Einführung in Behinderung und in das Behindertenwesen

Ziel dieser Einführung in die Behinderung und das Behindertenwesen ist es, Ihnen eine kompakte Einführung zu geben. Es werden hier unterschiedliche Konzepte und Begriffe vorgestellt, die man kennen sollte, wenn man im Behinderten-Bereich arbeitet oder dies vorhat. Dabei wird an keiner Stelle ins Detail gegangen. Detail-Informationen lassen sich in speziellen Broschüren sowie im Internet nachlesen. Die Darstellung ist nicht vollständig. Benötigen Sie eine professionelle Einführung in das Thema? Dann nehmen Sie gerne Kontakt auf.

Inhalt

Schwerbehinderung und Schwerbehindertenausweis

Der Begriff Behinderung umfasst körperliche und kognitive Einschränkungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Einschränkungen von Geburt an bestehen, später hinzukamen oder durch äußere Ereignisse wie Unfälle eingetreten sind.
Hingegen bezeichnen sich chronisch und psychisch erkrankte Menschen in der Regel nicht als behindert. Da viele dieser Erkrankungen für andere Personen nicht wahrnehmbar sind, werden sie auch oft verheimlicht.
Allerdings können sich auch psychische und chronische Erkrankungen stark auf die Lebensführung auswirken. Dementsprechend können auch diese Menschen Anspruch auf einen Behindertenausweis und damit verbundene Nachteilsausgleiche haben.
Um offiziell anerkannt zu werden, muss eine Behinderung mindestens bzw. voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Wer sich also ein Bein bricht, gilt nach dieser Logik nicht als behindert, unabhängig davon, wie stark er dadurch eingeschränkt ist.
Der Grad der Behinderung soll zeigen, wie stark eine Person durch ihre Behinderung im Alltag eingeschränkt ist. Wer einen Grad von 50 oder höher hat, gilt als schwerbehindert. Damit sind vor allem im Arbeitsleben Nachteilsausgleiche verbunden.
Weiteres Merkmal des Schwerbehindertenausweises sind die Merkzeichen. Sie stehen für weitere Einschränkungen und sind in der Regel mit weiteren Nachteilsausgleichen verbunden. So gibt es bei bestimmten Merkzeichen das Recht, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos zu nutzen.
Die Regeln zur Bewertung von Schwerbehinderungen stehen in der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV).
Zu beachten ist dabei, dass eine bestimmte Behinderung oder Erkrankung nicht mit einem bestimmten GdB einhergeht. Das wäre nicht sinnvoll, da zum Beispiel Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Diabetes in ihrer Ausprägung und den Folgen sehr unterschiedlich sind. Stattdessen wird geprüft, wie stark eine Behinderung im Alltag einschränkt. Grundlage für die Einschätzung sind vor allem Berichte der Ärzte. Es gibt einige Ausnahmen. Wer etwa einen bestimmten Sehrest unterschreitet, gilt als blind und erhält dadurch automatisch verschiedene Merkzeichen und die damit verbundenen Nachteilsausgleiche.

Klassifikation von Behinderungen durch das ICF

Um Behinderung zu klassifizieren, gibt es das System “International Classification of Functioning, Disability and Health” (ICF).
Zu den meisten diagnostierbaren Erkrankungen gibt es einen ICF-Code.

Gesetzgebung

Die für behinderte Menschen relevante Gesetzgebung ist sehr weitläufig. Vor allem relevant sind die Sozialgesetzbücher IX und XII. Im SGB IX findet sich die Schwerbehindertengesetzgebung. Im SGB XII sind die Regelungen zur Sozialhilfe, dazu gehören auch Leistungen für behinderte Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft oder an der Bildung.
Daneben greifen eine ganze Reihe weiterer Gesetze, die für andere Personen in vergleichbarer Lebenslage gelten: Kinder- und Jugendgesetz das SGB II mit den Regelungen zum Arbeitslosengeld II.
Ein dritter Bereich trifft Menschen mit Behinderung in besonderen Lebenslagen. MMB können pflegebedürftig sein oder unter rechtlicher Betreuung stehen. Zwar liegt bei vielen pflegebedürftigen oder betreuten Personen eine Schädigung vor. Doch muss nicht unbedingt eine Behinderung festgestellt worden sein, um einen Pflegegrad oder eine Betreuung zu erhalten.

Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen

Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen (UN-BRK) ist das Dokument mit der nachhaltigsten Wirkung auf die Behindertenbewegung.
Sie hat unter anderem den Prozess der Inklusion in Gang gebracht. Inklusion wird hauptsächlich im Zusammenhang mit der Schule diskutiert. Doch ist die UN-BRK wesentlich umfassender. Sie schließt im Grunde die gesamte Gesellschaft ein.
Zugleich hat die BRK auch das Selbstbewusstsein vor allem von behinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen geändert. Kinder und Jugendliche Behinderte erwarten heute selbstverständlich, Teil der Mehrheitsgesellschaft zu sein. Die Bereitschaft, Förderschulen und andere Sondereirichtungen zu besuchen geht hingegen zurück.

Behindertenhilfe

Im Behindertenwesen haben sich viele Hilfsstrukturen etabliert. In der Regel geht es um Hilfe im Bereich Wohnen, Arbeit oder Alltagshilfe.
Ein Großteil dieser Einrichtungen wird von den Verbänden der Wohlfahrt betrieben. Dazu gehören die Caritas, die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband, der Arbeiter-Samariter-Bund oder die Johanniter. Daneben wäre noch die Lebenshilfe zu nennen, die sich aber schwerpunktmäßig um Menschen mit geistiger Behinderung kümmert.
Neben diesen großen, bundesweit tätigen Organisationen gibt es noch Träger, die lokal oder regional aktiv sind.
Die genannten Einrichtungen bieten im Grunde Leistungen in allen Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeit, Freizeit, Pflege und so weiter.
Auch wenn diese Organisationen weitere Angebote etwa in der Kinder- und Jugendhilfe oder in der Seniorenbetreuung haben, zählen sie zu den wichtigsten Akteuren in der Behindertenbewegung. Insbesondere die Caritas, die Diakonie sowie die Lebenshilfe haben schon durch ihre Größe und Reichweite großen Einfluss.

Frühförderung

Die Frühförderung unterstützt vor allem Kinder. Sie soll gewährleisten, dass behinderte oder chronisch kranke Kinder frühzeitig lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen oder ihre Folgen auszugleichen.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung in Form von Kindertagesstätten oder Kindergärten wird häufig von der Caritas und ähnlichen Organisationen betrieben. Sie bieten oft auch spezielle Kindergärten für Menschen mit Behinderung. Heute geht die Bewegung aber eher Richtung Integration/Inklusion von Kindern mit Behinderung in reguläre Kindergärten. Einige Tagesmütter haben sich auf die Betreuung behinderter Kinder spezialisiert. Doch sind das eher Ausnahmen.

Schulen

Auch in der Schule kann zwischen Regelschulen und Förderschulen unterschieden werden. Förderschulen wurden früher Sonderschulen genannt. Sie konzentrieren sich in der Regel auf eine bestimmte Behinderung. So gibt es Förderschulen mit dem Schwerpunkten Lernen, Sehen oder Hören.
Auch hier gibt es einen Trend zur Inklusion von Kindern mit Behinderung in die Regelschule. Dieser Prozess wird intensiv und sehr emotional diskutiert.

Ausbildung und Arbeit

Bei Ausbildung und Arbeit zeigt sich ein differenziertes Bild. Die sogenannten Berufsbildungswerke können behinderte Menschen in verschiedenen Bereichen ausbilden. Sie sind umstritten, weil viele Arbeitgeber die Qualität der Ausbildung nicht einschätzen können. Zudem sind viele der Ausbildungsgänge nicht mehr zeitgemäß.
Für Menschen, die im reiferen Alter behindert wurden und noch im arbeitsfähigen Alter sind, gibt es die Berufsförderungswerke. Sie sind für die berufliche Rehabilitation oder auch Weiterqualifikation der Teilnehmer zuständig.
Wir unterscheiden zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitsmarkt. Der erste Arbeitsmarkt ist der reguläre Arbeitsmarkt. Der zweite Arbeitsmarkt ist für Personen gedacht, die sich auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht etablieren konnten.
Der zweite Arbeitsmarkt umfasst Integrations- und Inklusionsbetriebe. Dabei handelt es sich um reguläre Unternehmen, die sich dazu verpflichtet haben, einen Teil ihrer Stellen mit Menschen mit Schwerbehinderung zu besetzen. Oft nennen sie sich gGmbH.
Auch die Werkstätten für Menschen mit Behinderung gehören zum zweiten Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiter in diesen Werkstätten können zwar arbeiten, sollen aber mit den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes überfordert sein. Häufig sind es geistig oder mehrfachbehinderte Menschen, die in diesen Werkstätten arbeiten.
Für Menschen, die weder auf dem ersten noch auf dem zweiten Arbeitsmarkt tätig sein können, gibt es die Tagesförderung.
Heute etablieren sich neue Instrumente. Es gibt etwa die assistierte Ausbildung. Daneben gibt es das Budget für Arbeit.

