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Sind Bücher dank des Internet überflüssig?

Die kurze Antwort heißt jein. Um sich grundlegend in ein Thema einzuarbeiten, ist ein Buch oftmals besser. Mittels eines Buches kann man sich ein solides Grundwissen aneignen. Das ist vor allem im Studium wichtig, wo hartes Faktenwissen immer noch und bis auf Weiteres die Basis ist, um sinnvoll weitermachen zu können.

In anderen Bereichen hingegen erscheinen Bücher heute fast vollkommen überflüssig. Das ist vor allem der Bereich rund um Computer und Medien. Nehmen wir das Beispiel Photoshop. Hier sind die Bücher recht teuer, da sie zumeist Fotos enthalten und in entsprechender Qualität gedruckt werden müssen. Da Adobe aber gut alle 1,5 Jahre eine neue Version von Photoshop auf den Markt wirft, ist jedes Buch nach 1,5, spätestens aber nach drei jahren veraltet. Es wäre also sinnvoller, sich einen Basislernkurs für die Fotobearbeitung zuzulegen. Denn die Kernbegriffe ändern sich ja nicht oder kaum. Zudem ist das Buch universeller einsetzbar, ob Photoshop, Paintshop oder Gimp, die Tonwertkorrektur bleibt die Tonwertkorrektur und zwar im Jahr 2000 ebenso wie im Jahr 2010.

Bleiben wir bei Photoshop: Ist ein Buch hier überhaupt sinnvoll oder sollte es nicht eher ein Videotutorial sein? Oder eine Bildschirmaufzeichnung mit Kommentaren? Das spielt auch fast keine Rolle, denn hat man einmal die Basics gelernt, helfen einem Youtube, unzählige Tutorials und Foren weiter, wo alle denkbaren Probleme tausend Mal gelöst wurden.

Ich will hier mal die ungewöhnliche Unterscheidung zwischen Spaß- und Pflicht-Literatur machen. Die Spaßliteratur ist oft schon kurz nach Erscheinen günstig zu haben. Ältere Belletristik läßt sich kistenweise zu Spotpreisen aufkaufen. Daneben steht die Fachliteratur, die weit über 30 Euro kostet und selten gebraucht unter diesen Betrag fällt. Entscheidend ist , entweder sind die Bücher aktuell oder sie sind es nicht. Niemand wird heute noch 30 Euro für ein Buch über WordPress 2.x kaufen, weil diese Version veraltet ist. Das gilt auch für viele Bereiche der Wissenschaft.

Nun sind wir aber heute gezwungen, uns wissenstechnisch auf dem neuesten Stand zu halten. Ein Mensch, er im Medienbereich arbeitet und dessen Wissen über das Internet auf dem Stand von 2000 ist, hat kaum noch große Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Hier helfen uns Weblogs, Podcasts und diverse kostenlose Publikationen. Mit Google Scholar oder Metager kann man gezielt nach wissenschaftlichen Publikationen suchen. Mit dem Attribut filetype:pdf kann man bei Google in Kombination mit den entsprechenden Suchbegriffen nach PDF-Dateien suchen, die häufig kompakte, gut aufbereitete Informationen enthalten. Wer des Englischen mächtig ist, stößt auf praktisch unendliche Quellen in beliebigem Format. Auf SlideShare werden in der Regel professionell aufbereitete Präsentationen bereit gestellt.

Nicht zuletzt haben sich im Web tausende von Expertenforen herausgebildet, wo meistens schnell und kompetent auch auf sehr spezifische Fragen geantwortet wird. Das professionelle Nachschlagewerk entfällt deshalb häufig.

Bücher hingegen bleiben teuer und veralten schnell. Für einen Freelancer ist es einfach illusorisch, sich auch nur die wichtigsten Werke zu seinen Fachgebieten ins Regal zu stellen. Denn je spezifischer oder tiefgreifender ein Buch ist, desto teurer ist es im Allgemeinen. Außerdem: jeder von uns kennt den seltsamen Effekt, wenn man gerade ein Buch braucht, ist es ausgeliehen oder spurlos verschwunden.

Ich will gar nicht bestreiten, dass diese Fachbücher nicht zu Spottpreisen auf den Markt geworfen werden können. Je spezifischer der Inhalt und je kleiner die Zielgruppe, desto höher muss der Verlag den Preis ansetzen, um auf seine Kosten zu kommen. Das ändert aber nichts an unserer finanziellen Situation, die für uns solche Bücher unerschwinglich macht.

