Qualitätsmanagement barrierefreier Webseiten

Ist die Website einmal fertig gestellt, werden selten noch große Änderungen durchgeführt. Es gibt den großen Relaunch alle fünf Jahre, einige Sicherheitsupdates, hier und da wird eine neue Funktion eingefügt.

Im eCommerce läuft es genau anders herum: viele Shops arbeiten ständig an der Optimierung. Sie sprechen von Conversionsoptimierung oder Landingpageoptimierung,was einen ähnlichen Hype wie damals die Suchmaschinenoptimierung ausgelöst hat.

Damit kann man es zwar schnell übertreiben, einige Methoden sind aber sicher auch für den normalen Webmaster interessant. Ich sehe immer wieder, wie groß angelegte Relaunches angegangen werden. Die Oberfläche sieht oft schicker und moderner aus, aber weder die Benutzerfreundlichkeit noch die Barrierefreiheit werden verbessert. Alte Probleme werden gelöst, neue werden geschaffen. Kurioserweise merkt man als Webseitenbetreiber am wenigsten die Probleme mit seinem Webauftritt: zum einen hält man sich die meiste Zeit im Backend auf, zum anderen weiß man ja, wie es funktioniert, weil man es selber geplant hat.

Für mich besteht die Lösung darin, das Budget statt in einen Relaunch in eine beständige Optimierung der Webseite zu stecken. Finanziell dürfte am Ende in etwa das Gleiche rauskommen. Ein Relaunch erfordert aber, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt viel Zeit investiert, während man bei einer beständigen Optimierung sehr genau planen kann, wie viele Stunden man pro Woche oder Monat mit Optimierungsmaßnahmen verbringen möchte.

Es ist banal, aber viele Webseitenbetreiber achten bis heute nicht darauf, dass tote Links auf andere Webseiten repariert oder 404-Fehlerseiten gefixt werden. Ein großes Problem sind zum Beispiel auch veraltete Informationen. Viele Seiten sind nicht datiert, so dass der Nutzer nicht weiß, wie aktuell die Informationen sind oder wann sie das letzte mal aktualisiert wurden. Für Empfänger von Sozialleistungen kann das enorm wichtig sein. Veraltete Informationen sind falsche Informationen. Die Funktionsfähigkeit einer Webseite zu gewährleisten ist eine Maßnahme der Qualitätssicherung.

Barrierefreiheit sichern

Viele Anbieter achten beim Relaunch oder der Entwicklung ihrer Webseite darauf, dass sie barrierefrei ist, aber schlampen bei neuen Funktionen, die ja meist auch auf neuerer Technik basieren.

Dabei sollten die Menschen auch eingeladen werden, bestehende Schwierigkeiten zu melden. Der normale Webmaster hat ein ungesundes Mißtrauen gegenüber Volkes Meinung. Verbesserungsvorschläge bleiben unbeachtet, weil “unser Webauftritt perfekt ist”. So verkauft man weder Produkte noch Dienstleistungen.

Die größten Erkenntnisse werden allerdings von Experten gemacht. Man kann z.B. gezielt Menschen mit Behinderung einladen, die Seite nach und nach zu evaluieren, um sie allmählich zu verbessern. ein jährlicher Checkup kann auch neue Hilfssoftware oder Endgeräte berücksichtigen.

Web Analytics

Web Analytics lässt sich nur eingeschränkt zur Messung der Barrierefreiheit einsetzen. Eine Möglichkeit ist der Einsatz von Heatmaps, welche die Mausbewegungen und das Klickverhalten abbilden. Damit lässt sich vermutlich auch die Dropout-Rate bei Ausklappmenüs messen.

Mit Heatmaps oder genauer Clickmaps lässt sich beobachten, wo die Benutzer hingeklickt haben. Wenn es da nichts zu klicken gab, sollte die Seite darauf hin überprüft werden.

