls brutal, werden aber meistens mit Schusswaffen ausgeführt. Die Täter sind zu feige, sich ihren Opfern zu nähern.
Dabei kann man Leuten wie Patricia Cormwell durchaus eigennützige Motive unterstellen. In „Das Kreuz des Südens“ lässt sie ganz unverblümt ihre Protagonisten härtere Straftaten für Straffällige fordern. Dass sie in den USA lebt und vor allem im Süden, wo die Strafen ohnehin hoch sind, es zudem die Todesstrafe gibt, macht die Sache um so erstaunlicher.
Bildet man sich das ein oder genießen die Schreiber es zumindest ein wenig, sich in die Psyche von Perversen zu versetzen, um genüßlich die ferngelegensten Verletzungen ihren Opfern zuzufügen?
Die Gefahr besteht darin, dass man glaubt, solche Dinge kämen wesentlich häufiger vor, als sie das in der Realität tun. Studien haben gezeigt, dass vor allem ältere Menschen und Personen, die viel fernsehen, große Angst haben, Opfer von Gewaltstraftaten zu werden und die Zahl der tatsächlichen Gewaltstraftaten überschätzen. Das liegt daran, dass diese Leute den Kontakt zur Außenwelt nicht haben, weil sie einfach nicht vor die Tür gehen. Und da sie nicht vor die Tür gehen und die Türe nachts wahrscheinlich gar nicht öffnen, ist es um so unwahrscheinlicher, dass sie tatsächlich Opfer einer Straftat werden. Als Kind habe ich freitag abends gerne Aktenzeichen XY gesehen und mich immer gegruselt.
Die durchaus realen Folgen von Krimiserien wie CSI und der Berichterstattung über Amokläufe, Kindesentführungen, Kindesmißbrauch und anderen Gewaltstraftaten bestehen darin, dass auch Juristen aus der TV-Generation höhere und härtere Strafen fordern. Viele von ihnen werden später an Gesetzen basteln, die eben das herbeiführen.
Solche drakonischen Maßnahmen halten natürlich keinen Psycho davon ab, seinem bösartigen Tun nachzugehen. Womit wir den Kreis geschlossen haben, die Freude an gewalthaltigen Medien zeitigt früher oder später Wirkungen in der Realität.

Still stole the Blues – der Wahn der Innovativität

Wie gestern versprochen geht es heute um gestohlene Songs, Riffs oder Klänge. Gerade die Deutschen haben ein Fable für den Raub: Die Prinzen sangen „Alles nur geklaut“, Fury in the Slaughterhouse erfand in „Brilliant Thieves“ das heute im Internet gängige Prinzip „Copy, shake und paste“.

Ein deutsches Gericht hat nun entschieden, Gary Moore habe von einer deutschen Band seinen größten Hit „Still got the Blues“ abgekupfert, die Melodie, nicht den Song.

Moore ist in einigen Kreisen eine Legende. Immer ist es möglich, dass er die Melodie einmal oder mehrfach gehört und hat Jahre später geglaubt, es sei seine eigene Idee gewesen.

Das dürfte jeder kennnen: man hat eine geniale Idee, von der man glaubt, dass sie einem selbst eingefallen ist. Oft merkt man aber, dass die Idee von jemand anderem stammt, man vergißt – vor allem heute – sehr schnell die Quelle seiner Informationen.

Die fixe Idee vieler Kreativer und fanatischer Fans, man müsse immer etwas komplett Neues produzieren, richtet gewaltigen Schaden an. Simply Red hat in ihrem Song „Fairround“ ganz klar ein Schlagzeug einer anderen Band verwendet, der Song ist denoch gut.

Möchte man gründlich sein, müsste man heute bei jeder Text- oder anderen Produktidee schauen, ob sie nicht jemand anderes schon ähnlich gehabt hat. Weil man ansonsten erstens „nicht kreativ“ ist und zweitens befürchten muss, wegen Plagiats verklagt zu werden.

Das ist kein Pladoyer für Diebstahl. Moore und sein Label können es sich sicher leisten, den Erleichterten Entschädigungen zu zahlen. Eine ganze Reihe anderer Leute kann das aber nicht. Die Anwälte stehlen uns nicht nur die Zeit, sondern unser kreatives Potential. Als ob eine Abwandlung eines Stücks per se keine kreative Leistung darstellt.

Ganz Hollywood würde in der Versenkung verschwinden, wenn es nicht 1000 Abwandlungen bekannter Stoffe produzieren würde. Das Motiv „Arroganter Mensch wird durch Weihnachten zu gutem Menschen“ wurde vielleicht erstmalig von Charles Dickens „Christmas Carol“ hervorgebracht, vielleicht hat aber auch nur Dickens von einem Märchen abgekupfert.

Die Wahrheit ist, dass gute Ideen rar gesät sind. Die meisten Menschen habe nur eine gute Idee in ihrem Leben gehabt. Bill Gates hat weder seine erste Software selbst geschrieben noch die graphische Benutzeroberfläche erfunden, sondern lediglich die Idee gehabt, Software gegen Lizenzen abzugeben und die Software auf verkaufsfertigen PCs vorzuinstallieren. Priem und Page haben die Suchmaschine nicht erfunden, sondern „nur“ einen vernünftigen Suchalgorythmus entwickelt.

