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	<title>Blind-Text</title>
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	<description>Menschen mit Behinderungen und das Internet</description>
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		<title>Open Data für die Barrierefreiheit</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jun 2013 11:51:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[offene Daten]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Zugänglichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Open Data ist einer der großen Trends bei der Modernisierung der Verwaltung und des eGovernments. Deutschland hängt bei diesem Thema wie so oft hinterher, was unter anderem an dem Umgang mit den Geodaten in der aktuellen Hochwasser-Katastrophe zu sehen war. Im Folgenden wollen wir uns ansehen, wie offene Daten genutzt werden können, um die Barrierefreiheit [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/rolli.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/rolli.jpg" alt="Rollstuhl" width="178" height="153" class="alignleft size-full wp-image-2567" /></a>Open Data ist einer der großen Trends bei der Modernisierung der Verwaltung und des eGovernments. Deutschland hängt bei diesem Thema wie so oft hinterher, was unter anderem an dem Umgang mit den Geodaten in der aktuellen Hochwasser-Katastrophe zu sehen war. Im Folgenden wollen wir uns ansehen, wie offene Daten genutzt werden können, um die Barrierefreiheit für Behinderte zu verbessern. </p>
<p>Generell gibt es zwei Ansätze. Zum einen können wir auf bestehende Daten zurückgreifen, die ursprünglich gar nichts mit Barrierefreiheit zu tun haben, zum Beispiel Geodaten. Zum anderen können wir Daten verwenden, die bereits einen Bezug zur Barrierefreiheit haben und diese nutzen, um die Barrierefreiheit allgemein zu verbessern.<br />
<iframe src="http://www.slideshare.net/slideshow/embed_code/5391696" width="427" height="356" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no" style="border:1px solid #CCC;border-width:1px 1px 0;margin-bottom:5px" allowfullscreen webkitallowfullscreen mozallowfullscreen> </iframe>
<div style="margin-bottom:5px"> <strong> <a href="http://www.slideshare.net/martinladstaetter/open-data-und-barrierefreiheit" title="Open Data und Barrierefreiheit" target="_blank">Open Data und Barrierefreiheit</a> </strong> from <strong><a href="http://www.slideshare.net/martinladstaetter" target="_blank">Martin Ladstaetter / BIZEPS</a></strong> </div>
<h2>Bestehende Daten nutzen</h2>
<p><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/bahn1.jpg" alt="Bahnschienen" width="200" height="150" /> </p>
<p>Natürlich fallen unendlich viele Daten an. Viele dieser Daten können genutzt werden, um die Barrierefreiheit zu verbessern. Informationen <a href="http://www.ubahnaufzug.at">über kaputte Aufzüge an Bahnhöfen</a> können zum Beispiel sowohl für Rollifahrer als auch für Kinderwagenschieber interessant sein. Vor allem für Rollstuhlfahrer müssen diese Informationen möglichst zeitnah zur Verfügung stehen, da sie ansonsten kaum mobil sein können. Das hilft natürlich auch älteren Menschen oder Eltern mit Kinderwagen. Durch das mobile Internet werden solche Anwendungen erst recht interessant. </p>
<p>Die Stadt bzw. die Betreiber haben solche Informationen und können sie entsprechend auch zur Verfügung stellen. Natürlich lassen sie sich aber auch <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2012/05/09/mit-crowdsourcing-zu-mehr-barrierefreiheit">im Crowdsourcing-Verfahren ermitteln</a>. Am besten wäre eine Kombination der beiden Ansätze, um möglichst aktuelle Informationen zur Verfügung zu haben.</p>
<p>Ein ähnlicher Ansatz könnte auch für Baustellen oder andere länger andauernde Hindernisse interessant sein. Über den Dienst <a href="http://www.fixmystreet.com">Fix My Street</a> können Bürger schon seit längerem Probleme an ihre Stadtverwaltungen senden. Ein ähnlicher Dienst wäre zum Beispiel für Baustellen interessant, die für Blinde, Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer schwierig sind. Rollstuhlfahrer können nur eingeschränkt ausweichen, Blinde verlieren die Orientierung, wenn es zu laut wird. Dank unzureichender Absperrungen können Baustellen außerdem ein Verletzungsrisiko darstellen. Wenn wir die entsprechenden Informationen im Voraus hätten, könnten wir uns Ausweichmöglichkeiten überlegen. Auch hier hat die Stadt die entsprechenden Infos und müsste sie nur einmal herausrücken. An anderer Stelle habe ich schon gezeigt, <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2012/11/04/barrierefreie-mobilitat-mit-offenen-strukturierten-daten/">wie Daten zur Barrierefreiheit von Gebäuden genutzt werden könnten</a>.</p>
<h2>Daten zur Barrierefreiheit</h2>
<p>Für den zweiten Ansatz kennen wir schon viele Beispiele. Wheelmap ist eine Mischung beider Ansätze. Es basiert auf der offenen Open Street Map, aber die Daten selbst werden von Freiwilligen eingespeist. Die Daten von Wheelmap wiederum ließen sich für andere Zwecke weiter verwenden. </p>
<p>Firefox sammelt seit einiger Zeit Daten zur Nutzung des Browsers. Es können auch Daten zur Nutzung von Hilfstechnik wie Vergrößerungssoftware oder Screenreadern erhoben werden. Leider habe ich bisher nicht herausgefunden, ob und wo diese Daten offen zugänglich sind, aber sie können auch für Webentwickler interessant sein. </p>
<p>Einen Schritt weiter geht <a href="http://www.webvisum.com">die Browsererweiterung WebVisum</a>. Sie kann auch verwendet werden, um Websites zu verbessern, indem etwa umbenannte Bilder oder Schalter nachträglich benannt werden. Diese Verbesserungen können auch geteilt werden, nach meinem Verständnis sind das auch offene Daten. Leider hat sich das nie wirklich durchgesetzt. </p>
<p>So etwas wäre auch für Programme oder Apps in mobilen Betriebssystemen hilfreich, die so nachträglich barrierefrei gemacht werden könnten, ohne dass man auf die Entwickler warten muss. </p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Die Nutzung offener Daten verspricht viel Potential für die Barrierefreiheit. Zunächst einmal kommt es darauf an, diese Daten entweder über eine Schnittstelle oder in einem Format bereit zu stellen, in dem sie auch genutzt werden können. Die Regierung sollte hier mit gutem Beispiel voran gehen und unsere mit Steuergeldern finanzierten Daten offen zur Verfügung stellen. Erst dann lohnt es sich auch zu überlegen, wie man diese Daten für die Barrierefreiheit nutzen kann. Aber auch die Wissenschaft und die Behindertenverbände haben bisher nicht durch Offenheit geglänzt. Der DBSV zum Beispiel hat eine Datenbank mit blindengerechten touristischen Angeboten aufgebaut. Es wäre vernünftiger, die Daten an Open Street Map oder einen anderen Dienst anzubinden, denn die Zahl der Angebote ist so gering, dass die Datenbank kaum relevant ist. Eine Anbindung hätte den Charme, dass das Angebot auch bei Leuten ankommt, die noch nie etwas davon gehört haben. Andererseits könnte sich durch den höheren Bekanntheitsgrad auch der Datenbestand dramatisch erhöhen. Die Frage wäre generell, ob eine geschlossene Datenbank in diesem Bereich eigentlich noch zeitgemäß ist. Es gibt ein Buch von der inzwischen verstorbenen Ökonomin Elinor Ostrom  mit dem schönen Titel „Was mehr wird, wenn wir teilen“. Ostrom hat über den Wert von Gemeingütern geforscht, auch offene Daten fallen in diesen Bereich. Es wird Zeit, dass wir diesen Datenschatz heben &#8211; und zwar für alle, Behinderte wie Nicht-Behinderte. </p>
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		<title>Bücher für alle  &#8211; warum Behinderte Ausnahmen vom Urheberrecht brauchen</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jun 2013 18:34:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Schrankenregelung]]></category>
		<category><![CDATA[Treaty for the Blind]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Aktuell steht mal wieder die Verhandlung über die Schrankenregelung für Blinde an. Worum geht es dabei eigentlich und warum brauchen wir das? Für Blinde und Sehbehinderte ist der Zugang zu Literatur exttrem schwierig. Ich habe das an anderer Stelle schon ausgeführt. Im Vergleich zu weniger reichen Ländern leben wir in Deutschland allerdings im Paradies. Immerhin [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aktuell steht mal wieder die Verhandlung über die Schrankenregelung für Blinde an. Worum geht es dabei eigentlich und warum brauchen wir das?<br />
<a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/buecher.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/buecher-300x225.jpg" alt="Aufgeschlagene Bücher" width="300" height="225" class="alignleft size-medium wp-image-2077" /></a><br />
Für Blinde und Sehbehinderte ist der Zugang zu Literatur exttrem schwierig. Ich habe das <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2012/06/05/wie-das-urheberrecht-das-studium-fur-behinderte-erschwert/">an anderer Stelle schon ausgeführt</a>. Im Vergleich zu weniger reichen Ländern leben wir in Deutschland allerdings im Paradies. Immerhin haben wir Zugang zum Internet und mittlerweile den Zugang zu relativ günstiger Hilfstechnik. Anderswo kostet ein iPhone mehr als ein Jahresgehalt. </p>
<p>Aktuell geht es darum, dass Bücher ohhne Nachfrage bei den Inhabern der Urheberrechte blindengerecht aufbereitet und international zwischen den Organisationen getauscht werden dürfen. Ansonsten üssen die nationalen Organisationen jedes Buch selbst aufbereiten, was teuer, zeitaufwendig und total überflüssig ist. Überflüssig, weil ein Großteil der Arbeit gespart werden könnte, weil so ziemlich alle Bücher der letzten zehn bis 20 Jahre bereits in digitaler Form vorliegen sollten. Falls es noch jemanden gibt, der seine Bücher analog setzt entschuldige ich mich persönlich für meinen Irrtum. </p>
<p>Das Treaty for the Blind soll also regeln, dass nicht jedes winzige Land die Literatur aufs Neue aufbereiten muss. Dabei geht es insbesondere um international verwendbare Literatur aus dem angelsächischen, frankophonen, spanischen oder portugiesischen Sprachraum, also Literatur, die international getauscht werden könnte. Über das Treaty wird aber erst seit 25 Jahren verhandelt. </p>
<p>Ich finde das Ganze nicht unproblematisch, da es noch andere Behinderte sowie Menschen mit Leseschwierigkeiten gibt, für die so ein Abkommen sogar noch hilfreicher wäre. <a href="http://www.aktion-mensch.de/inklusion/blog/eintrag.php?id=332">Immerhin haben wir in Deutschland Hörbüchereien</a> und eine mittlerweile recht gute technische Ausstattung, so dass uns viele Texte in digitaler oder analoger Form zur Verfügung stehen. Da es wohl zu meinen Lebzeiten kein übergreifendes Abkommen geben wird unterstütze ich die Schrankenregelung trotz meiner Vorbehalte. </p>
<h2>Die Argumentation der Content-Industrie</h2>
<p>Die Argumentation der Content-Industrie ist das Übliche. Eigentlich hat man nichts gegen eine Schrankenregelung, die Blinden den Zugang zur Literatur erleichtert. Aber wenn man hier eine Ausnahme macht weicht man das Urheberrecht auf und öffnet das Tor für weitere Schrankenregelungen. Dabei geht es nur vordergründig um Bücher, in Wirklichkeit kämpfen die Lobbyisten anderer Industrien einen Stellvertreterkrieg. Sie verwehren uns den Zugang zum Wissen, weil sie ihre eigenen Interessen bedroht sehen. </p>
<p>Es gibt wohl kaum ein demokratisches Land, in dem die Urheber- und Verbreitungsrechte automatisch aufgeweicht werden, nur weil in einem internationalen Vertragswerk Schrankenregelungen für ein eng begrenztes Gebiet festgelegt werden. </p>
<h2>Die Probleme des Literaturzugangs</h2>
<p>Oftmals ist es schwer zu verstehen, welche Zugangsschwierigkeiten für die einzelnen Behindertengruppen bestehen, deswegen möchte ich hier kurz darauf eingehen. Fangen wir mit dem Großdruck an. </p>
<p>Das Problem bei Großdruckbüchern besteht darin, dass die Zahl verkaufbarer Bücher oft so gering ist, dass der Druck zu aufwendig wird. Bücher werden von Desktop Publishern gelayoutet, sie kümmern sich um Satz, Textfluß und andere typographische Anforderungen. Das ganze Spiel muss bei Großdruckbüchern wiederholt werden, da sich natürlich durch die Schrifgröße und eine andere Schriftart auch der gesamte Textfluss, die Absätze und der Satzspiegel ändern. Das lohnt sich natürlich nicht, wenn man nur einige Dutzend Bücher absetzen kann. Deswegen ist für diesen Bereich auch Print on Demand nicht sinnvoll, die Kosten für das Layout des Großdrucks amortisieren sich nicht. </p>
<p>Es ist aber auch aus andere Sicht nicht sinnvoll, vor allem bei starken Sehbehinderungen sind die individuellen Sehstärken, Gesichtsfeldausfälle und weitere Erkrankungen so unterschiedlich, dass das durch solche Maßnahmen nicht ausgeglichen werden kann. Hier gilt das gleiche wie für Websites, das Grundlayout sollte möglichst zugänglich gestaltet sein, am Ende ist es aber wichtig, dass die Leute es ihren Bedürfnissen anpassen können. Bei Büchern hieße das, dass die Bücher gut unter Bildschirmlesegeräten funktionieren sollten, das erreicht man durch eine flexible Bindung das Buch sollte möglichst platt aufliegen, wenn es aufgeklappt wird. Die bessere Alternative sind elektronische Bücher, die aber natürlich auch anpassbar sein müssen. Ein Großteil der Leute, die eBook-Reader kaufen sind ältere Menschen, welche die Funktionen zur Anpassung des Layouts zu schätzen wissen. </p>
<p>Ein anderes Problem gibt es bei der Umsetzung von Büchern in Audio oder Braille. An der Produktion eines professionellen Hörbuches sind immer viele Leute beteiligt, der Sprecher steht sozusagen vorne, es gibt aber noch den Lektor, der das Buch vorbereitet oder den Tonmeister, der sich um Aufnahme und Postproduktion kümmert. Bei Braille-Büchern müssen die Texte zunächst in Braille umgesetzt werden. Das geschieht teilweise automatisch, muss aber eebenfalls lektoriert werden, weil sich einige Sachen nicht automatisch übersetzen lassen. </p>
<p>Die Blindenbücher werden in der Regel von Bibliothreken per Post verschickt. In Deutschland ist der Versand als Blindensendung kostenlos. Früher hat man Hörbücher noch auf Cassette in kleinen Kunststoffboxen verschickt, die recht schwer sein konnten. Mittlerweile werden die Bücher als MP3-CD produziert und verschickt, wofür nicht nur die Postboten dankbar sein dürften. Aktuell gibt es schätzungsweise 60.000 ausleihbare Titel und eine deutlich höhere Zahl kommerzieller Hörbücher. Es werden bei weitem nicht alle Bücher als Hörbücher angeboten, besonders schlecht ist die Situation bei Fachbüchern. Es gibt aber auch kaum jemanden, der ernsthaft ein Fachbuch als Hörbuch haben wollte, solche Bücher liest man normalerweise nicht von vorne bis hinten durch, wie man es bei Hörbüchern meistens macht. </p>
