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Behinderte und die Inklusion in die Berufswelt

Heute habe ich eine Veranstaltung der Telekom und der BITKOM zur Inklusion von behinderten ITlern besucht. Damit sich das gelohnt hat, erzähle ich euch davon.

Ich bin behindert, gib mir einen Job

Eine der großen Hemmnisse bei der Einstellung Behinderter sind Vorurteile bezüglich der Leistungsfähigkeit und des Betreuungsaufwandes. Nüchtern und betriebswirtschaftlich gedacht lohnt es sich oft nicht, einen Schwerbehinderten einzustellen. Er erfordert in der Regel zusätzlichen Aufwand, braucht eventuell mehr Platz, hat fünf Tage Sonder-Urlaub und gilt als unkündbar. Das mit der Unkündbarkeit ist ein Mythos, aber es wiegt die Nachteile nicht auf.

Ein behinderter Mitarbeiter ist in der Regel langsamer. Als Blinder oder Rollstuhlfahrer kann man eben nicht schnell von A nach B kommen, das zu leugnen, hilft nicht. Und auch die Arbeit am Computer findet in der Regel langsamer statt. Egal wie schnell ein blinder Redakteur die Rechtschreibung prüfen kann, ein Sehender mit der gleichen Erfahrung wird immer schneller sein.

Blockieren statt helfen

Das kann man alles verzeihen, denn schließlich gibt es faule oder langsame Mitarbeiter, die das Unternehmen am Ende noch mehr kosten als ein Behinderter Mitarbeiter. Und immerhin gewährt der Staat großzügige Hilfen, wenn ein Schwerbehinderter eingestellt wird. Wirklich?

Die fatale Signalwirkung, die von solchen Hilfen – und leider auch von der BITKOM-Veranstaltung – ausgehen ist, dass behinderte Mitarbeiter besonders schwierig einzustellen sind. In Deutschland fehlt es sicher nicht an gut gemeinten staatlichen Regulierungen und wer einen Behinderten einstellt, darf sich noch mehr davon aufhalsen. So soll in vielen Fällen ein rehabilitationspädagogisch geschulter Ausbilder am Start sein, ein was?

Das Stellen solcher Anträge ist – wie von der deutschen Bürokratie gewohnt – ein Krampf, den sich vor allem kleine und mittelständische Unternehmen nicht leisten können. Einen Nicht-Behinderten kann man ohne das ganze Brimborium von heute auf morgen einstellen, warum sollte man sich also einen behinderten Mitarbeiter aufhalsen?

Mythos Qualifikation

Oft wird argumentiert, behinderte Menschen seien qualifizierter als Menschen ohne Behinderung, aber stimmt das eigentlich?

So gibt der große Blindenverband DVBS zu, er habe keinen qualifizierten Geschäftsführer mit Augenerkrankung gefunden und hat sich einfach jemanden Fachfremdes geholt. Der DVBS fand es also einfacher, einen Nicht-Behinderten mit dem Behinderten- und Blindenwesen sowie der Behinderten-Selbsthilfe vertraut zu machen statt einen Blinden zum Geschäftsführer zu qualifizieren. Über die Signalwirkung scheinen sich die Verantwortlichen nicht klar zu sein: Blinde können fast alles, aber nicht den eigenen Verein führen. Auch die Cristoffel Blindenmission sollte sich fragen lassen, ob ein blinder Botschafter nicht eine größere Signalwirkung für die eigene Botschaft hätte.

Keine Barrierefreiheit auf Vorrat

Ein Gebäude nachträglich umzubauen, das nicht barrierefrei ist, ist teuer, die kosten können sich aber nach einigen Jahren amortisieren, wenn zum Beispiel sowieso Sanierungsarbeiten notwendig sind.

Anders sieht es beim Thema barrierefreie Technologien aus. Natürlich lohnt es sich für ein 50-Mann-Unternehmen nicht, sich auf Verdacht mit barrierefreier Technologie zu beschäftigen, denn sie wissen nicht, ob sich jemals ein Behinderter bei ihnen bewerben wird. Und wenn doch, welche Behinderung wird er haben? Wird er blind, motorisch behindert oder gehörlos sein? Oder psychisch behindert? Jede Behinderung stellt spezifische Anforderungen und es ist nicht möglich, sich auf alle möglichen, aber unwahrscheinlichen Fälle vorzubereiten. Wenn sie dann doch noch kommen, ist die Software schon wieder veraltet oder der Kollege arbeitet mit Window Eyes statt mit Jaws. Für ein Unternehmen wie die Telekom mag sich das lohnen, für andere hingegen nicht.

Damit ist übrigens nicht gemeint, dass die interne Software nicht nach den Regeln der Barrierefreiheit entwickelt werden sollte. Aber hier muss man schlicht konstatieren, dass es am entsprechenden Know-How bei den Entwicklern fehlt. Deshalb kann es tatsächlich billiger sein, ein paar Jaws-Skripte zu schreiben statt das ganze Teil neu zu programmieren.

