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Das Sein bestimmt das Bewußtsein

Und das Bewußtsein das Sein. Den Einfluß des Designs auf das Bewußtsein haben wir uns ja schon angesehen. Betrachtet man Gebäude wie den Main Tower in Frankfurt am Main oder den Weser Tower in Bremen im Vergleich zur 70er Jahre Stahlbeton-Glasfassaden-Ästhetik, scheint das auch in der Wirtschaft angekommen zu sein. In der hessischen Stadt Marburg gibt es ein Gebäude, das man Affenfelsen nennt und so sieht es auch aus. Niemand weiß, wie viele Leute hier vom Dach gesprungen sind und der Grund liegt sicher nicht nur darin, dass das Gebäude so hoch ist.

Das SZ-Magazin widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem Thema Architektur. Grund ist wohl das Jubiläum des Bauhaus-Stils. Der Anspruch an Architektur und Ästhetik ist generell gestiegen. Auch wenn Städte wie Berlin und Köln zur Hälfte aus gigantischen Baustellen bestehen, hofft man darauf, dass da doch irgend wann was Schöneres herauskommen wird.

Die Bauverantwortlichen haben hoffentlich begriffen, dass sozialer Wohnungsbau nicht darin bestehen kann, graue Ungetüme in den Himmel wachsen zu lassen. Es gibt ja auch die Null-Toleranz-Strategie, die etwa in New York von Rudi Guliani angewendet wurde.

Es geht dabei darum, jede Art von ästhetischer Vigilanz wie eingeschlagene Fenster, Grafitti, Abfall auf den Straßen und dergleichen unmittelbar zu beseitigen und Täter hart zu bestrafen. Die Theorie lautet, dass diese Art der Verwüstung dazu verleitet, sich ähnlich negativ zu verhalten. Generell mag das ein wenig einfach gedacht sein, es mag aber etwas dran sein.

Wie auch immer, häßliche und vergammelte Städte leiden stärker unter Abwanderung als Städte mit Altstadt-Charakter. Hier in NRW wachsen im Augenblick die Städte im Rheinland wie Köln, bonn und Düsseldorf. Städte wie Wuppertal und die Region Ruhrgebiet hingegen leiden unter Abwanderung. Die Städte des Ostens leiden generell unter Abwanderung, während etwa Bremen und Hamburg sich herausputzen.

Don – Die Ästhetisierung des Kriminellen

Früher glaubte man – und viele tun das auch heute – dass Kriminelle ein besonders negatives Aussehen haben. Unbewusst steht vieeleicht der Gedanke dahinter, dass negative Emotionen und Absichten nicht ohne Effekt auf die eigene Ausstrahlung bleiben können.

Der Verbrecher ohne Ehre wurde verdrängt durch die Verbrecherehre. Mario Puzo hat mit seinen Mafiabüchern die Ehre der Mafia salonfähig gemacht. Die Verfilmung durch Francis Ford Coppola in der episch angelegten „Paten“-Trilogie hat eine spezifische Mafiaästhetik geschaffen, die wie gemunkelt wird, selbst von der Mafia übernommen wurde. Besonders die italienische Mafia und ihre Nachahmer haben sich hier einiges abgeguckt.

Ähnliches gilt für die japanische Mafia – die Yakuza – die angeblich Tugenden der Samurai übernommen haben. Glaubt man Ian Buruma, gehören japanische Gangster zu den größten Fans japanischer Gangsterfilme.

Weniger gerne wird konstatiert, dass organisierte Kriminalität auch Tugenden des Kaptialismus übernommen hat. Dazu gehört Fleiß, Selbstdisziplin, die Erkennung ungenutzter Potentiale und Geschäftschance, der Aufbau effizienter Organisationen, die Buchhaltung, die Hierarchie im Personal und vieles mehr. Was ein echter Krimiboss sein will, muss ebenso hart arbeiten wie ein gestandener CEO oder Manager, wenn er erfolgreich sein will. Und auch hier gilt, Konkurrenz belebt das Geschäft.

