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Messen, Ausstellungen, Messewesen

Besser Online 2009 – eine Rückschau

Das Thema Online-Journalismus lässt sich nur schlecht an einem einzigen tag abhandeln. Der DJV hat es trotzdem versucht und der nicht online- und technikaffinen Journalistenschaft einen guten Überblick geboten.

Der ZDF Tower
Der ZDF Tower

Der Umbruch in der Medienlandschaft ist fundamental, aber nicht nur auf das Internet oder Google zurückzuführen. Schon lange haben große Anstalten und Verlage angefangen, freie Redakteure und Journalisten zu beschäftigen – und sie schlecht bis miserabel zu bezahlen. Der „Vogel“-Freie kommt zwischen Aquise und Arbeitsaufträgen kaum zum Luftholen. Die Konkurrenz macht es schwierig, eine akzeptable Bezahlung durchzudrücken. Viele Freie haben gezwungenermaßen ein zweites Standbein, sie halten etwa Workshops oder Vorträge ab oder erteilen Unterricht.

Im Auftaktplenum wurde deutlich, wie wenig auch viele Journalisten kritisch mit dem Netz und insbesondere mit der Google-Recherche umgehen. Es gibt gute Alternativen und es ist nicht sinnvoll, sämtliche Daten bei Google zu organisieren oder zu speichern, auch wenn es einfach und praktisch ist.

Ein zweites Thema, dass bei vielen Journalisten zu kurz kommt, ist die Absicherung ihrer Kommunikation. Sie können häufig nicht mit Verschlüsselung, Steganographie und elementaren Sicherheitsmaßnahmen umgehen, was ihre Computer und ihre Kommunikation angreifbar macht. Wenn es um verdeckte Recherche geht, spielen solche Dinge insbesondere für Informanten eine Rolle, die geschützt werden wollen. Der Datenskandal der Deutschen Bahn und ähnliche Vorkommnisse zeigen, wie delikat die ganze Geschichte ist. Wenn aber die Whistle Blower den Journalisten nicht vertrauen können, dann werden sie auch keine Informationen preis geben können.

Mittlerweile dreht sich fast jeder Medienkongress um eine Frage: Wie kriege ich die Leute dazu, für meine Inhalte zu bezahlen? Die Frage habe ich in einem Extra-Beitrag behandelt.

Last not least muss man feststellen, dass vielen Journalisten – und vielen Verlagen – die Online-Kompetenz fehlt. Das meinen die Betreuer des Journalisten-Studiums von der Uni Dortmund. Die Volontariate im Printbereich seien im Wesentlichen oder ausschließlich auf Print konzentriert, Online-Kompetenzen werden gar nicht vermittelt. Die älteren Kollegen – 40 aufwärts – besäßen häufig kein Verständnis für das Web. Es gibt so gut wie keine reinen Online-Volontariate – was ja nicht weiter erstaunlich ist, es müssen erst einmal Onliner dabei sein, die überhaupt Onliner ausbilden können.

Das Fazit ist eher negativ: Während die Verlage für das Leistungsschutzrecht Lobby-Arbeit betreiben, werden ihre Freien praktisch enteignet. Immer mehr Massenproduktion steht immer weniger Sorgfalt gegenüber. Journalismus und PR vermischen sich stärker. Eine Lösung – das war wohl zu erwarten – hat auch diese Tagung nicht gebracht.

Klasse statt Masse – die CEBIT und ihre Besucher

25 Prozent weniger Aussteller, 20 Prozent weniger Besucher, so lautet das vorläufige Fazit der CEBIT 2009. Es ist reiner Zweckoptimismus, wenn sich die Aussteller dennoch verhalten zufrieden zeigen?

Nicht ganz. Für die Fachmesse sind die “Fachbesucher” interessant. Das sind Experten, die Unternehmen beraten, welche Technik sie sich beschaffen. Oft sind es auch die Einkäufer der Unternehmen selbst. Oder eben Techniker, die in irgend einer Form aktuelle Techniktrends der jeweiligen Branche behandeln. Kurz, es sind Leute, die in irgend einer Form direkt oder indirekt das Business ankurbeln. Auf Neudeutsch heißen diese Leute High Potentials.

