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Die Erde als System

James Lovelock, Miterfinder der Gaia-Hypothese, hat der Technology Review ein längeres Interview gegeben. Die Gaia-Hypothese geht davon aus, dass die Erde als Ganzes, besonders ihre Oberfläche ein lebendiges System darstellt. Leben ist hier im Sinne der Selbstorganisation und des Selbsterhalts zu verstehen. Diese Theorie lässt sich besser verstehen, wenn man statt von einem lebendigen Organismus von einem lebendigen System ausgeht. Das System sorgt für die nötige Stabilität und Organisation, damit es weiter bestehen kann. Die Bestandteile des Systems stehen in einer komplexen Wechselwirkung, jede Veränderung eines einzelnen Faktors hat zur Folge, dass sich weitere Faktoren verändern. Eine Absenkung der Temperatur hat zur Folge, dass sich andere Tiere und Pflanzen heimisch fühlen. Das Aussterben bestimmter Pflanzen oder Tiere hat zur Folge, dass andere Tier- und Pflanzenarten ihren Platz einnehmen.

Damit ist auch der Nutzen einer solchen Hypothese  erklärt: Es geht darum, komplexe Wechselwirkungen zu verstehen und nachzuvollziehen. Der Mangel an solchem Denken führt dazu, das unbedachte Maßnahmen großen Schaden anrichten, weil Maßnahmen nicht zu Ende gedacht wurden.

Lovelock ist ein eher eigenwilliger Typ. In besagtem Interview schlägt er die Umwandlung von landwirtschaftlichen Abfällen in Holzkohle vor, die dann vergraben werden soll. Das scheint mir eine zu starke Konzentration auf CO² zu sein. Zudem scheint er in atomaren Abfällen kein Problem zu sehen. Der Knackpunkt ist aber, dass er meint, es sei wichtiger, sich auf den globalen Klimawandel vorzubereiten, statt halbherzige Maßnahmen einzuleiten.

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Ein Rührstück politischer Rhetorik

Politische Rhetorik hat hauptsächlich das Ziel, elegant die Fallen zu umschiffen, die eine falsche Aussage darstellen können. Wer die politische Rhetorik nicht beherrscht, kommt im Allgemeinen nicht weit. Olaf Scholz war so jemand, sicherlich einer der hölzernsten Generalsekretäre, die eine Partei jemals gehabt hat. Ein ähnlich wenig ansprechendes Stück leistete sich der Jung-Unionist Alexander Fischer im DeutschlandRadio, nachzulesen hier. Dem Journalisten muss man sehr zu gute halten, dass er hart nachgebohrt und die Schwächen Fischers bloß gelegt hat. In deutschen Medien ist hartes Nachfragen eine der Medientodsünden.

Fischers Problem lag darin, dass er sich interviewen ließ, obwohl er eigentlich nichts zu sagen hatte. Er wollte sich weder über die Qualität der Spitzenfunktionäre seiner Partei äußern, noch über die Rolle privaten Verhaltens und deren Auswirkungen auf ein Partei- und Politamt.