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Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen

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Wie ich im letzten Beitrag kurz angerissen habe, gibt es Berührungspunkte von Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit. Die Begriffe sind aber alles andere als deckungsgleich. Eine Seite, die für einen Blinden wunderbar zu benutzen ist, kann für einen Sehenden unbenutzbar sein, Eine Flash-Site hingegen ist für einen Blinden nicht zu gebrauchen und für den Sehenden meistens ein Greuel, obwohl er sie wahrscheinlich benutzen kann.

Machbarkeit

Im Prinzip spricht nichts dagegen, mit Menschen mit Behinderungen Usability-Tests durchzuführen. Den Schwerpunkt würde ich dabei auf Menschen mit geringer oder mittlerer Internet-Affinität legen, denn die anderen können auch in schwierigen Situationen zurechtkommen. Wenn die internet-afinnen Personen nicht mit der Seite arbeiten können, kann die Seite hingegen als unbenutzbar für die ganze Gruppe gelten.
Die Barrierefreiheit legt einen starken Schwerpunkt auf die Verbesserung der Benutzbarkeit und weniger auf die Benutzerfreundlichkeit. Alle Testverfahren, ob automatisch oder durch menschliche Tester durchgeführt, prüfen daher nach formalen Kriterien. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann man den Grad der Barrierefreiheit bewerten. Aspekte der Benutzerfreundlichkeit ließen sich auch in diese Tests aufnehmen, sie spielen aber zumindest in den mir bekannten Testverfahren keine Rolle.

Usability-Probleme

Nehmen wir als Beispiel ein Formular. Ein Formular kann neben dem Label auch eine Vorbelegung haben. Es kann dem Screenreader-Nutzer passieren, dass er drei Mal vorgelesen bekommt, was in das Formular einzutragen ist, einmal der Text vor dem Feld, eimmal das Label und einmal die Vorbelegung. Ich habe sogar ein Formular gesehen, wo statt einem Label ein Alternativtext für die Formularelemente vergeben wurde. Ob das von der HTML-4-Spezifikation gedeckt ist?
Das ist keine Barriere, aber nervtötend. Ein anderes Beispiel sind die Sprunganker, die ermöglichen sollen, einzelne Bereiche der Website direkt anzuspringen, aber mancher übertreibt es und gibt jedem Pixel auf der Website einen Sprunganker. Weitere Beispiele werde ich später nachtragen.

Testen mit den Schwächsten

Ein Problem bei Usability-Tests sind die unterschiedlichen technischen Fähigkeiten der Nutzer. Manche wissen nicht einmal, wie sie Lesezeichen in ihrem Browser ablegen können. Dazu kommt bei Menschen mit Behinderungen die sehr unterschiedliche Kenntnis der Hilfsmittel und deren Möglichkeiten. Wir haben also zwei Dimensionen von Problembereichen statt nur einem.
Personen mit geringen technischen Kompetenzen sind daher ideal für Usability-Tests geeignet, denn für sie ist die Barrierefreiheit wirklich unverzichtbar. Ich unterscheide hier zwischen Benutzbarkeit und Barrierefreiheit. Eine Seite kann auch dann nutzbar sein, wenn sie als unstrukturiertes HTML daher kommt, barrierefrei ist sie trotzdem nicht. Den Unterschied verstehen viele nicht.
Die gesamte Spannbreite verschiedener Behinderungen, Hilfstechniken und technischen Fähigkeiten wird man wohl nicht in einer Testgruppe abbilden können. Allein die Zahl der unterschiedlichen Sehbehinderungen läßt sich kaum mit annehmbaren Aufwand abbilden.

