Schlagwort-Archive: Kommunikation

Fundsachen Behinderung und Technik – zu wenige Untertitel und erleichterte Kommunikation

AccessTech News scheint von WordPress zu Blogger.com umgezogen zu sein, sofern das der gleiche Autor ist. Der Blog hat immer mal ein paar interessante technische Entwicklungen für Behinderte zu bieten, ist allerdings Englisch.

Gehörlose zeigen sich unzufrieden mit der Untertitelungsquote im deutschen Fernsehen. Eine Statistik dazu gibt es in Sign-Dialog.

Eine iPhone-App soll mit Bildern die Kommunikation und den Spracherwerb von Autisten erleichtern. In einem Interview mit Autismus-Kultur erklärt die Erfinderin Lisa Domican, wie das funktioniert.

MyHandicap berichtet über einen Nervenschrittmacher, der zum Beispiel bei einem Schlaganfall ausgefallene Körperteile wieder steuerbar machen soll.

Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit und die Lebenshilfe haben einen Kriterienkatalog “Barrierefreiheit für Menschen mit kognitiven Einschränkungen” herausgebracht. Die Broschüre dreht sich um die Zugänglichkeit von technischen Geräten und Wege-Leitsystemen, ist aber auch sonst lesenswert. Man kann sie beim BKB bestellen oder hier als PDF runterladen. Wer sich nebenbei dafür interessiert, wie man barrierefreie Veranstaltungen für Behinderte organisiert, sollte einen Blick auf das Handbuch Inklusion (PDF) der Caritas werfen.

Offtopic

Abseits von meinem Thema, aber lesenswert, die FAZ hat ein paar Artikel zum Thema Studium und Behinderung veröffentlicht:

Aus Freude an der Kommunikation

Es steht heute in jeder Stellenausschreibung: Sei kommunikationsstark! Sogar der Abfall-Abtransport-Fachmann muss heute vermutlich Krisenkommunikation treiben, wenn zum Beispiel ein verrotztes Taschentuch am Boden des Containers klebt.

Man wagt es kaum noch, sich über unverlangte Werbung im Briefkasten zu beschwerden. Wenn sie adressiert ist, hat man sie sich ohnehin selbst eingehandelt. Da haben es einige mit der Kommunikationsstärke wohl zu weit getrieben. Die größte Werbeschleuder dieser Art ist mittlerweile die Deutsche Post. Unverlangt erhält man eine Plastiktüte voller Werbung in den Briefkasten. Gut 100 dieser Packen liegen Samstag auf den hochhäuslichen Briefkästen.

Doch das größte Ärgernis ist heute die Massenkommunikation. Einige Leute meinen, sie müssten E-Mails an Hunderte von Personen verschicken, um ihnen etwas von wenig Belang mitzuteilen. Sie besitzen nicht die Gnade, die Adressaten zumindest in die BCC zu setzen. Einige wollen vermutlich ihre Mitbürger mit der großen Zahl der Leute beeindrucken, die sie kennen.Ich erhalte durch diverse Mailinglisten mittlerweile um die dreißig Mails am Tag. 25 davon werden ungelesen gelöscht. Über Filter werden die Mails automatisch einsortiert, die Mails von Mailinglisten landen praktisch alle ungelesen im Müll.

Wir sollten weniger Kommunikation wagen: Twittern statt Mailen, unsere Lebensweisheiten über Blogs, RSS oder StudiVZ verbreiten, wo sie jeder lesen kann, wenn er mag. Wir sollten öfter mal zum Telefon greifen, die zwanzig Meter zum Büro unseres Gesprächspartners nehmen, wir sollten Briefe schreiben und uns Mühe geben, die Kommunikation diszipliniert und entspannt zu gestalten. Und den Computer abschalten.

Chinesisch schreiben lernen heißt Verstehen lernen

Vor längerer Zeit gab es eine Sendung im WDR 5 – habe sie leider im Web nicht gefunden, über das Chinesische. China ist riesengroß und 1,3 Millarden Einwohner. Die Sprache ist so beschaffen, dass nur sehr wenige Menschen das Hochchinesische beherrschen.

Als universelles und zeitenübergreifendes Verständigungsmittel dienen deshalb die chinesischen Schfitzeichen. Bekanntermaßen basiert das chinesische Schriftsystem nicht auf Laut- und Silbenachbildung wie das unsere.

Im Endeffekt läuft das darauf hinaus, dass die Zeichen im ganzen Land gleich geschrieben werden und die gleiche Bedeutung haben, sie aber in jedem Landesteil anders ausgesprochen werden.

Kurioserweise kann ein Chinese somit die Werke von Lao Tse oder Konfuzius lesen, hat aber vermutlich Probleme, seinen Verwandten aus der nächsten Provinz verbal zu verstehen.

Das ist im übrigen nicht weiter überraschend. Der Hamburger kann seinen Nachbarn aus Dänemark vielleicht besser verstehen als den Bayern. Kaum ein Europäer spricht mehr als seine Muttersprache fließend, die erste Fremdsprache klingt eher mau und die zweite Femdsprache ist oft gar nicht vorhanden. Und das, obwohl der Schulbesuch gerade diese Fremdsprachen verfestigen sollte.

Die Basis einer Universalsprache müsste also damit beginnen, universelle Zeichen zu erstellen. Doch die Kernbarriere liegt weniger in der Fähigkeit, eine solche Sprache zu entwickeln als in der Bereitschaft, eine andere als die Muttersprache gut zu erlernen.

Multi-Welten

Wer meine Blog-Tätigkeit eifrig verfolgt hat wird wissen, dass ich ein Anhänger der Mulitweltenthese bin. In dieser These geht es darum, dass unser Geirn für die Erstellung der Wirklichkeit verantwortlich ist und wir uns infolge dessen in unserer Wahrnehmung fundamental unterscheiden. Die Tätselfrae ist, warum trotz divergierender Wahrnehmung uns verständigen können. Es muss irgend wie parallele Bahnen der Wahrnehmung geben.

Es ist aber kein Geheimnis, dass Kommunikation scheitern kann und permanent scheitert. Paul Watzlawick RIP hat das sehr schön deutlich gemacht. Sie scheitert zwischen den Geschlechtern, den Generationen, den Kulturen, zwischen Gesellschaftsschichten und selbst unter Gleichaltrigen, Gleicberufenen. Dieses Scheitern bietet unendlichen Stoff für Literatur und Film.

Deshalb müssen wir lernen, auf den Anderen zuzugehen, denn er ist in der Regel ebenso unsicher wie wir. Manchmal möcte er auch einfach nicht – aber es lont sich immer, es zu versuchen.