<p>Bei Braillebüchern sieht die Lage noch deutlich schlechter aus. Ein durchschnittliches Taschenbuch kann in Braille übersetzt den Umfang mehrerer Telefonbücher annehmen, das sind diese Dinger, die man damals neben das Wählscheibentelefon gelegt hat. Für die sieben Wände von Harry Potter müsste man eine ganze Regalwand freiräumen. Es ist also ein Kosten- aber auch ein Platzfaktor. </p>
<p>Die Situation ist ähnlich für andere Behindertengruppen. Menschen, die wegen motorischer Einschränkungen keine Bücher halten oder umblättern können brauchen digitale Bücher, die sie mit ihrer Software steuern können. Funktionale Analphabeten und Lese-Rechtschreib-Schwache profitieren von einer Möglichkeit, sich Bücher strukturiert vorlesen zu lassen. Menschen mit Lernbehinderung benötigen Texte in Leichter Sprache. Auch Hier dürften bezüglich des internationalen Austauschs ähnliche Schranken bestehen wie für Blinden-Bücher. Last not least gilt das auch für Texte, die in Gebärdensprache übersetzt werden. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Bücher in Gebärdensprache gibt, aber ausschließen würde ich es nicht. </p>
<p>Anders gesagt: Viele Behinderte profitieren von Erleichterungen beim Urheberrecht und Kopierschutz. </p>
<h2>Warum wir das brauchen</h2>
<p>Es geht dabei nicht nur um den Zugang zur Kultur, sondern auch um den Zugang zur Bildung überhaupt. Trotz allem Internet, multimedialem Material und allen Gadgets stehen die meisten relevanten Informationen für Wissenschaft und Weiterbildung in Büchern oder buchähnlichen Produkten. Die Verlags- und Bildungsindustrie hat sich, auch wenn sie das Gegenteil behauptet, seit Jahren als Blockierer der Digitalisierung erwiesen. Man schimpft zurecht auf die goldenen Käfige von Apple oder Amazon, aber es ist bequemer als sich mit dem DRM der Verlage zu beschäftigen. Wir wollten eigentlich Bücher lesen und nicht Handbücher studieren. </p>
<h2>Das Ganze ist nicht kostenlos zu haben</h2>
<p>Es gibt den Begriff des Nachteilsausgleichs. Das heißt, dass die Nachteile, die durch eine Behinderung entstehen durch Erleichterungen ausgeglichen werden sollen. Viele verwechseln das mit Privilegien und fordern oft Dinge, die darüber hinaus gehen: Kostenlose Fahrt im Fernverkehr, kostenlose Mobilitätszentralen, kostenlose Autos und so weiter. </p>
<p>Ähnlich sieht es auch bei Büchern aus. Ich fordere allerdings nicht, dass Blinden oder Behinderten generell alle Bücher kostenlos zur Verfügung stehen müssen. Die Forderung läuft auf eine gleichberechtigte Zugänglichkeit von Behinderten und Nicht-Behinderten hinaus. Es gibt handfeste Nachteile für Blinde, zum Beispiel die schlechte Barrierefreiheit der On-Leihe, die ausgeglichen würden. Ansonsten sollten alle Behinderten den gleichen Preis für Bücher zahlen wie Nicht-Behinderte. </p>
<p>Das Seltsame am Verhalten der Verlage ist, dass es kaum eifrigere Leser als Blinde gibt. Mag sein, dass der durchschnittliche Deutsche zwölf Bücher im Jahr kauft, der durchschnittliche Blinde dürfte meiner Erfahrung nach ein Buch pro Woche lesen – je nachdem, wie viel Freizeit er hat kann es durchaus auch mehr sein. Die meisten von ihnen würden auch das Geld für diese Bücher zahlen, wenn sie ebenso wie Sehende an die Bücher rankämen. Ich kenne einige Blinde, die sich den aktuellen Dan Brown sofort kaufen würden und die gekürzte Audiofassung, die es vermutlich gibt links liegen lassen würden. Sie haben aber keine Wahl, denn das DRM verhindert, dass sie vernünftig an die digitale Fassung rankommen. </p>
<p>Nun mögen Blinde keine besonders große Zielgruppe sein, ich kann mir allerdings vorstellen, dass es bei anderen Behinderten nicht anders aussieht. Ihr Lesekonsum dürfte weit über dem Durchschnitt liegen, sofern sie zugängliche Bücher erhalten. Wenn wir noch die Gruppe der funktionalen Analphabeten dazu nehmen haben wir eine sehr große Gruppe von Menschen, die Bücher kaufen würden, wenn sie in einer für sie zugänglichen Form angeboten würden. </p>
<p>Um so ärgerlicher finde ich aber auch das Verhalten der deutschen und der anderen Blindenverbände. Blinde sind &#8211; vor allem im Westen &#8211; keine besonders große Gruppe. Mag sein, dass der amerikanische Blindenverband schlagkräftig ist, der deutsche ist es sicher nicht. Wenn sich die Behindertenverbände zusammenschließen und außerdem die funktionalen Analphabeten und Leseschwachen einschließen würden, könnten sie sehr viel mehr Schlagkraft entwickeln. Stattdessen versuchen sie mit wie ich fürchte wenig Erfolg, sich allein durchzuschlagen.</p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<ul>
<li><a href="http://www.avaaz.org/en/treaty_for_the_blind/">Petition zur Unterzeichnung des Treaty for the blind</a></li>
<li><a href="https://netzpolitik.org/2013/harte-kampfe-um-ausnahmeregelungen-fur-blinde/">WIPO-Konferenz über Urheberrechts-Schrankenregelungen: Harte Kämpfe um Ausnahmeregelungen für Blinde</a> Netzpolitik</li>
<li><a href="http://irights.info/blindenverband-pocht-auf-eindeutige-regelungen">Blindenverband pocht auf eindeutige Regelungen</a> iRights.info</li>
</ul>
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		<title>Universal Design auch für Apps &#8211; warum auch Sonderlösungen barrierefrei sein sollten</title>
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		<pubDate>Fri, 31 May 2013 08:50:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Apps]]></category>
		<category><![CDATA[Insellösungen]]></category>
		<category><![CDATA[Sonderlösungen]]></category>
		<category><![CDATA[Speziallösungen]]></category>
		<category><![CDATA[Universal Design]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Frage wird schon so lange diskutiert, wie über Barrierefreiheit diskutiert wird. Müssen Sonder- und Insellösungen eigentlich barrierefrei sein?Wir dachten eigentlich, dass diese Frage mittlerweile geklärt sei, sie opppt aber im Zuge des mobilen Webs und insbesondere der Apps wieder auf und stellt sich sogar im verschärftem Maße, warum erkläre ich im Verlauf des Artikels. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/htc.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/htc.jpg" alt="Anwendung des HTC Desire" width="200" height="319" class="alignleft size-full wp-image-2552" /></a>Die Frage wird schon so lange diskutiert, wie über Barrierefreiheit diskutiert wird. Müssen Sonder- und Insellösungen eigentlich barrierefrei sein?Wir dachten eigentlich, dass diese Frage mittlerweile geklärt sei, sie opppt aber im Zuge des mobilen Webs und insbesondere der Apps wieder auf und stellt sich sogar im verschärftem Maße, warum erkläre ich im Verlauf des Artikels.<br />
Was sind Sonderlösungen<br />
Bei Sonderlösungen handelt es sich um Projekte, die von Haus aus an spezielle Zielgruppen gerichtet sind. Einige Beispiele dazu gibt es bei <a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/best-practice-beispiele/">Einfach für alle</a>. Als Insellösungen würde ich spezielle Versionen von Anwendungen oder Websites für besondere Zielgruppen bezeichnen. Die sind mit ein paar Ausnahmen unerwünscht. Ich stelle mir gerade die Textversion einer Facebook-App für Blinde vor, das ist natürlich Unsinn, aber man kann nie sagen, was sich die Leute so ausdenken. </p>
<p>Die Antwort ist allerdings eindeutig, auch Sonderlösungen sollten barrierefrei sein. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der sicherlich wichtigste Grund ist, dass eine Behinderung selten allein kommt. Beispielsweise gehen eine geistige und eine körperliche Behinderung wie eine Seh- oder Bewegungseinschränkung sehr häufig miteinander eineher. </p>
<p>Das zweite Argument ist ein wenig komplizierter. Ich höre nach wie vor das Argument, irgendwelche Shops würden ihren Webauftritt nicht barrierefrei machen, weil sie sowieso keine blinden Kunden haben. Ich muss sagen, dass ist das dümmste, was jemand von sich geben kann. Zum einen weiß ein Online-Shop natürlich nicht &#8211; geht ihn auch nichts an &#8211; ob seine Kunden blind, gehbehindert oder sonst was sind. Zum anderen können Blinde bei ihm natürlich nicht einkaufen, wenn sein Shop nicht barrierefrei ist. </p>
<p>Das gleiche Argument hört man aber in abgewandelter Form von den Anbietern von Sonderlösungen. Unsere Apps richten sich nur an Rollstuhlfahrer, Autisten oder Gehörlose, um die anderen können wir uns leider nicht kümmern. Genau genommen ist das die gleiche Aussage wie die Shopbetreiber es anbringen: &#8220;Wir verkaufen nichts für Blinde, deshalb müssen wir nicht zugänglich sein&#8221;.<br />
<a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/ipad2.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/ipad2.jpg" alt="Ipad" width="169" height="249" class="alignleft size-full wp-image-2555" /></a><br />
Das dritte Argument ist natürlich der Aufwand, für uns am unwichtigsten, für die Entwickler das Wichtigste: Es ist zu aufwendig, das Teil für alle barrierefrei zu machen. Das stimmt streng genommen, denn barrierefreie Lösungen, die für alle funktionieren gibt es kaum. Es gibt kaum Inhalte in Gebärdensprache oder Leichter Sprache und selbst wenn es sie gibt wird es immer noch jemanden geben, der damit nicht zurecht kommt. Zugleich ist das Argument vorgeschoben, denn es geht ja erst einmal darum, eine möglichst große Gruppe von Behinderten zu erreichen und das lässt sich mit relativ wenig Aufwand erreichen. Zumindest wenn Barrierefreiheit schon konzeptionell mitgedacht wird. Wenn man es erst hinterher aufpropft, wird es natürlich wesentlich teurer. So wie alles andere teurer wird, wenn man es erst im Nachhinein einbaut. </p>
<p>Das zweitblödeste Argument ist eine Abwandlung des ersten hier vorgebrachten: Behinderte nutzen unsere Anwendung nicht. Blinde gucken keine Filme, Gehörlose hören keine Musik, Rollstuhlfahrer gehen nicht tanzen&#8230; Klar, und Leute, die keine Zähne haben essen auch nichts. Das ist nun wirklich ein vorgeschobenes Argument, denn wer so etwas sagt hat sich offenbar nicht damit beschäftigt und sollte vielleicht über Dinge sprechen, von denen er etwas versteht. </p>
<p>Keine Sonderlösung im eigentlichen Sinne sind Speziallösungen durch die Hintertür. So gelten die meisten Social-Media-Anwendungen im Web wie Facebook, Twitter und Google+ als nicht barrierefrei. Die Apps, die von den Anwendern selbst kommen solllten hingegen ganz gut nutzbar sein. Die Anbieter scheinen zu meinen, wenn ihre Apps barrierefrei sind müssten die Webanwendungen es nicht sein oder so. Es gibt zwar sicher unheimlich viele behinderte Nutzer, die das Zeug mobil nutzen, aber wirklich überzeugen kann mich das Argument nicht. </p>
<h2>Apps lassen sich nicht anpassen</h2>
<p>Bei Websites und den meisten Dokumenten haben Blinde die Möglichkeit, sie durch bestimmte Strategien auch dann zugänglich zu machen, wenn sie eigentlich unzugänglich sind. Es ist kompliziert, nervtötend und überflüssig aber machbar. Bei Apps ist das wesentlich schwieriger. Man kann zum Beispiel unbenannte Grafiken oder Bedienelemente nachträglich beschriften, aber das verschwindet oft nach einem Update. Man kann das Trial-and-Error-Prinzip verwenden, das hat meistens keine schwerwiegenden Folgen, aber manchmal eben doch. Man kann als letztes mittel gucken, ob es eine barrierefreie Alternative gibt, aber oft genug gibt es sie nicht. Das Ganze ist umso bedauerlicher, weil die entsprechenden Geräte sogar mehr Möglichkeiten zur barrierefreien Bedienung bieten als Webseiten auf dem Desktop-Rechner. </p>
<p>Wir sollten daher nicht zulassen, dass die mangelnde Zugänglichkeit von Sonderlösungen wieder zum standard wird. Das gilt auch dann, wenn solche Argumente von Behinderten selbst kommen, die es eigentlich besser wissen sollten. </p>
<p>Am Ende weiß der Appentwickler auch gar nicht, wie die Menschen seine App einsetzen werden. Solange sie nichts illegales machen kann ihm das auch egal sein. Die Praxis zeigt aber, dass Behinderte sehr kreativ sein können, wenn es um den Einsatz von Technologien geht, um sich das Leben zu erleichtern. Wenn ich heiser bin könnte ich eine dieser Kommunikations-Apps zur Unterstützten Kommunikation verwenden, um dringende Sachen zu erledigen, für die ich sprechen muss. Eine App, um den Medikamentenkonsum oder bestimmte Körperdaten zu dokumentieren kann für ganz andere Sachen gut sein. </p>
<p>Am Ende wäre es doch fatal, wenn gerade die Behindertenverbände oder Interessensgruppen die Idee des Universal Design auffweichen würden. </p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<ul>
<li><a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/mobiles-web-verschmilzt-offline-und-online/">Wie Menschen mit Behinderung das mobile Web nutzen</a></li>
<li><a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/id/2793/">Zahlen und Fakten zur mobilen Barrierefreiheit</a></li>
<li><a href="http://msdn.microsoft.com/de-de/library/windows/apps/hh994937.aspx">Testen ihrer App auf Barrierefreiheit</a> &#8211; Infos von Microsoft</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Mit uns statt über uns &#8211; was soziale Projekte von der Inklusion lernen können</title>
		<link>http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/05/25/mit-uns-statt-uber-uns-was-soziale-projekte-von-der-inklusion-lernen-konnen/</link>
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		<pubDate>Sat, 25 May 2013 19:18:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[The Thinking Turn]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>

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		<description><![CDATA[Anlässlich der Blogparade zum Wissenstransfer in der Zivilgesellschaft steuere ich einen Beitrag dazu bei, was soziale Projekte aus dem Inklusionsprozess lernen können. Wenn man etwas aus der Inklusion lernen kann, dann dass ein Projekt nicht ohne die Menschen gestaltet werden sollte, denen es zugute kommen soll. Die Bundesregierungen zum Beispiel versäumen es regelmäßig, Menschen mit [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der <a href="http://www.opentransfer.de/2209/npo-blogparade-voneinander-lernen-in-der-zivilgesellschaft/">Blogparade zum Wissenstransfer in der Zivilgesellschaft</a> steuere ich einen Beitrag dazu bei, was soziale Projekte aus dem Inklusionsprozess lernen können.<br />
