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Rollt Apple den Bildungsmarkt auf?

“Der Mensch hat sich zum Werkzeug seiner Werkzeuge gemacht.” Henry David Thoreau

Normalerweise schreibe ich nicht über die neuesten Trends, aber der Einstieg von Apple in den Bildungssektor könnte wesentlich spannender werden als irgendein weißes iPhone.
Apple hat sehr gute Chancen auf dem amerikanischen Bildungssektor, weil seine aktuellen Geräte und Betriebssysteme einen sehr guten Stand im Bereich Barrierefreiheit haben. Die USA haben mit der Section 508 und dem Americans with Disabilities Act die wahrscheinlich strengsten Regeln zur Barrierefreiheit und Gleichstellung weltweit. Zum deutschen Pendant sage ich lieber nichts.
Die Geräte verfügen über einen eingebauten Screenreader, Vergrößerungssoftware, eine zumindest rudimentäre Spracheingabe. Sie gelten als beliebt bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen – ob zu Recht oder Unrecht vermag ich nicht zu beurteilen.
Apples Schritt dürfte zumindest zwei Größen der New Economy weh tun: der eine ist Amazon, der andere Microsoft.
Amazon hat ebenfalls Ambitionen auf dem Buchmarkt als Verleger aufzutreten. Mit der Kindle-Plattform versucht Amazon ebenso wie Apple die Käufer in einen goldenen Käfig aus Hardware, Software und Multimedia-Konsum einzusperren. Amazons Ambitionen, mit dem Kindle DX in den Bildungsmarkt einzusteigen sind grandios gescheitert, weil es die Geräte nicht für Blinde oder Sehbehinderte nutzbar gemacht hat. Bis heute nicht. Apples Anwendung zur Erstellung von Enhanced eBooks zielt exakt in das Herz der Kindle-Plattform, einer Plattform, auf der Autoren ihre Werke so simpel wie selten zuvor einstellen können. Allerdings hängt das Kindle-Format dem Standard ePub immer ein wenig hinterher.
Microsoft Windows hingegen muss um seine Stellung als führendes Betriebssystem in Bildungseinrichtungen bangen. MS hat es noch länger als Amazon verschlafen, seine Plattformen für Blinde von Haus aus nutzbar zu machen. Wobei Microsoft natürlich wesentlich größer als Amazon ist und das passende Know-How im Haus sitzen hat. MS und Applle gewähren bereits Rabatte für Bildungseinrichtungen. Aber die wenigsten Schulen werden es sich leisten, ihren Schülern zwei Computer-Arbeitsplätze bzw. Geräte bereit zu stellen.

