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Warum sich Instant Messaging nie durchgesetzt hat

Bei Licht betrachtet ist die Mail ein mehr als schwaches Medium. Seit ihrer praktischen Verbreitung ist sie spamlastig. Bei vielen Mailinglisten werden eigentlich private Nachrichten oder inhaltsfreie Mails gedankenlos oder versehentlich über den Verteiler geschickt.
Wie viele Mails braucht man, um einen Termin zu vereinbaren? Mindestens drei: Die Anfrage, die Antwort, die Bestätigung. Es werden dann doch eher sieben, weil zwei Terminkalender angepasst werden müssen. Dafür hätte ein einziger Anruf gereicht.

Zumindest in Firmen hätte sich das Instant Messaging als gute Alternative zum Telefonieren angeboten. Der IM-Client zeigt an, dass jemand gerade bereit für eine Kommunikation ist, die Bürokollegen werden nicht durch Telefonate gestört und dennoch lassen sich hervorragend Termine koordinieren oder Fragen klären.

Ich selber habe nie IM benutzt. Das liegt wohl daran, dass keiner meiner Bekannten das System genutzt hat und mir daher niemand einen Anreiz dazu geboten hat.

Es ist eigentlich seltsam, dass es so viele Kommunikationskanäle gibt, von denen einige der Mail sicher überlegen sind, sich aber keiner davon wirklich durchgesetzt hat. Auch die Mail selber hat sich nicht weiter entwickelt. HTML-Mails sind eher ein Rückschritt, weil sie vom wesentlichen ablenken.

Der größte Vorteil der Mail ist, dass sie unschlagbar einfach ist. Statt IM werden Dienste wie Buzz oder Google Wave wohl an Popularität gewinnen, welche die Vorteile mehrerer Dienste kombinieren. Das Problem beider Dienste ist allerdings, dass sie doch recht komplex in der Anwendung sind.

Nach dem ersten Hype um Buzz hört man recht wenig von diesem Dienst. Wave befindet sich offenbar noch im Beta, aber auch hier hält sich die Begeisterung noch in Grenzen.

Wer schon mal mit anderen Leuten zusammen an Texten gearbeitet hat, lernt die Funktionalität von Wikis und anderen Werkzeugen zur Zusammenarbeit schätzen.

IM ist also nicht wirklich tot, sondern wird in einer dieser Dienste weiter leben. Das Scheitern der IM-Dienste dürfte letzten Endes darin liegen, dass sie ihre Netzwerk-Wirkungen nicht entfalten konnten im Gegensatz zu anderen Diensten wie Twitter oder dem Nachrichtenaustausch innerhalb sozialer Netzwerke. Ob man diese Dienste für sinnvoll hält oder nicht, man muss für alles dankbar sein, waas das eigene E-Mail-Postfach entlastet.

Immer, überall, jederzeit – vereint kommunizieren

Und wenn Sie es nicht mögen, können Sie es ja zurückgeben. Oder auch nicht. Unified Communications ist der neue Hype der IT-Branche. Instant Messaging, E-Mail, Video, Voice over IP – alles aus einer Hand, alles in einer Oberfläche.

Während die Kanäle möglicher Kommunikation immer zahlreicher werden, ist die Infrastruktur aus der Steinzeit. Die Kollegin, die zwei Tage die Woche in einem anderen Bürogebäude sitzt, muss über eine Kollegin im alten Büro ihre Anrufe übermittelt bekommen. E-Mails werden – je belangloser, desto besser – ausgedruckt und archiviert. Faxe, die zum gleichen Kontext gehören, werden ebenfalls archiviert – aber woanders.

Wird nun alles wunderbar? Wahrscheinlich nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass solche Technologien nie das einhalten, was sie versprechen. Videoconferencing hat sich auch deshalb nicht durchgesetzt, weil es die Möglichkeit nicht bietet, jemandem die Hand zu schütteln. Weihnachten im engsten Famlienkreis würde man schließlich auch nicht über eine Konferenz-Schaltung machen.

Auf die Gefahren des Präsenzmanagement habe ich schon aufmerksam gemacht. Zu irgendeinem Zeitpunkt wird es wirklich nicht mehr möglich sein, unerreichbar zu sein. Der U-Bahn-Tunnel ist dann kein Refugium für Mobilfunk-Geplagte, der Mount Everest wird über Satelit versorgt und selbst das Bermuda-Dreieck bekommt seinen Telefonanschluss. Aus einer möglichen Erreichbarkeit wird eine ständige Verfügbarkeit. Und manche werden dankbar nicken und sagen, dies ist notwendig und gut.

What UC is what you get

Unified Communications ist der totale Renner. Alles in einer Hand, Telefonieren, Mailen, Instant Messagen, videotelefonieren… Nur wenige haben offenbar gemerkt, was ein bestimmtes Feature für Nebenfolgen hat. Instant Messaging erlaubt die Abfrage, ob Person XY gerade erreichbar ist. UC als solches erlaubt die Kontrolle der gesamten Kommunikation, praktisch lassen sich sämtliche Anrufe mitschneiden und archivieren – auch die privaten.
Zum bitteren Ende gedacht erlaubt UC die totale Kontrolle des Mitarbeiters. Denn schließlich sollen mobile Features es ermöglichen, die UC-Möglichkeiten auch unterwegs zu nutzen. Der Arbeitgeber weiß also jederzeit, ob man sein Gerät gerade eingeschaltet hat, mit wem man telefoniert hat, wie lange und eventuell sogar – Geomapping machts möglich – wo er sich zu jedem Zeitpunkt aufhält, an dem er das Gerät bei sich und eingeschaltet hat.

Nebenbei: wenn sich die Videotelefonie durchsetzt, muss tatsächlich fast jeder, der halbwegs wichtig ist und Kontakt nach außen hat, immer wie aus dem Ei gepellt aussehen.