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Die Personalie Nikolaus Brender oder wie die Politik in die Medien eingreifen möchte

Es kommt selten vor, aber man muss Roland Koch doch einmal danken: Er wirft ein Schlaglicht auf das Verhältnis von Politik und Medien und über die brachialen Methoden, mit denen in einer Demokratie in ein Medium eingegriffen wird.

Nikolaus Brender ist seit dem Jahr 2000 Chefredakteur des ZDF, 2010 möchte er wieder gewählt werden. Dazu muss man ein wenig über das öffentlich-rechtliche Organisationsprinzip wissen.

Die wichtigste Person in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind die Intendanten. Die Intendanten werden vom Rundfunkrat gewählt. Der Rundfunkrat repräsentiert verschiedene Gruppen der Gesellschaft und ist für die Programmkontrolle verantwortlich. In ihm istzen etwa Mitglieder von Religionsgruppen, Gewerkschaften und viele mehr.Im ZDF heißt der Rundfunkrat Fernsehrat. Der Fernsehrat entsendet auch die Mehrheit der Mitglieder in den Verwaltungsrat.

Der Verwaltungsrat beschließt den Haushalt und setzt sich aus 14 Mitgliedern zusammen. Darunter sitzen auch hohe Funktionäre deutscher Parteien – naja, es sind nur zwei große Parteien, die dorthin Mitglieder entsenden. Kurt Beck, Roland Koch, Peter Müller, Edmund Stoiber und Kulturstaatsminister Bernd Neumann sind Mitglieder des Fernsehrates des ZDF. Kurt Beck ist der Präsident, Roland Koch sein Stellvertreter im Verwaltungsrat.

Auch im Fernsehrat sitzen unter den 77 Mitgliedern Vertreter der Regierung, der Länder und Kommunen. Das Fehlen muslimischer Vertreter hatte vor einiger Zeit gewisse Diskussionen ausgelöst.

Roland Koch ist sicher nicht der erste, der so offen versuchte, in die Medienpolitik einzugreifen. Ihre Stellung innerhalb der Senderanstalten scheint sie vergessen zu lassen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender nicht die Hofpoeten von Fernseh- und Verwaltungsrat sind. Nikolaus Brender ist ein unbequemer Geist und hat sich mit Kritik an den Politikern nicht zurückgehalten.

Normalerweise bleiben solche Dinge unter der Decke. Die Regeln der Politik sind im Großen wie im Kleinen recht ähnlich: Der Sturz ungeliebter Persönchen wird nicht in großen Gremien diskutiert, sondern auf dem Flur, zwischen den Türen, am geschlossenen Stammtisch, wo man seine Nezwerke pflegt und Vereinbarungen trifft. Wir dürfen daher Herrn Koch nochmals herzlich danken, dass er das so bekannt gemacht hat.

Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen:

Der Staatsvertrag des ZDF gibt dem Verwaltungsrat ganz bewusst und eigentlich nur die Aufgabe, im Einvernehmen mit dem Intendanten Personalentscheidungen zu treffen. Das kann nicht in einer Weise geschehen, in der es zu einer Veranstaltung einiger Mitarbeiter wird. Die Unterschriften machen mich tatsächlich in doppelter Hinsicht besorgt.

Koch meint also, der faktische Umstand, dass der Verwaltungsrat die Entscheidungskompetenz hat, sei ausreichend, diese Personalie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.Warum?

Weil es, wenn solche Diskussionen über Personen auf dem öffentlichen Markt ausgetragen werden, nicht dem Sender dient und am Ende nur Irritationen übrig bleiben. Aber wir scheuen, wie Sie sehen, auch eine öffentliche Debatte nicht. Wir haben gute Argumente für unser Verhalten und werden unsere Verantwortung für das ZDF wahrnehmen. (ebenda)

Nun, die Öffentlichkeit ist tatsächlich irritiert. Das Dilemma der Öffentlich-Rechtlichen besteht immer im Lavieren zwischen Qualität und Quote. Wenn die Quote zu gering ist – Kochs Hauptkritik – sollen die Sender volksnäher werden. Wenn die Quote hoch ist, wird die Qualität kritisiert.

Wenn aber Kurt Beck Roland Koch parteipolitisches Taktieren vorwirft, wird das Ganze ein wenig absurd. SPD und CDU versuchen tatsächlich, eine Art Gleichgewicht des Schreckens zu etablieren, indem sie entscheidende Posten paritätisch mit SPD und CDU-nahen Leuten besetzen.

Ein ähnlicher Fall ereigenete sich vor fast genau einem jahr: Damals wollte die SPD den Juristen Horst Dreier ans Bundesverfassungsgericht berufen. Die CDU lehnte ihn wegen bestimmter Einstellungen ab. Nur wenige haben bemerkt, dass hier ein Organ – die dritte Gewalt, die Judikative – unter der Ägide zweier großer Parteien steht, die in Hinterzimmern ausmachen, wer, wann, welchen Posten erhält.

