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Der Yahoo! Style Guide – Handbuch für Online-Redakteure

Es gibt viele Bücher für Online-Redakteure, aber keines von ihnen stellt die Informationen in geraffter Form zusammen. Diese Lücke wird vom Yahoo! Style Guide gefüllt.

Der Aufbau

Der Guide ist stolze 500 Seiten dick. Das Inhaltsverzeichnis verrät im Grunde schon die gesamte Basis des Schreibens für das Web:

  • Schreibe für das Web
  • Finde heraus, wer deine Leser sind
  • Lege deinen Tonfall fest
  • Schreibe inklusiv
  • Drück dich klar und verständlich aus


Der Inhalt

Selbst für einen Blogger mit kleiner Leserschaft ist es sinnvoll, eine eigene Sprache zu entwickeln. Das heißt zum Beispiel, dass man bestimmte Wörter verwendet und andere nicht. Der regelmäßige Leser mag nach der Verbreitung von Twitter und Facebook seltener geworden sein, es gibt ihn aber noch. Und der wird sich schön wundern, wenn der Blogger an einem Tag einen locker-flockigen Ton anschlägt und im nächsten Beitrag plötzlich Juristen-Jargon verwendet.
Der Blogger ist in diesem Sinne eine Marke und kann ähnliche Strategien anwenden wie Unternehmen dies tun würden: ein einheitliches Design, eine einheitliche Sprache und Konsistenz. Das gilt dann umso mehr, wenn man mehr als einen Kanal bedient. Das ist übrigens das ganze Geheimnis um diese Kaugummi-Begriffe Corporate Design, corporate Wording, Corporate Language. Nebenbei gesagt: wer solche Begriffe verwendet möchte sagt etwas über sich selbst aus, er positioniert sich selbst und vermittelt diese Position oder Einstellung dem Leser. An diesem Beispiel sieht man recht gut, wie man mit Worten arbeiten kann und warum es wichtig ist, die eigene Stimme konsistent einzusetzen.
Wichtig ist auch eine klare Ausdrucksweise. Wir Redakteure verwenden viel Zeit mit der Suche nach schönen Formulierungen, anstatt mehr Wert auf Klarheit zu legen. In meinem Job arbeite ich gerne mit Beispielen, wenn ich die Aussage eines Wortes nicht klar genug finde. Diese Beispiele sind immer recht nah an der Lebenswelt meiner vorgestellten Leser.

Inklusivität

Ein Thema, um das sich Blogger und viele Firmen drücken ist die Gender-Frage. Schreibt man nun Schülerinnen und Schüler, SchülerInnnen, nur Schüler, weil weibliche da immer dabei sind oder was? Anatol Stefanowitsch hat sich damit beschäftigt und ich finde seine Aussagen überzeugend. Das Gleiche gilt dann auch für Behinderte oder Ausländer. Wer sich über Political Correctness beschwert oder sich keine Gedanken darüber machen möchte, wie man über Minderheiten oder benachteiligte Gruppen spricht, ohne sie zu beleidigen oder zu stigmatisieren, der sollte mit Verlaub einfach die Klappe halten.

Notwendige Einschränkungen

Das Buch stammt aus den USA. Wenn man aber nicht gerade amerikanisches Englisch schreibt, muss man Teile des Buchs mit Vorsicht genießen. Im letzten Teil stellt es sehr schön veraltete Regeln von Grammatik und Rechtschreibung dar, die man nicht mehr verwenden sollte. Ich würde mir so etwas für das Deutsche wünschen, denn ich bin auch dauernd am Überlegen, ob man bestimmte Wörter mit Bindestrich, getrennt oder groß schreibt. Der Duden ist mir da leider zu unübersichtlich.