Der Testleiter ist gefordert

Aber auch vom Testleiter werden erweiterte Fähigkeiten erwartet. Er muss zum einen natürlich mit den Leuten kommunizieren können, also auch mit Gehörlosen oder Menschen mit Lernschwierrigkeiten. Zum anderen muss er aber auch ihre speziellen Arbeitsweisen mit dem Computer kennen, damit er Probleme erkennen kann, ohne nachzufragen oder einzugreifen. Schwieirig ist es zum Beispiel einem Sehbehinderten mit starker Vergrößerung bei seiner Arbeit am Computer zu folgen, zumindest wenn er geübt ist. Witzig ist die Kombination aus Screenreader und Vergrößerung. Man kann hier in zwei Bereichen gleichzeitig arbeiten: einmal kann man im auf dem Bildschirm sichtbaren Bereich Text lesen, zugleich kann man im Bereich des Screenreader-Fokus Text schreiben oder Befehle ausführen. Zudem kombiniert man die Vorteile einer Tastatursteuerung mit den Vorteilen einer Maussteuerung.
Ich bezweifle, dass irgend eine andere Person außer dem Sehbehinderten selbst versteht, was er da macht, aber dafür gibt es ja die Methode des lauten Denkens.

Ich denke, das macht den Unterschied zwischen Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit deutlich. Die Seite mag barrierefrei sein, ist aber nicht benutzerfreundlich. Es ist praktisch unmöglich, in angemessener Zeit in Inhaltsbereich der Seite zu erreichen. Offenbar wollte jede Abteilung ihren Platz auf der Startseite haben. Es kann aber auch sein, dass Screenreader-Nutzer hier mehr hören als Sehende sehen, weil einzelne Bereiche der Seite über CSS ausgeblendet sind, ich war zu faul, mir den Quelltext anzuschauen.
Die anderen Ministerien sind aber ähnlich schlecht.

Fazit

Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass eine Website – auch wenn sie barrierefrei ist – von ihrer Nutzung abschrecken kann, wenn sie aus Sicht eines Behinderten benutzerunfreundlich ist. Prinzipiell sind Barrierefreiheits-Tests ausreichend, um eine Reihe feststehender Kriterien zu prüfen. Am Ende müssen aber die Nutzer mit einer Behinderung das Angebot testen und auf Schwierigkeiten bei der Nutzung hinweisen. Ob man das Praxistest, Usability-Check oder was auch immer nennt, spielt keine Rolle.

Lektüre

Der Yahoo! Style Guide – Handbuch für Online-Redakteure

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Es gibt viele Bücher für Online-Redakteure, aber keines von ihnen stellt die Informationen in geraffter Form zusammen. Diese Lücke wird vom Yahoo! Style Guide gefüllt.

Der Aufbau

Der Guide ist stolze 500 Seiten dick. Das Inhaltsverzeichnis verrät im Grunde schon die gesamte Basis des Schreibens für das Web:

  • Schreibe für das Web
  • Finde heraus, wer deine Leser sind
  • Lege deinen Tonfall fest
  • Schreibe inklusiv
  • Drück dich klar und verständlich aus


Der Inhalt

Selbst für einen Blogger mit kleiner Leserschaft ist es sinnvoll, eine eigene Sprache zu entwickeln. Das heißt zum Beispiel, dass man bestimmte Wörter verwendet und andere nicht. Der regelmäßige Leser mag nach der Verbreitung von Twitter und Facebook seltener geworden sein, es gibt ihn aber noch. Und der wird sich schön wundern, wenn der Blogger an einem Tag einen locker-flockigen Ton anschlägt und im nächsten Beitrag plötzlich Juristen-Jargon verwendet.
Der Blogger ist in diesem Sinne eine Marke und kann ähnliche Strategien anwenden wie Unternehmen dies tun würden: ein einheitliches Design, eine einheitliche Sprache und Konsistenz. Das gilt dann umso mehr, wenn man mehr als einen Kanal bedient. Das ist übrigens das ganze Geheimnis um diese Kaugummi-Begriffe Corporate Design, corporate Wording, Corporate Language. Nebenbei gesagt: wer solche Begriffe verwendet möchte sagt etwas über sich selbst aus, er positioniert sich selbst und vermittelt diese Position oder Einstellung dem Leser. An diesem Beispiel sieht man recht gut, wie man mit Worten arbeiten kann und warum es wichtig ist, die eigene Stimme konsistent einzusetzen.
Wichtig ist auch eine klare Ausdrucksweise. Wir Redakteure verwenden viel Zeit mit der Suche nach schönen Formulierungen, anstatt mehr Wert auf Klarheit zu legen. In meinem Job arbeite ich gerne mit Beispielen, wenn ich die Aussage eines Wortes nicht klar genug finde. Diese Beispiele sind immer recht nah an der Lebenswelt meiner vorgestellten Leser.