Das normale Publikum bringt hingegen kaum Geld. Es handelt sich nicht um eine Verkaufsmesse, wie etwa eine Kunst- oder Möbelmesse. Es sind häufig Technikfreaks, die gerne mal die teuren Spielzeuge ausprobieren oder kostenlose Goodies oder Software abstauben wollen.

Wir kennen das alle, man guckt sich im Laden alle möglichen Sachen an, kaufen tut man aber nur eine davon. Während dessen hindert man andere – eventuell lukrativere – Kunden daran, Gespräche mit den Ausstellern zu führen.

Deswegen kann es durchaus sein, dass die Aussteller mit weniger, aber qualitativ besseren Besuchern glücklicher sind.

CEBIT noch zukunftsfähig?

Der Gouverneur von Kalifornien und die Bundeskanzerlin geben sich auf der diesjährigen CEBIT ein Stelldichein. Die weltgrößte Computermesse öffnet heute abend ihre Türen, zumindest für Arnold Schwarzenegger, Angela Merkel und die erwählten VIPs, die dem Spektakel zusehen darf.

Morgen gehts dann los, Themen sind Green IT, die “Handy-Hits der nächsten Generation”, Open Source und Web 2.0. Wem das bekannt vorkommt, die SYSTEMS, die letztes Jahr ihre Tore für immer schloß, hatte die gleichen Themen.

Aber auch so haben die Computermessen zu kämpfen. Die Unterhaltungsindustrie wandert zur IFA oder zu Spezialmessen wie der Games Convention über. Apple hat in diesem Jahr letzmalig an der MACWORLD teilgenommen, weil es eigene Vertriebswege aufgebaut hat und auf Messen verzichten möchte.

Generell werden special events immer wichtiger: Vor nicht ganz zwei Wochen war der Mobile World Congress in Barcelona. Die Messe München plant eine Spezialmesse zur IT-Security. Parallel zur CEBIT findet vom 3. – 5. März die Embedded World in Nurnberg statt.

Nicht nur wegen der Wirtschaftskrise sinken also die Zahlen der Teilnehmerzahlen für die CEBIT. Noch mehr als die SYSTEMS ist sie zu groß, um für Spezialisten interessant zu sein, andererseits sind Messen offenbar nicht mehr wichtig genug, dass auch jeder wirklich dabei sein will. Wenn Apple seine Innovationen unabhängig vom Messezyklus veröffentlichen möchte, können das andere große Player ebenso tun. Wenn aber die großen Player wegbleiben, werden die Veranstaltungen auch für kleine und mittelständische Unternehmen uninteressant.

Bestimmt Design das Bewusstsein?

Zumindest der Architekt Christoph von Winterfeld glaubt das. Und für die Architektur ist das sicher zutreffend, weniger für andere Objekte wie Webseiten, mit denen man sich nicht groß anfreunden muss. Es ist sicher nicht nur die Höhe der Gebäude, die Selbstmörder dazu bringt, sich ausgerechnet dort das Leben zu nehmen.

Manche Gebäude strahlen eine Tristess aus, die auf die Menschen abfärbt, die sich in oder zwischen ihnen bewegen müssen.
Schon die Nazis planten ihre Vorzeigegebäude so, wie sie gerne gewesen wäre, man kann das als Gigantomanie bezeichnen.

Die 70er Jahre noch waren bestimmt von Einheitsgebäuden aus Glas und Stahlbeton, funktional und ästetisch weniger ansprechend als ein Felsbrocken. Man mag sich einmal das Bonner Bürgerbüro angucken, dessen Eingangsbereich ein wenig nach Tiefgarage aussieht, nur dass Tiefgaragen besser beleuchtet werden.