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Wenn man etwas aus der Inklusion lernen kann, dann dass ein Projekt nicht ohne die Menschen gestaltet werden sollte, denen es zugute kommen soll.</p>
<p>Die Bundesregierungen zum Beispiel versäumen es regelmäßig, Menschen mit Behinderung ausreichend zu beteiligen. Die Übersetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung <a href="http://www.netzwerk-artikel-3.de/index.php?view=article&#038;id=93:international-schattenuebersetzung">war fehlerhaft</a>, Inclusion wurde mit Integration übersetzt, ob Fehler oder Absicht lasse ich mal dahin gestellt sein. Das <a href="http://www.netzwerk-artikel-3.de/index.php?view=article&#038;id=98:schattenmotto">Motto für die Inklusion</a> wurde ohne großartige Beteiligung von Behinderten entwickelt &#8211; die Regierung scheint das mit der Inklusion nicht so richtig verstanden zu haben. </p>
<h2>Lessons learned</h2>
<p>Es gibt mindestens zwei Lektionen, die man aus dem Inklusionsprozess lernen kann. Das eine ist, dass schon die Anwesenheit von Behinderten das Verhalten verändert. Man kann viel über Sehbehinderung reden, ohne die praktischen Auswirkungen zu verstehen, bis man einem Sehbehinderten gegenüber sitzt. Man hört einiges an Mythen oder Unsinn, der nicht so verbreitet wäre, wenn der Kontakt zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten selbstverständlich wäre. </p>
<p>Die zweite Lektion ist, dass die Teilnahme von Behinderten erforderlich ist, um die Projektqualität zu verbessern. Seien wir mal realistisch, wenn lauter nicht-behinderte Abteilungsleiter und Techniker sich darüber austauschen, wie sie etwas barrierefrei machen können kommt im besten Falle eine dieser 70er Jahre Bauten heraus. Klar, es gibt hinter dem Gebäude einen rollstuhlgerechten Zugang mit elektrischer Tür, aber die Knöpfe für die Aufzüge sind so hoch, dass sie von Rollstuhlnutzern nicht erreicht werden können. Das war selbst in den 70ern nicht barrierefrei und ist es heute noch weniger. Aber das ist etwas, was sich Leute ausdenken, die keinen Rollstuhl nutzen. </p>
<h2>Warum also?</h2>
<p>Es geht nicht darum, Behinderte aus Mitleid oder Pro Forma an einem Prozess zu beteiligen. Dafür ist die Zeit zu schade und dafür wird sich auch kaum jemand hergeben. Es geht darum, ein praktikables Projekt auf die Beine zu stellen, und das geht nicht ohne die Beteiligung der Zielgruppe. </p>
<p>Es gab und gibt zahlreiche Projekte, bei denen diejenigen, die davon profitieren sollen an der Projektentwicklung nicht beteiligt waren. Die Entwicklungshilfe basierte in weiten Teilen darauf. Es war früher ein aktiv gelebter Paternalismus, der teilweise bis heute überlebt hat. Es gibt da einige abenteuerliche <a href="http://www.kobinet-nachrichten.org/de/nachrichten/?oldid=10992">Beispiele aus jüngster Zeit</a>. </p>
<p>Das heißt natürlich auch, dass man nicht irgendwen von der Straße holen sollte. Ich darf ketzerisch behaupten, nur weil man behindert ist versteht man nicht unbedingt etwas von Barrierefreiheit. Man kann die eigenen Probleme bei dieser oder jener Aufgabe beschreiben, aber es gehört natürlich mehr dazu. Man muss die Probleme der gesamten Peer Group oder besser noch darüber hinaus im jeweiligen Thema antizipieren können und das können die meisten nicht. Müssen sie auch nicht. Das heißt aber auch, dass man sich entsprechende Experten suchen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, sollte aber machbar sein. </p>
<p>Und hat man diese Experten gefunden und eingebunden kann man sich sehr sicher sein, hinterher ein besseres und brauchbares Projekt auf die Beine gestellt zu haben.<br />
Halten wir also fest: Statt über &#8220;sie&#8221; zu reden holen wir sie möglichst früh in unser Projekt hinein, lassen sie ihre Meinung sagen und setzen ihre Ideen auch um. Mir scheint, egal um welche Projektform oder Zielgruppe es sich handelt: Behinderte, Migranten, Analphabeten, &#8220;Bildungsferne&#8221;, alle Beteiligten scheinen jedes Mal aufs Neue lernen zu müssen, dass es ohne diejenigen, denen es zugute kommen soll nicht geht. Versteht mich nicht falsch: die Beteiligung dieser Menschen ist kein Erfolgsgarant, aber ihre Nichtbeteiligung erhöht die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns drastisch. </p>
<p>Die typischen Gegenargumente sind, dass das zu mühsam ist, man muss etwa einen Gebärdendometscher organisieren, eine barrierefreie Location finden oder Unterlagen in Braille übersetzen. Nun, wenn euch das zu mühsam ist solltet ihr vielleicht kein Projekt für Gehörlose, Rollstuhlfahrer oder Blinde machen. </p>
<p>Das zweite Gegenargument ist, dass man keine passenden Gesprächspartner findet. Das mag sogar sein, anders als viele glauben mögen hängen Behinderte nicht den ganzen Tag herum, bis es die Gelegenheit gibt über Behinderung zu sprechen. Meiner Erfahrung nach sind die Projektbetreiber aber auch phantasielos, wenn es um das Suchen geht. Ich habe allzuoft erlebt, dass Leute mit ihren nur halb angedachten Ideen um die Ecke kommen. Erfahrungsgemäß landen 99,99 Prozent dieser Ideen im kognitiven Papierkorb, wo sie oft auch gut aufgehoben sind. Aber auch wir haben keine Lust, unsere Energien auf unausgegorene Ideen zu verschwenden. </p>
<h2>Auf die Stärken achten</h2>
<p>Ein fester Grundatz schon seit der Aufklärung ist, dass man auf die Fähigkeiten des Menschen achten sollte, nicht auf seine Defizite. Wenn ein Blinder sich um einen Job bewirbt fällt den Personalern erst einmal alles auf, was er nicht kann &#8211; wobei sie von den Fähigkeiten und Möglichkeiten Blinder nur beschränkte Kenntnisse haben. Dann stellt sich aber die Frage gar nicht mehr, mit welcher seiner Fähigkeiten er die Firma bereichern könnte. &#8220;Er kann ja nicht mal alleine aufs Klo gehen, den brauchen wir nicht.&#8221;</p>
<p>Das ist zugleich die Schwachstelle vieler Beschreibungen von Personengruppen, in der Regel deuten sie auf etwas, was als Defizit wahrgenommen wird. Der Analphabet kann nicht richtig lesen, der Migrant spricht nicht richtig Deutsch, der Behinderte ist eben behindert. Was sie können scheint dann keine Rolle mehr zu spielen. Ein Grundsatz der Inklusion ist aber, dass wir uns angucken, was jemand kann und wie das zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen kann. So manche Personalmanager wären gut beraten, diesen Grundsatz allgemein anzuwenden. Selbst bei vielen Behinderten dominiert noch der Defizitansatz. Und das ist leider auch im Denken vieler sozial Verantwortlicher fest verankert. </p>
<h2>Auch die Behinderten müssen dazu lernen</h2>
<p>Leider wird Inklusion auch von Behinderten oft falsch verstanden. Demnach heißt Inklusion, dass die Gesellschaft so umgestaltet wird, dass sie den Behinderten in den Kram passt. Das wird zum einen nie passieren und wäre zum anderen nicht wünschenswert. Inklusion bedeutet einen beiderseitigen Prozess, wobbei wir aktuell noch das (Un)-Glück haben, dass die Voraussetzungen für uns zur Teilhabe noch nicht optimal sind. Aber ohne das Engagement von Behinderten und ihren Organisationen im kleinen wie im Großen werden ebenso unbrauchbare Lösungen wie in der Prä-Inklusionszeit herauskommen. Wenn wir allerdings die Einladung zur konstruktiven Unterstützung dieser Projekte ausschlagen, müssen wir auch unseren Teil der Verantwortung dafür tragen. </p>
<p>Leider scheint es aktuell recht schwierig zu sein, Projektträger und Projektinteressierte zusammen zu bringen. Bei vielen Themen ist Expertise rar gesät, so dass man mit lokalen Ansprechpartnern oder dem Gießkannenprinzip nicht weit kommt. Rein technisch ist so eine Plattform keine große Herausforderung, allerdings müsste sie erst einmal unter den passenden Leuten bekannt gemacht werden und das dürfte wirklich schwierig sein. Aber irgendwer sollte damit anfangen. </p>
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		<title>Vom Input zum Output – jenseits von Bildschirm und Lautsprecher</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 18:47:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch-Maschine-Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Output]]></category>
		<category><![CDATA[Schnittstelle]]></category>

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		<description><![CDATA[Im letzten Beitrag habe ich mich mit Methoden der Eingabe beschäftigt. Aber wie schon ein berühmter Mann sagte, wichtig ist, was hinten raus kommt. Deswegen wollen wir heute einen kurzen Blick auf die Ausgabe von Inhalten werfen, der zweiten Hälfte der Mensch-Maschine-Interaktion. Die grafische Ausgabe Die erste Ausgabemethode war natürlich grafisch. Die seinerzeit riesigen und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Im <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/04/20/neue-bedienkonzepte-werden-maus-und-tastatur-zu-randerscheinungen">letzten Beitrag</a> habe ich mich mit Methoden der Eingabe beschäftigt. Aber wie schon ein berühmter Mann sagte, wichtig ist, was hinten raus kommt. Deswegen wollen wir heute einen kurzen Blick auf die Ausgabe von Inhalten werfen, der zweiten Hälfte der Mensch-Maschine-Interaktion. </p>
<h2>Die grafische Ausgabe</h2>
<p><a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/panama1.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/panama1-86x300.jpg" alt="Panorama" width="86" height="300" class="size-medium wp-image-2573" /></a>Die erste Ausgabemethode war natürlich grafisch. Die seinerzeit riesigen und gleichzeitig nicht besonders darstellungsstarken Bildschirme waren für das ausreichend, was die meisten Experten brauchten. Eine Shell, um Befehle einzugeben und die Ergebnisse abzulesen und ein Editor, um Programme zu schreiben und zu editieren. Computer waren Expertensysteme, grafischer und auditiver Schnickschnack waren weder nötig noch überhaupt sinnvoll, da Rechenleistung knapp und teuer war. Die Systeme waren in gewisser Weise auch elitär, weil praktisch nur Wissenschaftler und Studenten Zugang hatten. Wer schlechte Augen hatte oder keine Tastatur verwenden konnte hatte eben Pech gehabt. </p>
<h2>Der Computer wird hörbar</h2>
<p>Das änderte sich recht schnell spätestens mit dem Aufkommen der Flipperautomaten. Sie wären wohl nur halb so erfolgreich ohne die comic-mäßige Grafik und die schaurige Geräuschkulisse.<br />
Aber auch die Computer wurden leistungsfähiger. Innovationstreiber war dabei nicht zuletzt die Spieleindustrie, die dafür sorgte, dass sich die Menschen bessere Grafikkarten und Bildschirme zulegen wollten.<br />
Nach und nach wurde aber auch Sounddesign wichtig. Zunächst waren die Soundkarten eher unterentwickelt. Die Soundausgabe war oft ins Computergehäuse eingelassen, Viele erinnern sich wohl noch an die gewöhnungsbedürftigen Sounds der frühen 90er mit Wolfenstein 3 D, Doom oder Monkey Island. Diese Speaker gibt es nach wie vor und sie geben manchmal etwas von sich, wenn man mit der Eingabeaufforderung arbeitet. Wesentlich mehr als ein paar piepsige Laute kann man diesen Lautsprechern nicht entlocken.<br />
Mit den grafischen Benutzeroberflächen kam auch das auditive Feedback auf. So ab Windows 95 gab es Sounds als Feedback, wenn man zum Beispiel den Ordner gewechselt hat oder versuchte eine Eingabe zu machen, obwohl ein Dialogfeld geöffnet war. Vor allem für Sehbehinderte ist das enorm hilfreich. Wegen der oft starken Vergrößerung können sie nicht erkennen, ob sie zum Beispiel keine Eingabe machen können, weil irgendwo ein Dialogfeld geöffnet ist.<br />
Das Soundsystem ist vor allem als Feedback enorm wichtig und wird von den Entwicklern der grafischen Oberflächen vernachlässigt. Bedenkt man, wie viele Ressourcen in die grafische Entwicklung gesteckt werden bekommt man eine Vorstellung davon, wie cool ein Audiodesign werden könnte, wenn ähnlich viele Ressourcen dafür aufgewendet werden würden. Falls die Gestensteuerung einmal blindentauglich werden sollte wäre ein akustisches Feedback sehr hilfreich ähnlich wie es das bereits bei Gesten im iOS gibt. Auch für eine blinde Sprachsteuerung wäre ein Audiofeedback hilfreich, damit man zum Beispiel weiß, ob der Computer einen Sprachbefehl verstanden hat oder nicht. Das würde es übrigens auch Sehenden erleichtern, ihren Computer blind über Sprache zu steuern.<br />
Heute gibt es bei fast allen Systemen per Default nur die grafische Schnittstelle für Benutzereingaben und –ausgaben. Selbst der Ein-Platinen-Rechner Raspberry Pi braucht zumindest ein Display für die Inbetriebnahme, aus meiner Sicht würde nichts dagegen sprechen, standardmäßig weitere in- und Output-Möglichkeiten zu schaffen. Die Google Brille zum Beispiel soll per Default nur per Touch und Sprache zu steuern sein.<br />
<iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/41U78QP8nBk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe><br />
 Mit den Soundkarten wurden auch die Sprachausgaben möglich. An der prinzipiellen Funktionsweise von Sprachausgaben hat sich bis heute nicht viel verändert. Es werden Phoneme verwendet, die nach bestimmten Regeln und Wörterbüchern zusammen gesetzt werden. Ich verwende ungefähr seit 13 Jahren Jaws und kann mich nicht erinnern, dass die verwendete Sprachausgabe Eloquence seit den Anfangszeiten wesentlich anders geworden ist, zumindest hat sie zwischenzeitlich gelernt, so unwichtige Worte wie Microsoft oder Jaws korrekt auszusprechen.<br />
Was sich gewandelt hat ist die Qualität kommerzieller Sprachausgaben, wie sie etwa von Nuance angeboten werden. Der Antreiber dürften hier vor allem die Anbieter von automatischen Dialogsystemen – sprich Telefonschleifen – oder die Hersteller von Navis gewesen sein, die eine weniger roboterartige Stimme als Eloquence bevorzugten. Mittlerweile können auch Jaws und NVDA diese Sprachen verwenden. Die Qualität ist erstaunlich gut, auch wenn der Unterschied zur natürlichen Sprache schnell auffällt. </p>
<h2>Haptisches Feedback – der Output wird fühlbar</h2>
<p>In den 90ern kamen die ersten Braillezeilen auf. Die Ausgabe von Inhalten als Blindenschrift war eine feine Sache und ist es bis heute oder vielmehr könnte sie es sein, wenn die Zeilen billiger wären. Allerdings gibt es einige Entwicklungen für <a href=“<a href=http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/01/04/gibt-es-ein-survival-der-braille-schrift></a>billigere Braille-Ausgabegeräte und sogar ein <a href=http://www.indiatimes.com/technology/mobile/a-smartphone-that-converts-text-to-braille-developed-for-the-blind-72969.html>Braille-Handy</a>. </p>
