Mein Rückblick auf das m-Enabling-Forum 2018

Menschen schauen sich eine Präsentation auf dem M-Enabling-Forum an.Am 27.9.2018 fand das M-Enabling-Forum 2018 in Düsseldorf parallel zur Rehacare statt. Es war ein reichhaltiger Tag. Heute gibts einen kleinen Rückblick. Leider weiß ich nicht, ob und wie die Teilnehmer ihre Inhalte online stellen. Wenn das passiert, werde ich das hier verlinken.

Organisation

Für meinen Geschmack organisatorisch nicht ganz geschickt: Konferenzen sollten frühestens um 10 Uhr beginnen. Und 9 Stunden waren dann zu viel des Guten.
Ein offenes W-Lan fürs Twittern wäre auch nett gewesen. Hier hat man Potential für die Öffentlichkeitsarbeit verschenkt. Im Saal selbst gab es gar keinen Mobil-Empfang, auch ein wenig seltsam für eine Messe Düsseldorf.
Auch hätte man mehr Interaktionen und Interaktionsmöglichkeiten mit dem Publikum ermöglichen sollen. So glich es eher einer Produkt-Schau

Das Programm

Wenn man ein paar dieser Konferenzen besucht hat und im Thema ist, erfahrt man irgendwann nichts mehr Neues. Im Vordergrund steht vor allem der Austausch unter den Besuchern.
Interessant und für mich neu waren die Bemühungen, Barrierefreiheit zu zertifizieren. Ich selbst bin kein Fan solcher Programme. Sie riechen immer ein wenig nach Stempel drauf und für die nächsten zehn Jahre erledigt. Doch mag es in einigen Fällen sinnvoll sein.

Apple nervt

Nervtötend war das Statement von apple. Ich nutze gerne die Geräte von Apple. Was mich allerdings ärgert ist, wenn ein Konzern, der fast 1 BillionenDollar wert ist so tut, als ob Barrierefreiheit für ihn kein Geschäftsfaktor wäre. – Die Eyes-Free-Technologien zum Beispiel kommen auch Autofahrern zugute. Es gibt reichlich Blinde, welche gleich mehrere Produkte von Apple besitzen. Da kann man nicht ernsthaft so tun, als ob Barrierefreiheit reine Wohltätigkeit wäre. Wohlgemerkt, es stört mich nicht, dass Apple damit Geld verdient, sondern dass sie so tun, als ob das nicht so wäre. So ist Apple kein Vorbild für andere Unternehmen, die Barrierefreiheit ernst zu nehmen. Denn es kommt bei apple so rüber, als ob sie für die Barrierefreiheit drauf zahlen müssten. Es wäre dann ein Verlust-Geschäft, so gewinnt man in der Privat-Wirtschaft keine Freunde für die Barrierefreiheit, sondern schadet ihr indirekt.
Absurd wird es dann, wenn Apple Pseudo-Entwicklungen für sich reklamiert. Armbänder zur Sturzmeldung und tragbare Notruf-Systeme gab es schon lange. Wenn man Apple so hört könnte man meinen, sie hätten es für die Apple Watch erfunden. Und die App Kurzbefehle ist sicherlich nett, früher nannten wir das Makros und brauchen es vor allem, weil Siri so miserabel ist. Hier stellt sich eher die Frage, warum es das nicht schon in iOS 6 gab.

Fazit: Rausgehen oder reinholen

Und hier noch meine drei nicht ganz neuen Erkentnisse aus der Konferenz:
Erstens: Es ist zwar immer nett in der Barrierefreiheits-Szene. Diese ist aber klein und scheint mir in der Zeit, in der ich dabei war kaum gewachsen zu sein.
Entweder geht man aus der Szene raus, zum Beispiel auf andere Messen oder Kongresse. Oder man holt diese Leute gezielt rein.
Meine zweite Erkenntnis: Es fehlt eine zentrale Instanz, die Informationen und Nachrichten zur Barrierefreiheit bündelt. Es gibt viele Projekte, die einfach nicht bekannt sind. Die Szene ist nicht nur in Deutschland sehr atomisiert. Es bräuchte ein neues Einfach für alle.
Meine dritte Erkenntnis ist, dass zu wenig über existierende Bedienungshilfen aufgeklärt wird. Von den drei großen Software-Anbietern Apple, Google und Microsoft macht es letzteres am besten: Bei Microsoft bekommt man die Bedienungshilfen schon bei der Erst-Installation und im Anmeldebildschirm angeboten. Bei Apple und Google muss man – zumindest in den mobilen Betriebssystemen – danach suchen. Das heißt, man muss im Prinzip schon wissen, dass es Hilfen gibt. Dafür gibt es keinen nachvollziehbaren Grund. Ich habe gerade erst ein Android-Phone eingerichtet und ihr würdet gar nicht glauben, wie viel Platz auf dem ersten Screen ist, auf jeden Fall genug, um den Start von Bedienungshilfen anzubieten. Wenn ihr das lest, ihr Großen Drei, bitte mehr Geld in Aufklärung und weniger in PR-Maßnahmen stecken.

Amazon Echo – warum barrierefreie Webseiten sinnvoller werden als je zuvor

Stilisierter LautsprecherAmazon hat mal wieder eine ganze Reihe von neuen Produkten vorgestellt. In diesem Beitrag möchte ich zeigen, warum der smarte Lautsprecher Echo mit der Spracheingabe auch barrierefreien Webseiten einen Schub geben könnte.

Alles über Semantik

Ein Schlüsselfaktor für barrierefreie Webseiten ist semantisches und seinen Zwecken entsprechend eingesetztes HTML.
Leider muss man sagen, dass in erster Linie bisher vor allem Blinde davon profitieren. Natürlich bringen Labels Vorteile für motorisch Behinderte und Sehbehinderte können eigene Stylesheets definieren, um sich Inhalte besser zugänglich zu machen. Aber ob das tatsächlich jemand in dem Maße nutzt, bleibt offen.