Der Ausverkauf geht nicht weiter – über die Schwierigkeiten, im Internet zu verkaufen

Meine ersten Versuche, Sachen über alternative Plattformen jenseits von Amazon und EBay zu verkaufen, sind kläglich gescheitert. Das lag sicher nicht an den Sachen, die ich verkauft habe: darunter waren immerhin drei aktuelle Hörbücher, die ich sehr günstig angeboten habe.
Ich bin auf eine Reihe zentraler Schwierigkeiten gestoßen:
– Die Plattformen ziehen nicht genug Publikum an. Bei Booklooker kann man sehen, wie oft sich jemand einen Artikel angesehen hat. Dort habe ich in zwei Monaten ähnliche Zahlen erreicht, wie ich sie bei großen Plattformen in wenigen Stunden bekommen hätte.
– Dank mangelnder Verkäufe konnte ich keine gute Reputation aufbauen. Reputation zählt sehr stark bei Verkäufen im Netz von Privat an Privat. Bei drei Bewertungen macht sich aber eine schlechte Bewertung schneller bemerkbar. Und es ist einfacher, sich schlechte als gute Bewertungen einzufangen. Leute, die unzufrieden sind, beschwerden sich tendentiell schneller als zufriedene Leute sich mit einer guten Bewertung bedanken. Dieser Effekt hat sicher einen Namen, ansonsten nenne ich ihn den Oliveira-Effekt.
– Die kleineren Plattformen bieten oft schlechtere Such- und Filterfunktionen an. Bei Booklooker oder Tauschticket gibt es keine einfache Stichworteingabe. Stattdessen gibt es zwei Felder, Autor und Titel. Bei Tauschticket muss man sogar noch zwischen den verschiedenen Kategorien wählen, bevor man irgend welche Suchergebnisse sieht.
– Die Menschen haben offenbar gerne eine dritte Partei, die das Verwalten von Gebühren und Zahlungen übernimmt.
– Es gibt ein Überangebot an Büchern, Musik und Kleinkram. Das Verkaufen wird deshalb vor allem auf Plattformen mit hohen Gebühren wie Amazon komplett uninteressant. Man darf natürlich keine großen Gewinne erwarten, wenn man Taschenbücher verkauft. Es stellt sich jedoch die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, Dinge einzustellen, zu beschreiben, zu verpacken, zu frankieren und zur Post zu bringen, wenn man am Ende 30 Cent mehr auf dem Konto hat.
Wer Spaß am Verkaufen und viel Zeit übrig hat, wird mit den bestehenden Angeboten sicher glücklich werden. Wem es nur darum geht, Platz zu schaffen, der ist mit dem örtlichen Flohmarkt besser bedient. Alternativ bieten sich BLIDAD für Bücher oder ReBuy für Bücher, Filme und Spiele als Verkaufsplattformen an.
An dieser Stelle ein Dankeschön an Blidad und ReBuy. Blidad ist sehr flott, hat nur eines meiner gut ein Dutzend Bücher ausgemustert und bezahlt eine Versandpauschale. Die gesamte Abwicklung hat nur wenige Tage gedauert. ReBuy bietet einen günstigen Versandtarif über DHL und andere Dienste + Paketverfolgung an, sie kaufen neben Büchern auch Hörbücher, Computerspiele, Filme und Musik. Sie kaufen auch Bücher für 1 – 5 Cent an, was sich aber nicht wirklich lohnt. Ab 30 Euro übernehmen sie die Versandkosten. Die Abwicklung hat etwa drei bis vier Werktage gedauert, keiner meiner Artikel wurde abgelehnt. Ich kann beide Plattformen empfehlen.

Jenseits von Amazon und EBay – alternative Verkaufsstellen im Netz

Lang, lang ist es her, dass Amazon und EBay ein Tummelplatz für Privatverkäufer und Schnäppchenjäger waren. Vor allem für Privatpersonen lohnt es sich oft nicht mehr, dort zu verkaufen. Amazons überhöhte Gebühren führen dazu, dass es unterhalb einer bestimmten Schwelle uninteressant ist, Artikel anzubieten. Leider liegen aber die meisten Bücher, DVDs und CDs unter dieser Schwelle von 10 Euro. EBay vergretzt seine Verkäufer, indem es für viele Artikel keine Versandgebühren mehr zulässt. So kommt es, dass man hier oft draufzahlt, wenn man Artikel günstig losschlagen möchte. ZVAB, wo antiquarische Bücher angeboten werden, ist doch teilweise recht überteuert und wimmelt von neuen Angeboten, wo man mit Versandkosten mehr bezahlt als im normalen Buchhandel. Regalfrei.de wäre eine interessante Alternative für Leute, die einen ganzen Schwung Bücher auf einmal losschlagen wollen. Leider machen sie nur recht niedrige Angebote auch für gute Bücher, was das Angebot eher unattraktiv macht.

