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NVDA und Chrome – der Firefox ist nicht mehr der beste Browser für Blinde

Ich bin vor nun mehr zehn Jahren auf den Firefox gestoßen und man muss sagen, im Vergleich zum Internet Explorer in allen Versionen ist der Firefox der bessere Browser. Das ist aber auch keine Kunst.
Lange Zeit war der Firefox neben dem IE der einzig zugängliche Browser für Screenreader-Nutzer. Opera, eine durchaus vorzeigbare Alternative, hat es leider nicht geschafft, die Benutzbarkeit für Screenreader zu verbessern. Das ist durchaus verständlich für mich. Die Blinden-Community ist nicht so groß und der Marktanteil von Opera ebenfalls nicht, so dass sich Investitionen in diesem Bereich kaum auszahlen. Die letzte Version von Safari für Windows, die ich getestet habe war auch nicht der Bringer.
Leider hat Firefox auf der halben Strecke ziemlich schlapp gemacht. Seit der Version 3.x hat er ein großes Speicherproblem. Er verbraucht viel Arbeitsspeicher, was insbesondere bei älteren Geräten problematisch ist. Diese Probleme sollen anscheinend mit der aktuellen Version 10 angegangen werden, was aber irgendwie drei Jahre zu spät kommt. Wer einen Blick in den Taskmanager wirft, kann auch sehen, dass hier ein wenig getrickst wird. Es gibt mehrere Tasks namens plugin-container, die zum Firefox gehören und für einfache Erweiterungen recht ordentlich Arbeitsspeicher abgreifen. Dass der Hauptprozess weniger Arbeitsspeicher braucht fällt also kaum noch ins Gewicht.
Mit der neuen Update-Politik hat Firefox nun endgültig den Pfad der Tugend verlassen. Die Entwickler von WebVisum kommen mit dem Updaten nicht mehr nach, so dass eines der großen Argumente für den Firefox nicht mehr sticht. Ich frage mich ehrlich, warum die Firefox-Entwickler, die doch soviel wert auf Barrierefreiheit legen wollen, nicht die Funktionen von WebVisum in den Browser integriert haben. Eine Funktion zum Lösen von Captchas z.B. dürfte sich leicht über einen serverbasierten OCR-Prozess bereit stellen lassen.
Komplett versagt hat der Firefox dort, wo er eigentlich seine Stärken hat: bei den zahllosen erweiterungen. Die Verwaltung der Addons ist seit Firefox 4 nicht mehr mit dem Screenreader möglich, zumindest nicht über die normale Addon-Ansicht des Firefox. Die Verwaltung sieht jetzt hübscher aus, aber ist mit Screenreadern nicht nutzbar. Zudem stürzt der Browser recht häufig ab, wenn man mit dem Screenreader in den Addons unterwegs ist. Update: Das Problem tritt mit Jaws auf, mag sein, dass das mit NVDA nicht passiert.
Der Firefox könnte sich generell zum Sicherheitsloch entwickeln. Schockiert habe ich festgestellt, dass dritte Programme in der Lage sind, ihre Erweiterungen ohne Nachzufragen in den Firefox zu installieren. Dazu gehören QuickTime, iTunes und Office 2007. Der Firefox weist nicht darauf hin, dass diese Plugins installiert worden und schon aktiv sind. Das ist ein echtes Sicherheitsloch, heißt das doch, dass jedes Programm, das installiert wird, den Firefox manipulieren und dadurch auch aufs Internet zugreifen kann. Für einen OpenSource-Browser ist das eine Bankrotterklärung. inst
Wer also nach Alternativen zum Firefox sucht und blind ist, sollte auf das Gespann Chrome/NVDA in den aktuellen Versionen zurückgreifen. Mit Chrome kann man zum Beispiel auch Flash-Videos mit den Cursor-Tasten spulen, eine Funktion, die ich schon seit 10 Jahren vermisse. Ob tatsächlich alles accessible ist, kann ich noch nicht sagen, aber es sieht schon einmal gut aus. Eine Alternative zu NVDA scheint das kostenlose Plugin ChromeVox zu sein, was ich allerdings bisher nicht testen konnte. Ich vermute, es ist vor allem für Menschen gedacht, die nicht sich Inhalte vorlesen lassen wollen und weniger für Blinde.
Chrome ist, was das Tempo angeht derzeit unschlagbar, in den Schatten gestellt bestenfalls von Opera. Fairerweise muss man sagen, dass Chrome auch davon profitiert, dass er nicht so viele Altlasten wie der Firefox mit sich schleppen muss.
Auch die neuesten Versionen von Jaws sollen kompatible mit Chrome sein, aber wer hat die schon?
Schön ist auch, dass es portable Versionen von Chrome und NVDA gibt, die gut funktionieren. So kann man beide Programme auf einen Stick packen und hat sie immer dabei.