<p>In die Kategorie des haptischen Feedbacks fällt auch der Vibrationsakku oder Vibrationsmotor, der Anrufe oder SMS fühlbar ankündigt. Der Vibrationsakku hat sich in den letzten Jahren meiner Erinnerung nach kaum weiter entwickelt. </p>
<p>Beim haptischen Output liegt meines Erachtens auch noch viel Potential. Verschiedene Entwickler arbeiten an haptischen, sich dynamisch ändernden Displays.<br />
Ein Entwickler hat ein <a href=http://vdistage.ezservice.de/Fachbereiche/Medizintechnik/Ueber-elektrische-Impulse-Zunge-Umgebung-wahrnehmen>Navi für die Zunge</a> erfunden, das Gerät gibt Impulse an die Zunge weiter, mit denen sich der Blinde orientieren kann.<br />
Es ist aber noch mehr denkbar. Aktuell gibt es für taubblinde Menschen nur eine Möglichkeit, um Inhalte am Computer zu rezipieren: die Braillezeile. Wie wäre es mit einem Gerät, das Inhalte als Lorme als haptischen Output ausgibt? Aktuell wird zum Beispiel <a href=http://lormen.bplaced.de/stand.php>ein Lorme-Handschuh entwickelt</a>. </p>
<h2>Tragbarer Output</h2>
<p>Google Glass ist natürlich noch so eine Geschichte, es ist im Prinzip die Weiterentwicklung von Cyberbrillen und Smartphone-Displays. Auch die angeblich von Apple geplante und von anderen Unternehmen bereits veröffentlichen Smartwatches schlagen eine ähnliche Richtung ein. Das Handy müsste nicht mehr aus der Tasche geholt werden, um wichtige Informationen abzurufen, was z.B. für die Navigations-Funktion hilfreich wäre. Auch hier wäre ein haptisches Feedback hilfreich, damit man sich nicht so blöd vorkommt, weil man die ganze Zeit den Arm vor das Gesicht hält.<br />
Der nächste logische Schritt sind Wearables. Glass und Smartwatch gehen bereits in diese Richtung, aber man kann noch weiter gehen, indem man den Geräte zum Output in die Kleidung einbaut oder gleich in den Körper einsetzt.<br />
Während die vorgestellten Konzepte bereits realisiert sind ist die eigentlich spannende Entwicklung das Verschmelzen von Input- und Output-Schnittstelle. Wie schon berichtet forschen Samsung – und sicher noch viele andere – daran, wie der Computer über das Gehirn direkt gesteuert werden kann. Das klingt komplizierter, als es ist. Die Quantified Self-Bewegung  benutzt bereits ausgiebig Sensoren, die diverse Biosignale wie den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel und so weiter messen. Diese Signale in irgendeiner Weise nutzbar zu machen, um den Computer darauf reagieren zu lassen sollte keine große Sache mehr sein. Wir bräuchten dann nur noch Output-Systeme, die uns zum Beispiel einen kleinen elektrischen Schlag geben, wenn etwa der Puls zu hoch oder zu niedrig ist. Das Ganze mit dem Gehirn zu koppeln ist dann nur noch eine Frage der Zeit – und der Ethik, aber das sollen andere diskutieren. </p>
<h2>Was bringt uns das?</h2>
<p>Wir als Behinderte können natürlich davon profitieren. Als Blinder träumt man davon, nicht permanent auf irgendwelche Audiosingale achten zu müssen, weil man sich dann nicht mehr auf andere wichtigere Geräuschquellen wie rückwärts ausparkende Autos konzentrieren kann. Ich bin sicher einige Dutzend Male fast angefahren worden, weil ich mich auf etwas anderes konzentriert und ein ausparkendes auto- nicht gehört habe – dass die Fahrer nicht geguckt haben steht auf einem anderen Blatt. Insofern ist ein haptisches Feedback für uns eine großartige Sache, die meines Erachtens bisher zu wenig weiter entwickelt wurde.<br />
Auch für Menschen, die sich nicht so gut bewegen können sind möglichst viele Eingabemethoden hilfreich. Eine einzige Eingabemethode ist oft nicht ausreichend, um alle nötigen Aufgaben am Computer zu erledigen, auch wenn es prinzipiell machbar wäre. Maus oder Touch sind ideal für Drag and Drop, aber ziemlich schwierig für die Texteingabe. Die Tastatur ist ideal zum Schreiben von Text, aber ziemlich hakelig, wenn es etwa um das Markieren von Bildauschnitten geht. Eyetracking ist ein guter Mausersatz, aber für das Schreiben von Text ist die Spracheingabe komfortabler. Um eine bestimmte Stelle im Text zu korrigieren und den Cursor darauf zu positionieren ist Eyetracking besser als die Spracheingabe.<br />
Hinzu kommt, dass eine Behinderung oft nicht alleine kommt. Motorisch Behinderte können auch seh- oder sprachbehindert sein, so dass sie einige der Eingabemethoden für motorisch Behinderte nicht verwenden können.<br />
Das Interessante in der Mensch-Maschine-Interaktion ist, dass alle Menschen vom Multikanalprinzip profitieren können. Ein System wird wesentlich leicht bedienbar, wenn es zum Beispiel ein visuelles und ein auditives oder haptisches Feedback gibt. Touch hin, Touch her, ein physischer Schalter ist aus Sicht der Usability oft besser.<br />
Am ende ist es wichtig, so viele Ein- und Ausgabe-Möglichkeiten  wie möglich zu haben und sie nach Belieben kombinieren zu können. Und wiederum sind die Entwickler von Smartphones und Tablets die Innovationstreiber. Es kommt nicht darauf an, dass diese Schnittstellen speziell für Behinderte entwickelt werden. Wichtig ist, dass sie offen sind für Entwickler, die sie für Behinderte nutzbar machen können. Die Spracheingabe SVoice von Samsung ist ganz nett, solange man nur Samsung verwendet und nur kompatible Apps nutzt, aber wer möchte das eigentlich? </p>
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		<title>Neue Bedienkonzepte &#8211; jenseitsvon Maus und Tastatur</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 18:30:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[Bedienkonzepte]]></category>
		<category><![CDATA[Bewegungssteuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Computerbedienung]]></category>
		<category><![CDATA[Gestensteuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Spracheingabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch wenn einige Hardcore-Nutzer heute noch auf die Eingabe-Shell schwören werden die klassischen Eingabegeräte bald nur noch eine von vielen Bedienungsmöglichkeiten sein. Die heutigen Tastaturen sind ein Nachfahre der alten Schreibmaschinen. Das QWERTZ-Layout bzw. QWERTY-Layout geht darauf zurück, dass sich die Drucktypen beim schnellen Tippen nicht verhaken sollten. Da jede Generation aufs Neue das Zehn-Finger-System [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/panama2.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/panama2.jpg" alt="Eingabemethonden" width="250" height="871" class="alignleft size-full wp-image-2518" /></a>Auch wenn einige Hardcore-Nutzer heute noch auf die Eingabe-Shell schwören werden die klassischen Eingabegeräte bald nur noch eine von vielen Bedienungsmöglichkeiten sein. </p>
<p>Die heutigen Tastaturen sind ein Nachfahre der alten Schreibmaschinen. Das QWERTZ-Layout bzw. QWERTY-Layout geht darauf zurück, dass sich die Drucktypen beim schnellen Tippen nicht verhaken sollten. Da jede Generation aufs Neue das Zehn-Finger-System auf diesen Tastaturen lernt ist es uns bis heute erhalten geblieben, sogar auf den Bildschirm-Tastaturen, wo kaum jemand mit zehn Fingern schreiben dürfte. </p>
<p>Die Maus als Zeigegerät kam erst mit den grafischen Benutzeroberflächen in Mode. Sie wurde schon in den 60er Jahren entwickelt, allerdings gab es lange Zeit kaum grafische Bedienoberflächen, so dass sie erst in den 80ern weite Verbreitung fand. </p>
<p>Beide – Maus und Tastatur – sind in gewisser Weise Abstraktionen. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass es uns gar nicht auffällt, aber das Arbeiten mit einem externen Gerät, um ein Element auf einem Bildschirm zu steuern oder Eingaben zu machen ist durchaus gewöhnungsbedürftig. In Star Trek IV reist die Crew der Enterprise in unsere Gegenwart und der Chefingenieur Scotty sieht sich mit einem Computer alter art konfrontiert. Zunächst versucht er mit ihm zu sprechen, Als ihm jemand eine Maus hinstellt versucht er in die Maus zu sprechen. Wenn man noch nie mit einem Computer zu tun hat würde man spontan eher auf dem Bildschirm rumtatschen bevor man die Maus zur Hand nimmt. </p>
<h2>Neue Bedienkonzepte</h2>
<p>Die Touchscreens hatten mit dem Aufkommen der Smartphones ihren großen Durchbruch. ++Auch Navis und einige Organizer hatten Touch-Screens, die mit dem Finger oder mit einem Stift bedient werden konnten. Aber erst die Erkennung von mehreren Fingern und die Touch-Gesten haben das Ganze für den Massenmarkt attraktiv gemacht. </p>
<p>Auch die Spracheingabe ist schon betagt, die Software Dragon Naturally Speaking erlaubt schon seit langem das Diktieren und teilweise steuern des PCs. Den Massenmarkt hat sie kaum durchdrungen, immerhin muss sie eine Zeit lang durch das Vorlesen von Texten trainiert werden, um einigermaßen zuverlässig zu arbeiten. Ein wichtiger Grund für ihre geringe Verbreitung dürfte aber auch darin bestehen, dass es noch immer ungewöhnlich ist, den PC vollzuquatschen und bevor man flüssig arbeiten kann muss man die Steuerungsbefehle auswendig lernen. </p>
<p>Erst mit Siri und ähnlichen Systemen ist die Spracheingabe wirklich massentauglich geworden: es müssen keine festen Befehle mehr auswendig gelernt werden und auch das Training der Spracherkennung ist weggefallen. </p>
<h2>Noch neuere Bedienkonzepte</h2>
<p>Das nächste große Ding dürften aber Systeme mit Augen- oder Bewegungssteuerung werden. Bei letzterem haben Nintendo mit der WII und Microsofts Kinect den Weg in den Massenmarkt geebnet. Leider hat Microsoft es nicht so mit innovativen Neuerungen, ansonsten hätten sie die Gestensteuerung konsequent in ihre Betriebssysteme integriert. Das <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/04/20/neue-bedienkonzepte-werden-maus-und-tastatur-zu-randerscheinungen/">wollen sie offenbar anderen überlassen</a>. </p>
<p>Auch günstige <a href=“http://www.theverge.com/2013/1/2/3826724/tobii-rex-lets-you-control-any-windows-8-pc-with-eye-tracking-tech“>Augensteuerungssysteme</a> sind im Anmarsch. Angeblich will Samsung in seinem neuen Flagschiff S 4 bereits eine Augensteuerung verbauen, schauen wir mal)</p>
<h2>Behinderte als Vorreiter</h2>
<p>Natürlich profitieren auch Behinderte von solchen Systemen. Menschen mit motorischen Störungen setzen schon seit langer Zeit Spracheingabe und Augensteuerung zur Steuerung des PCs ein, so dass sie als Vorreiter solcher Systeme gelten dürfen. Wir dachten immer, Braillezeilen wären teuer, aber so ein Eye-Tracking-System speziell für Behinderte ist wirklich, wirklich teuer, es kostet zwischen 20.000 und 30.000 Euro. </p>
<p>Insofern dürfen wir uns darüber freuen, dass diese Systeme für einen Spottpreis in den Massenmarkt einziehen. Apple hat es geschafft, Touchscreens für Blinde zugänglich zu machen, die Gestensteuerung dürfte also auch nutzbar sein. Natürlich brauchen das andere dringender als wir Blinde. Ansonsten ist es eine phantastische Idee, sein Smartphone mit dem Auge zu steuern, wenn man seine Hände nicht benutzen kann. Und jede Gestensteuerung dürfte intuitiver sein als die Bedienung mit der Maus. Stell dir vor, du müsstest nur den arm nach rechts oder unten ziehen, um eine Seite zu scrollen statt am Mausrad zu drehen oder gar einen Scrollbalken zu bewegen. </p>
<p>Zu hoffen bleibt, dass die Innovationen von mobil den Weg in den PC finden. Ich persönlich glaube nicht, dass wir ihn bald abschreiben müssen. Natürlich muss man nicht für jeden Tweet den PC hochfahren, aber für viele Bereiche bietet er nach wie vor Vorteile. Ich tippe darauf, dass der Desktop-PC vom Notebook verdrängt wird, das ebenso leistungsfähig, aber eben mobil ist. Hier kommt es darauf an, die Technik in das Gerät zu integrieren und es nicht wie früher mit anzuschließender Peripherie aufzuplustern. Es ist einfach unsinnig, wenn ein kleines Smartphone mehr technische Möglichkeiten hat als ein Notebook. Der Vorteil für uns Behinderte wäre die freie Wahl, wie wir unseren PC steuern und für jeden Zweck die passende Eingabemethode wählen zu können. Eine solche Entwicklung könnte auch Menschen an den Computer und an das Internet heranführen, für die Maus und Tastatur zu kompliziert und zu abstrakt sind. Wenn die Technik erst einmal in die Geräte integriert ist werden sich bald auch Läute finden, die behindertengerechte Einsatzmöglichkeiten entwickeln. </p>
<h2>Neues Design wird erforderlich</h2>
<p>Es wird sich nicht nur die Art verändern, wie wir mit Computern interagieren, auch das Design von Webseiten und Anwendungen wird sich ändern müssen. Die Ausklappmenüs zum Beispiel werden wesentlich besser werden müssen, damit sie auch mit weniger feinmotorischen Bewegungen bedient werden können. Formulare mit viel Tipparbeit lassen sich schon heute schlecht mit Touchscreen-Tastaturen vereinbaren. Winzige Schaltflächen werden hoffentlich der Vergangenheit angehören. Da die Leute auch weiter weg vom Bildschirm sitzen und eventuell nicht optimale Licht-Verhältnisse herrschen wird man stark an der Erkennbarkeit arbeiten müssen. Alles in allem dürfte das auch der allgemeinen Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit zugute kommen. </p>
<h2>Was noch zu erwarten ist</h2>
<p>Das Tempo der Entwicklungen hat sich enorm beschleunigt. Es hat noch einige Zeit gedauert, bis die Tastaturen von Maus und Joystick Gesellschaft bekamen. Touchscreens für den Konsumentenmarkt kamen erst in den 90ern auf. Eyetracking und Bewegungssteuerungen drangen erst vor wenigen Jahren auf die großen Märkte vor und warten noch auf den allgemeinen Durchbruch. Und schon wird in den Laboren an der <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/04/20/neue-bedienkonzepte-werden-maus-und-tastatur-zu-randerscheinungen/">Steuerung via Gehirnwellen</a> und dem <a href=“http://www.interaction-design.org/encyclopedia/affective_computing.html „>affective Computing</a> gearbeitet. </p>
<p>Kurioserweise sieht es so aus, als ob die Consumer-Industrie den Behinderten das bringen wird, was die Hilfsmittelindustrie und die Wissenschaft uns lange Zeit versprochen haben: Günstige und einfache Hilfsmittel. Die Hilfsmittelhersteller stemmen sich gegen diesen Trend, sie wollen zum Beispiel keine Bluetooth-Schnittstellen in ihre Geräte einbauen, so dass sie mit Smartphohnes ausgelesen oder gesteuert werden können. Die meisten Braillezeilen-Entwickler wollen keine Treiber für NVDA anbieten, wäre ja noch schöner, wenn sich die Blinden selber aussuchen, mit welchen Programmen sie arbeiten. OpenSource scheint für diese Firmen eher eine ansteckende Krankheit als ein Geschäftsmodell zu sein. </p>