Inklusivität

Ein Thema, um das sich Blogger und viele Firmen drücken ist die Gender-Frage. Schreibt man nun Schülerinnen und Schüler, SchülerInnnen, nur Schüler, weil weibliche da immer dabei sind oder was? Anatol Stefanowitsch hat sich damit beschäftigt und ich finde seine Aussagen überzeugend. Das Gleiche gilt dann auch für Behinderte oder Ausländer. Wer sich über Political Correctness beschwert oder sich keine Gedanken darüber machen möchte, wie man über Minderheiten oder benachteiligte Gruppen spricht, ohne sie zu beleidigen oder zu stigmatisieren, der sollte mit Verlaub einfach die Klappe halten.

Notwendige Einschränkungen

Das Buch stammt aus den USA. Wenn man aber nicht gerade amerikanisches Englisch schreibt, muss man Teile des Buchs mit Vorsicht genießen. Im letzten Teil stellt es sehr schön veraltete Regeln von Grammatik und Rechtschreibung dar, die man nicht mehr verwenden sollte. Ich würde mir so etwas für das Deutsche wünschen, denn ich bin auch dauernd am Überlegen, ob man bestimmte Wörter mit Bindestrich, getrennt oder groß schreibt. Der Duden ist mir da leider zu unübersichtlich.

Kaufempfehlung

Wenn man nur ein Buch zum Thema Online-Redaktion lesen möchte, empfehele ich den Yahoo! Style Guide. Er fasst alles Wissenswerte in kompakter Form zusammen. Und er kostet weniger als 20 Euro, die sehr gut angelegt sind. Er ist auch recht gut als Nachschlagewerk geeignet. Vor allem für Redakteure ist er auch nützlich, weil wir manchmal auch Dinge vergessen, die selbstverständlich sein sollten.

Weiterführendes

Chris Barr. The Yahoo! Style Guide: The Ultimate Sourcebook for Writing, Editing, and Creating Content for the Digital World. Griffin 2010
korolewski: Schreiben fürs Web
Texte fürs Web – Tutorial – stefanbucher.net
Barrierefreies Print – hier geht es auch um die Strukturierung von Text
Gibt es einen allgemeinen Wortschatz?

Hören statt sehen – Audios und Podcasts zum barrierefreien Web

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Viele Vortragende stellen mittlerweile Audio-Mitschnitte ihrer Vorträge bereit. Vor allem Blinde, aber nicht nur sie profitieren von Audio. Die Präsentationsfolien sind zwar interessant, aber auch oft unverständlich, wenn man den Vortrag nicht gehört hat. Eine Liste nützlicher Guidelines und Hilfen zur Barrierefreiheit habe ich schon veröffentlicht.
Der Webdesign-Podcast Technikwürze beschäftigt sich öfter mit Barrierefreiheit. Im aktuellen Beitrag um Contao formerly known as Typolight widmen sich die Teilnehmer ausführlich dem Thema Zugänglichkeit des Redaktionssystems.

Einfach für Alle bietet eine Reihe von Podcasts an, die zwar schon ein wenig älter , aber immer noch hörenswert sind.