Open ist besser

Man kann Apple mögen oder nicht – mit der Kontrolle über seine Plattformen übt es auch eine Form von Zensur aus. Werden demnächst Bücher nicht im Store zugelassen, die über Aufklärung, Sklaverei oder andere in den USA brisante Themen handeln, weil bestimmte Bilder oder Begriffe eingesetzt werden? Und ist die US-Regierung tatsächlich bereit, das relativ geschlossene Windows-System gegen das absolut verschlossene Apple-System einzutauschen?
kleines Update: Offenbar möchte Apple nicht wie angekündigt das offene ePub-Format unterstützen, sondern sein eigenes Format in den Markt drücken. Das ist eine sehr bedenkliche Entwicklung.
Nur zur Erinnerung: Ein günstiges Netbook kostet zwischen 200 und 300 Euro, verfügt über eine vollständige Tastatur und ist eine nur durch die Performance eingeschränkte Universalmaschine. Ein iPad ist ein Gerät zum Surfen und Multimedia abspielen, auf das man ohne iTunes nicht einmal Daten spielen kann. Und Apple wird nicht unbegrenzt Preisnachlässe gewähren. Ein Schulcomputer ohne vernünftige Tastatur ist ohnehin ein Witz. Das Problem, dass man längere Texte nur schlecht auf einem hintergrundbeleuchteten Bildschirm lesen kann will Apple offenbar über Multimedia statt Text lösen. Bei aller Liebe – das ist sicher nicht wünschenswert.
Die Alternative heißt XO und wurde von der Initiative One Laptop per Child entwickelt. OLPC ist dadurch bekannt geworden, dass es jedes Kind in einem Entwicklungsland mit einem 100 Dollar teuren Laptop ausstatten wollte. Auf dem Gerät ist Software zum Lernen vorinstalliert. Die Geräte sollen recht robust sein und dank PixelQi-Technik auch in der Sonne gut ablesbar sein. PixelQi soll die Vorteile von elektronischem Papier und klassischen Displays kombinieren, zum besseren Lesen kann die Hintergrundbeleuchtung abgeschaltet werden. Wenn man die Kurbel zur Stromversorgung weglässt spricht nichts dagegen, das Gerät auch im reichen Westen einzusetzen. An der Accessibility wird gearbeitet. Dann gibt es noch den 20-Dollar-Computer Raspberry Pi oder das 35-Dollar-Tablet Akash aus Indien.
Der zweite Kanidat für ein Konkurrenzangebot heißt Google Books. Je stärker Apple Druck auf die Lehrbuch-Verlage ausübt, desto attraktiver dürfte ein Konkurrenzangebot von Google werden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Google eine Alternative zu Apples Plattform anbieten wird. Mit Text und Tabellen will Google eindeutig gegen Microsofts Office antreten und wird an den chronisch unterfinanzierten Schulen offene Türen einrennen.
Wenn die Schulen tatsächlich Geld sparen wollen, sollten sie auf offene Alternativen wie Ubuntu oder andere Linux-Varianten setzen. Da das Verständnis von Computersystemen und das Programmieren eine größere Rolle in der Schule übernehmen soll, sind Linux-Varianten dank ihrer Offenheit die beste Wahl unter den Betriebssystemen. Und auch sie sind mittlerweile recht gut mit Eingabehilfen für Behinderte ausgestattet.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht Zeit ist, Schulbücher unter einer CC-Lizenz zu entwickeln und anzubieten. Das Modell Schulbuch-Verlag mag für das 20. Jahrhundert angemessen gewesen sein. Mittlerweile ist es kaum noch einzusehen, warum der Steuerzahler die Schulbuch-Verlage subventioniert, Lehrer und Schüler mit den Büchern aber dank des Urheberrechts nicht machen können, was sie wollen. Oder ist es sinnvoll, wenn Afrikas Schulbücher in Großbritannien produziert werden??
Es passt an der Stelle nicht ganz, aber das Projekt Udacity zeigt, wie Bildung im 21. Jahrhundert aussehen kann. Die Betreiber haben ganz nebenbei die größte Lerveranstaltung der Welt abgehalten.

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Windows kommt ohne eigenen Screenreader aus

Update: Da dieser Beitrag noch recht häufig aufgerufen wird, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass für Windows 8 ein Screenreader und verbesserte Zoommöglichkeiten für Sehbehinderte angekündigt sind. Da Win8 auch auf den Windows-Tablets eingesetzt wird, kann man von einer grundsätzlichen Nutzbarkeit ausgehen. Erfahrungsgemäß wird es noch einiges an Zeit dauern, bis Windows komplett mit Screenreader nutzbar ist, aber im Augenblick kann niemand außer Microsoft selbst sagen, wie gut Win8 von Haus aus für Blinde bedienbar sein wird. Bis dahin sollte man auf NVDA setzen.

Ein Screenreader ermöglicht blinden Nutzern die Verwendung eines Computers. Mittlerweile haben Apple und Linux-Distributionen von Haus aus eingebaute Screenreader. Nur der Platzhirsch Microsoft verzichtet konsequent darauf.
Die wenigsten Leute sind sich bewusst, wie teuer so ein Screenreader ist. Für den Preis eines Screenreaders kann man sich mehrere Computer mit Vollausstattung auf den Tisch stellen, die bringen nur nichts, wenn man blind ist und keinen Screenreader hat.
Die horrenden Preise von Hilfsmitteln sind ein Dauerthema. Faktisch führt das dazu, dass Blinde fünf bis zehn Jahre hinter der aktuellen Technik zurückbleiben. Bei Windows XP hat das sicherheitsrelevante Folgen. Viele der Nutzer des Internet Explorer 6 oder anderer unsicherer Software dürften Blinde sein, die nicht updaten können oder wollen, weil ihre veraltete Hilfsmittelsoftware die jeweils aktuellen Programme nicht unterstützt. Jede Änderung des Systems kann zur Folge haben, dass der Screenreader stumm bleibt. Es gibt einen freien Screenreader für Windows, den NVDA, der allerdings noch nicht reibungslos einsetzbar ist.
Für Blinde ist es zudem ein großer Schritt, wenn sie von einem Betriebssystem auf ein anderes wechseln. Graphische Benutzeroberflächen erleichtern für den Normaluser den Umstieg, der Blinde muss aber nicht nur ein neues Betriebssystem, sondern auch die neue Bedienungsphilosophie seines Screenreaders kennenlernen.
Auch für das neue OS von Microsoft für mobile Geräte scheint keine blindengerechte Bedienung vorgesehen zu sein. Hier könnte MS ordentlich Federn lassen, denn Apples iPhone und Googles Android haben bereits oder sollen eine von Blinden bedienbare Oberfläche bekommen.

