Access News vom 19. August 2010 – Markup für Emotionen

EmotionML ist eine XML-basierte Sprache, mit der sich Elemente emotional taggen lassen. Das könnte durchaus interessant sein. Bekanntermaßen verstehen viele Menschen in Texten eingestreute Ironie oder Satire nicht und die Emoticons verbieten sich außerhalb des privaten Bereichs. Auch Bildern oder Videos ließen sich damit einstufen, ohne dass man auf langatmige Beschreibungen zurückgreifen müsste. Das Problem ist hier allerdings XML und dessen mangelnde Unterstützung durch Editoren. Ein Emoticon ist schnell geschrieben, ein Code-Schnipsel birgt die Gefahr von Tippfehlern.

Auch wenn das Heise-Forum keine Verwendung dafür hat, für Menschen mit Behinderung könnte das durchaus nützlich sein. Blinden kann zum Beispiel die Stimmung eines Bildes vermittelt werden, Gehörlose und Schwerhörige haben häufig Probleme mit dem Verstehen geschriebener Sprache ebenso wie Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Streetview kommt

Und bringt durchaus Nutzen für Menschen mit Behinderung. Ich will mich an der Debatte nicht beteiligen, mich interessiert vor allem die Möglichkeit, die Orientierung im öffentlichen Raum zu verbessern.

Richtlinien für digitale zugängliche Medien

Das National Institute on Disability and Rehabilitation hat Richtlinien für zugängliche digitale Medien veröffentlicht. Die sind natürlich auf Englisch. Ich bin noch nicht dazu gekommen, mehr als das Inhaltsverzeichnis zu lesen, es klingt aber auf jeden Fall vielversprechend.

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Access News vom 12. August 2010 – sprechende Telefone und die Schwäche der Marktführer

Viele Betriebssysteme für Smartpohnes und Tablets kommen mit eingebauten Funktionen für Sehbehinderte und Blinde. Apples VoiceOver ist bereits sehr bekannt, aber auch Googles Android verfügt über Sprachausgabe und Bildvergrößerung. Das ist vor allem peinlich für die Marktführer Nokia und Microsoft, bei denen die Hilfssoftware teuer dazu gekauft werden muss.
Microsoft plant meines Wissens nach weder für den Desktop noch für das geplante mobile Windows 7 solche Funktionen. Nokia-Geräte waren dank teurer Zusatzsoftware lange Zeit beliebt bei Blinden, doch die Finnen haben es trotz jahrelanger Marktführerschaft nicht für nötig gehalten, ihre Geräte von Haus aus für Blinde und Sehbehinderte zugänglich zu machen.

Dies und das

Eine neue Erweiterung erlaubt das Formatieren und Drucken von Braille auf geeigneten Druckern.

Microsofts Spielekonsole Kinect soll Gebärdensprache verstehen. Genauer gesagt, die American Sign Language, womit die Konsole auch für Gehörlose oder Schwerhörige interessant werden könnte. Ein entsprechendes Patent wurde angemeldet, ob die Funktion in der ersten Generation des Gerätes verfügbar sein wird, ist noch nicht bekannt.

Update um 14:48 Uhr: WinFuture meldet, Microsoft verzichtet aus Kostengründen auf die Gebärdensteuerung. Die eingebaute Kamera und Hardware ist nicht leistungsfähig genug, um die Bewegungen verarbeiten zu können. Bravo MS, mal wieder mögliche Sympathie-Punkte verschenkt.

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Access News vom 5. August 2010 – Autisten als Software-Tester

Die drei Marktführer für Spielekonsolen Nintendo, Sony und Microsoft beharken sich auf dem Feld für Spiele mit Bewegungssteuerung. Während Nintendo lange Zeit mit seiner Wii einsam an der Spitze stand, versuchen Sony und MS sich an einer Weiterentwicklung. Mich würde einmal interessieren, ob man diese Dinger tatsächlich auch für feinmotorische Bewegungsabläufe einsetzen kann. In diesem Falle wären sie für das Erlernen von komplexen Bewegungsabläufen oder für eine eigenständige Physiotherapie interessant. Wer schon mal Hobbysportler beobachtet hat weiß, dass diese zu fehlerhaften Bewegungsabläufen neigen, was einerseits den Trainingseffekt verringert und andererseits das Verletzungsrisiko erhöht.

Das ist durchaus eine spannende Entwicklung, weil Menschen an eine vergnügliche Art der Bewegung herangeführt werden, für die Joggen und Fahrrad fahren zu eintönig ist oder die schlicht nicht den Raum dafür haben. Unter Menschen mit Behinderung gibt es eine große Zahl Übergewichtiger. Angeblich sind die Spieler zu unbeweglich für diese Spielkonzepte. Das ist allerdings ziemlicher Unsinn, für Leute, die diese Geräte kaufen, steht das Vergnügen im Vordergrund und die Bewegung ist Teil davon.