Wirklich schwer macht es der Webkongress Erlangen 2010. Hier kommt man auf verschlungengen Wegen zu vielen Folien und Mitschnitten der Vorträge. Eine große Zahl der Vorträge befasst sich auch mit Barrierefreiheit. Um an die Audios zu kommen, klickt man zunächst auf den Vortrag, scrollt zum Fuß der Beschreibung, klickt auf Vortrag in “Multimedia-Formaten im Videoportal der FAU” und anschließend auf Download. Einfach, oder?

Web AXE ist ein englischsprachiger Weblog und Podcast zum Thema Barrierefreiheit. Von dem Podcast sind bisher 86 Episoden erschienen.

Auf Deutsch und Englisch ist der Webevangelist Christian Heilmann unterwegs. Seine zahlreichen Vorträge sind immer hörenswert und drehen sich oft um Barrierefreiheit.

Kongresse

Weblogs und Guidelines zur Barrierefreiheit und Zugänglichkeit

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Hier einige Quellen für Menschen, die sich mit Barrierefreiheit beschäftigen möchten. Die meisten davon sind nicht für Anfänger geeignet. Als Einführung ist für meinen Geschmack das Knowware-Heft von Jan Eric Hellbusch am besten geeignet, weil es kurz, übersichtlich und günstig ist. Eine Liste von Audios gibt es auch.

Quellen im Netz

Weblogs

Barrierefreie Konferenzen organisieren – englisch

Falls jemand noch interessante Links oder Guidelines hat, freue ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren.
Update vom 10.11.2010: Links gefixt, es scheint einen Bug in meiner WordPress-Installation zu geben, so dass ich mit dem WYSIWYG-Editor keine Links anlegen kann, die Links wurden repariert und sollten jetzt funktionieren. Sorry.

eLearning oder Webinar – neue Lernformen

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Mittlerweile habe ich auch eine von diesen obskuren Lerneinheiten mitgemacht – Webinare sind Seminare, die online abgehalten werden. Um alles zu sehen und zu hören, benötigt man einen Web-Browser mit Adobes Flash und eine Software namens Adobe Connect, die ebenfalls installiert werden muss. Um mitmachen zu können, ist zudem ein Headset optimal. Wer außerdem noch gesehen werden möchte, sollte eine Webcam haben. Natürlich braucht man einen aktuellen Computer mit Breitband-Internet.
Obwohl das Ganze recht technisch unproblematisch ist, würde ich es nicht noch einmal machen. Live-Sessions sind zwar ganz nett, aber zum Einen stören die schlechten Headsets und vor allem die Mikrofone der Teilnehmer. Es ist teilweise recht schwer, etwas zu verstehen. Zum Anderen will das richtige Seminar-Gefühl doch nicht aufkommen. Den Leuten gegenüber zu sitzen ist dann doch etwas anderes. Das ist aber vermutlich Geschmackssache. Viele Anbieter stellen nach den Sessions auch die Aufzeichnungen bereit, was aber wiederum nicht der Sinn von Seminaren ist.
Was mir besser gefällt sind eLearning-Kurse. Beim W3C läuft derzeit ein Training zu SVG an. Bis zum 1. Oktober kostet die Anmeldung 99 Dollar bzw. 99 Euro (mit der Währungsumrechnung scheinen sie es nicht so zu haben).
Einerseits ist das Training im Gegensatz zum Webinar asychron, d. h. die Leute sind nicht alle gleichzeitig online, eine Echtzeitkommunikation ist selten möglich. Andererseits bietet die Plattform mit Foren und Weblogs gute Austauschmöglichkeiten.
Ich hatte vor zwei Jahren schon das Training für Mobile Best Practices beim W3C mitgemacht und fand das ganz spannend. Dabei sind bestimmte Aufgaben, Übungen und Quizes zu absolvieren, damit man ein W3C-Zertifikat erhalten kann.
Es gibt auch andere Formen des Online-Lernens wobei man die Lektionen einzeln mit einem Tutor absolviert. Das ist zwar auch ganz nett, da man aber normalerweise keinen festen Zeitrahmen hat, neigt man ein wenig dazu, die Lerneinheiten andauernd auf später zu verschieben.
Das asynchrone Lernen in der Gruppe scheint mir daher der beste Weg zu sein und ich würde jedem, der an der Materie interessiert ist empfehlen, einmal ein Training beim W3C mitzumachen.