Wohnen

Auch beim Thema Wohnen finden wir ein differenziertes Bild. Viele Menschen mit Behinderung wohnen in ganz konventionellen Wohnungen. Daneben gibt es spezielle Wohnheime und Wohngruppen, die von den großen Trägern betreut werden. Heute geht der Trend dazu, den Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen, indem Wohneinheiten verkleinert und dezentral werden sowie in die Städte hinein verlegt werden, statt sie auf der grünen Wiese zu bauen.
Auch in diesem Bereich gibt es unterschiedliche Hilfsangebote. Je nach Unterstützungsbedarf eichen oft auch ambulante Hilfen. Viele Hilfen werden auch im Rahmen pflegerischer Tätigkeiten über die Pflegeversicherung erbracht.

Versorgung im Alter

Die bessere Gesundheitsversorgung sowie der demografische Wandel sorgen dafür, dass viele Geburts-Behinderte ein höheres Alter erreichen. Zudem treten viele Erkrankungen wie Seh-, hör- und Bewegungs-Behinderungen im Alter fast zwangsläufig auf. Dazu gehören auch dementielle Erkrankungen. Hinzu kommen Kombinationen unterschiedlicher Erkrankungen.
Die genannten Einrichtungen wie Wohnheime kümmern sich in der Regel auch um ältere behinderte Menschen. Da Behinderungen im Alter sehr häufig auftreten, sind auch die Seniorenheime und ambulante Einrichtungen relativ gut auf Behinderungen und Erkrankungen vorbereitet. Sollten jedoch wie es absehbar ist die Erkrankungen zunehmen, werden sich die Einrichtungen noch stärker darauf einrichten müssen. Das bleibt abzuwarten.

Persönliches Budget

Viele Hilfen werden vom Leistungsträger direkt an einen Leistungserbringer überwiesen. So überweist die Pflegeversicherung das Geld direkt an einen Pflegedienst, der dann die Leistung erbringt. Das kann zur Folge haben, dass sich der Pflegedienst nicht den Behinderten Menschen, sondern der Pflegekasse verpflichtet fühlt. Als Lösung für dieses Dilemma gilt das Persönliche Budget.
Das Persönliche Budget wird als Geld direkt an den Empfänger ausgezahlt. Der Empfänger gibt dieses Geld für die vereinbarte Leistung aus. Er weist dies auch dem Träger nach. Der Budget-Inhaber kann zum Beispiel selbst Mitarbeiter einstellen. Das Budget deckt dann alle Kosten inklusive etwa der Sozialabgaben für Angestellte.
Neben Leistungen einzelner Träger gibt es auch Leistungen, die von mehreren Trägern gemeinsam erbracht werden. Man spricht dann vom trägerübergreifenden Persönlichen Budget.

Beratungsstrukturen/

Ebenso vielfältig wie die Lebenslagen behinderter Menschen sind auch die Beratungsstrukturen.
Allgemeine Sozialberatungen werden von den oben genannten Wohlfahrtsverbänden und ähnlichen Stellen angeboten. Sie richten sich an alle Menschen in sozial schwierigen Situationen, also nicht speziell, aber auch an behinderte Menschen.
Im Bereich Reha wurden die Gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitation etabliert. Sie sollen unabhängig von bestimmten Trägern beraten. Diese Stellen werden aktuell aufgelöst bzw. umgewandelt, an ihre Stelle treten die EUTB.
Zum Thema Arbeit beraten vor allem die Integrationsfachdienste, die Job-Center sowie die Arbeitsagenturen.
Zum Thema gesetzliche Betreuung beraten die Betreuungsvereine sowie die Betreuungsgerichte.
Zur Pflege beraten die Pflegestützpunkte.

