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Was bringen automatische Testtools für die Barrierefreiheit – die Validierung

Mittlerweile dürfte sich jede Webagentur damit schmücken, barrierefreie Websites zu bauen. Sie machen das sozusagen im Vorbeigehen, ohne Experten zu engagieren, ohne Praxistests mit Betroffenen und ohne großartig Ahnung von BIT-V oder WCAG zu haben – behaupte ich mal, denn viele Websites ob uralt oder nagelneu erfüllen nicht einmal die minimalen Basics, zum Beispiel die Verwendung von HTML-Elementen. Vielleicht greifen einige dieser Agenturen auf mehr oder weniger automatische Testtools zurück – was besser ist als gar nichts zu tun. Grund genug, sich einiger dieser Tools anzugucken und sie hier in lockerer Folge einmal vorzustellen.Ich beginne dort, wo jeder Code-Schreiber anfangen sollte, bei der Validation.

Validatoren

Dirk Jesse hat in seinem Beitrag Alles valide oder was? schon einiges zu dem Thema Validierung gesagt, dem ich nicht viel hinzufügen kann. Dennoch möchte ich das Thema vom Blickwinkel der Barrierefreiheit betrachten.

Im ersten Schritt sollte immer überprüft werden, ob die Seiten validen Code enthalten. Das hilft vor allem dabei, fehlerhafte Tags, Attribute und Werte zu finden,was zu Fehlern in der Darstellung führt.

Valide oder nicht valide – das ist nicht mehr die Frage

Kurioserweise glauben viele Leute, valider Code sei schon barrierefrei. Ergo, nicht valider Code ist eine Barriere. Die letztere Ansicht stimmt heute nicht mehr: Dank HTML5 und WAI ARIA haben sich die Möglichkeiten für barrierefreie Websites entscheidend verbessert. Beide Standards sind allerdings noch nicht verabschiedet und validieren dementsprechend zumindest beim W3C nicht. Es gibt allerdings einen experimentellen HTML5-Validator, der explizit bei der Doctype ausgewählt werden muss, wenn man nicht den neuen Doctype von HTML5 verwendet.

Jeder Code-Leser dürfte aber in der Lage sein, ARIA oder HTML5-Fehlermeldungen von echten Fehlern unterscheiden zu können. Bei CSS3 sieht es ähnlich aus. Ich plädiere stark dafür, stabile Elemente schon heute zu verwenden, weil sie die Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit erhöhen. Außerdem wird so Druck auf die Programmierer von Browsern und das W3C ausgeübt, diese Elemente auch zeitnah einzuführen.

Nutzen

Der HTML-Validator stellt zum Beispiel sicher, dass in XHTML alle Bilder einen Alternativ-Text haben. Er kann allerdings nicht beurteilen, ob dieser Text sinnvoll ist oder nicht. Er kann auch nicht sehen, ob jemand HTML für Überschriften verwendet oder sie per CSS gestaltet. div id=”h1″ ist ebenso valide wie “h1″. Die Validierung verhindert allerdings grobe Fehler wie falsche Tag-Attribut-Paare, was kein Browser der Welt korrigieren oder interpretieren kann. Er prüft auch nicht die Trennung von Layout und Struktur, die dank CSS eigentlich Standard sein sollte. Kein Validator der Welt verhindert, dass jemand mit ” ” seine Abstände einstellt oder Absätze über “br” statt über “p” erzeugt, das sind typische Artefakte von WYSIWYG-Editoren.

Fazit

Basis barrierefreier Websites ist fehlerfreier Code. Wer seinen Code nicht prüft, riskiert fehlerhafte Darstellung im Browser, was normalerweise einen Rattenschwanz weiterer Probleme nach sich zieht. Der Validator ist allerdings nur der Anfang und nicht das Ende der Testphase. Er schwächelt dort, wo es um semantisch sinnvolle Auszeichnungen geht und hier kommt es auf das Können des Code-Schreibers an.
Einen recht interessanten Artikel dazu gibt es bei Wait till I come. Chris und Remy Sharp diskutieren über die Bedeutung des Validierens, Chris vertritt als Protagonist der Barrierefreiheit im wesentlichen unseren Standpunkt.

Access-News vom 24. Juni 2010 – Fraunhofer testet und Google bringt was Neues

Das Fraunhofer-Institut für Informationstechnik hat herausgefunden, dass die meisten Dax-Websites nicht validieren und nicht barrierefrei sind. Wer hätte das gedacht, nachdem Opera mit seiner MAMA-Studie das schon lange festgestellt hat? Wer es ausprobieren mag, es gibt ein Testtool auf der Website von Fraunhofer. Ich befürchte fast, das diese automatischen Tests mehr Schaden als Nutzen anrichten. Der Website-Bastler braucht sich mit dem Thema Barrierefreiheit gar nicht mehr zu beschäftigen, sondern arbeitet säuberlich eine Reihe von Fehlern ab und wird durch eine Fehlerfrei-Meldung des Systems geadelt. Zudem werden Leute belohnt, die statische Websites oder Alternativ-Versionen für Behinderte anbieten, denn hier wird das Prüfprogramm nicht durch so überflüssige Dinge wie JavaScript oder Flash in seiner Arbeit gestört.

