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Die Apfel-Strategie

Apple war lange Zeit ein Nischenanbieter auf dem Markt für Personalcomputer. Ein Kuriosum in der Geschichte ist wohl, dass Apple eine kleine, aber stabile Fangemeinde hat, während der große Konkurrent Microsoft zwar massenhaft Anwender, aber kaum Freunde hat. Im ZD-Net erschien ein Beitrag, der unter anderem Apples Fangemeinde unter die Lupe nimmt:

Nun zum vierten Lehrsatz – Menschen zu formen und sie zu konstruktiven Aktionen zu mobilisieren. Ja, Apple-Jünger wurden effektiv mobilisiert und dienen brav den Gedanken des iJuche. Alle Kritik wird kategorisch verworfen und als unqualifiziert abgetan.

Quelle
ZDNET fragt an anderer Stelle, ob Apple-Jünger am Stockholmsyndrom leiden.
Vor einigen Jahren war Microsoft noch das, was Google heute ist: ein passables Feindbild, ein Quasi-Monopolist, ein Datensammler mit einem sehr schlechtem Ruf.
Apple hat es wieder Erwarten geschafft, den Markt für MP3-Player und Mobiltelefone aufzurollen. Weniger in dem Sinne, dass Apple zum Marktführer geworden wäre, sondern dadurch, dass seine Produkte zum Maßstab geworden sind, an dem man die Qualität eines Produkts misst.
Was Design und Bedienbarkeit angeht, sind Apple-Produkte bisher ungeschlagen. Zwar gab es schon zuvor berührungsgesteuerte Oberflächen, aber erst mit dem angepassten Betriebssystem und der intuitiven Gestensteuerung sowie dem Multitouch ist diese Oberfläche überhaupt interessant geworden.
Zugleich hat es Apple geschafft, eine Fangemeinde für seine Produkte aufzubauen, was nun wirklich kein Hersteller von Computern, Software, Mobiltelefonen und MP3-Spielern geschafft hat. Die Ausnahme ist Linux, wo die Gemeinde wegen der vielen Distributionen aber stark zersplittert ist.
Diesem Umstand ist es zu danken, dass Apples Marketing-Strategie so hervorragend funktioniert und so wohl von keinem anderen Unternehmen möglich wäre. Durch gezielte Indiskretionen werden „Geheimnisse“ an große Multiplikatoren wie Journalisten oder bekannte Blogger weiter gegeben. Zugleich entwickeln sich in den großen Communities Spekulationen über angebliche neue Funktionen, Geräte oder Betriebssystem-Versionen. Da Apple diese Gerüchte nicht persönlich durch seine Marketing- oder PR-Abteilung bekannt gibt, muss es sie auch nicht dementieren. Große Computermagazine wie Heise oder Golem in Deutschland greifen diese Gerüchte ebenso gerne auf wie die Printmedien, in den Foren finden heiße und hitzige Debatten statt, der obligatorische Kommentar, dass Apple überbewertet sei und man doch über andere Dinge berichten möge, darf ebenfalls nicht fehlen. Wenn der Begriff „virales Marketing“ nicht so ausgelutscht wäre, würde er hier hervorragend passen. Apple spielt auf der Klaviatur der Medien und des Web 2.0 wie auf einem Mac.
Die Apple-Events werden groß inszeniert, der begabte Rhetoriker und Apple-Übervater Steve Jobs präsentiert die Produkte in einer großen Live-Show. Wichtige Persönlichkeiten werden exklusiv eingeladen, um die Geräte in die Hand zu nehmen, bevor sie ein Normalsterblicher überhaupt zu Gesicht bekommt.
Doch was will Apple eigentlich? Es erscheint mit dem Tablett relativ klar zu sein: Apple möchte den mobilen Konsum von Medien managen. Da ist der iPod zum Musik-Hören und Videos schauen, das iPhone, welches solche Inhalte empfangen und versenden kann und der große Bruder, das Tablett, das vor allem Videos zugänglicher macht, aber auch Bücher, Magazine, Zeitungen und andere „Print“-Produkte zugänglich machen soll. Das Problem der E-Reader mit E-Ink, dass sie für Magazine oder farbige Graphiken ungeeignet sind, hätte sich mit dem IPad erledigt.
Zugleich soll das iPad die Netbooks verdrängen und wird parallel der kleine – weil billigere – Bruder des iPhones. Außer Telefonieren kann man schließlich alles mit dem iPad erledigen, was das iPhone für mehr Geld auszeichnen soll.
Niemand weiß genau, wie viel Geld Apple in Marketing und PR steckt und es ist sicher mehr, als man glaubt: eine solche Kampagne muss genau geplant und überwacht werden. Wenn die Community einmal allzu sehr über die Stränge schlägt, ist auch mal ein Dementi fällig.
Dennoch dürfte Apple mit geringem Einsatz den größten Hype ausgelöst haben, den es in letzter Zeit überhaupt um irgend ein Produkt gegeben hat. Selbst Windows 7 und Google Wave scheinen nicht so spannend gewesen zu sein. Ob das Gerät ein Erfolg werden wird, bleibt abzuwarten. Hinterher könnte es sich als Fehler herausstellen, dass man das Gerät zwei Monate vor der Markteinführung vorgestellt hat, bis zur Markteinführung könnte es sich ausgehypt haben.