Hilfsmittel

Hilfsmittel sind Produkte, welche den behinderten Menschen helfen, ihre Behinderungen auszugleichen. Das reicht von der einfachen Krücke bis hin zu elektrischen Rollstühlen. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Preise. Manche Hilfsmittel wie Rollatoren können beim Discounter um die Ecke erworben werden. Elektrische Rollstühle können einen fünfstelligen Betrag kosten.
Hilfsmittel, die von der Krankenkasse im Allgemeinen übernommen werden, stehen in deren Hilfsmittelverzeichnis.
Hilfsmittel, die für den Arbeitsplatz benötigt werden, zahlt einer der Reha Träger: In der Regel sind das Integrationsamt, Arbeitsagentur oder Rentenversicherung.
Die Zahl und Vielfalt der Hilfsmittel ist sehr groß und nimmt tendenziell weiter zu. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, spezielle Hilfsmittel von der Krankenkasse zu erhalten. Die Krankenkassen stehen unter Kostenspardruck. Außerdem nimmt die Zahl der Behinderungen und die Zahl der speziellen Hilfsmittel stetig zu.
Zugleich geht der Trend im Computerbereich dahin, Hilfen wie Sprachein- und ausgabe, Lupenfunktion und weitere Hilfen in das Betriebssystem einzubauen. Vorreiter ist dabei Apple. Alle Geräte, die Apple heute veröffentlicht haben Bedienungshilfen für behinderte Menschen integriert. Der Fachbegriff dazu ist universelles design oder design for all.
Als Mini-computer mit permanenten Zugang zum Internet hat das Smartphone mit dem Zugang zum Internet vielen behinderten Menschen den Alltag erleichtert und einige teure Hilfsmittel ersetzt.

Behinderung und Selbsthilfe

Selbsthilfe bezieht sich darauf, dass behinderte Menschen sich gegenseitig helfen.

Formelle Selbsthilfe

Die Selbsthilfe im Behindertenwesen gewinnt stetig an Bedeutung. Die ersten Selbsthilfeverbände engagierten sich für Erleichterungen für die Gruppe, die sie vertraten. Die Kriegsblinden etwa setzten sich für ein allgemeines Blindengeld ein. Die Gehörlosen engagierten sich für die Gebärdensprache in Gehörlosenschulen. TBC wann entstanden sie
Die meisten Behinderten-Gruppen haben einen eigenen Selbsthilfeverband. Diese Verbände sind auf lokaler Ebene Ansprechpartner für betroffene Menschen. In der Regel beteiligen sie sich auch an Gremien in der Kommunalpolitik oder werden von der Lokalpolitik in bestimmten Fragen konsultiert. Auf der Landes- und Bundesebene engagieren sich eigene Verbandsgremien im politischen Bereich. Sie betreiben Lobbyarbeit, sitzen in politischen Ausschüssen oder stehen als Ansprechpartner für politische und soziale Organisationen zur Verfügung.
Im Rahmen des Selbstvertretungsanspruchs ist es heute Usus, dass diese Verbände von Personen geführt werden, die selbst behindert sind. Dies war früher und ist es teilweise noch heute nicht selbstverständlich. So wurde der Blindenverein DVBS im Jahr 2018 von einem sehenden Geschäftsführer geleitet.
Zu beachten ist, dass einzelne Behindertengruppen nicht nur einen Verband haben müssen. Im Blindenwesen gibt es etwa den DBSV, den DVBS sowie ProRetina auf Bundesebene. Es kann auch in einer einzigen Stadt mehr als einen Verein zu einer Behinderung geben. Manchmal werden nur bestimmte Personen mit speziellen Erkrankungen vertreten wie bei ProRetina. Manchmal stehen aber auch unterschiedliche Philosophien hinter den Gruppierungen.
Das Konzept des Peer Counselling gewinnt an Bedeutung. Peer Counselling heißt, dass behinderte Menschen durch andere behinderte Menschen beraten werden. Dadurch sollen etwa Hemmungen bei den Personen sinken und das Vertrauen in den Berater gestärkt werden. Dieses Konzept soll in den Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungen (EUTB) zum Tragen kommen.
Neben den behindertenspezifischen Verbänden gibt es zwei Verbände, die sich an behinderte Menschen allgemein wenden: Der bvkm sowie der BSK. Weiterhin gibt es die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung mit eigenen Institutionen. Auf der Bundesebene ist das die Interessensvertretung Selbstbestimmt Leben(ISL) sowie lokale Gruppierungen wie die Zentren für selbstbestimmtes Leben. Ebenfalls auf lokaler Ebene gibt es die Clubs behinderter Menschen. Auch sie setzen sich allgemein für behinderte Menschen ohne speziellen Fokus auf bestimmte Behindertengruppen ein.
Parallel dazu gibt es Organisationen, die sich ebenfalls für die Rechte behinderter Menschen einsetzen, aber keine Behindertenvereine im eigentlichen Sinne sind. Zu nennen wären hier vor allem der VdK, der SoVD sowie die Volkssolidarität. Die drei Sozialverbände betreiben auf Landes- und Bundesebene Aufklärungs- und Lobbyarbeit. Auf lokaler Ebene helfen sie den Mitgliedern durch Sozialberatung und oftmals auch rechtlichen Beistand.
Zu beachten ist hierbei, dass vor allem die lokalen Verbände in erster Linie ehrenamtlich tätig sind. Hauptamtlich tätige Personen trifft man vor allem auf der Landes- und Bundesebene dieser Verbände.
Wie alle Groß-Organisationen kämpfen auch die Selbsthilfe-Verbände mit rückläufigen Mitgliederzahlen und Überalterung. Vielerorts ist es schwierig, frei werdende Posten in den Vereinen zu besetzen. Gleichzeitig steigen auch die Anforderungen etwa durch die Arbeit in Gremien oder durch neue Anforderungen der Mitglieder und des Staates. So steigen die Ansprüche an Beratung und Begleitung. Jenseits der Großstädte gibt es diese Selbsthilfestrukturen kaum oder es müssen lange Wege zurückgelegt werden, um sie zu erreichen.
Es gibt verschiedene Gremien, in denen sich die genannten Organisationen vernetzen und austauschen. Das wichtigste Gremium ist dabei der Deutsche Behindertenrat.
Im Großen und Ganzen kann die Behindertenszene eher als zersplittert angesehen werden. Das Gewicht von 7,6 Millionen Schwerbehinderten kann kaum genutzt werden, da es teils konkurrierende, teils nicht miteinander vereinbare Ziele gibt. Während etwa die Blindenvereine ihre Interessen recht gut durchsetzen konnten, sehen andere Behindertengruppen ihre Interessen kaum vertreten.