Über das Tracking von Formularen kannst du beobachten, wo die häufigsten Fehler gemacht wurden. Neben einem schlecht strukturierten formular dürfte ein schlechtes Fehlermanagement der häufigste Grund sein, warum der Ausfüllvorgang abgebrochen wurde, mehr dazu in der Formularserie von Einfach für Alle. Das Schöne ist, dass man bei Anpassungen anschließend sehr genau beobachten kann, wie sich die Fehlerrate entwickelt.

Nutzertests am lebenden Objekt

Im Grunde sind Nutzertests mit Menschen mit Behinderung nicht so schwierig umzusetzen. Denkbar ist etwa ein geschlossener Beta-Bereich, in dem die Menschen bestimmte Aufgaben erledigen sollen. Der Vorteil solcher Tests besteht darin, dass Behinderte von zuhause aus arbeiten können und damit in vertrauter Umgebung ihre eigene Technik einsetzen können. In Kombination mit A/b-Tests oder multivariaten Tests kann erprobt werden, welche Version am besten funktioniert. Telefonisch oder per Skype kann auch die Methode des lauten Denkens eingesetzt werden.

Redakteure schulen

Redakteure sollten beständig geschult werden, damit sie ein Grundverständnis für Barrierefreiheit entwickeln können und vor allem wissen, worauf es eigentlich ankommt.

Schulung klingt irgendwie langweilig und reißt sicher keinen vom Hocker. Statt einer langatmigen Lerneinheit kann zum Beispiel ein Blinder eingeladen werden, der den Redakteuren zeigt, wie sie blind surfen können.

Redaktionsleitfaden

Jede Redaktion hat einen Leitfaden. Sollte deine Redaktion noch keinen haben, dann wird es mal Zeit. Im Leitfaden werden Grundsätze wie die Textformatierung festgehalten. Es wird aber auch festgehalten, welche Formulierungen nicht verwendet werden sollten – sozusagen ein Giftschrank für Fachjargon und hohle Phrasen. Hier ist der ideale Platz für Informationen, wie Texte und Bilder barrierefrei angeboten werden. Die Redakteure sollten angehalten werden, ihre Texte auch regelmäßig zu prüfen.

Dokumentieren statt verstecken

Wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, eine Webseite barrierefrei zu machen, sollte er das auch dokumentieren, statt verschämt darauf zu hoffen, dass es niemandem auffällt.

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Desktop-Publishing für Blinde – die Vorteile des codebasierten Formatierens

Die Gestaltung von Printprodukten gehört normalerweise nicht zu den Aufgaben, die von Blinden erledigt werden. Beim Desktop Publishing geht es weniger um das Schreiben von Texten als um die ästhetische Gestaltung. Bekannte DTP-Programme sind Adobes Indesign, Quark Express oder das freie Scribus. Keines dieser Programme ist für Blinde vernünftig einsetzbar.
Die einfache Textgestaltung ist keine große Herausforderung. Funktionen wie Zeilenabstand, Textausrichtung Seitenränder usw. lassen sich in den gängigen Textverarbeitungen über die Menüs erledigen. Schwierig wird es zum Beispiel wenn einzelne Textpassagen von dieser Formatierung abweichen. Wir kennen das, wenn zum Beispiel Text aus einem anderen Dokument kopiert wurde, für den Blinden ist es schwierig, das zu erkennen. Eine Erleichterung nicht nur für Blinde kann dabei die Arbeit mit Code sein.

