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Aus Freude an der Kommunikation

Es steht heute in jeder Stellenausschreibung: Sei kommunikationsstark! Sogar der Abfall-Abtransport-Fachmann muss heute vermutlich Krisenkommunikation treiben, wenn zum Beispiel ein verrotztes Taschentuch am Boden des Containers klebt.

Man wagt es kaum noch, sich über unverlangte Werbung im Briefkasten zu beschwerden. Wenn sie adressiert ist, hat man sie sich ohnehin selbst eingehandelt. Da haben es einige mit der Kommunikationsstärke wohl zu weit getrieben. Die größte Werbeschleuder dieser Art ist mittlerweile die Deutsche Post. Unverlangt erhält man eine Plastiktüte voller Werbung in den Briefkasten. Gut 100 dieser Packen liegen Samstag auf den hochhäuslichen Briefkästen.

Doch das größte Ärgernis ist heute die Massenkommunikation. Einige Leute meinen, sie müssten E-Mails an Hunderte von Personen verschicken, um ihnen etwas von wenig Belang mitzuteilen. Sie besitzen nicht die Gnade, die Adressaten zumindest in die BCC zu setzen. Einige wollen vermutlich ihre Mitbürger mit der großen Zahl der Leute beeindrucken, die sie kennen.Ich erhalte durch diverse Mailinglisten mittlerweile um die dreißig Mails am Tag. 25 davon werden ungelesen gelöscht. Über Filter werden die Mails automatisch einsortiert, die Mails von Mailinglisten landen praktisch alle ungelesen im Müll.

Wir sollten weniger Kommunikation wagen: Twittern statt Mailen, unsere Lebensweisheiten über Blogs, RSS oder StudiVZ verbreiten, wo sie jeder lesen kann, wenn er mag. Wir sollten öfter mal zum Telefon greifen, die zwanzig Meter zum Büro unseres Gesprächspartners nehmen, wir sollten Briefe schreiben und uns Mühe geben, die Kommunikation diszipliniert und entspannt zu gestalten. Und den Computer abschalten.

Social Web – Foren

Foren sind eigentlich älter als der Begriff Social Web. Ein Forum ist eine Diskussionsseite, in der eine Person ein Thema eröffnet und andere Personen die Gelegenheit haben, einen Kommentar zu geben, Kritik zu üben oder andere Aspekte zu betrachten und hervorzuheben.Oftmals sind die Foren zu einzelnen Artikeln etwa bei Telepolis interessanter als der eigentliche Artikel.
Viele Foren sehen heute ein wenig seltsam aus, die Beiträge stehen wie bei PHPBB statisch untereinander, gleichzeitig werden Emoticons als animierte Graphiken angeboten. Besser ist bei Diskussionen die Baumstruktur, wie es sie bei Heise gibt, da man hier direkt sehen kann, wer auf wen antwortet.
Die Foren haben mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Die Anonymität führt dazu, dass Trolle sich breit machen: Leute, die provozieren wollen, um die Diskussion zu beenden. Zudem arten Diskussionen auch so in Beschimpfungsorgien aus, da sich die Leute nicht richtig verstehen.
Bei den Foren fehlt einerseits die freundschaftliche Komponente, so dass man glaubt, im beliebigen Tonfall miteinander sprechen zu können. Andererseits fehlt die Face-to-Face-Kommunikation, man kann weder das Gesicht sehen noch die Stimme hören, so dass man nicht weiß, ob jemand gerade einen Scherz macht oder es ernst meint. Die Toticons sind dafür kein brauchbarer Ersatz.
Forenschreiber lassen sich sehr oft am Stil wiedererkennen. Der Stil bekommt hier die gleiche Bedeutung, wie die Kleidung in der Realwelt. In Foren können sich ähnlich gute Kontakte und Freundschaften entwickeln wie etwa bei Facebook oder Twitter.
Im Grunde spiegeln Foren die Realwelt mit ihren unterschiedlichen Rollen wieder. Da ist der Hitzkopf, der Provokateur, der Intrigenschmieder, der Mahner, der Versöhner, der Vermittler…

Social Web – 3rd Life im Internet

Wenn man so will, hat sich ein teil desrealen Lebens ins Virtuelle verlagert. Im Grunde muss man heute nie allein sein, körperlich schon, aber virtuell lebt die gemeinschaft stets fort. Handy-Flats erlauben das pauselose Quatschen oder Simsen. Das Social Web erweitert das ganze um eine gewaltige Dimension. Früher quatschen zwei Leute am Telefon.
Heute kann ich mich mit meinem Kumpel auf der Plattform meiner Wahl unterhalten, mich über oder weniger Belangvolles austauschen. Und alle Freunde können mitlesen und mitreden. Doch nicht nur sie, sondern auch alle Anderen.
Auch die Suche nach Bezeihungen, welcher Art auch immer, hat sich teilweise ins Internet verlagert.
während die Geisteswissenschaftler noch darüber streiten, ob diese Kontakte von Menschen, die sich größtenteils nie begegenen werden, “realen” Kontakten gleichwertig sind, verschwimmt diese Form für den Netizen.
Ich werde demnächst einmal über meinen Ausflug ins Telepolis-Forum berichten.