Die Apfel-Strategie

Apple war lange Zeit ein Nischenanbieter auf dem Markt für Personalcomputer. Ein Kuriosum in der Geschichte ist wohl, dass Apple eine kleine, aber stabile Fangemeinde hat, während der große Konkurrent Microsoft zwar massenhaft Anwender, aber kaum Freunde hat. Im ZD-Net erschien ein Beitrag, der unter anderem Apples Fangemeinde unter die Lupe nimmt:

Nun zum vierten Lehrsatz – Menschen zu formen und sie zu konstruktiven Aktionen zu mobilisieren. Ja, Apple-Jünger wurden effektiv mobilisiert und dienen brav den Gedanken des iJuche. Alle Kritik wird kategorisch verworfen und als unqualifiziert abgetan.

Quelle
ZDNET fragt an anderer Stelle, ob Apple-Jünger am Stockholmsyndrom leiden.
Vor einigen Jahren war Microsoft noch das, was Google heute ist: ein passables Feindbild, ein Quasi-Monopolist, ein Datensammler mit einem sehr schlechtem Ruf.
Apple hat es wieder Erwarten geschafft, den Markt für MP3-Player und Mobiltelefone aufzurollen. Weniger in dem Sinne, dass Apple zum Marktführer geworden wäre, sondern dadurch, dass seine Produkte zum Maßstab geworden sind, an dem man die Qualität eines Produkts misst.
Was Design und Bedienbarkeit angeht, sind Apple-Produkte bisher ungeschlagen. Zwar gab es schon zuvor berührungsgesteuerte Oberflächen, aber erst mit dem angepassten Betriebssystem und der intuitiven Gestensteuerung sowie dem Multitouch ist diese Oberfläche überhaupt interessant geworden.
Zugleich hat es Apple geschafft, eine Fangemeinde für seine Produkte aufzubauen, was nun wirklich kein Hersteller von Computern, Software, Mobiltelefonen und MP3-Spielern geschafft hat. Die Ausnahme ist Linux, wo die Gemeinde wegen der vielen Distributionen aber stark zersplittert ist.
Diesem Umstand ist es zu danken, dass Apples Marketing-Strategie so hervorragend funktioniert und so wohl von keinem anderen Unternehmen möglich wäre. Durch gezielte Indiskretionen werden „Geheimnisse“ an große Multiplikatoren wie Journalisten oder bekannte Blogger weiter gegeben. Zugleich entwickeln sich in den großen Communities Spekulationen über angebliche neue Funktionen, Geräte oder Betriebssystem-Versionen. Da Apple diese Gerüchte nicht persönlich durch seine Marketing- oder PR-Abteilung bekannt gibt, muss es sie auch nicht dementieren. Große Computermagazine wie Heise oder Golem in Deutschland greifen diese Gerüchte ebenso gerne auf wie die Printmedien, in den Foren finden heiße und hitzige Debatten statt, der obligatorische Kommentar, dass Apple überbewertet sei und man doch über andere Dinge berichten möge, darf ebenfalls nicht fehlen. Wenn der Begriff „virales Marketing“ nicht so ausgelutscht wäre, würde er hier hervorragend passen. Apple spielt auf der Klaviatur der Medien und des Web 2.0 wie auf einem Mac.
Die Apple-Events werden groß inszeniert, der begabte Rhetoriker und Apple-Übervater Steve Jobs präsentiert die Produkte in einer großen Live-Show. Wichtige Persönlichkeiten werden exklusiv eingeladen, um die Geräte in die Hand zu nehmen, bevor sie ein Normalsterblicher überhaupt zu Gesicht bekommt.
Doch was will Apple eigentlich? Es erscheint mit dem Tablett relativ klar zu sein: Apple möchte den mobilen Konsum von Medien managen. Da ist der iPod zum Musik-Hören und Videos schauen, das iPhone, welches solche Inhalte empfangen und versenden kann und der große Bruder, das Tablett, das vor allem Videos zugänglicher macht, aber auch Bücher, Magazine, Zeitungen und andere „Print“-Produkte zugänglich machen soll. Das Problem der E-Reader mit E-Ink, dass sie für Magazine oder farbige Graphiken ungeeignet sind, hätte sich mit dem IPad erledigt.
Zugleich soll das iPad die Netbooks verdrängen und wird parallel der kleine – weil billigere – Bruder des iPhones. Außer Telefonieren kann man schließlich alles mit dem iPad erledigen, was das iPhone für mehr Geld auszeichnen soll.
Niemand weiß genau, wie viel Geld Apple in Marketing und PR steckt und es ist sicher mehr, als man glaubt: eine solche Kampagne muss genau geplant und überwacht werden. Wenn die Community einmal allzu sehr über die Stränge schlägt, ist auch mal ein Dementi fällig.
Dennoch dürfte Apple mit geringem Einsatz den größten Hype ausgelöst haben, den es in letzter Zeit überhaupt um irgend ein Produkt gegeben hat. Selbst Windows 7 und Google Wave scheinen nicht so spannend gewesen zu sein. Ob das Gerät ein Erfolg werden wird, bleibt abzuwarten. Hinterher könnte es sich als Fehler herausstellen, dass man das Gerät zwei Monate vor der Markteinführung vorgestellt hat, bis zur Markteinführung könnte es sich ausgehypt haben.