Kaufempfehlung

Wenn man nur ein Buch zum Thema Online-Redaktion lesen möchte, empfehele ich den Yahoo! Style Guide. Er fasst alles Wissenswerte in kompakter Form zusammen. Und er kostet weniger als 20 Euro, die sehr gut angelegt sind. Er ist auch recht gut als Nachschlagewerk geeignet. Vor allem für Redakteure ist er auch nützlich, weil wir manchmal auch Dinge vergessen, die selbstverständlich sein sollten.

Weiterführendes

Chris Barr. The Yahoo! Style Guide: The Ultimate Sourcebook for Writing, Editing, and Creating Content for the Digital World. Griffin 2010
korolewski: Schreiben fürs Web
Texte fürs Web – Tutorial – stefanbucher.net
Barrierefreies Print – hier geht es auch um die Strukturierung von Text
Gibt es einen allgemeinen Wortschatz?

Hören statt sehen – Audios und Podcasts zum barrierefreien Web

Viele Vortragende stellen mittlerweile Audio-Mitschnitte ihrer Vorträge bereit. Vor allem Blinde, aber nicht nur sie profitieren von Audio. Die Präsentationsfolien sind zwar interessant, aber auch oft unverständlich, wenn man den Vortrag nicht gehört hat. Eine Liste nützlicher Guidelines und Hilfen zur Barrierefreiheit habe ich schon veröffentlicht.
Der Webdesign-Podcast Technikwürze beschäftigt sich öfter mit Barrierefreiheit. Im aktuellen Beitrag um Contao formerly known as Typolight widmen sich die Teilnehmer ausführlich dem Thema Zugänglichkeit des Redaktionssystems.

Einfach für Alle bietet eine Reihe von Podcasts an, die zwar schon ein wenig älter , aber immer noch hörenswert sind.

Wirklich schwer macht es der Webkongress Erlangen 2010. Hier kommt man auf verschlungengen Wegen zu vielen Folien und Mitschnitten der Vorträge. Eine große Zahl der Vorträge befasst sich auch mit Barrierefreiheit. Um an die Audios zu kommen, klickt man zunächst auf den Vortrag, scrollt zum Fuß der Beschreibung, klickt auf Vortrag in “Multimedia-Formaten im Videoportal der FAU” und anschließend auf Download. Einfach, oder?

Web AXE ist ein englischsprachiger Weblog und Podcast zum Thema Barrierefreiheit. Von dem Podcast sind bisher 86 Episoden erschienen.

Auf Deutsch und Englisch ist der Webevangelist Christian Heilmann unterwegs. Seine zahlreichen Vorträge sind immer hörenswert und drehen sich oft um Barrierefreiheit.

