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Appell gegen Google Buchsuche veröffentlicht

Eine Reihe deutschsprachiger Wissenschaftler und Publizisten veröffentlichen einen Appell an die Regierungen, gegen die Google-Buchsuche vorzugehen. Unterstützt wird der Appell unter anderem vom Zeitherausgeber Michael Naumann oder von dem Schriftsteller Daniel Kehlmann. Ich bin auf die Kritik hier bereits eingegangen.

Ich bin gestern bei einer Recherche ganz zufällig auf die Google-Buchsuche gestoßen und muß sagen, dass sie verdammt praktisch ist, um wissenschaftliche Literatur zu finden.

Google ist hier in eine Lücke gestoßen, die offensichtlich bestanden hat und welche von europäischen Kulturschaffenden bisher gar nicht gefüllt wurde – oder wird. Auf Europa zu warten ist wie warten auf den Messias.

Man muss nochmals darauf hinweisen, dass Google die Bücher eben nicht kostenlos anbietet, im Gegenteil, neben dem Buch werden Links angeboten, über die man von Dritten die Bücher erwerben kann.

Die Kritik basiert auf dem deutschen Urheberrecht, welches oft mit dem angloamerikanischen Copyright verwechselt wird. Das ist im übrigen kein Wunder, im deutschen Buch steht schließlich auch Copyright und eben nicht Urheberrecht.

Nach deutschem Urheberrecht bleibt das geistige Eigentum am eigenen Werk immer beim Autor. Er kann nur einzelne Rechte wie die Veröffentlichung oder weitere Verwendung an Dritte abgeben.

Im angloamerikanischen Raum hingegen kann man das Recht zur Veröffentlichung und weiteren Verwendung vollständig an Dritte abgeben.

Die Kritik zielt also darauf ab, dass man Google ausdrücklich das Recht einräumen müsste, die entsprechenden Titel einzuscannen und Versionen davon online zur Verfügung zu stellen.

Allerdings fällt die Kritik auf die Kritiker zurück. Warum melden sie sich jetzt und haben nicht vor fünf Jahren bereits auf ihre Rechte gepocht? Warum bieten sie keine brauchbare Alternative zur Google-Buchsuche an? Warum lebt Deutschland in der digitalen Steinzeit, warum muss man die aufwendige Fernleihe in der Bibliothek anzapfen und wochenlang auf wissenschaftliche Titel warten? Warum glaubt man, Bücher müssten als dicke Schwarten in dunklen Bücherregalen verstauben, der Zugang müsse möglichst aufwendig sein und digitale Bücher seien der Tod der deutschen Buch- und Wissensskultur?

Für blinde und sehbehinderte Menschen sind viele Bücher praktisch gar nicht zugänglich. Es gibt rund 50 000 nicht-kommerzielle Hörbücher, die von den Hörbüchereien zur Verfügung gestellt werden. Daneben gibt es eine kurze Zahl kommerzieller Hörbücher, die sich jeder kaufen kann. Dennoch ist das nur ein Bruchteil der tatsächlich verfügbaren Bücher. Hochproblematisch wird es, wenn man wissenschaftliche Literatur haben möchte.

Wenn man die Bücher dann doch irgendwie bekommt, ist es sehr aufwendig, sie zu lesen. Entweder muss sie eingescannt oder aufgelesen werden. Beides ist zeit- und kostenaufwendig.

Edit: Auf netzpolitik.org wird berichtet, der Heidelberger Literaturprofessor Roland Reuß sei wohl der Initiator der Google-Buchsuche-Kritik. Vermutlich hat er Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ gelesen.

OpenAccess – offener Diebstahl

Rudolph Walther regt sich in einem Artikel in der taz gewaltig auf. Leider hat der gute Mann in seinem heiligen Zorn zwei Dinge wild vermischt: Die Google-Buchsuche und OpenAccess.

Die Google-Buchsuche basiert auf Büchern, die von Google eingescannt und digital zur Verfügung gestellt werden. Google hat das im Schatten von Halblegalität gemacht, sich aber mittlerweile mit amerikanischen Rechteinhabern geeinigt. Nach wie vor macht Google aber diese Bücher eben nicht frei zugänglich, wenn Urheberrecht oder Copyright bestehen. Nur gemeinfreie Bücher sind offen zugänglich. Der Rest ist lediglich für Recherche zugänglich, ähnlich wie bei Amazon stehen Ausschnitte zur Verfügung, nicht aber der Volltext.

OpenAccess hingegen ist der Zugang zu – in erster Linie – wissenschaftlichen Arbeiten. Es gibt nun gar keinen Zusammenhang zur Google-Buchsuche.

Herr Walther scheint auch kein Freund von digitalen Archiven zu sein. Zurecht verweist er darauf, dass alte Datenträger und Dateiformate nur schwer zugänglich sind.

Um so mehr müsste gerade er sich über die Google-Buchsuche freuen. Hätte Google das Kölner Stadtarchiv durchgescannt, würden wir heute zumindest digital darin stöbern können, statt sprichwörtlich in Schutt und Staub nach Überresten zu suchen.

Ein guter Teil der von Google eingescannten Bücher sind derzeit nicht lieferbar, weil sie mangels Rentabilität nicht nachgedruckt werden. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass viele dieser Titel sang- und klanglos in Vergessenheit geraten würden, wenn Google sie nicht im Web lebendig hält.

Jeder Student ärgert sich heute über geklaute, dauerausgeliehene, nicht lieferbare und nicht vorhandene Bücher in der Bibliothek. Neben mangelnder technischer Ausstattung ist der schwierige Zugang zu Fachliteratur eines der größten Probleme wissenschaftlicher Forschung.

Und die Wissenschaft ist nun das Musterbeispiel für ein Gemeingut. Es sind überwiegend Steuerzahler, welche die deutsche Wissenschaft finanzieren.

Wer sich für die Problematik interessiert, mag sich zwei Bücher der Bundeszentrale für politische Bildung herunterladen:

Urheberrecht im Alltag, unter anderem herausgegeben von Volker Grassmuck
Wissen und Eigentum, herausgegeben von Jeanette Hofmann, die Texte dieses Buches stehen unter Creative Commons License