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Gibt es ein Revival der Braille-Schrift?

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Heute, am 4. Januar, ist Welt-Braille-Tag. Es ist wohl dem Braille-Jahr 2012 und dem Winterloch geschuldet, dass das Thema kaum Aufmerksamkeit erfährt.
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Braille spielt heute jenseits von Nischenbereichen in Deutschland kaum eine Rolle. Vor ein paar Jahren hatte ich noch vermutet, dass Braille in Deutschland mehr oder weniger verschwinden würde.

Der Hauptgrund ist, dass die Zahl der blind geborenen Kinder und der blinden Jugendlichen stetig zurückgeht. Vor allem die Jugendlichen in den Blindenschulen lernen Blindenschrift. Auch junge Erwachsene lernen sie noch, wenden sie aber meiner Erfahrung nach kaum an. Das wiederum hat einen sehr einfachen Grund, jedes zehn Jahre alte Notebook ist weniger sperrig und laut wie eine Punktschriftmaschine. Sogar die alten mechanischen Schreibmaschinen produzieren weniger Lärm als die Blindenschriftmaschinen. Braillemaschine
Ältere Blinde lernen die Punktschrift entweder gar nicht oder nur pro Forma. Das ist aus meiner Sicht nachvollziehbar, man braucht einiges an Übung, um Braille flüssig lesen zu können und man muss auch etwas davon haben.

Ohr statt Finger?

Wofür aber brauchen wir Braille, wenn wir kostenlose Sprachausgaben, Hörbücher und iPhones haben? Meiner Ansicht nach ist Braille nach wie vor eine sinnvolle Sache. Erfahrene Leser werden mir zustimmen wenn ich sage, dass man sich auf eine andere Art in ein Buch versetzt wenn man es selber liest – mit den Augen oder den Fingern – als wenn man es hört. Ich höre sicher mehr als 100 Bücher im Jahr, die meisten so trivial, dass es mir peinlich sein sollte. Das ist sehr bequem, weil ich währenddessen auch den Abwasch machen, die Wohnung aufräumen oder meine Schuhe putzen kann. Ein selbst gelesenes Buch hingegen verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Ich kann mir zum Beispiel bei Hörbüchern nie die Namen der Charaktere oder Ortschaften merken, das mag aber auch an meinem fortgeschrittenen Alter liegen. Außerdem kann man mit Braille sehr viel besser die Orthographie selbst geschriebener Texte prüfen als mit der Sprachausgabe. Mir ist öfter aufgefallen, dass Blinde die Schreibweise neuer oder selten eingesetzter Wörter nicht kennen.

Das Problem mit Braille ist für mich persönlich, dass es kaum interessante Bücher gibt und wenn es sie doch gibt haben sie den Umfang der Enzyklopedia Britannica, die leider nicht in meinem Briefkasten passt. Außerdem lese ich so langsam, dass ich vielleicht zwei Bücher im Jahr schaffen würde. Dennoch bin ich sehr dafür, Braille wieder zu beleben, die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht.

Auf dem Weg zu günstigen Braillezeilen

Aktuell dominieren noch die teuren Braillezeilen, die irgendwo bei 5000 Euro anfangen. Es gibt aber diverse Ansätze, günstigere Braille-Displays auf den Markt zu bringen. Einen davon habe ich in einem Artikel über CrowdFunding vorgestellt. Ein Projekt aus Bristol verfolgt ebenfalls das Ziel, ein Braille-Display für 300 Dollar auf den Markt zu bringen. Die meisten Innovationen in diesem Bereich sind nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Mittelständler unerschwinglich. Vor einiger Zeit ging Hyperraille über die Newsticker, ein großflächiges Braille-Display, das aer, sollte es jemals auf den Markt kommen so viel kosten wird wie ein hochpreisiger Sportwagen. Aber die meisten Innovationen in diesem Bereich erreichen ohnehin nie die Marktreife.
Braillezeile
Es ist außerdem sehr positiv zu bewerten, dass kostenlose Screenreader wie Orca, NVDA und VoiceOver mittlerweile eine ganze Reihe von Braillezeilen unterstützen. Windows 8 hat mit dem Narrator mittlerweile auch einen Screenreader integriert, der aber meines Wissens nach bisher keine Braille-Unterstützung hat. Zumindest die älteren Braillezeilen sind auch was die Kompatiblität angeht eine reine Katastrophe, weil jeder Hersteller sein eigenes Treiber-Süppchen kocht. Auch deshalb sind Braillezeilen mit offener Software ein Muss.

Günstige Screenreader und Displays sind der Schlüssel zu mehr Braille und eröffnen insbesondere Menschen in armen Ländern neue Perspektiven. Dort ist die Blindheit noch wesentlich stärker verbreitet als in Deutschland.