<p>Sorry, offenbar kommt keiner meiner Texte ohne Seitenhiebe aus. Ich hoffe darauf, dass sich neue Firmen etablieren werden, die Behinderte als mündige Kunden und nicht als Anhängsel von Kostenträgern betrachten werden. Insofern stehen wir heute am Anfang einer spannenden Entwicklung. </p>
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		<title>Barrierefreiheit prüfen – nützliche Werkzeuge für Redakteure</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Mar 2013 17:09:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die meisten Werkzeuge zur Barrierefreiheit richten sich an Entwickler, viele Tools können aber auch für Menschen interessant sein, die Inhalte online bereit stellen wollen, ich bezeichne sie hier der Einfachheit halber als Redakteure. Die wichtigsten Aufgaben bestehen dabei in der Überprüfung der Auszeichnungen, sowie der Prüfung von Links und Bildern. Unser wichtigstes Tool ist die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Werkzeuge zur Barrierefreiheit richten sich an Entwickler, viele Tools können aber auch für Menschen interessant sein, die Inhalte online bereit stellen wollen, ich bezeichne sie hier der Einfachheit halber als Redakteure.<br />
<a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/ueberschriften1.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/ueberschriften1-300x217.jpg" alt="Liste von Überschriften" width="300" height="217" class="alignleft size-medium wp-image-2488" /></a><br />
Die wichtigsten Aufgaben bestehen dabei in der Überprüfung der Auszeichnungen, sowie der Prüfung von Links und Bildern. Unser wichtigstes Tool ist die <a href="https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/accessibility-evaluation-toolb/">Firefox Accessibility Evaluation Toolbar</a> (FAE), die naturgemäß nur im Firefox funktioniert.  </p>
<h2>Semantik prüfen</h2>
<p>Die meisten von euch werden in einem Redaktionssystem arbeiten. Dabei gibt es grob zwei Formen von Editoren: Die WYSIWYG-Editoren, wo die Formatierung ähnlich wie bei einer Textverarbeitung unmittelbar sichtbar wird und die Code-Editoren, die HTML oder eine Wiki-Syntax verwenden. Da die Werkzeuge natürlich nur fertiges HTML überprüfen können wird die Prüfung meistens erst in der Vorschau oder im Live-Betrieb möglich sein. Wenn ihr mit HTML arbeitet empfiehlt sich auch der Einsatz eines HTML-Editors wie Phase 5, mit dem man über das  Syntax-Highlighting sofort sehen kann, ob irgendwo die Tags nicht richtig geschlossen wurden. </p>
<p>Mit der FAE könnt ihr im Online-Betrieb sehr einfach prüfen, ob ihr Zwischenüberschriften, Listen, Abkürzungen und das ganze andere Zeug richtig ausgezeichnet habt. </p>
<p>Wir prüfen als erstes mal die Überschriften. FAE klinkt sich nach der Installation als weiteres Menü in die Menüleiste ein. Um die Überschriften zu prüfen wählen wir also Accessibility -> Navigation -> Headings. Es taucht oben links ein Fenster auf, das ihr irgendwo hin schieben könnt, wo es nicht stört. Es werden die Überschriften der verschiedenen Ebenen angezeigt. Bewegt man sich mit den Pfeiltasten durch die Liste wird auf der Website der zugehörige Bereich farbig hervorgehoben. Ihr müsst also darauf achten, dass tatsächlich alle Überschriften hervorgehoben werden, wenn ihr euch durch die Liste bewegt. Dabei wird auch die vergebene Überschriftenebene angezeigt. Die FAE kann nicht zwischen Gestaltungs- und Inhaltselementen unterscheiden, es werden also auch Navigationen als Listen oder ansonsten unsichtbare Bereichsüberschriften angezeigt. Einfach ignorieren und zum Inhalt weiterspringen. </p>
<p>Ähnliches kann man mit weiteren Elementen machen, die ich der Faulheit halber hier einfach mal ohne Fließtext aufliste. </p>
<dl>
<dt>Element</dt>
<dd>Zu finden unter Accessibility -></dd>
<dt>Listen</dt>
<dd>Style -> Lists</dd>
<dt>Abkürzungen	</dt>
<dd>Text Aquivalents -> List of Abbreviations	   </dd>
<dt>Sprachwechsel	</dt>
<dd>Navigation -> Language Changes	   </dd>
<dt>Alternativtexte für Bilder	</dt>
<dd>Text Aquivalents -> Show Text Aquivalents	   </dd>
<dt>Datentabellen 	</dt>
<dd>Navigation -> Data Tables	 </dd>
<dt>Links</dt>
<dd>Navigation Links</dd>
</dl>
<p>Es gibt zwei mögliche Fehler: Entweder ist ein Element nicht ausgezeichnet oder es ist nicht korrekt ausgezeichnet. Ihr müsst also nicht nur darauf achten, was die FAE euch anzeigt, sondern auch darauf, was sie nicht anzeigt, aber anzeigen sollte. Die Links sollten möglichst sprechend sein, auf jeden Fall sollte es nicht mehrere Links mit dem selben Linktext geben. </p>
<p>Mit der <a href="http://www.wat-c.org/">Web Accessibility Toolbar</a> für den Internet Explorer kann man ähnliches anstellen, sie klinkt sich allerdings als Symbolleiste in den Browser. Die meisten der oben genannten Funktionen finden wir hier unter dem Punkt Struktur. Unter Bilder können wir uns Alternativtexte anzeigen lassen. Die Toolbar bietet unter Farben Zugriff auf verschiedene Analysewerkzeuge, die auch für Bilder genutzt werden können. Dazu gehört ein Kontrastanalyser. </p>
<p>Ein recht einfacher Weg, um sich Strukturelemente anzeigen zu lassen ist ein benutzerdefiniertes Stylesheet. Wer ein wenig CSS schreiben kann wird damit kein Problem haben. Wir können zum Beispiel sagen, dass er Überschriften, Listen und Zitate einfärben soll. Dann laden wir das Stylesheet in den Firefox und aktivieren es jedes Mal, wenn wir eine Seite prüfen wollen, z.B. im Firefox unter Ansicht -> Ansicht -> Webseiten-Stil. </p>
<h2>Texte prüfen</h2>
<p>Die Komplexität von Texten zu prüfen ist aktuell mit technischen Mitteln kaum möglich. Aber zumindest gibt es Werkzeuge, die einem helfen können. In Word ist seit Ur-Zeiten der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lesbarkeitsindex">Flesch- Test</a> integriert. Er berechnet aufgrund der durchschnittlichen Satzlänge, der Zahl der Langen Wörter und weiterer Faktoren einen Wert, der zumindest grobe Anhaltspunkte für die Lesbarkeit liefert. Ähnliches macht der <a href="http://www.blablameter.de/">Bla-Bla-Meter</a>, wo man einen Text begrenzter Länge prüfen lassen kann. </p>
<p>Ich persönlich finde diese Tools nicht hilfreich: Zum einen geben sie keine Hilfestellung dabei, problematische Stellen aufzuspüren, zum anderen verleiten sie dazu, auf die jeweiligen Tools hin zu optimieren. Aber wenn ich einen langen Satz in zwei Stücke zerhacke habe ich nicht unbedingt etwas verbessert. Die Flesch-Prüfung aktiviert ihr in Word unter Extras –> Optionen -> Rechtschreibung und Grammatik -> Lesbarkeitsstatistik. Die Statistik wird angezeigt, wenn die Rechtschreib- und Grammatikprüfung abgeschlossen wurde. Man kann den Score aber auch im Internet ermitteln lassen. Achtet darauf, dass deutsche Wörter und Sätze meistens länger sind als englische, deutsche Texte schneiden deshalb im Schnitt auch schlechter ab als ihre englischen Pendants. </p>
<p>Die Anwendung der Rechtschreib- und Grammatikprüfung gehört natürlich zu unserer Routine, ich erwähne sie dennoch. Der Duden-Korrektor soll eine wesentlich bessere Prüfung abliefern, was ich allerdings bisher nicht verifiziert habe. Falsche Orthographie ist nicht unbedingt eine Barriere, aber hilfreich ist sie auch nicht. </p>
<p>Die Autorensoftware Papyrus Autor soll <a href="http://www.andreaseschbach.de/files/papyrus-autor.html">eine recht gute Stilprüfung</a> integriert haben, eine solche Prüfung könnte uns auch dabei helfen, schlechte Formulierungen oder Bandwurmsätze aufzuspüren. Da ich das Programm mangels Barrierefreiheit selbst nicht benutzen kann verfüge ich allerdings nicht über Erfahrungen damit. </p>
<h2>Arbeit automatisieren</h2>
<p>Manche Aufgaben sind einfach, aber zeitaufwendig, man könnte auch nervtötend sagen. Dazu gehört die Auszeichnung von Abkürzungen, Akronymen und Sprachwechseln. Warum sich also die Arbeit nicht erleichtern? </p>
<p>Wir können zum Beispiel die Autokorrektur zweckentfremden. Das ist nur sinnvoll, wenn wir das jeweilige Programm nur für Texte nutzen, die ausgezeichnet werden müssen und funktioniert auch nur für Redaktionssysteme, die auf HTML oder einer anderen Auszeichnungssprache basieren. Wir würden dazu zum Beispiel in Word einmal eine komplette Liste unserer Abkürzungen, Akronyme und fremdsprachigen Ausdrücke anlegen, und als Autokorrektur-Ausdruck den kompletten zugehörigen Code eintragen. Ein Beispiel, links die Abkürzung, rechts das Ganze als HTML-Code, ich habe die HTML-Klammern weggelassen, da mir WordPress ansonsten den Code verschluckt:</p>
<p>z.b. abbr title=&#8221;zum Beispiel&#8221;>z.B.</p>
<p>Wie gesagt ist das nur sinnvoll in einer Textverarbeitung, die ausschließlich für auszuzeichnende Texte eingesetzt wird, ansonsten würde das jeweilige Programm all unsere Texte auf einmal mit Auszeichnungen schmücken. </p>
<p>Das klingt aufwendiger als es ist, in der Praxis decken wir mit ein Dutzend Akronymen und noch mal so vielen Abkürzungen 90 Prozent unseres Bedarfs ab. Bei fremdsprachigen Begriffen dürften es ein paar mehr sein, das sollte aber alles machbar sein. </p>
<p>Es wäre auch eine Überlegung wert, einfach ein Makro anzulegen, das solche Aufgaben erledigt. Dafür könnten wir die Suchen-und-Ersetzen-Funktion nutzen. Wie bei der Autokorrektur setzen wir wiederum auf unsere Liste, nur das das Makro dieses Mal erst auf Befehl unseren Text durchsucht und die entsprechenden Ausdrücke ersetzt. Dazu sollte man ein wenig Ahnung von Makroprogrammierung haben: es ist einfach, aber zeitaufwendig, das Makro mit den einfachen Funktionen des Programms  anzulegen. Probleme gibt es dann, wenn das Makro angepasst werden soll, wenn wir eine neue Abkürzung anlegen wollen. Wer hier keine Programmierkenntnisse hat oder ein wenig mit dem Quellcode experimentieren will müsste das komplette Makro neu anlegen. Falls jemand eine elegantere Lösung kennt freue ich mich über einen Hinweis. Ich hatte auch überlegt, ob man Anwendungen wie Textexpander oder Phraseexpress für solche Zwecke verwenden könnte. Sie dienen normalerweise dazu, häufig verwendete Textschnipsel einfach an gewünschter Stelle einfügen zu lassen. Phraseexpress <a href="http://textbausteinmanager.de/textbausteine-mit-formularen-und-datenbankanbindung/">verfügt in der Kaufversion über Makrofunktionen</a>. </p>
<h2>Bilder</h2>
<p>Mit <a href="http://www.vischeck.com/daltonize/runDaltonize.php">Daltonize</a> kann man Bilder online oder in Photoshop auf verschiedene Farbenblindheiten hin prüfen. Das Gleiche kann man auch mit <a href=" http://www.vischeck.com/vischeck/">Vischeck</a> machen. </p>
<p>Zu beachten ist dabei, dass natürlich nur Inhalte getestet werden können, die auch online öffentlich zugänglich sind. Für Inhalte innerhalb eines Redaktionssystems braucht ihr ein Programm auf eurem Computer. </p>
<p>Jede Bildbearbeitung bietet einen Graustufenmodus, wo ihr eure Grafiken darauf hin prüfen könnt, ob sie auch bei einer solchen Ansicht noch gut zu erkennen sind. Ausgefeiltere Programme bieten außerdem Werkzeuge zur Kontrastanalyse, wo ihr testen könnt, ob die Grafik gut zu erkennen ist oder ob das Bildobjekt einen ausreichend hohen Kontrast zum Vordergrund hat, in Gimp <a href="http://docs.gimp.org/de/gimp-display-filter-dialog.html">gibt es Filter dafür</a>. </p>
<h2>PDFs</h2>
<p>Wie ihr PDFs auf generelle Benutzbarkeit prüfen könnt habe ich <a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/id/2757/">an anderer Stelle schon erklärt</a>. Für die Prüfung auf Barrierefreiheit gibt es die im Acrobat Reader integrierte Prüfung, die keine große Hilfe ist. </p>
<p>Ansonsten gibt es den kostenlosen <a href="http://www.access-for-all.ch/ch/pdf-werkstatt/pdf-accessibility-checker-pac.html">PDF Accessibility Checker</a> der Stiftung Zugang für Alle. Er bietet einen recht brauchbaren Vorschaumodus, der Rest ist allerdings nur hilfreich, wenn man seine PDFs mit den Profi-Programmen von Adobe erstellt hat und weiß, was sich hinter den Fehlermeldungen verbirgt, ansonsten wird man die Fehler auch nicht reparieren können. </p>
<h2>Der Screenreader</h2>
<p>Wer schon mit Screenreadern gearbeitet hat wird sie auch zur Prüfung seiner Texte einsetzen können. Grundsätzliches dazu habe ich bereits <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/03/15/screenreader-fur-sehende-eine-anleitung-fur-nvda/">für Entwickler beschrieben</a>. Redakteure können einfach die Funktionstasten nutzen, um sich Zitate oder Listen vorlesen zu lassen. In NVDA kann man zur Prüfung von Links oder Überschriften einfach Einfg + F7 verwenden. Die FAE scheint mir für diesen Zweck aber einsteigerfreundlicher zu sein, da die Lernkurve geringer ist und sie für Sehende ausgelegt ist. </p>
<h2>Was fehlt</h2>
<p>Der schlechte Ruf der Barrierefreiheit ist nicht zuletzt der aufwendigen Kleinbarbeit zu verdanken, die jeder vollbringen muss, wenn er Inhalte online bereit stellen und sich an dien BITV halten will. Ein Großteil dieser Arbeit könnte dem Redakteur abgenommen werden, wenn die Logik in das Redaktionssystem integriert wird. Es ist keine große Aufgabe, zum Beispiel ein Glossar der gängigsten Abkürzungen, Akronyme und fremdsprachigen Ausdrücke anzulegen, um diese bei ihrem Auftreten im Text automatisch auszeichnen zu lassen. </p>
<p>Stattdessen stehen einem die Systeme meist im Weg, WordPress filtert – wenn nicht angepasst – einfach alles an HTML raus, was es nicht kennt. Andere CMS wie die geschlossenen kommerziellen Systeme dürften noch deutlich schlimmer sein. Mir ist kein System bekannt, dass Hilfen zur Analyse oder Fehlerbehebung für die Barrierefreiheit eingebaut hat. </p>
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		</item>
		<item>
		<title>Screenreader für Sehende &#8211; eine Anleitung für NVDA</title>
		<link>http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/03/15/screenreader-fur-sehende-eine-anleitung-fur-nvda/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 14:25:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[Tutorial]]></category>
		<category><![CDATA[Anleitung]]></category>
		<category><![CDATA[NVDA]]></category>
		<category><![CDATA[Screenreader]]></category>
		<category><![CDATA[Sehende]]></category>