Es genügt natürlich nicht nur, solche Ideen zu haben, sondern sie mit Ehrgeiz, Hartnäckigkeit, Selbstausbeutung, Arroganz, Fremdausbeutung und Selbstbewußtsein umzusetzen. An diesem Eifer mangelt es den meisten Menschen, weshalb sie aus der einen, guten Idee, die sie mit Sicherheit einmal hatten, kein Kapital schlagen können.

Alles Pareto – die 20:80-Regel

Der italienische Soziologe und Ökonom Wilfredo Pareto entdeckte eine soziale Regel – Gesetzmäßigkeit wäre hier zu weit gegriffen – die besagt, dass 20 Prozent des Aufwandes 80 Prozent der Ergebnisse bedingen. Diese Regel gilt für so ziemlich alle Bereiche: 20 Prozent der Bevölkerung besitzen 80 Prozent des Einkommens, 20 Prozent der Angestellten erledigen 80 Prozent der Arbeit und so fort.

Zwei Irrtümer sollten allerdings vermieden werden:

1. Diese Regel ist als Annäherung, nicht als absolutes Faktum zu verstehen. Es könnten auch 10:90 oder 60:40 sein. Worum es hier geht ist der Umstand, dass in sozialen Bereichen Durchschnittswerte fast nie aussagekräftig sind, wie wir schon beim Matthäus-Prinzip gesehen haben.

2. Niemand kann ernsthaft behaupten, diese 20 Prozent „Leistungserbringer“ könnten den Laden alleine schmeißen; auf die 80 Prozent bzw. die 20 Prozent Arbeit, die sie tun, seien überflüssig. Auch Arbeit mit geringer Wertschöpfung – Putzarbeit, Terminmanagement, Organisationsaufgaben – müssen erledigt werden. Die 80 Prozent leisten tatsächlich oft die Arbeit, ohne die die 20 Prozent ihre Leistung gar nicht vollbringen könnten.

Wikipedias Wahrheit – Wahrheitstheorien

Die Wahrheit und ihre Findung ist eine der wichtigen Themen der Philosophie. Viele meinen ja, Wissenschaftstheorie – also das Zustandekommen von Wissen, seine Validierung und gegebenenfalls Falsifizierung – sei heute die letzte und sicher wichtige Aufgabe der Philosophen.

Wahrheit ist, was funktioniert, meinen etwa die Pragmatisten wie William James. James meint etwa, es sei einfacher, an Gott zu glauben, weil der idelle Gewinn größer ist, während Nichtglauben Einem keinerlei Vorteile bringt.

Wikipedia ist allerdings heute näher an der gängien Sissenschaftstheorie. WPs Wahrheit basiert darauf, dass eine Aussage irgendwo belegt ist. Nun ja, die Qualität der Quellen sollte schon akzeptiert sein: renommierte Wissenschaftler, Universitäten, Fachzeitschriften… Die meisten geisteswissenschaftlichen Fakultäten verfahren ebenso, was besagter Autor allerdings nicht erwähnt.

Das Problem besteht darin, dass auch anerkannte Quellen falsch liegen können. Statt gegensätzliche Auffassungen und Minderheitenmeinungen zu akzeptieren, versucht Wikipedia, einen objektiven Point of View einzunehmen. Kein Plädoyer für Verschwörungstheorien, aber die meisten Flame Wars entstehen eben aus dieser Problematik. Dort, wo die Wissenschaft sich uneins ist, brauchen auch Internetschreiber nicht einer Meinung zu sein.

Knowledge Overkill

Unsere schwerste Aufgabe ist es heute nicht mehr, uns Informationen zu beschaffen, sondern eine Struktur hineinzubringen in die Informationen, die wir haben.

Informationen sind per se unstrukturiert. Wissen hingegen ist immer unstrukturiert. Wenn Wissen ein Auto wäre, dann wären Informationen Benzin, Autoreifen, Fensterkurbeln usw. Man kann sie irgendwie benutzen, aber ihren eigentlichen Zweck erfüllen sie erst, wenn sie zu einem Auto zusammengesetzt sind.

heute ist praktisch jeder Erwachsene gezwungen, Informationen zu organisieren. Behördenkorrespondenz oder Kontoauszüge müssen z. B. abgeheftet werden. Der moderne Student hat zudem Recherche zu leisten für Referate, Hausarbeiten und alles weitere.

Wenn er schlau ist, muss er sich sehr bald Gedanken darüber machen, wie die gesammelten digitalen organisiert werden können, so dass er sie wieder finden kann.

Ich habe im Laufe von ca. sechs Jahren etwa 10.000 Zeitungsartikel gesammelt. Es wäre naheliegend, diese Artikel nach Themengebieten zu sortieren – was ich auch gemacht habe. Allerdings habe ich sie vorher nach Quelle sortiert.

Der einfache Grund besteht darin, dass ich besser behalten kann, aus welcher Quelle ein Artikel stammt als daran, in welchem Themengebiet ich ihn abgespeichert habe.

Daran sieht man, dass mein System im Grunde nicht allgemeintauglich ist. Jeder kennt wohl die tiefgehenden Verzeichnisstrukturen eines Unternehmens, die ein Dutzend oder mehr Verzweigungen haben können. Es ist oft schwierig, sich dort einzuarbeiten, weil solche Strukturen oft wuchern.

Besser durchdacht sind die Systeme von Bibliotheken. Diese sollte man sich betrachten, möchte man ähnliches aufbauen. Sinnvoll ist es allemal.