HTML und CSS

Rudimentäre Textgestaltung ist mit HTML und CSS bereits möglich. Da CSS und HTML rein auf Code-Basis bearbeitet werden können, können auch Blinde damit arbeiten.
Ein Problem besteht darin, dass die Standards von jedem Programm anders verarbeitet werden. Man kann sich also vor allem als Blinder nicht sicher sein, dass die vorgenommenen Formatierungen so verarbeitet werden. Pfade gibt es in CSS 2 bisher gar nicht, die Formatierungsmöglichkeiten sind also derzeit noch eingeschränkt. Eine interessante Alternative zur Strukturierung von Texten ist zum Beispiel Markdown.
In CSS gibt es zudem die Möglichkeit zur Definition eigener Klassen. Mit den HTML-Containern DIV und SPAN lassen sich damit ähnlich wie in graphischen Textverarbeitungen Formatvorlagen definieren. Stellen Sie sich vor, Sie hätten Hunderte von Word-Dokumenten und Ihre Firma denkt, ein neues CSR wäre angebracht. Wenn Sie rückwirkend Ihre Word-Dokumente ändern müssten, könnten Sie einen Praktikanten wochenlang beschäftigen. Wenn Sie eine Formatvorlage in CSS angelegt hätten, das in alle Dokumente eingebunden ist, müssten Sie nur ein paar Zeilen Code ändern.

XML

XML ist eine Metasprache zur Formulierung von Auszeichnungssprachen. Es bildet die Basis für viele bekannte Formate wie Scalable Vektor Graphics (SVG).
XML könnte als gute Basis für DTP dienen. In SVG lassen sich z.B. Pfade definieren. Mit XSSL-FO lassen sich Vorlagen für PDF erstellen, auch XSL ist für diesen Bereich interessant. Allerdings ist der Lernaufwand für diese XML-Sprachen recht hoch.

LaTeX

TeX ist ebenfalls eine textbasierte Auszeichnungssprache. Im Gegensatz zu XML ist der eigentliche Zweck von LaTeX die Gestaltung von Texten. Latex wird bereits von Blinden eingesetzt, um zum Beispiel mathematische Formeln zu schreiben. Der Einsatz durch Blinde wird hier diskutiert.

Andere Zielgruppen

Auch für andere Behinderte kann das DTP über Auszeichnungssprachen interessant sein: zum Beispiel für Menschen, die keine Maus benutzen können. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie die Ergebnisse ihres Schaffens kontrollieren können, während Blinde dazu keine Möglichkeit haben. Ich fände es sinnvoll, wenn die gängigen DTP-Programme eine textbasierte Auszeichnungssprache als alternativen Bearbeitungsmodus anböten, so wie jeder WYSIWYG-Editor für Webseiten einen Modus für HTML anbietet.
Sehr häufig lassen sich Darstellungsfehler auch in der Codeansicht leichter korrigieren als mit der Maus, es profitieren also alle, die damit arbeiten müssen.

Bessere Bedienbarkeit

Vielleicht ist es für Blinde nicht wirklich sinnvoll, Druckerzeugnisse zu gestalten. Einen Vorteil habe ich aber schon erwähnt: Textverarbeitungen mögen viele Vorteile haben, aber für Blinde ist es schwierig, die korrekte Formatierung eines Dokumentes vorzunehmen und zu überprüfen. Ob man sich nun Shortcuts oder Formatierungsanweisungen merken muss, macht im Endeffekt keinen Unterschied.

Und auch für Sehbehinderte hat es Vorteile. Viele mögen mit Vergrößerungssoftware und Maus schnell arbeiten können, aber mit Code geht es immer noch einen Tick schneller. Kurioserweise haben die Entwickler von Zoomtext – der bekanntesten Vergrößerungssoftware – die Shortcuts für die Bedienung der Software teilweise mit den Shortcuts von Word belegt. Damit ist die Tastaturbedienung extrem eingeschränkt.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Späterblindete oder Menschen mit einem geringen Sehrest wie ich Interesse an der ästhetischen Gestaltung von Texten haben. Diese Vorstellungen lassen sich aber mit DTP-Programmen oder der Textverarbeitung nicht umsetzen.