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		<description><![CDATA[Für Sehende kann es ab und zu nützlich sein, einen Screenreader einzusetzen, zum Beispiel um Programme oder Webanwendungen zu testen. Natürlich ist es sinnvoller, solche Anwendungen von Blinden testen zu lassen, aber auch die haben auch gelegentlich keine Lust und ein schlechter Test ist besser als keiner. Ich habe einige wichtige Tastenkürzel in der Präsentation [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Für Sehende kann es ab und zu nützlich sein, einen Screenreader einzusetzen, zum Beispiel um Programme oder Webanwendungen zu testen. Natürlich ist es sinnvoller, solche Anwendungen von Blinden testen zu lassen, aber auch die haben auch gelegentlich keine Lust und ein schlechter Test ist besser als keiner. Ich habe einige wichtige Tastenkürzel in der Präsentation zusammen gefasst, ansonsten gibt es reichlich Listen im Netz bzw. in der Programmdokumentation selbst. Einige allgemeine Informationen zu NVDA habe ich <a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/screenreader-NVDA/">in einem anderen Artikel</a> zusammengefasst.<br />
<iframe src="http://de.slideshare.net/slideshow/embed_code/17230096" width="427" height="356" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no" style="border:1px solid #CCC;border-width:1px 1px 0;margin-bottom:5px" allowfullscreen webkitallowfullscreen mozallowfullscreen> </iframe>
<div style="margin-bottom:5px"> <strong> <a href="http://de.slideshare.net/domingosdeoliveira/screenreader-fr-sehende-eine-anleitung-fr-nvda" title="Screenreader für sehende - eine Anleitung für NVDA" target="_blank">Screenreader für sehende &#8211; eine Anleitung für NVDA</a> </strong> from <strong><a href="http://de.slideshare.net/domingosdeoliveira" target="_blank">Domingos de Oliveira</a></strong> </div>
<h2>NVDA statt Jaws</h2>
<p>Man mag von Jaws halten was man will, aber zum Testen ist NVDA generell besser geeignet. In Jaws laufen eine ganze Reihe von Skripten im Hintergrund, welche die Macken von Windows und teilweise auch die Schwächen der Barrierefreiheits-APIs ausgleicht. Diese Anpassungen mögen auf den ersten Blick vorteilhaft sein, sie schaden aber oft mehr, als sie nutzen. Kein Blinder beschwert sich über die mangelnde Barrierefreiheit dieser Software, so dass sich der Hersteller nicht veranlasst sieht, seine Programme zu verbessern. Jede Änderung des Programms kann dazu führen, dass der Screenreader nicht mehr mit dem Programm arbeiten kann. Die Anpassungen sind teuer und können in der Regel nicht selbst vorgenommen werden. </p>
<p>An dieser Stelle ist aber entscheidend, dass der Nutzer nie wissen kann, ob ein Programm brauchbare Infos über die Accessibility-API liefert oder ob irgendein Skript im Hintergrund läuft, mit NVDA ist das kein Problem. Außerdem hat kaum jemand die 2600 Euro, die Freedom Scientific für Jaws verlangt. </p>
<h2>Erste Schritte</h2>
<p>NVDA kann installiert oder ohne Installation verwendet werden. Ich habe noch keine Unterschiede zwischen den beiden Varianten festgestellt, das muss aber nichts heißen. Auf jeden Fall sollte das Programm immer vor dem Browser oder einer anderen zu prüfenden Anwendung gestartet werden. </p>
<p>NVDA hat keine grafische Benutzeroberfläche, sondern nur das Konfigurationsmenü. Dieses erreicht man mit der Tastenkombination Einfg + N. Das Menü selbst ist mit der Maus bedienbar. </p>
<p>Die Sprachausgabe von NVDA heißt eSpeak. Sie klingt ein wenig blechern, ich habe <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2012/06/23/neues-von-nvda/">an anderer Stelle schon erklärt</a>, wie man eine andere Stimme einstellen kann, die für meine Ohren besser klingt. Ab Windows 8 ist der einfache Screenreader Narrator integriert, der auch eine deutsche sprachausgabe hat. Diese Sprachausgabe hat einen recht guten Klang und sie kann problemlos in NVDA integriert werden, damit hat sich auch das Problem mit 32-Bit und 64-Bit-Sprachen erledigt. Um diese Sprache zu übernehmen gehen wir unter NVDA -> Einstellungen -> Sprachausgabe, dort wählen wir &#8220;Microsoft Speech API 5&#8243;. Damit ist die Standardstimme von Windows in NVDA integriert. </p>
<p>Standardmäßig speichert NVDA die Einstellungen nicht, das ist aber meistens sinnvoll. Wir rufen also das Menü auf und wählen unter Einstellungen -> Allgemeine Einstellungen Einstellungen beim Beenden speichern. </p>
<p>Um zu hören, welche Information über ein bestimmtes Element ausgegeben wird kann die Cursoransage aktiviert werden. Dazu gehen wir unter Einstellungen -> Mauseinstellungen und aktivieren Objekttyp unter dem Mauszeiger ansagen. </p>
<p>In der Standardeinstellung ist NVDA ein wenig geschwätzig insbesondere wenn wir eine Website mit Tabellenlayouts haben. Natürlich landen alle Webdesigner, die Tabellenlayouts einsetzen in der Hölle, aber es kann ja sein, dass du die Website eines anderen schon Verdammten checken willst. In diesem Fall ist es sinnvoll, unter Einstellungen -> Dokumentformatierungen die drei Felder zur Tabellenansage zu entchecken. Diese Funktionen sind überwiegend eher für die Textverarbeitung interessant, leider haben die Macher das mit den Einstellungen für die Objektansage im Browser zusammengepackt. </p>
<p>In HTML gibt es eine Funktion, um Eingabefeldern automatisch einen Fokus zuzuweisen. NVDA aktiviert dabei den sogenannten Formularmodus, dieser dient dazu, Formulare auszufüllen. In den meisten Fällen stört das nur, deswegen schalten wir das ab. Dazu gehen wir unter Einstellungen -> Lesemodus und klicken die beiden Optionen zur automatischen Fokuseinschaltung weg. </p>
<h2>Nützliche Tools</h2>
<p>Für Entwickler gibt es Einige hilfreiche Tools wie den Sprachbetrachter. Der Sprachbetrachter gibt die Informationen als Text aus, die normalerweise als Sprache oder als Braille ausgegeben werden. Wir finden ihn unter Extras -> Sprachbetrachter. Das Fenster legt sich über den Bildschirm, kann aber wie bei Windows gewohnt in eine Ecke geschoben werden, wo es nicht weiter stört. Der Sprachbetrachter funktioniert auch, wenn die Sprachausgabe abgeschaltet ist, dazu gehen wir unter Einstellungen -> Sprachausgabe und wählen im Ausklappfeld Keine Sprache. </p>
<p>Interessant könnte außerdem das Protokoll sein. Ich bin selber kein Entwickler, deswegen überlasse ich euch die Einschätzung. Zunächst können wir den Protokollierungsmodus festlegen. Dazu gehen wir unter Einstellungen -> Allgemeine Einstellungen und wählen dort die Protokollierungsstufe. Dort gibt es auch einen Debug-Modus, der könnte aber auch nur zum Debuggen von NVDA selbst gedacht sein. Nach getaner Arbeit könnt ihr euch das Protokoll unter Einstellungen -> Extras Protokoll anzeigen anschauen. </p>
<p>Wenn ihr euch schon mit den Accessibility-Schnittstellen beschäftigt habt, könnt ihr nützliche Informationen zur aktuellen Anwendung mit Einfg + F1 aufrufen. Dort gibt es verschiedene Infos zur verwendeten API und noch einiges mehr. </p>
<p>Mit Einfg + F7 können wir uns im Browserfenster sämtliche Überschriften, Links oder Sprunganker anzeigen lassen. Damit kann man so schöne Fehler wie diesen hier identifizieren.<br />
<a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/index.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/index.jpg" alt="Liste von Links des Basic Marktes" width="314" height="465" class="alignleft size-full wp-image-2468" /></a><br />
Mit Einfg – Pfeil nach unten wird alles vorgelesen, was hinter dem Cursor steht. Wenn ihr also am Anfang der Seite steht wird die Seite vollständig vorgelesen samt Links, Navigationselementen, Fußzeile und was es noch so gibt. Ich kenne allerdings niemanden, der sich das freiwillig anhören würde zumal es einige Minuten dauern kann, bis der Screenreader zum Ende der Seite gelangt. Das ist keine Möglichkeit, sich einen guten Überblick über die Seite zu verschaffen, weil einfach zu viele Elemente vorhanden sind und sich das niemand merken kann. Wenn ihr mit dem Mauscursor über ein Element wie zum Beispiel einen Button fahrt könnt ihr hören, welches Informationen NVDA aus diesem Element auslesen kann. Auch das wird im Sprachbetrachter angezeigt. </p>
<p>Ansonsten gibt es einige Anleitungen zum Testen mit Screenreadern imNetz. Falls ich noch ein interessantes Plugin oder eine weitere Funktion finde wird das hier nachgereicht. Ansonsten gibt es ja noch die Firefox Accessibility Extension, die einige Funktionen mehr liefert, aber eben nicht so plastisch ist wie ein Screenreader. </p>
<p>Achtet darauf, dass der Cursor nicht in der Adresszeile oder dem Suchfeld des Browsers sein darf, sondern im Browserfenster sein muss. Falls ihr ein Einrastgeräusch gehört habt ist der Screenreader in den Formularmodus gewechselt, in dem Formulare ausgefüllt werden können. In diesem Fall drückt schnell Escape. </p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Für Leute, die nicht regelmäßig mit Sprachausgaben arbeiten dürfte der Sprachbetrachter die einfachste Möglichkeit zum Testen von Webanwendungen sein. Die größte Herausforderung dürfte darin bestehen, dass Elemente nicht einfach dargestellt, sondern lediglich beschrieben werden. Allerdings habe ich festgestelt, dass die meisten Nutzer erst den <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/02/10/was-bedeutet-intuitive-bedienung-fur-blinde/">Sinn von Semantik</a> verstehen, wenn sie den Screenreader einmal praktisch genutzt haben. </p>
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		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Visual Literacy – zur Verständlichkeit von Grafiken</title>
		<link>http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/02/21/visual-literacy-zur-verstandlichkeit-von-grafiken/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2013 20:40:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Grafiken]]></category>
		<category><![CDATA[Piktogramme]]></category>
		<category><![CDATA[Symbole]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Artikelserie zum barrierefreien Einsatz von Bildern geschrieben, dort ging es vor allem um technische Fragen. IN diesem Beitrag möchte ich die Faktoren für verständliche Grafiken darstellen. Der Einfachheit halber unterscheide ich zwischen Grafiken und Bildern. Ein Bild ist nach meiner Definition immer dekorativ, das heißt, man kann den [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einiger Zeit hatte ich <a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/id/2745/">eine kleine Artikelserie zum barrierefreien Einsatz von Bildern</a> geschrieben, dort ging es vor allem um technische Fragen. IN diesem Beitrag möchte ich die Faktoren für verständliche Grafiken darstellen.<br />
<a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/ikone.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/ikone.jpg" alt="Straßenschilder" width="600" height="382" class="alignleft size-full wp-image-2454" /></a><br />
Der Einfachheit halber unterscheide ich zwischen Grafiken und Bildern. Ein Bild ist nach meiner Definition immer dekorativ, das heißt, man kann den textlichen Inhalt verstehen, auch wenn man das Bild nicht sehen kann, das Bild selbst enthält keine Information, die das Verständnis des Inhalts befördert. Auch dekorative Bilder erfüllen einen Zweck, in unserem Zusammenhang geht es allerdings um die Verständlichkeit von Grafiken, bei dekorativen Bildern muss das Verständnis nicht erlernt werden. Es ist eine Person, ein Gegenstand oder ein Tier abgebildet, da muss man nicht großartig interpretieren. Eine Ausnahme sind Fotoreportagen, wo die Bilder die eigentliche Geschichte sind. </p>
<p>Das Konzept der Visual Literacy geht davon aus, dass das Verständnis von Grafiken erlernt werden muss wie das Lesen von Texten. Anders als beim Text-Lesen wird die visuelle Lesefähigkeit nicht bewusst erlernt, sondern ist ein kultureller Prozess. Wir werden von Kindesbeinen an mit Millionen von Symbolen konfrontiert, die uns oft nicht erklärt werden müssen. Wir lernen aus dem Kontext, was sie bedeuten. Oder wir bekommen eins aufs Dach, wenn wir einen Schluck aus der Flasche mit dem schwarzen Totenschädel trinken wollen. </p>
<h2>Piktogramme und Symbole</h2>
<p>Piktogramme sind am einfachsten zu verstehen. Sie spielen in Form von Straßenschildern, Hinweisen auf Verpackungen oder als Teil von Orientierungssystemen eine große Rolle. Sie sollen idealerweise interkulturell verständlich sein. Ihre Bedeutungen werden tatsächlich im Wesentlichen intuitiv ohne weitere Anleitung erlernt, </p>
<p>Die meisten Piktogramme sind stilisierte Abbilder realer Objekte, so wird aus ein paar Strichen und Bögen ein Rollstuhl zur Kennzeichnung von Behindertenparkplätzen, Messer und Gabel stehen für den Essensbereich und beim durchgestrichenen Hund müssen die geliebten Vierbeiner draußenbleiben. Niemand weiß, welche Hunderasse da abgebildet sein soll. </p>
<p>Andere Symbole vor allem zur Softwarebedienung werden aus einfachen geometrischen Grundformen und weiteren Objekten zusammen gesetzt. Ähnlich wie die Schilder im Straßenverkehr müssen sie tatsächlich bewusst erlernt werden. Sie sollen die Programmbedienung intuitiver gestalten als die klassischen Menüs. </p>
<h2>Komplexe Grafiken</h2>
<p>Anders sieht es bei komplexen Grafiken aus. Das fängt an mit einfachen Kreisdiagrammen und geht hin zur komplexen interaktiven Infografik oder zum UML-Prozessdiagramm. Sie bestehen aus zahlreichen Formen, Linien, Pfeilen und anderen Objekten, die einzeln erfasst werden müssen, die aber erst in ihrem Zusammenspiel verständlich werden. Hier wird das Konzept der Visual Literacy auch sehr deutlich: ein Experte sagen wir für Logistik-Systeme kann relativ schnell die wesentlichen Fakten einer Logistik-Kette erfassen. Der Laie sieht nur einen Wust aus Formen und Linien. </p>
<p>Damit haben wir auch die wesentlichen Kriterien der visual Literacy erfasst: </p>
<ol>
<li>Der Nutzer muss verstehen, was abgebildet ist, dass ist das inhaltliche Verstehen. </li>
<li>Dann muss er verstehen, warum es abgebildet wird, das ist das indikatorische Verstehen. </li>
</ol>
<h2>Text-Grafik-Kombinationen</h2>
<p>Für komplexere Aufgaben ist eine Text-Grafik-Komposition am sinnvollsten. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Text-Grafik-Informationen zu kombinieren:</p>
<ol>
<li>Redundanz</li>
<li>	Komplementarität</li>
</ol>
<p>Bei Redundanz haben Text und Grafik genau die gleiche Aussage. Wenn wir das klassische Stopschild als Text-Symbol-Komposition interpretieren, haben Farbe und Form des Schildes sowie der Text exakt die gleiche Aussage. Sehr kurze und häufig vorkommende Texte wie &#8220;WC&#8221; oder &#8220;OK&#8221; können wir ähnlich schnell erfassen wie ein entsprechend bekanntes Symbol. </p>