Vorlesen leicht gemacht

Doch in dem Maße, in dem Geräte ohne eigenes Display auf den Markt drängen, wird es wieder interessant. Wie bringe ich zum Beispiel dem Echo bei, wo der Inhalt einer Webseite beginnt, schließlich will ich nicht die Navigation und anderen Schmus vorgelesen haben, der am Anfang einer Webseite steht. Wie bringe ich ihn dazu, von Absatz zu Absatz, zur nächsten Überschrift, zu einem bestimmten Bereich der Webseite zu kommen? Für einen Sehenden erscheint dieses Problem eigentlich unlösbar. Doch wer arbeitet schon seit Jahr und Tag ohne Display? Exakt, blinde Menschen und das in der Regel ohne große Probleme.
Und hier kommt eine sinnvolle Semantik ins Spiel. Gibt es zum Beispiel nur eine Hauptüberschrift auf der Unterseite, die H1, hat auch eine Maschine keine Probleme, den Anfang des Artikels zu finden. Werden die neuen elemente aus HTML5 wie Navigation, Article, Footer und so weiter korrekt eingesezt, wird die Sache zusätzlich erleichtert. Selbst die Alternativtexte könnten somit einer wesentlich größeren Gruppe nützlich sein.
Auch komplexe Interaktionen mit der Website wie das Aufrufen von Punkten aus der Navigation, das Suchen innerhalb einer Unterseite, das verwenden der Suchfunktion der Website und so weiter sind durchaus möglich. In der Regel wird das länger dauern als mit einem Display, doch muss man es ja auch nicht übertreiben, wenn das visuelle Interface Smartphone nur einen Handgriff entfernt ist.

Formulare per Sprache ausfüllen

Doch war es das noch lange nicht. Heute sind Webseiten interaktiv und interaktiv heißt fast immer Formulare. Sind die Formulare sinnvoll semantisch ausgezeichnet, also so, dass eine Maschine die Aufgabe eines Inputfeldes, den Status und so weiter erkennen kann, dann dürfte es auch kein Problem mehr sein, solche Formulare komplett per Sprache auszufüllen. Natürlich wird man das für komplexere Formulare derzeit nicht machen. Aber auch das könnte nur eine Frage der Gewöhnung sein.

Macht eure Website barrierefrei

Je stärker die Spracheingabe in den Alltag einkehrt, desto mehr werden die Nutzer auch erwarten, damit im Prinzip alles erledigen zu können. Ich prophezeie einmal, dass diese Entwicklung sich stark auf die Gestaltung von visuellen Benutzeroberflächen auswirken wird, ähnlich wie es das Smartphone getan hat. Man wird zum Beispiel gezwungen sein, die Zahl der Links oder die Komplexität von Formularen zu reduzieren und eine an der Spracheingabe optimierte Benutzerführung zu etablieren.
Vor allem ältere Blinde, die mit dem Screenreader nicht so vertraut sind, könnten von dieser Entwicklung profitieren. Aber auch funktionale Analphabeten und ältere Menschen, die teils von der Technik überfordert sind, könnten dank einer Spracheingabe die Möglichkeiten des Internets wesentlich leichter nutzen. Nebenbei könnte es Amazon gelingen, die Haus-Automatisierung massentauglich zu machen, daran sind selbst Apple und google bisher gescheitert.

Was ändert sich durch die RICHTLINIE EU 2016/2102 für barrierefreie Webseiten?

Flagge der EUDie RICHTLINIE (EU) 2016/2102 hat dem Vernehmen nach noch niemandem schlaflose Nächste bereitet. Was sie konkret für Veränderungen für barrierefreie Webseiten bringt, erfahrt ihr hier.
Die Eu-Richtlinie 2016/2102 tritt am 23. September in Kraft. Webseiten, die ab diesem Tag online gehen, sollen barrierefrei sein. Für bestehende Web-Angebote gibt es Übergangsfristen.

EU-weite Harmonisierung

Eines der Probleme barrierefreier Webseiten war, dass viele Körperschaften ihre eigenen Regeln erlassen konnten oder mussten. Das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz und die BITV 2.0 gelten für die Bundesebene, nicht aber für die Länder. Diese hätten im Prinzip ihre eigene Bitv 2.0 erlassen müssen. Defacto dürften sich aber die meisten Bundesländer an der BITV 2.0 orientiert haben. Die Kommunen sind dem gefolgt oder haben einfach gar nichts gemacht.
In diesem Punkt schafft die Richtlinie Klarheit. Vom letzten Dorf bis zur EU-Ebene werden einheitliche Regeln gelten, nämlich die EN 301 549, die wiederum auf der WCAG basieren. Tritt eine aktuellere WCAG in Kraft, wird sie relativ schnell in die En aufgenommen, zumindest war das bei der WcAG 2.1 der Fall. Entsprechende nationale Richtlinien müssen bis zum 23.9.2018 angepasst werden.
Auch mobile Anwendungen, womit native und nicht-native Apps gemeint sind, sollen barrierefrei werden. Hier dürfte der Aufwand überschaubar sein: Ich kenne so gut wie keine Apps öffentlicher Anbieter.

Wer ist verpflichtet?

Wie gehabt sind öffentliche Einrichtungen verpflichtet, ihre Webseiten barrierefrei zu machen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ausdrücklich ausgenommen. Für ihn sollen eigene Regeln erlassen werden.
Zur Barrierefreiheit verpflichtet sind laut der EU-Richtlinie 2016/2102 allerdings auch Einrichtungen mit Bezug zum Thema Behinderung. Hier ist die Formulierung unklar. Betroffen seindürften zumindest große träger der Behindertenhilfe wie die Carittas oder die Diakonie. Auch hier müssen wir allerdings abwarten, was im deutschen Gesetz final stehen wird.

Erklärung zur Barrierefreiheit

Die Verpflichteten sollen auch eine Erklärung dazu abgeben, wie barrierefrei ihre Website ist. Dazu gehört auch eine Begründung, ob bestimmte Bereiche nicht barrierefrei sind und warum das so ist.

Prüfung und Berichtswesen

Die Regierung wird durch die EU-Richtlinie 2016/2102 dazu verpflichtet, die Einhaltung der Richtlinie regelmäßig zu prüfen. Sie soll an die EU berichten, wie die Barrierefreiheit fortschreitet.
Auch hier wird spannend sein zu sehen, wie die Verantwortlichen prüfen und berichten werden. Es läuft wahrscheinlich auf ein halb automatisiertes, halb manuelles Testverfahren hinaus.

Feedback-Mechanismus mit Antwortpflicht

Die Anbieter sollen einen Feedback-Mechanismus zur Barrierefreiheit anbieten. Zudem sollen die Anbieter in angemessener Zeit antworten. Das dürfte interessant werden, da zumindest kleinere Kommunen kaum Kompetenz in diesem Bereich haben. Sie werden also nicht in der Lage sein, sinnvoll auf entsprechende Anfragen zu antworten.

Verpflichtung zur Qualifizierung

Ebenfalls verpflichtet die neue EU-Richtlinie die öffentlichen Träger dazu, Mitarbeiter in Sachen digitaler Barrierefreiheit weiterzubilden. Ob das tatsächlich passiert, müssen wir einmal abwarten.