Access-News vom 21. Juli 2010 – Internet-Pamphlete ignorieren Menschen mit Behinderung

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Amazon verkauft in den USA mittlerweile mehr eBooks als gedruckte Hardcover. Im Preiskampf mit den Konkurrenten auf dem Markt für eBook-Reader und dem iPad wurden die Preise für die Geräte teils drastisch gesenkt. Außerhalb der USA hingegen schlummert der Markt für Lesegeräte und eBooks vor sich hin. Es fehlt das Angebot an aktuellen Büchern, was die noch recht teuren und unflexiblen Lesegeräte unattraktiv macht. Das ist bedauerlich, weil durch die Digitalisierung Menschen mit Behinderung wesentlich mehr Bücher in einer nutzbaren Form vorliegen könnten. Wahrscheinlich geht es dem deutschen Buchhandel noch zu gut. Andererseits ist das vielleicht nicht so schlimm, solange sich das Chaos um Formate und unterschiedliche Digital Rights Management-Ansätze noch nicht gelichtet hat. Vor allem Sehbehinderte könnten auch mit dem geringen Kontrast der aktuellen E-Book-Reader Probleme haben.

Der Chaos Computer Club veröffentlicht elf Thesen zum lebenswerten Web. Das Thema Zugänglichkeit haben sie aber vergessen. Websites und Dienstleistungen sollen so gestaltet sein, dass sie von möglichst vielen Menschen genutzt werden können, unabhängig von ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung oder ihrer technischen Ausstattung. Das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Personen, denen eine geringe Bandbreite oder veraltete Hardware zur Verfügung steht. Offenbar kann sich der CCC auch nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die nicht mit dem Internet ohne Weiteres zurecht kommen und denen das barrierefreie Web ebenfalls zugute kommt. Das sind vor allem ältere Menschen.

Update: Auch die Thesen der Piratenpartei liegen nun vor. Hier eine brillante Formulierung daraus:

Wer sich aus finanziellen Gründen keinen Netzzugang leisten kann, ist in der Informationsgesellschaft ein Obdachloser. Wem die Fähigkeiten
fehlen, sich im Netz zu bewegen, ist in der neuen Welt ein Behinderter, dem Hilfe zuteil werden muss.

Ich bin mal so frei, das auf die sprachliche Inkompetenz der Formulierenden zurückzuführen, andernfalls wäre das eine Beleidigung für Menschen mit Behinderung, von denen viele sich besser im Netz bewegen können und für die sich das Web nicht auf Facebook und YouTube beschränkt wie für viele andere Netzbewohner. Und nein, das Thema Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit kommt in den zehn Geboten der Piraten nicht vor.

Wie Blinde das Netz nutzen

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Eine aktuelle Artikelserie im Access-Weblog “Einfach für Alle” erklärt, wie Blinde das Web nutzen.
Zwar hat sich die Technik der Screenreader in den letzten Jahren deutlich gebessert und auch bei der Webtechnik sind kleine Verbesserungen eingetreten. Im Großen und Ganzen sind die Baustellen aber die gleichen geblieben. Textlastige Angebote kann man fast immer irgendwie erreichen. Andere Angebote sind praktisch unbenutzbar, wenn man auf die Tastatur angewiesen ist, und das sind nicht nur Blinde.
Ich hatte hier schon auf die BIENE hingewiesen, ein Wettbewerb, der die besten barrierefreien Webseiten prämiert. Die Webdesigner sollten mutiger sein und mehr Wert auf Benutzerfreundlichkeit als auf Design legen.

