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Zwischen Pflug und Laptop – das Dilemma der Entwicklungspolitik

Die Kernfrage der Entwicklungspolitik ist heute, ob man das Industriezeitalter überhaupt noch erleben kann oder direkt in die Dienstleistungsökonomie einsteigen soll. Im niederschwelligen Industriebereich – billiges Plastik-Spielzeug, Textilien, Einzelteile – dominiert China mit niedrigen Löhnen und guten Maschinen. Doch die hohen Gewinne werden heute in der Hightech gemacht, in der Produktion von Autos, Computern und Maschinen wie Industrierobotern. Das erfordert hohe Qualifikationen oder teure Produktionsstraßen. China ist mittlerweile auch ganz groß in der Produktion von Computern. Der Rest wird von den Industriestaaten erledigt, Deutschland ist etwa führend bei Industrierobotern und Werzeugmaschinen.

Indiens IT-Wirtschaft ist zwar weltberühmt, aber relativ klein, zwei Drittel und mehr der Inder leben von der Landwirtschaft, häufig mit primitivsten Mitteln.

Entscheidend ist heute der Transfer von Wissen und Technologie. Eine der bekannten Initiativen dazu stammt von dem US-Amerikaner Nicolas Negroponte – die berühmte One-Laptop-per-Child-Initiative. Dabei soll jedes Kind einen Laptop für 100  Dollar erhalten. Dieser Laptop soll mit Lernsoftware ausgestattet sein.

Afrika zeigt auch den kreativen Umgang mit Handys auf einem Kontinent, auf dem kaum jemand einen Festnetzanschluß hat, geschweige denn sich die Telefongebühren leisten kann.

Afrika und Asien könnten ironischerweise auch der Freien Software zum Durchbruch verhelfen. Bill Gates hat zwar eine schöne Stiftung zur Krankheitsbekämpfung entwickelt, Windows und Office an arme Leute verschenken will er offensichtlich nicht.

Das große Dilemma der Entwicklungspolitik besteht in der Frage, ob man

– einen vorhandenen Status verbessern
– ein kapitalistisch-industrielles
– oder ein Dienstleistungs- und Informationswirtschaftssystem etablieren soll.

Mahatma Gandhi hatte ersteres vor. Er selbst hatte in einer Art Kommune gelebt, den Stoff seiner Kleidung selbst angefertigt und einfache ungewürzte Speisen genossen. Das gleiche schwebte ihm für ganz Indien vor. Eine Art Agrarstaat, vielleicht mit geringer materieller Unterstützung mit Wasser, Dünger und Infrastruktur durch den Zentralstaat.

Der erste indische Premierminister Nehru und dessen Nachfolger wollten jedoch einen klaren industriellen weg. Mit dem Ergebnis, dass die Inder fast alles, aber auch fast nur nichtexportierbares produzierten. Und auf Hightech mussten sie ganz verzichten. Ein komplexes Lizenzsystem würgte zudem absichtsvoll die Innovationsfähigkeit des Kapitalismus nieder.

Die Importsubstiution war auch im Lateinamerika der 60er und 70er Jahre ein Reinfall – man muss ihnen aber zugute halten, dass sie das nicht wissen konnten. Von der Theorie her wirkt die Importsubstitution nach wie vor plausibel.

SYSTEMS am Ende kaum Neues

Die SYSTEMS neigt sich heute ihrem Ende zu. Halb möchte man ihr gratulieren, dass sie zum letzten Mal statt findet, denn den Anspruch einer großen Messe für Business-Anwendungen kann sie nur schwer aufrecht erhalten.

Branchengröße Microsoft war kaum vertreten. Datenbank-Spezialist Oracle veranstaltete lediglich eine Konferenz zu Enterprise 2.0 und auch andere internationale Größen ließen sich kaum sehen.

Dass keines der Hauptthemen Business-spezifisch war – CRM, Business Intelligence oder ERP – hat schon angedeutet, dass der Business-Schwerpunkt verloren zu gehen drohte.

Das Konferenzprogramm war nur ein schwacher Trost dafür, dass andere Themen vernachlässigt wurden, denn auch das Rahmenprogramm war wenig Business, wenn auch nicht uninteressant.

Möglicherweise ist die IT mittlerweile zu ausdifferenziert, um alles auf einer großen Messe zu machen. Das würde auch bedeuten, dass die CEBIT bald ihr Ende findet. Denn Spezialisten langweilen sich, wenn es nicht in die Tiefe geht. Tiefe hingegen schreckt die Laien ab.

Vermutlich werden also bald Sondermessen an Gewicht gewinnen, dass könnte ein Vorteil für alle Beteiligten sein.

Immer, überall, jederzeit – vereint kommunizieren

Und wenn Sie es nicht mögen, können Sie es ja zurückgeben. Oder auch nicht. Unified Communications ist der neue Hype der IT-Branche. Instant Messaging, E-Mail, Video, Voice over IP – alles aus einer Hand, alles in einer Oberfläche.

Während die Kanäle möglicher Kommunikation immer zahlreicher werden, ist die Infrastruktur aus der Steinzeit. Die Kollegin, die zwei Tage die Woche in einem anderen Bürogebäude sitzt, muss über eine Kollegin im alten Büro ihre Anrufe übermittelt bekommen. E-Mails werden – je belangloser, desto besser – ausgedruckt und archiviert. Faxe, die zum gleichen Kontext gehören, werden ebenfalls archiviert – aber woanders.

Wird nun alles wunderbar? Wahrscheinlich nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass solche Technologien nie das einhalten, was sie versprechen. Videoconferencing hat sich auch deshalb nicht durchgesetzt, weil es die Möglichkeit nicht bietet, jemandem die Hand zu schütteln. Weihnachten im engsten Famlienkreis würde man schließlich auch nicht über eine Konferenz-Schaltung machen.

Auf die Gefahren des Präsenzmanagement habe ich schon aufmerksam gemacht. Zu irgendeinem Zeitpunkt wird es wirklich nicht mehr möglich sein, unerreichbar zu sein. Der U-Bahn-Tunnel ist dann kein Refugium für Mobilfunk-Geplagte, der Mount Everest wird über Satelit versorgt und selbst das Bermuda-Dreieck bekommt seinen Telefonanschluss. Aus einer möglichen Erreichbarkeit wird eine ständige Verfügbarkeit. Und manche werden dankbar nicken und sagen, dies ist notwendig und gut.