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Der Charme kleiner Organisationen – arm, kreativ, innovativ

Arm, aber sexy wurde einmal als Leitmotiv für Berlin vorgeschlagen. Der Spruch mag zynisch sein, hat aber seine Berechtigung. Je größer eine Organisation oder ein Unternehmen ist, desto stärker ist sie mit sich selber beschäftigt und desto weniger ist sie in der Lage, ihren Zweck effizient zu erfüllen.
Ich kann nicht sagen, wie es früher war, aber heute sind viele Organisationen stetig damit beschäftigt, ihre Mission zu erklären, Strategien festzulegen und interne Prozesse zu verbessern. Hochbezahlte Manager kämpfen sich durch unendliche Meetings, Workshops und Selbstfindungsseminare, während das operative Geschäft stetig in den Hintergrund rückt. Das alles mag in gewissem Maße seine Berechtigung haben, aber der Effekt ist verheerend.
Die operative Arbeit wird von den Mitarbeitern der unteren Ränge erledigt. Aber auch sie werden stetig in eine Kultur der Selbstoptimierung hineingepresst. Sie sollen Feedbacks abgeben, sich in Prozesse einbringen, die sie nicht interessieren oder an der Selbstfindungsaktivität teilnehmen. Und natürlich ihre Arbeit machen, die ja nicht weniger wird.
Ein ganzer Wirtschaftszweig hat sich um den Bereich der Selbstoptimierung, Marken- und Strategie-Definition gebildet. Berater, Coaches und Mediatoren verdienen aber nicht nur an diesem Trend, sie rühren auch kräftig die Werbetrommel und erzeugen dadurch erst den Bedarf, den vorher niemand gesehen hat. Sie sind es schließlich, die die Beiträge in Business-Magazinen schreiben.
Es wäre doch nett, wenn Führungskräfte mehr managen und führen würden statt Management- und Führungskurse zu besuchen.
Kleine Organisationen mit wenigen Mitarbeitern können sich diesen Prozess gar nicht leisten. Da wird die Strategie eben im laufenden Prozess entworfen und wenn nötig angepasst. Es funktioniert doch.
Es ist ein populärer Irrtum, wenn man glaubt, mehr Geld steigere die Qualität zum Beispiel des Marketing oder der Öffentlichkeitsarbeit. Das Gegenteil wäre auch falsch: Fakt ist aber, dass je mehr Geld man zur Verfügung hat, desto eher neigt man dazu, das Geld unnötig auszugeben. Wir kennen alle diesen urbanen Mythos von den Baustellen, die nur aufgemacht werden, damit der entsprechende Haushaltsposten im nächsten Jahr nicht gekürzt wird. Da ist was dran. Aus buchhalterischer Sicht muss man nicht nur begründen, warum man mehr Geld ausgegeben hat als im Budget vorgesehen war. Man muss auch begründen, warum man weniger ausgegeben hat und warum man dann dennoch im nächsten Jahr das gleiche oder sogar mehr Budget haben möchte. Auch das würde in kleinen Organisationen sofort auffallen. Hier würde niemand bei knappen Budgets auf die Idee kommen, Geld aus buchhalterischen Gründen auszugeben, wenn es keine Notwendigkeit dazu gibt.
Der NGO-Bereich hat sich BWLisiert, wenn man so sagen möchte. Marketing, Controlling und andere Bereiche laufen heute nicht anders als in der Privatwirtschaft, was im übrigen zu begrüßen ist. NPOs, was immer man sonst über sie sagen mag sind verpflichtet, mit ihren Geldern effizient umzugehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld gespendet wurde oder über Fundraising reinkam.
Das Problem ist, dass das viele Geld und vermutlich auch der Bekanntheitsgrad die Fantasie nicht beflügelt. Wenn man 10.000 Euro pro Jahr für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung hat, macht man sich Gedanken darüber, wie man am effizientesten arbeiten kann. Wenig Geld beflügelt die Phantasie. Wenn man hingegen 1.000.000 Euro zur Verfügung hat und sie sowieso ausgeben muss, verpulvert man einen Großteil des Geldes für sinnfreie Hochglanzbroschüren, teure Anzeigen und vermutlich auch hochbezahlte PR-Agenturen. Die Kreativität kommt aus diesen Agenturen, die locker 1000 Euro pro Tag kosten können.