<p>Komplementarität hingegen bedeutet, dass Text und Grafik sich gegenseitig in Ihrer Aussage ergänzen, also jeweils unterschiedliche Aussagen haben, die zusammen ein geschlossenes Ganzes ergeben. Das klassische Beispiel dafür ist natürlich der Comic. </p>
<p>In der Praxis ist das nicht so trennscharf, ein Zustand lässt sich leichter grafisch abbilden als ein Prozess. Ihr kennt sicher auch diese schönen Anleitungen zum Zusammenbau von Möbeln oder anderen komplexen Gegenständen. Diese Anleitungen sind meistens ein Zusammenspiel aus Abbildung und textlicher Anleitung, wenn eines von beidem fehlt, wird es zwar schwieriger, generell könnte man das aber auch nur mit grafischer Anleitung oder auch nur mit textlicher Beschreibung hinbekommen. Ist das Redundanz oder Komplementarität? Eine rein akademische Frage, die uns hier nicht weiter interessieren muss. Eine prozessuale Darstellung würde oft viele Einzelbilder erfordern, das wäre dann so ähnlich wie ein Daumenkino. Das scheint wenig praktikabel zu sein, ich kann mir eher vorstellen, dass künftige Anleitungen eher als Video angeboten werden, dabei bleiben aber blinde und sehbehinderte Nutzer oft auf der Strecke. </p>
<p>Ein Sonderfall sind Texte in Leichter Sprache. Ich habe überrascht festgestellt, dass in den <a href="http://www.leichtesprache.org/downloads/Regeln_Netzwerk_Leichte_Sprache.pdf" class="broken_link" rel="nofollow">Richtlinien zur Leichten Sprache</a> Wert darauf gelegt wird, dass die Texte auch mit Grafiken ergänzt werden. In diesem Fall haben wir im Idealfall Redundanz: wer den Text nicht ganz versteht begreift ihn eventuell mit Hilfe der Grafik und umgekehrt. </p>
<p>Ideal ist daher eine Text-Bild-Kombination etwa bei der Bedienung von Programmen, Automaten oder anderer programmierter Oberflächen. Damit ist das Multikanal-Prinzip erfüllt und die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass entweder Bild, Text oder beides zusammen dazu führen, dass die Funktion verstanden wird. </p>
<h2>Verständnis-Probleme</h2>
<p>Eine klassische Regel der Barrierefreiheit ist natürlich, dass keine Information ausschließlich über Farbe oder Farbänderung vermittelt werden darf. Ein hoher Kontrast sollte selbstverständlich sein, schließlich wissen wir heute weniger denn je, ob ein Nutzer mit seinem 3,5-Zoll-Smartphone oder mit dem 42-Zoll-Superflachbild-Fernseher auf unsere Seite kommt. Das gilt natürlich auch für nicht-digitale Grafiken. Ein Symbol muss auf den ersten Blick, bei großer Entfernung und unklaren Lichtverhältnissen erkennbar sein. Das ist aber eher ein Kriterium der Erkennbarkeit und hat nur mittelbar mit Verständlichkeit zu tun. </p>
<p>Interaktive Grafiken erfreuen sich großer Beliebtheit, neben Katzenvideos werden sie besonders gerne auf Twitter oder Facebook geteilt. Die eigentlich interessante Frage ist, ob sie verstanden werden. Vieles deutet darauf hin, dass Informationsgrafiken insbesondere für Informationsprofis interessant sind. Leute, die sich ohnehin für Social Media interessieren finden solche Infografiken über Social Media verständlicher als die Nicht-Profis. Vielleicht werden die Grafiken nur geteilt, weil man sie ästhetisch ansprechend oder wichtig findet. Die Programme verleiten oftmals dazu, den Schwerpunkt auf Ästhetik statt auf Verständlichkeit zu legen, deshalb werden oft zu viele Farben oder überflüssige 3D-Effekte eingesetzt. </p>
<p>Bei Info-Grafiken spielt es meist keine große Rolle, ob sie verstanden werden oder nicht. Anders sieht das bei der Orientierung in Gebäuden aus. Besonders wichtig ist dabei der konkrete Kontext. Ein größerer Bahnhof besteht aus Gleisen und Bahnhofsgebäude, eventuell gibt es noch Toiletten, Schließfächer und Aufzüge. Die Zahl der Symbole ist also relativ begrenzt, es gibt keine Symbole für Eincheck-Schalter oder für Sicherheitsschleuesen. Dadurch erhöht sich die Möglichkeit, dass ein Symbol erkannt oder zumindest erraten werden kann. Mir ist es öfter passiert, dass ich Arbeitskollegen auf der Straße nicht an der Stimme erkannt habe &#8211; ich vermute zumindest, dass es Kollegen waren &#8211; am Arbeitsplatz wäre mir das nicht passiert. </p>
<p>Wir stoßen bei der Verständlichkeit von Grafiken auf unterschiedliche Probleme, die wir jeweils nach Nutzergruppen einteilen können. </p>
<h3>Blinde und hochgradig Sehbehinderte</h3>
<p>Menschen, die von Geburt an schlecht oder gar nicht sehen beherrschen die Visual Literacy schlichtweg nicht. Ich habe schon <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/02/10/was-bedeutet-intuitive-bedienung-fur-blinde/">an anderer Stelle ausgeführt</a>, zu welchen Schwierigkeiten das führen kann. </p>
<p>Deswegen brauchen Blinde keine Beschreibung von Piktogrammen, es spielt für sie einfach keine Rolle, ob das Symbol ein Drucker oder ein Briefsymbol ist. Auch bei einer komplexen Grafik halte ich eine Beschreibung nicht für sinnvoll. Als Blinder bräuchte man schon viel Phantasie, um sich die Darstellung visueller Elemente anhand einer textlichen Beschreibung vorstellen zu können. Eine großflächige <a href="http://www.tactileview.com/">taktile Grafik</a> ist zwar einfacher zu erschließen als eine textliche Beschreibung, aber auch hier haben wir das Problem, dass der Blinde das Diagramm nur Stück für Stück und nie als Ganzes erfassen kann. Hilfreicher ist hier eine barrierefreie Tabelle. </p>
<p>Ich halte es für sinnvoller, einen Text zur Grafik zu schreiben, in dem erläutert wird, worum es in der Grafik geht und welche Zusammenhänge zwischen den Elementen besteht. Diese Beschreibung muss nicht erschöpfend sein, sondern sie muss dem Blinden die Möglichkeit geben, den Sachverhalt zu einem gewissen Maße zu erfassen und ihn in die Lage versetzen, gegebenenfalls weitere Informationen selbst zu recherchieren. Eine Beschreibung des graphischen Aufbaus würde ihm normalerweise nicht helfen. Ein hervoragendes Beispiel für gute Grafikbeschreibungen liefert der <a href="http://de.statista.com/">Statistikdienst Statista</a>.</p>
<p>Weil blind geborene Menschen die visuelle Symbolik nicht erlernt haben erscheint es mir auch nicht sinnvoll, diese Symbole in haptischer Form anzubieten. Blinde lernen zwar, wie gedruckte Buchstaben aussehen, das sind schließlich auch nur abstrakte Symbole, und sie wissen vielleicht, welche Form ein Auto hat, dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sie ein stilisiertes Auto haptisch erkennen können. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Daher dürften einfache Symbole wie Pfeile, geometrische Grundformen oder Text in Braille für Blinde sinnvoller sein als erfühlbare Piktogramme. Die Sache würde anders aussehen, wenn Blinde ständig mit haptischen Grafiken zu tun hätten.</p>
<h3>Sehbehinderte</h3>
<p>Bei Menschen, die noch gut mit ihrem Sehrest arbeiten können sieht die Sache ein wenig anders aus. Sie werden einen Großteil der visuellen Codes erlernt haben und wenn sie diese Codes einmal erlernt haben reicht oft auch ein unscharfer Blick, um die Funktion einer Grafik erraten zu können. Für diese Gruppe sind einfache Grundformen am sinnvollsten, je komplexer die Grafik bzw. die Zahl ihrer Unterelemente ist, desto schwieriger ist das Erkennen. </p>
<p>Für Menschen mit Ausfällen im Gesichtsfeld ist es schwierig, großflächige Grafiken als Ganzes zu erfassen. Ein gutes Beispiel dafür sind Landkarten, die fast per Definition komplex sind. Sie sind zusammengesetzt aus mehreren Teilgrafiken wie den eingezeichneten Straßen und Wegen, diversen Detailinformationen wie Haltestellen, Geschäften oder Bodenschätzen. </p>
<p>Für Sehbehinderte ist es daher hilfreich, wenn eine Grafik auch schrittweise erschlossen werden kann. Am besten wird eine Leserichtung vorgeschlagen, die ähnlich wie bei Text links oben beginnt. </p>
<p>Bei Karten ist es hilfreich, einige große Orientierungspunkte und Leitlinien zu haben. Bei einer Karte von NRW könnten etwa die großen Städte sowie die Autobahnen diese Funktion erfüllen. Bei einer digitalen Karte wäre es ideal, wenn Detailinformationen zu- und abgeschaltet werden könnten, so dass die Karte nicht mit im konkreten Kontext irrelevanten Informationen überfrachtet ist. Ein Beispiel dafür ist <a href="http://www.aktion-mensch.de/karte/index.php">die Karte der Aktion Mensch</a>. </p>
<h3>Kognitive Behinderung</h3>
<p>Bei einer kognitiven Behinderung haben Menschen Probleme dabei, Inhalte zu verstehen oder zu behalten. Für diese Gruppe sind Grafiken am nützlichsten, weil es für sie leichter ist, visuell zu arbeiten. </p>
<p>Eine <a href="http://www.barrierefreiheit.de/tl_files/bkb-downloads/Projekte/BKB_Kriterienheft_barrierefrei_NEU.pdf">Studie des BKB zeigt</a>, dass geistig Behinderte einfache Piktogramme mit stilisierten Objekten gut erkennen konnten. Schwieriger war es für sie, die Kombination mehrerer Objekte zu erkennen, zum Beispiel das Symbol für Rolltreppe, eine Person auf einer Treppe. </p>
<p>Von vielen Menschen wurde hingegen das Mann-Frau-Symbol nicht als Toilette erkannt. In der Tat weist ja auch nichts darauf hin, dass dieses Symbol für Toilette stehen soll, es gehört zu den erlernten Symbolen</p>
<p>Wie oben erwähnt sollen bei Texten für geistig Behinderte ergänzend Grafiken angeboten werden, die das Verständnis des Textes erleichtern oder sogar die Information doppelt kodieren, einmal als Text und einmal als Grafik. Das dürfte in der Praxis nicht immer möglich sein. Grafiken lassen sich eher dort einsetzen, wo es starke Konventionen wie in der Prozessmodellierung gibt. Das wiederum würde ein Wissen voraussetzen, dass bei den meisten Menschen nicht vorhanden sein dürfte. Eine interessante Frage, die meines Wissens nach bisher nicht untersucht wurde ist, ob geistig Behinderte von einfachen interaktiven Grafiken profitieren würden. Denkbar wäre zum Beispiel eine Grafik, die zu Beginn sehr einfach ist und Stück für Stück aufgebaut wird ähnlich wie viele Profis ihre Ideen stufenweise am Flipchart aufmalen. </p>
<h2>Verständlichkeit prüfen</h2>
<p>Man kann es als Vor- oder Nachteil sehen, aber visuelle Verständlichkeit lässt sich ebenso wie Textverständlichkeit nicht automatisch prüfen. Wir können sehr leicht prüfen, ob eine Grafik bei Graustufen-Darstellung noch gut zu erkennen ist, aber das war es auch schon mit den hilfreichen Tools. Am Ende – da dürfen sich die Grafiker freuen – braucht man Expertenwissen oder Praxistests, um die Verständlichkeit einer Grafik zu beurteilen. </p>
<p>Bei komplexen Grafiken, die ein allgemeines Publikum erreichen sollen erscheint es am sinnvollsten, meherere Ebenen anzubieten. Wer nicht zu tief in ein Thema eintauchen möchte sollte relativ schnell erkennen können, worum es in der Grafik geht und was ihre Kernaussage ist. Wer hingegen tiefer eintauchen möchte findet auf einer tieferen Ebene die für ihn interessanten Informationen. </p>
<p>Obwohl ich selbst weder mit Grafiken noch mit Bildern etwas anfangen kann glaube ich, dass wir erst am Anfang stehen. Viele Redakteure unterschätzen das Medium Grafik, böse Zungen behaupten, wir würden unsere Texte nicht illustrieren, sondern dekorieren und das dürfte in den meisten Fällen auch zutreffen. Die neuen Standards HTML5, CSS3 und vor allem Canvas werden viele neue Möglichkeiten eröffnen, die wir als Informationsvermittler richtig zu nutzen lernen müssen. </p>
<p>Um die Analogie der Visual Literacy aufzugreifen, wir können zwar in Grafiken lesen, aber wir können nicht in Grafiken schreiben. </p>
<h2>Zum Weiterlesen</h2>
<ul>
<li><a href="http://senict.blogspot.de/2011/08/symbols-101-part-one.html">Dreiteilige serie zur Verständlichkeit von Grafiken &#8211; englisch<br />
</a></li>
<li>Kerstin Alexander. Kompendium der visuellen Information und Kommunikation. Springer-Verlag 2007</li>
<li>Claudia Bingel. Visualisieren. Haufe Lexware 2010 </li>
<li><a href="http://www3.fh-gelsenkirchen.de/JPR/homepages/ballstaedt/inhalte/dokumente/dokumente/Skript_Bilder_Technischen-Kommunikation.pdf" class="broken_link" rel="nofollow">Visualisierung: Bilder in der technischen Kommunikation &#8211; PDF</a></li>
<li><a href="http://www.visual-literacy.org/">Visual Literacy: An E-Learning Tutorial on Visualization for Communication, Engineering and Business</a></li>
<li>Accessibility and Usability at Penn State. <a href="http://accessibility.psu.edu/compleximages">Complex Graphics</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Was bedeutet intuitive Bedienung für Blinde?</title>
		<link>http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2013/02/10/was-bedeutet-intuitive-bedienung-fur-blinde/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Feb 2013 18:21:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Domingos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Barrierefreiheit & Zugänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blinde & Sehbehinderte]]></category>
		<category><![CDATA[intuitive Bedienung]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Touch-Screen]]></category>
		<category><![CDATA[Usability]]></category>

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		<description><![CDATA[In einem älteren Artikel habe ich versucht, das Wahrnehmungsmodell von Sehbehinderten zu beschreiben. Im folgenden wollen wir uns das Gleiche für Blinde angucken. Bei Blinden gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die ihre Möglichkeit zur Bedienung programmierter Oberflächen einschränken oder erweitern können. Dazu gehört jenseits der Barrierefreiheit dieser Oberfläche aktuelle Technik, insbesondere aktuelle Hilfstechnik [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In einem <a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/2012/12/29/wie-sehbehinderte-im-internet-unterwegs-sind/">älteren Artikel</a> habe ich versucht, das Wahrnehmungsmodell von Sehbehinderten zu beschreiben. Im folgenden wollen wir uns das Gleiche für Blinde angucken.<br />
<div id="attachment_2447" class="wp-caption alignleft" style="width: 572px"><a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/sprachbetrachter.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/sprachbetrachter.jpg" alt="So sieht der erste Teil meiner Website für Blinde aus" width="562" height="571" class="size-full wp-image-2447" /></a><p class="wp-caption-text">So sieht der erste Teil meiner Website für Blinde aus</p></div><br />