Kongresse

  • Vorträge des A-Tag 2010 in Wien
  • Vorträge des A-Tag 2009 in Wien

eLearning oder Webinar – neue Lernformen

Mittlerweile habe ich auch eine von diesen obskuren Lerneinheiten mitgemacht – Webinare sind Seminare, die online abgehalten werden. Um alles zu sehen und zu hören, benötigt man einen Web-Browser mit Adobes Flash und eine Software namens Adobe Connect, die ebenfalls installiert werden muss. Um mitmachen zu können, ist zudem ein Headset optimal. Wer außerdem noch gesehen werden möchte, sollte eine Webcam haben. Natürlich braucht man einen aktuellen Computer mit Breitband-Internet.
Obwohl das Ganze recht technisch unproblematisch ist, würde ich es nicht noch einmal machen. Live-Sessions sind zwar ganz nett, aber zum Einen stören die schlechten Headsets und vor allem die Mikrofone der Teilnehmer. Es ist teilweise recht schwer, etwas zu verstehen. Zum Anderen will das richtige Seminar-Gefühl doch nicht aufkommen. Den Leuten gegenüber zu sitzen ist dann doch etwas anderes. Das ist aber vermutlich Geschmackssache. Viele Anbieter stellen nach den Sessions auch die Aufzeichnungen bereit, was aber wiederum nicht der Sinn von Seminaren ist.
Was mir besser gefällt sind eLearning-Kurse. Beim W3C läuft derzeit ein Training zu SVG an. Bis zum 1. Oktober kostet die Anmeldung 99 Dollar bzw. 99 Euro (mit der Währungsumrechnung scheinen sie es nicht so zu haben).
Einerseits ist das Training im Gegensatz zum Webinar asychron, d. h. die Leute sind nicht alle gleichzeitig online, eine Echtzeitkommunikation ist selten möglich. Andererseits bietet die Plattform mit Foren und Weblogs gute Austauschmöglichkeiten.
Ich hatte vor zwei Jahren schon das Training für Mobile Best Practices beim W3C mitgemacht und fand das ganz spannend. Dabei sind bestimmte Aufgaben, Übungen und Quizes zu absolvieren, damit man ein W3C-Zertifikat erhalten kann.
Es gibt auch andere Formen des Online-Lernens wobei man die Lektionen einzeln mit einem Tutor absolviert. Das ist zwar auch ganz nett, da man aber normalerweise keinen festen Zeitrahmen hat, neigt man ein wenig dazu, die Lerneinheiten andauernd auf später zu verschieben.
Das asynchrone Lernen in der Gruppe scheint mir daher der beste Weg zu sein und ich würde jedem, der an der Materie interessiert ist empfehlen, einmal ein Training beim W3C mitzumachen.

Access-News vom 21. Juli 2010 – Internet-Pamphlete ignorieren Menschen mit Behinderung

Amazon verkauft in den USA mittlerweile mehr eBooks als gedruckte Hardcover. Im Preiskampf mit den Konkurrenten auf dem Markt für eBook-Reader und dem iPad wurden die Preise für die Geräte teils drastisch gesenkt. Außerhalb der USA hingegen schlummert der Markt für Lesegeräte und eBooks vor sich hin. Es fehlt das Angebot an aktuellen Büchern, was die noch recht teuren und unflexiblen Lesegeräte unattraktiv macht. Das ist bedauerlich, weil durch die Digitalisierung Menschen mit Behinderung wesentlich mehr Bücher in einer nutzbaren Form vorliegen könnten. Wahrscheinlich geht es dem deutschen Buchhandel noch zu gut. Andererseits ist das vielleicht nicht so schlimm, solange sich das Chaos um Formate und unterschiedliche Digital Rights Management-Ansätze noch nicht gelichtet hat. Vor allem Sehbehinderte könnten auch mit dem geringen Kontrast der aktuellen E-Book-Reader Probleme haben.

Der Chaos Computer Club veröffentlicht elf Thesen zum lebenswerten Web. Das Thema Zugänglichkeit haben sie aber vergessen. Websites und Dienstleistungen sollen so gestaltet sein, dass sie von möglichst vielen Menschen genutzt werden können, unabhängig von ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung oder ihrer technischen Ausstattung. Das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Personen, denen eine geringe Bandbreite oder veraltete Hardware zur Verfügung steht. Offenbar kann sich der CCC auch nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die nicht mit dem Internet ohne Weiteres zurecht kommen und denen das barrierefreie Web ebenfalls zugute kommt. Das sind vor allem ältere Menschen.

Update: Auch die Thesen der Piratenpartei liegen nun vor. Hier eine brillante Formulierung daraus:

Wer sich aus finanziellen Gründen keinen Netzzugang leisten kann, ist in der Informationsgesellschaft ein Obdachloser. Wem die Fähigkeiten
fehlen, sich im Netz zu bewegen, ist in der neuen Welt ein Behinderter, dem Hilfe zuteil werden muss.

Ich bin mal so frei, das auf die sprachliche Inkompetenz der Formulierenden zurückzuführen, andernfalls wäre das eine Beleidigung für Menschen mit Behinderung, von denen viele sich besser im Netz bewegen können und für die sich das Web nicht auf Facebook und YouTube beschränkt wie für viele andere Netzbewohner. Und nein, das Thema Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit kommt in den zehn Geboten der Piraten nicht vor.