Google mit OCR und Spracherkennung

GoogleDocs hat jetzt Texterkennung. Mit OCR lassen sich Texte aus Graphiken und PDFs extrahieren. Laut Golem soll die Qualität der Erkennung bisher noch nicht berauschend sein. Das ist etwa nützlich für PDF-Dateien, die aus gescannten Dokumenten generiert wurden. Nebenbei ist die HTML-Anzeige von PDF-Dateien eine der nützlichsten Werkzeuge Googles.
Mit seinem Know How im Rahmen der Bücherscan-Aktion dürfte Google bei der Scan-Qualität deutliche Verbesserungen ermöglichen.

GoogleVoice ist eine Technik, mit der sich Sprachmitteilungen in Text umwandeln lassen, zum Beispiel zum Versenden von SMS. Voice ist jetzt öffentlich verfügbar, allerdings bisher nur auf Englisch.

Vermischtes

Marco berichtet, dass das neue IOS 4 Teile von WAI ARIA unterstützt.
Die Entwickler von Chrome arbeiten jetzt an der Unterstützung von Chrome durch Screenreader. Sie haben recht flott auf die Petition reagiert, die von Steve Faulkner letzte Woche beworben wurde.
WebAIM setzt seine HTML5-Reihe mit einem Beitrag über Canvas fort.

Access News der Woche vom 9. Juni – HTML5 zieht in die Browser ein

Apple kommt mit Safari 5 heraus. Der Browser bringt eine erweiterte Unterstützung für HTML5 mit. Außerdem kann er – vermutlich auf Basis von HTML5 – Artikel hervorheben. HTML5 bringt “sprechende” Tags wie article, navi und footer mit, so dass eine semantische Auswertung von Tags möglich wird.

Apple stellt das neue iPhone vor, das noble Gerät gibt es schon Ende Juni zu kaufen. Es bringt allerlei Neuerungen mit, angeblich soll man damit sogar telefonieren können. Die billigste Variante soll 900 Euro + x ohne Vertrag kosten. Wer also einen Monatslohn in der Hosentasche mitschleppen möchte: voila.

HTML5 bleibt in aller Munde. WebAIM hat einen weiteren Beitrag veröffentlicht: SVG ist ein freier Standard für Vektorgraphiken und eine gute Alternative zu Flash. Außer dem Internet Explorer wird SVG offenbar von allen Browsern unterstützt. SVG ist ein XML-basiertes Format und deshalb im Gegensatz zu Flash auch suchmaschinentauglich.

Nur nebenbei: SVG ist auch für Blinde eine schöne Möglichkeit, Vektorgraphiken und Animationen zu erzeugen. Dazu muss man allerdings zumindest in SVG und vermutlich auch in DOM und JavaScript fit sein und graphisches Vorstellungsvermögen haben. Ob das gut klappt, weiß ich allerdings nicht.

Sylvia Egger beschäftigt sich weiterhin mit Media Playern. Im aktuellen Beitrag geht es um Untertitelung.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bittet um Unterstützung: Es geht um den Zugang zu Literatur und deren Umwandlung in zugängliche Formate. Damit sind die Formate Braille und DAISY – Hörbücher – gemeint. Ein kleines Rätsel zum Schluss: Warum setzt sich der DBSV nicht für zugängliche eBooks und ein blindengerechtes digitales Rechtemanagement ein, womit nicht fünf, sondern eher 95 Prozent der englischen und deutschen bücher zugänglich wären? Und das zweite kleine Rätsel am Abend: Warum setzt sich der Blindenverband nicht mit anderen Behindertenverbänden zusammen, um Bücher wirklich für alle zugänglich zu machen und ein anständiges Lobbying zustande zu bringen? Natürlich haben nicht alle Behindertenverbände die gleichen Interessen, aber wo das doch der Fall ist, sollte man auch zusammenarbeiten. Stattdessen fechten die Vereine ihre kleinen Schlachten jeder für sich aus.

Access News der Woche vom 2. Juni – HTML5 und Tabletts

Letzte Woche erschien das erste deutschsprachige Buch zu HTML5 von Peter Kröner. Der Technikwürze-Podcast widmet HTML5 einen langen Beitrag, zu Gast ist Peter Kröner in persona.

Nur wenig jünger als HTML 4 ist der Internet Explorer 6. Microsoft selbst sagt seinem ungeliebtem Kind den Kampf an. Unter den Nutzern des IE 6 dürften auch recht viele behinderte Menschen, vor allem Blinde sein. Unsere Hilfssoftware ist selbst häufig veraltet und es ist immer ein gewagtes Experiment, von einer älteren Software-Version auf eine neue umzusteigen. Zugleich ist der IE 6, was die Unterstützung moderner Layouts und Techniken der Zugänglichkeit angeht derzeit der größte Hemmschuh. CSS wird unzureichend unterstützt, die JavaScript-Engine ist total veraltet und nicht zuletzt ist das Programm ein Sicherheitsloch.

