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Zugänglichkeit – warum handgemacht heute nicht mehr der beste Weg ist

Ich bastele seit ungefähr sieben Jahren an Webseiten herum. Meine ersten Gehversuche machte ich mit dem WYSIWYG-Editor NVU. Ich habe tatsächlich bekommen, was ich gesehen habe: eine nicht gerade hübsche Website mit grausigem Code. Besonders gut hat mir gefallen, dass mitten im Text sinniges Zeug wie <if support empty paras><endif> auftauchte. Jahre später fand ich zufällig heraus, dass das Word-eigenes Markup ist, welches beim Rüberkopieren in den Quellcode gelangte und natürlich nur im Internet Explorer sichtbar war.
Macromedias Dreamweaver bot schon einige Möglichkeiten mehr. Parallel dazu lernte ich HTML und CSS, so dass ich das geteilte Fenster des Dreamweaver zu schätzen lernte. Oben sah man die Website, unten den Quellcode, so dass man gezielt den Quellcode anpassen und die Änderungen oben sehen konnte. Die beiden Mankos des WYSIWYG kann aber vermutlich kein visueller Editor aufheben: Zum einen die Produktion schlechten Codes und zum anderen die fricklige Unterstützung von CSS, die für die Trennung von Struktur und Layout aber notwendig ist. Die Zeit, die man mit WYSIWYG sparen mag, verbringt man anschließend für die Verbesserung, Reparatur und Säuberung des Codes.
Ich habe also meine nächsten Websites mit Texteditoren gebastelt. Für Blinde sicher die angenehmste Art des Arbeitens. Leider sehr fehleranfällig, wenn man irgendwelche Klammern vergisst, muss man oft ewig nach der Ursache eines Problems suchen. Andererseits kennt man seinen eigenen Code so genau, dass Anpassungen problemlos und schnell möglich sind.
Nun ist aber auch dieser Zug abgefahren. Zum einen kommt heute keine anständige Site ohne PHP und JavaScript aus – was beides echte Programmierkenntnisse erfordert, zum anderen gibt es ganze Content Management Systeme, die wesentlich flexibler sind als die handgestrickte Website.
Heute gibt es mächtige Frameworks für Website-Entwickler, die wichtige Funktionen zusammenstellen, die vielfach getestet und frei verwendbar sind. Und ganz nebenbei sind sie barrierefrei. Ob YAML oder JQUERY, wer solche Frameworks einsetzt, spart viel zeit und Nerven. Da selbstgestrickte Skripte in JavaScript und PHP zudem häufig ein Sicherheitsrisiko darstellen, sollte man auf deren Einsatz verzichten. Es sei denn, man weiß, was man tut. Dass die Skripte dafür sorgen, dass alle Browser abgedekct sind, ist ein netter Haupteffekt.
Das Gleiche gilt für CMS wie Drupal oder WordPress. Sie sind von Haus aus barrierearm und bieten einen weiten Spielraum für Gestaltung und Erweiterung. Ein weiterer unschlagbarer Vorteil besteht darin, dass Inhalte, die einmal in Datenbanken gespeichert wurden sich wesentlich einfacher überführen lassen als unstrukturierte Inhalte. Ich will allerdings nicht verheimlichen, dass die Einarbeitungszeit in ein CMS oder ein Framework recht lang sein kann.
Andererseits bringen viele Open-source-CMS Webstandards und Standards der Barrierefreiheit in die Welt, ohne dass die Website-Bauer dies überhaupt in Betracht gezogen haben. Bis heute sehe ich täglich Websites, die auf korrekte Strukturierung in HTML verzichten. Irgend etwas läuft schief, wenn WordPress oder Yahoo schon WAI-ARIA implementieren, während andere Websites nicht einmal Überschriften und Listen korrekt auszeichnen. Doch auch des Blinden Liebling erfreut sich noch immer großer Beliebtheit: Tabellenlayouts mit Spacer-GIFs.
Für Lerneffekte ist es sicher sinnvoll, sich ein eigenes CMS mit Suchfunktionen und allem Luxus selbst zusammenzubauen. Auch wer seine Seite statisch halten möchte – das könnte es noch geben – braucht weder Dynamik noch CMS. Dem ganzen Rest möchte ich die Verwendung von Frameworks und JQUERY ans Herz legen.

Update: Ich muss ein wenig zurückrudern, Joomla zeichnet auch keine Überschriften korrekt aus.