Fazit: Vieles bleibt noch unklar

Wir werden wohl den Stichtag 23.9.2018 und dann die konkrete Umsetzung abwarten müssen, bis die Umsetzungsvorschriften und das konkrete Vorgehen endgültig bekannt sind.
Wirklich große Änderungen sind nicht zu erwarten. Die Bundes- und LandesEinrichtungen erfüllen die Anforderungen wahrscheinlich schon im Wesentlichen, da sie sich an der BITV 2.0 orientiert haben. Die reicheren Kommunen werden bald nachziehen, die Ärmeren werden wahrscheinlich gar nichts tun. Da keine Sanktionsmechanismen vorgesehen sind, besteht aus deren Sicht wohl auch kein akuter Handlungsbedarf. Den Trägern der Behindertenhilfe, zumindest ihren lokalen Ablegern, dürfte vielfach gar nicht bekannt sein, dass sie verpflichtet wären, also sind auch hier keine Änderungen zu erwarten.

Zum Weiterlesen

Sind Google Produkte barrierefrei?

Google SucheGoogle macht wie viele große Software-Konzerne viel Wind um die Barrierefreiheit seiner Produkte. Doch was ist eigentlich dran an den vollmündigen Versprechungen? Leider wenig: Bei Google ist vor allem viel PR und wenig barrierefrei.

Das Bild ist gemischt

während sich bei Android und Chrome sowie Chrome OS einiges getan hat, sieht es bei anderen Produkten durchmischt aus. Tatsächlich hat sich die Barrierefreiheit einiger Produkte in letzter Zeit sogar verschlechtert.
Zu nennen wären hier Google Analytics, die Search Console und Gmail. Pikant daran ist, dass die ersten beiden Produkte häufig am Arbeitsplatz verwendet werden. Google Amerika dürfte damit gegen den Americans-with-Disabilities Act verstoßen.

Google Analytics – für Blinde und Tastaturnutzer praktisch nicht nutzbar

Den größten Murks hat Google mit seinem Dienst Google Analytics angerichtet. Er ist für Blinde und Tastaturnutzer gar icht benutzbar. Man scheitert schon daran, zwischen unterschiedlichen Nutzerkonten und Profilen umzuschalten.
Und leider geht es im gesamten Dienst weiter: Es ist schwierig, einzelne Punkte aus der Unternavigation aufzurufen, in den Inhaltsbereich zu wechseln, sich bestimmte Informationen rauszusuchen… Es ist nicht möglich, den Datumsbereich einzugrenzen, ganz zu schweigen von komplexeren Interaktionen.
Um es klar zu sagen: Das ist eine Diskriminierung blinder Menschen. Google sperrt blinde Internet- und Social-Media-Redakteure von ihrer Arbeit aus.

Search Console und GMail

Das Gleiche gilt auch für die neuen Designs der Search Console und GMail. Offensichtlich werden die gleichen Design-Komponenten für die grafische Oberfläche verwendet. Vermutlich zielt Google auf eine Vereinheitlichung der Benutzeroberfläche ab. Womit aber alle Dienste durch die Bank sich bei der Barrierefreiheit verschlechtern.
Gmail hatte vorher noch den Vorteil, dass man auf eine HTML-Ansicht umschalten konnte. Die war benutzbar, wenn auch ziemlich unkomfortabel. Man war sich offensichtlich selbst bewusst, wie schlecht zugänglich die andere Ansicht für Blinde war. Die HTML-Ansicht ist entweder abgeschafft worden oder für Blinde nicht auffindbar.

Es fehlt an Qualitätssicherung

Das zeigt, dass selbst ein Milliarden-Konzern, der das Know-How zur Barrierefreiheit im eigenen Haus hat, vieles falsch machen kann. Offensichtlich sind die Produkte nicht von Blinden auf Barrierefreiheit getestet worden.Das Feedback der Community wird ignoriert.
Peinlich ist auch, dass Google auf Hinweise, die unter anderem von mir kamen, nicht reagiert hat. Das zeigt, dass Barrierefreiheit für Google kein wichtiges Thema ist.
Meine Konsequenz ist, mich so weit wie möglich von Google Produkten zu verabschieden.

Barrierefreie PDFs – Microsoft Office und LibreOffice im Vergleich

Barrierefreie Dokumente können sowohl mit Microsoft Office als auch mit LibreOffice erstellt werden. Beide Office-Pakete können auch barrierefreie, also getaggte PDFs speichern. In diesem Beitrag möchte ich die einzelnen Funktionen vergleichen.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf eigenen Erfahrungen sowie auf den offiziellen Anleitungen der Anbieter. Es kann durchaus sein, dass es Funktionen gibt, die mir nicht bekannt sind. Ich gehe hier in erster Linie auf Word und Writer ein.
Im ersten Abschnitt geht es um Funktionen, die beide Programme anbieten. Im zweiten Teil geht es um Besonderheiten der Programme.

formatvorlagen

Ganz grundlegend für barrierefreie Dokumente sind die Formatvorlagen. Diese finden wir sowohl in LibreOffice als auch in Microsoft Office. Mit ihnen werden Struktur-Informationen wie Überschriften, Listen oder Absätze hinterlegt.

Bildbeschreibungen

Ebenfalls in beiden Paketen finden wir die Möglichkeit, Bildbeschreibungen für Blinde zu erstellen. MS Office bietet seit 2016 automatische Bildbeschreibungen und Bilder lassen sich als dekorativ für Blinde unsichtbar machen.

Sprache und Metadaten

In beiden Paketen können metadaten wie Autor und Titel hinterlegt werden. Ebenfalls kann die Sprache des Textes sowie von Textpassagen festgelegt werden, damit sie Blinden in der korrekten Sprache vorgelesen werden.

Umfliessen

Generell funktioniert der Umfliessen-Modus in exportierten PDFs bei beiden Office-Paketen. Allerdings hat MS Office spätestens seit der Version 2013 einen Bug: Auf Seiten, in die eine Grafik eingefügt wurde funktioniert der Umfliessen-Modus nicht.

Tagged PDFs

Beide Office-Pakete können die genannten Struktur-Informationen ins PDF übernehmen.

LibreOffice

In diesem Abschnitt geht es um Besonderheiten von LibreOffice.

Lesezeichen

LibreOffice kann Lesezeichen exportieren. Das kann MS Office nach wie vor nicht. Die Lesezeichen werden etwa im Acrobat Reader auf der Linken Seite als immer sichtbares und komfortables Inhaltsverzeichnis angezeigt. Bei langen Dokumenten ist das praktisch.