Außenhirn

Diese Auslagerung der Intelligenz wird für die Mitarbeiter zur Regel. Wenn sie etwas nicht können, fragen sie die Profis. Niemand käme auf die Idee, sich das nötige Wissen selber anzueignen, es sei denn, das Unternehmen bezahlt die Fortbildung. In kleinen Organisationen müssen einzelne Personen oft verschiedene Bereiche beherrschen. Sie lernen, mangelnde finanzielle Mittel in mehr unternehmerische Ideen umzusetzen. Kreativität aus Geldmangel könnte man das nennen.
Zudem fällt es in kleinen Organisationen sofort auf, wenn ein Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift macht. Solche Leute kann man gar nicht gebrauchen. das Engagement scheint antiproportional zur Größe der Mitarbeiterschaft zu sein: je größer die Organisation, desto geringer das Engagement des Einzelnen.

Rente auf Lebenszeit

Last not least scheinen größere Organisationen eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation zu haben. Das wird immer positiv hervorgehoben: natürlich haben Mitarbeiter oftmals einen hohen Expertengrad, wenn sie eine Position jahrelang besetzt haben. Auf der anderen Seite gerät man schnell in einen Trott, bei dem das gemacht wird, was man schon immer gemacht hat. Frisches Blut kommt selten herein, so dass der Alltagstrott nicht gestört wird. Neue Ideen gibt es nicht von altgedienten Mitarbeitern, weil ihnen nach fünf Jahren schlicht der Gedanke absurd erscheint, man könnte etwas anders machen.

Die Kleinen sind innovativ

Langer Text – kurzer Sinn. Die Innovationen im NGO-Bereich kommen vor allem von kleinen und relativ neuen NGOs. Da wäre 2aid.org, die mit relativ wenig Geld einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Oder arbeiterkind.de. Natürlich tun auch die großen viel, aber genau darum geht es ja, sie erreichen viel mit reiner Ressourcenpower, ohne echte Ideen, Innovationen oder Kreativität.

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Ranking bei Amazon – welches Produkt wird verkauft?

Es gibt jede Menge Statistiken darüber, welche Suchmaschinen am stärksten eingesetzt werden. Ob Google, Bing oder Yahoo, wir kennen die Marktanteile dieser Suchmaschinenanbieter. Hinzu kommen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, die seltsamerweise nicht in diesen Rankings berücksichtigt werden, obwohl – wenn man sie als Suchmaschinen betrachtet – sie wahrscheinlich eine größere Rolle spielen als Bing oder Yahoo.
Seltsamerweise unbeachtet bleibt eine zweite Form nicht klassischer Suchmaschinen: die eCommerce-Riesen Amazon und eBay. Wenn man sich eine Vorstellung davon machen möchte, wie der aktuelle Durchschnittspreis eines Produktes ist, schaut man dort nach. Wenn man eine Bewertung von Büchern oder Musik haben möchte, wird man bei Amazon schneller fündig als bei Google. Leider verraten die beiden Shopping-Seiten nicht, wie viele Suchen über ihre Seiten abgewickelt werden, aber wenn man sie zu den Suchmaschinen rechnen würde, hätten sie einen guten Marktanteil. Ein wenig beachteter Aspekt ist das Ranking von Produkten bei Amazon. Nehmen wir an, ich suche nicht ein bestimmtes Buch, sondern gebe nur ein Stichwort wie “Web 2.0″ ein. Dann wirft Amazon eine ganze Reihe von Büchern aus. Gehen wir weiterhin davon aus, dass es bei Amazon ähnlich ist wie bei Google, die erste Suchergebnisseite erhält die gesamte Aufmerksamkeit, kaum jemand blättert auf Seite 2. Und je höher das Produkt steht, desto eher wird es gekauft oder zumindest zur Kenntnis genommen.
Es stellt sich also die Frage, wie Amazon seine Produkte rankt. Zunächst dürfte der wichtigste Faktor das Vorkommen des Suchbegriffs im Buchtitel sein. Das klingt zwar logisch, aber Amazon zeigt häufig genug auch Bücher an, in deren Titel das Suchwort nicht vorkommt.
Weitere Faktoren könnten sein:

  • das Erscheinungsdatum
  • der Preis
  • die Lieferbarkeit
  • die Höhe der Bewertung
  • die Zahl der Bewertungen
  • die Verkaufszahlen
  • die Durchklickrate

Die wenigsten Leute machen sich bewusst, dass Amazon sehr genau beobachten kann, was sie auf der Webseite treiben, welche Produkte wie lange angeguckt werden und so weiter. Es gibt keinen Beleg dafür, dass diese Faktoren in das Ranking einfliessen, aber möglich ist es.
Da Amazon maßgeblich für den Absatz der Produkte sorgen kann, wäre eine Optimierung des Produktnamens auf seine Suche nicht abwägig. Insbesondere bei Büchern, wo sich der Großteil der Preise zwischen 20 – 40 Euro bewegt, der Preis also nicht ausschlaggeben für den Kauf ist, ist es nicht nur wichtig, auf Seite 1 der Suche zu stehen, sondern möglichst weit oben.
Der Trend geht ja hin zu immer schreienderen Buchtiteln und Covern. Dass die Bücher häufig nicht halten können, was ihre Titel versprechen, ist leider jedem Käufer allzu bekannt. Ich neige heute eher dazu, mir eine Buchanschaffung sehr genau zu überlegen, weil ich bei einigen intuitiv gekauften Büchern doch sehr unzufrieden war.
Ich möchte hier keine Bewertung für das eCommerce-Optimieren abgeben, im Gegenteil, ich sehe das ziemlich kritisch. Wenn ich etwas suche, möchte ich das passende finden und nicht irgendwelchen SEO-optimierten Quatsch. Das Problem ist, dass möglicherweise interessantere und bessere Produkte hinten runterfallen, weil sie ein paar Euro teurer sind, die knalligen Keywords nicht im Titel vorkommen oder sie nicht oft genug rezensiert wurden. Wir haben zudem das Problem der selbsterfüllenden Prophezeiung, wenn wenig gekaufte Produkte nach hinten fallen. Ein Produkt, das häufiger gekauft wird, rutscht nach vorn und wird deshalb häufiger gekauft. Ein Produkt, das seltener gekauft wird, rutscht nach hinten und wird deshalb seltener gekauft. Dabei ist die Zahl der Verkäufe kein brauchbares Qualitätskriteerium. Amazon hilft mir dabei, Produkte zu kaufen, indem es mir Produkte empfiehlt, die andere Leute gekauft haben, die diesen Artikel gekauft haben, den ich mir gerade angucke. Amazon hilft mir nicht dabei, das Produkt zu finden, welches ich benötige, darum muss ich mich selber kümmern.
Ich will daher jedem Käufer raten, sich auch mal die hinteren Suchseiten anzugucken und vor allem kritisch auf die Produkte der Seite 1 zu gucken. Es schadet auch nicht, die Suchbegriffe zu variieren.

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Zusammenarbeit in Gruppen

Viele Aufgaben können heute besser in einer Gruppe gelöst werden. Ob das in stundenlangen Meetings oder asynchron übers Netz geschieht, ist letzten Endes egal. Um die Gruppenarbeit zu verbessern, sollte man bestimmte Regeln beachten, die generell für die Zusammenarbeit von Menschen gelten.

Struktur im Chaos

Anarchismus und Basisdemokratie sind interessante Ideen. Sie funktionieren aber nur bedingt. Am Ende braucht man jemanden, der eine Entscheidung für das eine oder das andere trifft. Das muss nicht unbedingt eine einzelne Person sein. Der Parteienforscher Joachim Raschke hat festgestellt, dass es in jeder Partei einen strategischen Kern etwa fünf Personen gibt, welche die grobe Steuerung übernehmen. Raschke spricht von einem strategischen Zentrum.