Der Mythos Selfmade-Man

Der Manager als Superstar, so etwas gibt es in Deutschland nicht. Es gibt die großen Erfinder und Entwickler, die historisch bedeutsam sind: davon zeugen bis heute Firmen wie Siemens, Mercedes oder Porsche. Doch kein einziger deutscher Manager – vielleicht abgesehen von Wendelin Wiedeking oder Josef Ackermann, genießt dermaßen hohes Ansehen wie einige amerikanische Persönlichkeiten.

Die erste Generation der Computerenthusiasten bieten dafür gute Beispiele. Bill Gates wird in Europa gerne verachtet, in den USA ist er ein Star. Er hat aus soliden Grundlagen ein weltweit erfolgreiches Monopol geschaffen und mehr Geld verdient, als ganze Bundesstaaten jemals einnehmen.

Ein besseres Beispiel ist Steve Jobs.

Dieses Video zeigt sehr deutlich, woher dieser Mythos rührt und wie suggestiv die Wirkung von Jobs ist.
Er hat mit seinem Kollegen Steven Wozniac die Kultfirma Apple aufgebaut. Er ist aus seinem eigenen Unternehmen geworfen worden und hat eine neue Firma – Pixar – aus dem Boden gestampft, die einige der erfolgreichsten Animationsfilme der Welt produziert hat. Er hat den Krebs besiegt. Und wie lautet seine Botschaft?

Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary.

Die erste Garde der Computer-Gurus verkörpert den amerikanischen Traum. Auch wenn sie keine Tellerwäscher waren, sondern aus durchaus gutem Hause kamen, haben sie großen Erfolg gehabt, den ihnen wohl niemand vorher zugetraut hätte. Zudem sind sie charismatische Figuren mit einem Talent dazu, die Massen zu fesseln und zu faszinieren. Ob Gates und Jobs den Kampf der Titanen – Bad Guy vs. Good Guy, Goliath gegen David – genossen haben?

CEBIT noch zukunftsfähig?

Der Gouverneur von Kalifornien und die Bundeskanzerlin geben sich auf der diesjährigen CEBIT ein Stelldichein. Die weltgrößte Computermesse öffnet heute abend ihre Türen, zumindest für Arnold Schwarzenegger, Angela Merkel und die erwählten VIPs, die dem Spektakel zusehen darf.

Morgen gehts dann los, Themen sind Green IT, die “Handy-Hits der nächsten Generation”, Open Source und Web 2.0. Wem das bekannt vorkommt, die SYSTEMS, die letztes Jahr ihre Tore für immer schloß, hatte die gleichen Themen.

Aber auch so haben die Computermessen zu kämpfen. Die Unterhaltungsindustrie wandert zur IFA oder zu Spezialmessen wie der Games Convention über. Apple hat in diesem Jahr letzmalig an der MACWORLD teilgenommen, weil es eigene Vertriebswege aufgebaut hat und auf Messen verzichten möchte.

Generell werden special events immer wichtiger: Vor nicht ganz zwei Wochen war der Mobile World Congress in Barcelona. Die Messe München plant eine Spezialmesse zur IT-Security. Parallel zur CEBIT findet vom 3. – 5. März die Embedded World in Nurnberg statt.

Nicht nur wegen der Wirtschaftskrise sinken also die Zahlen der Teilnehmerzahlen für die CEBIT. Noch mehr als die SYSTEMS ist sie zu groß, um für Spezialisten interessant zu sein, andererseits sind Messen offenbar nicht mehr wichtig genug, dass auch jeder wirklich dabei sein will. Wenn Apple seine Innovationen unabhängig vom Messezyklus veröffentlichen möchte, können das andere große Player ebenso tun. Wenn aber die großen Player wegbleiben, werden die Veranstaltungen auch für kleine und mittelständische Unternehmen uninteressant.