Vor- und Nachteile von LibreOffice

Der Vorteil von LibreOffice besteht darin, dass sich die Funktionen immer am gleichen Ort finden und nicht so oft umbenannt oder verschoben werden wie in MS Office.
Leider scheint man aber seit der Version 3 von OpenOffice auch nichts mehr großartig an der Funktion geändert zu haben. Damals war das eine großartige Sache. Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass man ein paar neue Features hinzufügt. Symptomatisch ist, dass die offizielle Anleitung der Document Foundation seit der Version 5.2. nicht aktualisiert wurde.

MS Office

Im Folgenden geht es um Besonderheiten von MS Office.

Tabellen

In Word kann eine nur für Blinde sichtbare Beschreibung zu Tabellen hinzugefügt werden. Außerdem kann die erste Zeile als Überschriftenzeile gekennzeichnet werden.

Prüffunktion

Ein Vorteil von Microsoft Office ist die seit Office 2010 integrierte Prüffunktion. Sie kann Probleme mit der Barrierefreiheit in den Dokumenten aufzeigen. Das ist natürlich super für Probleme, die sich automatisiert aufspüren lassen.

Vor- und Nachteile von MS Office

Microsoft hat die Funktionen seit Office 2007 stetig weiter entwickelt. Mittlerweile gibt es automatisch generierte Bildbeschreibungen oder die Möglichkeit, Bilder als dekorativ auszuzeichnen. Es gibt außerdem ausführliche Anleitungen zu barriefereien Dokumenten im Internet.
Der Nachteil ist aber ebenso offensichtlich: Für meinen Geschmack sind die Tools zu verstreut und sehr kompliziert zu finden. Immerhin braucht man drei Klicks , um einen Alternativtext hinzuzufügen.
Hinzu kommt, dass sie oftmals von Version zu Version verschoben oder umbenannt werden. Dass die Ribbons immer weiter mit Funktionen aufgeblasen werden, die 99 Prozent der Nutzer nie brauchen werden, macht Office selbst nicht wirklich zugänglich.
Ein weiterer Nachteil des Version-Chaos ist, dass es manche Funktionen in manchen Versionen gar nicht gibt. So funktionierte bei einer Kollegin auf dem Mac der Export als Tagged PDF nicht. Er sollte über die Cloud möglich sein, obwohl es sich um ein Desktop-Office handelt. Meine Assistenz hat eine andere Version von MS Office offenbar speziell für Studierende, wo gleich alle speziellen Barrierefreiheits-Optionen fehlten. Es bleibt das Geheimnis von Microsoft, was man sich bei dieser Produktpolitik denkt.

Fazit: Es gibt keinen Sieger

Wägt man die Vor- und Nachteile der beiden Office-Pakete ab, gibt es keinen eindeutigen Sieger. Microsoft nervt mit den hohen Preisen und der eigenwilligen Produktpolitik. LibreOffice schleppt die Funktion seit der Abspaltung von OpenOffice einfach mit. Natürlich sind die Ressourcen solcher OpenSource-Produkte begrenzt. Doch gerade für die Wissenschaft, aber auch für andere Bereiche wäre eine leistungsfähige Alternative zu MS Office und dem zu komplizierten Adobe Acrobat wünschenswert.
Für Blinde indes ist die Entscheidung leider recht einfach. Während Writer noch teilweise zugänglich ist, lässt sich das von Impress nicht behaupten. Hier kann NVDA zum Beispiel nicht erkennen, ob eine Folie bereits Inhalte enthält. Wenn wir also barrierefreie Dokumente mit Office-Anwendungen erstellen wollen, führt leider kein Weg an Microsoft vorbei. An dieser Stelle muss ich ausnahmsweise auch NV Access, die Macher von NVDA kritisieren. Zwar kommt an den meisten Arbeitsplätzen MS Office zum Einsatz. Doch hättte man sich als OpenSource-Projekt vielleicht doch stärker auf die Zusammenarbeit mit anderen OpenSource-Projekten konzentrieren sollen. Was für Screenreader gilt, gilt natürlich auch für Office-Pakete – nicht jeder hat das Geld, sie sich zu leisten.

Weiterführendes

Ist XING barrierefrei?

XING hat auf meine vielfachen Hinweise auf deren mangelnde Barrierefreiheit leider überhaupt nicht reagiert. Deshalb hielt ich es für notwendig, die Probleme öffentlich zu machen. Ich hätte das lieber bilateral geklärt.

Als Quasi-Monopolist bei Karriere-Netzwerken in Deutschland sollte XING hier meiner Ansicht nach mehr tun. Ansonsten bleiben behinderten Menschen Möglichkeiten der Vernetzung verschlossen. LinkedIn spielt in Deutschland noch nicht die zentrale Rolle und hat seine Hausaufgaben im Übrigen auch besser gemacht. Ja, es handelt sich um ein Privat-Unternehmen. Aber das ist heute kein Argument mehr, die Barrierefreiheit vollständig zu ignorieren.
Ich habe mir auch die XING-App fürs iPhone angeschaut. Die ist leider nicht zugänglicher als die Website.
Insgesamt ist das Portal natürlich sehr umfangreich. Ich gehe deshalb nur auf die Bereiche ein, die ich persönlich kenne. Auch beziehen sich alle Aussagen nur auf blinde Nutzer.

Nachrichten

Das Erstellen und beantworten von Nachrichten ist mit XING für Blinde leider nicht möglich. Die Eingabefelder sowie die diversen Optionen sind nicht sinnvoll oder gar nicht benannt.

Die roten Felder korrigieren

Wer zum Beispiel ein Event im Event-Markt anlegt, erhält gelegentlich die Fehlermeldung, er solle die roten Felder korrigieren. Ein toller Service, warum wird in der Fehlermeldung nicht direkt auf die Fehlerquelle verwiesen? Das würde auch die Usability deutlich verbessern.
Insgesamt sind leider alle Formulare teilweise nicht zugänglich. Bei einigen Feldern ist die Zuordnung zwischen Beschriftung und Eintrag nicht eindeutig.

Keine Alternativtexte für Grafiken

Zwar können Grafiken hochgeladen werden. Doch gibt es nicht die Möglichkeit, alternative Beschreibungen für Blinde zu hinterlegen.
Das ist auch deshalb dumm, weil dass sowohl Google als auch die XING-eigene Suchmaschine daran hindert, den Inhalt der Bilder zu indexieren.

