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Warum das Schreiben auf dem iPad für Kreative schwierig ist

Jahrzehntelang haben Stift, Block und Tastatur den Schreibprozess bestimmt. Mit IPad, Smartphone und Handy haben sich neue Probleme für Vielschreiber ergeben, die ich im Folgenden betrachten möchte.

Kreativ versus logisch-rational

Auf der guten alten Schreibmaschine hatte man nicht allzuviele Formatierungsmöglichkeiten. Das hat sich mit dem Personalcomputer geändert. Heute würde man gewaltigen Ärger bekommen, wenn man unformatierten Text abgeben würde.
Dabei fällt auf, dass das Schreiben von Text und das Formatieren kognitiv zwei völlig unterschiedliche Aufgaben sind. Logisch wäre es, einen Satz zu schreiben, ihn wenn nötig zu formatieren, den nächsten Abschnitt zu schreiben, ihn zu formatieren und so fort. Der Vorteil liegt darin, dass man kaum eine Formatierung vergisst, die man für nötig hält. Hinterher müsste man den gesamten Text noch einmal durchgehen und gucken, wo eine Formatierung nötig ist.
In der Praxis verfährt meiner Erfahrung nach keiner so. Wir kennen alle die Geschichte über die zwei Hirnhemisphären, die eine kreativ, die andere rational. Aus der Sicht des Schreibprozesses könnte da was dran sein. Niemand unterbricht gerne seinen Schreibprozess, wenn er gerade in Fahrt ist. Da stünde die Formatierung einfach im Wege. Für mich ist das wie das Umschalten zwischen zwei Arbeitsmodi, der eine kreativ, der andere rational. Die Umschaltung würde so lange dauern, dass man am Ende keinen kreativen Gedanken zustande bekommt. Mir ist das sowohl beim Formatieren von Text mit der Textverarbeitung als auch mit HTML-Tags aufgefallen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Rechtschreibkorrektur oder für die logische Gliederung mit Überschriften.
Deswegen darf sich jeder glücklich schätzen, der sehr schnell schreiben kann. Denn das Aneinanderreihen von Worten ist beim Schreiben der eigentlich kreative Prozess, während das Aufschreiben als körperlicher Vorgang vollkommen rational ist. Wer schon mal einen Schnellschreiber in seiner kreativen Phase erlebt hat, weiß, was ich meine. Schneller Schreiben als Denken könnte die Devise lauten. Oder besser: Schneller schreiben als Sprechen.
Das Sprechen wäre der einzige wirklich kreative Prozessbestandteil beim Schreiben. Heute ist absehbar, dass wir in einigen Jahren nicht mehr mit der Tastatur schreiben werden – sofern wir irgendwo alleine sind – sondern Text unserem Lieblingsgadget diktieren werden. Das Gesprochene wird dann unmittelbar in Text umgewandelt und wir können zumindest diesen Teil des Prozesses vom Tippen ungebremst ablaufen lassen.
Denn die Tastatur ist nur ein Notbehelf. Wenn man nicht gerade Steno beherrscht, wird man nie schneller denken als Schreiben können. Der physische Prozess des Schreibens bremst immer das Denken aus.
Mir ist das aufgefallen, als ich auf meinem iPad zu tippen begonnen habe. Man mag über Tablets sagen, was man will, aber zum Schreiben von texten sind sie ungeeignet. Das Gerät reagiert auf Eingaben von Buchstaben sehr träge. Das Zehn-Finger-System funktioniert hier nicht.
Aber das schlimmste ist, dass man nachdenken muss, bevor man einen Buchstaben tippt. Jeder Tastaturschreiber wird bestätigen, dass man besser fährt, wenn man nicht mehr auf die Tastatur guckt. Nach einiger Zeit geht einem das Tippen auf einer Tastatur so flüssig von der Hand, dass man gar nicht mehr darüber nachdenken muss. Das bilt übrigens auch für das Schreiben von SMS auf den alten Handys mit einfachen haptischen Nummernblock. Selbst hier kann man halbwegs flott schreiben und muss nicht auf die Tastatur gucken. Beim iPad muss man hingegen immer darauf achten, ob man den richtigen Buchstaben gedrückt hat. Hier kollidiert die Rationalität mit der Kreativität und würgt sie rücksichtslos ab.
Ich sehe hier auch die Ursache dafür, dass überwigend noch auf Notizblöcke geschrieben wird, Papier hat eben doch einige Vorteile. Das man flüssig auf dem iPad schreiben kann, halte ich bisher für Zukunftsmusik. Das Schreiben als physischer Prozess muss immer intuitiv erfolgen. Sobald man Aufmerksamkeit auf den physischen Prozess lenken muss, fehlt die Aufmerksamkeit an anderer Stelle.
Letzten Endes ist es aber eine Frage der Gewönung. Die meisten Maschinenschreiber tun sich zunächst schwer, wenn sie von einer Schreibmaschine auf eine Tastatur oder von einer Desktop-tastatur auf eine Notebook-Tastatur umsteigen müssen. Es ist im Wesentlichen eine Frage der Gewöhnung. Deswegen kann es durchaus sein, dass man mit anderen Eingabegeräten bald ebensogut schreiben kann wie auf der klassischen Tastatur.

