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Wiedergeboren – der Fanatismus der Neubekehrten

Es ist ein allgemeines Phänomen: Wann immer jemand zu einer neuen Haltung bekehrt wird, ist er fanatischer als jene, die länger dabei sind: Sei es Religion, politische Einstellung oder Hobby.

Woran liegt das eigentlich? Es ist vermutlich der Glaube, eine Art Wiedergeburt erlebt zu haben. Man glaubt sich im Besitz unglaublicher Weisheiten, die man an alle weitergeben muss.

So sind wiedergeborene Christen sehr oft fanatischer und missionarischer als ihre Glaubensbrüder, die schon länger dabei sind. Vielleicht spüren sie auch einen – echten oder eingebildeten – Druck, ihre Glaubensfestigkeit den Anderen und sich selbst zu beweisen.
Junge Mäner mit muslimischen Wurzeln entdecken ihren Glauben wieder und fangen an, den liberalen Lebensstil aktiv abzulehnen, den sie selbst zuvor gelebt haben. Junge muslimische Terroristen sind oft solche jüngst Wiederbekehrten.
Ehemalige Fleischesser mutieren zu vegetarischen Missionaren, ehemalige Vegetarier hingegen bekämpfen fanatisch den grassierenden Vegetarismus.
Die schlimmsten Nichtraucher sind die ehemaligen Raucher. Das hat auch damit zu tun, dass sie durch andere Raucher an ihre Sucht erinnert werden. Der Nikotinentzug macht diese Personen zudem recht hibbelig.

Wenn man in einer größeren Stadt durch eine Fußgängerzone geht, trifft man oft christliche Missionare, meistens aus einer christlichen Sekte wie den Mormonen. Das sind oft junge Leute, die frisch bekehrt wurden.

Horst Mahler, der ehemalige RAF-Anwalt und Terrorist drehte eine Piruette von links nach rechts, bekennt sich heute zum Antisemitismus und zur Deutschigkeit.

Natürlich können auch viele Menschen fanatisch sein, die schon länger bei einer Gruppe dabei sind. Der Fanatismus der Neubekehrten ist aber etwas ganz Besonderes.

Abschließend muss man aber festhalten: Das einzige, was nerviger ist als Leute, die Einem ungefragt ihre Weltanschauung auseinandersetzen sind Leute, die von Einem erwarten, man möge seine Weltanschauung haarklein erklären, um dann ihre eigene Weltanschauung erklären und verteidigen zu müssen.

Wenn mir Fleisch angeboten ist, sage ich nur: „Ich bin Vegetarier“, doch recht wertneutral, nur als Erklärung, warum ich das Fleisch nicht annehmen kann. Daß der Fleischesser mir dann unbedingt erklären, wie nahrhaft und wichtig Fleisch für die Ernährung sei, verlangt mir dabei die meiste Geduld ab.