Light-Boxen

Der exzessive Einsatz von Lightboxen ist eine der größten Barrieren auf XING. Für Tastaturnutzer und Screenreader-Nutzer poppen sie einfach irgendwo innerhalb der Seite auf, etwa dann, wenn ein Kontakt bestätigt oder eine Anzeige erstellt wird.
Das ist auch deshalb witzlos, da diese Popups keinerlei Mehwert bieten: Wer will, wenn er einen Kontakt hinzufügt eigentlich den in diesem Zusammenhang völlig belanglosen Hintergrund der Webseite sehen?

Gruppen-Administration

Leider sind auch die Funktionen zur Gruppen-Administration für Blinde absolut unzugänglich. Die Funktionen etwa zum Löschen oder Melden von Beiträgen werden blinden Nutzern gar nicht angezeigt.

Erfahrungen mit dem E-Mail-Anbieter Posteo – besser nicht

Für Leute, die ein alternatives E-Mail-Postfach suchen, habe ich meine Erfahrungen mit Posteo zusammengetragen.

Schlechter Support

Ich benutze meine Posteo-Mail als geschäftliche E-Mail-Adresse. Leider kam man auf die glorreiche Idee, mich ohne Vorwarnung von meinem Postfach auszuschließen. Meine E-Mails wurden vom Support nicht beantwortet.
Das ist geschäftsschädigend und ziemlich armselig für einen angeblich alternativen Postfach-Anbieter.

Nicht barrierefrei

Die Oberfläche von Posteo ist leider nicht barrierefrei. Leider hat man auf die Belange blinder und sehbehinderter Nutzer keine Rücksicht genommen. Zwar wurde versprochen, mehr Rücksicht auf die Belange behinderter Nutzer zu nehmen. Dem ist aber keine konkrete Handlung gefolgt.
Die Web-Oberfläche ist schlecht strukturiert, Anhänge sind kompliziert einzubinden, die Web-Obeffläche ist sehr unübersichtlich.

Klein und teuer

Für die Leistungen, die Posteo bietet, ist das Postfach zu klein. Da findet man bei anderen Anbietern deutlich bessere Leistungen für den gleichen Preis.

Kein Spamfilter

Bis auf die Möglichkeit, Regeln zu definieren verfügt Posteo über keinen vernünftigen Spamfilter. Das ist heute ein K.O.-Kriterium.

Schlechte Erreichbarkeit
Probleme mit der Erreichbarkeit gehören bei Posteo leider zum Alltag. Das Postfach ist häufiger nicht zu erreichen. Daneben gibt es häufig Probleme, wenn man eine Mail verschicken möchte. Die Oberfläche friert einfach ein und tut gar nichts mehr. Offenbar sind die Mailserver von Posteo zu schwachbrüstig.

Fazit: Lieber einen anderen Anbieter als Posteo

Posteo rühmt sich seiner Sicherheit und grünen Vorsätze. Für einen professionellen Mail-Anbieter ist das aber zu wenig. Schlechter Support, altbackene Oberfläche, mangelnde Barrierefreiheit und geringe Zuverlässigkeit machen den Anbieter für Geschäftskunden uninteressant.

Was sehen Blinde eigentlich?

Nichts, wird die volksmündliche Antwort lauten. Leider ist die Situation aber ein wenig komplizierter. In diesem Beitrag werden wir uns anschauen, was Blinde visuell wahrnehmen können.

Eine kleine Begriffskunde

Wie immer ist es sinnvoll, die Begriffe zu kennen:

  • Wir sprechen von vollblind, wenn jemand nichts oder so gut wie nichts sehen kann.
  • Gesetzlich blind sind Menschen, die einen bestimmten Sehrest unterschreiten. Das betrifft entweder die Sehschärfe, die im Visus angegeben wird. Oder die Größe des Gesichtsfeldes. Diese Gruppe wird als Sehrestler bezeichnet.

Beide genannten Gruppen sind im gesetzlichen Sinne blind. Davon abgrenzen können wir die hochgradig Sehbehinderten, die Sehbehinderten und natürlich die Sehenden. Letztere haben entweder keine oder zumindest nicht solche Sehprobleme, die sich nicht mit Brillen oder Kontaktlinsen ausgleichen lassen. Die Grenzen zwischen hochgradig sehbehindert und Sehrest-Blinden ist fließend. In der Regel arbeiten
hochgradig Sehbehinderte noch visuell am Computer und benutzen keinen Blindenstock. Die Sehrestler arbeiten in der Regel mit Screenreader und Braille und verwenden einen Blindenstock im Alltag. Doch gibt es hier keine absolute Regel.

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Sehen ist die Verarbeitung von Licht. Entweder wird Licht ausgestrahlt, zum Beispiel von einem Bildschirm oder es wird reflektiert. Das war es schon, alles, was wir sehen, ist die Reflektion von Licht. Manchmal lohnt es sich, sich an diese einfache Tatsache zu erinnern.
Das Spektrum des Sehens unter Sehrestlern ist relativ groß. Was der Eine sieht, sieht der Andere nicht und umgekehrt. Wenn ein Sehender einem anderen Sehenden etwas zeigt, z.B. auf der Straße, kann er ziemlich sicher sein, dass der Andere es auch sehen wird. Unter Sehrestlern ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen das Gleiche erkenne, relativ gering. In meiner Schulzeit konnte einer meiner Freunde Personen am Gesicht erkennen, aber keine Schwarzschrift lesen. Schwarzschrift nennen wir Blindgänger die gedruckte Schrift. Ich kann bis heute ein wenig Schwarzschrift lesen, wenn sie so groß wie eine Zeitungsüberschrift ist. Aber ich konnte in meinem ganzen Leben niemanden am Gesicht, der Kleidung oder am Gang erkennen.
Die Mess-Instrumente, die Augenärzte verwenden sind natürlich nicht auf Unsereins ausgelegt, sondern auf Normal-Sichtige. Ich weiß leider nicht, ob es spezielle Messmethoden für sehschwache Personen gibt oder ob solche Mess-Instrumente überhaupt sinnvoll wären.