Ist der Firefox noch zukunftsfähig?

Ich bin vor langer Zeit zufällig auf den Firefox gestoßen. Er war damals auf unseren Uni-Rechnern als Alternativ-Browser installiert und die frühe Version 1.x war dem Internet Explorer 6 schon damals weit überlegen.
Der Firefox hat seit dem zahlreiche Trends gesetzt und dem Internet Explorer einige Marktanteile abgejagt. Auch in der aktuellen Version des Internet Explorer ist ihm der Firefox noch immer um Meilen überlegen. Tatsächlich besitzt der IE 8 bis heute nicht einmal einen Shortcut, um Webseiten zu speichern.
Doch wie es aussieht, wächst der Firefox-Marktanteil nicht mehr und das meiner Meinung nach zurecht. Die Version 3 ist dermaßen schwerfällig geworden, dass das Surfen auf älteren Computern einfach keinen Spaß mehr macht. Der Firefox braucht nicht nur recht lang, um überhaupt zu starten, er schläft auch zwischendurch gerne mal ein. An den Festplattengeräuschen hört man ganz schön, dass er irgendwas tut, aber was eigentlich?
In die Surfer-Hölle kommt, wer JavaScript-lastige Seiten besuchen möchte. Und mit Flash ist es noch ein wenig schlimmer.
Wirklich seltsam ist der stetig zunehmende Arbeitsspeicher-Bedarf. Offenbar haben die Programmierer ihm nicht beigebracht, dass man Arbeitsspeicher auch mal freigeben kann. Außer bei fast ausgestorbenen Java-Webanwendungen habe ich keinen Browser gesehen, der mehr als 200 MB Arbeitsspeicher belegt und erst beim Beenden wieder freigibt.
Natürlich ist es eine feine Sache, dass es für jede vorstellbare Aufgabe eine Erweiterung gibt. Und das ist der größte Vorteil des Firefox vor allen anderen Browsern. Noch.
Denn Opera und Chrome glänzen mittlerweile durch hervorragende Geschwindigkeit und laufen auf kleinen Computern wie Netbooks sehr gut. Und Chrome ist inzwischen auch für Erweiterungen offen.
Wirklich enttäuscht war ich, dass Firefox noch recht wenig HTML5 eingebaut hat, ganz im gegensatz zu Opera und Chrome. Offenbar versteht sich Mozilla nicht mehr als Trendsetter.
Zwar soll dieses Jahr noch der Firefox 4 herauskommen und einige Mankos der 3er-Serie ausgleichen, aber so recht mag ich das noch nicht glauben. Würde das Programm vollkommen umgebaut – was wohl nötig wäre – dann würden die meisten der heutigen Erweiterungen nicht mehr funktionieren. Ob das dem Firefox nutzt, möchte ich bezweifeln. Die wichtigsten Erweiterungen würden sicher nachgebaut, aber viele Programmierer werden wohl für andere Plattformen entwickeln.
In puncto Sicherheit möchte ich dem Firefox eine Drei geben. Bei der ersten Installation ist er tatsächlich offen wie ein Scheunentor: Java ist aktiviert, Cookies sind erlaubt, alle möglichen (und überflüssigen) Addons und Plugins sind aktiviert. Einige Programme installieren gerne mal ungefragt irgendwelche Addons oder Toolbars, ohne dass der Firefox sich beschwert. Das entspricht dem Maß an Sicherheit, welches wir von Windows 9X kennen und ist weder sinnvoll noch zukunftsweisend.
Auf jeden Fall ist der Browserkampf auf einem neuen Feld vollkommen offen: den mobilen Endgeräten. Hier haben Apple, Google und Opera die Nase vorn, während die Desktop-Platzhirschen IE und FF alt aussehen.
Für einen Abgesang auf den Firefox ist es noch sehr früh. Und immerhin hat er Microsoft tüchtig eingeheizt. Deshalb hoffe ich, dass er wesentlich verbessert wird und Mozilla sich wieder mehr traut.

