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Access-News vom 2. Juli 2010 – sterbende E-Book-Reader und tanzende Buchstaben im Flash-Format

Nach dem Motto „Totgesagte sterben schneller“ erklärt ZDNet die reinen E-Book-Reader zur aussterbenden Gerätekategerie. Einerseits sind die Geräte trotz jüngster Preissenkungen noch zu teuer, andererseits bekommen sie Konkurrenz durch Tablets und Smartphones mit hervorragenden Displays. Da es in Deutschland bis heute kaum neues und aktuelles Lesefutter für die Geräte gibt, werden wir dem wohl nicht hinterher trauern. Allerdings bringt Amazon einen neuen großen E-Book-Reader auf den Markt, der wohl immer noch ohne Unterstützung für Blinde auskommt, obwohl Amazon dieses Manko ausbügeln wollte.

Gerade für Menschen mit Sehschädigung könnte es nützlich sein, einen Reader mit EInk zu haben, wo die Schrift frei vergrößert werden kann. Für Blinde und Menschen mit Lernschwäche wäre die Vorlesefunktion ein unschlagbarer Vorteil gewesen. Wir dürfen uns bei der deutschen Buchindustrie und ihrem Börsenverein des deutschen Buchhandels dafür bedanken, dass es kaum EBooks gibt oder sie unerschwinglich sind, bei Amazon dafür, dass der Kindle nicht barrierefrei ist und bei Adobe dafür, dass ihre Digital Editions-Software, die zum Verwalten und Lesen der Bücher auf dem Computer nötig wäre nicht barrierefrei ist. Danke.

Flackernde Buchstaben

Die Firma NuCaptcha möchte Spamschutz über Flash einbinden. Das wird natürlich voll umfänglich barrierefrei mit Audio-Alternativtexten. Und es ist voll modern, weil Flash. Warum das jetzt für Menschen besser lesbar sein soll als die Pixelgraphiken und für Spambots schlechter, erschließt sich mir nicht. Die Buchstaben erinnern mich an die früher beliebten Newsticker, die von rechts nach links über die Seite vagabundieren. Nur das diese hier auch nebenbei noch horizontal wandern. Ich plane gerade einen Artikel zu Captchas, vielleicht komme ich darauf zurück.

Monopole schaden

Man stelle sich vor, man hätte eine DVD gekauft. Der nette Herr aus dem Supermarkt kommt zu Ihnen nach Hause, erklärt kurzerhand, diese DVD sei eine Raubkopie und vernichtet sie vor ihren Augen.
Einen echten Vorgeschmack auf das rigide Digital Rights Management lieferte Amazon mit seinem Kindle. Amazon kontrolliert sowohl das physische Gerät als auch die Vertriebswege und die Daten. Andere träumen davon, für die meisten Konsumenten ist das aber ein reiner Albtraum.

Gerade Amazon, welches stets um seine Reputation besorgt ist, muss sich hier Kritik gefallen lassen. Es bleibt zu hoffen, dass Amazon ähnlich wie Apple beim I-Pod in Zukunft davon absehen wird, ein Monopol und die totale Kontrolle über die Inhalte zu behalten. Im anderen Falle gibt es genügend Alternativen auf dem Markt der E-Book-Reader.

Der Vorleser bleibt stumm

Zumindest wird Amazons „Kindle“ künftig bei einigen Büchern schweigen. Die amerikanische Authors Guild sieht diese Vorlesefunktion als eine Form der Aufführung an und übte auf den Entwickler Amazon Druck aus, die Funktion abzustellen. Nun hat die Authors Guild laut Golem.de die Möglichkeit, diese Funktion bei ihren Büchern abstellen zu lassen. Der andere große Anbieter Sony wird hier sicher nachziehen, falls eine solche Funktion bei seinen Geräten jemals Einzug halten wird.

Blinde, Sehbehinderte und andere Menschen mit Sehschwäche werden sich bei der Autorengilde herzlich bedanken. Wer die Qualität von Sprachsyntesizern kennt, findet allein den Gedanken absonderlich, diese seien mit öffentlichen Vorlesungen zu vergleichen.

Es zeigt aber auch einmal mehr, wie viel die Unternehmen von Nutzerfreundlichkeit verstehen. Ob Apples IPod, der nur das firmeneigene Format abspielte. Oder Sonys MD, die nicht zuletzt deshalb tot ist, weil man per USB zwar Stücke auf die Minidisc spielen kann, aber diese Stücke nicht auf den PC zurückspielen kann. Natürlich deshalb, weil Sony sich selbst in der Musikindustrie engagiert. Der Buchhändler Amazon mochte sich wohl eben so wenig mit den Produzenten seines wichtigsten Produkts anlegen. Man mag nur hoffen, jemand anderes wird ein besseres, günstigeres und vor allem nutzerfreundlicheres Produkt dieser Art auf den Markt bringen.