Fehlt nur noch die Bereitschaft, Braille zu lernen. Das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Meinerzeit habe ich es wahrscheinlich nur gelernt, weil in meiner Jugend kaum jemand wusste, was ein Personalcomputer war. Die Vorteile habe ich oben schon aufgezählt, Braille macht einen Text buchstäblich haptisch erfassbar. Man kann auch ohne leben, aber was hat man dann als Blinder eigentlich den Sehenden voraus? Die Gehörlosen haben ihre auf der Gebärdensprache basierende Gehörlosenkultur, aber was haben wir eigentlich? Projekte wie Street Art mit Braille zeigen, das in Braille noch sehr viel Potential steckt.

Can touch this – die Hand als Augenersatz

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Ist man eine bestimmte Zeit lang blind oder stark sehbehindert gewesen, kommt man gar nicht mehr auf die Idee, sich einen kleinen Gegenstand anzuschauen, um ihn zu erkennen. Sehende sind dann immer überrascht, es dauert eine Weile, bis sie verstehen, dass es für einen Blinden keinen Sinn macht, eine Sache mit den Augen zu betrachten. Für uns ist es hingegen ganz natürlich, eine Tasche oder einen Karton mit den Händen zu durchwühlen und mit den Augen ganz wo anders hinzugucken.

Um etwa Kabel zu identifizieren, tastet man die Stecker ab. Wie schon öfter erwähnt habe, vefügen Blinde nicht über bessere Sinnesorgane, sondern haben gelernt, ihre verbliebenen Sinne effizienter einzusetzen.

Zwar gibt es Leute, die außergewöhnliche Sinne haben: Prinzipiell kann aber jeder Mensch lernen, seine Sinne vernünftig zu trainieren. Ein Parfümeur etwa verfügt wahrscheinlich schon ohnehin über einen guten Geruchsinn, weshalb er sich für seinen Beruf entschieden hat. Dennoch ist er gezwungen, seinen Geruchsinn zu trainieren, zu verfeinern und weiter zu entwickeln. Ein Toningenieur mag von Jugend an ein oder mehrere Instrumente gespielt haben. Es hat deswegen ein besonderes Gehör entwickelt, dass er durch seine Tätigkeit zwangsläufig trainiert, also sowohl durch das Musizieren als auch durch die Arbeit im Tonstudio.

Ein Blinder arbeitet in der Regel mit allen Sinnen. Der Tastsinn wird besonders dadurch gefördert, dass er die Brailleschrift erlernt, wodurch die Finger besonders trainiert werden. Möchte ein Blinder eine Straße überqueren, muss er feststellen können, ob ein Auto kommt, aus welcher Richtung es kommt und ob es abbremsen wird. Sucht er ein bestimmtes Geschäft, kann er etwa eine Bäckerei am Geruch identifizieren.

Hilfstechnik

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Eine sehr kleine Einführung.

Die wichigste Software für den Blinden ist die Sprachausgabe. Sie basiert in der Regel auf Phonemen, das heisst auf Lauten, die synthetisch oder durch natürliche Sprecher aufgezeichnet worden und dann in Echtzeit aneinadergereiht werden. Das klingt dann so ähnlich wie menschliche Sprache, wobei der Unterschied noch immer eklatant ist. Es klingt ein wenig nach Roboter, wobei sich schon einiges getan hat. Die Software kann mittlerweile richtig betonen, wenn sie sich an Satzzeichen orientiert. Es treten aber manchmal kuriose Aussprachefehler auf, wo man sich fragt, was dieses Wort eigentlich bedeuten soll. ViaVoice sagt z. B. gerne Kanzenungleichheit. Und meint Chancenungleichheit. Das Wort Chance kann es aber korrekt – sprich französisch Schonze aussprechen.

Die Sprachausgabe erhält ihre Informationen über den Screenreader, dieser ist also die Schnittstelle zwischen Computersoftware und Sprachausgabe. Der Screenreader liest die Fenster-Informationen aus. Er kann aber praktisch nur Text und bezeichnete Graphiken erkennen. Bilder analysieren kann er nicht, erst recht keine Videos oder Animationen.

Der Screenreader dint auch als Schnittstelle zur Braillezeile. Die Braillezeile ist die Ausgabe für die Braille- oder Punktschrift.
Daneben gibt es diverse Zoomsoftware, die Ausschnitte eines Bildschirms vergößern kann.
Diese Software kann man übrigens kostenlos testen. Die bekanntesten Produkte sind Jaws und Zoomtext, jeweils in Demos erhältlich. Jaws ist zumindest für Sehende kaum zu bedienen, diese Software gehört zu den wenigen Programmen überhaupt, die von Blinden logischerweise besser bedient werden können, da sie vollständig tastaturgesteuert ist.
Bleibt noch zu sagen, dass Soft- und Hardware extrem teuer sind.