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Web 3.0 – dreidimensional, mobil, verständig

Wenn man die Essenz des Next-Generation-Web oder Web 3.0 zusammenfassen will, stößt man vor allem auf zwei Aspekte: Neue Möglichkeiten der graphischen Darstellung, Vereinfachung der Einbindung verschiedener Dienste, bessere Dienstleistungen.

Die 3-D-Welt Second Life ist heute weitgehend aus populären Medien verschwunden. Nachdem auch Google seine 3-D-Welt Lively geschlossen hat, sieht es zunächst einmal schlecht aus für neue Impulse der 3-D-Darstellung für normale Webseiten. Mit steigenden Ansprüchen an Graphik, höherer Bandbreite und besseren Darstellungsdiensten wird es sicherlich dennoch in absehbarer Zeit möglich, dreidimensionale Webauftritte zu kreiieren.

Dreidimensionale Darstellungen bieten auch ganze neue Möglichkeiten zur Navigation. Zumindest macht GPS das Angebot lokalisierter und mobiler Dienste möglich. Dazu müssen die Tarife für das mobile Surfen allerdings wesentlich billiger werden, zudem muss das mobile Surfen ein wenig angenehmer werden. Nicht jeder kann oder mag sich ein IPhone oder Android leisten.

Das semantische Web wird zumindest für große Informationsangebote relevant sein, etwa Wikipedia, aber auch andere Wissensanbieter. Es ermöglicht die Strukturierung von Informationen jenseits hyperkomplexer Datenbanken. Damit erleichtert es die Suche nach bestimmten Informationen. Das ganze Web maschinenlesbar zu machen wäre eine Sisiphus-Aufgabe, die wohl kaum zu bewältigen ist. Einzelne große Informationsangebote hingegen anständig durchsuchbar zu machen, ist hingegen ein Gebot der Stunde.

Warum aber über das Web 3.0 reden, wenn das Web 2.0 noch immer bei vielen Leuten gar nicht angekommen ist? Das Problem dabei ist weniger eine diffuse Ablehnung und vielmehr die Unkenntnis darüber, was Web 2.0 eigentlich ist, die mangelnde Neugier auf das, was da lauert und der Unwille, es zumindest einmal auszuprobieren, der sogar im Journalismus zu finden ist.

Die Killerapplikation, die dem Web endgültig zum Durchbruch verhelfen könnte, besteht aus zwei Komponenten: SingleSignOn und Unified Communications (UC). UC bedeutet Kommunikationskanäle gebündelt in einer Oberfläche: ob Twitter, StudiVZ, SMS oder E-Mail, alles muss in einer Oberfläche gebündelt werden. Das Internet wimmelt von toten Accounts, von den zig Millionen angeblichen Nutzern sozialer Netzwerke lassen sich rund ein Drittel inaktiver Nutzer abziehen, die wahrscheinlich sogar vergessen haben, dass sie sich jemals angemeldet haben.

In die gleiche Richtung geht SingleSignOn, einmal einschreiben oder eintragen. Das Problem besteht darin, unterschiedliche Profile miteinander zu vernetzen. Ist man z. B. bei MySpace und Facebook angemeldet und hat bei beiden Netzwerken Kontakte aufgebaut, müsste in beiden Netzwerken auch das mitteilen, was man für mitteilenswert hält. OpenID von Yahoo ist der erste vielversprechende Versuch, das Problem dieser Redundanz in den Griff zu bekommen. Facebook unterstützt es inzwischen.

Das Web 3.0 – die Zukunft ist heute

Noch wissen wir nicht genau, wie das Web 3.0 einst aussehen wird. Doch es ist Zeit für kühne Spekulationen, denn wenn wir ehrlich sind – das letzte spektakuläre „Ding“ ist schon lange her: Blogs, ein alter Hut, Videos und Fotos, mehr als wir sehen können und mögen, Plattformen noch und nöcher. Was erwartet uns also?

Allzuweit mögen die Spekulationen nicht gehen. In den virtuellen Realitäten wie in 2nd Life sehen wir bereits, was uns erwartet: Selbstgebaute 3D-Welten. In nicht allzuferner Zukunft wird das Bauen von Virtuellen Räumen ebenso einfach – oder schwierig – sein wie das Bauen von Webseiten. Wer mehr will, muss programmieren können, aber Baukästen für 3D-Realitäten werden es ermöglichen, dass jeder seine eigene kleine Welt kreiiert. Chats werden dann in simulierten Umgebungen stattfinden. Durch Webcams oder anderes Zubehör wird es möglich sein, den eigenen – echten oder nachgebauten – Körper hineinzuprojizieren. Die reale Stimme, die reale Mimik, echte Gesten werden durch Zubehör, das der jeweilgie Mensch anlegt, direkt ins Netz übertragen und vom Anderen in Echtzeit wahrgeommen.

Wir kommen damit dem Cyberspace sehr nahe, den etwa Tad Williams in seiner letzten Trilogie ausgemalt hat, auch wenn das Ganzkörpergefühl – das vollständige Eintauchen wie auf dem Hollow-Deck der Enterprise – noch echte Zukuftsmusik ist.

Wie es bei vielen Blog-Systemen schon üblich ist – wobei man allerdings Kenntnisse im Programmieren haben muss oder sollte – wird man die jeweiligen Profilseiten im sozialen Netzwerk ebenso individuell gestalten können wie die eigene Website – die dann eventuell „out“ sen wird im privaten Bereich.

Die Möglichkeiten sind potentiell unbegrenzt: Die Koppelung mit Geodating-Systemen, die Verschmelzung von Online- und Offline-Welt, die Erschaffung einer vollkommen neuen Welt für die eigene Community.