Die Orthographie im Web – wie das WWW die Haltung zur Rechtschreibung beeinflusst

Der Prozess des Schreibens ist komplexer, als man auf den ersten Blick denken mag. Während man noch versucht, einen Gedanken in schriftliche Sprache zu fassen, müssen jahrelang gelrente Regeln über Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik im Hinterkopf mitgedacht werden.

Obwohl Textverarbeitungen mit eingebauten Rechtschreibfunktionen heute zum Standard gehören, scheint die Zahl der Personen zuzunehmen, die keinen Wert auf korekkte Orthographie liegen. Orthographische Fehler gehören im Web – aber mittlerweile auch offline – zum Alltag.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

– Die schiere Zahl der Schreiber und Texte hat durch das Web derart zugenommen, dass zwnagsläufig auch mehr Fehler gemacht werden. Das Schreiben für die Öffentlichkeit war früher einem zahlenmäßigen beschränkten Kreis gestattet.
– Die Flüchtigkeit des Lesens hat im Web zugenommen: Es werden mehr Texte angesehen, aber wenige Texte werden tatsächlich von vorne bis hinten durchgelesen. Das ist meistens weder nötig noch möglich, da E-Mails, Artikel und SMS en Mass eintreffen und bei genauer Lektüre kaum zu bewältigen wären.
– Die Beherrschung der korrekten Orthographie nimmt ab. Tageszeitungen in gedruckter und digitaler Form wimmeln von Fehler in der Syntax. Diese Artikel, die praktisch immer von professionellen Journalisten verfasst werden, wurden offenbar nicht noch einmal durchgesehen. Zugleich nimmt aber auch die Kenntnis der Leser darüber ab, wie korrekt geschrieben wird. Wo sich der Deutsch-Lehrer entnervt an den Kopf schlägt, liest der Laie einfach darüber hinweg.
– Aus Kostengründen werden oft – vor allem im Internet – keine Lektoren mehr eingesetzt.
– Redaktionssysteme verfügen oft über keine gut bedienbare Rechtschreibkontrolle. Oftmals werden die Texte direkt hier eingetippt, also ohne automatische Rechtschreibprüfung.

Einer der wichtigsten Gründe mag aber sein, dass viele digitale Texte derart flüchtig sind, dass die Tippfehler von niemandem registriert werden. Ein Text kann mehrere Minuten auf der Startseite stehen, um dann Auf-Nimmer-Wiedersehen in den Untiefen der Website zu verschwinden.

Viele werden das als Niedergang des Abendlandes bewerten. Doch die Entwicklung ist differenziert zu betrachten. Der einzige praktische Nutzen der Orthographie besteht darin, dass sie die Verständlichkeit fördert: Ein falsch gesetztes oder fehlendes Komma erschwert oft die Verständlichkeit. Die Demokratisierung des Schreibens hat aber eben auch zur Folge, dass viele Menschen viele Fehler machen, weil für sie das Sich-Ausdrücken im Vordergrund steht, die Orthographie aber eines der komplexesten Themen ist, die man sich antun kann.

Internet – gibts den Quatsch immer noch?

Das fragte Homer Simpson seine Tochter Lisa. Vielen Leuten erscheint das Web als Zeitfreser, Zeitverschwendung, Lebenszeitfresser und Ablenkungsmaschine. Zurecht.

Der amerikanische Technolgiekritiker Nicholas Carr vertritt prominent solche Meinungen. Google macht blöd, so schreibt er in The Atlantic, ein Artikel, den ich über Google gefunden habe.

Die Zeit meint sogar, die digitale Spaltung drehe sich um: die Gebildeten würden tendentiell das Web weniger nutzen, während die unteren Schichten das Web als billige Unterhaltungsmaschine verwenden.

