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Hartmut Mehdorn und der Datenschutz

Hartmut Mehdorn hat gestern seinen Rücktritt erklärt, er ist sich keiner Schuld bewußt. Aber wer ist das schon? Auch der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schrammer wird in diesem Jahr nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antreten. Er folgt damit der Kritik an seinem Verhalten wegen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs. Man kann ruhig davon ausgehen, dass beide Bauernopfer im Rahmen des Vorwahlkampfes sind.

Aus den Kommentaren eine Art Schlußstrich-Haltung zu hören. Zu befürchten ist, dass die beiden Affären aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Der Druck, die Pannen und Affären aufzuklären, sinkt dadurch ab. Verantwortlichkeiten werden kaschiert, die Aufklärung wird herausgezögert, echte personelle Konsequenzen werden nicht gezogen.

Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, sagt in einem Interview zu Mehdorns Rücktritt:

Wir haben ein überragendes Interesse daran, dass es diesem großen Unternehmen wirtschaftlich gut geht, dass es eine erfolgreiche Geschäftspolitik betreibt, dass vor allen Dingen Millionen Kunden Vertrauen in das Unternehmen haben und dass wir es wieder aus den Schlagzeilen herausholen. Und die DB AG selber muss doch ein Interesse daran haben, dass wenn man an die Deutsche Bahn denkt man an Mobilität denkt, an den Verkehr mit Personen und Gütern und nicht an gelöschte E-Mails oder überwachten Telefonverkehr.

Sollte Mehdorn recht haben und die Aktionen gegen die Mitarbeiter gegen kein Gesetz verstoßen, stellt sich die Frage, warum die Regierung kein zeitgemäßes Gesetz zum Datenschutz der Mitarbeiter erlassen hat. Und dann müssten noch ganz andere Leute zur Verantwortung gezogen werden.

Deutsche Bahn – wie man mit Krisen nicht umgehen kann

Zugegeben, die Deutsche Bahn hatte nie einen besonders guten Ruf. Sie ist zwar im Vergleich zu vielen anderen Ländern relativ zuverlässig, pünktlich und gut vernetzt. Doch Service, Freundlichkeit, Dienstleistungsorientierung und Professionalität im Umgang mit der Öffentlichkeit gehören zu ihren vielen Schwächen.

Dass ein so großes und finanziell gut ausgestattetes Unternehmen ist ganz offenbar nicht in der Lage, eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Sie schlittert von einem PR-Desaster ins nächste. Die neueste Peinlichkeit ist die Anzeige gegen netzpolitik.org. Die Nachricht, dass Blogs eine zwar geringe, aber dennoch durchaus vorhandene politische Macht haben, ist offenbar nicht in die Rechts- oder PR-Abteilung der Bahn vorgedrungen.

Der wahre Skandal ist natürlich die ungerechtfertigte Überprüfung von hunderttausenden von Mitarbeitern, angeblich im Rahmen der Korruptionsbekämpfung. Die Bahn hat offenbar den Sinn solcher Maßnahmen nicht ganz verstanden.