Alles Pareto

Das Pareto-Prinzip ist eine Regel, die auf viele Lebensbereiche angewendet werden kann. Demnach verrichten 10 – 20 Prozent der Menschen 80 – 90 Prozent der Arbeit. Das ist vielfach mißverstanden worden:

  1. Es ist zum einen in der Wertschöpfung zu sehen. Die Entscheidungen eines hohen Managers haben finanziell höhere Konsequenzen als die Entscheidungen eines Müllmanns.
  2. Das heißt aber nicht, dass der Manager auf den Müllmann verzichten kann. Im Gegenteil: der Müllmann könnte auf den Manager eher verzichten als umgekehrt. Der Manager, der die Presseaussendung macht, den
    Müll wegbringt und die Toilette sauber macht kommt nicht mehr dazu, seine eigentliche Aufgabe zu erledigen.

Im Endeffekt – und diesen Satz sollte sich jeder Entscheidungsträger auf den Handrücken schreiben – ist jeder ersetzbar. Nochmal – jeder ist ersetzbar.

Zeit ist ungleich Effektivität

Ein damit verwandter Denkfehler ist der Glaube, wer mehr arbeite, leiste auch mehr. Effizienz besteht aber darin, aus der Zeit die meiste Leistung herauszuholen. Der eine erledigt die Arbeit in 30 Stunden, der andere in 50, wen würdest du eher einstellen? Deswegen ist es auch wenig beeindruckend, wenn die jungen Anwälte bei John Grisham 80 Stunden die Woche arbeiten.

Was ist zu tun?

Wichtig ist vor allem, die Mitarbeiter regelmäßig zu motivieren. Gute Ideen sollten aufgenommen und diskutiert werden. Auch wenn sie nicht komplett umgesetzt werden können, sollte man zumindest versuchen, sie teilweise in andere Ideen einfließen zu lassen. Grundsätzlich sollte es eine offene Kritikkultur geben.

Informelle Strukturen zulassen

Je größer die Gruppe ist, desto mehr sollte man informelle Strukturen zulassen. Aus jeder chaotischen Gruppe geht am Ende eine Form der Selbstorganisation hervor. Wer versucht, den kompletten Prozess zu steuern, erlebt folgendes: die Mitarbeiter übernehmen am Ende keine Verantwortung mehr, sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift und warten darauf, neue Befehle zu erhalten. Jegliche Eigeninitiative wird abgewürgt. Aber auch der komplette kreative Prozess wird abgewürgt, denn die Mitarbeiter erkennen schnell, dass ihre Ideen keine Anerkennung finden. Sie leben in einer Führerkultur, wo nur der Chef kreativ ist.

Amerikanisches Lob stinkt

Zu viel Loben nervt. Die Amerikaner haben generell eine andere Lebenseinstellung. Sie loben viel und finden erst mal alles ganz toll. Was für die Amerikaner erst einmal kulturell angemessen sein mag, kommt hierzlande eher als Anbiederung an. Lob für banale Aufgaben kommt eher negativ an.
Das selbe gilt für Understatement. Das ist eher in Großbritannien angesagt. Understatement soll Mitarbeiter und Vorgesetzte auf eine Stufe stellen. Es klingt aber häufig antrainiert – was es meistens auch ist. Der Mitarbeiter ist sich immer bewusst, dass er mindestens eine Stufe unter seinem Vorgesetzten steht und empfindet dessen Understatement als künstlich und gönnerhaft.

Weiterlesen

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  • The Power of connected Minds
  • James Surowiecki. Die Weisheit der Vielen. Bertelsmann 2009
  • Etienne Wenger. Digital Habitats; Stewarding Technology for Communities. Cpsquare 2009
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