Natürlich geht man – zumindest im Westen – nicht mit Schußwaffen gegen unliebsame Konkurrenten vor. Man darf die Ähnlichkeiten auch nicht übertreiben.

Der Verdacht liegt nahe, dass vieles, was heute im Fernsehen als historisch verkauft werden, so nie Wirklichkeit gewesen ist. Die ritterliche Tugend war zu ihrer Zeit schon mehr Wunschdenken als Realität, Cowboys im Western scheinen nur selten mit echten Kühen beschäftigt zu sein, „Wallstreet“ von Oliver Stone hat vielleicht nicht die Bänkermentalität geschaffen, aber die jüngere Generation von Bänkern und Managern mitgeprägt.

Bestimmt Design das Bewusstsein?

Zumindest der Architekt Christoph von Winterfeld glaubt das. Und für die Architektur ist das sicher zutreffend, weniger für andere Objekte wie Webseiten, mit denen man sich nicht groß anfreunden muss. Es ist sicher nicht nur die Höhe der Gebäude, die Selbstmörder dazu bringt, sich ausgerechnet dort das Leben zu nehmen.

Manche Gebäude strahlen eine Tristess aus, die auf die Menschen abfärbt, die sich in oder zwischen ihnen bewegen müssen.
Schon die Nazis planten ihre Vorzeigegebäude so, wie sie gerne gewesen wäre, man kann das als Gigantomanie bezeichnen.

Die 70er Jahre noch waren bestimmt von Einheitsgebäuden aus Glas und Stahlbeton, funktional und ästetisch weniger ansprechend als ein Felsbrocken. Man mag sich einmal das Bonner Bürgerbüro angucken, dessen Eingangsbereich ein wenig nach Tiefgarage aussieht, nur dass Tiefgaragen besser beleuchtet werden.

Heute geht es in die andere Richtung: Gebäude sollen nachhalitg gebaut sein, ästhetisch ansprechend, funktional und fördernd. Ecken werden abgerundet, Wände werden holzgetäfelt. Die Gebäude der Neuen Messe München sind dafür ein gutes Beispiel. Geht man von der U-Bahn Messestadt West zum Haupteingang des Messehauses, stößt man auf einen abgerundeten Teil des Gebäudes, ohne scharfe Kanten. Man trifft auf eine Glasfläche – das Treppenhaus – welches die wie ein Spiegel wirkt. Der Durchgang von Messehaus zu den Messehallen ist rundum verglast.

Offen und hell ist also die Botschaft, die hier zu lesen ist.

Besonders beeindruckend ist die Holzoptik. Allerdings fällt es negativ auf, dass man von der Treppe aus praktisch jeden Ort im Treppenhaus einsehen kann.

Der Architekt Christoph von Winterfeld verweist übrigens auf die Wirkung von Gebäuden auf das Gemüt.

TV-Ästhetik

Sieht man einmal von der eher banalen Aussage ab, Fernsehen sei Blödsinn, muss man anerkennen, dass Film und Video ihre eigene Ästhetik entfaltet haben.

Diese Ästhetik reicht von extremem Rosamunde-Pilcher-Kitsch bis hin zur Hochglanzserie.

Und es gibt gute Gründe dafür, warum amerikanische Serien diesen Markt seit Jahren dominieren. Zunächst einmal nehmen die Amis immer viel Geld in die Hand.

Aber jenseits davon haben sie eine große Zahl hervorragender Drehbuchautoren und sind stilbildend im Filmbereich.

Man mag von Serien wie Akte X oder Without a Trace halten, was man will, sie waren ästhetisch stilbildend und haben den Geist ihrer Zeit wieder gespiegelt, eben so wie Sex and the City oder die star Trek-Serien.

Spezialeffekte sind hier nicht alles, hier zählen gute Dialoge, schauspierlische Leistung, sowie ein hervorragender Regisseur.

Für so etwas muss man vor allem Geld in die Hand nehmen, was sich die Deutschen bisher nicht trauten und wohl auch nicht tun werden.