Browserauswahl bei Windows kommt ohne Hinweise auf Barrierefreiheit aus

Marco Zehe, ein Blinder, der am Mozilla-Projekt beteiligt ist, macht darauf aufmerksam, dass die Browserauswahl bei Windows Vista und Win 7 Aspekte der Barrierefreiheit nicht berücksichtigt. Für die Nutzer von Screenreadern oder Vergrößerungssoftware sind nur der Firefox und der Internet Explorer verwendbar, da die anderen Browser bisher die assistiven Techniken nicht unterstützen.
Eine gute Gelegenheit, ein wenig Werbung für den Firefox zu machen, der inzwischen mit Screenreadern gut zusammenarbeitet. Zusammen mit der Erweiterung WebVisum ist der Firefox zugänglicher als der Internet Explorer. Andere Erweiterungen wie NoScript und der Flash-Blocker machen das Surfen wesentlich sicherer, da hier teils gefährliche Skripte und Schadcode blockiert werden. Cookies können sehr differenziert verwaltet werden, so dass Firefox ein Gewinn für den persönlichen Datenschutz ist. Last not least erlauben Tools wie TOR oder JAP das anonyme Surfen.

IE 6 – nein danke

Viele Webdesigner müssen sich plagen. Während es relativeinfach ist, ein gutes Layout für einen Browser zu erstellen, muss eine professionelle Website auf viele Browser zugeschnitten werden. Der Internet Explorer ist besonders anspruchsvoll, auch deshalb, weil gleiche Versionen auf verschiedenen Betriebssystemen (Windows oder Mac) unterschiedlich sein können.

Der IE 6 und seine Vorgänger haben das jahrealte CSS 2 nur schlecht implentiert. Anspruchsvoll ist auch der Umgang mit JavaScript. Auch der Firefox erfordert ausführliche Tests, während kleinere Browser wie Chrome, Opera und Safari die Standards größtenteils erfüllen.

Seltsam ist es, wenn der Netscape Navigator – nur wenig zickiger als der Internet Explorer – noch unterstützt werden soll, obwohl den kaum jemand heute noch einsetzt. Webdesigner und Entwickler wollen sich nun vom IE 6 verabschieden, obwohl er noch sehr stark verbreitet wird.

Meine Serverstatistik sagt, dass der Firefox von rund 48 Prozent meiner Besucher eingesetzt wird, auf den IE (7, 6, 8 in dieser Reihenfolge) entfallen rund 42 Prozent. Etwas weniger als die Hälfte davon verwendet noch den IE 6. Opera und Safari haben jeweils ca 4 Prozent,Chrome liegt trotz des Chrome-Hypes bei unter einem Prozent.

Nun spricht wenig dagegen, sich vom IE 6 in Design und Entwicklung zu verabschieden. Allerings kann man niemanden zwingen, seinen Browser zu wechseln. Statt die Ästhetik in den Vordergrund zu stellen, sollte man aber zumindest die Benutzbarkeit der Seite mitallen gängigen Browsern garantieren.

Hierzulande vergisst man gerne, wie viele Ressourcen moderne Browser benötigen. Der Firefox 3.x braucht auf meinem Notebook gut 40 Sekunden, bis er gestartet ist. Im Leerlauf verbraucht er gut 70 MB Arbeitsspeicher, während einer Session können es weit über 100 MB werden. Bei stark JavaScript-lastigen Seiten oder Videos wird er bei schwachen PCsdeutlich langsamer.

Das Webdesign könnte eine feine Sache sein, wenn der doofe Nutzer nicht wäre. Der Nutzer, der sich weigert, einen bestimmten Browser auf einem bestimmten Betriebssystem mit einem bestimmten PC und einem bestimmten Bildschirm mit einer bestimmten Auflösung zu verwenden. Frechheit, dass die Buben nun auch noch mit Handy, PDA und ähnlichem Schnickschnack wurfen wollen.