Leserbindung durch Communitybuilding

Die meisten Zeitungen haben heute Anhängsel im Internet. Nun ja, vielleicht sind die Printprodukte nun Anhängsel des Webauftritts. Zumindest ist die Zeit vorbei, wo man seine Artikel einfach nur online gestellt hat, als ob das Web aus Texten bestehe.

Was tatsächlich fehlt, ist eine Leserbindung im Web. Die Zeitungen haben es relativ verschlafen, hier frühzeitig anzufangen. Dabei gibt es gute Vorbilder, in Deutschland etwa das Online-Magazin Telepolis. Hier ist an jeden Artikel ein Forum drangehängt, welches nicht immer zu lesen lohnt. Allerdings stehen da gelegentlich auch intelligente Kommentare drin, manche User sind schon seit vielen Jahren dabei und haben mehr Kommentare bei TP hinterlassen als irgend einem anderen Medium.

Geradezu schlabbrig wirken da die angehängten Foren bei welt.de oder taz. Beide haben – und da sind sie in der Online-Zeitungslandschaft keine Ausnahme – kein Management ihrer Community. Die Beiträge werden absteigend hintereinander angezeigt. Spam soll durch Captchas ausgebremst werden, doch das, was durch die Filter kommt, ist qualitativ auch nicht wesentlich besser.

Welt online wimmelt somit von Kommentaren, durch die man sich durchblättern mag – aber wer tut das? Bei der taz hingegen sind Kommentare relativ rar gesät.

Wie das Beispiel Telepolis aber zeigt, ermöglichen Communities eine Leserbindung. In Communties können sich wie im Social Web üblich, Beziehungen entwickeln. Man lernt sich kennen, diskutiert regelmäßig miteinander, freut sich, wenn man sich wieder trifft. Wie im wahren Leben.

Communities sind also nicht nur aufwendige Zeitverschwendung, sie sind praktisch der einzige Weg, die Bindung der Leser zu erhöhen und zu sichern.

Social Web – Community 2.0

Die Community war einst die Dorfgemeinschaft. Jeder kannte jeden. Die Idylle auf der einen Seite – jeder half jedem – warf Schatten auf der anderen Seite – die Kontrolle war total.
Im Internet entstehen neue Communities. So mancher entdeckt seine Nachbarn erst im Local Web im Internet.
Die Blogger vernetzen  sich. Obwohl sie sehr oft verschiedensten Themen nachgehen, fühlen sie sich oft als Gemeinschaft. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Nachbar ist oder 10.000 km voneinander entfernt lebt – sofern natürlich eine gemeinsame Sprache findet.
Das Web verbindet uns über sämtliche Grenzen hinweg, weil es hier keine Rolle spielt, ob man schwarz, weiß, gesund, behindert, alt oder jung ist. Es ist lediglich erforderlich, einen Zugang zu haben und einen Computer bedienen zu können.
Zugleich sind Bezeihungen im Web brüchiger. Es ist leichter, jemanden zu vergessen. Konflikte müssen nicht geklärt werden, man kann den Anderen einfach aus dem eigenen Surfbereich löschen und dann ist er praktisch nicht mehr existent.