Heute geht es in die andere Richtung: Gebäude sollen nachhalitg gebaut sein, ästhetisch ansprechend, funktional und fördernd. Ecken werden abgerundet, Wände werden holzgetäfelt. Die Gebäude der Neuen Messe München sind dafür ein gutes Beispiel. Geht man von der U-Bahn Messestadt West zum Haupteingang des Messehauses, stößt man auf einen abgerundeten Teil des Gebäudes, ohne scharfe Kanten. Man trifft auf eine Glasfläche – das Treppenhaus – welches die wie ein Spiegel wirkt. Der Durchgang von Messehaus zu den Messehallen ist rundum verglast.

Offen und hell ist also die Botschaft, die hier zu lesen ist.

Besonders beeindruckend ist die Holzoptik. Allerdings fällt es negativ auf, dass man von der Treppe aus praktisch jeden Ort im Treppenhaus einsehen kann.

Der Architekt Christoph von Winterfeld verweist übrigens auf die Wirkung von Gebäuden auf das Gemüt.

Corporate Web 2.0 – die Chancen des Web 2.0 im Unternehmn

Web 2.0-Technologien haben zumindest in deutschen Unternehmen bisher kaum Einzug gehalten. Das Intranet sieht häufig so aus wie im Jahr 2000 mit eher statischen Informationshäppchen, Newsticker und mehr oder weniger wichtigen Formularen und Rundschreiben. Oft gibt es auch die Möglichkeit, Profile einzurichten, diese Funktionen sind aber entweder gut versteckt oder so eingerichtet, dass sie nicht sehr praktisch sind.

Nur wenige Unternehmen verwenden Weblogs, kaum eines scheint Foren, Chats oder Instant Messaging zu benutzen.

Natürlich ist nicht jede Technologie für jedes Unternehmen sinnvoll. Doch es gibt reichlich Möglichkeiten, die durch die Social-Web-Technologien erschlossen werden können:

– interne Kommunikationsabläufe können verbessert werden

Die E-Mail-Flut wird eingedämmt, weil man etwa auf Foren oder Instant Messaging setzt.

– Projekte können besser geplant und koordiniert werden

Statt zwei benötigt man nur noch eine Sitzung pro Woche, um relevante Informationen auszutauschen.

– Kundenkommunkation gewinnt eine persönliche Note

Potentielle und bestehende Kunden werden besser angesprochen, weil sie durch das Social Web eher persönlich angesprochen werden als durch Werbung, anonyme Mails oder Infobriefe.

millionaire fair – die Messe für Reiche und solche, die es gerne wären

Es gibt doch einige Millionäre, aber was sollte sie eigentlich dazu treiben, eine Messe wie die millionaire fair zu besuchen, die jüngst in München stattfand? In Deutschland erwartete sie lediglich 20.000 Besucher und nahm 15.000 qm ein, eher bescheiden.

Übermäßig viel hingegen die Presse für dieses Event aus.

Die Veranstalter wissen also zumindest, wie man Pressearbeit macht. Ein paar Promis, teurer Kram, ein bißchen Protest.

Natürlich würde kein anständiger Millionär für seine Geschichte sein Wohnzimmer verlassen. Hier geht es vor allem darum, sich zu zeigen, nicht darum, sonderbare Dinge zu kaufen.

Eine solche Messe lockt vor allem Leute an, die zwar viel Geld haben, die aber vor allem noch Hoffnung darauf haben, Millionäre oder zumindest prominent zu werden.

SYSTEMS am Ende kaum Neues

Die SYSTEMS neigt sich heute ihrem Ende zu. Halb möchte man ihr gratulieren, dass sie zum letzten Mal statt findet, denn den Anspruch einer großen Messe für Business-Anwendungen kann sie nur schwer aufrecht erhalten.

Branchengröße Microsoft war kaum vertreten. Datenbank-Spezialist Oracle veranstaltete lediglich eine Konferenz zu Enterprise 2.0 und auch andere internationale Größen ließen sich kaum sehen.

