Schlagwort-Archive: eBooks

Fundsachen Behinderung und Technik – digitale Bücher bald barrierefrei?

Adobe Digital Editions ist ein Programm zum Lesen elektronischer Bücher. Es ist aber vor allem ein Programm für das Digital Rights Management – ein Euphemismus für die Gängelung von Kunden. Bei den meisten Shops für eBooks muss ADE installiert sein, um auf das Angebot zugreifen und die Bücher nutzen zu können oder sie auf einen eBook-Reader zu überspielen. ADE soll jetzt einen Schritt Richtung Barrierefreiheit gemacht haben. Blinde haben viel Spaß mit Adobe-Programmen wie dem Acrobat Reader, so dass Zweifel durchaus angebracht sind.

Im DRadio gibt es eine Reportage dazu, wie Blinde im Web surfen. Irgendwie scheint das gerade im Mode zu sein. Die gehörlose Bloggerkollegin Julia Probst hat auf Zeit-Online ein ein Interview zu Barrieren für Gehörlose im Netz gegeben.

Über Kinect berichte ich ja öfter. Bei Winfuture gibt es einen Artikel zu Kindern mit Behinderung, die mit der Kinect Spielen können. Vor allem bei Kinderlähmung oder Autismus bewirkt die Kinect demnach positives.

Off Topic

Germany is so barrierefrei – Spiegelbericht zum Auslandsstudium mit Behinderung

Betroffenheit ist kein Handicap – der blinde Journalist Kaiman Dahesch kritisiert die Ernennung eines Behindertenbeauftragten in BaWü ohne Einbeziehung Betroffener

Behindertenverbände blockieren Inklusion zu ihrem eigenen Vorteil – kritischer Kommentar in der taz

MyHandicap über eine Initiative zur Aufbereitung alter PCs für Menschen mit Behinderung.

Fundsachen Behinderung und Technik – eBooks für Blinde und künstliche Muskeln

Blinde und Sehbehinderte sollen besseren Zugang zu barrierefreien eBooks bekommen. Das BKB berichtet darüber, dass die Blindenbibliothek in Leipzig mit dem amerikanischen Projekt Bookshare kooperiert und damit den Zugang zu 29.000 eBooks ermöglicht. Ich sehe das nach wie vor kritisch, weil wie im BKB-Artikel auch gesagt Lernbehinderten und Leseschwachen der Zugang zu eBooks verwehrt bleiben soll.

Bei MyHandicap gibt es einen Bericht zur MS Wissenschaft. Dabei handelt es sich um eine Forschungsausstellung auf einem Schiff. In dieser Ausstellung werden Technologien gezeigt, die für Behinderte interessant sein können wie zum Beispiel Gedankensteuerung. Interessierte können das vor Ort ausprobieren.

Im DeutschlandRadio gibt es ein Feature zur Tiefenhirnstimulation, leider nur als PDF und im “barrierefreien Textformat”, Audio wäre hier interessanter gewesen.

Golem berichtet über eine Technik, taktiles Feedback über einen Touchscreen zu erhalten. Die technik heißt Vivitouch von Artificial Muscle. Das könnte auch für Blinde interessant sein. iPhone und iPad bieten ja bereits Audio-Feedback, so dass für Blinde auch der Aufbau einer Website erschließbar ist. Wenn ich mir das richtig vorstelle, könnte so ein Gerät ein billiger Ersatz für Großflächen-Braille-Displays sein, die sich ohnehin kein normaler Mensch leisten kann.

Off Topic

Der EU-Abgeordnete Adam Kosa hat einen Bericht zur Situation Behinderter in Europa geschrieben, dazu gibt es ein Interview.

Und noch mal das DeutschlandRadio: sie haben einen lesenswerten Beitrag zu Assistenzen für Behinderte veröffentlicht. Zu diesem Beitrag gibts auch ein Audio-File.

Access-News vom 21. Juli 2010 – Internet-Pamphlete ignorieren Menschen mit Behinderung

Amazon verkauft in den USA mittlerweile mehr eBooks als gedruckte Hardcover. Im Preiskampf mit den Konkurrenten auf dem Markt für eBook-Reader und dem iPad wurden die Preise für die Geräte teils drastisch gesenkt. Außerhalb der USA hingegen schlummert der Markt für Lesegeräte und eBooks vor sich hin. Es fehlt das Angebot an aktuellen Büchern, was die noch recht teuren und unflexiblen Lesegeräte unattraktiv macht. Das ist bedauerlich, weil durch die Digitalisierung Menschen mit Behinderung wesentlich mehr Bücher in einer nutzbaren Form vorliegen könnten. Wahrscheinlich geht es dem deutschen Buchhandel noch zu gut. Andererseits ist das vielleicht nicht so schlimm, solange sich das Chaos um Formate und unterschiedliche Digital Rights Management-Ansätze noch nicht gelichtet hat. Vor allem Sehbehinderte könnten auch mit dem geringen Kontrast der aktuellen E-Book-Reader Probleme haben.

Der Chaos Computer Club veröffentlicht elf Thesen zum lebenswerten Web. Das Thema Zugänglichkeit haben sie aber vergessen. Websites und Dienstleistungen sollen so gestaltet sein, dass sie von möglichst vielen Menschen genutzt werden können, unabhängig von ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung oder ihrer technischen Ausstattung. Das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Personen, denen eine geringe Bandbreite oder veraltete Hardware zur Verfügung steht. Offenbar kann sich der CCC auch nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die nicht mit dem Internet ohne Weiteres zurecht kommen und denen das barrierefreie Web ebenfalls zugute kommt. Das sind vor allem ältere Menschen.

Update: Auch die Thesen der Piratenpartei liegen nun vor. Hier eine brillante Formulierung daraus:

Wer sich aus finanziellen Gründen keinen Netzzugang leisten kann, ist in der Informationsgesellschaft ein Obdachloser. Wem die Fähigkeiten
fehlen, sich im Netz zu bewegen, ist in der neuen Welt ein Behinderter, dem Hilfe zuteil werden muss.

Ich bin mal so frei, das auf die sprachliche Inkompetenz der Formulierenden zurückzuführen, andernfalls wäre das eine Beleidigung für Menschen mit Behinderung, von denen viele sich besser im Netz bewegen können und für die sich das Web nicht auf Facebook und YouTube beschränkt wie für viele andere Netzbewohner. Und nein, das Thema Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit kommt in den zehn Geboten der Piraten nicht vor.