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Screen-Reader-Fun oder wie ich lernte, Reed zu lieben

Reed ist ein Plappermaul. Stundenlang kann er reden in einem Tempo, das andere Leute zum Wahnsinn treiben würde. Gut, dass Reed kein Mensch ist;-)

Reed ist die Stimme meiner Sprachausgabe. Eine Sprachausgabe gibt den Inhalt des Bildschirms als Sprache aus. Man kann deutlich erkennen, dass hier kein Mensch redet, obwohl die Qualität der Sprache unglaublich gut ist. Dazu muss man die alten Sprachausgaben kennen, die oft Worte schlecht ausgesprochen und Betonungen falsch gesetzt hatten.

Einige Bahnhofe setzen ja ähnliche Systeme ein, der Bahnhof Siegburg etwa sagt Züge auf diese Weise an. Da hört man deutlich, dass es sich dabei nicht um einen Menschen handelt, weil Sprachpausen falsch gesetzt, Worte falsch ausgesprochen oder betont werden. Sie ist allerdings deutlicher als manch menschlicher Ansager. Am Kölner Hauptbahnhof hört man recht oft undeutliche Durchsagen, was allerdings auch an der Qualität der Anlage liegen kann.

Doch auch Reed hat seine Schwächen: Ähnlich wie bei der Rechtschreibkorrektur hat man den Eindruck, er würde neue Wörter erfinden. Wenn er Google wie Google und nicht wie Gugel ausspricht, kann man sich noch daran gewöhnen. Was aber soll Kanzenungleichheit bedeuten?

Ich bekam einen Lachanfall, als ich nach Jahren herausfand, dass Kanzenungleichheit eigentlich „Chancenungleichheit“ bedeuten sollte! Das ist deshalb seltsam, weil Reed das Wort Chance korrekt wie Schonze aussprechen kann.

Ein anderes Rätsel konnte ich bisher nicht lösen, in Webseiten liest er gerne etwas, was wie Grafik Cedak klingt. Irgendwas osteuropäisches? Falls die Sprachausgabe sich auch bei E-Book-Readern durchsetzt, werden sich vermutlich sehr viel mehr Leute sich an die Nutzung dieser künstlichen Systeme gewöhnen.