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Bad Practice im Webdesign

Update vom 29.06.2010: Wie ich gerade höre, wurde die Seite nicht relauncht, was aber nichts an meiner Kritik ändert. Ich habe mir die Seite vorher nie genauer angesehen und dachte, sie hätte früher anders ausgesehen.

Rehadat ist ein Informationsangebot für Arbeitssuchende mit Behinderung und Arbeitgeber, die einen Betroffenen beschäftigen wollen.
Offenbar seit heute, 10. Juni 2010, haben sie einen Relaunch gewagt. Optisch sieht die Seite gar nicht schlecht aus, ein wenig schlicht, aber Klicki-Bunti
ist eher was für eBay.
Die Seite entspricht allerdings nicht den Anforderungen an modernes Webdesign, was vor allem Blinden auffallen dürfte. In der Navigation wurde mit Spacer-Graphiken
gearbeitet, was nach der Veröffentlichung von CSS 2.1 nun wirklich badest practice ist. Hier ein Auszug aus der Navi, wie der Screenreader sie vorliest:

Hilfsmittel – Abstandhalter – Praxisbeispiele – Abstandhalter – Literatur – Abstandhalter
Rehadat

Eigentlich sagt die Sprachausgabe “Graphik Abstandhalter”, was das Surferlebnis nicht gerade steigert. Ein Blick in den Quellcode – ich spare mir hier die Zitate – offenbart, dass der Designer keine saubere Trennung von Struktur und Design vorgenommen hat. Es finden sich jede Menge Inline-Stylesheets. Das
ist zwar nicht verboten, aber es gehört schon seit Jahren nicht mehr zur guten Praxis. Inline-Styles sind ein typisches Artefakt von WYSIWYG-Editoren.

Bestimmte Browser zu empfehlen, gehört ebenfalls nicht zur guten Praxis:

empfohlene Browser: IE 6.x/7.x, Mozilla Firefox 2.x, Opera 9.x
Rehadat

Nutzer von Safari, Chrome oder mobilen Endgeräten mit anderen Browsern mögen bitte draußen bleiben. Das erinnert fatal an die frühen 2000er Jahre, als Websites
noch für Netscape oder Internet Explorer optimiert wurden. Einerseits hat die Meldung keinerlei Wert, da mit dieser Empfehlung ohnehin mehr als 80 Prozent
der Desktop-Browser abgedeckt sind. Andererseits mögen es die meisten Menschen einfach nicht, wenn man ihnen die Verwendung bestimmter Browser nahe legt.

Last not least: Wer ein Lesezeichen auf eine der alten Seiten gelegt hat, erlebt eine ärgerliche Überraschung: 404 – not found. Die 404-Meldung sollte im
Jahr 2010 einen grausamen Tod gestorben sein, geistert aber immer noch umher. Mit einer einfachen Codezeile kann man serverseitig alle 404-Fehlerseiten
auf eine hilfreichere Seite weiterleiten: ein Suchformular, eine Sitemap oder auf die Startseite mit einer passenden Fehlermeldung.

Das ist natürlich Jammern
auf hohem Niveau: Keine dieser Mankos verhindert, dass man auf der Website anständig surfen kann. Eine Seite irgendwie benutzbar zu halten ist aber nicht
Stand der Kunst im Jahr 2010, im Gegenteil: Wir haben die Technik und wir haben das Know How, das Surferlebnis für den Nutzer zu optimieren.

Es geht mir im übrigen nicht darum, die Macher der Site und die Webdesigner vorzuführen. Ich denke, dass Kritik nützlich sein kann. Es gibt noch jede Menge
anderer Seiten, die jüngst relauncht wurden und trotzdem noch Altlasten mit sich schleppen.