Bei Blinden gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die ihre Möglichkeit zur Bedienung programmierter Oberflächen einschränken oder erweitern können. Dazu gehört jenseits der Barrierefreiheit dieser Oberfläche aktuelle Technik, insbesondere aktuelle Hilfstechnik und ihre persönlichen Fähigkeiten, mit der Technik umzugehen. Beides ist selten optimal. Was Blinde mit Sehenden teilen ist oftmals mangelnde Geduld, sich mit einer Sache intensiv zu beschäftigen. </p>
<h2>Das Surfverhalten auf unbekannten Seiten</h2>
<p>Nehmen wir folgendes an: Der Blinde möchte eine Website besuchen, die er nicht so gut kennt. Er ist gewöhnt daran, dass viele Seiten für ihn nicht einwandfrei funktionieren. </p>
<p>Das klassische Modell der Interaktion geht davon aus, dass der Blinde die Website erst einmal erkundet, sich also den Aufbau ansieht, die Navigation überfliegt und vielleicht auch überprüft, ob es z. B. Sprunganker und andere Hilfen gibt. </p>
<p>Das ist allerdings nicht der Fall, ich kenne keinen Blinden, der so vorgeht. Der Blinde hat wie jeder andere Surfer ein spezifisches Erkenntnisinteresse und versucht das so schnell wie möglich zu befriedigen. Dazu sucht er gezielt nach dem Inhaltsbereich, wo die meisten interessanten Infos stehen. </p>
<h3>Auf der Suche nach dem Inhalt</h3>
<p>Für den Sehenden erscheint die Website als ein Neben- und Übereinander von Informationssegmenten, das Banner steht über dem Inhalt, der Inhalt steht neben der Navigation und so weiter. Für den Blinden gibt es hingegen nur Linearität, das heißt, ein Element befindet sich vor oder hinter einem anderen Element. Das gilt im übrigen auch für kleine Touchscreens wie beim iPhone. Der Blinde tippt irgendwo auf den Screen und erfasst ein bestimmtes Element, zum Beispiel einen Link. Er wischt dann nach rechts und erfasst das nächste Element, das könnte etwa ein Textabsatz sein.<br />
Um die Anordnung von Elementen auf einer Website sozusagen haptisch erfassen zu können braucht er ein größeres Display, wobei 5- oder 6-Zoll-Displays schon ausreichen dürften. Hier haben wir den Vorteil, dass wir die Position des Inhalts recht gut erraten können. Auf dem iPhone muss man sich meistens mit einer Wischgeste begnügen, auf dem iPad kann man sich relativ sicher sein, dass der Inhalt im mittleren Drittel des Displays beginnt. Von da aus kann der Anfang des Artikels gesucht werden.<br />
<a href="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/braillezeile.jpg"><img src="http://www.oliveira-online.net/wordpress/wp-content/braillezeile.jpg" alt="Braillezeile" width="596" height="353" class="alignleft size-full wp-image-2410" /></a><br />
Bei den klassischen Screenreadern gibt es oft auch einen Modus zur Erkundung des gesamten Bildschirms, bei NVDA ist das der Flächenmodus, bei Jaws der Jaws-Cursor. Sind diese Modi aktiviert bewegt sich der Blinde mit den Pfeiltasten zeilenweise über den Bildschirm und kann damit sehr viele Elemente erfassen. Das ist ganz nützlich, wenn man weiß, dass es bestimmte Elemente gibt, die nicht mit dem normalen Modus erreicht werden können, aber der Blinde kann natürlich nicht wissen, ob solche Elemente vorhanden sind. </p>
<p>Es ist gar nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick wirkt. Der Blinde muss nicht nur nach dem Inhalt suchen, er weiß nicht einmal, ob dieser Inhalt auf dieser Seite überhaupt vorhanden ist. Nehmen wir an, wir haben gerade ein Kontaktformular abgesendet und der einzige Text jenseits von Links oder klickbaren Elementen ist „Vielen Dank für Ihre Nachricht“, dann hat der Blinde kaum eine Chance, diesen Text zu finden. Er weiß also nicht genau, ob seine Interaktion mit der Seite erfolgreich war oder nicht. Der einfachste Weg, ihm mitzuteilen, dass er auf einer neuen Seite ist wäre übrigens die Änderung des Seitentitels. Ich halte mich mit konkreten schlechten Beispielen oft zurück, aber einige Seiten haben das wirklich schlecht gelöst, ein Beispiel dafür ist Wikio. </p>
<h3>Zwei Wege durch die Website</h3>
<p>Lassen wir das iPhone einmal beiseite, dann gibt es für den Blinden im wesentlichen zwei Strategien, eine Website zu erkunden. Dazu muss man wissen, das es neben der visuellen Struktur der Website auch eine nicht-visuelle Struktur auf der HTML-Ebene gibt. Man könnte es eine semantische Struktur nennen, die für den Blinden ähnlich funktioniert wie die visuelle Struktur für Sehende. Die Funktion eines Elements wird dabei nicht durch ihr Aussehen, sondern durch ihren Namen beschrieben. Wenn der Screenreader zum Beispiel auf eine Checkbox trifft sagt er &#8220;Checkbox&#8221; und gibt außerdem die Information aus, dass diese Box aktiviert oder nicht aktiviert ist. Der Name des Elements beschreibt also dessen Aufgabe oder Funktion. </p>
<p>Die erste Methode zur Erkundung von Webseiten ist sehr grob und vor allem für schlecht oder gar nicht semantisch strukturierte Seiten gedacht. Die Pfeiltasten sowie die Bild-Auf und Ab-Tasten und der Tabulator dienen dazu, sich stückweise durch die Website zu hangeln. Mit den Cursor-Tasten erwischt man alles, also auch jede Menge Leerzeilen, unbenannte Grafiken und anderes wenig hilfreiches. Viele auch aktuelle Foren sind zum Beispiel schlecht bis gar nicht strukturiert, so dass der Blinde sich durch zahllose für ihn nutzlose Elemente lavieren muss.<br />
Mit den Bild-Tasten kann die Website grob überflogen werden. Wenn sie halbwegs einfach aufgebaut ist ist damit eine recht gute wenn auch grobkörnige Orientierung  möglich. Mit der Tabulatortaste können alle anklickbaren Elemente wie links oder Formularelemente erwischt werden. Die Screenreader Jaws und NVDA haben außerdem einen Tastenbefehl, mit dem man Links und andere anklickbaren Elemente überspringen kann. In vielen Fällen findet man mit dieser Taste den Inhaltsbereich. </p>
<p>Die zweite Methode funktioniert bei gut strukturierten Webseiten.<br />
Dabei versuchen Blinde mittels der Navigationstasten des Screenreaders den Inhalt zu erkunden. Wir suchen zum Beispiel gezielt nach Überschriften. Dabei gibt es zwei problematische Situationen: Es gibt gar keine Überschriften oder Hunderte davon, zum Beispiel bei Ministerien. Der Screenreader ermöglicht es, nach vielen Elementen wie Eingabefeldern, Überschriften verschiedener Ebenen und vielen anderen Elementen gezielt zu suchen. </p>
<p>In der Praxis verfolgen wir eine Mischstrategie. Es geht nach wie vor um unbekannte Seiten, deren Aufbau wir ja gerade nicht erkunden oder gar erlernen wollen. Ob der Mensch H1 für seinen Inhalt verwendet oder H6 interessiert uns nicht, ob die Navigation als Liste umgesetzt ist kann uns solange egal sein, wie wir uns nur für den konkreten Inhalt der aufgerufenen Unterseite interessieren. Auch bei Seiten, die ich täglich besuche weiß ich nicht, ob sie eine H1 für die Content-Überschrift verwenden oder nicht. </p>
<p>Die Parallelen zur Orientierung in unbekannten Umgebungen sind übrigens recht groß. Jenseits einiger großer Bahnhöfe gibt es in Deutschland so gut wie kein Areal mit Blinden-Leitsystem, das Leitsystem hat in etwa die Funktion der Semantik auf Webseiten. Daher muss der Blinde sich in unbekannten Gebäuden ähnlich durchlavieren wie auf Webseiten, durch Trial and Error. </p>
<h3>Semantik statt Farbe und Form</h3>
<p>Die intuitive Bedienung fällt für einen Blinden vollkommen anders aus als für einen Sehenden. Die <a href="http://www.mp3-kolleg.de/schroeder/material/CCSchroeder_WS1011_Grundlagen_der_Gestaltpsychologie.pdf">Gestaltgesetze</a> gelten kaum. Die Farbe oder Positionierung von Elementen oder ihre optische Gestaltung spielt für den Blinden keine Rolle. Der Blinde kann nicht über die Icons erkennen, was ein Programm oder eine Einstellung tut, er sieht keine Pfeile oder angedeuteten Bewegungen für Menüs oder viele andere Hilfen, die eine Benutzeroberfläche für Sehende intuitiv benutzbar macht. Oftmals weiß er nicht, dass ein Element eine Untereinheit eines größeren Segments ist. Wenn ich mit den Bild-Tasten einen Link erwische weiß ich oft nicht, ob er zur Navigation, zum Inhalt oder zur Fußzeile gehört. </p>
<p>Die Arbeit mit Menüs oder den Navigationstasten ist nicht immer optimal, da wir zum Beispiel nicht wissen können, ob es an irgendeiner anderen Stelle des Programms hilfreiche Funktionen gibt, die uns die Arbeit erleichtern könnten. Einige Funktionen scheinen gar nicht über Menüs zugänglich zu sein, zum Beispiel die Überarbeiten-Funktionen in Word 2003, mit der Korrekturen anderer Autoren übernommen oder verworfen werden können. </p>
<p>Bei Webseiten haben wir ein ähnliches Problem, wenn die Entwickler unsauber gearbeitet haben. Nehmen wir an, wir hangeln uns mit der Navigationstaste für Formulare durch ein langes Formular. Dann übersehen wir alle Elemente, die nicht als HTML-Formular-Element umgesetzt wurden, zum Beispiel eine Auswahlliste, die nur über JavaScript realisiert wurde. </p>
<p>Immer vorausgesetzt, die Systeme sind barrierefrei programmiert helfen dem Blinden ähnlich wie im Web semantische Auszeichnungen. Ein Menü ist also nicht nur visuell als Menü zu erkennen, sondern der Screenreader erhält die Information, dass es sich bei einem Objekt um ein Menü, einen Schalter oder eine Checkbox handelt. Ein frisch installierter Screenreader gibt auch zumeist weiterführende Informationen zu den Objekten wie „Bewegen Sie sich mit den Pfeitasten durch das Menü“ und so weiter. </p>
<h2>Surfen auf bekannten Seiten</h2>
<p>Das klingt alles schlimmer als es ist. Zum einen bewegen sich die meisten Läute den Großteil ihrer Zeit auf ihnen wohlbekannten Seiten. Dabei wirkt es sich nicht so extrem negativ aus, wenn die Seite schlecht strukturiert ist. In der Zeit, die ein Mausnutzer zum Ansteuern eines Links braucht habe ich den Link zwei Mal aufgerufen. </p>
<p>Es gibt ein ganz nettes Buch zur Webkonzeption von Jens Jacobsen. An einer Stelle berichtet er darüber, warum benutzerfreundliche Systeme manchmal scheitern. Ein Grund dafür ist, dass vor allem die Alt-Nutzer radikale Neuerungen ablehnen, weil sie die Macken des alten Systems beherrschen. Wir passen uns den Programmen an, statt die Programme an uns anzupassen.<br />
Das trifft auch auf Blinde zu: häufig benutzen sie uralte Programme und Screenreader, weil sie keine Lust zum Umlernen haben. Das mag man für legitim halten, aber am Ende schadet es doch ihnen selbst am meisten. Der Knackpunkt ist die Frage, ob eine blindengerechte intuitive Gestaltung ihnen beim Umstieg helfen würde. </p>
<h2>Wofür das Ganze?</h2>
<p>Einige Läute werden einwenden, dass man das eigentlich nicht braucht. Schließlich wissen wir ja nach x Jahren Nutzung, wo die einzelnen Menüpunkte von Word oder Excel sind. Es spielt also keine Rolle für uns, ob es Kacheln, Fenster oder Symbolleisten sind, Hauptsache, das Teil ist bedienbar. Das stimmt in Bezug auf Programme, die wir täglich nutzen. Aber es gibt auch Programme oder Websites, die wir vielleicht nur einmal benötigen und hier hilft uns eine intuitive Bedienung ungemein. </p>
<p>Für graphische Benutzeroberflächen gibt es deshalb nur eine praktikable Alternative, die Touchscreens. Natürlich gibt der Screenreader bei Berührung die gleichen Informationen aus wie bei einer Tastatursteuerung. Allerdings hat der Blinde hier die Möglichkeit, die gesamte Programmoberfläche zu erkunden. Er gewinnt damit nicht nur einen Eindruck, wie die Programmoberfläche aufgebaut ist, sondern kann alle Bedienelemente erkunden, auch diejenigen, die er ansonsten nie entdeckt hätte. </p>
<p>Natürlich stellen Touchscreens Anforderungen eigener art, sobald es über die übliche Drei-Button-App hinaus geht. Ein Desktop-Programm kann ähnlich wie eine Website Hunderte von Elementen enthalten. Aber hier kommt uns tatsächlich die grafische Oberfläche zugute. Normalerweise sind Programme oder Websites nicht wie Kraut und Rüben angeordnet, sondern folgen in ihrem Aufbau einer gewissen Logik. Verwandte Funktionen sind nebeneinander angeordnet, Funktionen aus unterschiedlichen Bereichen sind in Symbolleisten untereinander gruppiert und so weiter. </p>
<p>Ein großflächiges Braille-Display könnte ebenfalls eine gute Lösung sein. Allerdings sind die Braille-Module so teuer, dass das für niemanden erschwinglich sein wird. Für die Darstellung von Vektorgrafiken sind diese Displays außerdem viel zu grobkörnig. Es gibt noch einige alternative Ansätze für haptische Displays, die aber meines Wissens nach weit von der Marktreife entfernt sind. </p>
<p>Das alles könnte zu dem Schluss führen, dass es sinnvoll ist, spezielle Anwendungen für Blinde zu entwickeln, weil graphische Benutzeroberflächen für sie nie optimal nutzbar sein werden. Genau das Gegenteil ist richtig, wir brauchen neue Strategien, um graphische Interfaces besser nutzbar zu machen. </p>
<p>Aktuell können wir zwei parallele Entwicklungen beobachten. Auf der einen Seite nehmen webbasierte Technologien immer mehr Raum ein, auf der anderen Seite ist zu befürchten, dass es zu einer erneuten Spezialisierung kommt. Es gibt keine Textversionen für Blinde, stattdessen gibt es spezielle Navi-Apps, Lese-Apps und andere Insellösungen. Auch wenn die Blinden aktuell die Vorteile dieser speziellen Apps genießen mögen, so droht diesen Insellösungen doch das gleiche Schicksal wie den Textversionen von 1999, sie werden nicht weiterentwickelt oder vergessen und am Ende gibt es nutzlose Insellösungen für Blinde und nicht-barrierefreie Anwendungen für alle anderen. </p>
<p>Ich lehne nicht generell Sonderlösungen für Behinderte ab, sie sind dort sinnvoll, wo sie besondere Bedürfnisse von Behinderten erfüllen, die von klassischen Apps gar nicht oder unzureichend abgedeckt werden. Nicht-Behinderte brauchen zum Beispiel meistens keine Apps zur unterstützen Kommunikation. </p>
<p>Einige Anwender lehnen Apps generell ab, auch diesen Standpunkt teile ich nicht. Apps haben einen Vorteil, sie können besser auf die Accessibility-APIs zugreifen als Web-Apps das können. Dort, wo Apps diesen Vorteil ausnutzen, sind sie durchaus sinnvoll, der Rest ist Spielzeug für langweilige Nachmittage. Die Blinden tun gut daran, weiterhin die Barrierefreiheit allgemeiner Anwendungen zu fordern und Sonderlösungen konsequent abzulehnen. </p>
<h2>Weiterlesen</h2>
<ul>
<li><a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/id/2575/">Wie Blinde Webseiten erkunden</a></li>
<li><a href="http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/id/2751/">Usability mit Behinderten testen</a></li>
</ul>
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