Die Orthographie im Web – wie das WWW die Haltung zur Rechtschreibung beeinflusst

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Der Prozess des Schreibens ist komplexer, als man auf den ersten Blick denken mag. Während man noch versucht, einen Gedanken in schriftliche Sprache zu fassen, müssen jahrelang gelrente Regeln über Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik im Hinterkopf mitgedacht werden.

Obwohl Textverarbeitungen mit eingebauten Rechtschreibfunktionen heute zum Standard gehören, scheint die Zahl der Personen zuzunehmen, die keinen Wert auf korekkte Orthographie liegen. Orthographische Fehler gehören im Web – aber mittlerweile auch offline – zum Alltag.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

- Die schiere Zahl der Schreiber und Texte hat durch das Web derart zugenommen, dass zwnagsläufig auch mehr Fehler gemacht werden. Das Schreiben für die Öffentlichkeit war früher einem zahlenmäßigen beschränkten Kreis gestattet.
- Die Flüchtigkeit des Lesens hat im Web zugenommen: Es werden mehr Texte angesehen, aber wenige Texte werden tatsächlich von vorne bis hinten durchgelesen. Das ist meistens weder nötig noch möglich, da E-Mails, Artikel und SMS en Mass eintreffen und bei genauer Lektüre kaum zu bewältigen wären.
- Die Beherrschung der korrekten Orthographie nimmt ab. Tageszeitungen in gedruckter und digitaler Form wimmeln von Fehler in der Syntax. Diese Artikel, die praktisch immer von professionellen Journalisten verfasst werden, wurden offenbar nicht noch einmal durchgesehen. Zugleich nimmt aber auch die Kenntnis der Leser darüber ab, wie korrekt geschrieben wird. Wo sich der Deutsch-Lehrer entnervt an den Kopf schlägt, liest der Laie einfach darüber hinweg.
- Aus Kostengründen werden oft – vor allem im Internet – keine Lektoren mehr eingesetzt.
- Redaktionssysteme verfügen oft über keine gut bedienbare Rechtschreibkontrolle. Oftmals werden die Texte direkt hier eingetippt, also ohne automatische Rechtschreibprüfung.

Einer der wichtigsten Gründe mag aber sein, dass viele digitale Texte derart flüchtig sind, dass die Tippfehler von niemandem registriert werden. Ein Text kann mehrere Minuten auf der Startseite stehen, um dann Auf-Nimmer-Wiedersehen in den Untiefen der Website zu verschwinden.

Viele werden das als Niedergang des Abendlandes bewerten. Doch die Entwicklung ist differenziert zu betrachten. Der einzige praktische Nutzen der Orthographie besteht darin, dass sie die Verständlichkeit fördert: Ein falsch gesetztes oder fehlendes Komma erschwert oft die Verständlichkeit. Die Demokratisierung des Schreibens hat aber eben auch zur Folge, dass viele Menschen viele Fehler machen, weil für sie das Sich-Ausdrücken im Vordergrund steht, die Orthographie aber eines der komplexesten Themen ist, die man sich antun kann.

Die Revolution des Lernens – E-Learning

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Lebenslanges Lernen ist bisher ein leeres Schlagwort geblieben. Die Möglichkeiten sind begrenzt, oft kostspielig und fast immer unflexibel. Abhilfe schaffen könnten die verschiedenen Formen des computergestützten Lernens.