Informelle Selbsthilfe

Neben den formalen Strukturen haben sich auch informelle Strukturen etabliert. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen, die nicht als Verein, sondern als lockeres Netzwerk existieren. In der Regel hängen solche Gruppen von ein bis zwei Personen ab, die das Netzwerk zusammen halten, Treffen und Räume Organisieren und als Ansprechpartner für die anderen Teilnehmer dienen. Steht diese Person nicht mehr zur Verfügung und gibt es keinen Nachfolger, zerfällt das Netzwerk oft. Besonders wichtig war die Selbsthilfe für die Eltern behinderter Kinder.
Als bundesweite Plattform für die Vernetzung der Selbsthilfegruppen hat sich die NAKOS etabliert. Daneben gibt es lokal agierende Selbsthilfe-Netzwerke, welche die Gruppen unterstützen können. Sie heißen zum Beispiel KISS oder Selbsthilfe-Kontaktstellen.
Ebenfalls informell hat sich das Internet als weitere Plattform für Selbsthilfe etabliert. Einige der großen Verbände oder reinen Online-Plattformen wie Handicap stellen Online-Foren bereit, in denen sich behinderte Menschen zumeist anonym zu den unterschiedlichsten Fragen austauschen können.
Weiterhin sind auch Facebook-Gruppen sowie WhatsApp-Chatgruppen zu festen Bestandteilen der Selbsthilfe geworden. Es gibt zu vielen Behinderungsarten eigene Facebook-Gruppen sowie Facebook-Gruppen mit allgemeineren Themen wie Hilfsmitteln oder Schwerbehindertenausweis mit teils mehreren tausend Mitgliedern.

Demographie bei Behinderung

Der größte Teil der Behinderungen ist nicht angeboren, sondern erworben.
Der Unterschied zwischen Geburts- und Spät-Behinderten kann groß sein. Von Geburt an behinderte Menschen sind in der Regel sehr gut an ihre Behinderung angepasst. Sie haben Strategen entwickelt, um mit auftretenden Problemen umzugehen. Sie beherrschen die Hilfsmittel, die es für sie gibt.
Spät-Behinderte Menschen müssen oft vollständig umlernen. Wer etwa mit 35 sehen konnte und dann erblindet, muss vollkommen neu lernen, sich zu orientieren. Er muss seinen Haushalt anders organisieren und so weiter. Ebenso ergeht es Personen, die plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
Die Zahl der leichten Behinderungen werden durch die Alterung der Bevölkerung zunehmen. Vor allem mehrfache Einschränkungen von Sehen, Hören, Beweglichkeit und Verarbeitungsfähigkeit nehmen zu.
Statistiken zur Behinderung finden Sie beim Statistischen Bundesamt.

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