ADA wird 20

Die Mutter der Behindertengleichstellungs-Gesetze – der Americans with Disabilities Act – wurde am 26. Juli 1990 verabschiedet. In den USA sieht man, was möglich wäre, zum Beispiel, dass es im hintersten Winkel des Landes rollstuhlgerechte Toiletten gibt. Was das Gesetzeswerk zur Barrierefreiheit im Web beigetragen hat, kann man bei WebAIM nachlesen.

Der dänische Entrepreneur Thorkil Sonne möchte weltweit bis zu einer Millionen Autisten für das Testen von Software und die Qualitätskontrolle beschäftigen. Autisten sollen sich weniger leicht ablenken lassen und über eine starke Konzentrationsfähigkeit verfügen. Eine interessante Idee und großartige Möglichkeit für diese Gruppe, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Testen von Anwendungen ist durchaus anspruchsvoll, wenn es ernsthaft betrieben wird. Ein Job, der auch für gehörlose und blinde Menschen interessant wäre, sie lassen sich weniger von Effekten ablenken und konzentrieren sich eher auf das Wesentliche. Außerdem läßt sich bei Website-Tests mit Usern quasi nebenbei noch die Barrierefreiheit und Usability verbessern.

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Der mit den Zahlen tanzt – Sarrazin und das Wissenschaftsrecycling

Es gibt Leute, die Universalisten sind: sie haben einen erstaunlichen Einblick in unterschiedliche Disziplinen der Wissenschaften.

Leider gibt es nur wenige dieser Universalisten und Sarrazin gehört nicht dazu. Das Erstaunliche anb ihm ist bestenfalls, mit welcher Non-Chalanz er die Ideen anderer wiederkäut und den Eindruck erweckt, er sei selber darauf gekommen.

Die Wurzeln Sarrazins

Seine genetischen und erbbiologischen Theorien sind von Charles Murray und dem Deutschen Volkmar Weiss entlehnt. Murray behauptet in “The Bell Curve”, dass die Intelligenz der Afroamerikaner genetisch bedingt signifikant unter der der Kaukasier liegt. Volkmar Weiss adaptiert diese Idee und wendet sie auf die türkischstämmige Bevölkerung Deutschlands an. Das Buch von Weiss Heißt “Die IQ-Falle” und ist nur noch antiquarisch zu erhalten. Der Durchschnitts-IQ liegt per Definition bei 100. Murray und Weiss behaupten, dass Afroamerikaner bzw. Türken durchschnittlich 15 Punkte bzw. 15 Prozent unter dem IQ der Weißen bzw. Deutschen liegen. Die Genetik-Legende James Watson erregte vor einigen Jahren mit seiner These von der geringeren Intelligenz der Afrikaner Aufmerksamkeit.

Völkische Genese

Die Idee der Veränderung der völkischen Zusammensetzung ist von Sam Huntington und Gunnar Heinsohn entlehnt. Huntington schrieb einige Jahre nach seinem aufsehen-erregenden Buch “Kampf der Kulturen” das ebenso brisante, aber unbekanntere “Who are We?”. Darin äußerte er die Befürchtung, die überwiegend katholischen Hispanics würden mit ihrem Geburtenreichtum und der spanischen Sprache dem angloamerikanischen protestantischen Weißen den Garaus machen. Man kann ruhig davon ausgehen, dass Huntington das Vorbild Sarrazins ist, beide huldigen der Zahlenmystik. Heinsohn schrieb einen längeren Essay in der Zeit, in der die gleichen Befürchtungen für Deutschland ausbreitete. Eine Vorliebe für Statistiken pflegte auch Herwig Birg, der vor einigen Jahren mit seiner Zahlenmystik das Aussterben Deutschlands prophezeite. Der weiter oben genannte Weiss erschaute bereits das Aussterben der Inteligenzia durch deren Geburten-Armut.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Sarrazin kennt diese Bücher nicht, in diesem Falle hat er wissenschaftlich unsauber gearbeitet und verdient nicht, dass man sich mit ihm beschäftigt. Oder er kennt sie, in diesem Falle ist er nicht originell genug, um sich mit ihm zu beschäftigen.

Die Erfahrung Anderer zu eigen machen

Thilos restliche Quellen muss man nicht kennen: Necla Kelek und andere Kritiker des Islam sind reichlich bekannt. Allerdings kann man bei Kelek davon ausgehen, dass sie Erfahrungen aus erster Hand besitzt, während Sarrazin ein Kind der gehobenen Schicht ist und seine Kontakte mit Migranten sich auf die Begegnung mit Putzfrauen und Taxifahrern beschränken dürften.

