Schlagwort-Archive: Benutzerfreundlichkeit

Warum man Formulare von Nutzern testen lassen sollte

Dieses Beispiel-Formular hier zeigt, dass Usability- und Zugänglichkeitsprobleme oft miteinander einher gehen. Ich hatte fünf Versuche gebraucht, um dann hinzuschmeißen und das Browserfenster entnervt zu schließen. Was ist passiert?

Bei dem Formular handelt es sich um ein Standardformular mit vielen Checkboxen, ein paar Radio-Buttons, zwei Eingabefeldern, einem Auswahlfeld und einem Absendebutton. Das Formular wird nicht clientseitig validiert, es dürfte also auch ohne JavaScript funktionieren, braucht es aber nicht, weil ich JS für diese Seite frei gegeben habe.
Es gibt einen kurzen Einleitungstext, man kann alle Checkboxen auswählen, wobei jede Checkbox eine Option darstellt. Außerdem gibt es eine Checkbox für „alles“, heißt, man will das ganze Paket. Ein simples Formular, sollte man meinen.
Falsch: Man darf aus irgendeinem Grund nur drei Checkboxen pro Bereich auswählen, kann aber beliebig viele aktivieren. Hat man die Checkbox „alles“ ausgewählt, darf keine der anderen zum Block gehörenden Checkboxen ausgewählt werden.
Mit anderen Worten, ich darf mit meinem Screenreader nach dem Ausfüllen und Versenden alle Checkboxen der „falsch“ ausgewählten Blöcke noch einmal durchgehen und an- bzw. abklicken, bis ich auf maximal drei aktive Checkboxen oder „alles“ komme. „Unendlicher Spaß“ würde David Foster Wallace das wohl nennen. Denn ich muss ja den betreffenden Block einmal komplett durchgehen, um zu wissen, welche Boxen ich im ersten “Wahlgang” aktiviert habe und welche nicht.
Nun gehöre ich nicht zu den braven Leuten, die Anleitungen und gut gemeinte Ratschläge durchlesen, die bei einem solchen Formular als Ausfüllhilfe am Anfang stehen sollten. Ich bin also zur ursprünglichen Formularseite zurückgegangen und siehe da, es gab keine Ausfüllhilfen, weder am Anfang noch am Ende oder in den betreffenden Blöcken des Formulars. Erst in den Fehlermeldungen taucht die Mitteilung auf, ich dürfe nur drei … aber das sagte ich ja schon.
Ich bin ja der letzte, der behauptet, es sei einfach, gute Formulare zu erstellen. Was mich wirklich ärgert ist die vollkommene Sinnfreiheit solcher Maßnahmen. Wenn man “alles” ausgewählt hat und “alles” auch noch am Ende steht, sollte man meinen, dass es egal ist, welche Felder man noch aus diesem Block ausgewählt hat. Und wenn man nur drei Kreuze machen darf, sollte man auch nur drei auswählen können. Bei Checkboxen erwarte ich eigentlich, dass ich beliebig viele anklicke kann. In diesem Fall hätte man statt Checkboxen Auswahlfelder verwenden können, drei Auswahlfelder für drei auszuwählende Optionen.
Und natürlich gehört die vernünftige Gestaltung von Formularen zu dem Grundlegenden, was ein ernstzunehmender Portalbetreiber beherrschen sollte, wenn er Formulare anbieten möchte. Sowas lernen Studierende, die sich mit empirischer Forschung beschäftigen müssen in ersten Jahr des Studiums. Da erstellt man nichts anderes als Fragebögen in Form von Formularen und würde für so einen Fragebogen mit Sicherheit keine gute Note bekommen.
Das wirklich Ärgerliche daran ist, es hätte ein simpler Test mit drei bis vier Kollegen oder Freunden gereicht, um die größten Mankos dieser Umfrage auszubügeln.