Sehen mit dem ganzen Körper

Wer lediglich auf das Sehen achtet, verkennt viele andere Faktoren. Im Computerbereich würde man das integrierte Informationsverarbeitung nennen. Da ist natürlich das Gehör. Aber auch der haptische Kontakt zum Boden, der Geruchsinn. Der Geschmacksinn als fünfter Sinn ist an der Stelle nicht so wichtig. Sehende benutzen solche Faktoren oft unbewusst. Der Geruchssinn zum Beispiel funktioniert sehr stark intuitiv. Aber auch das Gehör spielt eine Rolle: Wem ist es noch nicht passiert, dass er das Auto hinter sich zuerst gehört hat und dann zur Seite sprang, ohne sich umzudrehen und zu gucken, ob es einen tatsächlich gleich überfährt?
Als weiterer Faktor kommen Gedächtnis und Erfahrung hinzu. Als kleines Kind bereits mussten wir lernen, visuelle und auditive Reize zu unterscheiden. In unserem Gedächtnis gibt es tausende Geräusche. Jeder erkennt zum Beispiel das charakteristische Geräusch eines entriegelnden Kofferraums, eines bremsenden Fahrrads oder eines tappenden Hundes, auch wenn wir kein Auto, kein Fahrrad und keinen Hund haben.
Als weiteren Faktor haben wir die Situationsabhängigkeit: An einer Straße dürfen wir mit anderen Gegenständen rechnen als im Park oder im Wald.
Und das Gedächtnis verrät uns, dass das Gelbe da vorne, wo wir jeden Tag vorbei gehen ein Briefkasten und keine gelbe Tonne ist. Grob geschätzt nutzen wir 90 Prozent unseres Lebens immer die gleichen Wege. Wenn jemand in unsere Wohnung spazieren und unsere Bücher umstellen würde, würden wir das sofort merken. Und zwar nicht, weil wir ein so ausgefeiltes Ordnungssystem haben, sondern weil uns das Muster der Aufstellung vertraut ist. Wenn aber etwas jeden Tag anders ist, wie die Autos, die an der Straße parken, achten wir in der Regel nicht darauf. Wenn wir wissen, was etwas ist, reichen auch sehr unscharfe Seheindrücke, um es zu erkennen bzw. Veränderungen zu bemerken.

Im Gegensatz zum Menschen, wir schauen mal von der künstlichen Intelligenz und Fuzzy Logic ab, versteht ein Computer nur ja oder nein. Er wird sich zwangsläufig entscheiden, ist es ein Mensch oder ein Laternenpfahl? Ein Mensch hingegen könnte schlussfolgern, das Objekt könnte ein Mensch sein, aber Menschen stehen normalerweise nicht stocksteif in der Gegend rum. Es wird also doch ein Pfahl sein. Befindet es sich hingegen mitten auf einem Bürgersteig, wird es wohl eher ein Mensch sein.

Fazit

Es ist also schlicht gesagt unmöglich, einem anderen Menschen exakt zu beschreiben, was man als Sehrestler wahrnimmt. Wir behelfen uns immer an Beispielen, die aber oft unzureichend sind. Deswegen dürft ihr auf die Frage: „Was siehst du eigentlich?“ nie eine klare Antwort von uns erwarten.
Das scheint die Frage zu sein, die Sehende am meisten verwirrt, wenn sie mit Sehrestlern zu tun haben. Leider ist das eine Frage, auf die es keine eindeutige Antwort gibt oder jemals geben wird.

Barrierefreies Web ist gutes Handwerk

Anlässlich des Global Accessibility Awareness Day am 17. Mai hatte ich verschiedene Tweets zum Thema barrierefreie Webgestaltung abgesetzt. Unter anderem schrieb ich sinngemäß: “Barrierefreie Webseiten sind keine Extra-Leistung, sondern gutes Handwerk. Hohe Preisaufschläge sind also nicht gerechtfertigt”. Für diese Aussage habe ich ein paar kritische Nachrichten bekommen. Deshalb möchte ich das kurz erklären.

Ein Button ist ein Button ist ein Button

Wenn etwas so aussieht wie ein Button und wenn es sich verhält wie ein Button, dann sollte es auch in HTML ein Button sein.
Kurz zur Erklärung: Man kann design-technisch etwas erstellen, was wie ein Button aussieht und so funktioniert, aber im Code einfach nur JavaScript ist, der hinter eine Grafik gelegt wurde, die wie ein Button aussieht. Warum macht man so was? Weil man entweder faul, doof oder beides ist. Der Aufwand, einen echten Button in HTML zu basteln ist exakt 0 Prozent höher als eine Grafik mit JavaScript zu unterlegen. Doof, weil man offensichtlich keine Ahnung hat, wie man vernünftigen Code schreibt und wahrscheinlich irgendeine Anwendung verwendet, mit der man sich die Elemente zusammenklickt. Ich als absoluter Laie wäre dazu in der Lage, so etwas in HTML anzulegen. Wer sich Webentwickler nennt, sollte das hinbekommen, das ist sozusagen das kleine Ein-Mal-Eins des Webdesigns.
Das Gleiche gilt natürlich für alle anderen Bereiche. Wer HTML und CSS ihrem Zweck gemäß einsetzt, hat bereits einen Großteil der Anforderungen von Barrierefreiheit erfüllt. Aber das ist nun wirklich kein Kunststück. Wer aber seine Website heute noch mit div id=”navigation” verschandelt, hat keine Ahnung von seinem Handwerk.
Nun kann man argumentieren, dass der Spaghetti-Code niemanden interessiert, schließlich soll es gut aussehen und funktionieren. Aber nein, es bringt massive Nachteile mit sich. Ein Programm kann hingehen und den Container “Content” in eine lesefreundliche Variante umwandeln. Google kann den Content sauber von der Navigation oder der Fußzeile unterscheiden. Wer also nicht sauber codet, verschlechtert neben der Barrierefreiheit unter anderem seine Position bei Google.
Und natürlich der Screen Reader: Er kann erkennen, dass etwas ein Button ist und der Blinde kann gezielt alle Buttons einer Website anspringen. “Anklickbar, anklickbar, anklickbar” hingegen ist für Blinde nicht hilfreich.
Umso schlimmer ist es, dass wir uns immer noch über solche Themen unterhalten müssen, dass wir immer noch auf nicht-gelabelte Formularelemente und ähnliche Dinge stoßen.

Barrierefreie Lösungen finden

Was ist aber mit komplexen dynamischen Anwendungen wie Kalender-Widgets oder Lightboxen.
Tatsächlich gibt es für die meisten komplexen Anwendungsfälle frei verfügbare Patterns oder Lösungen, die sich übernehmen oder zumindest nachbauen lassen. Es wäre heute also kein Problem mehr, dem Kunden barrierefreie Webseiten sozusagen unterzuschieben, ob er sie will oder nicht.
Eine barrierefreie Lösung zu recherchieren und einzubauen kostet eben so viel Zeit wie eine nicht-barrierefreie Lösung einzubauen.