Trend erkannt, Gefahr gebannt? Zumindest hat die Zeit nun einen Trend ausgerufen. Allerings hat ein Herr namens Michael Walker schon vor vier Jahren einen ähnlichen Trend ausgemacht.

Vielleicht wird es jetzt schick für Jungintellektuelle zu sagen: “Internet, habe ich nicht”, so wie es früher Mode war, keinen Fernseher zu haben und dies allen mitzuteilen, die es nicht hören wollen, um die eigene geniale Überlegenheit vor dem Anderen zur Schau zu tragen.

Vielleicht aber sollte man lernen, mit dem Internet als Instrument zu arbeiten. Das heißt, die Surfzeit streng zu rationieren, Internet-Recherchen durchzuplanen, den Umgang mit Twitter und E-Mail diszipliniert und sparsam zu pflegen.

Aus Freude an der Kommunikation

Es steht heute in jeder Stellenausschreibung: Sei kommunikationsstark! Sogar der Abfall-Abtransport-Fachmann muss heute vermutlich Krisenkommunikation treiben, wenn zum Beispiel ein verrotztes Taschentuch am Boden des Containers klebt.

Man wagt es kaum noch, sich über unverlangte Werbung im Briefkasten zu beschwerden. Wenn sie adressiert ist, hat man sie sich ohnehin selbst eingehandelt. Da haben es einige mit der Kommunikationsstärke wohl zu weit getrieben. Die größte Werbeschleuder dieser Art ist mittlerweile die Deutsche Post. Unverlangt erhält man eine Plastiktüte voller Werbung in den Briefkasten. Gut 100 dieser Packen liegen Samstag auf den hochhäuslichen Briefkästen.

Doch das größte Ärgernis ist heute die Massenkommunikation. Einige Leute meinen, sie müssten E-Mails an Hunderte von Personen verschicken, um ihnen etwas von wenig Belang mitzuteilen. Sie besitzen nicht die Gnade, die Adressaten zumindest in die BCC zu setzen. Einige wollen vermutlich ihre Mitbürger mit der großen Zahl der Leute beeindrucken, die sie kennen.Ich erhalte durch diverse Mailinglisten mittlerweile um die dreißig Mails am Tag. 25 davon werden ungelesen gelöscht. Über Filter werden die Mails automatisch einsortiert, die Mails von Mailinglisten landen praktisch alle ungelesen im Müll.

Wir sollten weniger Kommunikation wagen: Twittern statt Mailen, unsere Lebensweisheiten über Blogs, RSS oder StudiVZ verbreiten, wo sie jeder lesen kann, wenn er mag. Wir sollten öfter mal zum Telefon greifen, die zwanzig Meter zum Büro unseres Gesprächspartners nehmen, wir sollten Briefe schreiben und uns Mühe geben, die Kommunikation diszipliniert und entspannt zu gestalten. Und den Computer abschalten.

Leserbindung durch Communitybuilding

Die meisten Zeitungen haben heute Anhängsel im Internet. Nun ja, vielleicht sind die Printprodukte nun Anhängsel des Webauftritts. Zumindest ist die Zeit vorbei, wo man seine Artikel einfach nur online gestellt hat, als ob das Web aus Texten bestehe.

Was tatsächlich fehlt, ist eine Leserbindung im Web. Die Zeitungen haben es relativ verschlafen, hier frühzeitig anzufangen. Dabei gibt es gute Vorbilder, in Deutschland etwa das Online-Magazin Telepolis. Hier ist an jeden Artikel ein Forum drangehängt, welches nicht immer zu lesen lohnt. Allerdings stehen da gelegentlich auch intelligente Kommentare drin, manche User sind schon seit vielen Jahren dabei und haben mehr Kommentare bei TP hinterlassen als irgend einem anderen Medium.

