Die Hand als Ersatz der Augen

Ist man eine bestimmte Zeit lang blind oder stark sehbehindert gewesen, kommt man gar nicht mehr auf die Idee, sich einen kleinen Gegenstand anzuschauen, um ihn zu erkennen. Sehende sind dann immer überrascht, es dauert eine Weile, bis sie verstehen, dass es für einen Blinden keinen Sinn macht, eine Sache mit den Augen zu betrachten. Für uns ist es hingegen ganz natürlich, eine Tasche oder einen Karton mit den Händen zu durchwühlen und mit den Augen ganz wo anders hinzugucken.
Um etwa Kabel zu identifizieren, tastet man die Stecker ab. Blinde verfügen nicht über bessere Sinnesorgane, sondern haben gelernt, ihre verbliebenen Sinne effizienter einzusetzen.
Zwar gibt es Leute, die außergewöhnliche Sinne haben: Prinzipiell kann aber jeder Mensch lernen, seine Sinne vernünftig zu trainieren. Ein Parfümeur etwa verfügt wahrscheinlich schon ohnehin über einen guten Geruchsinn, weshalb er sich für seinen Beruf entschieden hat. Dennoch ist er gezwungen, seinen Geruchsinn zu trainieren, zu verfeinern und weiter zu entwickeln. Ein Toningenieur mag von Jugend an ein oder mehrere Instrumente gespielt haben. Er hat deswegen ein besonderes Gehör entwickelt, dass er durch seine Tätigkeit zwangsläufig trainiert, also sowohl durch das Musizieren als auch durch die Arbeit im Tonstudio.
Ein Blinder arbeitet in der Regel mit allen Sinnen. Der Tastsinn wird besonders dadurch gefördert, dass er die Brailleschrift erlernt, wodurch die Finger besonders trainiert werden. Möchte ein Blinder eine Straße überqueren, muss er feststellen können, ob ein Auto kommt, aus welcher Richtung es kommt und ob es abbremsen wird. Sucht er ein bestimmtes Geschäft, kann er etwa eine Bäckerei am Geruch identifizieren.

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