Der Deklinismus

Sarrazin steht in einer langen Reihe der Deklinisten, wie ich die Vertreter dieser Strömung nennen möchte. Das sind Leute, die den Niedergang des Abendlandes oder der menschlichen Kultur als Ganzes als Resultat des kulturellen oder zivilisatorischen Verfalls befürchten. Diese Tradition geht auf Menschen wie Oswald Spengler, Arnold J. Toynbee oder Edward Gibbon zurück, nur dass diese Herren intelektuell und sprachlich wesentlich mehr zu bieten hatten als unsere heutigen Deklinisten: Eva Herrmann, Udo diFabio, Henryk. M. Broder und eine ganze Reihe mehr. Mit den abendländischen Deklinisten ließen sich ganze Buchläden füllen.

Warum Sarrazin das Beste ist, was unseren Medien widerfahren kann

Im Grunde gibt es nur zwei korrekte Umgangsweisen mit Sarrazins Thesen: Entweder ignoriert man ihn – etwas schlimmeres könnte ihm kaum zustoßen. Oder man zwingt ihn, seine Thesen tatsächlich bis zum Ende auszubreiten. Sarrazin mag etwas von Finanzmathematik verstehen, er ist aber weder Genetiker, Soziologe noch Bildungsforscher. Seine polemisch zugespitzten Thesen zeugen davon, dass er es vor allem auf Aufmerksamkeit angelegt hat. Es fehlt jeder Hinweis darauf, dass er die Wissenschaften, deren Thesen er referiert, nicht mehr als oberflächlich durchdrungen hat.In einer pepflegten Diskussion mit einem intelektuell wie rhetorisch gewandten Menschen würde Sarrazin keine zehn Minuten überstehen. Leider passt dieses Format nicht in unsere Medienwelt, die eine Haßliebe zu Provokateuren pflegt und daher Sarrazins als Medienereignisse erst möglich macht.

Es ist leider so, dass für die “seriösen” Medien die Sarrazins, Haiders und Strachers etwa das sind, was Paris Hilton für die Klatschpresse ist, sie sorgen für steigende Auflagen und damit für steigende Werbeeinnahmen. Wer es nicht glaubt, möge sich einmal die Kommentare auf Zeit Online ansehen. Wo normalerweise zehn oder zwanzig Kommentare pro Artikel vorliegen, findet man jetzt 200 bis 300, sobald das Buzzword Sarrazin vorkommt.

edit: Wegen aktueller Trollgefahr habe ich die Kommentarfunktion für diesen Artikel abgestellt.

Literatur

Samuel Huntington. Who Are We? Die Krise der amerikanischen Identität. Europa-Verlag, Hamburg 2004,

- Kampf der Kulturen
. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Goldmann, München 1998,

Volkmar Weiss: • Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik.
Leopold Stocker Verlag
, Graz 2000

Charles Murray: The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life, with Richard J. Herrnstein, (1994)

Herwig Birg: • Die Weltbevölkerung. C.H.Beck, 2004

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Studieren zuhause – Vorlesungen auf dem Sofa hören

Obwohl wir schon von lebenslangem Lernen sprechen, hat sich eigentlich recht wenig in diese Richtung entwickelt. Die autodidaktischen Fähigkeiten werden kaum gefördert. Um so schöner, dass es doch noch einige interessante Angebote gibt, die das Lernen zuhause ermöglichen.

Vorlesung Digitale Medien von Prof harald Sack
Die Vorlesung ist sehr gut zum Einstieg in das Thema digitale Medien, aber eher für Techniker geeignet. Der Screencast wird im topaktuellen RealMedia-Format angeboten.

Prof. Eduard Heindls Vorlesungen zum Online-Marketing
Eine eher allgemein gehaltene Einführung in Suchmaschinenoptimierung, Web Analytics und vieles mehr als mp3 zum Download. Die Sound-Qualität lässt zu wünscen übrig.

Weitere Vorlesungen von Prof. Heindl
Heindl hat weitere Vorlesungen online gestellt. Themen unter anderem Mathematik, die Rolle von Innovationen und Objektorientiertes Programmieren in Java. Die Vorlesungen liegen in mp3 vor, sind aber nicht alle vollständig.

Vorlesung Algorithmen von Prof. Dr. Oliver Vornberger
Die Vorlesung gibt es als FLV, MP4 und MP3. Algoritmen werden anhand von Java eingeführt, die Vorlesung ist wirklich lang.

Selbiger hält eine Vorlesung zu Datenbanken
Ebenfalls in FLV, MP4 und mp3.

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