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Mimik, Gestik und das Geheimnis des Sich-Verstehens

Ein kurzer Blickkontakt, ein verständiges Nicken, ein kurzes Lächeln und schon hat man einen neuen Kontakt gefunden.  Das ganze Geheimnis des Sich-Verstehens besteht darin, die Mimik, die Körperhaltung und die Gesik des Anderen zu verstehen.

Blinde können das in der Regel nicht. Es gibt da bestimmte Ausnahmen, auf die ich an anderer Stelle evtl. noch mal eingehe. Das Problem von Blinden besteht natürlich darin, dass sie die Körpersprache nicht sehen können. Die Stmme ist ein brauchbarer, aber kein vollständiger Ersatz.

Das ist einer der Gründe, warum Blinde lieber unter sich bleiben. Hier spielen körpersprachilche Signale keine Rolle. Man kommuniziert immer auf der gleichen Ebene.

Hier liegt wiederum eine Schwierigkeit vieler Sehender. Implizit erwarten sie nämlich, dass man auf ihre Körpersprache eingeht. Wenn zwei Menschen miteinander reden, führen sie eine Art komplexen Tanz auf, der häufig darin besteht, dass sie ihre Bewegungen gegenseitig spiegeln. Das passiert volkommen unbewusst. Wenn es aber aus irgend einem Grund nicht passiert, merkt der andere Gesprächspartner dies unbewusst und spürt, dass ihm sein Gegenüber irgendwie unsympathisch wird, one dass er genau sagen kann, woran er das festmachen soll.

Blinde können auch das natürlich nicht.

gibt schlimmeres

An dieser Stelle möchte ich zwei Zitate von zwei verschiedenen namenlosen Menschen bringen, die wiederum von dem amerikanischen Soziologen Erving goffman nieder geschrieben wurden. Ich werde das hier nicht weiter kommentieren, den Goffmantext findet man in seinem Standardwerk “Stigma” erschienen im Suhrkamp-Verlag.

Gesunder Geist wie auch gesunder Körper können beide verkrüppelt sein. Die Tatsache, daß „normale“ Menschen herumkommen, sehen, hören können, bedeutet nicht, daß sie wirklich sehen oder hören. Sie können gegenüber den Dingen, die ihr Glück verderben, ganz blind sein, gegenüber dem dringenden Verlangen anderer nach Freundlichkeit vollkommen taub; wenn ich an sie denke, fühle ich mich um nichts mehr verkrüppelt oder invalide als sie. Vielleicht kann ich auf irgendeine kleine Art und Weise das Mittel sein, das ihnen die Augen für die Schönheiten rings um uns öffnet; Dinge wie ein warmer Händedruck, eine Stimme, die es zu ubeln drängt, ein Frühlingshacuh, Musik zum Lauschen, ein freundliches Nicken. Diese Menschen sind wichtig für mich und ich fühle gerne, daß ich ihnen helfen kann.

In diesem Licht können wir zum Beispiel wahrnehmen, daß einige Unzulänglichkeiten wie die Unfähigkeit, menschliche Liebe zu akzeptieren, was effektiv das Lebensglück fast zum Verschwinden vermindern kann, eine fast schlimmere Tragödie ist als Blindheit. Aber es ist ungewöhnlich für den Menschen, der unter einer solchen Krankheit leidet, auch nur zu wissen, daß er sie hat und daher vermag er nicht einmal Mitleid mit sich selbst zu empfinden.