Der Weblog Hyperkontext berichtet im Beitrag Nur erkennbare Funktionen werden genutzt über Funktionen, die von den Nutzern nicht erkannt werden und über unberechenbares Verhalten von Webseiten und welchen Schaden das Ganze anrichten kann.

In der letzten Woche kam das iPad nach Deutschland. Was immer man von dem Gerät im Besonderen und Apple im Allgemeinen halten mag, in dieser Preisklasse ist es derzeit der Computer mit der höchsten Barrierefreiheit. Wie das iPhone kommt das iPad mit dem Screenreader VoiceOver, sollte also ähnlich zugänglich sein wie das iPhone. Da ich selbst weder iPad noch iPhone in der Hand hatte, kann ich dazu leider auch nichts weiter berichten.
Apple vermiest diesen guten Eindruck allerdings mit einigen Fakten, die hoffentlich mit der nächsten Generation ausgeräumt werden:
– Datei-Austausch nur über iTunes
– die mangelnde Unterstützung von USB
– seinem Sonderweg beim Internet-Zugang
Ohne iTunes getestet zu haben, kein Gerät kann als Computer bezeichnet werden, wenn ein Dateiaustausch nur über bestimmte Programme möglich ist. Die Notwendigkeit von Spezialkabeln oder Dockingstations fehlt in die gleiche Kategorie. Und ein so großes Gerät nicht von Haus aus Internet-zugänglich zu machen ist nun wirklich unsinnig.

INCOBS hat in seinem Audio-Bereich eine Reihe von Audios zur SightCity 2010 bereit gestellt, Thema unter anderem mobile DAISY-Player.

Access-News der Woche – Media-Player, HTML5 und die Faulheit der Monopolisten

Access-News der Woche

Die Webgestalterin Sylvia Egger hat ihre Folien zur Frage “Was ist Barrierefreiheit” auf Slideshare bereit gestellt.. In einem Blog-Beitrag befasst sie sich mit barrierefreien Media-Playern: Die Themen sind hier Tastatursteuerung, Unterstützung für Untertitel und Audiodeskription.

Der blinde Software-Entwickler Chris Hofstader ist neuer Direktor für barrierefreie Software bei der Free Software Foundation (FSF). Die FSF möchte ihr Engagement für barrierefreie Software verstärken und hat in Hofstader die passende Person gefunden. Er war auch eine Weile bei dem Jaws-Entwickler Freedom Scientific beschäftigt und meint dazu in einem Interview:

Ich habe kein Problem damit, Profit zu machen. Ich habe allerdings Schwierigkeiten mit Firmen, die trotz enormer Ressourcen nichts auch nur annähernd Innovatives
ausprobieren, um ihren Anwendern stärker unter die Arme zu greifen. Freedom Scientific, der kommerzielle Führer, ignoriert praktisch alle neuen Ideen aus der Forschungs-Community mit der Folge, das JAWS stagniert. Wir hätten uns eine Menge leisten können, zahlten aber lieber höhere Dividenden. Eine solche
Situation tritt nur ein, wenn eine Firma das Monopol in einer Nische ausübt. Hofstader in einem Interview mit dem Linux-Magazin

Dem kann ich aus vollem Herzen zustimmen. Wer sich über die hohen Preise von Profi-Software ärgert, sollte einmal einen kommerziellen Screenreader kaufen.

Wer des Englischen mächtig ist und sich für die Möglichkeiten der Barrierefreiheit von HTML 5 interessiert, wird bei WebAIM fündig:
HTML5 Video
Semantische Elemente in HTML5
Neue “Input”-Typen in Formularen

Google hat mit seinem neu gestalteten Webauftritt auch Elemente von WAI ARIA eingeführt. Die Orientierungspunkte benennen wichtige Regionen der Website eindeutig, so dass sie direkt ansteuerbar werden. Yahoo hat es übrigens schon länger eingeführt.

Access News der Woche

Es geht also doch: Wie WinFuture berichtet, hat Google eine Webanwendung vorgestellt, die komplett über Tastatur bedienbar ist. Clicker.tv ist ein Programmführer für Videos, die sich auch direkt in der Anwendung betrachten lassen. Interessant vor allem für Leute, die keine Maus bedienen können – oder wollen. Basis der Anwendung sind HTML5, CSS und JavaScript.

Einfach für Alle bietet zwei Artikel, die zeigen sollen, wie Blinde das Netz aktiv nutzen
Multimedia für Blinde
Blinde im Mitmach-Web

Piktogramme – also kleine bildchen – können das Verständnis erleichtern, wenn man etwa Lernschwierigkeiten hat, die Landessprache nicht beherrscht oder schlicht einfach zum Ziel kommen möchte. Wie Golem berichtet, soll iConji ein Projekt werden, dass solche Barrieren überwindet. Eine Bildsprache, die international und interkulturell verständlich ist, das dürfte ein spannendes, aber auch kompliziertes Unterfangen werden. Schließlich muss auch das Verständnis für Symbole gelernt werden. Das zeigen die vielen Programme, die angeblich intuitiv über Icons gesteuert werden. Die schlichte Wahrheit ist, dass man dabei den langen Eingewöhnungs- und Einarbeitungsprozess vergessen hat.