Fazit

Man merkt, ich bin relativ skeptisch, was die Beschäftigung Behinderter angeht. Ich fürchte, wir sind auf dem Holzweg. Den Unternehmen – das sage ich als Selbständiger und nicht als Behinderter – wird nach wie vor zu viel zugemutet, wenn sie einen Behinderten beschäftigen wollen. Staatliche Fördermaßnahmen und die damit verbundene Bürokratie sind insofern eher als Beschäftigungs-Verhinderungs-Paket zu sehen, es wird bestenfalls der Zusatzaufwand kompensiert, den die Unternehmen haben, wenn sie trotz alledem einen Behinderten beschäftigen.

Die Lösung ist so simpel, dass sie kaum weiter ausgeführt werden muss. Für Unternehmen darf es keinen Unterschied mehr geben, wenn sie einen Behinderten einstellen wollen. Wenn sie ihn von heute auf morgen einstellen wollen, dann muss morgen die Technologie und nötige Hilfe am Start sein, Mehraufwendungen müssen ohne Mehrkosten für den Unternehmer vom Staat aufgefangen werden, Gesetze sollten nur dort greifen, wo sie für den Behinderten einen Schutz erfüllen. Sind Behinderte irgendwie zerbrechlich, dass sie kaputt gehen, wenn man auf sie normale Vorschriften anwendet?

Das Pauschalpaket an Erleichterungen ist nicht mehr zeitgemäß, denn es macht aus dem Behinderten einen Mitarbeiter mit Sonderrechten, die er häufig nicht braucht. Wenn ich Angestellter wäre würde ich mich schämen, meine fünf Tage Sonderurlaub zu nehmen. Es mag Leute geben, die das brauchen, aber nur weil man einen GdB von 50 hat ist man nicht automatisch ein Frack.

Wenn man den Leistungskatalog durchliest, den der Staat für die Einstellung eines Behinderten bietet geht Einem Nicht-Behinderten vermutlich durch den Kopf: „Behinderte müssen ganz schön schlimm sein, wenn der Staat einen so großzügig unterstützen möchte.“ Wir brauchen also weniger Förderung und weniger Bürokratie. Alles andere, wie die Behinderten-Abgabe, das Diskriminierungsverbot und das Diversity-Zeugs, die Hilfen von Fachdiensten und den IHKs laufen ins Leere, wenn die anderen Rahmenbedingungen nicht angepasst werden.

Optimieren Sie Ihren Arbeitsalltag – sonst tue ich es

Viele größere Unternehmen bieten mittlerweile Kurse an, in denen erklärt wird, wie man seinen Arbeitsalltag optimieren kann. Zeitverwaltung, Dokumenten- und Ablagenorga…
Es ist offenbar selbstverständlich, dass jeder das Optimale aus seinem Arbeitsalltag holen möchte, doch niemand fragt nach den Konsequenzen einer hervorragenden Organisation.
Wenn man in der regulären Arbeitszeit seine Arbeit nicht erledigen kann, kommt recht schnell der Verdacht auf, man sei schlecht organisiert. Wenn man es aber doch schafft, heißt es schnell, man habe zu wenig zu tun.

Kann es aber nicht sein, dass man seine Arbeit nicht erledigen kann, weil sie einfach zu viel ist? Und könnte es nicht sein, dass man, wenn man zu früh fertig ist, immer noch mehr Arbeit nachgeschoben bekommt, weil man ja schließlich mit dem bisherigen Pensum gut zu recht kommt? Ist optimale Organisation nicht gleich optimale Ausbeutung?

Zeit verplempern

Es gibt sie tatsächlich, die Leute, die jeden einzelnen Moment ihres Lebens optimal nutzen können. Professoen z. B. bereiten Seminare und Vorlesunen vor, halten sie dann auch, haben Sprechstunden, Sitzungen, Veraltungskram, Forschungsprojekte, Buchprojekte, Vorträge, Forschungsreisen… Wie packen die das eigentlich? Unser eins ist froh, wenn das Aufgabenpensum bewältigt ist, das wir vor uns herschieben und wesentlich kleiner ist.
Das Geheimnis heisst Organisation und Selbstdisziplin. Wir alle wissen, dass wir aus unserer Zeit mehr herausholen könnten. Warum wir es trotdessen nicht tun, erklärt uns dieser Artikel aus derr Zeit 27/2008.
Und was tun wir alles, um Struktur in unser Leben zu bekommen?
Ich habe mich in die Universitätsbibliothek gesetzt, ein Ratschlag, den ich wirklich jedem geben kann, der geistig arbeiten muss und es zuhause einfach nicht hinbekommt.
Wir fahren jeden Tag ins Büro, und manche würden sogar am Wochenende hingehen, nur für ein paar Stunden, nur damit sie sich nicht zuhause langweilen.
Was wir brauchen ist Zeitdruck, aber de haben wir selten. Im vorbeugenden Gehorsam nehmen wir nur Aufgaben an, die wir in bestimmten Zeitrahmen bequem bewältigen können und bürden uns keinesfalls zu viel auf.
Im übrigen ist es das, woran viele Ehrgeizlinge scheitern, wie ich an anderer Stelle schrieb, ist man erfolgreicher, je mehr Zeit man effizient nutzt. Für Ehrgeizlinge ist ihr Terminkalender, ihr Tachostand und der erste Herzinfarkt in jungen Jahren ihr Statussymbol, während der runde Bauch ein Zeichen von Müßiggang ist.