Links

Die Frankfurter Rundschau bietet ein paar Hintergrundinformationen.

SpOn veröffentlicht den kurzen Brief von 14 ZDF-Mitarbeitern an den Intendanten des ZDF, in dem sie sich für den Verbleib von Brender aussprechen.

Professor Hans J. Kleinsteuber berichtet hier über seine Arbeit im Rundfunkrat. Nicht spektakulär, aber relevant zu wissen, was in dieser für die Öffentlichkeit praktisch unsichtbaren Institution passiert.

Wer sich tiefer in das duale Mediensystem einarbeiten mag, kann meinen Essay dazu lesen. An Literatur sei das Standardwerk von Hermann Meyn, Massenmedien in Deutschland, DVK 2004.

Afroamerika – die Bedeutung der Schwarzen in der amerikanischen Kultur I

Die Afroamerikaner haben einen überdurchschnittlich hohen Einfluß auf die amerikanische Kultur gehabt: Musik, Literatur, Jugendstil, Protestkultur und die Bürgerrechtsbewegungen in der gesamten Welt wurden durch sie beeinflußt.

Musik

Die Afroamerikaner haben mit Jazz, Blues, Hip Hop, Rap, Calypso und Reggae die aller meisten der dominanten Populärmusik des 20. Jahrhunderts hervorgebracht und geprägt. Sieht man vielleicht von den Beatles ab, gibt es wohl keine große Musikgruppe, die nicht von schwarzer Musik entscheidend beeinflußt wurde. Der Rock, aus dem schließlich Punk und Heavy Metal hervorgingen, baut natürlich auf der vorhergehenden Musik auf, die ursprüngliche Einstellungen zu Beat und Rythmus auflösten. Nat King Cole, Jimi Hendrix, Grand Master Flash, Public Enemy sind nur einige wenige Namen dieser sehr umfangreichen Geschichte. Der Country mag die einzige populäre Musik sein, die nur von weißen Amerikanern kultiviert wurde.

Die Protestkultur

Die Protestkultur wurde entscheidend von der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King geprägt. King wiederum hatte sich bei der Philosophie des passiven Widerstandes von Mohandas Gandhi geprägt. Gandhi wiederum hat Henry David Thoreaus „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ gelesen und war davon geprägt worden.

King und seine Mitstreiter entwickelten diese Protestform weiter. Sie gingen zu Fuß, um die Diskriminierung in den öffentlichen Verkehrsmitteln aufzuheben. Sie veranstalteten Sit-Ins und setzten selbst gegen massiven Gewalteinsatz der Polizei oder weißer Bürger nicht zur Wehr. Die 68er in aller Welt haben diese Protestformen übernommen und weiter entwickelt. Auch der südafrikanische Nationalkongress ANC hatte solche Methoden gegen die Apartheid erprobt, konnte sich aber gegen den massiven Gewalteinsatz des Apartheid-Regimes nicht zur Wehr setzen.

Die Macht der Rechtschreib-Kontrolle

Die Orthographie stellt den ambitionierten Schreiber oft vor große Herausforderungen. Schon seit einiger Zeit wird in bestimmten Schultypen,vielleicht auch schulübergreifend kaum noch Wert darauf gelegt, die reichlich trockenen Regeln der Syntax auswendig zu lernen.

Dadurch gelangt die Rechtschreibfunktion von Textverarbeitungsprogrammen zu ungeahnten Ehren. Im Zweifelsfalle vertraut eher den Schreibvorschlägen des Computers als dem eigenen Sprachgefühl. Der Fairneß halber muss man aber sagen, dass sie im Sinne des Dudens meistens auch recht hat. Es gibt zwar für Privatpersonen keine verbindlichen Regeln, dennoch akzeptiert man die Vorschläge.

Interessant ist dabei, dass sich etwa die Rechtschreibkontrolle von Word von der Version  97 bis 2003 kaum weiter entwickelt hat. 2007 kenne ich noch nicht. Seit mehr als zehn Jahren zickt sie herum: Obwohl man sich zum Beispiel viel Mühe macht, die eigenen typischen Tippfehler über die Autkorrektur automatisch zu korrigieren, muss man, wenn man ein altes Dokument öffnet, die gleichen alten Fehler mühsam neu korrigieren. Dabei wäre es kein Problem, eine Art dateiübergreifende Autokorrektur umzusetzen. Das würde dem Nutzer auch erlauben, veränderte Schreibkonventionen auf einen Klick in allen seinen Dokumenten umzusetzen. Wirklich ärgerlich ist, dass es keine dateitypen-übergreifende Rechtschreibkorrektur gibt. So muss man jedem Office-Paket oder HTML-Editor mühsam die Macken der eigenen Orthographie beibringen.

Zumindest kann man ihr zugute halten, dass sie durch kuriose Wortneuschöpfungen die trockene Schreibarbeit mit unerwartetet Heiterkeit erfüllen kann.