Wann Kostenaufschläge gerechtfertigt sind

Natürlich gibt es noch weitere Anforderungen der Barrierefreiheit, die durchaus komplexer sind. Das Anpassen der Patterns an die eigenen Erfordernisse etwa erfordert zusätzlichen Aufwand, wenn sich der Entwickler einarbeiten muss. Doch müssen Patterns immer angepasst werden, etwa aus Design-Gründen.
Eine Ausnahme gilt auch dann, wenn externe Barrierefreiheits-Experten eingeschaltet werden. Die wollen natürlich separat bezahlt werden.
Eine weitere Ausnahme gilt dann, wenn spezifische Tests mit behinderten Menschen zusätzlich durchgeführt werden. Diese Tests sind aufwendig und teuer. Eventuell wird auch ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung an die Testpersonen gezahlt.
Zudem können im Rahmen der Barrierefreiheit zusätzliche Absprachen mit dem Auftraggeber notwendig sein. Es muss etwa ein Konsens darüber erreicht werden, welcher Standard erfüllt werden soll und welche zusätzlichen Anforderungen es gibt.
Über besondere Anforderungen wie Leichte Sprache oder Gebärdensprache spreche ich hier nicht. Hier sind die Kostenaufwände natürlich erheblich. Das hat aber mit der Web-Agentur nichts zu tun.
Doch für den ganz normalen Programmier-Alltag sind hohe Kostenaufschläge für Barrierefreiheit selten gerechtfertigt. Viele Diskussionen und Probleme würden sich erübrigen, wenn Web-Entwickler einfach sauberen und bestimmungsgemäßen Code schreiben würden. Analoges gilt für native Apps. Einfach die Guidelines der OS-Anbieter lesen und sich daran halten, das scheint so manchen Entwickler zu überfordern.

Barrierefreie Webseiten für Senioren

Durch die demografische Entwicklung wird die Barrierefreiheit digitaler Technik immer wichtiger. Warum das so ist und worauf es bei der Barrierefreiheit für ältere Menschen ankommt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Senioren sind die am schnellsten wachsende Gruppe im Internet. Zum Einen natürlich, weil allmählich die erste Gruppe ins Alter kommt, für die ein Computer zum Alltag gehört. Senioren sind generell die am schnellsten wachsende Gruppe in der Gesellschaft.
Zum Anderen, weil Senioren tatsächlich die einzige Gruppe bilden, die noch nicht im Internet vertreten ist. Im Folgenden wollen wir uns ansehen, auf welche Probleme Senioren im Internet stoßen können.

Starke vs. schwache Behinderung

Latente Einschränkungen der Sinnesorgane und der Bewegungsfähigkeit, wie sie im Alter üblich sind können sich ganz anders auswirken als stärkere Behinderungen bei jüngeren Menschen. Geburtsbehinderte sind insofern im vorteil, dass sie sich in Bezug auf ihre Behinderung nie anpassen mussten. Wer blind zur Welt kommt, mag das nicht schön finden. Er musste aber nicht umlernen. Wer im Laufe seines Lebens behindert wird oder bei wem sich drastische Veränderungen ergeben, der muss sich anpassen. Dabei stehen die Chancen umso besser, je jünger die Person ist, dass sie diesen Anpassungsprozess hinbekommt.
Im alter hingegen kommen viele latente Einschränkungen oft zeitgleich zusammen. Die Person kann sich zwar anpassen, doch steht ihr weniger Zeit zur Verfügung, Strategien und den Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen. Hinzu kommen Faktoren wie soziale Isolation, finanzielle Armut, psychische Probleme, eine nicht angepasste Wohnsituation und vieles mehr, was sich zusätzlich negativ auf die Anpassungsfähigkeit auswirken kannn. Der wichtigste Faktor in unserem Zusammenhang ist aber die Kombination unterschiedlicher Einschränkungen. Wenn alle Sinne und die Physis, die Merkfähigkeit und die Belastbarkeit gleichzeitig gefordert sind, nun, das würde auch den Jüngsten unter uns überfordern.
Hinzu kommt, dass viele Einschränkungen gar nicht bemerkt oder falsch interpretiert werden. Es soll vorkommen, dass ein schlechtes Gehör mit einer Demenz verwechselt wird. Oder umgekehrt.
Natürlich gehe ich davon aus, wie die Situation heute zu sein scheint. Vieles spricht dafür, dass die heute 60- oder 50-jährigen einen anderen Habitus haben werden als die heutigen Senioren. Dennoch: die gesundheitlichen Einschränkungen werden auftreten. Gerade die Generation der Bildschirm-Arbeiter und Smartphone-Nutzer werden vielleicht sogar früher mit physischen Problemen zu kämpfen haben als die Generation der Körper-Arbeiter. Das bleibt abzuwarten.

Sehen

Sehen wir von den im Alter typischen Augenerkrankungen wie diabetische Retinopatie und AMD ab, spielt vor allem der Faktor Kurzsichtigkeit eine große Rolle. Durch die intensive Nutzung von Smartphones und Bildschirmen am Arbeitsplatz wird die Zahl der Betroffenen zunehmen.
Auch eine Kontrastschwäche ist im Alter üblich. Dadurch fällt es schwerer am Bildschirm zu arbeiten oder zu lesen. Gerade die kleinen Smartphones und auch kleine Tablets mit bescheidener Display-Qualität könnten ein Problem darstellen. Hier haben wir aber den Vorteil, dass die Pinch-to-Zoom-Geste relativ intuitiv ist und mobile Seiten eine starke vergrößerung ohne größere Probleme ermöglichen. Kontrast und schlechte Typographie sind ein anderes Thema.

Hören

Durch YouTube, Netflix und Co. gewinnt das Thema Hörqualität allmählich wieder an Bedeutung.
Das Differenzieren zwischen wichtigen und unwichtigen Geräuschen wird im Alter schwieriger. Oft haben wir einen Brei aus Stimme und Hintergrund-Sound. Gestern stand ich an einem nicht besonders vollen Leipziger Hauptbahnhof. Es gab ein permanentes lautes Geräusch wahrscheinlich von einem stehenden Zug. Dabei war es mir nicht möglich, die Durchsagen richtig zu verstehen. Ähnlich sieht es aus, wenn die Musik in einem Video zu laut ist, dann ist es schwierig, einen Sprecher zu verstehen.
Ich sehe generell zwei Möglichkeiten: Zum Einen könnte Stimme und Hintergrund seperat aufgenommen werden. Dann bliebe es dem Zuhörer überlassen, den Hintergrundsound leiser zu drehen. Dafür sind natürlich entsprechene Formate und Player erforderlich.
Die zweite Möglichkeit wären intelligente Player. Sie könnten die Stimme erkennen und sie verstärken. Entsprechende Programme gibt es bereits in Hörgeräten. Ob das übertragbar ist, weiß ich allerdings nicht.