Das beste Beispiel ist die Verbreitung des 100-Dollar-Laptop, bekannter als „“one laptop per child“. Während viel über die technische Ausstattung des Gerätes diskutiert wurde, war kaum etwas davon zu hören, was und wie sich mit dem Computer arbeiten lässt. Die Laptops werden mit dem freien Betriebssystem Fedora vertrieben, einer Linux-Distribution. Das System lässt sich – im Gegensatz zu Windows – flexibel anpassen. Mit einer relativ kurzen Einführung ist man in der Lage, selbstständig in den Quellcode einzugreifen, ohne das System zu killen. Die Programmiersprache Python, die als leicht zu erlernen gilt, ist ebenfalls vorhanden. So kann man spielerisch in die Programmierung einsteigen und lernt zugleich, wie ein Computer funktioniert. Durch drahtlose Netzwerke können sich die Kinder untereinander austauschen. Sie haben damit die Möglichkeit, sehr viel früher in die Technik von Computern und in Formen der kollaborativen Zusammenarbeit einzusteigen, als die Kinder im Westen das tun. Zudem können sie mit entsprechender Software selbstständig lernen, sie werden unabhängiger von einem chronisch schlecht versorgten Bildungssystem.

Eine andere Geschichte sind webbasierte Trainings, gelegentlich Webinare genannt. Das W3C macht derzeit eines zum Thema „Mobiles Web“. In sieben Wochen werden sieben Lektionen absolviert. Jede Lektion hat entweder ein Quiz oder eine Prüfung. Über ein Diskussionsforum können Probleme und Lösungen untereinander und mit den Tutoren diskutiert werden. Die Prüfungen werden vom Tutor begutachtet und kommentiert. Am Ende kann man ein Teilnahmezertifikat erhalten. Das Problem bei reinen Online-Kursen ohne Präsenzphase besteht natürlich darin, daß es keine Präsenzphase und damit keine qualifizierte Prüfung gibt.

In der letzten Zeit gab es eine Reihe von Spielen und Programmen, die beim Erlernen eines Musikinstrumentes helfen. Das Lernen auf Basis von Software ist wohl die günstigste Variante. Allerdings muss man hier oft auf den Austausch zwischen Gleichgesinnten und fast immer auf einen Tutor sowie eine Abschlussprüfung verzichten. Da man hierzulande für alles und jedes ein Zertifikat braucht, ist das softwarebasierte Lernen also eher für private Zwecke interessant. Dennoch gibt es hier ein breites Angebot: vom Sprachen lernen hin zu Fotobearbeitung oder Programmieren.

Es erfordert zunächst eine geistige Umstellung, um vom Präsenzunterricht auf das E-Learning umzusteigen. Zudem treten Fähigkeiten wie Lerntechniken, Selbstdisziplin, Selbstmotivation, selbstständiges Problemlösen noch stärker in den Vordergrund. Dennoch muss man feststellen, dass computerbasiertes Lernen den Wissenserwerb wesentlich erleichtert hat.

Internet – gibts den Quatsch immer noch?

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Das fragte Homer Simpson seine Tochter Lisa. Vielen Leuten erscheint das Web als Zeitfreser, Zeitverschwendung, Lebenszeitfresser und Ablenkungsmaschine. Zurecht.

Der amerikanische Technolgiekritiker Nicholas Carr vertritt prominent solche Meinungen. Google macht blöd, so schreibt er in The Atlantic, ein Artikel, den ich über Google gefunden habe.

Die Zeit meint sogar, die digitale Spaltung drehe sich um: die Gebildeten würden tendentiell das Web weniger nutzen, während die unteren Schichten das Web als billige Unterhaltungsmaschine verwenden.

Trend erkannt, Gefahr gebannt? Zumindest hat die Zeit nun einen Trend ausgerufen. Allerings hat ein Herr namens Michael Walker schon vor vier Jahren einen ähnlichen Trend ausgemacht.

Vielleicht wird es jetzt schick für Jungintellektuelle zu sagen: “Internet, habe ich nicht”, so wie es früher Mode war, keinen Fernseher zu haben und dies allen mitzuteilen, die es nicht hören wollen, um die eigene geniale Überlegenheit vor dem Anderen zur Schau zu tragen.

Vielleicht aber sollte man lernen, mit dem Internet als Instrument zu arbeiten. Das heißt, die Surfzeit streng zu rationieren, Internet-Recherchen durchzuplanen, den Umgang mit Twitter und E-Mail diszipliniert und sparsam zu pflegen.