Die Apfel-Strategie

Apple war lange Zeit ein Nischenanbieter auf dem Markt für Personalcomputer. Ein Kuriosum in der Geschichte ist wohl, dass Apple eine kleine, aber stabile Fangemeinde hat, während der große Konkurrent Microsoft zwar massenhaft Anwender, aber kaum Freunde hat. Im ZD-Net erschien ein Beitrag, der unter anderem Apples Fangemeinde unter die Lupe nimmt:

Nun zum vierten Lehrsatz – Menschen zu formen und sie zu konstruktiven Aktionen zu mobilisieren. Ja, Apple-Jünger wurden effektiv mobilisiert und dienen brav den Gedanken des iJuche. Alle Kritik wird kategorisch verworfen und als unqualifiziert abgetan.

Quelle
ZDNET fragt an anderer Stelle, ob Apple-Jünger am Stockholmsyndrom leiden.
Vor einigen Jahren war Microsoft noch das, was Google heute ist: ein passables Feindbild, ein Quasi-Monopolist, ein Datensammler mit einem sehr schlechtem Ruf.
Apple hat es wieder Erwarten geschafft, den Markt für MP3-Player und Mobiltelefone aufzurollen. Weniger in dem Sinne, dass Apple zum Marktführer geworden wäre, sondern dadurch, dass seine Produkte zum Maßstab geworden sind, an dem man die Qualität eines Produkts misst.
Was Design und Bedienbarkeit angeht, sind Apple-Produkte bisher ungeschlagen. Zwar gab es schon zuvor berührungsgesteuerte Oberflächen, aber erst mit dem angepassten Betriebssystem und der intuitiven Gestensteuerung sowie dem Multitouch ist diese Oberfläche überhaupt interessant geworden.
Zugleich hat es Apple geschafft, eine Fangemeinde für seine Produkte aufzubauen, was nun wirklich kein Hersteller von Computern, Software, Mobiltelefonen und MP3-Spielern geschafft hat. Die Ausnahme ist Linux, wo die Gemeinde wegen der vielen Distributionen aber stark zersplittert ist.
Diesem Umstand ist es zu danken, dass Apples Marketing-Strategie so hervorragend funktioniert und so wohl von keinem anderen Unternehmen möglich wäre. Durch gezielte Indiskretionen werden „Geheimnisse“ an große Multiplikatoren wie Journalisten oder bekannte Blogger weiter gegeben. Zugleich entwickeln sich in den großen Communities Spekulationen über angebliche neue Funktionen, Geräte oder Betriebssystem-Versionen. Da Apple diese Gerüchte nicht persönlich durch seine Marketing- oder PR-Abteilung bekannt gibt, muss es sie auch nicht dementieren. Große Computermagazine wie Heise oder Golem in Deutschland greifen diese Gerüchte ebenso gerne auf wie die Printmedien, in den Foren finden heiße und hitzige Debatten statt, der obligatorische Kommentar, dass Apple überbewertet sei und man doch über andere Dinge berichten möge, darf ebenfalls nicht fehlen. Wenn der Begriff „virales Marketing“ nicht so ausgelutscht wäre, würde er hier hervorragend passen. Apple spielt auf der Klaviatur der Medien und des Web 2.0 wie auf einem Mac.
Die Apple-Events werden groß inszeniert, der begabte Rhetoriker und Apple-Übervater Steve Jobs präsentiert die Produkte in einer großen Live-Show. Wichtige Persönlichkeiten werden exklusiv eingeladen, um die Geräte in die Hand zu nehmen, bevor sie ein Normalsterblicher überhaupt zu Gesicht bekommt.
Doch was will Apple eigentlich? Es erscheint mit dem Tablett relativ klar zu sein: Apple möchte den mobilen Konsum von Medien managen. Da ist der iPod zum Musik-Hören und Videos schauen, das iPhone, welches solche Inhalte empfangen und versenden kann und der große Bruder, das Tablett, das vor allem Videos zugänglicher macht, aber auch Bücher, Magazine, Zeitungen und andere „Print“-Produkte zugänglich machen soll. Das Problem der E-Reader mit E-Ink, dass sie für Magazine oder farbige Graphiken ungeeignet sind, hätte sich mit dem IPad erledigt.
Zugleich soll das iPad die Netbooks verdrängen und wird parallel der kleine – weil billigere – Bruder des iPhones. Außer Telefonieren kann man schließlich alles mit dem iPad erledigen, was das iPhone für mehr Geld auszeichnen soll.
Niemand weiß genau, wie viel Geld Apple in Marketing und PR steckt und es ist sicher mehr, als man glaubt: eine solche Kampagne muss genau geplant und überwacht werden. Wenn die Community einmal allzu sehr über die Stränge schlägt, ist auch mal ein Dementi fällig.
Dennoch dürfte Apple mit geringem Einsatz den größten Hype ausgelöst haben, den es in letzter Zeit überhaupt um irgend ein Produkt gegeben hat. Selbst Windows 7 und Google Wave scheinen nicht so spannend gewesen zu sein. Ob das Gerät ein Erfolg werden wird, bleibt abzuwarten. Hinterher könnte es sich als Fehler herausstellen, dass man das Gerät zwei Monate vor der Markteinführung vorgestellt hat, bis zur Markteinführung könnte es sich ausgehypt haben.