Interessante Alternativen sind etwa Hood und Booklooker. Hood ist ein klassisches Auktionshaus a la E-Bay, allerdings mit besseren Konditionen. Leider ist es derzeit nicht gerade stark frequentiert, was sich hoffentlich bald ändert. Booklooker entspricht eher Amazon Marketplace, hier werden Bücher, CDs, DVDs und Spiele zum Festpreis + Versandkosten angeboten. Das Einstellen von Artikeln ist in beiden Fällen kostenlos. Hood läßt sich für Extraleistungen bezahlen, Booklooker nimmt eine Verkaufsprovision.
Ebenfalls interessant ist tauschticket.de, ein Angebot zum Tauschen von Artikeln. Hier wird nicht mit Geld bezahlt, sondern mit sogenannten Tickets. Man bietet einen Artikel an, der an den Interessenten versendet wird. Dafür erhält man ein Tauschticket, mit dem man selbst Produkte „erwerben“ kann. Geld fließt nicht, die Nutzung der Plattform ist inzwischen wohl nicht mehr kostenlos, den Versand der Produkte bezahlt der Versender.
Nebenbei bemerkt sind die meisten dieser Plattformen weit besser benutzbar als etwa EBay, was die Barrierefreiheit angeht.
Für Leute, die viele Bücher auf einmal verkaufen und nicht ewig auf Käufer warten möchten, bietet sich www.blidad.de an. Natürlich kriegt man hier weit weniger, als man bekommen würde, wenn man die Bücher einzeln verkauft. Das liegt einfach daran, dass sie die Bücher mit Gewinn weiter verkaufen müssen, um einen Gewinn zu machen. Blidad ist der Käufer der Bücher, es gibt eine Versandpauschale von maximal 7 Euro. Die Bücher sollen in einem guten Zustand sein, viele ältere Bücher werden allerdings nicht genommen. Eine Alternative ist ReBuy, ein Ableger von Trade-A-Game. Sie kaufen neben Büchern auch Computerspiele, Musik und DVDs. Sowohl Blidad als auch ReBuy scheinen besser zu bezahlen als der Libri-Ableger Regalfrei.

Dennoch kann ich von ReBuy und Blidad nur abraten, meine Erfahrungen mit den beiden Unternehmen sind schlecht. Die Mehrzahl der Bücher wird abgelehnt, so dass man die Wahl zwischen teurer Rücksendung oder Vernichtung hat. Am Ende zahlt man also doch drauf.

Wer seine Bücher nur loswerden möchte, ohne sie zu verschenken oder einen Gewinn damit zu machen kann natürlich immer noch auf eBay zurückgreifen.Genausogut kann man die Bücher aber auch bei einem Umsonst-Laden oder Oxfam-Laden vorbeibringen. Die verkaufen die Bücher weiter und finanzieren damit ihre Entwicklungsprojekte.

OpenAccess – offener Diebstahl

Rudolph Walther regt sich in einem Artikel in der taz gewaltig auf. Leider hat der gute Mann in seinem heiligen Zorn zwei Dinge wild vermischt: Die Google-Buchsuche und OpenAccess.

Die Google-Buchsuche basiert auf Büchern, die von Google eingescannt und digital zur Verfügung gestellt werden. Google hat das im Schatten von Halblegalität gemacht, sich aber mittlerweile mit amerikanischen Rechteinhabern geeinigt. Nach wie vor macht Google aber diese Bücher eben nicht frei zugänglich, wenn Urheberrecht oder Copyright bestehen. Nur gemeinfreie Bücher sind offen zugänglich. Der Rest ist lediglich für Recherche zugänglich, ähnlich wie bei Amazon stehen Ausschnitte zur Verfügung, nicht aber der Volltext.

OpenAccess hingegen ist der Zugang zu – in erster Linie – wissenschaftlichen Arbeiten. Es gibt nun gar keinen Zusammenhang zur Google-Buchsuche.

Herr Walther scheint auch kein Freund von digitalen Archiven zu sein. Zurecht verweist er darauf, dass alte Datenträger und Dateiformate nur schwer zugänglich sind.

Um so mehr müsste gerade er sich über die Google-Buchsuche freuen. Hätte Google das Kölner Stadtarchiv durchgescannt, würden wir heute zumindest digital darin stöbern können, statt sprichwörtlich in Schutt und Staub nach Überresten zu suchen.

Ein guter Teil der von Google eingescannten Bücher sind derzeit nicht lieferbar, weil sie mangels Rentabilität nicht nachgedruckt werden. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass viele dieser Titel sang- und klanglos in Vergessenheit geraten würden, wenn Google sie nicht im Web lebendig hält.

Jeder Student ärgert sich heute über geklaute, dauerausgeliehene, nicht lieferbare und nicht vorhandene Bücher in der Bibliothek. Neben mangelnder technischer Ausstattung ist der schwierige Zugang zu Fachliteratur eines der größten Probleme wissenschaftlicher Forschung.

Und die Wissenschaft ist nun das Musterbeispiel für ein Gemeingut. Es sind überwiegend Steuerzahler, welche die deutsche Wissenschaft finanzieren.

Wer sich für die Problematik interessiert, mag sich zwei Bücher der Bundeszentrale für politische Bildung herunterladen:

Urheberrecht im Alltag, unter anderem herausgegeben von Volker Grassmuck
Wissen und Eigentum, herausgegeben von Jeanette Hofmann, die Texte dieses Buches stehen unter Creative Commons License