Bewegung

Ein Thema, was bislang unterschätzt wird ist die Frage der Bewegungsfähigkeit. Zwar gibt es schon Hilfen im Smartphone. Doch sind schnelle oder filigrane Bewegungen mit zunehmendem Alter schwierig. Schon ein Doppeltipp oder eine Scrollbewegung sind eine Herausforderung.
Hier könnten alternative Eingabemethoden eine Lösung sein. Beispiel dafür ist die intelligente Spracheingabe wie bei Alexa oder Siri, also eine Spracheingabe, bei der keine oder nur wenige Befhele gelernt werden müssen. Ist die Scheu, mit dem Computer zu reden erst mal weg, gibt es wohl keinen einfacheren Zugang zu digitalen Systemen. Wünschenswert wäre, dass sich diese Systeme weiter verbreiten und komplexere Interaktionen wie das Ausfüllen von Formularen ermöglichen. Die Sprachausgabe könnte die Frage vorlesen und die Spracheingabe würde die Antwort verarbeiten und weitergeben. Eventuell lassen sich die Web-Interfaces entsprechend anpassen. Es muss allerdings sehr viel einfacher werden, Schreibfehler zu vermeiden und zu korrigieren.

Gedächnis

Sehen wir einmal von Erkrankungen wie Demenz ab, lässt die Fähigkeit, sich Informationen zu merken im Alter merklich nach, ohne dass eine Erkrankung vorliegen muss. Das Gedächnis ist fürs Internet extrem wichtig: Welchen Link habe ich schon angeklickt, welche Informationen standen im ersten Teil des Textes, was soll ich noch mal bereit legen, wenn ich dieses Formular innerhalb von zwei Minuten ausfüllen muss? Vor allem das Kurzzeit-Gedächnnis ist gefordert.
Einige Sachen gehören schon seit Jahrzehnten zum Alltag: Besuchte Links haben eine andere Farbe als nicht-besuchte Links. Zwischen-Überschriften erleichtern das Überfliegen und Einprägen des Textes. Timeouts sollten ohnehin so gestaltet sein, dass sie niemanden unter Stress setzen. Weitere Hilfen müssen wohl noch entwickelt werden.

Informationsarchitektur

Eines der großen Probleme sehe ich heute und in Zukunft in der sehr komplexen Informationsarchitektur gerade öffentlicher Seiten. Als Normalsterbliche haben wir in der Regel mit den lokalen Behörden zu tun. Sie sind am langsamsten, wenn es um die Umsetzung aktueller Entwicklungen geht. Schaut euch einfach mal die Zahl auf Smartphones benutzbarer Städteportale an. Das ein Großteil des privaten Internetverkehrs heute über Smartphones läuft, scheint bei den Städten noch nicht angekommen zu sein.
Wenn aber ältere Menschen hauptsächlich über Tablets ans Internet herangeführt werden, sind sie damit noch stärker überfordert als wir. Wir alte Hasen schauen uns das Unglück gar nicht an, sondern suchen über Google und hüpfen zumindest zwei Klicks näher an das, was wir benötigen. Doch wer neu im Internet ist, dem sind solche und andere Tricks vielleicht nicht bekannt.
Deshalb muss die Informationsarchitektur von Websites radikal vereinfacht werden.
Optimistisch geschätzt wird auch das eGovernment in den nächsten 30 Jahren in Deutschland eine wachsende Rolle spielen. Der Alptraum vieler Blinder könnte wahrwerden: Ellenlange Webformulare und wenn man es abschicken will, müssen noch drei Captchas gelöst werden, vielleicht möchte ja ein Bot Blindengeld beantragen.
Auch hier ist das Thema radikale Vereinfachung: Formulare werden auf mehrere Seiten segmentiert, nur wirklich relevante Informationen werden abgefragt, ein Wechsel zwischen den unterschiedlichen Segmenten ist ohne Datenverrlust möglich, Inkonsistenzen und Fehleingaben werden sofort gekennzeichnet. Die Logik ist simpel und bestechend und gilt wenn überhaupt hier: Jede Minute, die in die Optimierung gesteckt wird spart ca. 1000 Minuten Arbeitszeit auf beiden Seiten. Wünschenswert wäre eine bundesweite Lösung, dann könnten entsprechend mehr Ressourcen in die Optimierung gesteckt werden. Zudem erleichtert ein einheitliches Informationsdesign das Handling unterschiedlicher Formulare. Schon gut, ich träume weiter.

Integrierte Hilfen gewinnen an Bedeutung

Es ist als positiv zu bewerten, dass alle großen Systeme das Thema Barrierefreiheit in ihren System behandeln. Apple ist hier neben Linux sicherlich Pionier. Microsoft und Google ziehen inzwischen nach. So gibt es in MacOS, Windows, Android, iOS und Linux mittlerweile eine große Bandbreite an Hilfen für Sehbehinderte, Hörbehinderte und Bewegungs-Behinderte. Es fehlen noch Hilfen für Menschen mit Gedächtnisproblemen, aber vielleicht kommt das ja noch.
Am meisten profitieren davon Menshen, die keinen Zugang zu professioneller Hilfstechnik haben oder brauchen. Viele Leute zögern, sich Hilfsmittel anzuschaffen oder wissen schlicht nicht, dass es sie gibt. Es gibt speziell das Problem, dass immer mehr Hilfsmittel entwickelt werden und die Krankenkasse immer weniger bezahlt bzw. eine sowjetisch anmutende Bearbeitungszeit eingeführt hat.
Zumindest bei der Nutzung digitaler Technik profitieren daher die älteren Leute davon, dass die Hilfen schon im System integriert, relativ leicht zu konfigurieren und zu nutzen sind. Der Narrator unter Windows 10 zum Beispiel, der mich ansonsten nicht überzeugt, hat eine für untrainierte Ohren gut verständliche Stimme sowie ein visuelles Menü. Damit ist er für Sehbehinderte leichter nutzbar und die Schwelle ist deutlich geringer als bei NVDA oder Jaws mit seinem verschachtelten Konfigurationsmenü aus der “Wir packen mal alles irgendwo hin, wo Platz ist”-Hölle. Windows hat schon länger einen Assistenten, der die Konfiguration der Bedienungshilfen erleichtert. Hilfstechnik muss insgesamt wesentlich einfacher nutzbar werden.

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