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Informationsgrafiken in der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs

Der Datenjournalismus hat einen kleinen Hype ausgelöst- jeder redet darüber, nur wenige setzen ihn um. Ich möchte im folgenden einige Gründe diskutieren, warum Infografiken auch in der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs eine größere Rolle spielen sollten

Spieltrieb befriedigen

Irgendwie fällt es einem schwer, auch bei dem hundersten Betroffenenbericht noch Mitleid zu empfinden. Um Menschen für Themen zu interessieren, funktioniert die Mitleidsschiene immer weniger. Für manche NGOs und Fundraiser ist das ganze Jahr Weihnachten, zumindest überschütten sie uns das ganze Jahr mit Mitleidsfotos, Linda Polman spricht sogar von der Mitleidsindustrie.
Wer die Menschen neugierig machen und Bewusstsein erzeugen möchte, präsentiert keine reinen Meinungsbeiträge mehr, er gibt ihnen die Möglichkeit, selbst Dinge auszuprobieren, Dinge anzufassen – virtuell – und Dinge selbst herauszufinden. Das klappt nicht mit Texten und auch nicht mit Videos, sondern eher mit Spielen und interaktiven Infografiken. Für Spiele ist Gamification das neue Schlagwort.

Zusammenhänge

Das Gleiche gilt für komplexe Zusammenhänge. Sie lassen sich nicht ohne weiteres in Bildern, Videos oder Pressemitteilungen transportieren.
Stefan Münz gab seinem selfHTML das Motto „Die Magie des Verstehens“. Ich glaube, dieser Aha-Effekt – der Moment des Verstehens – und dessen nachhaltige Wirkung wird von vielen PR-Menschen unterschätzt. Wer eine neue Erkenntnis erlangt hat, hat das Bedürfnis, das allen mitzuteilen und über das Weeb 2.0 hat er die Möglichkeit dazu.

Sharing

Gerade das Teilen über das Netz gehört zu den wichtigsten Möglichkeiten der Kommunikation. Abgesehen von albernen Videos werden nur wenige Inhalte verbreitet, die von NGOs erstellt wurden. Die klassische Pressemitteilung interessiert nicht einmal Journalisten so wirklich. Es gibt viele gut gemachte Inhalte, Bilderstrecken oder Videos, aber sie werden kaum verbreitet. Das liegt zum einen daran, dass die Botschaft immer die Gleiche ist, nur die Verpackung ist ein wenig anders. Es fehlt der Neuigkeitswert. Zum anderen sind aber die Formate selbst ausgelutscht.
Ich denke, dass Inhalte, mit denen man spielen kann deshalb eine wesentlich bessere Chance haben, geteilt zu werden. Damit werden dann auch Menschen erreicht, die man mit anderen Inhalten wahrscheinlich nicht erreichen würde.

Beispiele

Es gibt im Grunde keine Grenzen für den Einsatz von Informationsgrafiken. Zum Beispiel ließe sich der Zusammenhang von Temperaturschwankungen und deren Auswirkungen auf das Klima visualisieren. Oder die Auswirkungen von Spekulationen auf die Lebensmittelpreise.

Mehr Experimentierfreude

Insgesamt vermisse ich in der deutschen NGO-Szene die Freude am Experiment. Ich sehe recht oft, wie über den Twitterstream einfach nur die eigenen – teils total belanglosen – Inhalte rausgepustet werden. Bei einer Organisation scheint sich jemand nachmittags hinzusetzen und einfach mal die am Tage aufgelaufenen Nachrichten kurz hintereinander zu verschicken. Wie bei der klassischen PR werden Inhalte rausgepustet, an einer Interaktion mit den Followern ist man gar nicht interessiert. Die PR ist eine Blackbox.

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