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Die Lehre der Bilder

Ein Bild kann alles sagen und zugleich dessen Gegenteil Eine etwas merkwürdige Geschichte trug sich vor einigen Jahren nach dem Libanonkrieg zu. Ein Bild ging um die Welt, junge Leute, offensichtlich wohlsituiert, sitzen leger in einem Sportwagen, während hinter ihnen ein Trümmerfeld zu sehen ist, welches einmal ein Haus gewesen sein mag. Empörung machte sich breit, bis jemand die Leute aufstöberte, die auf dem Foto zu sehen waren. Es waren Einwohner Beiruts, die gekommen waren, um Hilfe beim Wiederaufbau zu leisten, glaubt man diesem TP-Artikel.
Ob das wiederum stimmt, werden wir nie erfahren, denn das Bild sagt uns relativ wenig darüber, was diese Leute vorher oder nachher getan haben, was sie gerade denken und warum sie in die Kamera schauen. Wie man im dem Artikel zugehörigen Forum lesen kann, hält jeder Kommentator seine persönliche Interpretation bei.
Der Artikel zeigt allerdings – unabhängig davon, was denn nun richtig ist – wie manipulativ die Message von Bildern sein kann.

Realität – weichgezeichnet

Im Grunde ist es verblüffend, wie bedenkenlos heute die Foto-Software eingesetzt wird. Schminke, Ausleuchtung oder Talent des Fotografen spielen heute so gut wie keine Rolle mehr. Stattdessen jagt man das Foto durch eine Fotosoftware, unscarf maskiert die Poren, bügelt die Falten weg, weißt die Zähne, mach die Nase schmaler, die Augen blauer, zeichnet ein leuchten in die Augen, dunkelt den Töne ein bißchen ab, hellt die Haare ein wenig auf, mach die Brüste oder den Bizeps größer – und zeihnt das Lächeln breiter. Alles Standardeinstellungen bei semiprofessioneller Fotosoftware.

Abgesehen davon, dass die Damen so irgendwann alle recht gleich aussehen, schlimmer ist noch, dass viele Frauen und Männer viel Geld für Schnick-Schnack ausgeben, um genau so auszusehen. Was aber gar nicht möglich ist, niemand sieht so aus.

Im Grunde bräuchten wir einen Realitätsfilter, eine Brille, die wir aufsetzen könnten, wenn wir in der U-Bahn sitzen, damit die Leute genau so aussehen, wie wir sie gerne sehen wollen.

Möglichwerise wäre das gar nicht so schlecht, wie viel Verachtung einem unattraktiven Menschen entgegen schlägt, kann ein Normalo kaum erahnen.