Dass keines der Hauptthemen Business-spezifisch war – CRM, Business Intelligence oder ERP – hat schon angedeutet, dass der Business-Schwerpunkt verloren zu gehen drohte.

Das Konferenzprogramm war nur ein schwacher Trost dafür, dass andere Themen vernachlässigt wurden, denn auch das Rahmenprogramm war wenig Business, wenn auch nicht uninteressant.

Möglicherweise ist die IT mittlerweile zu ausdifferenziert, um alles auf einer großen Messe zu machen. Das würde auch bedeuten, dass die CEBIT bald ihr Ende findet. Denn Spezialisten langweilen sich, wenn es nicht in die Tiefe geht. Tiefe hingegen schreckt die Laien ab.

Vermutlich werden also bald Sondermessen an Gewicht gewinnen, dass könnte ein Vorteil für alle Beteiligten sein.

SYSTEMS – entscheidende Themen verpasst?

Das Ende der SYSTEMS macht aber zugleich deutlich, wie schwierig das Messegeschäft vor allem im IT-Bereich ist. Entweder ist man zu früh oder zu spät dran. Wenn etwa die Green IT einen Schub bekommt, war es durchaus sinnvoll, sie zum Kernthema zu machen. Energieeinsparungen gehören schließlich zu den Kosten, die ein Unternehmen problemlos einsparen kann.

Doch die Ideen wirken altbacken: Das grüne Rechenzentrum ist uns schon vor vier Jahren versprochen worden. Inzwischen verfügen die meisten Firmen über Server und weitere Infrstruktur und werden sie gnadenlos solange einsetzen, bis sie am Ende sind.

Verschlafen hat die SYSTEMS die Themen Virtualisierung und Data Loss Prevention. Auch Themen wie Business Intelligence oder Dokumentenmanagement, virtuelle Zusammenarbeit und Enterprise Web 2.0 hätten stärkeres Interesse verdient.

Manche Unternehmen scheinen bei ihrem Webauftritt im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein, auch hier hätte man sich frischen Wind erhofft.

Vielleicht wird sich die CEBIT einst darum kümmern. Möglicherweise läutet das Ende der SYSTEMS das Ende der großen Univeralmessen überhaupt ein. IFA und CEBIT erwecken bereits den Eindruck, eher ein Sammelbecken für LIfestyle-Themen zu sein.

SYSTEMS ausgemustert – die große IT-Messe findet zum letzten Mal statt

Manchmal kann es eben doch flott gehen. Die IT-Business-Softwaremesse SYSTEMS findet in diesem Jahr zum letzten Mal statt. An die Stelle der SYSTEMS wird eine IT-Security-Messe sowie ein neues Event stattfinden. Der neue Schwerpunkt dürfte stärker auf Kongressen und den “Begleitevents” der normalen Messe liegen. Ob die SYSTEMS durch die CEBIT in die Knie gegangen ist oder ob sie ein Opfer der aktuellen Finanzkrise geworden ist, ist schwer zu sagen.

Klar ist, dass Unternehmen, die nicht gerade in Aufträgen schwimmen es sich kaum leisten werden, sich neue Business-Software oder IT ins Haus zu holen, so lange die alte es noch tut.

Klar ist, dass neue

Spanische Computermesse fällt aus

Die SIMO, Spaniens größte Computermesse fällt aus. Offenbar im Strudel der Finanzkrise musste die Messe abgesagt werden, nachdem große Aussteller abgsprungen sind. In Spanien wird die Immobilienkrise besonders verheerende Folgen haben. Ein Großteil des bisher hohen Wirtschaftswachstums erwuchs aus Immobilienspekulation und daraus induziertem Bauboom. Messen werden im Allgemeinen als Erstes eine solche Krise zu spüren bekommen.

Um so erstaunlicher, dass das Ganze in Deutschland mehr oder weniger unbemerkt bleibt.