Geradezu schlabbrig wirken da die angehängten Foren bei welt.de oder taz. Beide haben – und da sind sie in der Online-Zeitungslandschaft keine Ausnahme – kein Management ihrer Community. Die Beiträge werden absteigend hintereinander angezeigt. Spam soll durch Captchas ausgebremst werden, doch das, was durch die Filter kommt, ist qualitativ auch nicht wesentlich besser.

Welt online wimmelt somit von Kommentaren, durch die man sich durchblättern mag – aber wer tut das? Bei der taz hingegen sind Kommentare relativ rar gesät.

Wie das Beispiel Telepolis aber zeigt, ermöglichen Communities eine Leserbindung. In Communties können sich wie im Social Web üblich, Beziehungen entwickeln. Man lernt sich kennen, diskutiert regelmäßig miteinander, freut sich, wenn man sich wieder trifft. Wie im wahren Leben.

Communities sind also nicht nur aufwendige Zeitverschwendung, sie sind praktisch der einzige Weg, die Bindung der Leser zu erhöhen und zu sichern.

Lost in Space – Deutscher Wahlkampf im Netz

Der bisherige Umgang deutscher Parteien mit dem Netz ist eher wenig beeindruckend. Im Superwahljahr 2009 – Europawahl, Bundestagswahl, diverse Länder- und Kommunalwahlen – zeigen die Deutschen, was sie von Obamas wahlkampf gelernt haben.

Dabei gibt es natürlich große Unterschiede zu beachten. Obama hat die besten Leute der Zunft für viel Geld engagieren können. Und er hat seinen Wahlkampf so ausgerichtet, dass das Netz darin eine große Rolle spielt.Zudem hat er zwei Jahre vor der Wahl mit dem Aufbau des Web-Wahlkampfs begonnen. Und natürlich hat er den klassischen Wahlkampf fortgeführt. Hier ist seine Einführungsrede bei der Vereidigung:

In Deutschland müsste ein Internetwahlkampf von seinen Botschaften natürlich anders aufgezogen werden. Patritiotismus und Pathos kommt hierzulande kaum an.

Doch das ist nicht das eigentliche Hindernis. Deutsche Parteien leben hauptsächlich von kommunalen Mitgliedern, die die Hauptlast des Wahlkampfes tragen. Sie stehend frierend im Regen, lassen sich von älteren Menschen zuschwätzen, die sonst niemanden zum Reden haben und von Passanten beschimpfen, die sie persönlich für die Politik der Bundesregierung verantwortlich machen. Vielleicht noch schlimmer ist die kalte Ignoranz, die ihnen von desinteressierten Leuten entgegenschlägt.
Hier ein Vcast von Thorsten Schäfer-Gümbel:

Es fehlt eine junge engagierte aber lockere Basis, die den Wahlkampf im Web übernehmen könnte. Das System in den USA ist anders. Präsidentschaftswahlkämpfe mobilisieren oft viele Anhänger, und deren Freunde und deren Freunde. Doch auch in Deutschland gibt es viele Jüngere, die sich engagieren möchten, ohne in eine Partei oder andere Gruppierung einzutreten. In den USA hat man verstanden, wie man diese jungen Leute zeitweise mobilisieren kann.
Zudem fehlt den Parteien das Geld, um Experten zu engagieren, die die Basisarbeit übernehmen könnten. Erschwerend kommt der Faktor hinzu, dass es Deutschland noch relativ wenige Spezialisten für Online-Marketing, Online-Kommunikation und Online-Campaining gibt. Eine Adword-Kampagne bei Google zu starten macht einen noch nicht zum Onlinemarketingspezi.
Und last not least fehlt das Interesse und der Mut, neue Technologien auszuprobieren. Einige Diskussionen unter Journalisten über Twitter oder Facebook sind erschreckend. Nicht so sehr, weil sie diese Tools ablehnen, sondern weil sie sie ablehnen, ohne sie überhaupt ausprobiert zu haben und offenbar ohne zu wissen, worum es dabei eigentlich geht.